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INTERVIEW: Constanze Kurz zu Datenschutz

Auf der re:publica11 hat Constanze Kurz vom CCC den Netzpiloten und dem SAE-Team ein Interview zum Thema persönliche Daten, deren Schutz bzw. Transparenz der Speicherung gegeben.

May 20 2011, 10:15am

Stefan Schultz über Fragen der Energiewende

Der Spiegel-Redakteur Stefan Schultz erklärte auf der re:publica11 seine Sicht auf die Energiewende, Smart Grids sowie Smart Metering (also das Verbinden von Web und Stromverbrauchsmessung):

April 19 2011, 10:32am

Prof. M. Haase über Freies Wissen & Wikipedia

Auf der re:publica11 hat uns Prof. Martin Haase seine Ansichten zu Wikipedia und freiem Wissen im Netz erklärt.

April 18 2011, 10:15am

re:publica11: Digital Gesellen schaffen

Auf der re:publica in Berlin geht es immer um das Ganze: den Menschen, am besten in Gruppen, in großen Gruppen – die größte Gruppe ist die Gesellschaft, zumindest dort wo es keine nationalen Grenzen gibt, im Internet. Was die Gesellschaft ist, das ist keinem so ganz klar. Es sind zumindest deutlich mehr als nur mehrere Menschen…

