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Heimarbeit als Energiewende

Pendeln macht dumm. Pendeln macht arm. Und es verschwendet jedes Jahr Milliardensummen, die wir besser investieren könnten. Leider haben wir eine große Tradition darin, die falschen Töpfe mit Geld zu füllen. Die Finanzkrise scheint vorbei. Alle Zeichen deuten daraufhin, dass es auch eine Bedeutungskrise war. Zuviel Entscheidungspotential wurde an automatisierte Intelligenz abgegeben. Wir nennen das gern Prozessautomation. So konnten Versicherungen und Banken viele Sachbearbeiter in Software gießen. Die Konsequenz in einer unsicheren Marktsituation war Folgendes: Kaskadenartig expandierten Fehlentscheidungen. MIT-Professor Peter Senge hatte doch die Lernende Organisation auf Rezept verschrieben. Wissen musste auf Teufel komm raus integriert werden. Leider glaubte man damals noch, dass Wissen in Datenbanken und Projektmanagementtools speicherbar sei. Leider glaubt man noch heute, dass mehr Wissen zu besseren Entscheidungen führt. Dabei ist ein heuristisches Vorgehen nach Intuition in unsicheren Zeit immer dem Sammeln von Fakten überlegen. Außerdem ist es deutlich schneller. Wie die digitale Arbeitswelt unsere Zivilisation rettet Aber Schnelligkeit ist etwas anderes als Geschwindigkeit. Denn unseren bisherigen Organisationsstrukturen droht das Aus. Keiner kann es sich ökologisch und ökonomisch leisten, enorme Büroräume vorzuhalten, wo die Angestellten effektiver in einer Work-Life-Balance arbeiten und dabei auch noch dem Unternehmen Emissionen einsparen helfen. Weniger Pendler in der Firma und schon kann man Emissionstitel handeln. Noch nicht jetzt, aber in 2020. Der Computer ist das Büro der Zukunft – auch und gerade wenn er ins Telefon hinein wächst. 1. Warum wir das weltweite Netz und viele kleine Zugangsgeräte überall brauchen Mobilität ist ein Märchen der Vergangenheit. „Wenn wir unseren Ölverbrauch auf dem aktuellen Niveau befriedigen wollen, dann müssen wir jetzt schon Quellen nutzen, die viermal so groß sind wie die Vorkommen in Saudi Arabien“, sagt Matthew Simmons ehemaliger Berater der US-Regierung in Sachen Energiepolitik. Wenn wir bedenken, dass in Europa und Amerika zwischen 700 und 800 Menschen pro Tausend Einwohner ein Auto besitzen und in China nur 19 oder in Indien nur 8, dann sind unsere Zukunftsaussichten gelinde gesagt illusorisch. Und die Experten denken bei Zukunft an eine Zeit nach 2020! Es gibt Rettung. Wir müssen sofort die Abermillionen gefahrenen Kilometer sein lassen, die jeder Mitarbeiter jeden Morgen und Nachmittag zur Arbeit und nach Hause pendelt. So könnten wir uns noch einige Dekaden lang das lebenswichtige Öl leisten. Wofür? Über 90% der chemischen Industrie basiert auf Erdöl: Pharmaunternehmen, Gebrauchsgüter, Plastikherstellung und vieles mehr. Home-Offices – also die Arbeit im trauten Heim – ist keine alternative Form der Gestaltung innovativer Arbeitsumgebungen sondern ein Akt des Überlebens unserer modernen Zivilisation. Wir können es uns in 15 Jahren finanziell und ökologisch gar nicht mehr erlauben, die riesigen Bürotürme zu beheizen während zuhause die eigene Heizung acht Stunden lang viele unbewohnte Zimmer bei konstant 20 Grad Celsius vorhält. Es geht hier nicht um Schreckensszenarien von Ökospinnern sondern um rationale Erwägungen. Zum Glück wurde rechtzeitig ein Mittel erfunden, um den enormen Bedarf an Kommunikation einer arbeitsteiligen Arbeitswelt ohne den Verbrauch enormer fossiler Ressourcen zu realisieren: das Internet. Videokonferenzen, E-Mail, Chat und das Verfügbarmachen des eigenen Desktops für Kollegen, die einige Zeitzonen entfernt sitzen, ist aktuell das einzige Szenario, wie eine globalisierte Wirtschaft denkbar ist. Denn auf absehbare Zeit werden wir es uns nicht mehr leisten können, dass irgendwo in der Welt ein armer Teufel sitzt und für uns Geräte zu einem Hungerlohn zusammenbaut. Wegen der extrem teuren Transporte, wird diese Art der Globalisierung sehr schnell ein Ende finden. China? Überlegen Sie mal, was im Rentensystem passiert, wenn 3 Milliarden Senioren von 1,5 Milliarden Kindern finanziert werden müssen. Der asiatische Riese wird 15 Jahren an seinem Sozialsystem implodieren. Brasilien ist da deutlich weiter und reicher an Bodenschätzen. Leider will niemand die Abermilliarden der Brasilianer haben. Außerdem sind sie ein sehr kommunikatives Volk. Das hilft, die persönlichen, sprachlichen und mentalen Barrieren zwischen Menschen abzubauen. Das können wir in Deutschland nicht mit dem 101. Intranetprojekt schulen. Da hilft auch kein Pfadmanagement oder andere innovative Formen der Organisationsentwicklung. Kultur kann man nicht lernen. Sie entsteht nur in Abwesenheit von Angst. 2. Wovon sprechen wir, wenn im Arbeitsalltag Kommunikation stattfindet? Aktuell laufen den Entscheidern viele Social Media Berater über den Weg. Sie erklären das Zeitalter des Taylorismus für beendet und negieren die Prozessperspektive, die SAP und Business Process Management über uns gebracht haben für gescheitert. An deren Stelle setzen sie ein neues Paradigma des kommunikativen Austauschs. Wenn man das vorhandene interne oder das weltweite Datennetz nur intelligent genug einsetzt, dann helfen sich alle Mitarbeiter gegenseitig in einem riesigen Akt altruistischer Unterstützung. So werden Blogs, Wikis und Microblogging als Massenschöpfungswaffen einer neuen Arbeitswelt angesehen. Die Webkonferenzen sind voller Fachleuten aus der Informatik, BWL und den Sozialwissenschaften, die uns erklären, wie Enterprise 2.0 – also das Arbeitsumfeld im Webzeitalter – eigentlich konstruktiv genutzt werden kann. Aber was kann das Netz wirklich? Zuerst haben wir jeden Brief im Posteingang abgefangen, gescannt und dann per virtuellem Postkorb auf den Bildschirm der Sachbearbeiter gezaubert. Dann haben wir diese Abbilder der Korrespondenz mit Metadaten aufgeladen und mit ihrer Hilfe Prozesse definiert, die das Bearbeiten halbautomatisch erledigten. Riesige Datenbanken wurden mit Konvoluten über Kundenprojekte, Teillösungen und stundenlangen Debriefingsitzungen gefüttert um in einem Fanal des Wissensmanagements alles und jeden an das Firmenwissen anzuschließen. Schließlich und endlich sahen wir ein, dass Wissen in Datenbanken schneller schlecht wird als Rohmilch im Hochsommer. Dann traten die Damen und Herren mit Social Software auf den Plan und erzählten uns, was wir sowieso schon ahnten: Wir haben teure Wissenssilos. Wir haben kein Kontextwissen, um das gespeicherte Wissen mehrfach zu nutzen. Und wir sind zu langsam. Wir alle aber wissen, dass das eigentliche Problem darin liegt, dass wir keine Zeit mehr haben. Selbst wenn wir unseren Kollegen mit Blogs, Wikis und twitter helfen wollten, wer sollte in der Zwischenzeit unsere eigentliche Arbeit erledigen? Denn die Gewinnsteigerungen der letzten Jahre beruhten schlicht darauf, dass dieselbe Arbeit, die noch in den Neunzigern mit 40 Leuten geschafft wurde, nun mit 18 Kollegen geleistet werden muss. Da ist der tägliche Kampf gegen Warenwirtschaftssysteme, E-Mail und das Intranet noch gar nicht eingerechnet. Und dabei leisten wir uns noch immer zwei Stunden am Tag An- und Abreise von und zur Arbeit. Wo ist da auch nur der Ansatz zu einer Work-Life-Balance? Das Lied der inneren Kündigung wird auch mit Tischfußball und Yoga morgens in der Kantine nicht lieblicher. Um wirklich im Team zu arbeiten, reicht nicht ein jour fix am Mittwochnachmittag. Um erfolgreich neue Märkte zu erobern, hilft es auch nicht, einfach mal die Suchmaschinen von twitter oder Google danach zu durchforsten, was die anderen so tun. 1998 wurde im cluetrain manifesto postuliert, dass Märkte Gespräche seien. Wer also vor gar nicht allzu langer Zeit, diese Gespräche aus der Firma und in die Firma gekappt hatte durch eine straffes Zeitmanagement, der braucht heute keine neuen basisdemokratischen Social Software Tools einzuführen. Verängstigte Mitarbeiter werden in keiner Weise offenen Dialog mit ihren Kollegen führen. Und da sie das intern nicht tun, werden sie auch mit den Kunden und Partnern ihres Unternehmens genauso wenig offen sein. 3. Unternehmenskultur ändert sich in Jahrzehnten kaum. Keiner hat eine Lösung im Schreibtisch.

