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Social Media Trendmonitor 2011

Präsentation der Ergebnisse des Social Media Trendmonitor 2011 KOMMUNIKATION von news aktuell (Faktenkontor): Beim Social Media-Trendmonitor wurden Fach- und Führungskräfte aus Pressestellen von Unternehmen und aus PR-Agenturen sowie Journalisten zu den folgenden Themenschwerpunkten befragt: •Persönlicher Umgang mit Social Media •Social Media-Aktivitäten in Pressestellen, PR-Agenturen und Redaktionen Nur jede dritte Redaktion (33 Prozent) und jede vierte Pressestelle (28 Prozent) hält sich laut Studie für den Umgang mit Social Media “gut” bis “sehr gut” gerüstet. Hier sehen vor allem Online- Redaktionen (43 Prozent) und Nachrichtenagenturen (33 Prozent) optimistisch in die Zukunft. Weniger selbstbewusst zeigen sich dagegen Zeitschriften- und Tageszeitungsredaktionen. Nur jede fünfte unter ihnen (jeweils 21 Prozent) fühlt sich gut gewappnet im Umgang mit dem Web 2.0. Nicht wenige halten Social Media für reine Nervensägerei…

Social Media Trendmonitor 2011

May 10 2011, 9:30am

Social Media Marketing stirbt?

Seit einem Jahr ist jeder Werbetreibende, Agenturinhaber, Marketingverantwortliche mit dem Unvermeidlichen konfrontiert. Andere haben es schon 2008 irgendwo mal gelesen: Social Media und Marketing haben irgendwie irgendwas miteinander zu tun. Sollten es zumindest, wenn man die Konferenzen und Expertenbeiträge in Stadt und Land näher betrachtet. Amerika, ja Amerika, da geht es ganz nach vorn. Die sind ja schon so viel weiter, hört man den Senior Berater der 2007 gegründeten Social-Media-Agentur XYZ tönen. Und in der Tat: Die Amerikaner sind tatsächlich weiter. 90% der Nutzer von Sozialen Netzwerken verlassen die Fanseiten, tweets und andere wohlfeile Social Media Marketing Wunderwaffen laut einer Studie… Am schlimmsten trifft es die E-Mails, mehr als 90% haben sich aus dem Empfang von Firmenmails aka Newsletter ausgetragen, 77% der Nutzer werden nicht mehr so schnell wie früher E-Mail Accounts an Firmen weitergeben um an Informationen zu kommen. Und mehr als 50% der Facebook-Nutzer haben mitbekommen, dass der like-button zu einem unrühmlichen Werbeschalter verkommt. Bleibt noch zu erwähnen, das mehr als 70% der Befragten Leute bei Facebook sehr empfindlich geworden sind, welche Firma und Produkte sie in Zukunft “liken” werden. Wenn wir also annehmen, dass USA den Trend setzt, dann wäre es sicher nicht ganz unpassend, auch hierzulande davon auszugehen, dass Social Media eher etwas von Menschen für Menschen ist. Sozial heißt ja auch “gegenseitig”. Angebot und Nachfrage ist übrigens nicht Teil der Welt sozialen Verhaltens, wird nennen dies Ökonomie. Sonst müssten Prostituierte ein Studium als Sozialarbeiterin nachweisen. Das klingt zunächst nicht dumm. Die Kehrseite bedeutet aber, das nicht Gehorsam und Profilneurose über Führungspositionen entscheiden sondern die Mitarbeiter ihre Führungskräfte wählen. Siehste, so gesehen sind die Firmen noch meilenweit von “sozial” entfernt, ergo auch das Marketing.

February 16 2011, 9:30am

Nutzung Sozialer Netzwerke

Vor einem Monat sah die Studie von Compass das Netzwerk wer-kennt-wen.de ganz klar auf dem zweiten Platz hinter facebook. Nun haben die Marktforscher von Fittkau & Maaß ihre Zahlen publiziert und kommen zu anderen Ergebnissen. Dort ist Xing auf Platz zwei. Bei Compass kamen dann stayfriends und SchuelerVZ gemeinsam auf den dritten Platz. F & M sehen StudiVZ weit hinter wer-kennt-wen auf dem vierten Platz.

Die Ergebniss der W3B-Studie sind hier herunterzuladen. Dort wird auch das ungebrochene Wachstum bei den regelmäßigen (wöchentlichen) Networkern bei Facebook: 64,4 % genauer erläutert.

February 15 2011, 9:45am

Blogosphere 2010

Technorati ist mit der 6. Ausgabe seiner Blogosphere-Studie draußen. Die Untersuchung in 24 Ländern zeigt, dass dieses Jahr der Einfluss von Blogs auf Massenmedien gewachsen ist. Die Übergangszeit vom Freizeitmedium zur ernst genommenen Informationsquelle ist in vielen Fällen in Richtung Recherchequelle umgeschlagen. Wie wir alle wissen, gibt es immer weniger Altvordere, die dem Web per se Seriösität absprechen. Vielleicht werden sie auch nur leiser und grummeln im Stillen. In jedem Fall helfen die Sozialen Netzwerke enorm dabei, unbekannte Blogs oder Nischenautoren ins Rampenlicht der digitalen Bühne zu zerren. 25% der Blogger schreiben per Smartphone und 40% dieser Blogger berichteten technorati, dass dies ihr Bloggen verändert hat. Dieses Jahr hat die Blogosphere 2010 sich besonders auf Frauen und Bloggen fokussiert, was vor allem an dem Umstand lag, dass dieses Thema immer schneller an Bedeutung zunimmt. Ob dabei die Tatsache, das 65% der befragten Blogger selbständig sind, eine große Rolle spielt? Denn immer mehr Frauen erobern die Welt als Gründerinnen oder Freiberufler. Die Studie fand außerdem heraus, dass die meisten Blogger 2-5 Mal in der Woche ihr Blog aktualiseren, dabei sind die Corporate Blogs verständlicherweise eher regelmäßig und die privaten eher sporadisch-spontan. Die Studie hat auch das Vertrauen der Leser in verschiedene Social Media Quellen bewertet und berichtet, dass 49,7% der Leser auf Facebook Glaubwürdiges zu Produkten finden, gefolgt von Blogs mit 47,1 %. Mehr dazu hier.

