Erinnert sich noch jemand an das Jahr 2010 oder gar 2009? In diesen beiden Jahren überboten sich die meisten Verleger und Herausgeber darin, auf die böse Firma Google einzuschlagen. All die Millionen Agenturmeldungen, die die Verleger mit einem minimalen Online-Mitarbeiterstab tausendfach umformulieren ließen. Sie wurden immer wieder neu publiziert und vom bösen Datenkraken einfach per Spider gescannt und für die Nutzer verfügbar und auffindbar gemacht. Ganz langsam dämmert es den Entscheidern, dass dies wahrscheinlich gar nicht so dumm war. Man wollte es mit dem nächsten König des Webs anders machen. Und so umarmte und bekniete man Steve Jobs exakt zu dem Zeitpunkt als sein Marketing die Experten ausreichend über die Potenz des heiligen iPad eingelullt hatte. Nach der 1001. Medien-App ist man etwas weniger umsatzstark als nach dem Google-Durchmarsch und noch umsatzschwächer als nach den Goldenen Siebzigern und Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Nun aber wird es seit ein paar Monaten extrem still um die Burdas, Döpfners und Schirrmachers. Der Grund ist in der obigen Grafik anschaulich. Sozusagen Infografik 1.0. Denn wenn die Wirklichkeit dich überholt hat, hast du keine Chance, nicht mal Alkohol. Du stehst in der Fremde… Quelle der Grafik
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Google oder Facebook
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May 27 2011, 10:00am
Grenzüberschreitende Buchmesse
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Das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vom 6. bis zum 10. Oktober 2010 hieß für mich Grenzüberschreitung. Wir wissen ja seit langem, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Medienteilmärkten in dem Maße fließender werden müssen, in dem die technisch bedingte Abgrenzung bspw. zwischen Büchern und Datenträgern für Musik, Filme und Software schwächer wird. Die Abgrenzung wird tatsächlich auch immer schwieriger. Denn was ist auf dem iPad noch ein Buch? Ist ein auf das iPad transportierter Bildband noch ein Buch oder nicht einfach eine Website oder Applikation mit Bildern? Dass diese Fragen auch in der Buchbranche immer stärker diskutiert werden und zunehmend auch zu praktischen Konsequenzen führen, zeigte schon die zentrale Neuerung der Buchmesse: das StoryDrive-Konzept, bei dem – losgelöst vom Buch – die richtigen Fragen gestellt werden: “Sind auch Sie davon überzeugt, dass Inhalt keine Grenzen kennt? Stehen für Sie Geschichten im Mittelpunkt, unabhängig von ihrer Erzählform? Schaffen Sie mit Geschichten Welten?” Dementsprechend sollte StoryDrive ein Treffpunkt für die internationale Medien- und Entertainmentwelt sein: “Gemeinsam mit Vertretern der Verlags- und Filmbranche, Experten aus Musik- und Gamesindustrie, aus Technologie und Social Media, mit Cybercitizens, Urhebern und Mediennutzern begegnet sich hier die Zukunft der Medien- und Entertainmentbranchen. StoryDrive richtet sich an alle, deren Welt sich um gute Geschichten dreht – und die mit Geschichten Welten schaffen.” Mehr nach dem Klick… StoryDrive wurde aus meiner Sicht gut aufgenommen, v.a. was die grundlegende Idee betrifft. Bei der Umsetzung gab es noch die eine oder andere Optimierungsmöglichkeit, worüber ich auch im Blog der Frankfurter Buchmesse geschrieben habe: “Interessante Geschichten, wenig Zuhörer – erste Eindrücke von der Konferenz StoryDrive” – Gefreut habe ich mich sehr über den konstruktiven Umgang mit solchen Anmerkungen bei der Buchmesse, wie ihn dieser Tweet von Buchmesse-Mitarbeiter Frank Krings belegt. Was mir in den Gesprächen im Vergleich zu den Vorjahren vor allem auffiel, war ein erfreulich nüchterner Umgang mit Medientrends-Themen. Auf den vergangenen Buchmessen herrschte bei Themen wie E-Books und Social Media noch eine Mischung