Wissenschaftler wie Dr. Gerd Gigerenzer laufen durch die Republik und verkünden das Zeitalter der Intuition. Ein Zuviel an Information hindert uns an den richtigen Entscheidungen. Ein Zuviel an Nachdenken hindert uns ebenso. Ist das so? Vor dem Siegeszug der Systemtheorie gab es eine vielversprechende Idee in der Dialogphilosophie: das Zwischen. Es ist ein freier Ort, der nötig ist, damit sich Ich und Du begegnen können. Wer ihn kontrollieren will, zerstört ihn. Von erfolgreichen Startups können wir eines lernen. Schnelle Iterationen sind besser als gründliche Prüfungen. Wer die kritische Masse von 20-30 Menschen in einer Abteilung überschreitet muss Gruppenbildung aktiv unterstützen. Das geht am schnellsten über Gestaltungsspielräume. Was soll die Gruppe gestalten? Als Erstes die Schnittstelle zur Umwelt. Nochmal: Das erfordert eine Kultur, die nicht auf Angst und Gehorsam basiert. Dann werden die inneren Kündigungen abnehmen. Wir kennen die Effizienzdiskussion aus der Energiedebatte. Haben wir sie schon in Bezug auf die Milliarden ungehobener Euros diskutiert, die in den Mitarbeitern schlummern, die angstfrei einfach mal ihre Meinung sagen und damit neue Wege ebnen. Haben erfahrene Mitarbeiter genug Gestaltungsspielraum? Die wahren Schätze sind auf demselben Flur wie wir. Nutzen sie internes Storytelling mit unabhängigen Kräften – in der Not auch anonym. Oder lassen Sie den Menschen mit Avataren und anonymen Kommentaren im Intranet die Chance zu sagen, was wichtig ist. Es mag zunächst seltsam anmuten, aber dieser Schutz liefert wahre Perlen ins Firmennetz. Haben Sie Geduld. Die Manager müssen mit dem Meckern den Anfang machen. Nach dem Meckern beginnt die konstruktive Phase, dann kommt das Besondere: Mitarbeiter übernehmen Verantwortung wo es vorher nur ein Schwarzer-Peter-Spiel gab. Vertrauen entsteht nur, wenn in Grenzsituationen keiner gekündigt wird. Vertrauen kann Leute zu Leistungen beflügeln, die sie nie mit Belohnung erreichen würden. Das Web ist nur eine permanente Telefonkonferenz mit allen Mitarbeitern über alle Themen – nicht mehr und nicht weniger. Und es rettet unsere Natur, wenn der Strom mit Wind oder Sonne produziert wird. Und es rettet unsere zerberstenden Familiensituationen.
Photo: clarita Crosspost von multiasking.net. Dieser Text erschien zuerst in Ruisinger D.: Online Relations, 2. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 2011,

April 27 2011, 10:00am

CUNY: The Future of News in USA

CUNY Graduate School for Journalism (wo Jeff Jarvis seit Jahren sein Unwesen treibt) hatte vor einem Monat die Knight Foundation zu Besuch. In diesem Video ab Minute 14 diskutiert Jeff Jarvis mit Marissa Mayer (Google) und Tim Armstrong (AOL) über News und Medien allgemein unter vielen Gesichtspunkten – auch angesichts der beiden brennenden Aspekt mobil und lokal. (Das ganze Gespräch ist circa 45 Minuten lang plus 15min Vorredner)

April 12 2011, 11:05am

Ein Versuch, “das Prinzip Buch” zu verstehen

Vor ein paar Tagen habe ich in meinem Blog kurz auf das neue Logo des Buchbranchen-Verbands Börsenverein des Deutschen Buchhandels hingewiesen. Dieses ist Teil eines neuen und durchaus ansprechenden Corporate Designs des Verbandes. Gleich nach Erscheinen des Beitrags bekam ich entsprechendes Informationsmaterial zugeschickt, was ich prima finde. Beim Börsenverein steht zu lesen: Ein Gedanke, eine Zukunft, ein Logo: Die Börsenvereinsgruppe wächst zusammen. Sichtbar wird diese Entwicklung in der neuen gemeinsamen Bildmarke. Aus der klassischen Buchform wird ein Symbol für das Prinzip Buch. Es abstrahiert und visualisiert, dass Inhalte in vielen Erscheinungsformen angeboten werden – als Print-Bücher, E-Books, Hörbücher oder für mobile Endgeräte. Das neue Corporate Design bildet damit ein Dach – für die Börsenvereinsgruppe und die moderne Buchbranche. Es soll sich also um ein “Symbol für das Prinzip Buch” handeln, das ausdrücklich Hörbücher mit umfassen soll. Was aber ist “das Prinzip Buch”? Gehört davon habe ich zum ersten Mal irgendwann 2010. Jetzt aber scheint der Begriff die offizielle Sprachregelung zu sein. Zumindest findet er sich allerorten und selbst der Börsenvereins-Vorsteher Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, der mir bisher nicht als Verfechter des Digitalen aufgefallen ist, sondern auch auf der Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2011 eher wieder als Vorkämpfer der Anpassung des Internets an die Wünsche der Buchbranche, sprach in seinem Vortrag vom “Prinzip Buch”, obwohl das eine Entfernung vom gedruckten Buch bedeutet…

