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Social Network demographics and usage

emarketer hat mal wieder die Kristallkugel angeschmissen und bringt uns die Zahlen für die nächsten Jahren was den Gebrauch und die Reichweite von Social Networks angeht. Da schau her: 65% der Amerikaner sind bald in Sozialen Netzwerken unterwegs. Dann haben wir das in 10 Jahren auch in Deutschland so – oder in 15 vielleicht.

Spannender finde ich persönlich ja die zweite Grafik: Denn das würde bedeuten, dass die Hälfte der Senioren in Amerika die Netzwerke nutzen würde. Dabei ist das gerade das größte Problem in den Staaten wie neulich ein South Park Folge erleuchtete: Denn die Kids sind sehr genervt, dass sie jetzt von den Eltern und Großeltern als Freunde behandelt werden. Das macht sich offenbar nicht so prickelnd, wenn man so alte Knacker in der Freundesliste hat oder – noch schlimmer – die auch noch die Pinwand mitlesen. Tja. Selbst das schärfste Schwert wird irgendwann zum rostigen Schrott.

May 27 2010, 3:04pm

Bald Werbefrei: Soziale Netzwerke

Es geistern viele Experten durch die Welt. Das ist beim Thema Internet oder präziser Web nicht anders. Nicht wenige meinen, dass diejenigen, die die wahren Experten sind gerade Millionen mit diesem oder jenem Thema verdienen. Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei den Lehrern und Professoren: Wer es verstanden hat, der forscht oder gründet eine Firma, wer noch dabei ist, es zu verstehen, schreibt eine Promotion und/oder landet im Lehrerkollegium und wer nichts wird, wird eben Berater.

Anläßlich der webciety und ihren seltsamen Diskussionen um die Monetarisierung von Webdiensten vulgo Social Media Marketing wurde aus den Zweifeln ein veritabler Unglauben. Wenn man bedenkt, dass angesichts der neuesten Zahlen Soziale Netzwerke wie facebook und wer-kennt-wen als der Anlaufpunkt für alle Menschen zwischen Hongkong und Ougadougu, zwischen 16 und 61 gepriesen werden, dann kommt einem das vor wie eine Kirche voller Kerzen zum Lobpreisen dieses Unglaubens. Einen ganzen Dom hat bei mir die Tatsache errichtet, dass an dritter Stelle stayfriends und SchülerVZ stehen. stayfriends? An dritter Stelle? Ist das nicht diese Plattform wo man alle 8 Wochen eine Mail bekommt, dass ein Peter Ugenhöfer oder eine Claudia Klingebeil aus der XYZ-Schule jetzt auch einen Account hat. Du könntest sie kennen. Woher soll ich all die Namen der Leute kennen, mit denen ich in einer Klasse war, geschweige denn auf einer Schule. Außerdem bin ich als Schüler alle 5 Jahre umgezogen (mein Vater war in der gerade aufkeimenden Computerbranche unterwegs). Diese Ansammlung von Ehemaligenlisten gilt in der Werbewelt als Soziales Netzwerk? Ich gebe zu, dass ich darüber vor einigen Jahren zwei alte Bekannte wiedertraf, die damals noch nicht in OpenBC waren. Aber ein Soziales Netzwerk? Selbst bei facebook habe ich da meine Zweifel. Ohne die Social Games wäre da doch auch nicht mehr los als ein fröhliches Verabreden und zusenden von Photos oder Links. Nur weil die Leute da ab und zu was auf die Pinnwände der Bekannten kritzeln, ist das doch keine Werbeplattform, oder holen die bald Google ein in ihrem Marktwert bzw. gar im Umsatz.

Man kann in den Gruppen bei Xing, Facebook oder anderen Netzwerken gleichgesinnte zu einer Community of Interest zusammendenken. Dazu gehört allerdings ein veritables Community Management, das recht zeitaufwendig ist. Man kann auch eine funktionierende Kommunikationsplattform mit Kunden über Facebook aufbauen und damit eine Art First Level Support realisieren, wenn man den Zeitaufwand einkalkuliert. Aber wie lange und wie oft sind Nutzer auf sozialen Netzwerken? Es gibt da aus meiner persönlichen Erfahrung einige Typologien:

Der neue Neue Mit so einer Frau war ich in den Achtzigern zusammen. Wenn gestern Abend im TV ein neuer Kaffee beworben wurde, stand der einen Tag später in ihrer Küche. Heutzutage sind das die Early Adopters, die ihre trouvaillen per twitter verteilen. Sie machen alles für ein paar Wochen oder Monate mit und verschwinden genauso geräuschlos wie sie gekommen sind.