aus Aktionismus und Verunsicherung. Nun werden die Dinge stärker hinterfragt, die Chancen abgewogen und die Umsetzung wird pragmatisch angepackt. Zugleich habe ich eine größere Offenheit für neue Themen wahrgenommen. So hielt ich im Forum Zukunft einen Vortrag über mögliche Chancen für den Buchmarkt durch das freiwillige Bezahlen via Flattr, Kachingle & Co. Dieses Thema wäre in den vergangen Jahren wahrscheinlich als absurd und irrelevant zurückgewiesen worden. Seit jedoch u.a. die Buchverlage ständig steigenden Druck auf ihre etablierteren Geschäftsmodelle spüren und manch anerkannter Verlag mit diesen neuen Modellen zu experimentieren beginnt, werden auch solche Themen ernster genommen. Das Interesse vor Ort war jedenfalls rege. Grenzüberschreitungen zum Thema hatte auch eine Diskussionsrunde des “buchreport“, an welcher ich auf der Buchmesse teilgenommen habe: “Sprengt die Digitalisierung die Branche?” hieß die etwas provokante Ausgangsfrage. Etwas überrascht war ich dann, mit welcher Gelassenheit die Teilnehmer, neben mir Vertreter aus dem Buchhandel, von Random House Audio und von der Internet-Plattform bilandia.de, mit dieser Frage umgingen. Der Tenor war, dass die Branche vielleicht nicht gesprengt, dafür aber stark erweitert wird, was eine zu begrüßende Tendenz sei. So hieß es, dass sich das Fähigkeitenspektrum des Nachwuchses selbstverständlich erweitern muss, da auch die Anforderungen in den Unternehmen steigen und zunehmend neue Fähigkeiten umfassen. Heute müsse man bspw. vielfach auch selbstverständlich mit Software und Programmierung umgehen können. Außerdem müssten die Unternehmen der Buchbranche künftig auch attraktiv für Bewerber aus anderen Bereichen der Wirtschaft werden, was heute nur bedingt der Fall sei. Zudem müsste man den Blick bei der Wettbewerbsabgrenzung erweitern. Man sehe ja schließlich, aus welchen Bereichen die neuen innovativen Unternehmen des Buchmarktes kommen und das sind eben immer öfter Bereiche, die nur wenig mit der klassischen Buchbranche zu tun haben. Dass Grenzen in der Buchbranche noch zu selten überschritten werden, zeigte sich für mich bspw. auf der diesjährigen re:publica. Dort habe ich kaum jemand aus der Buchbranche getroffen. Man ist noch oft sehr auf sich und die brancheneigenen Events fokussiert. Das wird sich aber sicher ändern, weil die Vernetzung über die Grenzen der Buchbranche hinaus immer wichtiger wird. Ich nehme auch viele Zeichen für eine zunehmende Offenheit wahr, die sich eben nicht nur auf der Buchmesse gezeigt haben. So wird inzwischen auch mit Formaten experimentiert, welche wir aus der Web-Szene kennen. Im Mai fand bspw. das erste BarCamp für die Buchbranche statt: das BuchCamp. Zudem gibt es immer mehr Treffpunkte jenseits der klassischen Branchenevents wie die BuchSW-Treffen bspw. in Stuttgart und Köln oder jüngst das Books Brains Hamburg 2010. Überall scheint der Tenor zu sein, dass die Branche sich zum einen öffnen und zum anderen aber auch besser vernetzen muss, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Dieses Ziel verfolgt auch meine Initiative “Ich mach was mit Büchern” seit 2009 sehr aktiv, die auf großes Interesse gestoßen ist. So spürt man in der Buchbranche an vielen Orten Aufbruchstimmung. Das zeigte sich auch auf der Buchmesse. Gerade das war letztlich die aus meiner Sicht interessanteste Beobachtung auf der Buchmesse: Je mehr neue Technik uns zur Verfügung steht und je souveräner die Buchleute damit umgehen, desto stärker scheint der Mensch (bzw. Leser, Kunde, Kollege, …) in den Mittelpunkt zu rücken. Das wiederum finde ich sehr positiv.
October 19 2010, 10:00am
Die wahren Auswirkungen des Zeitungssterbens
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How Will The End Of Print Journalism Affect Old Loons Who Hoard Newspapers?