November 11 2010, 10:00am

Der kleine Unterschied ganz groß: Frauen im Netz

ComScore hat im Juni dieses Jahres eine Studie mit dem Titel Women on the Web: How Women are Shaping the Internet veröffentlicht, in der Zahlen und Statistiken zu Phänomenen aufgelistet sind, die ein Großteil der internetaffinen Menschen wahrscheinlich kaum überrascht: Der so genannte Gender Gap – die Ungleichheit des Zugangs zur Online-Welt in Hinblick auf Geschlecht – schließt sich zunehmend. Von den Internetuser_innen weltweit sind heute 54% männlich und 46% weiblich. In Singapur, den USA, Kanada, Neuseeland und Russland sind mindestens 50% oder mehr der Nutzer_innen weiblich, in Indien und Indonesien sind deren Anteile mit jeweils 28% und 35% am geringsten. Obwohl Frauen und Männer im Internet in vielen Teilen der Welt quantitativ fast gleich stark vertreten sind, unterscheiden sich deren Nutzungsverhalten – wenn auch in vielen Bereichen nicht dramatisch: Weltweit verbringen Frauen mehr Zeit mit E-Mails, Instant Messenger (IM), Fotoseiten und insbesondere auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ.

Mehr und mehr Frauen in der Altersgruppe 45+ nutzen verstärkt soziale Netzwerke und E-Mails, wohingegen ältere Männer in diesem Alter weniger Interesse zeigen. IM spielt in Ländern Lateinamerikas eine erstaunlich wichtige Rolle, was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass die Bevölkerung im Vergleich zu anderen Ländern recht jung ist. Insgesamt verbringen Frauen und Männer in den meisten Online-Kategorien wie ,Multimedia’, ‚Onlineshopping’, ‚Suchmaschinen’ oder ‚Spiele’ ähnlich viel Zeit, wobei sich die Art der Nutzung unterscheiden kann, z.B. welche Suchmaschinen genutzt werden, was und wie viel gekauft wird oder welche Spiele gespielt werden. Auch auf Twitter tümmeln sich in etwa so viele Männer wie Frauen und unterscheiden sich in ihrem Nutzungsverhalten dahingehend, dass Frauen weniger eigene Tweets schreiben und häufiger nach Angeboten oder Kommunikation Ausschau halten…

Laut der Studie sei es “nicht überraschend“, dass Frauen sowohl den größeren Anteil an Käuferinnen stellen als auch die meisten Einkäufe tätigen und darüber hinaus mehr Geld beim Onlineshopping ausgeben. Wird hier der Stereotyp der einkaufswütigen Frau mit dutzenden Paaren von Schuhen bestätigt? Nicht unbedingt: Da Frauen in vielen Familien für Einkäufe zuständig sind, ist anzunehmen, dass viele der Online-Einkäufe nicht dem eigenen Kleiderschrank sondern den Kindern oder der Familie dienen. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht auch nicht überraschend, dass das Interesse von Frauen an bestimmten Kategorien wie Gesundheit, Kinder, Essen etc. höher ist als das der Männer. Wer hauptsächlich für Kindererziehung verantwortlich ist, macht sich darüber auch mehr Gedanken. Frauen haben einen wichtigen Platz in der Online-Welt eingenommen und sind besonders stark als Bloggerinnen vertreten. Sie sind zahlungskräftige Kundinnen, verbringen viel Zeit auf Fotoseiten, in sozialen Netzwerken und Kommunikationskanälen. Die Studie resümiert, dass das Internet zu „women’s work” avanciert. Hier dramatisieren die Forscher_innen das Ergebnis meiner Meinung nach (vielleicht, um den alten, langweiligen Geschlechterkampf nicht in Vergessenheit geraten zu lassen?): Ja, es gibt Bereiche im Internet, in denen Frauen dominieren. Und ja, es gibt (wenn auch in den meisten Bereichen nicht dramatische) Unterschiede in der Nutzung. Aber eine Verschiebung des Fokus weg von Geschlechterdifferenz offenbart auch, wie viele Parallelen es gibt. Überraschend: Frauen stehen Männern bei Online-Glücksspielen in fast nichts nach. Und die so genannten „Erwachsenenseiten” werden auch immer mehr von Frauen besucht – und stehen auf der Rangliste noch vor Bekleidungs-, Gesundheits- oder Elternratgeber-Seiten. Aber diese Ergebnisse lassen sich medial wohl nicht so interessant aufarbeiten. Autorin:Magda Albrecht Bildnachweis: ComScore Crosspost von http://www.maedchenmannschaft.net

August 13 2010, 11:15am

Pew Study: Future of Online Socializing

The social benefits of internet use will far outweigh the negatives over the next decade, according to experts. They say this is because email, social networks, and other online tools offer “low friction” opportunities to create, enhance, and rediscover social ties that make a difference in people’s lives.

Quelle: PewResearch

July 6 2010, 11:05am

Pew-Studie: Neues aus der Online-Video-Welt

Sieben von zehn Internetnutzern und damit die Hälfte der erwachsenen US-Amerikaner nutzen das Web um Videos anzusehen. Junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren sind weiterhin diejenigen, die am meisten online Filme ansehen. Die ganze Studie gibt es kostenlos hier.

June 8 2010, 1:47pm

Studie: Information overload ist Einbildung

Wer die Agitation der Verlagshäuser gegen Anbieter beobachtet hat, die im Netz mit Werbung Geld verdienen, dem ist klar geworden, dass es heutzutage nicht mehr reicht, 30 Journalisten mit den Texten aus sechs Newsagenturen einzuschließen, um jeden Monat Abermillionen in die Schweiz oder auf die Caymans zu schicken. Aber ihr Schlachtruf “Information Overload”, der ertönt noch immer, wenn es darum geht, das Internet als Ganzes zu diskreditieren. In Zeiten, wo Verlage ihre Druckwerke am Flughafen wegschenken, um die Auflage für die Werbekunden künstlich zu beatmen, ist es sinnvoll, einfach mal ein paar Hundert Leute nach ihrem Eindruck zu befragen, wo sie Informationen her bekommen und welche Einstellungen sie sowohl zu den Quellen als auch zu den Informationen selbst gewinnen. Weber Shandwick, eine PR-Agentur, hat so eine Befragung durchgeführt und gleich noch ein paar mehr von den ewigen Wahrheiten zumindest statistisch widerlegen können. Da wäre zum Beispiel die Beeinflussung der Meinungen durch externe Informationsquellen, die bei den jungen Leuten deutlich geringer ist als bei den Baby Boomers. Ein Studie, die in keinem Ordner fehlen sollte!