Die Probiererin Kenne ich auch schon aus der Prä-Internet-Ära. Erstmal abwarten, was die Neuen so über dieses und jenes sagen. Dann mal gucken. Sie sind immer enttäuscht. Denn sie sind nur die Zweiten. Amerikaner nennen sie “picky”. Sie wollen nur das Beste, wissen aber nicht, was das sein soll. Sie haben viele Mitgliedschaften und warten bis sich eines der Sozialen Netzwerke als wirklich gut herauskristallisiert. Sie machen jeden Trend mit. Leider vergessen sie darüber das Wesentliche: Die Beschränkung auf das Wesentliche. Daher neigen sie dazu, irgendwann ganz abrupt “den ganzen Internetkram nur noch auf E-Mail und Excel zu beschränken. Ich gehe jetzt wieder ins Fitness – da hab ich mehr von!”

Die Mitläufer Sie beobachten lange, bis sie sich für etwas entscheiden, das sie dann konsequent und täglich benutzen. Allerdings tun sie dies wie Hände waschen. Jeden Tag einen Lieblingslink bei dem einen oder anderen Bekannten auf die Pinnwand posten. Oder einen Drink spendieren. Auch mal über die Stränge schlagen und ein Foto mit freiem Oberkörper vom letzten Urlaub aus der Dominikanischen Republik ganz frech online stellen, wo man das neue Tattoo und die riesige Flasche Rum am Bildrand sieht. Die nette Holländerin hat man mit Photoshop abgeschnitten wegen der Freundin, die rastet sonst aus. Das ist die unerwünschte Zielgruppe der Werbekunden, die Schnäppchenjäger der Mediengesellschaft. Denn sie machen 80% des traffics auf den Netzwerken aus. Warum sie statt SMS per Handy jetzt SMS an die Pinnwände schreiben, wissen sie nicht, aber sie sind jedenfalls diejenigen, die diesen Sommer KEINE Ed. Hardy T-Shirts mehr tragen…vielleicht…wo man doch aus Prag noch drei mitgebracht hat letzten Herbst.

Die Speziellen Noch schwieriger als die Probierer sind die Speziellen. Sie lassen nichts aus, um Gott und Welt zu zeigen, dass sie einen speziellen Geschmack, spezielle Freunde, spezielle Gadgets, spezielles Badeöl sowie über ausreichend Himalaya-Salz verfügen und keine profane Hömöopathie nutzen sondern Schüssler-Salze verwenden. Was das Online bedeutet ist klar. Sie haben ein Wordpress-Template, dass es genau einmal auf der Welt gibt – auch und gerade wenn es etwas unübsichtlich, nicht ganz kontraststark oder gar inhaltsreich ist.

Der Rest Das sind die Leute, die einfach arbeiten. Die haben keine Zeit für Soziale Netzwerke. Sie sind da eingeschreiben, besuchen sie einmal in der Woche und sitzen eh den ganzen Tag am Rechner. Zuhause wollen die digitalefreie Zone. Schlimm genug, dass der Freund dauernd PS3 zockt bzw. die Freundin sogar zuhause dauernd SMS schreibt. Monitore sind ganz nett aber überschätzt. Man geht wandern oder saufen oder beides. Ich schätze, dass sind circa 75% der facebook-Nutzer und 85% der Xing-Nutzer. Man guckt ab und zu, hält Kontakt mit versprengten Leuten im Süden oder Norden und hält sich vornehm zurück. Die Selbstdarstellerei im Web wird ihnen langsam zuviel.

Und das soll der Werbemarkt der Zukunft sein? Die ganz dicke Hose in Sachen Reichweite? Für wen denn? Für den Textildiskont oder die günstige Schuhkette?

