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Prost Privacy

Haben Sie sich heute schon geängstigt? Etwas zu viele Daten im Netz verschleudert? Kreditkartendaten bei einem windigen aber coolen Social Media Dienst abgegeben? Alles Schnee von gestern. Halten Sie ihre Aluhüte fest, meine Damen, jetzt kommt die Zukunft…

Die Forschungsmeister beim DARPA, einem militärischen Arm des Pentagon (der nebenbei auch mal das Internet abwarf), haben einen neuen Hit in ihrem Arsenal: Für schlappe 14 Millionen Dollar wollen die Schnüffler ein Mashup aller Sensoren und Schnüffeltechnologien zusammenbasteln, um überall und jederzeit auch nur den geringsten menschlichen Regungen gewahr zu werden. Ob sie nun mit der 1,8 Gigapixel-Kamera Argus bei Ex-Minister Brüderle die Ohrhaare nachzählen oder mit dem Vader-System Umweltminister Röttgen auf dem Fahrrad überwachen, all das soll mit dem neuesten Coup namens INSIGHT zu einem Netz zusammengefasst werden. Offensichtlich, dass da auch die eine oder andere öffentliche Kamera zugeschaltet werden kann. Wir kennen das ja schon aus der Bourne-Trilogie. Das Besondere an INSIGHT wird das Herausfiltern sein. Denn die Dienste leidern je eher an einem Zuviel an Daten und einem zuwenig an Information. Der Entwickler SAIC bekommt das Geld für einen intelligenten und nutzerfreundlichen Umgang mit all den Kolonnen an Sensordaten, seien es Bilder, Videos, Audiodateien oder hochaufgelöste multispektrale Grafiken. Natürlcih soll so ein System acuh mitlernen und bald schon eigene Hypothesen bilden – das Ganze natürlich auf Basis der allseits beliebten Algorithmen. Wäre Schirrmacher nicht gerade im Vergnügungslager für radikale Bürgerliche Finalisten, hätte er schon einen Aufschrei durch die Republik getragen, der sogar Matussek aus seinem christlich-bürgerlichen Trauma gerissen hätte. Aber nicht nur in Europa, auch in den USA schweigen die Bürgerlichen alias Ex-Marktliberalen alias Ex-Konservativen wenn es um die Überwachung der Welt geht. Denn wir alle werden bald von Bloggern und Barcamp-Initiatoren umzingelt, die uns mit ihrem Buchstabensalat und Flashmobs niederringen. Vielleicht empfehlen wir den Forschern bei der DARPA und SAIC, dass sie ihre Sensoren und die Software bei der nächsten re:publica ausprobieren. Dann können die Herren uns direkt vor der Toilette darüber aufklären, welche gerade frei und vor allem sauber ist, welche Menschenschlange aufgelöst wird duch Krawall, in welchem Raum noch Plätze oder Netzstecker frei sind und welche Redner am Tag zuvor mit Mutter telefonierten, Fußgeruch haben oder sich mit der Absicht tragen demnächst ihren Partner loszuwerden. All das wir bald jederzeit und überall von jedem verfügbar sein. Die Sensoren sind schon hier und da vorhanden, jetzt fehlt noch das Mashup der SAIC und ein oder zwei Algorithmen, dann klappt’s auch mit dem guten Ruf der Sicherheit der USA.