June 23 2010, 11:00am
Leistungsschutzrecht, das
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Markus Beckedahl von netzpolitik.org sind erste konkrete Sätze aus dem Umfeld der Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverbände zugespielt worden, die dem Lamentieren von Keese und Konsorten ein Ende bereiten, das geeignet ist, den Verlegern ins eigene Fleisch zu schneiden:
Um einen effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten, sollten nicht nur Teile des Presseerzeugnisses wie einzelne Beiträge, Vorspänne, Bilder und Grafiken geschützt werden. Schutzwürdig sind beispielsweise auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc., soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen. Die Diskussion der Schutzwürdigkeit von medialen Molekülen ist zentraler Hebel der ganzen Veranstaltung. Aber bereits das Urheberrecht schützt jetzt schon alle genannten Objekte sehr umfassend. Eingeschränkt werden soll also angesichts des Internets das Zitatrecht durch den Kunstbegriff der snippets, also kleiner Auszüge der Artikel. In diesem Zusammenhang möchten die Verleger daher kleinste Elemente eines Artikels unter Schutz stellen, die bisher kaum die nötige geistige Schöpfungshöhe erreichen, um durch das Urheberrecht schutzwürdig zu sein: Überschriften und … Sätze oder gar Satzteile. Und dann kommt die dramatische Einschränkung “soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen”. Zu diesem Zweck wird auch gleich das Thema Vervielfältigung neu bewertet:
Das Leistungsschutzrecht sollte gerade auch dort greifen, wo im gewerblichen Bereich die Nutzung der Onlinedienste der Verlage die Nutzung der gedruckten Presse ersetzt und zu diesem Zweck eine Vervielfältigung erfolgt. Unter Vervielfältigung ist daher auch die Vervielfältigung auf einem Gerät zur Darstellung auf dem Bildschirm zu verstehen.[Hervorhebung von mir] Das Ermöglichen der Darstellung von Inhalten auf jedwedem Bildschirm ist dann schon eine Vervielfältigung. Würde ich also einen Link setzen, der es ermöglicht, das andere die dort verlinkten Inhalte auf ihrem Bildschirm sehen, dann hätte ich diese Inhalte vervielfältigt!!! Damit würde ich dann natürlich fremde Inhalte vervielfältigen und müsste dafür an die Verlegerverwertungsgesellschaft zahlen. Es geht letztlich also nicht nur um die ein oder zwei Sätze, die auf einen Artikel verweisen in Linklisten oder bei den Aggregatoren sondern eben auch um die Vorrichtung, die das Darstellen von Verlagsinhalten ermöglicht: den Link. Folgerichtig findet sich in dem geleakten Dokument der Verlegerverbände auch folgender Satz: Vergleichbar zu Leistungsschutzrechten für andere Branchen sollte der Verleger eines Presseerzeugnisses das ausschließliche Recht haben, das Presseerzeugnis zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Das Recht sollte übertragbar und vergleichbar zu anderen Leistungsschutzrechten durch eine ausreichend lange Schutzfrist gewährleistet sein. Das Recht muss den Schutz der Urheberrechte unberührt lassen und darf nicht in einer Weise ausgelegt werden können, die diesem Schutz zuwiderläuft.
Und wenn man schon den gesamten Raum des Internet zum neuen Profitcenter der Verlage umdeklariert, dann muss es mindestens so ablaufen, dass für die Verleger keinerlei Kosten für die Durchsetzung der neuen virtuellen Zölle auflaufen Das Recht sollte nicht zu einer Situation führen, in der die Rechteinhaber dazu gezwungen wären, zu Beweiszwecken umfassende Daten über das Verhalten konkreter gewerblicher Nutzer auf den Onlineseiten der Presseverlage zu sammeln. Es sollte daher auf gesetzlicher Ebene eine Beweisregelung geschaffen werden, die eine sachgerechte Rechtsdurchsetzung ermöglicht. Als Nebelkerze wird jetzt der Begriff “gewerblicher Nutzer” in den Raum geworfen. Dabei ist klar, dass jeder der einer Impressumspflicht unterliegt, letztlich gewerblicher Nutzer ist. Denn das TDG erklärt in §6 “…Vor allem die Anbringung von Werbung in Form von Bannern, Frames oder Links zu Shops etc., kann als geschäftliche Tätigkeit aufgefaßt werden, wenn dadurch ein finanzieller oder materieller Vorteil für den Anbieter erwächst (z. B. kostenloser Webspace, Vergütung für Clicks oder Provisionen usw.)”. Dass vor allem private Blogger gar keinen Einfluss darauf haben, welche Banner wo in ihren Blogs gezeigt werden, wird dann sicher nicht zur fröhlichen Akzeptanz des Leistungsschutzrechts beitragen. Aber das ist ja gewollt. Denn als Kompromiss wird man einfach na genau dieser Stelle gnädig sein, damit alles andere durchgewunken wird. Wer beweisen kann, dass ihm durch eine Website keinerlei Vergütungen zu fließen, der ist fein raus. Wer allerdings eine kostenlose Webhosting-Variante mit Werbung gewählt hat, statt monatlich zu löhnen, der hat dann ja schon einen geldwerten Vorteil und ist laut TDG ein gewerblicher Anbieter.