Was aber soll nun “das Prinzip Buch” sein? Alexander Skipis, Börsenverein-Hauptgeschäftsführer, formuliert es in den neuen Börsenvereins-Unterlagen wie folgt: Gerade die traditionellen Eigenschaften des Buches machen es zu dem überlegenen Medium für die Aneignung von Langtexten. Als solches wird es in der wachsenden Vielfalt der Medien zunehmend geschätzt und nachgefragt sein. Das “Prinzip Buch” – damit meine ich das Bedürfnis nach längeren, vertiefenden, nachhaltigen, zuverlässigen, relevanten Texten: Dieses Prinzip hängt nicht an der Frage analog oder digital. Sondern es ist die perfekte Antwort auf ein Bedürfnis des Lesers, der, selbst wenn er auf einem Monitor im Buch läse, auch als User ein Leser bliebe. Das scheint eine anthropologische Konstante zu sein. Damit scheint die brancheninterne Definition des “Prinzips Buch” ziemlich nah an dem zu sein, wie man in der Buchwissenschaft “Buchformen” definiert: Buchformen, vom Trägermaterial und der Art seiner Weiterverarbeitung abhängige physische Form der Speicherung längerer zusammenhängender Texte oder mehrerer Texteinheiten, die auch illustriert sein können. Die Geschichte der B. zeigt zwar, dass phasenweise mehrere B. nebeneinander Bestand haben und verwendet werden können (z.B. Codex und Buchrolle, Handschrift und Druck); in aller Regel jedoch löst die auf innovativen Technologien basierende B. mittel- und langfristig die Vorgängerform ab. [Quelle: Ursula Rautenberg (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. Reclam, Stuttgart 2003]

Wie aber passt es dann zusammen, dass es einerseits primär um Texte gehen soll und auf der anderen Seite Hörbücher einbezogen werden? Ist es wirklich eine “anthropologische Konstante”, dass die Leute vor allem lesen wollen? Wenn es primär um Texte geht, warum werden dann multimedial “enhanced” E-Books als heißes Zukunftsprodukt diskutiert? Noch dazu lesen wir Folgendes auf der Website vonFrankfurt SPARKS, der digitalen Initiative der Frankfurter Buchmesse, die wiederum ein Tochterunternehmen des Börsenvereins ist: „Enhanced Books“, „Enriched Media“, Multichannel-Metadaten, digitale Whiteboards – nicht jede Form von Content passt zwischen zwei Buchdeckel. Neue Geschäftsmodelle verwandeln die Verlagswelt in eine Content Landschaft, die alle Medien umfasst. Dies geschieht einerseits durch neue Technologien. Gleichermaßen ist es jedoch die Story, die den Erfolg eines Produktes ausmacht. Meinem Eindruck nach steht Frankfurt SPARKS von der Idee her dem viel näher, was die Zukunft von Inhalte-Branchen ausmachen wird. Hätte man daher nicht parallel zum neuen Corporate Design auch ein entsprechendes und wirklich neues Corporate Wording entwickeln können, das noch einen Schritt weiter geht und nicht beim text-orientierten “Prinzip Buch” stehen bleibt? Vielleicht bin ich ja nicht der Einzige, der da einen Widerspruch vermutet. Ich jedenfalls empfinde es als verlorene Chance. Vielleicht hätte man diese für das Selbstverständnis einer Branche elementare Frage auch nicht primär Börsenvereins-intern, sondern breiter in der Branche diskutieren sollen. Jedenfalls trifft es Frankfurt SPARKS aus meiner Sicht recht genau: es geht am Ende nicht um die Inhalte-Form, sondern um die Story. Das wiederum heißt, dass es um das Nutzerinteresse geht. Damit greift Frankfurt SPARKS eine Tendenz auf, die seit Jahren überall zu sehen ist. Der Kunde wird wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. Viele Verlage sehen sich doch inzwischen eher als Problemlöser – mit welchen Mitteln auch immer sie sie lösen. Fachverlage wie die Haufe Mediengruppe haben sich schon lange stärker zielgruppenorientiert und weniger produktorientiert aufgestellt. Wenn es aber künftig um alle Medienformen geht, mit deren Hilfe es Kundenprobleme zu lösen gilt, wenn also die technologischen Umfeldbedingungen den (Buch-)Markt nicht mehr wie früher selbstverständlich abgrenzen, was macht dann künftig noch die Branche und konkret den Börsenverein aus? Kann er alles abdecken – langfristig also auch Games, Musik, Film, Software, …? Kann er das besser als andere Verbände aus diesen Bereichen? Oder sollten sich nicht ebenfalls Verbände wie die Unternehmen auch stärker an Zielgruppen und deren Bedürfnissen ausrichten? Ich habe bestimmt nicht Antworten auf alle Fragen parat und vielleicht ist auch nicht jede Frage zu Ende gedacht. Ich fände allerdings eine entsprechende Diskussion spannender als die Vorgabe einer Bezeichnung wie “das Prinzip Buch”, deren ganz konkrete Bedeutung meinem Eindruck nach die wenigsten verstanden haben … Dies ist ein Crosspost.

March 28 2011, 9:43am

Der Leser: Kundenansprache im Web

Kaum zu glauben: Seit einigen Jahren häufen sich die Ratgeber für Marketing- und PR-Fachleute über die Kommunikation ohne Massenmedium. Sie nennen das neue Dingsbums Social Media. Als wären nicht Massen im Web vertreten. Wenn überhaupt irgendwas Massenmedium ist, dann das Web. Eines hat sich allerdings kolossal verändert: Man unterbricht nicht mehr die eigentliche Botschaft, um mal eben Produkte in schönen Landschaften zu zeigen bzw. an schönen Models. Man versucht nicht mehr die Zeit der Zuschauer und Leser totzuschlagen, indem man verfilmte Groschenromane sendet oder 1001 Profile über Industriekapitäne XY als journalistischen Inhalt zu verhökern. Einige Sender und Verlage tun das noch. Wahrscheinlich ist das mittelfristig auch ganz sinnvoll, weil die heute 60jährigen so etwas erwarten. Und sie sind ein große Gruppe, also schnell noch melken. Der ganze Rest ist Nische. Den jeder Mensch ist ein Haufen Nischeninteressen. Deswegen mussten wir früher immer soviel Blättern und Zappen. Das eigentümliche Charakteristikum dessen, was wir Massenmedium nennen, war, dass eine Handvoll Menschen, die sich heute gern als Experten oder Gatekeeper bezeichnen, darüber entschieden, was in den Äther geschickt oder gedruckt wurde. Das wurde dann an die Massen gepusht. Heutzutage aber suchen sich Konsumenten aka Leser Informationen über das zusammen, was sie käuflich erwerben wollen. Dazu rudern sie über den See der Informationen. Pull. Manchmal haben sie passende Sachen an der Angel. Andere Konsumenten könnten den Damen und Herren Marketing- und PR-Profis zeigen, was da sinnvoll ist. Man müsste einfach nur mal die Rezensionen in den Bewertungsportalen lesen. Da wird jedem sofort klar, welche Bewertung sinnvoll und zielführend für eine Kaufentscheidung ist und welche nicht…