Vom Ich zum Wir? Heutzutage ist es offenbar wichtig, dass man sich in Gesellschaftstechnik auskennt. Mein man es ernst, man macht auf Gruppenhydraulik oder Systemtheorie. Ewiggestrige – vornehmlich aus Frankfurt – finden “det janze Jetue mit die andern” vor allem entfremdend. Eines Tages hatte das nabelschausüchtige Ich, das sich schon im 19 Jahrhundert aus dem Kokon der Selbstsucht durch die Liebe befreien wollte, keinen anderen Ausweg mehr gefunden als in den Anderen bzw. die Andere: Bei Rilke waren es noch die Liebenden, die seitenweise zum Zentrum der Welt wurden. Dann wurde dem geneigten Modernisten klar, dass er sich die Welt nur aneignen kann, wenn dort vieles vorstellbar ist. Heute nennt man as gerne das Ganze. Also am besten gleich alles, was nicht die Physik mit ihren Gesetzen durchlöchert. Dann kam das Internet und nun haben wir den Salat. Denn der Mensch hat – anders als andere Tiere – gleich den gesamten Globus bevölkert. Dann kam der Markt. Beides zusammen markiert der Begriff Globalisierung. Das aber ist vielen zu groß. Also geht man einen Schritt zurück in die Kategorie der Funktionen. Schrift: Die Wir-Funktion Die besondere menschliche Adaptationsfähigkeit in alle Regionen der Welt zu leben, könnte eigentlich reichen als unique selling point (USP) der humanoiden Primaten. Aber nein. Seit einigen Jahrzehnten muss nun die Sprache als das Kulturwerkzeug schlechthin herhalten. Weder die Axt, noch Rad oder gar die Dampfmaschine haben einen derart hohen Stellenwert behaupten können über die Jahrhunderte. Die Sprache selbst gehört aber seit den Tagen des Pergaments – also der Speicherung als Schrift – den langweiligen Geisteswissenschaftler, nun hat man sie einfach in Wissenspakte gebündelt und stapelt sie auf Servern. So ist die Sprache eingefroren worden und in großen Blöcken ins Tiefkühlfach namens Internet für spätere Untersuchung zwischengelagert. Dort kann man sie in Textform herrlich als Ware umetikettieren. Und wie verbindet man die Text und die Menschen sinnvoll? Der Geniestreich, aus verstreuten Bibliotheken eine weltweite Zentralbibliothek mit Lichtgeschwindigkeit zu machen, veranlasst vermeintlich rührig auftretende Mathematiker (Gunter Durck) auf der Web-Konferenz re:publica dazu, diesen Speicherort als (System- oder gar Funktions)-Grundlage für etwas zu betrachten, das nach all den Jahren der bahnbrechenden Erfindungen noch immer nicht erschöpfend erklärt werden kann: die Gesellschaft. Aus Sicht seines Arbeitgebers IBM wäre das ein tolle Sache. Was aber ist dieses Gesellschaftsdings? Ein Ganzes? Eine Schnittmenge? Ein allumfassendes wie Nation? Oder einfach eine Senke in die die Texte aus den Quellen absinken, wenn die Herren der Server und Leitungen dies erlauben (siehe Gas- und Stromnetze)? Diese Gesellschaft sollen wohl einfach wir alle sein. Plus ein paar Migranten, die nett sind und eine brauchbare Ausbildung haben, ein paar Irre, die in Krankenhäusern wohnen, Millionen von grillenden und mampfenden Arbeitern, die gerne nichts mit dem Web zu tun haben, weil das null entspannend ist nach der Schicht und eben noch all diejenigen, die außer mal eine Mail zu schreiben oder ein Buch zu bestellen keinen Mehrwert im Web sehen. Ach so, dann habe ich noch die vergessen, die ihr Leben in St. Moritz, in Johannesburg oder auf den Malediven genießen, weil andere für sie arbeiten oder gearbeitet haben. Dann wären da noch all diejenigen, die über das Internet lachen, weil da nur Deppen rummachen, die keine Frau abkriegen und diejenigen, die Kinder bekochen, baden und anziehen oder umher fahren. Die meisten von denen, die man auch zur Gesellschaft rechnen kann, die nutzen das Web genauso oft wie ein normaler Mensch eben das Radio oder ein Telefon benutzt. Nebenbei mal. Oder um was jemandem mitzuteilen. Die lernen nicht im Web. Die beteiligen sich auch nicht im Web am Staat. Die müssen nämlich einfach mal ihre Leben auf die Reihe bekommen, was zwischen Kinder abholen, arbeiten, kochen, Männer oder Frauen aufreißen und nach Hause fahren nicht eben viel zeit übrig lässt. Leider hilft ihnen das Internet exakt null bei 95% der täglichen Handlungen. Warum man dann das Ganze als Betriebssystem ausbauen soll, ist mir schleierhaft. Der CTO von IBM Gunter Dueck hält es für sinnvoll. Deshalb teilt er einfach die Menschen in zwei Arbeitskategorien ein. Weil nämlich die Soziologen sich beim B Begriff Gesellschaft nicht wirklich einigen konnten, kann man ja mal beim Begriff arbeitender Menschen ein paar Kategorien einziehen. Also gibt es welche die sich verwirklichen, so ganz im Stil des 18. Jahrhunderts mit romantischer Verinnerlichung und dem Veräußerlichen dieser Empfindungen als Individuation. Dann gibt es da noch die moderne Variante des Menschen als Cyborg, der als verlängerte Maschine einfach die Dampfmaschinen bedienen muss und nur numerisch gilt als Einheit im Effizienzmodell der Tayloristen des 19. Jahrhunderts. Die politische Kaste sei angesichts dieser beiden Modelle und des fehlenden Betriebssystems ganz lächerlich geworden, weil sie ja nur in Marktbedingungen den Menschen sehen kann, nämlich als Besitzenden von Arbeit und Nachfragenden von Arbeit. Außerdem haben diese Politiker eh keine Ahnung von der digitalen Revolution. Aber Rettung naht. Denn mit dem Verein der Digitalen Gesellschaftkann nun erstmals quasi eine postmoderne Initiative Neue Soziale Medienmodernisten (INSM) als Ansprechpartner der Politiker dienen. Ob sie allerdings wie die Investmentbanker die Gesetze, die sie kontrollieren sollten, auch selbst schreiben dürfen, darf bezweifelt werden. Das Problem an der Vereinsmeierei in Zeiten des Web ist das Problem des Dezentralen. Denn Kern des Internet ist ja, dass es keiner Sterntopologie folgt sondern idealerweise alles mit allem verbunden ist. Nun stöhnt ) aber die Netzgemeinde, dass sie mit diesem Verein gar nicht verbunden ist. Wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt, wenn man den Herrn Prokrustes anruft, auf dass er alle gemein mache und zu einem Maß zurechtschnitze. Ob nun ein Verein gar das richtige Mittel ist? Denn Hierarchien wachsen entweder von allein oder werden per ordre mufti erlassen. Im Internet Mufti zu spielen, kann ganz lustig sein. Aber das eine Problem ist, dass zumeist semiprofessionelle Schauspieler diesen Mufti spielen und ihnen nach erreichter Profilgröße nicht selten die Lust abgeht. Das andere Problem ist, dass man im Netz gern Augenhöhe propagiert. Wenn es dann aber um konkrete Ausgestaltung von Ideen und Vorhaben geht, die crowd sich gerne wegduckt und auf den Mufti verweist. Das kann den Mufti sehr schnell ermüden, er lahmt, strauchelt und fällt der Länge nach ins Nest des Marktes, wo er durch allerlei goldene Krücken wieder in die Vertikale gebracht wird. Das aber ist sicher nicht im Sinn der Gesellschaft, weder der digitalen noch der analogen. Nebenbei bemerkt. Ich glaube, dass es keine diskreten Werte in der Gesellschaftstechnik gibt. Sodass eine digitale Gesellschaft in etwa denselben inhaltlichen Rahmen beschreibt wie eine physiologische Fuge oder eine hydraulische Zärtlichkeit. Kurz gesagt: Weder IBM noch anerkannte Berliner Netzexperten werden mithilfe des Netzes eine Gesellschaft modernisieren, die mit unbändiger Beharrlichkeit dem Gott des Kosten/Nutzen-Verhältnisses huldigt. Offenbar brauchen beide eine kleine Lektion Evolution oder spirituelle Nachhilfe…