Prost. Es ist also angesichts der aktuellen Situation nur gerecht, das Leistungsschutzrecht so zu nennen wie es gedacht ist: eine Verlegersubvention ohne Zutun der EU. Der bzw. das Einzige, der das alles stoppen kann, ist das Wettbewerbsrecht der EU. Ich hoffe, dass die Verlage in den Nachbarländern sinnvoll reagieren und den Mist von Muttis Freundinnen Liz und Friede vor europäischen Gerichten stoppen als unzulässige Subvention und Wettbewerbsvorteil einer nationalen Industrie, die keinerlei Nachteile durch das Internet zu erleiden hat. Denn das Verkaufen von Reichweiten an Anzeigenkunden ist weder eine demokratische Tugend noch durch externe Faktoren in Deutschland so schwierig gemacht worden.
June 18 2010, 9:20am
HuffPost almost takes the lead
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Beim businessinsider gibt es diesmal eine Besonderheit beim chart of the day, die einige Verlage in Deutschland beruhigen wird. Denn hier haben wir (noch) keine Huffington Post. Falls doch, könnte die bequeme Position der Zeitungsverlage, einfach auf das Millionenheer der Billigschreiber in diesem Lande zuzugreifen und dann noch über die geringen Einnahmen im Web zu jammern, ein jähes Ende haben.
May 19 2010, 10:59am
Springer-Verlag auf dem iPad
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The Iconist ist das iPad-Flaggschiff des Springer Verlags, das quartalsweise erscheinen soll. Gute Idee. Das nenn’ ich mal slow media wörtlich genommen. Wenn ich mir das Video ansehe, dann ist mein Problem weniger die sehr langsame Publikationsfrequenz sondern die Idee, einfach Papier hinter Glas einzusperren. Ich bin wohl zu alt für solche Sachen:
via ipony
May 17 2010, 1:03pm
iPad-App - So könnte es aussehen
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Das kultige US-Tech und Netzkultur-Magazin Wired zeigt in diesem Video einen Preview auf die geplante iPad-App. Die Verlage erhoffen sich ja vom iPad die Lösung ihrer Geldverdienprobleme, weil sie über das bei iTunes angehängte Bezahlsystem Abos verkaufen wollen. Ob die Rechnung aufgeht muss sich zeigen! Ich persönlich zweifele am Gelingen, denn die Bereitschaft für Nachrichten zu bezahlen ist weiterhin sehr dünn ausgeprägt. Entscheidend wird es für die Verlage sein exklusive und im Sinne der Leser/User hochwertige und mehrwertige Inhalte zu liefern.