Aber Marketingmenschen unterscheiden sich von PR-Leuten dadurch, dass sie der Überzeugung anheim gefallen sind, dass der Kauf emotional gesteuert wird. Das mag in der Mehrzahl der Fälle stimmen, denn das Gefühl ist genauso wie der Verstand einfach nur eine Einrichtung im Menschen, die Urteile fällt. Aber auch und gerade diese emotionalen “Ausfälle” brauchen vor der Vernunft der Freunde, Ehepartner und auch der eigenen triftige Gründe für einen Kauf. Wer die nicht liefert, weil er noch im Schlaraffenland der psychologischen Kriegsführung im Marketing aus den 70ern und 80ern geprägt wurde, der kann nach hause gehen. Man kann die Menschen verführen – auf den ersten und auf den zweiten Blick. Aber viele leben so lange, dass sie auch einen dritten und vierten Blick tätigen. Jeder kennt das von der Partnerwahl. Man mag die One-Night-Stands, Exfreunde und -freundinnen. Aber in der Rückschau merkt man doch, was einem gefehlt hatte. Die persönliche Ansprache, die Bindung, die Nähe. Jemand kann noch so hübsch sein, noch so tolle Muskeln haben: Nach einiger Zeit stellt sich heraus, wer er oder sie ist im Zusammenleben. Genau diese Information liefern die Kundenrezensionen von der Art: “War total begeistert beim Auspacken. Nach mehrmaligem Gebrauch ging X kaputt und y wackelete bedenklich. Zusammenfassend muss ich sagen, dass es toll aussieht in der Küche, aber nach einer Woche habe ich mir wieder eine Z von der Firma Klupatra gekauft. Also: Nur kaufen und Ansehen, nicht benutzen. Keine Kaufempfehlung”. Kundenansprache beginnt also in der Produktentwicklung. Wenn man dann noch im Web erklären kann, warum das Ding mehr nützt, mehr Neid hervorrufen wird oder einfach das alte Dingsbums ersetzt durch bessere Nutzbarkeit etc. der wird auch mehr verkaufen. Das gilt übrigens auch für die Leute, die früher Massenmedien gemacht hatten und heute Legionen von Beratern bezahlen um ihnen das Web zu erklären. Es macht keinen Sinn auf Lobbyveranstaltungen der Menschheit einzureden, dass man unersetzbar ist und das die gefälligst dafür zahlen müssen. Man muss einen klaren Nutzen darstellen können. Wenn man dann noch ein einigermaßen zuverlässiges, leicht zu bedienendes Etwas verkauft, das schick aussieht, dann heißt man Apple und hat Erfolg. Es ist keine Zauberei. Es ist das Einnehmen der Kundenperspektive in Wort, Schrift, Bild und Produktenwicklung. Das geht im Fernsehen ein bißchen, in der Zeitung einigermaßen, im Radio schon ganz gut und im Web viel besser – aber glaubt ja nicht, das wäre das Ende der Fahnenstange.

January 28 2011, 9:55am

Cyberquark: Daten sind das neue Öl

Es gibt einen Kongress namens Online Handel. Da hat der Zukunftspapst Gerd Leonhard mal die ganz dicke Kristallkugel mitgebracht und uns allen verkündet, dass es ab jetzt nicht mehr reiche, in einer Suchmaschine gefunden zu werden, man müsse auch im Social Web auffindbar sein. Offenbar existiert dieses Social Dingsbums abgekoppelt von den Crawlern, Robots und Spider-Technologien von Larry und Sergey. Und sogar das brandneue Thema Cyberwar darf auf so einer Konferenz nicht fehlen (anyone stuxnet?). Und auch Amir Kassaei hat eine Zukunftsvision mit facebook. Aber beginnen wir mit dem Wiedergängner namens Cyberwar…

“Es werden in Zukunft auch Kriege wegen Daten geführt, in denen es darum geht, wer welche Daten haben darf.” (G. Leonhard)

Ein Glück, dass es das bisher noch nicht gegeben haben darf. Denn jetzt können es die Vortragsnomaden in Stadt und Land für ihre Präsentationen verwursten, dank Frank Rieger weiß sogar jeder zweite FAZ-Leser, was man damit machen darf. Leider sind die Ratschläge der wahren Experten den meisten Rednern unbekannt. Der Königsweg heißt dort nämlich “Entnetzung” und ist exakt genau das, was der Name vermuten läßt. Sensible Daten werden nicht in ein Netz gestellt. Wer jetzt bei diesem Satz entnervt an die mahnenden Worte der Spielverderber denkt, die der Gemeinde des Transparenz-ist-wenn-alle-alles-lesen-dürfen ständig Knüppel in den Weg werfen, der denkt richtig. Einige sind schon weiter. Wenn Daten Öl sind, dann sind Taten der alltägliche Verkehr: Und da kommt der Leonhard so richtig in Fahrt in Sachen social web und social consuming: “Die Phase, in der die Verbraucher alles kaufen, nur weil es da ist, ist vorbei. Stattdessen werden einige Teile des Besitzes mit anderen geteilt.”

Die Beweise für diese steile These sind z.B. das Car-Sharing, das seit Jahren einen unglaublichen, naja, Boom erfährt. Jedenfalls machen es jetzt mehr Menschen als in den 50er Jahren. Ja, der Verkehr ist ein tolles Thema für alles mit social: Fragen Sie mal Bahnreisende im Hochsommer oder rund um Weihnachten oder schauen Sie sich die glücklichen All-Inklusive-Touristen an. Aber Amir Kassaei, die Lichtgestalt der deutschen Werber ist da nicht viel weiter. Er prophezeit auf demselben Kongress, dass facebook aus dem Like-Button einen Buy-Button stricken wird. Dann wird facebook eine Mischung aus amazon, groupon und myspace. Er hat sogar entdeckt, dass in den USA seit 2 Jahren twitter als sehr präzises und effizientes Tool für Kundensupport genutzt wird. Er wird in zwei Jahren wissen, dass diesen Platz nun gerade Quora einnimmt. Aber er ist eben gerade erst bei twitter angekommen: “Wenn einer Twitteruser beispielsweise fünf Freunde hat, die sich mehrmals pro Woche per Tweet über ein Unternehmen beschweren, dann erzeugt das ein Bild, dass viel stärker ist, als jede Art andere Kommunikationsmaßnahme es könnte.”