May 19 2010, 12:54pm

Das Web 2020 – more tinsel

Wer als Berater 4000 € und mehr am Tag erlösen will, der muss schon mit Lametta um sich schießen. Das tut man heutzutage nicht mehr mit einem MBA, einem Doktortitel und sechs Auslandssemestern in drei Ländern. Solche Leute arbeiten zu Hunderten in unzähligen Praktikumsstellen in Berlin und Hamburg. Sogar einige Firmen in München können sich noch Praktikanten leisten. Zumindest die Forschungsabteilungen der großen Automobilfirmen und die Pharmaunternehmen, die mittlerweile immer mehr günstige Werkdoktoranden und junge High Potentials mit Werkverträge auf Distanz halten, bis die endlich im Ausland verschwunden sind. Da verwundert es nicht, wenn die strategischen Berater dieser Welt mit derselben vita sich mit abenteuerlichen Ideen hervortun müssen. Das “Web 2020″ passt ins Beuteschema. Wer auf breitband im deutschlandradio am letzten Samstag (siehe bei den Linktipps von heute) dem Vorsitzenden der Enquète-Kommission für das Internet lauschen durfte, der versteht, warum wir Berater brauchen. Denn Politiker und Entscheider können heutzutage vor lauter Entscheidungen nur noch überblicken, welche Personen sie als geeignet betrachten, sie zu beraten. Warum Expertise? Es gibt doch externes Denken. Denn offenbar kommt Expertise von extern. Die Berater sind im schlechtesten McLuhanschen Sinne zum Exoskelett der Entscheidungsebene mutiert. Inhaltlich ist da offenbar ein großes Vakuum im Bereich strategisches Management. Offenbar auch ein Grund, warum aus Deutschland beispielsweise seit SAP und Software AG nix global Besonderes mehr in Sachen Web und IT kam. Abgesehen von all den Grundlagenforschungen, die für dreifuffzich ins Ausland verhökert werden von lächerlich unterbelichteten Spin-offs der Unis, die regelmäßig bei den Lizenzverhandlungen mit asiatischen und amerikanischen Firmen übervorteilt werden. Zum Thema: Nun also hat so ein 4000€-Tagessatz-Berater tacheles gesprochen zum web2020 – auch noch im Manager Magazin.

Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte der Unternehmensberatung Booz & Co stand dem manager magazin Rede und Antwort um auf diese Weise eine Studie zu propagandieren. Und da es seit circa zwei Jahrzehnten offenes Geschäftsmodell aller strategischen Berater ist, den Firmen den Weg von der Forschung zum Markteintritt zu begleiten, erkennt Friedrich auch, dass es im Webzeitalter besonders für Telkos besonders wichtig ist, die Dauer des time-to-market zu straffen. Präzise und konkret, wie die Berater nun mal sind nennt er als besonderes Hilfemittel neue Innovationsmodelle. Nun, wer Michael Schrages Bestseller Serious Play – in den USA der Oberburner des Jahres 2000 – gelesen hatte, der wird verschmitzt lächeln über all das Szenariengefasel was sich an solche einleitenden Wort von Strategiebratern anschließt. Sogar auf Change Management in der Organisation weist er hin. Das klingt fast radikal – so noch nie gehört vorher. Ähem. Aber es kommt noch vieeel besser: Denn bei den Boozianer kommt was Neues auf die Welt zu. Nach den Generationen X, Y und Z kommt nun die Generation… ? Raten Sie mal. Richtig. Die Generation C. C steht für “connect, communicate und change“. Ja, liebe Kinder und Kinderinnen das kommt auf uns zu. Das Lebensgefühl und Weltverständnis dieser Generation wird sich durch Telekommunikation, moderne Endgeräte und damit verbundene soziale Trends völlig verändern. Das ist wohlgemerkt keine Science-Fiction, sondern basiert auf der Fortschreibung bereits heute existierender technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Ich hatte schon gedacht, dass der Satiriker, der die Texte für Matthias Horx schreibt, ein ausgesuchter Misanthrop sein muss, dass er die Zukunftsforscher mit dieser Kunstfigur so im Fernsehen diskreditiert. Aber derjenige, der die Texte für Herrn Friedrich schreibt, muss eine andere Motivation für solche Sätze haben. Wer so einen Quatsch öffentlich in ein Magazin für Manager schreibt, der muß entweder deren Intelligenz radikal unterschätzen oder sich über sie lustig machen. Ich könnte ja noch verstehen, wenn so etwas ein Marketingfuzzi seinem Abteilungsleiter als Notiz unter die slide zum “mobile web” schreibt für die Sales-Präsentation. Aber ein Strategieberater? Kaum haben sie mal eben DIE Telekomunikation in Gänze, das Endgerät an sich (ist damit eigentlich historische Finalität gemeint?) und zukünftige soziale Trends ohne weiteren Kontext oder Sinn in einem Satz aufgezählt und als evolutiven Schritt der Gegenwart postuliert, da krachen auch schon die ersten Buzzwords aus dem wolkenverhangenen Himmel voller zerbeulter Geigen. Denn auf die Frage des Journalisten (?) des mm, ob virtuelle Realität im Rahmen von augmented reality überhaupt realistisch werden könne, antwortet der Hohepriester der Telekommunikation: In Zukunft werden beispielsweise Navigationssysteme wesentlich intelligenter sein. Sie zeigen nicht nur stupide den Weg zur eingegebenen Adresse, sondern liefern auch aktuelle Informationen über freie Hotelplätze in der Nähe, über geeignete Abendveranstaltungen oder lokal verfügbare soziale Kontakte. Das alles ist im Prinzip heute schon technisch möglich. Tatsächlich, das ist heute schon in Navis möglich, manche konnte das sogar schon vor zwei Jahren, aber was hat das mit AR zu tun? Doch in Zukunft werden derartige Informationen dank hoher Bandbreiten und Prozessorgeschwindigkeiten noch viel schneller und automatischer abrufbar sein. Damit wird die Realität des Internets quasi in die menschliche Wahrnehmung integriert. Ach so, AR wird also erst möglich, wenn man mehr Bandbreiten und schnellere Prozessoren hat. Und ich dachte schon, dass man schnelle Bilderkennung, Echtzeitbild/videokompression und vor allem riesige Datenbanken mit noch riesigeren Metadatenlisten braucht sowie sehr kundennahe Geschäftsmodelle. Aber Booz macht das einfach mit leistungsfähigerer Hardware. Hut ab. Ein tolles Unternehmen mit wertvollen Tipps. Und nun kommt nach der einsame Satz zum Thema Soziale Netzwerke. Warum sollte man diesem Nachfolger der Massenmedien, der schon jetzt Hunderte Journalisten pro Jahr arbeitslos macht überhaupt noch mehr beachten. Deshalb also nur dieser eine Satz des Spezialisten. (Wissen die eigentlich, dass die Carrier selbst auf den Contentmarkt wollen oder zumindest per die Weiterleitung des Contents sich hübsch bezahlen lassen wollen von den Verlagen?). Ein Vertreter der Generation C wird seinen virtuellen Freundeskreis über das mobile Internet überall hin mitnehmen, und die Kontaktfrequenz wird erheblich zunehmen. Naja, warum soll man dieses Soziale Dingsbums vor dem Milliardäre wie Springer, Burda und Mohn zittern überhaupt weiter und tiefer eruieren. Die nehmen gerade Google kleine Teile des Werbemarkts weg. Woher soll man den jetzt schon wissen, dass die fünf Jahren Google entthront haben und die andere Hälfte es Werbemarkts auf sich vereinen. Und her bastelt der Friedrich dann auch den Gedanken hinter Googles goggle mit ein und verweist auf AR als Einkaufsführer und recommendation engine per facebook und Konsorten. Und dann kommt die uralte Telemedizin wieder zum Vorschein. Friedrich exhumiert das Thema ehealth ausgerechnet mit lokalen Sensoren, die die Werte des Körper direkt ans Krankenhaus senden. Eine Technologie die bereits erfolgreich seit Ende Neunziger – ich erinnere noch die nets AG – eingesetzt wird. Aber es passt zum gesamten Eindruck des Zukunftsvision von Booz. Den Managern soll aktuelle Technologie, die ausgereift und marktfähig ist als Zukunft verkauft werden. Wer solche Berater hat, wird in den nächsten Jahren sicher erfolgreich sein mit der Technologie von heute. Ich verstehe nun, warum die Asiaten dem LCD-Monitor zum Erfolg verholfen haben, warum MP3 durch peer-to-peer weltberühmt wurde und warum viele andere revolutionäre Kompressionsverfahren und vieles mehr von ausländischen Firmen in Milliardenumsätze umgewandelt wird. Es ist wie bei der deutschen Politik. Zunächst machen wir einen Plan. Dann überlegen wir, was die anderen planen und zum Schluß holen wir uns Berater. Wenn wir dann diesen bewährten Ansatz der strategischen Planung bis zum Exzess der Informations- und Datensammelei gebracht haben, stellen wir fest, dass unsere Produktentwicklung noch in der Zertifizierungsphase steckt. Wenn die abgeschlossen ist, dann kommen die time-to-market-Optimierer und erzählen uns, was mittlerweile Sache ist. Da wir gemerkt haben, dass unser Produkt zu veralten droht, hören wir uns an, was sie uns von der Gegenwart Zukunft erzählen und entwickeln wie bisher weiter. Immer schön mit langer Analyse- und Planungsphase und bloß keine Geschäftsfeldanalyse machen. Dann sind wir rechtzeitig auf dem Markt, wenn die Asiaten die zweite Produktgeneration der Technologie auf den Markt werfen, die wir gerade vorstellen wollen. Wie sie an die Infos gekommen sind? Nun, Diplomarbeiten werden in Firmen geschrieben. Das wissen die Anderen. Man muss nur wissen, wieviele Lohnsklavendenker Diplomanden in welchen Firmen in den R&D-Abteilungen sitzen. Solche Arbeiten werden doch immer veröffentlicht. Da steht alles drinnen. Böse Firmen nutzen die sperrangelweit offenen Datenbanken vieler Firmen, die zwar ihre Applikationen mit Kerberos und Single-SignOn absichern, aber ihre Datenbanken jedem halbwegs Eingeweihten zur freien Verfügung lassen. Das gilt vor allem für die großen Oracle-Farmen auf denen die Archive, SAP und ähnliches ihre Inhalte ablegen. Aber im Kern liegt es nicht an den mangelnden Sicherungsmaßnahmen sondern schlicht an teuren Experten, die Dinge herbeiphilosophieren, die längst vorhanden und im Markt sind und das Ganze als Zukunftsstudie verkaufen wollen. Wie gesagt: Es gibt Zeugnisse der Armut und Armutszeugnisse. Ich weiß noch nicht, ob ich die Berater gebasht habe oder die Manager, die solche Leute Ernst nehmen. Ich überlege noch…