Fazit: Es ist weder besonders schlau, die Menschen anhand ihres Arbeitstils zu schubladisieren noch ist es hilfreich, einen Verein für Gesellschaft zu gründen. Denn zum einen ist der Mensch des 3. Jahrtausends exakt in diesem Moment dabei sich mittels des Internet und der Globalisierung selbst zu begegnen hinter all den Traditionen und fremden Kulturen und zum anderen ist in diesem Internet im besten Fall eine Plattform greifbar, die die sklerotischen Strukturen eines Vereines überflüssig macht. Einzig die archäologischen Artefakte des 19. Jahrhunderts, die wir als Parteien oder Verbände kennen, wären ein Grund, ähnliche Hierarchien aufzubauen. Aber ähnlich wie der Ruf nach einem (!) Betriebssystem für eine extrem heterogene Gesellschaft (wie technokratisch die Technoliberalen zuweilen sind, ist zuweilen ermüdend) ist auch das Aufbauen einer archaischen Gestalt wie einem Verein nichts anderes als die Hilflosigkeit der alten Welt gegenüber einer tabula rasa. Die Chancen, die im Web liegen sind manigfaltig. Es wäre schön, wenn wir endlich verstehen würden, dass evolutionäre Strategien, die viele Wege gleichberechtigt nebeneinander erlauben, der einzige Weg sind, Heterarchien, Mehrdeutigkeiten, vermeintlich Nutzloses und für den Betrieb bisher Unbrauchbares so lange existieren zu lassen, bis es Anderem Platz macht, dass alte Lösungen, Modelle und Ideen zu Übergreifendem zusammenzufasst. Einsteins Theorien haben nicht einfach alte Fakten neu bewertet. Sie haben ganz neue Perspektiven auf Bestehendes ermöglicht. Insofern geht es nicht um einen Paradigmenwechsel, der durch neue Betriebssysteme und Vereine eingeleitet wird: Es geht darum Syntagmata zuzulassen. Denn erst die mathematischen Hilfestellungen von Einsteins Frau haben seine Theorien in breiten Kreisen verständlich und überprüfbar gemacht. Es kann also sein, dass uns das Internet, bei behutsamem Einsatz und geduldiger Betrachtung der anderen Menschen weltweit neue Perspektiven auf Macht und Nationen verleiht. Das kann unser einengendes Modell des Systems oder der Demokratie vollständig in Luft auflösen und eine übergeordnete Einsicht verleihen – auf den Menschen und sein Zusammenleben. Doch der Anfang dazu ist die Öffnung und nicht die Zähmung und Strukturierung der neuen Chancen.

Photo: click

April 18 2011, 9:51am

#rp11 – worum geht’s?