Lieber Herr Kassaei, ich schätze Ihre Arbeit, als Kommunikationsexperte in Sachen PR braucht es doch etwas mehr Erfahrung und Differenzierung. Denn im Social Web versendet sich alles noch viel schneller als im Fernsehen. Das allüberall anzutreffende Verdikt rund um die allwissende Müllhalde aka ewiges Gedächtnis des Web hat einen besonderen Haken: Die Geschwindigkeit und Masse der Daten verschüttet jegliche Geduld, die Informationen in mehrere Zusammenhänge einzubinden, sodass die meisten “Daten sind Öl” nichts anderes sind als der Tiger im Tank derjenigen, die sich per Meinung ihrer Selbst vergewissern müssen. Das sind zumeist Menschen, die sich selbst nicht spüren können und daher immer andere um sich haben müssen. Sie bezeichnen diesen Zwang als soziales Verhalten. Doch der Begriff des Sozialen umfasst eigentlich eine besondere Komponente: das gegenseitige Füreinander-Da-Sein. Das klappt schon ein bißchen im Netz. Bei ushahidi, bei quora und anderen Frage/Antwort-Seiten und den Abtertausenden Foren. Auf Facebook hält man Kontakt zu entfernten Bekannten, Schulfreunden aus früheren Tagen und der Gastfamilie in Übersee. Man tauscht lustige Videos aus und “meldet sich einfach mal wieder”. Dabei werden exakt 8% der Menschen Tipps für Taschen, Hosen, Videoserver und Autoschonbezüge übermitteln. Aber diese Welt der Dinge bleibt grundsätzlich außerhalb der Gespräche. Denn Facebook ist nichts anderes als ein großer Dorfplatz auf dem sich jeder mit vielen Bekannten und Nachbarn trifft. Wird der voller Produktinformationen sein, zieht man sich in die stillen Hinterhöfe zurück oder auf die Balkons auf twitter, in Blogs oder was auch immer im Jahr 2013 die nächste Plattform sein wird – vielleicht quora oder etwas im mobile web, was wir noch nicht kennen? Denn da, lieber Amir Kassaei wird die nächste Evolutionsstufe des Handels gezündet werden – im Handy. Kann sein, dass es facebook ins mobile Zeitalter schafft. Wir werden sehen…

Bildnachweis: Perfect Earthian

January 21 2011, 9:50am

Netzpiloten-Interview: Die Zukunft des Handels

Gesche Roy vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz erklärte den Netzpiloten, wie Produkte und Informationen darüber im Supermarkt der Zukunft in den Regalen zu finden sein werden.

January 7 2011, 11:05am

Medien sind Oberflächen

Der zweite Teil der Dentsu Videos (Teil1) zur Zukunft der Medien in unserem Alltag:

November 12 2010, 1:08pm

Video: Moats and Drawbridges

It’s hard to predict the future. Especially for something that’s defied expectations so completely as the internet. But that doesn’t mean you can’t try. The Internet Society has put out a series of four videos imagining four possible futures of the internet, ranging from hopefully optimistic to depressingly cynical. Each of them seem plausible and worth considering. Check out one of the videos, imagining a “Moats and Drawbridges” future, after the click.

October 19 2010, 12:05pm

Keine Brücken aber Minenfelder für Erneuerbare

Die Energieszenarien der Gutachter beinhalten bereits in den nächsten Jahren starke Einbrüche bei Wind- und Solarausbau. Sowohl der Neubau von Photovoltaikanlagen als auch die Installation von Windparks sollen drastisch abnehmen. Wie sehen das alles die Grünen? Hans-Josef Fell, Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN, erkennt in den Energieszenarien der drei Gutachter Bundesregierung nichts Gutes: Im Vergleich zu heute solle der jährliche Ausbau der Photovoltaik auf etwa ein Viertel gekürzt werden, bei Wind-Onshore soll auf rund ein Drittel. Nach 2020 solle der Ausbau der Photovoltaik und Windkraftanlagen mehr oder weniger zum Erliegen kommen. Dies liegt seiner Ansicht nach diametral im Gegensatz zu einem anderen Papier. Erst vor wenigen Wochen hatte die Bundesregierung unter der CDU/FDP-Koalition einen Aktionsplan für Erneuerbare Energien nach Brüssel verschickt. Darin war ein Ziel von 51 Gigawatt für Photovoltaik (Sonnenenergie) bis 2020 angegeben, was bereits eine Kürzung des derzeitigen Ausbaus beinhaltet hatte. In den jetzt von EWI, Prognos und GWS vorgelegten Szenarien wird nur noch von einem Ausbau auf 33 GW ausgegangen. Damit hätte Deutschland bereits Ende dieses Jahres rund die Hälfte installiert. Bis 2020 würden dann jährlich nur noch 1,6 GW zugebaut werden – weniger als die Hälfte des bisherigen Regierungsziels. Aus Sicht von Fell wäre dies das Ende der deutschen Solarwirtschaft, sollten sich diese Zahlen in der bevorstehenden EEG-Novelle widerspiegeln. Die Pläne der Bundesregierung beinhalten keine Brücken sondern Minenfelder für Erneuerbare Energien Noch drastischer sieht es beim Wind aus: Denn dann müsste der Wind-Onshore-Ausbau sogar auf 0,6 GW jährlich zurück gefahren werden. Zum Vergleich: Letztes Jahr wurden knapp zwei GW Windenergieanlagen zugebaut. Es ist daher kein Wunder, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Stromsektor deutlich niedriger ausfallen wird, als dies vor kurzem noch nach Brüssel vermeldet wurde. Biomasseanlagen sollten nach 2020 gar nicht mehr gebaut werden, deutet Fell die drei Gutachter. Dies wäre auch das Ende der deutschen Biogaswirtschaft. Einen Ausbaustopp sehen die Studien auch für die Wasserkraft vor. Es ist auch kein Ausbau bei der geothermischen Stromerzeugung vorgesehen. Fell sieht auch einen grund für die vernichtenden Einschätzungen der Gutachter: Das konzernnahe Bundeswirtschaftsministerium hatte sich mit Erfolg dafür eingesetzt , dass konzernnahe Forschungsinstitute beauftragt werden. Mittlerweile hat sich sogar heraus gestellt, dass das EWI eine Art Subunternehmen von E.ON und RWE ist. Auerßdem war offensichtlich, dass die Bundeskanzlerin das Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung totgeschwiegen hat. Anlass für tiefes Misstrauen bot auch das Verhalten der Bundesregierung gegenüber den Parlamentariern: Alle Fragen nach den Rahmenbedingungen, die den Instituten mit auf den Weg gegeben wurden, wurden abschlägig beschieden. Das Schweigen schien strategischer Natur sein, denn selbst als der Zwischenbericht regierungsintern schon auf dem Tisch lag, wurden noch Fragen der Opposition damit beantwortet, dass noch gar nicht klar sei, was die Rahmenbedingungen für die Berechnungen seien. Das verfassungsrechtlich manifeste Befragungsrecht der Volksvertreter wurde aus Sicht von Hans-Josef Fell auf diese Weise ad absurdum geführt. Die Bundesregierung forciert Laufzeitverlängerungen der AKW zugunsten der Atomkonzerne. Es haben sich damit genau die Befürchtungen bestätigt, die schon früh im Raum standen: Die Laufzeitverlängerungspläne schaden massiv dem Ausbau erneuerbarer Energien. Laut den Grünen nimmt die Bundesregierung dabei auch in Kauf, dass statt der erhofften 500.000 Arbeitsplätze für Erneuerbare Energien bis 2020 eine Halbierung gegenüber heute stattfindet.