Manchmal, aber nur manchmal… haben Firmen auch ein bißchen Relevanz gern. Dazu müsste man natürlich auch mal feststellen, was aus der Vergangenheit – also der Firmentradition unabweislich nicht auf den Prüfstand gehört, weil sich alle einig sind, dass es wirklich klasse ist. Dazu muss man erstmal das kleine Wörtchen ALLE ausdifferenzieren. Wer das tut, kann Erstaunliches herausfinden, denn das bloße Wort stakeholder kann Überraschungen enthalten und sehr viel kostbares Wissen. Wenn man die darin zusammengefassten Personen zu Wort kommen läßt und zuhört. Denn auch blindes, evolutionäres Strategiemanagement à la Google nach dem St.-Florians-Prinzip ist auch kein totaler Erfolgsgarant, wenn man vor lauter PS-Protzerei das Profil auf den Reifen vergessen hat.

Bildnachweis: cohdra

March 30 2010, 10:00am

Enterprise 2.0 – Zehn Einblicke in den Stand der Einführung

Centrestage (Dr. M. Göhring) und Prof. Joachim Niemeier haben eine lesenswerte und vor allem praxisnahe Studie zum Thema Einführung von Enterprise 2.0 in Unternehmen online gestellt. Sie wurde bereits bei bwlzweinull.de besprochen und bewertet. Sie umfasst 72 Beispiele und ist damit aus meiner Sicht den vielen Büchern zum Thema in einer Hinsicht voraus: Sie überschreitet den üblichen Rahmen aus mehr oder weniger klugen Vorstellungen von social software im Firmenumfeld um die praktische Perspektive. Die letzten Seiten der Studie beinhalten konsequenterweise einen abstrahierten Projektablaufplan, der als individualisierbares Muster für ein eigenes Vorgehensmodell dienen kann. Sehr lobenswert. Wie so oft im Leben überschreitet diese kostenlose Studie den Nutzwert von einigen teuren E20-Fachbüchern deutlich.

Enterprise 2.0 Studie 2010 - centrestage GmbH

March 26 2010, 2:50pm

Die Säulen der digitalen Gesellschaft

Die Initiative D21 und tns infratest geben ja bekanntlich den (N)Onliner-Atlas heraus, in dem minutiös das Web-Nutzungsverhalten der deutschen Bevölkerung abgebildet sein soll. Die Wahrheit erblickt das Licht der Welt über den Umweg von telefonisch abgefragten Daten bei rund 1000 Menschen. Aktuell handelt es sich in diesem Rahmen um eine Studie über eine Typologisierung der Webnutzer anhand einiger Kriterien des Umgang mit dem Web. Man unterscheidet dabei das sogenannte “digitale Potenzial”, das auf Infrastruktur, Kompetenz und Wissen lädt sowie der “Einstellung und Nutzung”, welches auf Nutzungsinstensität und -vielfalt sowie auf Einstellung lädt. Wie seinerzeit die Sinusmilieus ist hier wieder ein Schubladendenken am Werk, das dem exceltrunkenen Budgetverantwortlichen Argumente für oder gegen eine (Werbe)Aktion an die Hand geben soll. Oder präziser: Wer im Internet Millionen machen will, möge doch bitte erstmal die reine, empirische Wahrheit der Segmentierung der Webnutzer goutieren. Es treten auf:

Die digitalen Außenseiter (35 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung) Die digitalen Außenseiter sind die größte und gleichzeitig mit einem Durchschnittsalter von 62,4 Jahren die älteste Gruppe. Im Vergleich zu den anderen Typen haben sie das geringste digitale Potenzial, die geringste Computer- und Internetnutzung sowie die negativste Einstellung gegenüber digitalen Themen. Nur ein Viertel verfügt bei der digitalen Infrastruktur über eine Basisausstattung (Computer und Drucker). Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien sind folglich kaum vorhanden. Selbst Begriffe wie E-Mail, Betriebssystem oder Homepage sind den digitalen Außenseitern weitgehend unbekannt und nur ein Fünftel der digitalen Außenseiter ist in der Lage, sich im Internet zu Recht zu finden.

