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Spanien: Wir werden viele Puertas del Sol sehen

Der spanische Philosophieprofessor Carlos Fernández Liria (geb. 1959 in Zaragoza), Philosoph, Schriftsteller, Drehbuchautor und Essayist bezieht Stellung zu den Gründen der spanischen Revolution. Er sieht sie als eine der Folgen des Katastrophen-Kapitalismus, die überall auftauchen…

Ich bin der Meinung, dass die gegenwärtige Krise Teil einer anderen, weiterreichenden Krise ist. Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Kapitalismus immer wieder nach Wegen gesucht, um die Sackgasse seines Wirtschaftssystems zu durchbrechen, ein System, das gezwungen ist zu wachsen und anzuhäufen – und dies auf einem begrenzten Planeten, auf dem sich Energieressourcen und Rohstoffe immer mehr erschöpfen. Der Kapitalismus kann seine Gewinne nicht mehr aufrecht erhalten, ohne den Wirtschaftsprozess zu beschleunigen. Aus diesem Grund begann er in den 80er Jahren eine Revolution gegen die ärmsten Klassen des Planeten. Es war jene Zeit, wo der Staat sich von der Wohlfahrt zu verabschieden begann und der Mittelstand proletarisiert wurde. Danach ergriff das Finanzkapital die Flucht nach vorne, und es begann das, was Naomi Klein den Katastrophen-Kapitalismus nannte. Der Kapitalismus kann nicht mehr nur keinen Wohlfahrtsstaat mehr hinnehmen, sondern nicht einmal mehr eine Gesellschaft, die diesen Namen verdient. Er funktioniert besser unter den Bedingungen verbreiteter sozialer Verwüstungen, wie zum Beispiel im Irak. Was Galbraight die Revolution der Reichen gegen die Armen genannt hat, führt zu einem verwüsteten Planeten, und zwar sowohl in sozialer wie in ökologischer Hinsicht. Wir stehen an einem Abgrund, doch die einzige Lösung des Kapitalismus für die Probleme des Kapitalismus ist mehr Kapitalismus, das heisst, der Vorgang, der uns in eine nie dagewesene menschliche Katastrophe stürzen wird, beschleunigt sich noch. Es wird überdeutlich: Nach einer Million Jahren der Existenz und vierhundert Jahren Kapitalismus steht der Mensch an einem Punkt, wo er den Planeten zerstört. Der Kapitalismus dauerte kaum einen Augenblick, einen Lidschlag, und doch erweist er sich bereits als selbstmörderisch. Letztlich ist, was in Spanien passiert, irgendein Kapitel in diesem Panorama. Wir werden in naher Zukunft viele Puertas del Sol, viele Qasbas und viele Tahir-Plätze sehen. Die Völker werden sich dem Kampf stellen und sich gegen diesen Wahnsinn, diese Schurkerei wehren. Und so schätze ich die „Spanische Revolution“ und die Wahlresultate ein: Alles weist darauf hin, dass sich die Begrifflichkeiten umgedreht haben: Die Systemgegner auf der Puerta del Sol sind in Wahrheit Systembewahrer, unter anderem indem sie den Planeten bewahren wollen. Auch wollen sie den Gemeinsinn bewahren, die Menschenwürde, die Besonnenheit, die Vorsicht. Jene, welche bei den Wahlen massenhaft für die PP [Partido Popular] gestimmt haben, sind hingegen die Verfechter der neoliberalen Revolution, der grausamsten, zerstörerischsten und radikalsten Revolution, die je in der Geschichte stattgefunden hat. Man muss sie aufhalten, diesen Unsinn, diesen Wahnsinn stoppen. Immer mehr Menschen sehen das so. Und deshalb, denke ich, wird man nach diesem Sommer feststellen können, dass die „spanische Revolution“ erst ganz am Anfang steht.


Autor:Carlos Fernández Liria (geb. 1959, Zaragoza), Philosoph, Schriftsteller, Drehbuchautor, Essayist und Philosophieprofessor. Titularprofessor am Departement für Metaphysik und Erkenntnistheorie der Philosophischen Fakultät der Universidad Complutense in Madrid. Während der 80er Jahre arbeitete er als Drehbuchautor beim Fernsehen. Neben seiner Lehrtätigkeit als Philosophieprofessor hat er verschiedene Bücher zu Sachgebieten wie Philosophie, Anthropologie und Politik veröffentlicht. Sie werden sowohl in Spanien wie in Lateinamerika gelesen. Ferner ist er Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften und digitaler Medien wie Gara, Público, die Zeitschrift Archipiélago und anderen. Der Originaltext kann auf dem Blog La pupila insomne eingesehen werden. Besten Dank an Iroel Sánchez Espinosa!