September 2 2010, 10:02am

Video: Noch besser als die Raumpatrouille Orion

September 1 2010, 12:00pm

Quo Vadis Google?

Google kauft sich Bandbreiten bei Verizon. Mobile Bandbreiten. Was kann das bedeuten? Wer auf seinen Augen und Ohren sitzt, kann nicht die Zeichen der Zeit erkennen. Milliarden zukünftige Webnutzer werden nie einen PC oder ein Laptop benutzen. Außerhalb von Europa und den USA ist das Handy Portmonnaie, Buch, Fernseher und Nabel zur Umwelt. Es werden also über kurz oder lang fast ALL die Webinhalte mobil verschickt, die ein kaufinteressiertes Publikum erreichen wollen und sollen. Wer verkaufen will, wer Werbung machen will, wer umherschweifende Kunden einfangen und binden will, der muss diese Plattform für sich erobern. Klar, dass Google deshalb auch Entwickler für das mobile Gaming einkauft, wie jüngst Social Deck oder Firmen wie Anstro, die mobile soziale Netzwerke entwickeln oder gar Jambol, die ein mobiles Bezahlsystem in petto haben oder eben den Entwicklungschef mobile payment von paypal. Denn es ist vollständig egal, ob das Ding iPad, Wave, Humuqu oder Schikketakka heißen wird, mit dem die Leute zwischen 16 und 66 ständig im Netz ihre Freunde, Kollegen, Nachrichten, Feten, Einkäufe oder Datings koordinieren. Es ist einfach bequem, das Netz dabei zu haben. Jetzt müssten nur noch die Carrier mitspielen, und das unseelige DSL einfach fallen lassen und gleich und vollständig ein 4G oder 5G Netz flächendeckend anbieten, das ungefähr die 5fache Bandbreite von UMTS hat, das reicht vielleicht für grundlegende Anwendungen – wenn es dann auch bis zum platten Land reichen würde. Und wenn Streaming etwas schneller geht wegen der bis dahin ermordeten Netzneutralität, die es ja im mobilen Web eh nie gab, dann werden die Leute sogar verschmerzen, dass ihre E-Mail eine Minute länger dauert als früher. facebook mag sich bald ein dickes Stück vom Google-Kuchen abschneiden, ob sie schnell genug die Basis ins mobile Web finden werden, hängt davon ab, wo sie jetzt ihr neues Geld investieren. Google scheint da etwas profunder zu agieren. Die Tatsache, dass Google mit Voice und nun VoIP in googlemail sowie den Resten von Wave ebendort ein heißes Enterprise 2.0 und eine potentielle UCC-Plattform in Händen hält, macht die Sache noch mobiler als je. Wer wettet mit mir, dass im Jahr 2012 Android erstmals mehr Entwickler und Nutzer hat als das iOs von Apple? Ich setze eine Flasche Perrier Jouet! Ein Dom Perignon ist mir noch zu unsicher… Ich fände ja ein freies und netzneutrales mobiles Web mit DSL 32.000 Geschwindigkeit noch besser. Aber das wird dann der Anbieter weltweit und kostenlos umsetzen, der 2020 alle Googles und Apples einfach aufkauft als Reste der verfallenden Webarchäologie des frühen 21. Jahrhunderts. Bildnachweis: Lars Plougman

September 1 2010, 10:08am

Kostenlose Videothek im Netz

Die Amerikaner können schon lange im Web Fernsehen. Vor allem Serien und bestimmte Sitcoms oder tägliche Talkshows sind dort beliebt und hulu.com liefert die Plattform dafür – kanalübergreifend. Als in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Angebot im Netz ausweiteten, sahen die privaten Sender die Freiheit des Marktes beschränkt durch die gebührenfinanzierten Angebote. Denn anders als die öffentlich-rechtlichen Mediatheken mussten und müssen sich ihre Sendungsarchive im Netz via Werbung finanzieren. Jetzt schließen sich die RTL-Gruppe und ProSieben.Sat1 zusammen und wollen eine hulu-ähnliche gemeinsame Plattform ins netz bringen, wo man all die verpassten Sendungen und Serien im nachhinien (nochmal) sehen kann. Vordergründig macht das Sinn, denn man muss nicht dieselbe Technologie des Archivierens, des Streamings und der Werbevermarktung mehrmals erfinden und umsetzen. Und sogar die öffentlich-rechtlichen Sender betrachten dieses Entwicklung mit Wohlwollen und schließen nicht grundsätzlich aus, dabei zu sein. Ob allerdings die Kartellwächter der EU dabei mitspielen bleibt fraglich. In England wurde so ein joint venture namens Kangaroo mit der BBC gerade gekippt und auch in den USA steht hulu vor einer kritischen Prüfung der kartellsensiblen Obama-Administration… Die Mediatheken der ARD und des ZDF scheinen es den Privaten offenbar angetan zu haben. Warum nun aber ausgerechnet bei der Distribution via Web die verfeindeten Parteien plötzlich gute Miene zum Spiel der Mehrfachverwertung machen, bleibt sonderbar. Die Werbeumsätze im Netz wachsen zwar in rasendem Ausmaß, sind aber im Vergleich zu den traditionellen Kanälen wie TV, Radio oder Print vergleichsweise gering. Außerdem werden die Werbekuchen online immer mehr über Google, Facebook und Konsorten aufgeteilt. Ob und wie eine derart spazialisierte Plattform mit Pre- oder Postroll-Werbung, also kleinen Werbefilmchen vor und hinter den Sendungen signifikante Umsätze erzielen kann, bleibt solange fraglich wie man mobiles Fernsehen und VideoOnDemand klein halten kann. Der schleppende Ausbau und die Unzuverlässigkeit der Breitbandanbindungen hinsichtlich Bandbreiten oberhalb DSL 16.000 trägt auch nicht unbedingt zum Erfolg bei. Außerdem wir das Netz zunehmend in den Fernseher verlagert werden. Und dann stehen diesen Angeboten die aktuellen TV-Angebote 1:1 gegenüber. Nur wer dann nicht schon zeitversetztes Aufnehmen und Ansehen via Festplatte kann, der könnte Kunde werden. Aber in welchem Fernseher wird im Jahr 2015 keine Festplatte stecken? Bildnachweis: clarita

August 24 2010, 10:16am

“Das Rad des Wissens und des Imaginären”