Heute um 10 ist die re:publica 2011 gestartet. Die einzige deutsche Web-Konferenz mit nennenswerter nationaler Relevanz wächst und wächst. Es kann sein, dass sie den Nerv der Zeit trifft. Es kann aber auch sein, dass die Konferenz immer besser und attraktiver wird. Wahrscheinlich ist beides. Seit einiger Zeit ist der Themenschwerpunkt digitaler Aktivismus zentral. Das hat gute Gründe, denn seit in Afrika das Netz wirklich politisch eingesetzt wird, was seit circa 2008 der Fall ist, haben auch wir ehemaligen Trendsetter der digitalen Welt gemerkt, dass da was geht. Ja, was geht denn da? … Zum einen ist da natürlich die Monitoringfunktion via Web a la ushahidi, die sich letztlich gerade auch in Haiti bewährt hatte. Leider müssen wir feststellen, dass genauso wie beim Tsunami in Südostasien noch mindestens Hunderte Millionen Spendengelder ungenutzt auf den Bankkonten liegen, weil es an der Umsetzung hapert. Es steht zu befürchten, dass Korruption und bürokratische Verschleppung in beiden Fällen den allergrößten Teil der Spendenwilligkeit torpedieren. Damit sind wir beim zweiten Punkt des digitalen Aktivismus: der Partizipation. Hier gibt es nicht nur mit campact sogar nationale Beispiele der funktionalen Verschränkung von online und offline Aktivitäten. Die Partizipation kann sogar durch das einfach Versenden von Informationen bzw. Links ganze Heerscharen aus den unterschiedlichsten sozialen Milieus aufrütteln wie es unlängst in Tunesien und Ägypten geschah. Dann aber kam eine neue, alte Funktion dazu: Das Web als neue Form der Presse. Denn in den diktatorisch geprägten Ländern sind die Massenmedien gleichgeschaltet. Zuverlässige Informationen werden dort als im Netz gesucht. Diese besondere Auffassung der Informationen im Web macht nicht nur den lokalen Regimes Probleme sondern auch den alteingesessenen Medien in den westlichen Ländern zu schaffen. Insofern ist es verständlich, wenn sie nach Subventionen für ihre dahinsiechenden Geschäftsmodelle rufen. Denn sie haben sich an die hohen zweitstelligen Gewinnmargen gewöhnt und bekommen schon Herzattacken, wenn sie sich mit zehn bis zwölf Prozent Margen begnügen müssten. Insofern ist es nur natürlich, dass auf der re:publica auch Finanzierungsmodelle der Medienproduktion diskutiert werden. Denn manche Journalisten merken, dass sie die Verleger eigentlich gar nicht mehr brauchen. Das sehen die Leser und Zuschauer aktuell nur bedingt so. Aber genau dieser Stelle könnte sich in den nächsten Jahren am meisten ändern, wenn das Web in den Fernseher wandert. Denn dann wird das Volk das riesige Angebot wahrnehmen und die Navigatoren werden die Sieger sein. Das Volk kann und soll auch am hiesigen politischen Willensprozess teilnehmen. Leider beobachtet es seit einigen Jahren, dass Gesetze von denen verfasst werden, die es begrenzen soll. Das Volk sieht auch, dass gewählte Politiker lächerliche Auffassungen von allgemeiner Willens- und Meinungsbildung haben und daher nur in kleinen Zirkeln Beschlüsse fassen, die nicht selten sogar an Gremien vorbeiführen. Insofern entwickelt sich der westliche Staatsapparat immer mehr in Richtung Herrschaft der Einfluss(Reichen), also eine Plutokratie. Die Politiker kommen zumeist aus der Mittelschicht und wechseln direkt aus ihren Ämtern in die Spitzen von Verbänden oder gar Industrieunternehmen. Es wäre an der Zeit, das Web zu nutzen, um diese prädemokratischen Prozesse zu diskreditieren. Leider haben wir aber die Transparenzdiskussion bekommen. So hüpfen junge Menschen umeinander und ereifern sich um Privatsphäre und Transparenz der Bürger. Die Politiker, die deutlich höher im öffentlichen Interesse (und in dessen Diensten) stehen sind noch immer besser geschützt als jeder facebook-Nutzer. Leider.

April 13 2011, 10:04am

Interview on Web: Society & Technology

Video-Interview mit Nishant Shah vom Center for Internet and Society in Bangalore, Indien. Themen sind der Kontext von Webtechnologien und dem alltäglichen Leben der Menschen überall auf der Welt – vor allem bezogen auf den Begriff digital natives, den Shah eher kritisch neu interpretiert:

Untitled from Netzpiloten on Vimeo.