Crospost von walbei

June 6 2011, 10:00am

Hintergründe der spanischen Revolution

„Wenn man dem spanischen Stier seine Weide nimmt, wird aus dem gutmütigen Tier ein tobender Teufel und die Erde bebt“, hatte der Spanische Maler Francisco Goya einmal über seine Landsleute gesagt. Es war in der Zeit der französischen Revolution. Madrid, Cádiz, Málaga, Mitte Mai 2011: Trotz Sonne keine Strandparty: Landesweit demonstrieren Spanier aus allen Bevölkerungsschichten, Akademiker, Bauarbeiter, Studenten, Rentner, Arbeitslose für einen Politik- und Strukturwandel. Zum den Kundgebungen hatte u. a. die Bürgerrechts – Organisation „Democracia Real YA!“ (= „Echte Demokratie JETZT!“), welche ihre Aktivitäten und Nachrichten, wie viele ähnliche Organisationen auch, stets über Facebook mitteilt… „Wähle Sie nicht!“ Sieben Tage vor den Wahlen demonstrierten an diesem Sonntag Nachmittag jeweils tausende von Menschen in 50 Städten Spaniens, um einen sozialen und politischen Wandel zu fordern. “Wähle sie nicht”, war der beliebteste Spruch den die Menge skalierte. Der Unmut der Bevölkerung wächst: Über die erfolglose Arbeitsmarktpolitik des amtierenden Ministerpräsidenten José Luís Zapatero von den regierenden Sozialisten, der PSOE, aber auch die immer neuen Maßregelungen durch die EU und jüngst auch aus Berlin. Und die Opposition, angeführt von Mariano Rajoy von der konservativen Partido Popular (PP) bedeutet den Meisten auch keine Alternative: „Eine neue Regierung spricht dieselben Worte, da ändern sich nur die Namen“, echauffiert sich eine Protestantin aus Madrid vor laufenden Kameras. 20% Arbeitslose Es scheint, dass der Wutbürger kein ausschließlich schwäbisches, sondern ein gesamteuropäisches Politikum wird, wenn wir dieser Tage auf die Straßen Madrids, aber auch Athens, Lissabons und Dublins schauen. Aber bleiben wir in Spanien, der neben Italien größten südeuropäischen Volkswirtschaft. Das gegenwärtige Hauptproblem hier ist die galoppierende Zahl der Arbeitslosen: Derzeit meldet das spanische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft 20% offiziell registrierte Arbeitslose landesweit, Allein in der andalusischen Provinz Cádiz beträgt der – offizielle – Stand der Arbeitslosen nach Informationen der Tageszeitung „La Voz“ derzeit knapp 30%, wobei die Gemeinden der Sierra von Cádiz wie Arcos de la Frontera, Ubrique oder Grazalema am Schlimmsten betroffen sind: „Arcos war das Zentrum der hiesigen Bauindustrie und bislang eine der reichsten Gemeinden – jetzt führen wir mit über 30% die Liste der Arbeitslosen an,“ klagt Juan Mari, 47, ein Maurermeister aus Arcos.“ Nicht nur in Cádiz, in ganz Spanien ist der Bausektor am Stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen. Danach folgen Dienstleistung und Schwerindustrie. Dabei sind die südlichen Provinzen Spaniens im nationalen Vergleich am Stärksten beeinträchtigt. Dass Angela Merkel nun aus Berlin eine Volte in die südeuropäischen Länder schickt, klingt für die meisten Spanier wie eine Ohrfeige. Noch vor wenigen Wochen galt die Bundeskanzlerin als integre und verantwortungsvolle Führungspersönlichkeit innerhalb der EU, die sowohl von Medien als auch auch weiten Teilen der spanischen Bürger mit mehr Lorbeeren bedacht wurde, als die heimischen Politiker: „Deutschland – Musterland“, „Bravo, Angela“ oder „Beispielhaftes Berlin“ titelten die Tageszeitungen unterschiedlicher Städte und politischer Lager. Angela Merkel wurde beinahe göttlich – ergeben auf den medialen Olymp gehoben. Doch nach den letzten Forderungen Richtung Südeuropa angesichts der EU – Finanzkrise begann die Götterdämmerung. Mit dem Lob ist es spätestens seit heute, seit die unterschwellige Botschaft vom „gemütlichen, feierfreudigen und sonnenverwöhnten Südeuropäer die Runde durch Spaniens Medien macht, vorbei: Angela Merkel in Spaniens Medien: Vom Ruhm zum Hohn „Was bildet sich Frau Merkel eigentlich ein? Sie spricht über unser Land, als wären wir Menschen schuld an der Krise! Wer hat denn die Gelder verzockt? Die Banken, die EU und die Politik!“, ereifert sich ein Rubén Lopez, 52 Jahre alt, ein Lehrer aus Cádiz in der Altstadt – Buchhandlung „La Clandestina“. „Dann soll doch die Deutsche Bank den Mist bezahlen, den sie verbockt hat!“, so Lopez weiter. „Frankfurts Finanzhaie zertrampeln unsere Arbeit, die Arbeit, die vorher gut war und jetzt über Nacht schlecht sein soll, weil das Geld für weitere Champagnerparties auf deren Luxusyachten fehlt? Früher haben wir solche Leute in Schweinejauche ertränkt!“, schäumt ein anderer Kunde der Buchhandlung… Das sind harte – und neue – Worte: Wer die spanische Mentalität kennt, weiß, dass der Spanier eine Menge erträgt, Jammern gehört sich nicht, der sprichwörtliche Stolz verbietet die Äußerung von Unbehagen bis hin zur Selbstverleugnung. Eher wundern sich die Spanier über die stets murrenden und unkenden Deutschen. Und nun mischen grad die, denen es aus spanischer Sicht weit besser geht, in deren Mentalität ein? Dabei sind es gerade die aus deutschen Arbeitsagenturen nach Spanien vermittelten Fachkräfte, die vor wenigen Jahren auf den boomenden spanischen Markt strömten, um im Süden eine neue Existenz aufzubauen – und nach wenigen Monaten enttäuscht und ausgebrannt in die Heimat zurückströmten: „Mit den vermittelten deutschen Angestellten hatten wir keine guten Erfahrungen“, klagt Àlvaro de las Casas, Hoteldirektor eines Golfresorts bei Málaga,“immer am Jammern, am Fordern, zu faul, zu langsam, kaum der Sprache mächtig und vor allem keine guten Manieren!“. „Wir nehmen gerne Fachkräfte aus Polen, Irland, Marokko, Tschechien“, erklärt die Pressesprecherin des Tourismusverbandes Cádiz: „Personal aus den genannten Ländern ist in der Regel fleißig, gut ausgebildet, sprachgewandt und belastbar. Unter den Touristen haben wir mit den Deutschen aber gute Erfahrungen.“ Sehr diplomatisch verpackt, aber die Botschaft ist angekommen. Was war da los? „Arbeiten, wo Andere Urlaub machen…“ Zwischen 2002 und 2008, den letzten Boomjahren Spaniens, strömten viele Arbeitssuchende aus Deutschland in die Touristenzentren der iberischen Halbinsel. Gerade im Bau – und Tourismussektor vermittelten die Arbeitsagenturen mit extra für Spanien eingerichteten Abteilungen. „Arbeiten unter Spaniens Sonne“ lautete das etwas romantisch verbrämte Motto, das die neue Existenz im Süden versprach. Doch nach der Ankunft auf mediterranem Boden folgte bald die Ernüchterung: „Ich dachte, hier wäre alles so billig, doch für ein kleines WG – Zimmer zahle ich soviel wie für meine Wohnung in Tempelhof!