Anläßlich des neuen Buches über die Zukunft desselben treten die beiden ausgewiesenen bibliophilen 80jährigen Druckerschwärzesüchtigen Umberto Eco und der Drehbuchautor Jean-Claude Carrière an, um dem Journalisten de Tonnac alles über Vergangenheit, Wirkung und Zukunft des Buches zu erklären. Ähnlich wie die positiven Stimmen der vier Energieweisen aus dem Abendland zur Atomkraft, finden auch die beiden Bücherwürmer nur lobende und preisende Worte zu zukünftigen Entwicklung des Buches. Mit Grausen berichtet Carrière über das Verdikt vom Weltwirtschaftsforum 2008, dass in 15 Jahren alle Bücher verschwunden sind. Ja, liebe Leute, genauso wie die Langspielplatte. Vinyl ist in. Oh, eine tote Technologie erlebt seit 5 Jahren ihren phönixartigen Aufstieg Und so wird nach dem Siegeszug der U-Literatur auf e-ink in den nächsten Jahren auch bald wieder ein Umschwenken auf das gute alte Buch kommen. Warum sind die alten Autos ohne ABS, Steuergeräte und Sicherhheitsgurte nochmal eine Geldanlage? Richtig, weil sie selten sind. Weil sie begehrt sind und weil Menschen in die Objekte ihre Projektionen ungestört hineinlegen können. Manche holen sie da wieder raus und müssen deshalb Unsummen zahlen für “technisch überholte” Maschinen. Natürlich erzählen sich die beiden älteren Herren auch die Geschichte, dass das Gedächtnis seit dem Computersiegeszug seine Funktion geändert hat. Achja, erinnert mich an die seelige Uroma meiner Ex-Frau, die erzählte auch allen und jedem, das seit ein paar Jahren die Bäume deutlich höher wachsen würden als früher. “Ob das mit dem Atom und so” zusammenhing, wollte sie wissen. Ich hätte ihr damals erzähle sollen, dass unser Auge seit der Erfindung des Fernsehers einfach ganz anders sieht…

August 17 2010, 1:28pm

Gartner: Die Arbeitswelt in den nächsten 10 Jahren

Die Analysten von Gartner haben mal wieder die Kristallkugel angeschmissen. Herausgekommen sind 10 Entwicklungen, die es aus ihrer Sicht die nächste Dekade der Arbeitswelt bestimmen werden: 1. De-routinization of Work Es war abzusehen. Das ganze Prozessoptimieren seit SAP und den Business Process Management Werkzeugen basiert noch auf dem Taylorismus des 19. Jahrhunderts. Den Untergang dieser Organisationsform vorherzusagen ist also keine Raketenfoschung. Trotzdem ist für jemanden wie Gartner schon revolutionär, zu erklären, dass Routinen immer unwichtiger werden. Ob die digitale Schadenssachbearbeitung per automatischer Klassifikation oder die halbautomatische Kreditvergabe nach Algorithmen damit vom Tisch ist? Gartner jedenfalls fokussiert Themen wie Innovation, Teaming, Führung, Verkauf und Personalentwicklung. Und schon ist dieser revolutionäre Schritt zu humanen nicht automatisierbaren Fähigkeiten genau dasselbe, was schon 1985 im Manager Magazin stand. 2. Work Swarms Ja, der gute alte Schwarm. Würde man den Analysten bei Gartner erklären, dass nur Lebewesen denen wir simple Intelligenz zuschreiben, Schwarmbildung zeigen, würde dieses Trendwort wohl bald verschwinden. Aber Gartner sieht darin eher zufälliges kollektive Zusammenarbeiten als Counterpart zur Solo-Performance (die es in großen Firmen noch wo gibt? Richtig: R&D und Sales!) Swarming ist als eine neue Form des Teaming, das einfach so aus dem Nichts “emergiert”… Aha. Dann fällt das Wort ad hoc, das mich an die ad hoc-Workflows Ende der Neunziger erinnert. Aber weiter im Takt…

  1. Weak Links Ach ja der gute Granovetter. Weak ties sind also das neue Neu. Ja, die Theorie der Freundesfreunde mag in der Freizeit stimmen aber ist auf den Büroalltag nicht wirklich übertragbar ohne ein sehr vertrauensvolle und angstfreie Unternehmenskultur, was in Deutschland in geschätzt 11 Unternehmen der Fall sein dürfte.
  2. Working With the Collective Wer das inflationäre Mantra des Kollektiven in der modernen Arbeitswelt genauso oft ertragen muss wie ich, der wird sicher auch immer mehr an Mao und andere Freunde der Massenbewegungen erinnert sein. Hier aber geht es um informelle Gruppen außerhalb von Firmen, die einen großen Einfluss haben können. Die Gartners wollen über dieses Vehikel den Markt segmentieren und analysieren. Viel Spaß dabei.
  3. Work Sketch-Ups Alles was nicht-routiniert abläuft, ist bei Gartner praktisch informell. Das erscheint mir etwas überzogen. Allein das Tagesablauf eines Notarztes ist wenig routiniert, da immer andere Krankheiten und Menschen eintrudeln, aber er ist sicher nicht informell. Gartner glaubt aber, dass über die Zeit Arbeitsabläufe in Work Patterns codifiziert werden können. Bis dahin sind die Prozessmodell für nicht-routinierte Abläufe eher als Skizzen verstehbar und in Information übersetzbar.
  4. Spontaneous Work Nahe an der Idee der Work Swarms impliziert dies spontane Aktion gegenüber reaktiver Aktivität. Ob diese Form der postmodernen Eigeninitiative auf den hehren Glaubenssätzen der obwaltenden Hierarchie aufbauen kann, bleibt fraglich.
  5. Simulation and Experimentation Hier bezieht man sich auf den Film Minority Report und die dort gezeigten simulierten Arbeitsumgebungen mit n-dimensionalen Darstellungen. Ob diese visuellen Spielereien tatsächlich die Übersicht über multivariate Entscheidungswege erleichtern? Gartner glaubt, dass Daten und Menschen so besser interagieren können – unter anderem über Agenten-Technologien. (klingt immer noch wie 1994)
  6. Pattern Sensitivity Pattern-Based Strategy ist ja ein Steckenpferd von Gartner. Warum? Offenbar kann man den Menschen heute die jahrhundertealte Einsicht, dass die Welt sich ständig ändert so gut als Neuigkeit verkaufen, dass neuartige Strategiekonzepte jetzt mit diesem volatilen Faktor besser verkauft werden können. So verwundert es nicht, dass Gartner das evolutive Strategiemodell aus der Mottenkiste holt und das ganze als unabhängig Arbeitsgruppen mit eigenen patterns in diversen Szenarien rumexperimentieren sieht.
  7. Hyperconnected Hyperconnectedness ist sozusagen das Erdöl des Webzeitalters. Netzwerke sind dabei die Rennstrecken durch die das Blut der Information sprudelt, bis es die Menschen und Firmen aufgesogen haben und daraus im Handumdrehen Gewinn generieren. Und so verwundert es nicht, wenn man diesem Wunderdingsbums auch noch einen Push in alle Richtungen zuschreibt – seien es formelle oder informelle Tätigkeiten.
  8. My Place Der Arbeitsplatz wird also immer mehr virtuell. Damit meint Gartner Videokenferenzen über Zeitzonen hinweg und Menschen, die sich zwar kaum kennen aber trotzdem zusammenarbeiten (weak links! ähm ties) , aber wenn man im Schwarm arbeitet ist das Individuum eher Störfaktor. Und so verwundert es nicht, wenn gartner weissagt, dass die Grenzen zwischen Zuhause, Familie, Firma, Arbeitsgruppe und Firmenorganisation immer mehr mäandern und ineinanderfließen. Ich kann mir auch schon gut vorstellen, welcher Bereich von beiden zukünftig einen Vorteil aus dieser Überschreitung ziehen wird. Und wer mit dem permanenten Informationsüberflüß nur ein Stören der Privatsphäre verbindet, der wird eben einfach ein Performancedefizit erleben. Und was das für Folgen hat, ist offensichtlich. Frohlocket und rufet Hosianna, denn es wurde Licht in der dunklen Arbeitswelt