February 18 2010, 10:16am
Publizieren: “Warten, bis Dinosaurier aussterben”
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“Die Verlage haben Angst”, sagt Lukas Rieder. Angst davor, ihre Rechtfertigung für den Produktionsprozess zu verlieren. Rieder bietet bei “atoms&bits” eine Veranstaltung zum “Neuen Publizieren” an - naheliegend, denn er hat das Startup paperc gegründet, das wissenschaftliche Literatur leichter veröffentlichen und online zugänglich machen will. Viele Autoren würden heute einfach zu wenig verdienen – obwohl die Produktionskosten der Verlage ständig sinken würden. Bis zu 60 % Gewinnmargen streichen sie ein, sagt Rieder, und schlägt folgenden Ausweg vor: Autoren nehmen die Publikation ihrer Werke selbst in die Hand, kontrolliert mittels eines Peer Reviews. Ob Wissenschaftler überhaupt mit ihren Publikationen Geld verdienen müssten, wirft ein Kollege von Wikipedia ein. Schließlich seien viele Wissenschaftler Universitätsmitarbeiter, würden also mit Steuergeldern bezahlt. Warum also sollten sie mit ihren Publikationen Zusatzverdienste einstreichen? Es sei falsch, Verlagen zu unterstellen, Kosten vorzutäuschen, sagt Autorin Kathrin Passig. Produktions- und Organisationsprozesse seien tatsächlich hoch, wegen des “starrsinnigen Festhaltens an überholten Verfahren”. Genau aus diesem Grund werden auch viele Verlage sterben, meint Social–Media–Berater Igor Schwarzmann. “Wir sind alle sehr ungeduldig”, sagt er. Wie schnell die Entwicklung aber gehen könne, würde man am Beispiel der Lexika sehen, die innerhalb von wenigen Jahren mit Wikipedia eine echte Konkurrenz bekommen hat. Longtail-Effekte seien Verlagen egal: die Verlage würden einzelne Spitzentitel stark bewerben, andere kaum, klagt Autorin Passig. Es sei schwierig, Sachen zu publizieren, die nicht gestreamlined seien. Auch mit dem Lektorat ist sie häufig nicht zufrieden: Meist würden die Lektoren der Verlage nicht mehr stark an dem Text arbeiten, sagt sie. Viele Teilnehmer der Veranstaltung können sich gut vorstellen, dass Freiberufler das Lektorat übernehmen und das Buch dann direkt über Amazon oder ähnliche Plattformen vermarktet wird. Natürlich kommt die Debatte auch auf die Zukunft des gedruckten Buches zu sprechen. Schwarzmann glaubt, dass das Print-Buch künftig ein freakiger Gegenstand werden wird – ein Hobby wie Elektrische Eisenbahnen. Und zwar nicht nur im Unterhaltungs–, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich. Das alles sei eigentlich nur noch eine Frage des Designs der Lesegeräte. Rieder widerspricht: Er glaubt, dass es gedruckte Bücher auch weiterhin geben wird: Wissenschaftlich wolle man eben auf vieles elektronisch zugreifen, im Urlaub aber dann doch lieber ein Buch dabei haben. Gerade im wissenschaftlichen Bereich setzt er aber große Hoffnungen in das digitalen Publizieren von Arbeiten und sieht dort auch große Vorteile. “Man muss nur warten, bis die Dinosaurier aussterben.” Gerade Print–on–demand–Dienste wie epubli vereinfachen den Produktionsprozess noch weiter: Teils ab 2, teils ab 500 Stück könne man bei der Druckerei in Auftrag geben, sobald ein Exemplar im Netz bestellt werde – ein Gegenentwurf zur Großlagerhaltung großer Verlage. “Der Veröffentlichungszeitpunkt spielt nicht mehr so die Rolle”, sagt Autorin Passig. Soll ein Text, der veröffentlicht wird, als fertig betrachtet werden oder nur als eine Version, die noch verändert, angepasst werden kann? Eine Frage, über die die “atoms&bits”-Runde streitet: Die einen lehnen es ab, Beta-Versionen eines Buches zu kaufen und später gesagt zu bekommen, welche Zeile darin falsch ist. Andere entgegnen: Darin liege doch gerade die Chance. Die Alternative sei: Die Zeile ist falsch und ich als Käufer des Buches erfahre es nicht. Positives Beispiel für ausführliches Feedback zum Manuskript sei hier der O’Reilly-Verlag. Mehr zum Thema: Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer über das Gefangenendilemma der Printverlage.
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Publizieren:”Warten bis Dinosaurier aussterben”
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“Die Verlage haben Angst”, sagt Lukas Rieder. Angst davor, seine Rechtfertigung für den Produktionsprozess zu verlieren. Rieder bietet bei “Atoms and Bits” eine Veranstaltung zum “Neuen Publizieren” an - naheliegend, denn er hat das Startup paperc gegründet, das wissenschaftliche Literatur leichter veröffentlichen und online zugänglich machen will.