“, klagt Jana Weber, 28 – jährige Tourismus – Managerin aus Berlin. „Da gab’s kaum Freizeit, keine Zulagen und rund um die Uhr Geacker“, ergänzt ihre Kollegin Eva – Marie Giesecke, 25, aus Hannover. Beide kehrten, wie viele andere, nach knapp 4 Monaten Arbeit an der Costa del Sol in ihre Heimat zurück. „Da gibt’s wenigstens Geld, wenn man mal eine Auszeit will.“ Den Strand, so bemängelten beide weiter, hätten sie in der harten Zeit Spaniens kaum gesehen. Dabei war dieser Wunsch ein wichtiges Motiv. Aber „immerhin seien die Spanier sehr viel nettere Kollegen gewesen.“ Na, das ist doch was. Aber trotz aller Sympathie war der iberische Arbeitsmix aus mehr Arbeit, weniger Geld und weniger Absicherung dann doch auf Dauer wenig attraktiv. Kurzum: Wenn in Spanien mehr Leistung für weniger Lohn umgesetzt wird, kann zumindest der spanische Arbeitnehmer wenig Schuld an der Finanzmisere seines Landes haben. Sollten sich die europäischen Rahmenbedingungen also tatsächlich angleichen, so würde dies für Deutschlands Arbeitnehmer, die ohnehin seit Jahren kaum eine Lohnsteigerung genießen durften, ein böses Erwachen geben. Zu den wichtigsten Fakten: Angela Merkel fordert, auch das nichts Neues, eine Erhöhung des Eintritts in das Rentenalter für Spanien mit der Begründung, dass es „ungerecht wäre, wenn wenige Vieles leisten und einige mehr wenig. Solidarität sei eine gesamteuropäische Aufgabe, nicht nur die eingeleisige Hilfestellung aus Berlin.“ Natürlich wirbt die Kanzlerin mit diesen Sprüchen vor allem für ihre eigene Klientel, zeigt wieder Flagge auf der Kapitänsbrücke. Aber nehmen wir Frau Merkel doch mal beim Wort mit der Anpassung auf ein europäisches Niveau: Manchester – Kapitalismus statt Hängematte Spaniens größte Industriesektoren, Bau, Tourismus, Dienstleistung bieten nirgends Tarifverträge von 40h/Woche, eher sind 50h und mehr üblich, dazu Wochenendarbeit, Nachtschichten, Doppelschichten, gerade in Bau und Tourismus. Zumeist werden nur saisonale Verträge in den Sommermonaten – wo andere aus anderen Ländern Urlaub an Spaniens Küsten machen – vergeben, Übernahme im Folgejahr fraglich. Das Geld der Sommermonate muß also für eine Familie auch im Winter reichen. Ein Chefrezeptionist in einem Vier – Sterne Hotel in Andalusien verdient bei einer Arbeitszeit von 50 – 60 Wochenstunden zwischen 1.100,- € bis – 1250,- €. 16h – Schichten während der Sommermonate, eher die Regel, als die Ausnahme, ob in den Hotels oder in den Restaurants. Kein Wochenendzuschlag, kein Nachtzuschlag. Kellner, Zimmermädchen, Köche kratzen nicht einmal an der 1000,- € Euro – Marke. Dazu kostet die Miete für eine ganz normale 2- Zimmer – Wohnung von 60 qm in der spanischen Provinz 500 – 700,- €. In den Großstädten Barcelona oder Madrid kriegt man für das gleiche Geld kaum ein WG – Zimmer. Alles über 2 – Zimmern kostet pro Monat ab 1000,- € aufwärts. In den Ferienorten der Küste werden – auch und gerade für Spanier – schon eher 2.000,-€ – 3.000,- € in den Sommermonaten verlangt. Die Lebensmittelpreise sind mittlerweile teurer als in Deutschland, wer guten spanischen Rioja kaufen will, sollte das lieber in einem Discounter in Westfalen tun, als in der gleichnamigen spanischen Provinz selbst. Wie das gehen soll? Na, es geht eben nicht, außer man wohnt mit 40 Jahren noch bei den Eltern auf dichten Raum, verzichtet auf Kinder, Urlaub, Auto, Kleidung, kurz alles, außer Miete. In den Bars rund um die zentralen Plätze der Altstadt von Cádiz tummeln sich heute Briten, Skandinavier, Russen,Deutsche – aber kaum Spanier. „Zu teuer!“, seufzt eine Ärztin in der besagten Buchhandlung „La Clandestina“. Ja, auch Akademiker verdienen, wenn sie überhaupt eine Arbeit in ihrer Studienrichtung finden, wenig mehr als Fachangestellte. Außer, man bekommt eine Stelle als Beamter, dann befinden wir uns langsam auf vergleichbaren deutschen Lohnniveau. Aber der aufgeblähte Beamtenapparat Spaniens ist wenig durchlässig und nimmt kaum neue Bewerber auf. Der Wasserkopf ernährt sich von den wenigen verbliebenen Steuerzahlern. Auch diese neue EU – Nomenklatura bildet ein Ziel der Sonntagsdemonstrationen: „Ich bin faul, ich habe ein Parteibuch, ich habe keine Ahnung – ich möchte endlich meinen Beamtensessel“ – höhnt ein Transparent im Demonstrationszug. Um nach all den Worten harte Zahlen der spanischen Arbeitsagentur zu nennen: Von 22 Millionen erwerbsfähigen Spaniern sind im Mai 2011 offiziell 4,9 Millionen arbeitslos gemeldet – Studenten, Tagelöhner + Saisonarbeiter nicht eingerechnet. Dem stehen satte 4,8 Millionen Beamte landesweit gegenüber. 12 Millionen erwirtschaften also das Bruttosozialprodukt für ein Land von 42 Millionen Einwohnern. Das so etwas nicht funktionieren kann, mag jeder Grundschüler errechnen. Doch weiter zum europäischen Solidaritätsprinzip, denn es gilt ja, Kosten zu vermeiden: Bankenmusterland Die Bundeskanzlerin fordert einen Anstieg des Rentenalters von 67 Jahren. So lange dürfen spanische Erwerbstätige Steuern zahlen. Gut. Vielleicht sollten dann aber auch die deutschen Erwerbstätigen kostendämpfend von weiteren Prinzipien des spanischen Arbeitsrecht Gebrauch machen: Es gibt – grundsätzlich – kein Alg II oder Alg I ! In Spanien bekommt nur Anrecht auf eine – weit geringere – monatliche Unterstützung, wer nach wenigstens 2 Jahren regelmäßiger Arbeit arbeitslos wird. Für Saisonarbeiter – die größte Arbeitnehmergruppe im Bau – und Dienstleistungssektor – werden nach 6 – Monats – Verträgen für maximal 3 – 6 Monate geringe Unterstützungen angeboten. Danach ist Schluß. Aus, Nada, Vorbei. Keine bezahlten Umschulungen, keine Sozialhilfe, nichts! Mutterschutz? Die ersten 3 Monate nach der Geburt. Unbezahlt natürlich. Ehegattensplitting? Dafür gibt es nicht einmal eine äquivalente Vokabel. Kindergartenplätze? Ja, für 100 Euro am Tag pro Kind, falls man das Glück hat, in der Nähe eines privaten Kindergartens zu wohnen und über ein Erbe aus maurischen Zeiten verfügt. Mehr als 3 Wochen Urlaub im Jahr? Krankheitsgeld? Wegegeld? Vielleicht auch noch bezahlte Sitzungen beim Frisör? Wo kommen Sie denn her? Aus einem Märchen wie 1001 Nacht? Ach so, aus Deutschland, ja, gut.Man spürt förmlich, wie sehr sich Eltern zwischen Prenzlauer Berg und Böblingen solch ein südeuropäisches Hängematten, Faulenzer-und Familienpaket herbei wünschen. Nein, Frau Merkel, sie haben recht, so geht es wirklich nicht in