August 5 2010, 10:02am

Pew Study: Future of Online Socializing

The social benefits of internet use will far outweigh the negatives over the next decade, according to experts. They say this is because email, social networks, and other online tools offer “low friction” opportunities to create, enhance, and rediscover social ties that make a difference in people’s lives.

Quelle: PewResearch

July 6 2010, 11:05am

Panel: Zukunft des Journalismus

1 Stunde und 10 Minuten Video des Panels zum Themenfeld Zukunft des Journalismus mit Birgitta Jonsdottir, Julian Assange, Lowell Bergman, Charles Lewis, Gavin MacFadyen und Jonathan Weber – also die crème de la crème rund um das Thema Moderner Journalismus, Pressefreiheit, Island als journalistischer Freihafen und investigativer Journalismus.

June 9 2010, 12:05pm

mediati – Agentur für digitale Zukunft GmbH « media-ocean

mediati – Agentur für digitale Zukunft GmbH: Liebe Besucher meiner Website. Seit Oktober 2009 betreibe ich zusamme... http://bit.ly/cJnzbm

May 4 2010, 6:50pm

Evolution of Google

Es dauert ein bißchen, bis es spannend wird, aber dann wird es wirklich sehenswert!

April 30 2010, 9:30am

The Future of Publishing: Eine Frage der Lesart

Genial gemachtes Video zur Zukunft des Publishing. Ich verrate nicht, was die Pointe ist. Einfach bis zum Ende anschauen….

March 22 2010, 4:57pm

Jean-Luc und die singuläre Schönheit faustgroßer Pixel

“Jean-Luc und die Singularität vorm falschen Fenster” heißt das offene Think Tank, das dieses Wochenende im HAU 1-Theater in Berlin stattfindet. Organisiert vom atoms&bits-Netzwerk geht es um Medienwandel und die Frage, wie Netztechnologien die Welt verändern. Unter den Mitdenkern sind unter anderem “Slow Media“-Manifestantin Sabria David, iRights-Redakteur Matthias Spielkamp und Technik-Baustler Philip Steffan. Zum Warmwerden am Freitag zeigten Weltfriedensblogger Nils Bokelberg und Sebastian Sooth vom Hallenprojekt eine Videoschau im Theater, als Antithese zum Zukunftsthema in “faustgroßen Pixeln”. So kamen die Videos nämlich aus der Google Wave. Nach der nicht ganz erfolgreichen Live-Video-Schaltung zu Lehrner Jean-Pol Martin war das bereits die zweite Singularität des Tages. Was denn bitte eine “Singularität” sei, fragte ich den Futuristen Christian Heller. Die Antwort: Singularitäten sind Prozesse und Ereignisse, die selbst Futuristen nicht vorhersehen können. Wenn euch das nicht davon abhält, bei Jean-Luc mitdenken zu wollen, könnt ihr euch die Videos des Abends heute noch einmal normal gepixelt ansehen. Was euch vielleicht auch noch mehr Aufschluss über den kryptischen Namen der Veranstaltung geben wird: • Did you know? 3.0 • Singularitätssong • Epic 2015 • Tron Trailer • What is Google Wave? • Web 2.0 … The Machine is Us/ing Us • Online-Zeitungen, 1981 auf KRON tv • The IT Crowd: “Break the internet” • Das Bit aus Tron • TV’s first interracial kiss in Star Trek, 1968 • IBM-Werbespot: “Wackel am Kabel” • Trusted Computing • The IT Crowd: “This, Jen, is the Internet” • How It’s Made - Microchip • Matrix Trailer • Did you know? 4.0 …und noch ein ungescreenter Bonus-Track: Trillions Wer Jean-Luc heute oder morgen über Twitter verfolgen möchte, kann über den oder das Hashtag #jl1 dabei sein. Oder hingehen: Um 10:30 ging es los, ab 20:00 gibt es eine Brain-Revue mit Teilnehmern des Think Tanks und Gästen.

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January 9 2010, 11:27am

Animation: Mediale Zukunft

Drüben bei Netzpolitik habe ich folgendes Video mit dem Titel Trillions gefunden. Eine kurze Vorabversion einer längeren Webvideo-Doku zu Computern und dem Netz.

Trillions from MAYAnMAYA on Vimeo.

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December 17 2009, 10:51am

Krise der Printmedien

Auf Zeit-Online ist ein interessantes Dossier von Anita Blasberg und Götz Hamann zur Krise der Printmedien erschienen. In dem Text Zeitungen und Zeitschriften - Deutschland, entblättert wird beschrieben, welche Veränderungen sich in der deutschen Printmedienlandschaft in diesem Jahr ergeben haben und warum das Zeitungssterben nicht nur eine Folge der Wirtschaftskrise ist, sondern strukturell bedingt ist. Dass hier auch die digitale Revolution eine Rolle gewichtige Rolle spielt, wird schnell klar. Fazit: Guter Text zum Überblick mit genügend Tiefe um zu sehen, wie das auch andere Medienmärkte in der Welt treffen wird bzw. heute schon trifft.

December 1 2009, 11:55am

Wie Microsoft sich die Zukunft vorstellt

Durch und durch futuristisch - wie es sich für eine Softwarefirma gehört - präsentiert Microsoft eine Vision unseres Lebens im Jahr 2019. Im Video des Microsoft Office Labs 2019 ist ein kleiner Querschnitt dieser schönen neuen Welt vorgestellt. Video: Future Vision Montage Eine ausführlichere Erklärung der einzelnen Elemente gibt es in der Präsentation von Stephen Elop, Präsident von Microsoft Business Division. Das Video gibt’s drüben bei istartedsomething. Einige Trends sind aber durchaus klar: Smarte Interfaces, ständige Verbindungen zum Netz sowie jede Menge Augmented Reality, sprich: Informationen im Raum, die nur per Hilfsgerät erkennbar sind.

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