Ich finde es schade, dass nur 20% Recht im Web finden. Vor Gericht sind es wahrscheinlich noch viel weniger. Aber genug der Kalauer. Es geht um ein ernstes Thema. Denn leider fehlt die wichtigstes Frage: Wollen Sie keinen Computer oder können sie sich den nicht leisten bzw. wenn, haben sie niemanden, der ihn das Ding erklärt. Und was wahrscheinlich vielen digital natives unbekannt ist: Computer funktionieren tadellos ohne Internet – jedenfalls war das vor den webbasierten Zwangsaktivierungen so.

Die Gelegenheitsnutzer (30 Prozent) Die Gelegenheitsnutzer sind durchschnittlich 41,9 Jahre alt. Sie nehmen im Vergleich zu den digitalen Außenseitern zumindest teilweise am Geschehen in der digitalen Gesellschaft teil. 98 Prozent besitzen einen PC oder ein Notebook, drei Viertel bereits eine Digitalkamera. Passend dazu verbringen nahezu alle Gelegenheitsnutzer Zeit mit Computer und Internet – vor allem für private Zwecke. Der Gelegenheitsnutzer kennt bereits viele Basisbegriffe der digitalen Welt, hat aber besonders beim Thema Sicherheit großen Nachholbedarf. Insgesamt erkennt dieser Typ klar die Vorteile des Internets, fördert aber nicht seine Weiterentwicklung und bevorzugt eher klassische Medien.

Seltsam, die grenzdebilen Gelegenheitsnutzer laden bei der Suchkompetenz (alle Werte sind Eigeneinschätzungen!!!) und Textverarbeitung mit über 90% und bei den Themen Nachrichten online lesen immerhin noch bei 60% und bei der Preisinformation bei stolzen 80%. Dass hier die Politikverdrossenheit eine aktive Teilnahme an der “digitalen Gesellschaft” verhindern könnte, findet natürlich keine Beachtung beim Design der Studie. Warum soll man auch die Menschen nach Gründen für ihr Verhalten fragen. Die kulturelle Wirklichkeit besteht ja nicht aus Motiven sondern aus empirischen Erhebungen des Verhaltens. Bei Viren, Passwort und Sicherheit lädt diese Gruppe um die 70% und mehr. Würden sie Linux benutzen bräuchten sie sich um das Thema gar nicht zu kümmern. Die Relevanz vieler Sicherheitsthemen kommt ja eher aus der mangelnden digitalen Kompetenz einiger Hersteller als aus derjenigen der Nutzer – aber das nur am Rande. Dass nur 45% Online-Banking betreiben, ist ja ein deutlich Indiz dafür, dass sie die Kompetenz der Banken in Sachen Sicherheit allein durch das Thema Scheckarten ausführlich genießen durften. Da ist es nur konsequent, sich zu der Pest der faktischen Beweislastumkehr bei “Einzelfällen” nicht noch ein Problem ins Haus zu holen, mit dem Tausende Euro Verlust mit einem Schulterzucken der Gelddienstleister quittiert werden. Ich kann das den Gelegheitsnutzern nur als hohe Sicherheitskompetenz anrechnen. Man vermeidet Verluste erfolgreich durch unterlassene Experimente – allerdings vermeidet man so auch Gewinne. Aber das ist ein anderes Thema…

Der Berufsnutzer (Neun Prozent) Durchschnittlich 42,2 Jahre alt, hat diese Gruppe den höchsten Anteil an Berufstätigen. Im Vergleich zu den Gelegenheitsnutzern haben die Berufsnutzer eine deutlich bessere digitale Infrastruktur an ihrem Arbeitsplatz und nutzen dementsprechend auch dort überdurchschnittlich das Internet. Hingegen ist die private Nutzung sogar leicht unter dem Niveau der Gelegenheitsnutzer. Die Nutzungsvielfalt der Berufsnutzer beschränkt sich eher auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung.

Die Nutzungsvielfalt der Berufsnutzer beschränkt sich eher auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung. Dieser Satz entlarvt das geistige Niveau auf dem solche Wirklichkeitsschnappschüsse entstehen. Zwei Werkzeuge sind keine Vielfalt. Und mal im Vertrauen: E-Mail und Textverarbeitung sind die bei weitem gebräuchlichste Form der geschäftlichen Erstellung von Texten. Das bedeutet, die Einschränkung liegt eher im Design der modernen Arbeit als in der Entscheidung der Nutzer begründet. Die Tatsache, dass die zuhause nicht am Rechner sitzen, könnte darauf hinweisen, dass sie privat gerne digitale Außenseiter sind, aber der Job sie zu einem digitalen Teil der Gesellschaft werden lässt, ohne dass sie das aktiv gewählt hätten. Außerdem haben die digitale Infrastruktur am Arbeitsplatz nicht, sonder die hat sie. Will heißen: Sie müssen das Zeugs nutzen auch und gerade im täglichen Kampf gegen Lagerverwaltungssoftware, digitales Buchungswesen oder gar den Zwang zur digitalen Archivierung jedes geschäftlichen Vorgangs wie beispielsweise E-Mails von Kunden und Lieferanten.

Die Trendnutzer (Elf Prozent) Diese Gruppe hat sowohl den höchsten Männer- (78 Prozent) als auch Schüleranteil (13 Prozent). Das Durchschnittsalter der Trendnutzer ist mit 35,9 Jahren recht jung. Bei den Trendnutzern ist häufig die ganze Bandbreite an digitalen Geräten vorhanden. Der Trend geht dabei klar zum Zweitcomputer. Die Mitglieder dieser Gruppe verfügen über umfassende Kompetenzen am Computer und kennen sich bis auf wenige Ausnahmen bestens in der digitalen Welt aus. Die Trendnutzer wenden besonders gerne Web 2.0-Applikationen an und erkennen die großen Vorteile der digitalen Medien für sich.