Spanien weiter. Aber erklären Sie das unseren Zeitungslesern bitte richtig! Keine dauerhaften Arbeitsverträge, keine Manteltarifverträge und die genannten 50h und mehr Stunden pro Woche. Das wäre doch ein schickes Programm für die nächste Bundestagswahl, für alle Parteien, die dem Gang des ehemaligen FDP – Vorsitzenden folgen möchten. Falls dieses in Spanien übliche Horrorszenario auch in Deutschland Wirklichkeit werden sollte – und der Ton Frau Merkels summt schon die Todesmelodie des Ackermann’schen Fallbeils – dann hätten wir endlich den konjunkturellen Traum der europäischen Solidarität erreicht. Oder? Die Bundeskanzlerin hat quasi über Nacht ihren guten Ruf in Spanien ruiniert. Aber es wäre falsch, alles den Verlautungen aus Berlin anzulasten, schon vorher rumorte es in Spaniens Städten. Die Grenze der Geduld ist mit den seit zwei Jahren andauernden Belastungen, Einschnitten in die öffentlichen Kassen und keinerlei Aussicht auf Verbesserung des Arbeitsmarktes erreicht. Aber was ist genau passiert? Werfen wir einen Blick zurück: Vom Hafen zur Strandbar: Strukturwandel ohne Strukturen. Der Niedergang der spanischen Industrie nach Francos Tod begann signifikant mit dem Abbau der spanischen Schiffs – und Werftindustrie: Die meisten spanischen Großstädte, mit Ausnahme Madrids sind und waren Küstenstädte. Spaniens Aufstieg begann mit der Eroberung der Weltmeere und der nachfolgenden Ausbeutung gewonnener Kolonien. Schiffbau, Werften und Transport bildeten die ökonomische Lebensader und das urbane Leben, Forschung, Verwaltung und Finanzen entwickelten sich um die Häfen herum. Auch nach dem Verlust des Kolonialreiches floß immer noch genug Kapital in die Häfen, Exporte – und Importe nach Lateinamerika, Afrika und auf die Kanaren oder Balearen mit Gütern wie Kaffee, Kakao, Tabak , Kautschuk, Obst etc. beförderten nach wie vor einen großen Teil des erwirtschafteten Kapitals in die Staatskassen und gaben in den Hafenstädgten neun von zehn Menschen Arbeit. Ab 1994 beschloß die EU unter Kommissar Fischler die Schließung vieler spanischer Häfen, um Europas Hafenwirtschaft insgesamt zu konzentrieren und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu gestalten. Im Klartext hieß das: Subventionierung nur noch für die größten und wichtigsten Häfen: Rotterdam, Hamburg, London, Barcelona, Bilbao,Vigo, Lissabon etc. Mittlere Häfen wie Málaga, Valencia, Gijón, aber auch bedeutendere Häfen wie Cádiz, Bremen oder Antwerpen verloren in wenigen Jahren 80% bis nahezu 100% ihrer Wirtschaftsleistung – sie durften schlichtweg nicht mehr operieren. „Zu unlukrativ“, so Brüssel. Alleine in Cádiz schlossen mit dem Wegfall der großen Werften und Hafenindustrien und Lagerhallen 14 von ehemals 17 lateinamerikanischen Konsulaten. „Zu unbedeutend“, so das diplomatische Corps von Arentinien bis Honduras. Trotz monatelanger, teils sehr blutiger und brutal verlaufener Werftarbeiteraufstände, bei der 1995 Fallschirmjäger aus Madrid gegen die wütenden Demonstranten eingesetzt wurden, Wohnungen plombiert wurden, da die revoltierenden Arbeiter zuvor die Parteizentrale der örtlichen Sozialisten, aber auch die Verbindungsbrücke von Cádiz zum spanischen Festland in Brand steckten, wurde ausgerechnet unter Spaniens bis dato beliebten MP Felipe González die Forderungen Brüssels zu Lasten der Binnenwirtschaft umgesetzt. Cádiz mit seinem Naturhafen du dem ehemals größten Südamerikahafen Spaniens hat sich seitdem nicht mehr erholt. Aber auch vielen anderen Hafenstädten Spaniens erging es ähnlich. Sozialisten und Konservative nach v. Clausewitz: „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ Was der Eine nicht sieht, muß der andere nicht hören: Die Sozialisten wurden prompt abgewählt, danach folgte die 8-jährige Regierung der Konservativen Partido Popular unter Ministerpräsiden José Maria Aznar, der das Land noch weiter nach Europa öffnete, voll auf Dienstsleistung und Tourismus setzte und die gebeutelten Häfen nach Süden komplett abschottete und nach Norden öffnete, getreu dem Motto: Kein Handel mit dem Süden, aber Badefreuden für den Norden!“ Dieser Diktion folgend, wurden Felseninseln in der Meerenge von Gibraltar mit Marokko militärisch ausgefochten, Fischereikriege mit Marokko begonnen, hohe Zäune gegen Immigranten aus Marokko aufgestellt und gleichzietig die Naturstrände der Costa de la Luz dem Tourismus geöffnet. Schön. Bausünden wie an der Costa del Sol hatten die Baugruppen weitgehend vermieden, aber eine Zunahme von über 400% Badegästen pro Jahr zwischen den Jahren 1999 – 2008 bedeutet immer einen Einschnitt in die Umwelt. 2002 kam der Euro in Spaniens Kassen und der Peseta war passé. Mit dem Euro und dem subventionierten Tourismus boomte das Bauwesen, auch im privaten Immobiliensektor: Häuser, die 1999 noch für umgerechnet 30.000 € erworben werden konnten, kosteten im Jahre 2004, gerade 5 Jahre später, bereits 500.000 Euro (!). Eine derart eklatante Immobilienpreissteigerung hat es EU – weit nur noch in Irland gegeben. Die spanische Politik wurde mit Zuwendungen und Subventionen für die eingehaltenen Kriterien, unter anderem die Schließung der Häfen, nachhaltig belohnt; der Zuwachs im Bau- und Dienstleistungssektor und im Tourismus schienen in diesen Jahren die verdienten Meriten für zuvor ausgestandenen Pleitejahre. Die Kreditblase Gleichzeitig vergaben die Banken günstige Kredite für Bauvorhaben und Wohnungseigentum. Doch der Lohnzuwachs blieb aus: Schon in der Prä – Euro – Ära verdiente der Spanier mit dem Peseten umgerechnet genauso viel. Aber die Privatkredite „halfen“: Spaniens Haushälte gerieten in die Schuldenfalle, doch „eines Tages“ würde man diese Last, bei irgendwann steigenden Löhnen, endlich abzahlen können. Doch es kam anders: Die Finanzkrise 2008 zerriß das lose Band von Bank und Bürger: Kredite sollten sofort zurück gezahlt werden oder die Zinsen schossen in die Wolken. Subventionen blieben aus, der Bauboom bebte, die Inflation befeuerte die Preise und die Touristen wichen in die günstigeren, neuen Urlaubsorte Türkei, Kroatien ,Bulgarien aus: Gleiche Flugzeit, mehr Bier für’s Geld! Fazit: Innerhalb kürzester Zeit brach die gesamte, politisch manövrierte und von den Banken initiierte Finanzblase Spaniens (und Portugals, Irlands etc.) zusammen wie ein heißes Soufflé. Nun war aber nicht mehr, wie in der Krise von 1995, der Pesete an Spanien gebunden, sondern der Spanier an den Euro: Eine adäquate Entwertung zur Abwehr von Inflation