March 12 2010, 11:26am

Small World Phänomen ist eine Ente

1967 machte Sozialpsychologe Stanley Milgram ein kleines Experiment. In einem seiner Kurse wurde untersucht, ob kleine Pakete in Reisepassgröße, die an einige hundert Leute in Nebraska und Kansas verteilt wurden in zwei Zielen in der Region um die Stadt Boston erreichen würden, wenn sie nur über persönliche Bekannte übergeben würden, die man per Vornamen kennen musste und die am ehesten jemanden in der Zielregion kennen würden. Die Leute, die die Pakete erhielten, wurden per Zufall ausgesucht. Alle Zwischenstationen sollten sich aus dem Paket eine Postkarte nehmen und sie an ihn schicken, damit er nachvollziehen konnte, wo die Pakete Station machten. Es stellte sich heraus, dass im Durchschnitt sechs Stationen nötig waren, bis das Paket am Ziel ankam. Daher wird heute oft von dem Phänomen gesprochen, dass man nur sechs Leute braucht, um jeden in der Welt erreichen zu können. Das Kleine-Welt-Phänomen. Die Fehler liegen auf der Hand. Denn es erreichten nur drei Pakete das Ziel. Milgram selbst hat der Öffentlichkeit gegenüber niemals irgendeine Zeile zu der Untersuchung erwähnt oder diese Hypothese bestätigt. Judith Kleinfeld hat in einer unveröffentlichten Forschungsarbeit dargelegt, dass das ganze Phänomen eher ein Missverständis ist, das unglücklicherweise noch immer mit Milgrams Namen in Zusammenhang gebracht wird. Sie wies auch auf potentielle Hinderungsgründe für das Weiterleiten hin: soziale Herkunft, Rasse und Bildung. An der Columbia University hat man 2003 in einer großen Studie dasselbe Prinzip mithilfe der E-Mail bei 60.000 Leuten untersucht. Das Ergebnis bestätigt die Zahl von 5 bis 7 Schritten zwischen Start und Endpunkt. Allerdings hängt das sehr stark von den jeweiligen Relationen ab und welche Belohnung winkt. Das Fazit der Studie ist ernüchternd: Netzwerkstrukturen allein sind nicht alles. Bei Licht betrachtet sind sie eben nur die Strukturen, die Elemente verbinden. Das erlaubt noch keine qualitative Erkenntnis über deren Funktion und eventuelle Nutzungsmöglichkeiten. Das die postmoderne Lehre die klassische systemtheoretischen Grundeinheiten von Element und Struktur um die Organisation erweitert, erweist sich auch hier als einzig probates Mittel: Allein die Belohnung bzw. die Motivationsstruktur ermöglicht ein gezieltes Verwenden des Netzwerks zum Zweck der Informationsverteilung. Hört sich an wie alter Wein in neuen Schläuchen. Der Grund, warum ich das hier schreibe liegt darin, dass ich immer häufiger bei den so genannten Social Media Experten den alten Schmuh rund um das Small World Phenomen in diversen Präsentationen lesen muss - seit Neuestem sogar in Diplomarbeiten und letzte Woche in einer Dissertation. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur das Phänomen und seine Grenzen beschrieben würden, sondern auch die aktuellen Untersuchungen (s.o.) dazu benannt wären. Die Psychologin Judith Kleinfeld, der das Privileg der Kritik des ersten Anscheins gebührt, leitet zu einem anderen Aspekt des Themas Kleine Welt über: The results suggest again that, far from living in a small, inter-connected world, we live in a world with racial barriers. Dazu passt ein sehr guter Vortrag, den die exzellente und berühmte Expertin für Soziale Netzwerke Danah Boyd auf dem Personal Democracy Forum neulich hielt. Dort erklärt sie, dass es einige soziale und rassentrennende Besonderheiten bei den sozialen Netzwerken erkennbar sind, die nicht ganz die triviale Idee des globalen Dorfes im Web transportieren. Ihre soziologischen Erkenntnisse rund um den Gebrauch von Facebook, MySpace und Konsorten kann ich nur all denen ans Herz legen, die sich nun Community Manager nennen sowie all denen, die mit Social Media Marketing glauben, den großen Agenturen den Rang abzulaufen. Es ist nicht ganz einfach, das Richtige an der passenden Stelle angepasst und glaubwürdig darzustellen. Wer in diesem Umfeld reüssieren will, sollte sozialwissenschaftliches Rüstzeug vor die Fähigkeiten eines Werbetexters stellen. Denn die einzige Währung die in allen sozialen Schichten und bei jedwedem Bildungsabschluß hilft, ist eine Übereinstimmung von Wort und Tat. Das erscheint altmodisch und gar nicht hip. Aber die Belohnung von der in der Studie Columbia die Rede ist und das was bei Boyd gut erkennbar ist, sind eine klare Motivation für Handeln im Web 2.0: Gewinn an Reputation und Profil. Und Boyds Beobachtung, das digitale Migration eine ähnliche Bewegung ist wie die Flucht der Weißen aus bestimmten Regionen einer Stadt. Den Mainstream zu mißachten, kann enormen Konsequenzen haben. Die politischen Kräfte verstehen solche Bewegungen noch nicht. Das Wegschauen ist dort Prinzip. Aber das die privilegierten digitale natives den Mainstream verlassen kann unerwünschte Folgen haben. Irgendjemand sollte vielleicht den Blick für all das behalten, was dort passiert. Denn es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, der sich online darstellt. Nicht jeder schaut überall hin. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Nutzer von MySpace und Facebook durch Rassen, sozialen Status und Bildung getrennt sind. Auch wenn die Studie die Verhältnisse in den USA reflektiert, sollten wir nicht glauben, das sei hier anders. Eher umgekehrt: Die sozial schwachen Gruppen haben nicht immer so einen direkten Zugang zum Netz wie in den USA. Die Medienkompetenz ist das ein Thema, die soziale und intellektuelle Spaltung ein anderes. Vielleicht sollten wir den Begriff Small World einfach auf unsere Welt hier beziehen und dort sehen, was im Umkreis von sechs Menschen an Hilfe sinnvoll und leistbar ist.