March 16 2011, 10:00am

Das Internet ist neutral ist neutral ist neutral

Seit einiger Zeit verfolge die engagierten Diskussionen rund um das Web als Mittel um zu (der Leser setze hier eine große Idee ein). Da die Gesellschaft, in der wir leben, einem ständigen Wandel unterliegt, fallen damit schon mal die Experten aus dem Raster meiner Anerkennung, die sich nicht zu schade sind, diese ewigen sozialen Veränderungen auf das Netz als Ursache zu beziehen. Noch weitaus größere Probleme habe ich, wenn der Begriff der Kultur in diesem Zusammenhang fällt. Denn Kultur kommt nicht nur aus dem Latinischen cultura (Pflege und Ausbilden), sondern hängt auch eng mit Kolonie zusammen. Die Wissenschaft ist sich nicht einig darüber, ob damit eher das gemeint ist, was allen Menschen zu kommt oder eher das, was bestimmten Gruppen oder Epochen aus einer distanzierten Perspektiven als einheitliche Eigenschaften von außen zugesprochen wird. Da wir als aktive Netznutzer keine Außenperspektive haben und das Netz sowieso nur 5-10% der Weltbevölkerung zur gewünschten Nutzung zur Verfügung steht, ist dieser Begriff im Kern ein Fehlgriff. Ähnlich verhält es sich ja mit dem Begriff der Intelligenz, der sich bis heute einer verständlichen und vor allem weitgehend übereinstimmenden Definition entzogen hat. Leider ist das für einige Zeitgenossen kein Grund, diesen kaum wissenschaftlich bezwingbaren Gedanken der Intelligenz nicht als Basis für andere Erklärungen zu nutzen. Mit dem Mikroskop auf die Bevölkerung zielen

Aber kommen wir zurück zu der Gesellschaft. Diese Zusammenfassung von rund 80 Millionen Deutschen zu einem Untersuchungsgegenstand ist in bezug auf das Web eine meistens unzulässige Verallgemeinerung, denn rund 40 Millionen, also rund die Hälfte nutzen das Web kaum bis gar nicht. Trotzdem finden sich immer wieder seriöse Wissenschaftler, die ihren Werkzeugkoffer mit Messinstrumenten aufschlagen, ein wenig an der Bevölkerung herum messen und dann eine Diagnose stellen, die verblüffend oft auch von einer Diagnose begleitet wird. Diese ungefragten Anamnesehelden und Sozial-Therapeuten verfolgen Ziele, die selten über das Profilieren als Berater oder Experte hinaus gehen.

Das ist insoweit nett, da auf diese Weise die Entscheider aus Politik und Wirtschaft jeglicher Verantwortung enthoben sind, da sie bei Nichtgefallen oder Fehleinschätzung einfach auf den Kreis der Experten verweisen (Ausschuß, Kommission oder Arbeitskreis) und schulterzuckend und mit vollem Ernst darlegen können, dass man die besten Köpfe eingekauft hatte. Was sind nun aber diese besten Köpfe?

Ich hatte auf der re:publica10 die Gelegenheit, eine Menge an Sprechern zuzuhören. Einige bezeichnen sich selbst als erfahrene Berater, weil sie eine Vergangenheit mitbringen, die sich leicht mit einem gegebenen Thema assoziieren läßt. Andere tragen einfach das Thema vor, das ihnen seit langem im Kopf und im Handeln umgeht und eine dritte Gruppe scheint zu den Universalgenies zu gehören. Die werden binnen Jahresfrist zu jeder Sau Chefexperte, die die Medien durchs Dorf jagen. Die vierte Gruppe rekrutiert sich oft aus der ersten oder der letzten Gruppe und versucht, selber Themen zu setzen. Wer ein Schlagwort erfindet, das andere lang und breit diskutieren, der gilt im nachhinein als kompetent genug, eine seriöse Bewertung abzugeben. Je Experte desto weniger Alltagsnutzer