und Spekulation ließ sich nun nicht mehr durchführen. Menschen verloren ihre Arbeit, ihre Häuser, ihr Kapital. Neben der Arbeitslosigkeit steigt nun auch die Kriminalitätsrate, allen voran Eigentumsdelikte und häusliche Gewalt. Auch Deutschland litt unter dem Finanzschock, doch rappelte sich die Berliner Republik langsam wieder auf, teils aufgrund der sorgsamen Finanzpolitik, soviel Lob muß sein, teils auch aufgrund des im internationalen Vergleich niedrig gebliebenen Lohnniveaus für das Exportland Deutschland, vor allem aber – und das ist DER wesentliche Unterschied – aufgrund der vergleichsweise immer noch sehr diversifizierten Wirtschaft, einem ausgeprägten Mittelstand und einer – immer noch – großen produzierenden Güterindustrie. All diese Binnenfaktoren hatte Spanien aber unter González wie Aznar, unter Konservativen wie Sozialisten innerhalb der letzten 15 Jahre zu Gunsten eines vor der Nase tanzenden Möhrenbündels aus Brüssel zu Grabe getragen. Nun glaubt keiner mehr der aktuellen wie der kommenden Regierung, dabei priesen viele Medien vor 2008 den jungen, aktuelle Ministerpräsidenten Zapatero einmal als beliebtester Politiker Spaniens – doch nach dieser Krise geht nichts mehr. Zapatero hat jüngst auf eine Wiederkandidatur verzichtet. Schon zeichnen ihn Karikaturisten als den 2. González. Unerhörte Perspektiven Es gäbe einen mittelfristigen Ausweg aus der aktuellen Finanzkrise, der aber mit den Kriterien und Vorgaben der EU breche würde – und gleichzeitig Parallelen zur griechischen, portugiesischen, italienischen und französischen Wirtschaft aufweist: Spanien müsste, wie auch die anderen genannten Länder, wieder einen Weg zurück in die heimische Industrialisierung, Investition in die Binnenwirtschaft, aber auch nur einen Schritt hinaus in die Nachbarwirtschaft wagen: Wieso investieren Amerikaner, Chinesen und Türken immenses Kapital nach Marokko? Wieso boomt Tánger mit dem Ausbau seines Hafens, während gegenüber in Cádiz, auf der anderen Seite des Meerenge von Gibraltár, alles dicht gemacht wird? Wieso schrupft die Bevölkerung von Cádiz (1990: 250.000 Einwohner/2011: 165.00 Einwohner), während das ehemals arme Tánger zu Nordafrikas Singapur wird (1990: 280.000 Einwohner/2011: 2,5 Millionen Einwohner !!!). Drei Gründe, die insgesamt wirksam aber einfach sind: Marokko baut den Handel mit den afrikanischen Nachbarn aus, nutzt die Chance, den mangels spanischer Wettbewerbsfähigkeit freigewordenen Hafenverkehr auszubauen und Güter aus Asien direkt anzunehmen und – kann die staatliche Währung, den Dirham, weiterhin bequem niedrig halten und nach eigenem Ermessen auf- bzw. abwerten. Längst schuften chinesische Wanderarbeiter nicht mehr in Spanien, sondern in Nordafrika. Den Beweis dafür sahen wir mit dem bitteren Exodus der Chinesen aus Libyens Bürgerkrieg. Das bedeutet, Marokko produziert für die südlichen Sahelstaaten, fischt für die EU (nachdem die Spanier ihre Quoten drastisch zurückfahren mussten), baut Schiffe für die Asiaten und liefert Rohstoffe in die USA. Spanien hätte diese Schlüsselfunktion für den Maghreb übernehmen können, zusammen mit Italien. Griechenland versucht schon lange, die alten Handelswege in den Orient wieder zu beleben, Portugal hat seine Chance vertan und bittet nun die ehemalige Kolonie Brasilien um Kapitalanleihen. Türken, Brasilianer, Amerikaner und Chinesen investieren dort, wo die EU jahrelang um Hilfe und Kooperation angefleht wurde. Doch außer Steuergelder für die libysche und marokkanische Küstenwache zur Bewachung der Festung Europa zu transferieren, setzte sich die EU überhaupt nicht im Maghreb ein. Doch während Italiener und Franzosen aufgrund ihrer Kolonialpolitik ohnehin nicht beliebt im nordafrikanischen Raum waren (und nun, allen voran Nocholas Sarkozy, ihre zweifelhaften Chancen zur „Wiedergutmachung“ über den Einsatz in Libyen wittern), stiegen die Sympathien zunächst für die hier unbefleckten Länder Spanien und Griechenland. Sie sind immer noch nicht verspielt. In den Straßen Tángers bleiben Spanier, trotz der militärischen Auseinadersetzung um die „Isla del Perejíl“ im Sommer 2002 und den Fischereikrieg, immer noch sehr beliebt, sowohl als Handelspartner wie Touristen: Geographische Nähe, kulturelles Erbe und familiäre Bande bilden hier drei wichtige Bewertungsfaktoren, aber auch die Haltung zur Politik: „Die Spanier erfahren nun das aus Brüssel, was wir jahrelang aus Paris bekamen: Versprechen, Versprechen, Versprechen. Wir verstehen ihren kurzen Blick nach Norden, aber willkommen werden sie nur von uns im Süden.“ ätzt der Bauleiter des neuen Touristenhafens östlich der Altstadt von Tánger. Schafft Nachbarschaft! Theorien zur Wirtschaftsbelebung gibt es aktuell wie Sand am Meer, um im Bild zu bleiben, doch eines stimmt: Hoffen und Warten will niemand mehr. Und der Glaube an die Allheilmacht des Euro und damit das Vertrauen in die Zielsetzungen der EU bröckelt, ja zerfällt mit kurzer Halbwertszeit an den Rändern der EU.. Vertrauen, so weiß jeder Börsenguru, ist aber ein elementarer Bestandteil im Finanzkreislauf. Frau Merkel täte gut daran, den Patienten aus Brüssel nicht noch weiter mit verbalen Volten zu erdrücken. Die Fliehkräfte wirken schon immens genug. „Versprechen, Versprechen, Versprechen! Wenn ich an Offenbarungen glauben soll, gehe ich lieber in die Kirche“, unkt der Wirtschaftswissenschaftler Don Eugenio Gómez aus der Neustadt von Cádiz, ein betagter Herr, aber mit flinkem Verstand und scharfer Zunge gewappnet: „Schon die Konquistadoren suchten im Auftrag von genuesischen Banken das El Dorado und scheiterten mit ihrer Mission. Und schon damals floß das Geld in süddeutsche Bankhäuser, die Fugger, die Welser. Aber immerhin suchten die Seefahrer ihr El Dorado auf eigenen Schiffen und fuhren von eigenen Häfen. Es ist doch Selbstmord, eine Seefahrernation wie Spanien zur Schließung eigener Häfen zu bewegen, um sich dann von Touristen in Badelatschen abhängig zu machen, während gleichzeitig Nordafrikas Häfen wachsen – mit denen wir keinen Handel treiben dürfen. Wir Spanier sollten aufhören, den Henker zu preisen, nur weil er heute mit Nadelstreifen daher kommt, statt mit Lederschürze.“ Und wieder, harte Worte. Quer durch die Bevölkerung. Der spanische Wutbürger ist dem schwäbischen gar nicht unähnlich: Lange Zeit geduldig, gewissenhaft, ausdauernd, fügig, aber am Ende sind es diese normalen, bürgerlichen Menschen, die auf die Straße gehen und für einen Wechsel sorgen.