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August 4 2009, 11:55am

Wie geht das? Das ABC für Twitter in Firmen

In Anlehnung an SMS (Short Message Service) bei Handys kann man Twitter als Mobile & Web Message bezeichnen. Toll. Jetzt wissen Sie genau, was ich meine, oder? Der Twitterboom in Deutschland beginnt gerade zu stagnieren. Das bietet die Gelegenheit, eine Bestandsaufnahme zu machen: Was ist es? Wer braucht es? Und was liefert es für einen Nutzen - speziell für Firmen. Was ist Twitter? Manchmal würde jeder gerne wissen, was seine Freunde, Familienmitglieder oder guten Kollegen eigentlich gerade tun, was sie denken oder wo sie sind. Dazu bräuchte man eine Art Echtzeit-Schnittstelle für das Kurzzeitgedächtnis. Vor einigen Jahren haben ICQ und andere Chatfunktionen das Web erobert - in jüngster Zeit vor allem die jüngeren Mitbürger. Wer Kinder hat, weiß wovon ich hier schreibe. Twitter ist etwas Vergleichbares für die Großen. Man verschickt Kurznachrichten über den Ort, an dem man gerade ist, stellt Fragen zu guten italienischen Restaurants. Oder man verschickt Links zu guten Websites oder lustigen Youtubevideos. Jeder kann seinen Bekannten und Freunden kleine Nachrichten schreiben. Dazu braucht man einen Twitteraccount. Die Adresse der Twitterkonten sehen dann so aus, wenn der eigene Wunschname noch frei ist, liegen hier http://www.twitter.com/wunschname . Die Freunde und Bekannten, die sich dieses Konto abonnieren müssen dort auf FOLLOW klicken. Will man jemandem etwas mitteilen, schickt man eine Nachricht an @wunschname. Bei der Anmeldung kann jeder sich entscheiden, ob man nur die Antworten seiner Freunde (Follower) an sich selbst sehen will oder auch den Austausch der Freunde mit anderen, die ich gar nicht kenne und bei denen ich keine Follower bin und die bei mir auch nicht. Ich kann aber auch alles sehen, was gerade rund um den Erdball verschickt wird (public). Das ist ganz lustig manchmal und in jedem Fall international. Am besten man sucht sich Leute, die man interessant findet und die was zu sagen haben oder Blogger, die verschicken immer Links zu ihren neuesten Blogeinträgen per Twitter. Man bleibt auf diese Weise gut auf dem Laufenden. Manchmal schaut man rein, manchmal nicht, fast immer gibt es aber gute Tipps und Links zu vielen Themen. Frauen nutzen es sehr gerne um zu schnattern, wie mein alter Lehrer sagen würde. Es ist oft amüsant und meistens sehr kurzweilig. Was das Besondere ist: Man hat 140 Zeichen zur Verfügung, um das Wesentliche zu sagen. Es lehrt Konzentration. Trotzdem hat man immer noch Platz für etwas Schönes. Das waren übrigens exakt 140 Zeichen. Was oft als Einschränkung gesehen wird, ist im Grunde der Vorteil. Alle Leute, die in Diskussionsforen seitenlange Abhandlungen über Gott und die Welt schreiben, sind hier nicht zu finden. Man muss sehr auf den Punkt kommen. Wer es nicht erlebt hat, kann gar nicht erkennen, was das für eine Wohltat ist. Und man findet alles in einer eigenen Suchmaschine wieder. Wichtige Informationen kann man mit einer Raute und einem #Schlagwort versehen, sodass die Suchmaschine sofort diesen Tweet, so heißt eine Twitter-Nachricht wiederfindet - analog ist eine Antwort dann ein Re-Tweet. Wer jemandem direkt antworten will, schreibt einfach @twittername vor die Nachricht. Alle Antworten findet man hier. Achja, das Wichtigste. Da es sehr ähnlich wie SMS ist, gibt es natürlich die Möglichkeit, auch Nachrichten per Handy zu senden und zu empfangen, was bei vielen auf einfache