In Bezug auf das Web und die Gesellschaft werden dabei meistens diejenigen vergessen, um die es sich drehen soll: Die Nutzer und mehr noch die Noch-Nicht-Nutzer. Und, liebe Leute, Befragungen sind mitnichten ein Akt der Erkenntnis sondern das Zeichnen von Blättern für die Rorschachtests der akademischen Deuter. Als die alte Frontlinie zwischen konservativen Kräften und linksliberalen Aufklärungshelden zerbrach und in den 70er und 80er Jahren in Kalifornien die technolibertären Hippies das marktliberale Credo der Konsumisten mit dem Freiheitsgedanken der bürgerlichen Revolution verbanden, schien die Welt in Ordnung. Ein dritter Weg war gefunden: Das Individuum musste nur durch strenge Selbstbefreiung, dazu gehörte auch ungezwungener Konsum von immateriellen Gütern wie Therapiewochenenden oder Befreiungskursen und das Genießen guter Produkte sein Karma in eine Balance bringen und schon waren die Marktwirtschaft und revolutionäre Menschenverbesserungstheorien vereint.

Auf dieser Basis gedieh das subversive Konsumieren von Netzcommunity zu einer Mischung aus Revolution und Selbstentblößung. Denn über die Telefonnummer des Modems mit dem man sich einloggte, war fast jeder 1:1 identifizierbar. Da half weder das anonyme usenet noch abenteuerliche Kampfnamen aus der Komikwelt. Aber die Illusion des freien Raumes im virtuellen Netz war perfekt. Da aber einige Hacker und Cracker wirklich die Freiheit erlangten und machen konnte, was sie wollten und mit welchen Daten sie wollten, wurde schnell allen klar, dass es vielleicht doch eine ordnende Instanz gibt, die auch im digitalen Netz die alten Regeln bewahrte. Im Kern hatte sich also nichts an den Machtverhältnissen geändert, nur das die freien Datennutzer recht bald eine Armada an polizeilichen Institutionen an die Seite gestellt bekamen, die exakt dasselbe abbildeten, was wir auch in der berührbaren Gesellschaft der menschlichen Körper vorfinden.

Nun hat sich auf technologischer Ebene in deutlich langsamerem Tempo die Verbreitung von Buchstaben per Papier zu einer Verbreitung per Bits im Netz gewandelt. Und schon kommen die ersten Experten und deuten uns die gesellschaftlichen Auswirkungen. Aus meiner Pespektive kämpft im Mantel der Netzdiskussion noch immer der konservative Flügel in Gestalt der neuen Bürgerlichkeit gegen den fortschrittsgläubigen Flügel der professionellen Aufklärer und Menschenverbesserer. Dazwischen stehen die technolibertären Menschen (zumeist Männer) die noch immer glauben, dass mehr Technologie auch mehr Potenz realisiert. Wofür diese Potenz eingesetzt werden soll, hängt dann von Einflüsterungen der anderen beiden Seiten ab. Die Einen wollen die Welt verbessern, die anderen möchten diese beste aller Welt so schön wie möglich erhalten.

Während wir diese leeren Diskussionen und noch leereren Weltdefinitionen in Dutzenden Reden über uns ergehen lassen müssen, werden Blogger in China oder im Iran eingesperrt oder gar ermordet. In Russland übernimmt die Führungselite klammheimlich die Meinungsführerschaft in der Bloggerwelt und Amerika ist sich nicht zu dumm, eine 5-Millionen-Dollar Initiative für Bürgermedien ausgerechnet mithilfe des Außenministeriums im Mittleren Osten zu implementieren. Eine Bitte um etwas mehr Rücksicht mit Leuten, die echte Risiken eingehen