Quellen (Auswahl): http://www.lavozdigital.es/ „La Voz“ – Tageszeitung aus Cádiz http://www.diariodecadiz.es/ „Diario de Cádiz“ , Tageszeitung aus Cádiz https://www.redtrabaja.es Spanisches Ministerium für Arbeit und Einwanderung http://www.cadizturismo.com Tourismusbüro Cádiz http://www.facebook.com/democraciarealya?sk=info Bürgerbewegung „Democracia Real YA!“

Photo: supafine

May 19 2011, 9:20am

Die Tradition der spanischen Sherry-Weine

Ein Glas Oloroso. Zwei Oliven. Mächtige Weinfässer. Streng, Kühl und Dunkel ist es in der ehrwürdigen Bodega „La Manzanilla“ im historischen Herzen der Hafenstadt Cádiz, dem Tor nach Amerika, auch Silbertäßchen genannt. Umarmt vom Atlantik weht ein frischer, jodhaltiger Wind über die Costa de la Luz, der zum herben Geschmack der Finos und Manzanillas, Weinen aus der Sherry- Familie, eine trockene, fast salzige Note beiträgt. Im Dreieck zwischen den Städten Sanlucar de Barrameda im Norden, Jérez de la Frontera im Osten und El Puerto de Santa María im Süden, allesamt in der Provinz Cádiz, wachsen die Sherry – Weine, welche ihren kräftigen Geschmack aus diesen Gegensätzen ziehen. Im Grunde zählen auch die edlen Weine der südlich Cádiz gelegenen Stadt Chiclana de la Frontera zur Familie, doch die Herkunftsbezeichnung „Vinos de Jérez“(altkastilisch „Xéres“, engl. „Sherry“ phöniz. „Cera“ arab. „Sherish“) schützt nur die drei erst genannten Orte. Deren Reben wachsen auf harten, aber an Mineralien und Nährstoffen (Muschelkalk, Kreide, Kieselerde) reichen, porösen Böden, den „Albarizas“, welche ganzjährig vorzügliche Wasserspeicher bilden.

Wer einmal in der Bodega La Manzanilla war, will bald mehr: Inhaber Pepe beliefert Kunden in Berlin, Oslo, Wien und Brüssel per Direktvertrieb. Größeren Export lässt der aufwändige Herstellungs – und Lagerungsprozeß, das „Solera“ (span., etwa: „auf dem Boden liegend“) – Verfahren, nicht zu. Beim Solera – Verfahren, das für Brandys aus Jérez ähnlich der Sherry – Herstellung erfolgt, werden drei Faßreihen übereinander gestapelt. Die „Solera“ ist die Faßreihe zu Boden, darüber liegen die Criaderas (span. : die „Heranwachsenden“). Der Solera wird ein Drittel des Sherrys bzw. Brandys direkt entnommen. Der so geleerte Teil wird dann mit dem nächst jüngeren Wein aus dem darüberliegenden Faß aufgefüllt. Analog erfolgt die Umfüllung der obersten Faßreihe, bis auch diese geleert ist und schließlich wieder mit frischem Destillat nachgefüllt wird. Bei jedem Durchlauf der einzelnen Faßreihen reift der Wein weiter heran: Die so bewirkte Durchmischung bezeichnen die andalusischen Winzer als „Vermählung“. Trotz ihrer vielseitigen Aromen, Lager – und Herstellungsprozesse haben die Weine aus dem Sherry – Dreieck eines gemeinsam: Ihre Abstammung von der weißen Palomino – Traube. Nach erfolgter Gärung wird der trockene Palomino – Weißwein mit Brandy versetzt, wodurch der Alkoholgehalt von 11% auf 15% bis 19,5 % erhöht wird. Danach reift der Wein in unverschlossenen 520 bis 600 – Liter – Fässern, meist aus amerikanischer oder kanadischer Silbereiche, an der Luft heran. Sein Merkmal ist die auf der Oberfläche treibende „Flor“, die Hefeblüte, welche den Fermentationsprozeß signalisiert. Nach erfolgter Reife kann nun die Süßung des Weins beginnen: Vor der Abfüllung werden nun Weine der Rebsorten Moscatel oder Pedro Ximénez beigemengt. Da diese Trauben vor dem Keltern erst getrocknet werden, wird deren Saft stark konzentriert und kann nicht den gesamten Zuckeranteil in Alkohol umwandeln. Die gängigen Sorten im Überblick: Die Manzanillas aus Sanlúcar de Barrameda (Ausgangshafen für Chr. Columbus’ 3. Reise): Der Jüngste aus der Familie ist der Manzanilla Fina: Hellgolden glänzend wie Kamillenblüten oder Apfelblüten (= Manzanilla, span. „Äpfelchen“ bzw. „Kamillenblüte“, Fina = span. „Fein“,“Edel“). Alter: 3 Jahre, Alc. 15 bis 15,5%. Als Aperitiv mit Arbequina – Oliven begleitet. Ideal vor Meeresfrüchten und Fisch. Der Manzanilla Olorosa (Alc. 15 bis 15,5%) ist in Pepe’s Taberna besonders beliebt: Bereits 6 Jahre alt, besitzt er einen feinen wie würzigen Geschmack. Die Farbnote ist ein sonniges Gold. Als Aperitiv mit Arbequina – Oliven begleitet, wie der Manzanilla Pasada: (Alc. 15 bis 15,5%) Obwohl schon 9 Jahre gereift ist der Pasada trockener als die vorgenannten jüngeren Geschwister, die Farbe erinnert an den Firnis von Rembrandt’s „Mann mit dem Goldhelm“. Die Amontillados (Seit dem 18. Jh. benannt nach den La Montilla – Bergen der Provinz Córdoba) Merkmal dieses komplexen Weins ist seine zweifache Reife: Zuerst reift er – wie ein Fino – unter dem Hefe-Flor, ohne Einfluss von Sauerstoff. Nachdem die Blüte/Flor abgestorben ist, beginnt seine oxidative Reife. Diese kann i. d. R. 15, 20, 30 Jahre und länger dauern; die Weine entfalten ein Spektrum nussiger Aromen und gehören zu den spannendsten Weinen überhaupt: In den Vitrinen des kleinen Sherry – Museums der Bodega „La Manzanilla“ finden sich Flacons aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Preis: Nur schätzbar. Der Amontillado Viejo ist ein alter Haudegen, der bis zu 30 Jahre lagert und reift, bis er aus dem Faß hervorspringt wie ein bewehrtes Schlachtroß: Bernsteinfarben, Haselnuss – Aroma, mit 17,5% Alc. der trockenste und verwegenste aus der Manzanilla – Linie. Und der Teuerste: Zwischen 21 und 50 Euro der Dreiviertelliter. Nicht umsonst widmete der amerikanische Erzähler Edgar Allan Poe „dem Faß Amontillado“ eine schaurig-schöne gothic novel. Soloauftritt, doh zu Roman und Kaminfeuer passen die Olivensorten Gordal und Arbequina, ein kräftiger Queso Manchego oder Salzmandeln. Die Olorosos: Auch die Weinsorten des Oloroso nehmen eine Sonderstellung ein, da sie ohne die Florschicht unter Oxidation entstehen. Ihre Farbe leuchtet je Alter von Bernstein bis Aubergine, eine ebensolche Bandbreite entfalten auch die vielen Aromen des Oloroso (von sp. olor = „Duft“): Würzig-nussig bis fruchtig – trocken beim Oloroso Seco, der trotz seiner lockeren Art über die besondere Schwere (Alc. 18-20%) hinweg täuscht…hin zu sehr schwerem, karamelsüßen Geschmack des Oloroso Dulce, der aber mit einem Alc.-Gehalt von 17-17,5% leichter endet als sein vorgenannter Bruder. Je nach Alter und Lagerung komplex einzuordnen, d.h. mal Dessertwein, mal Aperitiv, selten eine Speise begleitend. Zum Oloroso serviert man die Arbequina bzw. Gordal – Olive oder Rosinen-, Pinien-, Mandelgebäck, mitunter Manchego. Pepe, richtig Miguel García Gómez, führt die „Taberna La Manzanilla“ seit 1992, bereits in der dritten Generation. Sein Vater war seit 1948 im Geschäft. Pepes Großvater wiederum hatte die Taberna 1942 von einem Weinhändler aus Sanlucar übernommen, der diese im Jahre 1900 als „Despacho de Vinos“, in der Altstadt von Cádiz eröffnete. Seit 1900 ist die Taberna fast ununterbrochen in Betrieb! Wahr ist, dass die wirklich edlen und originellen Tropfen kaum den Weg in unsere Weinregale finden. Wer im Sherry-Dreieck etwas Zeit zum Stöbern hat, sollte unbedingt in die alten Bodegas eintauchen: Traditionsreiche, teils seit Jahrhunderten ansässige Familienunternehmen , die größten Wert auf Qualität legen. Von dieser war auch der englische Freibeuter Sir Francis Drake überzeugt, der nach dem Angrif auf die spanische Armada 1587 knapp 3000 Fass Sherry aus dem Hafen von Cádiz erbeutete.– heute ein Exportgut! Für die Gaditanos, die Bewohner von Cádiz ist es mehr als das: Es ist Teil ihrer westandalusischen Kultur, Geschichte und Gastronomie. Grafik: lamanzanilladecadiz.com