Weise endlich die Grenze zwischen Web und Mobiler Welt aufhebt. Wer braucht Twitter? Eine unbestätigte Geschichte ist die, dass die erste Meldung des China-Erdbebens über Twitter durch die Welt geschickt wurde. Und genau hier liegt ganz klar die Stärke von Twitter. Es ist extem unmittelbar und schnell, ermöglicht eine globale Verteilung von Kurznachrichten. Bei den Attentaten und Geiselnahmen in Mumbay (Bombay) hat die Welt direkt von den Geiseln und Eingeschlossenen erfahren, was passiert, weil sie fast alles über Twitter in die Welt geschickt haben. Man kann dieses Werkzeug neben der Verbindung sehr persönlicher Netzwerke von Freunden eben auch als das erste Echtzeitmedium der gobalen Welt bezeichnen. Und um nochmal auf das Schnattern der Frauen zurückzukommen. Es ist sehr wichtig in einem virtuellen Team, dass es Ersatzkanäle für die sogenannte non-verbale Kommunikation gibt. Da man sich nicht sieht und oft über mehrere Kontinente verstreut arbeitet, sind Kurznachrichten auch und gerade über Privates und vermeintlich Unwichtiges essentiell für den Zusammenhalt einer Gruppe. Twitter leistet hier eine Menge. Wie können Firmen Twitter nutzen? Einen wichtigen Punkt hinsichtlich der Kooperation virtueller Teams habe ich gerade genannt. Twitter kann einen sehr guten Einfluß auf “gruppenhydraulische” Prozesse haben. Es ist definitv ein Medium, dass beide Seiten beherrscht: das kurze Austauschen von sehr Privatem und auf der anderen Seite das Mitteilen wichtiger Meilensteine, das Verlinken zu relevanten Webinhalten, das Stellen  von Fragen oder das Diskutieren kleinerer Probleme. Twitter wird aber auch zum Markting sowie für PR verwandt. Das kleine Laptop, heutzutage als Netbook bezeichnet, namens Samsung NC10 hat einen eigenen Twitteraccount und folgt allen Techbloggern, damit liefert es ein Tool zur Marktforschung. Es liefert aber auch aktiv neue Inhalte in die Twitterwelt und verlinkt Neuigkeiten zu diesem Netbook. Verlage wie Spiegel Online oder andere verschicken die neuesten Schlagzeilen ihrer Webpräsenzen und versoregn so die Twitternutzer mit direkten Verbindungen zu Ihrer Website. Traffic generieren, nennt man das. Einige Verlage nutzen Twitter aber nicht nur als einkanaliges Rausposaunen der neuesten News sondern Antworten auf Re-Tweets der Follower oder Verfolgen ihrerseits die Neuigkeiten bestimmter Blogger um sich zu vernetzen, um die Recherchewege kurz zu halten und um einfach auf dem Laufenden zu bleiben. Das wichigste Argument hebe ich mir zum Schluß auf. Man kann dort sehr gut Kontakte knüpfen. Es ist für Außenstehende schwer vorstellbar, aber ich habe in kurzer Zeit über Twitter sehr valide Kontakte erhalten, die mein Geschäft, ich bin Freier Autor und berate in Sachen Kommunikation und Wissensmanagement, doch wider Erwarten befruchtet haben. Sogar neue Kunden habe ich über Twitter gefunden. Etwas, das bei Xing viel länger dauerte und kaum in langfristigen und guten Kooperationen mündete, da dort viele Firmen sehr extrem auf junge und billige Freelancer schielen. Da ich nicht dazu gehöre, fiel ich nicht so ins Beuteschema. Aber das kann eine Einzelerfahrung sein, die andere vielleicht nicht teilen. Wer als Firma bedenken hat, weil Twittertweets überalls sichtbar sein können, dem sei übrigens http://www.yammer.com oder besser noch http://www.laconi.ca empfohlen. Es ist fast der gleiche Leistungsumfang, allerdings für geschlossene Benutzergruppen. Hier eine kleine Liste twitternder Firmen. Ein Paar Hinweise zum Twittern allgemein:

Twitter ist kein Kanal, den man mit allem befüllt, was raus muss. Es geht eher um Dialoge, also wirkliche Kommunikation mit Anderen. PR-Berater und Marketingexperten sind auf diesem Ohr leider häufig völlig taub und nutzen Twitter wie eine Art Verteiler für Pressemitteilungen. Das ist Kommunikation des 20. Jahrhunderts. Wir schreiben mittlerweile 2009, das dritte Jahrtausend ist fast eine Dekade alt! Dazu gehört, dass man Leuten auch antwortet, die auf einen Tweet reagieren! Verlage können da noch optimieren. Viele Firmen auch. Es gibt auch Direct Messages. Also Nachrichten, die nur an Dich gehen. Das verlangt absolute Priorität! Denn Du wirst wertgeschätzt durch eine direkte Nachricht, gibst Du den Respekt zurück. Du bekommst diese Direct Messages übrigens auch an den angegebenen E-Mailaccount. Schau ruhig mal da rein ab und zu! Es ist nett, einen Link zu Produktneuheiten oder Pressemitteilungen zu twittern. Aber man verpasst den Sinn von Web 2.0 und Social Media. Erstelle einen Blogbeitrag zur PI oder ein Video und stellen es auf Youtube ein. Das ist bedeutend zielgenauer. Verschicke die PIs besser an die großen Verteiler und die Redaktionsassistenten sowie an Redakteure, die dieses Verhalten auch abgenickt haben.

Im Moment ist Twitter noch kostenlos, aber Biz Stone, einer der Gründer machte am 09.02.2009 klar, das es ein Geschäftsmodell gibt und die Gründer vorhaben, ihre Arbeit auch in Geld umzusetzen, was aus ihrer Sicht und der Persepktive des eingesetzten Venture Capitals (Amazon Gründer Jeff Bezos ist auch dabei) logisch ist. “Wir stellen fest, dass immer mehr Firmen Twitter nutzen und viele einzelne Twitternutzer diese Nachrichten lesen. Wir haben Wege, um diese Erfahrungen besser zu nutzen und werden zukünftig für kommerzielle Twitter-Konten Kosten berechnen”, erklärte Stone gegenüber dem britischen marketingmagazine.co.uk. Die Jungs, die alle früher bei Google gearbeitet haben, scheinen noch einiges vor zu haben. Ein 500 Millionen Dollar Angebot von Facebook haben sie ausgeschlagen und stattdessen eine weitere Runde über 250 Milionen Venture Capital gestartet. Befehle in Twitter : @username - Das @-Zeichen adressiert den Twitter-Nutzernamen, der dahinter steht. Schreibt man es am Anfang der Nachricht wird es als Antwort gewertet und der adressierte Nutzer sieht es bei seinen Replies.

tag - Sogenannte Hashtags werden verwendet um Tweets nach Schlagwörter zu ordnen (taggen). In der Twitter-Suche search.twitter.com  kann man alle Tweets nach Hastags durchsuchen.

d username Mithilfe des vorangestellten d kann man eine direkte Nachricht an einen Nutzer schicken. Sie ist privat und wird nicht veröffentlicht. get username Mit get kann man sich das letzte Update eines Users ansehen. follow username - Damit kann man jemandem direkt folgen, was sonts nur geht, wenn man auf dessen Twitterseite auf den Button follow klickt. off oder stop oder sleep - Schaltet alle Device-Updates aus (Device sind angemeldete mobile Telefone). on oder start oder wake - Schaltet die Device-Updates wieder ein. track Wort - Ein mächtiger Befehl, mit dem man zukünftig alle Updates erhält, die das Wort enthalten. untrack Wort - Löscht das Wort aus den getrackten Wörtern. untrack all oder track off - Stoppt das tracking von Wörtern. whois username - Man erhält ein Update mit den Daten zu dem User. invite handynummer - Lädt die Person ein Twitter zu nutzen. nudge username - Fordert die Person auf ein Update zu schreiben. fav username - Fügt den letzten Tweet der Person zu den eigenen Favoriten. stats - Bringt eine kurze Statistik zum eigenen Account. Anzahl Following, Followers und welche Wörter man trackt. tracks oder tracking - Liste der Wörter, die man trackt. help - Schickt ein paar Befehle mit kurzer Erklärung als Update zurück: ‘invite’, ‘follow’, ‘track’, ‘whois’, ‘off’