Interessanterweise ist das Thema Nutzung von Preisinformationen, Internetsuche, Textverarbeitung und Nachrichten online lesen vergleichbar mit der Gruppe Gelegenheitsnutzer. Woran das wohl liegen könnte? Ob das Angebot im Web auch einen Einfluss auf das Nutzungsverhalten haben könnte? Lustig ist die Tatsache, dass ihre Kompetenz beim Erstellen einer Website besonders hoch sei. Wer also bei jimdo, wordpress.com, blogger.de oder ähnlichen Anbietern in 3 Minuten eine Seite zusammengeklickt hat, einen eigenen PC hat sowie Nachrichten und Preisinformationen vornehmlich im Web liest ist schon ein Trendnutzer. Hm, das wird ein Fest für die Marktforscher, mit solch scharfen Begriffen die Reichweitendiskussion neu zu entfachen.

Kommen wir zu den letzten beiden Gruppen:

Die digitalen Profis (12 Prozent) Der durchschnittliche digitale Profi ist 36,1 Jahre alt, meist männlich und berufstätig. Dieser Typus verfügt sowohl Zuhause als auch im Büro über eine sehr gute digitale Infrastruktur. Seine Kompetenzen sind umfangreich, was sich insbesondere in ihren professionellen Fähigkeiten widerspiegelt. Ob Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen Terrain zuhause. Eher selten suchen die digitalen Profis im Vergleich zu den Trendnutzern und der digitalen Avantgarde Zerstreuung in der digitalen Welt oder nutzen diese zur Selbstdarstellung. Bei der Nutzungsvielfalt stehen daher nützliche Anwendungen, wie z.B. Online Shopping, Preisrecherche und Nachrichten lesen, im Vordergrund.

Dieser Satz ist einfach aussagenlogisch, grammatikalisch und überhaupt mein Lieblingssatz der Pressinformation zur Studie: Seine Kompetenzen sind umfangreich, was sich insbesondere in ihren professionellen Fähigkeiten widerspiegelt. Ob Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen Terrain zuhause. Mal zuhause, mal Zuhause oder auch zu Hause alles im Angebot. Genauso beliebig ist auch die Zuordnung von Excel und Makros zu einem Typus “digitaler Profi“, es sei denn, man will einem bestimmten Typus BWLer Honig um den Bart schmieren, wo es als ausgemachtes Expertentum gilt, mittels eines Makros Tabellenblätter miteinander über Dateigrenzen hinweg zu aktualisieren.

Die Digitale Avantgarde (Drei Prozent) Die jüngste Gruppe (Durchschnittsalter 30,5 Jahren) ist gleichzeitig mit drei Prozent auch die kleinste Gruppe. Die digitale Avantgarde hat dabei ein eher geringes Einkommen und lebt oft in einem Singlehaushalt. Ihre digitale Infrastruktur lässt kaum Wünsche offen. Auffällig hoch sind dabei die mobile und geschäftliche Internetnutzung. In allen Bereichen verfügt die digitale Avantgarde über sehr hohe Kompetenzen und bildet bei den komplexen digitalen Themen die Spitze der Gesellschaft. Ihr Wissensstand um die digitale Welt ist dagegen nicht ganz so ausgeprägt wie bei den digitalen Profis. Mehr durch „trial and error“ statt das Lesen von Anleitungen eignet sich der digitale Avantgarde seine Kompetenzen an. Von den digitalen Medien lässt diese Gruppe kaum ab: Durchschnittlich elf Stunden verbringen sie täglich vor dem Computer. Neben der Arbeit ist daher auch das Freizeitverhalten oft von den digitalen Medien bestimmt.

Aber wenn man denkt, schlimmer kann es nicht kommen: Die digitale Avantgarde hat dabei ein eher geringes Einkommen [...] In allen Bereichen verfügt die digitale Avantgarde über sehr hohe Kompetenzen. Das könnte den aufmerksamen Beobachter zu folgenden Schlussfolgerungen verführen: Wer sich mit dem Web auskennt, ist arm oder wird dadurch arm. Wer Ahnung von Webdingen hat und dort viel unterwegs ist, der kann kein Werbeziel sein, weil er oder sie sich nix leisten kann. Besser kann man die geringen Werbekosten im Web gar nicht begründen: Man erreicht im Web 2.0 hauptsächlich nur arme und eremitisch lebende Menschen, die Ahnung in Bereichen haben, die den Großteil der Bevölkerung in keinster Weise tangieren – außer im verhassten Büro. Und wer Tabellenkalkulation bedienen kann, gehört zur Liga der ausßergewöhnlichen digitalen Profis. Was wohl Leon dazu sagen würde…

Bildnachweis: clarita

March 23 2010, 10:00am

Studie zur Nutzung partizipativer Medienangebote

March 2 2010, 11:37am

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Alle Jahre wieder überschlagen sich die Auguren der Marktforschung und stellen fest, dass alles anders ist als früher. Aus dieser Art Fortschritt beziehen sie ihren Referenzcharakter. Seht her, die Welt dreht sich schnell und wer nicht mitrast, der bleibt auf der Strecke. Das neue Neu heißt Vertrauen. In den Neunzigern gab es einen dänischen Usability-Papst namens Jakob Nielsen, der Menschen, die sich mit Websites beschäftigten, eintrichterte, deren Design so schlicht wie möglich zu halten. Übersicht schafft Nutzer, war sein Credo. Google hatte das radikal befolgt. Er hatte wohl recht. Heutzutage verfügt ACNielsen über ein weltweites Imperium, dass Werbetreibenden und Medienschaffenden regelmäßig kalte Schauer über die Rücken treibt, denn alles, was im klassischen Marketing galt, wird von dieser Forschungs- und Analysegesellschaft in wenigen Worten pulverisiert.

