Neben meiner Tätigkeit hier bei den Blogpiloten bin ich ja viel als Medien- und Verlagsberater in Deutschland unterwegs. Auf Konferenzen und bei Vorträgen habe ich in diesem Jahr auch ab und an über den Kindle von Amazon, elektronische Lesefolien und andere neuartige E-Reader gesprochen bzw. wurde gefragt, ob das das nächste große Ding ist und ob man als Verlag da unbedingt mit dabei sein muss. Meist habe ich dann auf Basis meines Fachwissens und meines gesunden Menschenverstandes argumentiert, aber immer mit dem flauen Gefühl, Kindle und Co. noch nie selbst in der Hand gehabt zu haben - wie übrigens auch 99,9% derer, die mich dazu befragt haben.
Ähnlich war es damals beim iPhone. In der Theorie wirklich ein maximal medienkonvergentes Gerät und als ich es dann irgendwann endlich in der Hand halten und testen konnte, war schnell klar: DAS Ding wird die digitale Welt verändern - und so war es dann ja auch.
In Sachen Kindle blieb also auch nur der einzige Weg: Kaufen! Gesagt getan, der Kindle kam vor drei Wochen bei mir an. Ausgepackt, aufgeladen, anmachen und nach gefühlten 2,57 Sekunden hatte ich den Reflex das Teil direkt wieder einzupacken und zurück in die USA zu schicken. Genau das habe ich inzwischen - und nicht nach den gefühlten 2,57 Sekunden - auch getan. Dass ich das Gerät dann doch länger behielt, lag daran, dass ich wissen wollte, warum nach gefühlten 2,57 Sekunden der Antireflex kam. Dazu aber gleich mehr.
Vorab noch mein Eindruck aus den gefühlten 257 Blogpostings, die ich über den neuen Kindle in Vorfreude auf mein eigenes Exemplar gelesen habe. Als Revolution, das nächste große Ding, benutzerfreundlich, leicht, klein, kompakt, gut lesbar (auch bei dunklen Lichtverhältnissen wie viele deutlich betonten) usw. usf. wurde der Kindle gefeiert. Im Nachhinein haben gefühlte 99,2 Prozent dieser Beiträge den Kindle nur deswegen über den grünen Klee gelobt, weil sie entweder dafür bezahlt wurden oder aber schlicht und einfach damit angeben wollen, dass sie zur “Elite” der early Adopter und der early “Kindle-Ergatterer” gehören.
Nun zu meiner Einschätzung: Unbestritten ist die Idee, ein permanent an den mächtigen und wachsenden Amazon-Katalog angebundenes mobiles Endgerät zu entwickeln, eine gute. Die damit verbundenen Wertschöpfungsketten haben ihren Reiz, ja. Soweit so gut. Unbestritten ist es auch toll, wenn man es schafft, eine solche Idee zur Marktreife zu bringen. Des Weiteren ist es aber auch unbestritten, dass, wenn der Kindle 2 quasi die positive Weiterentwicklung und Verbesserung des Kindle 1 sein soll (den ich leider nie in der Hand hatte), etwas grundlegend schief gelaufen sein muss, bei der Ausarbeitung der Idee. Denn:
der Kindle ist für mich eine Usability- und User Experience Katastrophe. Intuitiv ist anders! Knöpfe oben, Knöpfe unten, Tastatur mit schlechten Druckpunkten und ein Joystick, der mit Joy so viel zu tun hat wie höllische Zahnschmerzen.
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