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July 13 2009, 8:25am

Soziale Netzwerke sind digitale Städte

“Twitter und Facebook sind so dermaßen letztes Jahrtausend,” so leitet Anand Ghiridharadas seinen denkwürdigen Artikel der New York Times vom 1. April 2009 ein. Und er hat recht. Im Kern sind sie sogar antik. Warum? In seinem kleinen indischen Dorf lebt niemand in anonymer Stille und Zurückgezogenheit. Jeder bekommt den Streit der anderen mit. Man hat den Eindruck, dass jeder es offenbar darauf angelegt dass alle alles mitbekommen. Das hat einen Grund, denn man hat mehr davon, wenn man Teil des kommunalen Netzwerks der Nachbarn ist, als wenn man in völliger Anonymität lebt. Man hört Meinungen nach denen man nicht gefragt hat, man hört Ratschläge, die man vielleicht gar nicht braucht, aber so erhält man Anerkennung, Gemeinschaftsgefühl und vielleicht sogar das Gefühl, angekommen zu sein und geliebt zu werden. Ursprung der digitalen Städte Diese Werte sind uns eigentlich wohl bekannt. Zugegeben, die meisten kennen sie erst seit dem Geschichtsunterricht, wo die Ursprünge der Zivilisation in Mesopotamien gelehrt werden. Denn die Wurzel der heutigen Städte sind die Sippen. Wenn sich eine Sippe dazu entschlossen hatte, mehrere Aufgaben an einem Ort zu konzentrieren, also das Kümmern um die Alten, das Horten von Vorräten und das Bekochen der Kinder, dann wurden meistens passende geographisch günstige Standorte (Höhlen, Quellen etc.) mit einem organisatorischen Mehrwert aufgeladen, der für die Sippe soviel Nutzen brachte, dass mehr Freizeit entstand. Freizeit schafft Kultur Diese wichtigste Folge der intelligenten Planung von gemeinsamen Aufgaben war Motor und Ursache aller folgender Kulturleistungen, sei es die Erfindung der Werkzeuge oder gar neuer Werkstoffe. Denn man musste satt sein und eine gesicherten Ort in einer liebevoll zugewandten Gemeinschaft erleben, um mit Versuch und Irrtum Neues zu entdecken. Denn anders als viele moderne Experten uns glauben machen wollen, liegt die Quelle der Innovation in einer freien und familiären Atmosphäre mit viel freier Zeit, in der eben auch mal etwas völlig Unsinniges passieren kann. Ein durchorganisierter Zeitplan der auf Effizienz getrimmt ist, stört den alltäglichen Plausch - verhindert dadurch das tägliche Erneuern sozialer Bindungen - was die Unsicherheit gegenüber der direkten Umgebung erhöht und damit die Möglichkeit verhindert, ungestört über Neues und vielleicht Unwichtiges, potenziell aber Bahnbrechendes nachzudenken. Soziale Netzwerke sind der tägliche Tingplatz In der mittelalterlichen Dorfstruktur kristallisierten sich bald besondere Plätze heraus. Es waren meist Kultplätze, die schon lange eine rituelle Bedeutung in den lokalen Glaubenssystemen hatten (später wurden sie meist durch die buchbesitzenden Religionen wie Judentum, Christentum oder Islam zu deren Zwecken mit Prachtbauten in Beschlag genommen). Aber zunächst ist wichtig, dass diese besonderen Plätze durch die Sippen der Umgebung zu bestimmten Zeiten und definierten Anlässen als Treffpunkt aufgesucht wurden. Dort entstanden die ersten Marktplätze, weil reisende Kaufleute diese Termine nutzten, um besonders vielen potenziellen Kunden an einem Ort ihre Waren zu verkaufen. Die eigentliche Ursache ist aber noch eine ganz andere, denn der Thing (altgermanisch für Ding, auch im englischen noch heute gut bekannt) hat seinen Namen aus dem Ort, wo Rechtsdinge entscheiden wurden. Diese Verhandlungen wurden immer in einer Versammlung mehrerer Sippen abgehalten und waren damit sippenübergreifend, also im präfeudalen und pränationalen Sinne waren dies internationale Institutionen wie die UN, allerdings hatten sie im Gegensatz zur UN alle weltliche Macht jener Zeit. An dieser Stelle fehlt den digitalen Städten also sozusagen der Kern einer sozialen Infrastruktur, nämlich eine Rechts- und Sittenüberwachung der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft selbst. Wenn es gelingen würde, die vielen demokratischen Bestrebungen aus allen Teilen der Welt in solchen digitalen Metropolen gemeinschaftlich auf gemeinsam diskutierte und akzeptierte Normen zu stabilisieren, dann wäre das digitale Netz als Medium der Informationsübertragung in