Die neue weltweite Studie über die Begründungen von Kaufentscheidungen spricht Bände. Die Marke als vertrauensbildende Maßnahme verliert an Einfluß - zumindest im Netz. Nur 57% der Deutschen glauben noch an die Inhalte auf den Websites von Marken. Das ist ein Erdrutschverlust und ein Erdrutschsieg für den Menschen. Denn im gleichen Maße indem Marken als Referenz abnehmen, gewinnen Freunde und Bekannte und vor allem Online-Bewertungen hinzu. “Weltweit vertrauen 90% der Konsumenten Empfehlungen von Bekannten, in Deutschland sind es 89%. An zweiter Stelle des Rankings liegen redaktionelle Inhalte, ihnen vertrauen 76% der Deut-schen, gefolgt von Online-Konsumentenbewertungen mit 67% (weltweit 70%). „Der Anstieg von usergeneriertem Content im Internet trägt dazu bei, dass sich Konsumenten noch mehr auf Mundpropaganda verlassen,” heißt es in der Pressemitteilung. Das virale Marketing setzt sich quer über soziale Netzwerke und Blogkommentare fort. Fast jede Nutzerbewertung wird offenbar zuverlässiger eingeschätzt als stumpfe professionelle Informationsverteilung über die klassischen Kanäle. Nicht wenige Agenturen haben in der Vergangenheit und Gegenwart das einzig falsche getan und Studenten positive Kommentare schreiben lassen, um die Meinung von Nutzern zu beeinflussen. Ganz schlaue Füchse haben sogar Blogger eingekauft, die für mehr Authentizität sorgen sollten. Das erscheint bei näherer Betrachtung reichlich infantil. Denn bei Glaubwürdigkeit geht es eben um Transparenz. Kommentatoren, die keine Website oder Blogs mit ihrem Namen verbinden sind zunächst kaum glaubwürdig. Auch Blogger die sich über Jahre eine Leserschaft aufgebaut haben, können deren Vertrauen durch mangelnde Transparenz oder einfach Unachtsamkeit im Nu verlieren, wie es aktuell der Fall Schnutinger gezeigt hat. Wer sich mit manipulierenden Absichten in den Bereich Social Web begibt, kommt darin um. Denn ihm oder ihr stehen Tausende wache Augen und Ohren ein unendliches Gedächtnis gegenüber und eben Leser mit dem Hang zur Vertrauensbildung. Bei all dem beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Denn oft werden Begriffe wie Reputation und Vetrauen synonym gebraucht. Das kann zu Verwirrungen führen. Denn Vertrauen ist ein sehr rares Gut, dass sehr langsam und nur im persönlichen Umfeld entstehen kann, wenn man sich entblößt in seiner Eigenschaft als fehlbares Wesen. Denn dann haben andere die Chance sich richtig oder eben falsch zu verhalten. Was Reputation und Vertrauen unterscheidet sind die Voraussetzungen. Das Erste basiert auf Erfahrungen anderer, Letzteres auf eigenen Erfahrungen und - vor allem - auf der Übereinstimmung grundlegender Werte und Vorstellungen. Das können ausgesprochene seine wie es die Sekten und Glaubensgemeinschaften tun oder es sind eher subtile Überzeugungen, die sich eher im Verhalten oder gemeinsamen Erleben widerspiegeln. Wenn jemand sich lächerlich macht, dann kann es sein, dass es gar nicht alle merken, aber zwei oder drei im Raum lächeln sich wissend an. Dadurch entsteht Vertrauen: Man teilt grundlegende Dimensionen, die den Alltag und die Informationsflut organisieren. Man könnte sagen, dass die Vertrauten mit demselben Navi durch unbekanntes Terrain fahren und deshalb im Fachvokabular und in der Bildsprache dieses speziellen Geräts untereinander “Geheimwissen” austauschen, das auf den Standards dieses Gerätetyps basiert. Wer diesen Code gemeinsamer Erfahrung nicht versteht, genießt wenig Vertrauen. Wenn mir ein Vertrauter jemand anderen empfiehlt oder ein Produkt lobt, dann färbt es ab als Reputation. In der Soziologie geht man mit dem Begriff soziales Kapital um. Es ist in etwa der Gegenentwurf zum unseligen Humankapital und meint die Eigenschaften und Erlebnisse, die man während des Eingebundenseins in ein  Netz aus Beziehungen erlebt. Dort kann man auch das soziale Vertrauen verorten. Putnam beschrieb es so: „I’ll do this for you now, without expecting anything immediately in return and perhaps without even knowing you, confident that down the road you or someone else will return the favor.” Wenn wir das Netz sozial nutzen, können wir dahin kommen. Bewertungen sind dabei eher eine Art Brotkrumen der eigentlichen Chance, die in der Idee der digitalen Nachbarschaft stecken: Beziehungen ohne Hintergedanken und ohne manipulative Kommunikation zu knüpfen. Transparenz ist die neue Objektivität, hat es David Weinberger auf der PdF09 formuliert. Das ist ein guter Beginn für eine neue Art, Gehirn und Emotion in sinnvolle Bahnen zu lenken. Denn ohne Transparenz entsteht weder Reputation von Vertrauen.

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July 30 2009, 11:22am

Elektronischer Polizeistaat: Realität oder heiße Luft?

Glaubt man dem 2008er Electronic Police State Report der amerikanischen Firma Cryptohippie, so bewegen sich totalitäre und demokratische Staaten aufeinander zu, wenn es um elektronische Überwachung und Spionage geht. Die Studie wertet 17 Kriterien auf einer Skala von 1 (gut) bis 5 (schlecht) aus, darunter Vorratsdatenspeicherung, die Trennung zwischen Polizei und Geheimdienst, die Häufigkeit, mit der man seinen Ausweis zeigen muss und die Strenge der Kontrollen an den Grenzen. Die Daten stammen von unterschiedlichen unabhängigen Organisationen. Gesetzliche Zensur des Internets und legitimierte Polizeiarbeit würden nicht gewertet werden, so der Report. Die Karte der gefährdeten Länder laut dem Report: Deutschland ist unter den Top 10. Gleichzeitig verschweigt der Report seine Kriterien. Den Ergebnissen zufolge führen, wenig überraschend, China und Nordkorea in der Liga der elektronischen Überwachungsstaaten, Deutschland jedoch folgt mit einer Durchschnittsnote von 3,06 auf Platz 10. Obwohl das Unternehmen die Rohdaten zur Verfügung stellt, ist leider nicht ersichtlich, aus welchem Grund nun die punktgleichen Israel und Frankreich vor Deutschland geführt werden. Ebensowenig lässt sich mit Bestimmtheit sagen, welche Kriterien zur Bewertung verwendet wurden. Ab wann ist eine Vorratsdatenspeicherung eine 4, wann noch eine 3? Mit dem Report versuche man, das Bewusstsein der Bedrohung der Freiheit durch unsichtbare elektronische Überwachung zu schärfen, so Cryptohippie. Die Ergebnisse sind sicherlich erschreckend und die Motivation lobenswert, aber ohne einen Anhaltspunkt, wie sie zustande gekommen sind, ist der Report immer offen für Zweifel. Hier müsste das Unternehmen dringend nachlegen, um seine Aussagen zu belegen. Wir haben nachgefragt, welche Kriterien verwendet wurden. Wenn es was Neues gibt, lest ihr es hier. [via telepolis und netzpolitik]    Verwandte Artikel

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May 13 2009, 2:08pm

Twitter-Nutzer sind jung, männlich und medienaffin

Vor ein paar Wochen haben wir auf die große deutsche Twitter-Umfrage hingewiesen, jetzt sind die Ergebnisse online. Die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammengestellt:

