Lifestream » semantic

Nichts als das Netz - “Der Erfolg ist offensichtlich”

Im Januar 2008, einige Monate nach den ersten Vorboten der Kreditkrise und ein halbes Jahr vor der globalen Finanzkrise, erblickte eine 312-seitige Studie der Bank J.P. Morgan Stanley das Licht der Öffentlichkeit “Nothing but the Net“. Internet Analyst Imran Khan prophezeite einen inflationären Anstieg der Werbeeinnahmen im Web. Schneller als die Verbreitung des Internet wird der virtuelle Werbekuchen anwachsen. Die Zahlen im Search Advertising sind sowohl astronomisch als auch realistisch.

Der globale Markt für das Anbieten von Waren und Dienstleistungen innerhalb von Suchmaschinen wird bis 2010 von 22 Milliarden in 2007 auf über 50 Milliarden Dollar anwachsen. Hier eine Tabelle für die amerikanischen Werbeumsätze.

Die großen Suchanbieter wie Google und Yahoo als Zweiter der Weltrangliste platzieren sich für all die Werbemilliarden, die Zeitungen und Radio gerade verlieren. In ein oder zwei Jahren wird dann auch der Platzhirsch Fernsehwerbung dran glauben müssen. So verwundert es nicht, dass neue Ideen am Markt der Möglichkeiten ausprobiert werden. Microsoft hat seine live.com-Suche aufgehübscht mit übersichtlicher Video- und Bildersuche und Google versucht mit Google squared das scheinbar Unmögliche, nämlich Zusammenhänge zwischen Seiteninhalten im Zusammenhang der Suchanfrage in übersichtlicher Tabellenform darzustellen. Von einer semantischen Suche, wie sie allerorten herbeigeredet wird, ist das aber noch weit entfernt. Noch weiter weg befindet sich ein gepriesener Spezialanbieter namens Stephen Wolfram. Ein Mathematiker, der Teile seiner mathematica-Software und eine circa 10Terabyte großes Datenbank als Spezialsuchmaschine für statistische Fakten und naturwissenschaftliche Zusammenhänge anbietet. Man soll sogar ganze Fragen in natürlicher Sprache stellen können. Klappt leider selten zufriedenstellend. Der ganz große Werbekuchen wird ihm angesichts der sehr speziellen Klientel nicht zulaufen. Wahrscheinlich wird er den selben Weg gehen wie die ehemaligen Googlemitarbeiter, die neulich mit viel Getöse cuil starteten. Ich persönlich mag ja cuil gerne… Seltsam. Wenn man das Lamentieren der vielen Verlage beobachtet und die Marktprognosen für Suchmaschinenwerbung betrachtet, könnten sich einige Verlage gesund stoßen in den nächsten fünf Jahren. Aber die Diskussionen über Paid-Content und Kulturflatrates scheinen Berater und Produktspezialisten in der Medienwelt zu lähmen. So werden wir auch in den nächsten Jahren auf Google schimpfen und mangels Alternative täglich nutzen. So war es auch 15 Jahre lang mit Microsoft bis mit Ubuntu und Knoppix Linuxvarianten auftauchten, die sogar meine Oma bedienen kann. Es wird interessant sein, ob es eine zweite Initiative wie Wikipedia schafft, eine globale Suchmaschine zu installieren. Eigentlich ist mit dem Gedanken einer globalen Open Source Gemeinde, der semantischen Suchmaschine Open Calais und dem Willen, das Monopol zu brechen, alles vorhanden. Nur ein Führungspersönlichkeit à la Linus Torvalds oder Jimbo Wales (Wikipedia) fehlt noch. Die Community wäre innerhalb von wenigen Jahren Milliardär. Vielleicht liegt es daran: Der Erfolg ist offensichtlich. Bildnachweis: User schoenswetter auf Flickr.com

 Verwandte Artikel

Warum Cuil um das Vertrauen seiner Nutzer kämpfen muss (1) Google startet Google Squared (0) Cuil gegen Google: das Duell der Suchmaschinen (7) YouTube: Von Hui zu Pfui?! (2) YouTube unter Beschuss (1)

June 11 2009, 11:31am

Der semantische Gral

Und täglich buzzed das Murmeltier. Via Rivva bin ich auf die Buzzwelle um Stephen Wolfram gestoßen, die über den großen Teich jetzt auch in die deutsche Fach- und Bloggerpresse schwappt. Drüben bei Thomas Knüwer ist ein Teil der Geschichte in dem Post Wolfram Alpha: Wird Geschichte gemacht, geht es voran? aufgeschrieben. Worum geht es? Stephen Wolfram ist Wissenschaftler (Promotion in Theoretischer Physik im Alter von 20 Jahren) und auch sonst ein heller Kopf. Man lese dazu nur mal ein wenig in seinem CV. Im Mai soll sein neuestes Projekt namens Wolfram Alpha an den Start gehen, eine Such- … ne … eigentlich Antwortmaschine, die Google angeblich den Rang ablaufen kann. Alpha, so die Behauptung, soll Antworten auf konkret gestellte Fragen liefern, also nicht Ergebnisseiten auf Basis einer Sucheanfrage, sondern Antworten auf Fragen. Ein Versprechen, das oft gegeben, aber bisher gar nicht oder nur sehr rudimentär und in bestimmten klar definierten Wissensbereichen gehalten werden konnte. Semantik und neuronale Netze Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit mit Roy Uhlmann und Dr. Klaus Holthausen von Qimaya zu sprechen, die mit Qimaya ebenfalls einen Weg gefunden haben (wollen), wie man mit Hilfe mathematischer Formeln eine an die neuronalen Prozesse im menschlichen Gehirn angelehnte Erschließung der Informationsbestände im Web abbilden kann. Dresden Future Talks 2009: Dr. Klaus Holthausen und Roy Uhlmann from Steffen Bueffel on Vimeo. Zum Wolfram Alpha gibt es eine Reihe lesenwerter Beiträge, u.a. bei Twine, Venturebeat, Arstechnica und beim Guardian. Die Verheißungen und der Buzz sind verführerisch. Aber ob nun der eine, der andere oder irgendwer sonst den semantischen Gral aus den Tiefen des Möglichen heben kann, muss sich erst zeigen. Da heisst es im Falle von Wolfram Alpha abwarten. Denn alles neu macht der Mai.

 Verwandte Artikel

Social Bookmarking 3.0 – Twine verbindet die Interessen (0) Seifenblase oder die Zukunft des Web? (2) Mufin – Finde Musik nach Deinem Geschmack (1) Linktipps: 10 semantische Web Apps (0) Linktipp: StockMood gibt Prognosen über Aktienkurse ab (1)

March 10 2009, 8:12am

Seite 1