Echtzeit eine unendliche Kette aus Menschen rund um unzählige Lagerfeuer, die gemeinsam über ihr Zusammenleben bestimmen und sich täglich über alle möglichen und unmöglichen Nebensächlichkeiten ihre Zugehörigkeit versichern und damit ähnlich wie das Lausen in der Tierwelt einen kulturellen Kontext herstellen, der heilende Wirkungen in der anonymen und entfremdeten Moderne gegenüber vielen pathologischen Erscheinungen entfalten könnte. Bisher haben wir allerdings nur das Lagerfeuer und die reisenden Kaufleute. Die eigentliche Veranlassung der Treffpunkte (die Versammlung zur Entscheidung über die Rechtsdinge der Sippen) ist nicht vorhanden. Schlimmer noch, die meisten Sozialen Netzwerke geben bestimmtes Verhalten in fixierten Kodizes vor und ermöglichen damit keine Kommunenbildung. Der Zusammenhalt allein durch den Austausch täglicher Banalitäten ist jedoch sehr flüchtig, wenn kein gemeinsames Erörtern von Werten und Bewertung stattfindet. Es geht hier nicht um hochtrabende ethische Diskussionen, sondern um öffentliches Diskutieren des Verhaltens Einzelner Mitglieder unter der Maßgabe, ob solches Verhalten die Anderen einschränkt, deren Wahlmöglichkeiten sogar erweitert oder es eben Zeit ist, gemeinsam Konsequenzen durchzusetzen. Explosion der modernen Demokratie Die Folge solcher Diskussionen könnte eine enorme Zunahme an sozialer Kompetenz sein, die auch im realen Leben Platz greift. Denn anders als uns die feudalen und nationalen Herrschaftsstrukturen vorgemacht haben, ist ein Delegieren der moralischen Souveränität an so genannte professionelle Entscheider der springende Punkt der aktuellen Krisen - sei es die Wertediskussion, die Finanzkrise oder gar die vielen lokalen Fehden, die sich oft zu nationalen Kriegen ausweiten. Früher dauerte es Äonen, bis sich eine Gesellschaft aus den feudalen Fangarmen der Herrscher befreit hatten. In der Moderne haben sie auf dem Papier ungeahnte Freiheit. Genau diese aber wird in einem Akt an umfassender Selbstunterschätzung wieder beschränkt, indem die moralischen Entscheidungen an Politiker, Priester und Arbeitgeber abgegeben wird. Wer das tut kann sich nachher nicht beschweren, dass sein Leben entfremdet und fremdbestimmt ist. Er müsste sich seine Souveränität zurückholen. Die digitale Stadt als Staat des 3. Jahrtausends Wie erlangt man die Macht über sein Leben zurück? Das klingt jetzt wie eine Revolution. Aber sie ist gar nicht nötig. Es geht um das Erörtern einer Welt, in der wir gerne leben wollen ohne Anonymität und Schutz gegen pfiffige Glücksritter. Allein geht es nicht. Parteien sind auch keine Lösung, sie sind eher Teil des Problems - vor allem bei ihrer Nähe zum Lobbyismus. Es geht über den Zusammenschluss der Freunde und Bekannten - in sozialen Netzwerken. Dort ist der Ort, wo man - lauthals wie im indischen Dorf - seine Meinung kund tut, seine Befindlichkeit offenbart und Trauer, Krankheit, Glück und Meinungen über neue Schuhe in inflationärer Weise verbreitet. Dann wird den marketers auffallen, dass sie zwar 600 Kleinstädte beheizen können mit dem Strom, der nötig ist, um all diese Daten zu speichern, aber die Menschen adaptieren ihr Verhalten schneller an die Verkaufstricks der Politiker, Verkäufer und Religionsverwalter als deren Machtmaßnahmen Haken schlagen können. Kurz gesagt: Die kritische Masse ist viel zu groß in einer digitalen Metropole. Man nennt dies den Netzwerkfaktor. Je größer die Masse derjenigen ist, die mitmachen, desto stärker ist der Hebel, den sie ansetzen können. Also macht weiter! Entwickelt Eure eigenen digitalen Städte mit sozialen Netzwerken aller Art und reist durch die Anbieter wie sie es mit Euch machen. Immer dahin gehen, wo am meisten zu holen ist. Ich nenne es revers capitalism. Dem Anbieter, Politiker, Religionsverwalter das letzte Hemd ausziehen, damit er einen Ansporn hat für neue Hilfen, Dienste und Produkte, die den Menschen noch besser dienen. Wer nicht dienlich ist, wird einfach geschnitten. Der Käufer des 3. Jahrtausends bestimmt Markt. Der Bürger des 3. Jahrtausends bestimmt die Politik. Und der Mensch des 3. Jahrtausends bestimmt die Moral. Bildnachweis: Foto von User rcastello auf sxc.    Verwandte Artikel

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