Viele Autoren würden heute einfach zu wenig verdienen - obwohl die Produktionskosten der Verlage ständig sinken würden. Bis zu 60 % Gewinnmargen streichen sie ein, sagt Rieder, und schlägt folgenden Ausweg vor: Autoren nehmen die Publikation ihrer Werke selbst in die Hand, kontrolliert mittels eines Peer Reviews.
Doch müssen Wissenschaftler überhaupt mit ihren Publikationen Geld verdienen? wirft ein Kollege von Wikipedia ein. Schließlich seien viele Wissenschaftler Universitätsmitarbeiter, werden also mit Steuergeldern bezahlt. Warum also sollten sie mit ihren Publikationen Zusatzverdienste einstreichen?
Es sei falsch, Verlagen zu unterstellen, Kosten vorzutäuschen, sagt Autorin Kathrin Passig. Produktions- und Organisationsprozesse seien tatsächlich hoch, wegen des “starrsinnigen Festhalten an überholten Verfahren”. Genau aus diesem Grund werden auch viele Verlage sterben, meint Social Media-Berater Igor Schwarzmann. “Wir sind alle sehr ungeduldig” sagt er. Wie schnell die Entwicklung aber gehen könne, würde man am Beispiel der Lexika sehen, die innerhalb von wenigen Jahren mit Wikipedia eine echte Konkurrenz bekommen hat.
Longtail-Effekte seien Verlagen egal: die Verlage würden einzelne Spitzentitel stark bewerben, andere kaum, klagt Autorin Passig. Es sei schwer, Sachen zu publizieren, die nicht gestreamlinet zu sein. Auch mit dem Lektorat ist sei häufig nicht zufrieden: Meist würden die Lektoren der Verlage nicht mehr stark an dem Text arbeiten, sagt sie. Viele Teilnehmer der Veranstaltung können sich gut vorstellen, dass Freiberufler das Lektorat übernehmen und das Buch dann direkt über Amazon oder ähnliche Plattformen vermarktet wird.
Natürlich kommt die Debatte auch auf die Zukunft des gedruckten Buches zu sprechen. Schwarzmann glaubt, dass das Print-Buch künftig ein freakiger Gegenstand werden wird - ein Hobby wie Elektrische Eisenbahnen. Und zwar nicht nur im Unterhaltungs- als auch im wissenschaftlichen Bereich. Das alles sei eigentlich nur noch eine Frage des Designs der Lesegeräte. Rieder widerspricht: Er glaubt, dass es gedruckte Bücher auch weiterhin geben wird: Wissenschaftlich wolle man eben auf vieles elektronisch zugreifen, im Urlaub aber dann doch lieber ein Buch dabei haben. Gerade im wissenschaftlichen Bereich setzt er aber große Hoffnungen und Vorteile beim digitalen Publizieren von Arbeiten. “Man muss nur warten, bis die Dinosaurier aussterben.”
Gerade Print on demand-Dienste wie epubli vereinfachen den Produktionsprozess noch weiter: Teils ab 2, teils ab 500 Stück könne man bei der Druckerei in Auftrag geben, sobald ein Exemplar im Netz bestellt werde - ein Gegenentwurf zur Großlagerhaltung großer Verlage.
“Der Veröffentlichungszeitpunkt spielt nicht mehr so die Rolle”, sagt Autorin Passig. Soll ein Text, der veröffentlicht wird, als fertig betrachtet werden oder nur als eine Version, die noch verändert, angepasst werden kann? Eine Frage, über die sich die “Atoms and Bits”-Runde streitet: Die einen lehnen es ab, Beta-Versionen eines Buches zu kaufen und später gesagt zu bekommen, welche Zeile darin falsch ist. Andere entgegnen: Darin liege doch gerade die Chance. Die Alternative sei: Die Zeile ist falsch und ich als Käufer des Buches erfahre es nicht. Positives Beispiel für ausführliches Feedback zum Manuskript sei hier der O’Reilly-Verlag.
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off the record » Blog Archive » Spießer Alfons: Rettungsplan für Verlage!
http://off-the-record.de/2009/03/02/spiesser-alfons-rettungsplan-fuer-verlage/
Launiger Beitrrag über das, was Verlage ändern sollten um es dem Spießer Alfons und dem Rest der Welt recht zu machen.
March 3 2009, 11:59am
Seite 1