May 13 2011, 10:00am

Gemüse für Europa – aus Sklavenhand

In Südspanien werden Gemüse und Früchte für ganz Europa angebaut – unter Plastikplanen, die ganze Landstriche zudecken, und mit der Hilfe von ArbeitsmigrantInnen, die gnadenlos ausgebeutet werden. Sie sind Europas Sklaven des 21. Jahrhunderts. Und Europas KonsumentInnen tragen dafür Mitverantwortung. – Eine Anklage.

Auf mehr als 35’000 Hektar werden in Südspanien, insbesondere in der Provinz Almería, Gemüse und Früchte für den Export nach dem Kerneuropa produziert. Hauptsächlich im Winter beliefert die Region Europas Läden und Supermärkte mit günstigem und frischem Gemüse. Die ganze Anbaufläche ist mit Plastik- und teils mit Glasdächern überspannt und wird deshalb auch als der Wintergarten Europas bezeichnet oder – weniger beschönigend – als Mar del Plástico, das Plastikmeer. Die Gegend zwischen Almería und El Ejido gilt als das weltweit grösste Anbaugebiet unter Folie.

▲ Plastikmeer in der Ebene von El Ejido, von einem Hügel aus betrachtet … (Foto von ANE, CC-Lizenz) … und aus dem Weltraum (Satellitenbild Google) ▼

Was heute einer Plastikwüste gleicht, war vor dem Anbauboom ein unfruchtbares und steiniges, aber von Natur her wüstenähnliches Gebiet, da es in der Region kaum regnet. Der Anbau von Gemüse und Früchten wurde erst möglich, als man unter der Erde ein System von Flüssen und Grundwasserseen entdeckte, die von der nahegelegenen Sierra Nevada gespeist werden. In den 1960er Jahren setzte ein agro-industrieller Aufschwung ein, der viele Einheimische reich machte, ganze Landstriche mit Plastik überzog und auf schlecht bezahlte Arbeitsmigranten angewiesen war. Denn nur so waren die Preise auf dem europäischen Markt konkurrenzfähig. Inzwischen werden insgesamt um die drei Millionen Tonnen Gemüse und Früchte pro Jahr – Tomaten, Paprika, Zucchini, aber auch Chinakohl, Brokkoli und Kopfsalat sowie Melonen – an die Supermärkte hauptsächlich in Deutschland und Holland, aber auch in der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern geliefert und dabei ein Umsatz von um die zwei Milliarden Euro erzielt. Ökologischer Wahnsinn Diese Art von Landwirtschaft hinterlässt natürlich nicht nur ästhetisch, sondern auch ökologisch tiefe Spuren. Die Verlierer sind zunächst die Böden und das Grundwasser. Beides ist durch den hemmungslosen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – im Durchschnitt sind es 40 kg pro Hektar – hochgradig vergiftet, die Böden sind zudem durch die einseitige Nutzung so ausgelaugt, dass grosse Mengen an Kunstdünger eingesetzt werden müssen, um die Erträge zu erzielen. Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch, werden doch beispielsweise für den Anbau von Tomaten unter Plastik pro Jahr und Hektar 6’370’000 Liter Wasser verbraucht. Umgerechnet auf das ganze Anbaugebiet von 35’000 Hektare entpricht das einer Menge von 222,95 Milliarden Litern.1 Unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen Die VerliererInnen sind aber auch die LandarbeiterInnen, insbesondere die ArbeitsmigrantInnen aus Marokko und Westafrika, die zu einem guten Teil keine Aufenthaltsgenemigung haben und deshalb von ihren Patrons nach Strich und Faden ausgebeutet werden. Die meisten sind ohne Vertrag angestellt und können je nach Bedarf und ohne Komplikationen für die Patrons jederzeit wieder entlassen werden. Im Krankheitsfalle werden sie einfach ersetzt. Dabei verdienen sie einen Lohn – zwischen 20 und 35 Euro pro Tag –, der schäbiger nicht sein könnte. In den Städten und Dörfern sind die ArbeitsmigrantInnen verhasst und werden rassistisch verfolgt.2 Sie müssen sich deshalb in oder neben den Treibhäusern ein dürftiges Dach über dem Kopf suchen oder gar selbst aus Verpackungsmaterialien und Plastik eine Hütte zusammenzimmern.3 Viele sind im Verlauf der letzten Jahre und Jahrzehnte wegen der Allgegenwart von Perstiziden krank geworden, manche von ihnen gestorben. Es besteht kein Zweifel: Hier herrscht ein Regime der modernen Sklaverei – und ganz Europa profitiert davon, die KonsumentInnen, weil sie in ihren Supermärkten über das ganze Jahr, insbesondere im Winter, frisches und billiges Gemüse haben wollen. Aber auch viele Einheimische in den südspanischen Anbaugebieten, denn die Gestehungskosten der Produkte, die ja industriell, also grossflächig angebaut werden, sind nur dank der papierlosen ArbeitsmigrantInnen unverhältnismässig tief. Die Bewässerung und der Unterhalt der Treibhäuser sind recht teuer. Der Preis der Produkte im Laden übersteigt indessen die Produktionskosten um das Siebenfache. Die EinwohnerInnen von El Ejido – wo es im Jahr 2000 zu Pogromen gegen Marrokaner kam – haben denn auch das grösste Pro-Kopf-Einkommen in Spanien.4 Europäische Scheinheiligkeit gegenüber MigrantInnen Hier, in El Ejido, zeigt sich exemplarisch die Schizophrenie – oder ist es Scheinheiligkeit? –, wie sie in ganz Europa gegenüber MigrantInnen herrscht: Einerseits grenzt man sie unerbittlich aus, drängt sie in die Illegalität – oder gar in den Tod, und gleichzeitig profitiert man von ihnen ebenso gnadenlos als billige Arbeitskräfte – nicht nur in Südspanien, auch in Kerneuropa, auch in der Schweiz. Sie sind das Schmiermittel im brummenden Wirtschaftsmotor, die unterste soziale Schicht, die für wenig Geld die niedrigsten, ungeliebtesten Arbeiten verrichtet. Je mehr man sie ausgrenzt, um so billiger sind sie zu haben. Sie sind Europas Sklaven des 21. Jahrhunderts.