June 3 2011, 9:30am

Totalüberwachung: „We live in Public“

„Früher waren Tiger und Löwen Könige des Dschungels – und dann sind sie im Zoo geendet. Ich glaube, wir sind auf dem selben Weg“ sagt der Mund von Josh Harris, der früher in diesem Trailer als „der größte Pionier des Internets, von dem man noch nie gehört hat“ bezeichnet wurde. „We Live in Public“ heißt der Film, der sein ziemlich – nun, nennen wir es einmal ereignisreiches Leben erzählt. Vom Material her kein Problem – hatte Harris doch schon in den frühen 90ern den Online–TV–Sender „Pseudo“ gegründet, ein Sozialexperiment von einem Sender, das viele in den USA als „Warhol–artig“ beschrieben. (In Wahrheit soll das alles nur ein Fake gewesen sein, gab Harris 2008 bekannt – lange nach der vollkommenen Pleite des Projekts). An der Schwelle des neuen Milleniums, Anfang 2000, startete er ein wüstes Projekt namens “Quiet”. Das Konzept: Ein Haufen bunt zusammengewürfelter Künstler in einem Big–Brother–Kamerasetting in einem New Yorker Bunker. Überall Kameras, auf dem Klo, in der Dusche. Doch das genügte Harris nicht - mit seinem Projekt „We Live in Public“, das auch dem Film seinen Namen gab, ließ Harris sich selbst totalüberwachen, in seiner Wohnung. Mit Kameras auf Toilette, im Kühlschrank und Infrarotaufnahmen im Bett mit seiner Partnerin. Und er filmte sich weiter, auch als die Kameras dokumentierten, wie sein Leben den Bach herunter ging. Die Frau ihn verließ. Seine ganz persönliche Dotcom–Blase platzte. Konsequente Vollüberwachung. Ohne Mitleid. promo All das – so zumindest verspricht der Trailer – ist im Film dokumentiert. Die Zuschauer beim amerikanischen Sundance–Festival waren von dem Ergebnis so fasziniert, dass sie es auszeichneten. Überhaupt scheint Harris ein Mann für pathetische Sätze zu sein. „Zuerst werden alle das Internet mögen. Aber es wird einen fundamentalen Wandel im Zustand des Menschen geben. Eines Tages werden wir aufwachen und merken, dass wir Sklaven geworden sind. Es hat uns gefangengenommen“, sagt er im Filmtrailer. Doch beunruhigenderweise hat er damit in einer Zeit, in der Facebook, Twitter & Co. unser Leben besser dokumentiert machen als je zuvor, ja auch ziemlich recht. Die Wired schrieb in einem Artikel über sein Projekt schon 2000: “When TV first came out, it had an impact like a social atomic bomb,” he says. “But the mode of intimacy that I’m presenting, which we’ll experience via the Net, is going to be bigger.” Im selben Artikel wird Harris als wahnsinnig durchschnittlicher Durchschnittstyp präsentiert. Häufig scheinen Journalisten Hin und Her gerissen, was sie von Harris halten sollen: In einer Minute beantwortet er eloquent Fragen, in der nächsten werden seine Antworten krude. So behauptete er gegenüber sky news, er habe für sein Überwachungsprojekt “We live in Public” seine damalige Partnerin gezielt gecastet - fünf Jahre zuvor und ohne deren Wissen. Einem Journalisten der New York Times gegenüber behauptet er, das FBI sei hinter ihm her gewesen. Im gleichen Portrait wird ein ehemaliger Mitarbeiter zitiert: “Josh was and is very complicated,” said David Bohrman, who once was chief executive of Pseudo and is now a senior vice president and the Washington bureau chief for CNN. “There are moments of insight and moments of craziness.” Und doch hat er ja offenbar schon lange vor fast allen anderen die interessante Frage aufgeworfen, wie Technik und Medien unser menschliches Zusammenleben diktieren und unsere individuelle Identität formen. Die “Zeit” präsentierte als “Medienexperimentator”, der behauptet, die Menschen wollten einfach überwacht werden. Wer ist dieser Harris also – ein schillernder Netzvisionär, ein geldverbrennender Dotcom–Dampfplauderer oder einfach ein durchgedrehter digitaler Nostradamus? Um diese Frage beantworten zu können, würde es wahrscheinlich helfen, sich den Film anzusehen. Doch das ist bislang leider bislang nur Menschen in den USA, Kanada und Großbritannien vorbehalten. Fotos: Donna Ferrato (oben), Eamon Madigan (unten)

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November 30 2009, 9:00am

Elektronischer Polizeistaat: Realität oder heiße Luft?

Glaubt man dem 2008er Electronic Police State Report der amerikanischen Firma Cryptohippie, so bewegen sich totalitäre und demokratische Staaten aufeinander zu, wenn es um elektronische Überwachung und Spionage geht. Die Studie wertet 17 Kriterien auf einer Skala von 1 (gut) bis 5 (schlecht) aus, darunter Vorratsdatenspeicherung, die Trennung zwischen Polizei und Geheimdienst, die Häufigkeit, mit der man seinen Ausweis zeigen muss und die Strenge der Kontrollen an den Grenzen. Die Daten stammen von unterschiedlichen unabhängigen Organisationen. Gesetzliche Zensur des Internets und legitimierte Polizeiarbeit würden nicht gewertet werden, so der Report. Die Karte der gefährdeten Länder laut dem Report: Deutschland ist unter den Top 10. Gleichzeitig verschweigt der Report seine Kriterien. Den Ergebnissen zufolge führen, wenig überraschend, China und Nordkorea in der Liga der elektronischen Überwachungsstaaten, Deutschland jedoch folgt mit einer Durchschnittsnote von 3,06 auf Platz 10. Obwohl das Unternehmen die Rohdaten zur Verfügung stellt, ist leider nicht ersichtlich, aus welchem Grund nun die punktgleichen Israel und Frankreich vor Deutschland geführt werden. Ebensowenig lässt sich mit Bestimmtheit sagen, welche Kriterien zur Bewertung verwendet wurden. Ab wann ist eine Vorratsdatenspeicherung eine 4, wann noch eine 3? Mit dem Report versuche man, das Bewusstsein der Bedrohung der Freiheit durch unsichtbare elektronische Überwachung zu schärfen, so Cryptohippie. Die Ergebnisse sind sicherlich erschreckend und die Motivation lobenswert, aber ohne einen Anhaltspunkt, wie sie zustande gekommen sind, ist der Report immer offen für Zweifel. Hier müsste das Unternehmen dringend nachlegen, um seine Aussagen zu belegen. Wir haben nachgefragt, welche Kriterien verwendet wurden. Wenn es was Neues gibt, lest ihr es hier. [via telepolis und netzpolitik]    Verwandte Artikel

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