Twitter kann noch lange nicht als Massenmedium bezeichnet werden, da sich ein klares Bild des typischen Nutzers zeigt: er ist 32 Jahre alt und hat Abitur (78%). Und ja, ein “er” ist er auch, der Frauenanteil liegt nur bei 25,7%. Einen eigenen Blog betreiben 2/3 der Twitter-Nutzer, meist über Technik, Web 2.0 und Privates. Twitter-Nutzer arbeiten zu über der Hälfte in der Medien- und Marketingbranche, ein Viertel sind Unternehmer oder Führungskräfte. Die oft gerühmte Schnelligkeit von Twitter zeigte sich schon im Datensatz: über zwei Drittel der 2779 ausgewerteten Teilnehmer nahmen innerhalb der ersten 24 Stunden nach Freischaltung der Umfrage daran teil. Twitter-Nutzerinnen scheinen mehr Wert auf Anonymität zu legen als ihre männlichen Kollegen: sie nutzen nur zu 14% ihren wirklichen Namen als Accountname (Männer: 21%). Zudem sind ihre Nachrichten häufiger geschützt (12% gegenüber 5%). Die Autoren der Studie vermuten, dass dies in der Themenwahl begründet sein könnte, da Frauen häufiger über private Themen wählen. Getwittert wird vorrangig über Desktop-Applikationen oder mobil. 62% der Nutzer geben an, wenigstens “hin und wieder” mobil zu twittern. Twitter ist ein aktives Medium: 98% geben an, aktiv Tweets zu senden, lediglich 2% sind nur zum Lesen dabei. Den Angaben zufolge ist es den Twitterern nicht wichtig, wie viele Follower sie haben – hier warnen die Autoren allerdings davor, dass die Antworten auf soziale Erwünschtheit zurückzuführen sein könnten.

Als zentrale Erkenntnis bleibt festzuhalten, dass nach wie vor große Bevölkerungsschichten Twitter nicht nutzen: hier ist also noch immer Aufklärungsarbeit zu leisten und auf die Vorteile hinzuweisen.

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April 1 2009, 7:19am

Creative Commons auf Flickr tendenziell restriktiv

Nach einer aktuellen Studie von Creative Commons tendieren Flickr-Nutzer dazu, ihren Werken verhältnismäßig restriktive Rechte zuzuteilen. Drei Viertel der Nutzer (76%) schließen kommerzielle Verwendung ihrer Werke aus, bzw. verlangen für diesen Fall persönliche Vereinbarungen. Anders sieht das Bild aus, wenn es um kreative Abwandlungen geht: etwa zwei Drittel (63%) erlauben Bearbeitungen ihrer Bilder. Gewählte Creative-Commons-Lizenzen im Detail Das oben skizzierte Bild bestätigt sich bei einem Blick auf die tatsächlich gewählten Lizenzen. Die restriktivste Version (BY-NC-ND), die keinerlei Bearbeitungen und kommerzielle Nutzung erlaubt, ist mit 33% die beliebteste, gefolgt von BY-NC-SA mit 29%. Verhältnismäßig freie Lizenzen wie BY und BY-SA sind unbeliebter (12% und 8%). Die Wachstumsrate von Creative-Commons-Bilder ist nach einem Hoch 2006 auf stabil bleibende 4% gesunken. Insgesamt werden über 100 Millionen Bilder auf Flickr unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Die Zahlen belegen, dass Creative Commons sich auf Flickr etabliert haben, die Fotografen jedoch bedacht mit ihren Werken umgehen und für kreative Projekte (Abwandlungen, Collagen etc.) tendenziell offen sind, kommerzielle Verwendungen allerdings kontrollieren möchten. Für Einsteiger: was bedeuten die Abkürzungen? Creative Commons erlauben die flexible Bestimmung der Rechte an einem Werk. Genauere Erklärungen gibt es in unserem Beitrag zum Update der Creative Commons auf Version 3.0. Die Abkürzungen stehen für:

BY: Namensnennung NC: no commercial, keine kommerzielle Verwendung SA: share alike: Weitergabe unter der gleichen Lizenz ND: no derivatives, keine Bearbeitung

In den Flickr-Einstellungen kann jeder Nutzer seine bevorzugte Lizenz einstellen. Standardmäßig steht sie auf “all rights reserved” (keine Creative Commons), alternativ kann sie für jedes Bild separat gewählt werden. [via readwriteweb]

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March 31 2009, 11:04am

Linktipp: Macht mit bei der deutschen Twitterumfrage

Nachdem uns das Pew Internet & American Life Project schon mit Informationen über die amerikanischen Twitterer versorgt hat, wird es Zeit für eine Umfrage unter den deutschen Jüngern des Microbloggings. Die webevangelisten laden deshalb alle Twitterer ein, an der deutschen Twitterumfrage teilzunehmen. Verbesserungsvorschläge nehmen die Macher in ihrem Beitrag zur Twitterumfrage entgegen. Das Ausfüllen dauert wenige Minuten, Ergebnisse gibt es dann ab dem 31.3.2009. Wir werden berichten.

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March 9 2009, 11:12am

Studie: Twitter-Nutzer sind jung, städtisch und mobil

Es war ja nur noch eine Frage der Zeit, bis das renommierte Pew Internet & American Life Project den Mikroblogging-Dienst Twitter entdeckt, und nun ist es geschehen: in der ersten Studie über Twitter und Status Updates haben die Forscher emsig Statistiken über die Twitter-User zusammengetragen. Die meisten Ergebnisse sind dabei nicht überraschend:

Twitter-Nutzer sind tendenziell jung (siehe Grafik), obwohl ihr Durchschnittsalter mit 31 Jahren etwas höher liegt als unter MySpace- (27 Jahre) und Facebooknutzern (26 Jahre). Twitter-Nutzer tendieren dazu, in städtischen Gebieten zu leben und geringere Einkommen zu erzielen als die restliche Internet-Bevölkerung (wohl ihrem geringerem Alter geschuldet). Twitter-Nutzer sind in höhere Zahl dazu bereit, ihr Handy als mobiles Datengerät zu verwenden und dort auch Zeitungen zu lesen. Obwohl Twitter-Nutzer neue Technologien nicht schneller annehmen als andere Internetuser, zeigen sie eine größere Bereitschaft, damit zu kommunizieren und Informationen auszutauschen.

Methodisch bauen die Zahlen auf Telefoninterviews mit 2253 erwachsenen Amerikanern von November bis Dezember 2008. Eine Zusammenfassung des Reports gibt es als PDF. [via arstechnica] Update: Die oben angebotene Grafik war leider missverständlich. Es folgt eine verbesserte Grafik. Vielen Dank an Falk Hedemann für den Hinweis. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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February 20 2009, 11:05am

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