Anmerkungen: Quelle für die Zahlen: https://we.riseup.net/tsolife+skillsurfers/artikel-almeria 2 Siehe „El Ejido – Ein Jahr nach dem Pogrom“ 3 Ein eindrücklicher kurzer Film in Englisch über die Lebensbedingungen ist auf der Webseite des britischen Guardian zu sehen:http://www.guardian.co.uk/business/2011/feb/07/spain-salad-growers-slaves-charities 4 Siehe dazu „Billige Vitamine“ auf dradio.de

Eine der wenigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die MigrantInnen einsetzen, unter anderem eben in Südspanien, ist das Europäische BürgerInnenforum (EBF). Mit handfester Unterstützung – z.B mit internationalen BeobachterInnen in El Ejido oder mit dem Aufbau von Anlauf- und Beratungsstellen vor Ort – leben die AktivistInnen von EBF Solidarität, wo andere wegschauen.

Crosspost von walbei

April 20 2011, 10:30am

Barcelona: Gaudi und Bocadillo

Ein langfristig geplanter Urlaub ist erholsam, verdient und gut durchdacht. Spontane Kurztrips sind aufregend, erregend und eben: kurz. In den Flieger gestiegen, ausgestiegen, maximale Erlebnismenge verteilt auf ein paar Stunden und wieder zurück. Wenn noch dazu die Reiseentscheidung weniger als 24 Stunden zuvor gefällt wurde, gerät man in eine regelrechte Reise-Ekstase. Aktuelle Destination: Barcelona, Hauptstadt Kataloniens, mit ihrer 2000-jährigen Geschichte und kämpfenden Stieren; die Metropole, in der Design- und Stilverliebte wandeln. Sicherlich, der Flug mit einer Billig-Airline ist eine Luft-Kaffeefahrt, bei der man selbst noch aufräumen muss. Rubbellose und exorbitant-teure kulinarische Widerlichkeiten inklusive. Aber man erwartet die Stadt, Architekturwunder und spanische Lässigkeit. Eingecheckt wird im Hotel „Actual“, charmantes Designhotel in der Rosselló 238, eine der schicken Nebenstrassen der Passeig de Gracia, im Zentrum Barcelonas, schräg hinter Antoni Gaudis Casa Milá . Ein architektonisches Gedicht, aus anfänglichem Spott auch „La Pedrera“ (der Steinbruch), genannt. Man ist bezaubert von seiner ungewöhnlich wuchtigen Bauweise und den riesigen, kunstvoll verarbeiteten Steinplatten. Es ist schon spät, ein kühler Drink aus der Minibar und das Fenster öffnen. Rollerlärm. In einer Metropole ist es nie still. Das gegenüberliegende Hotel „OMM“ lockt mit einem Barbesuch der stilvollen Art. Es wird Henrick’s Tonic aus kühlen Glaskelchen getrunken. Danach lässt man sich in den schwarzen, kubusartigen „Mon Key Club“ in der unteren Etage entführen. Nirgends fällt das Treiben-Lassen leichter als in einer neuen, fremden Metropole. Es wird spät. Das Hotelfrühstück fällt aus und das sollte es auch. Man ist selten glücklicher, als bei dem hungrigen Biss in eines der vielen, frischen Bocadillos, den köstlich belegte spanische Baguettes. Da de facto nur noch 24 Stunden in diesem fremden Stadtwunder verbleiben, sollte man sich daran halten, dass weniger beinahe immer mehr ist.

Aber dank Gaudi, dem prominentesten Vertreter des katalanischen Jugendstils – des Modernisme – und seinem Mäzen, dem Industriellen Eusebi Güell, darf man sich hier auch stundenlang nur einem Einzigen – der Fülle an Kunst-Werken – widmen. Dies muss wohlbemerkt nicht immer das Bestaunen des Gaudi-Augapfels, der Sagrada Familia, sein. Vielleicht spaziert man viele Stunden durch den wunderschön verspielten Park Güell , lässt sich beeindrucken und inspirieren. Die Gegenwart Gaudis stimmt positiv, die Hinwendung zur Natur, ihrer Form und ihrem Ausdruck, machen bescheiden und grössenwahnsinnig zugleich. Man weiss, man wird zurückkehren und dies nochmal erleben wollen.

Nach dem Entdecken des Besonderen, will man Besonderes, um den entstandenen Hunger zu stillen. Man findet, unweit des Hotels, in der Rambla de Catalunya 100, die „La Bodegueta“, eine bezaubernde, alte Bodega, nicht renoviert, verstaubt. Und laut. Es gibt guten Wein, erstklassige Tapas, serviert von schnoddrigen Kellnern. Es wird geraucht und Backgammon gespielt. Gespräche über die Leichtigkeit des Lebens werden geführt und auf der Strasse spielt wieder irgendjemand mit Freude Gitarre.

Den leicht beschwipsten Kopf im Hotel noch kurz erfrischen und schon steigt man in ein Taxi Richtung La Barceloneta, ein gemütliches Stadtviertel am Meer, das sich zwischen Port Olímpic und Port Vell schmiegt. Rollerlärm. Im „El Lobito“ in der Ginebra 9 finden immer mehr exzellente Meeresfrüchte ihren Weg zum Tisch. Es ist leger, ohne Servicefirlefanz. Jemand spielt auf der Geige „Que sera, sera“. Man singt mit.

Der nächste Morgen beginnt viel zu früh und es fällt ein letzter Blick auf die Casa Milá und die Umrisse der Sagrada Familia. Zurückgekehrt in die aufgeräumte Heima lehnt man sich zurück, denkt zurück. An köstlliche Bocadillos und Antoni Gaudi. An Inspiration, Vision und Rollerlärm.

Damit man endlich diese entwürdigende Sieges-Fanfare vergessen kann, die bei der Landung der Billig-Maschine aus den Lautsprechern schallt.

May 3 2010, 10:00am

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