Es ist also deutlich erkennbar, dass die neue Transparenz der Sozialen Medien deutlich Anzeichen erkennen lässt, dass Dissidenten und Andersdenkende sich mit diesen Mitteln um Kopf und Kragen bringen, weil sie so schön leicht identifizierbar sind. Und uns fällt nichts Besseres ein, als Projekte wie wikileaks als “ganz nett” zu bezeichnen, die als Einzige überhaupt versuchen, den Informantenschutz in dieser schönen neuen post-privacy Welt durchzusetzen. Und dann höre ich mir von einem Organisationspsychologen verstaubte systemtheoretische Kenntnisse aus den Achtziger Jahren an, die und den “brandneuen” Kulturkampf im Internet zwischen Konservativen und Linken als neues gesellschaftliches Phänomen verkaufen. Ich höre mir an, wie technoliberale Web-Experten noch immer den Glauben an die gute akademische Verursachung  des dezentralen Netzwerks namens Arpanet verkaufen und nicht wenige junge und alte Denker glauben, es wäre gut für alle, was ihrer Karriere zu mehr Schwung verholfen hat. Gerade diese Adepten der neuen Offenheit, von Mark Zuckerberg über Jeff Jarvis bis Christian Heller scheinen in keiner Weise zu verstehen, dass es Millionen von Menschen gibt, die extrem negative Folgen erleben würden, wenn sie alle Daten und Gedanken in ihrem Kopf einfach selbstlos der Allgemeinheit übereignen. Aber am meisten wurmt mich deren Unterstellung, dass es offenbar ein böser Wille ist, der ihnen kritisch vorhält, dass nicht jeder profitiert von einer Selbstentblößung. Nur weil sie daran glauben, dass einem immer dann Gutes widerfährt, wenn man selber Gutes will, muss man ihnen ja nicht auf diesem messianischen Weg folgen in das heilige Land, wo aus Daten und Informationen einfach so eine emanzipierte und machtvolle Gesellschaft erwächst. Etwas mehr Differenzierung könnte man schon erwarten. Aber die dialektische Vorgehensweise der Systemtheorie mag vielen den Blick auf die mehrwertige Bedeutung von Beobachtetem und Erdachtem verunmöglichen. Manchmal ist die Reduktion von Komplexität in Modellen und Metaphern eben der erste Schritt in Irre… Bildnachweis: pjhudson, ardelfin

April 23 2010, 11:47am

Livestream re:publica10 Quatsch Comedy Club

April 16 2010, 2:49pm

Livestream re:publica10 FSP

Es gibt einen Knopf zum An/Ausschalten eines Streams neben dem Lautsprechersymbol unten.

April 16 2010, 10:00am

Livestream re:publica10 Kalkscheune

April 15 2010, 10:01am

Livestream: re:publica10 FSP

April 15 2010, 10:00am

re:view zur re:health

Im Rahmen der re:publica09 fand die Subkonferenz re:health statt. Ja auch die Blogger und Twitterer dieser Welt werden mal älter und bedürfern ab und an medizinischer Versorgung. Auf dem Programm standen die Themen Healthcare, Patientenkommunikation und Datenschutz. Diese Subkonferenz wurde von Martin Schmidt organisiert.

Nach einer kurzen Einführung von Martin Schmidt, startete Alexander Schachinger mit seinen Vortrag über Healthcare meets Social Media. Dabei gewährte er interessante Einblicke wie Patienten in den USA das Internet nutzen. Dort ist das Internet für die Patienten längst zur wichtigsten Informationsquelle geworden. Es gibt eine Reihe von Gesundheitsplattformen, auf denen sich User untereinander vernetzen können, z. B. patients like me. Eine andere innovative Plattform ist medgle, wo der Nutzer per Mausklick zum entsprechenen Symptom sämtliche möglichen Krankenheiten aufgelistet bekommt. Nichts für Hypochonder oder ängstliche Menschen. Weiter ging es mit einem kurzen Panel zum Thema Medizin2null - User Generated Health? mit dem Geschäftführer von docinsider Ingo Horak und Kai von Harbou von doctr.com. Zur Diskussion stand, in wie weit Ärztebewertungsplattformen wirklich bei der Arztbewertung hilfreich sein können, sehen doch die einzelnen Bewertungssysteme nur die Erhebung sogenannter weicher Faktoren vor, sprich Praxisatmosphäre und Freundlichkeit des Arztes bzw. des restlichen Personals. Unter dem Titel Krankenhauskommunikation 2.0 stellte Kai Sostmann, Kinderarzt in Charitè Berlin, Kommunikationsformen vor, die das Krankheitsverständnis sowie die Integration zwischen den kleinen Patienten, den Eltern und Ärzten, aber auch die Interaktion der Ärzte untereinander erleichtern soll. So gibt es ein geschlossenes Patientenwiki, ebenso wie speziell abgewandelte Spiele, in denen sich Kinder interaktiv mit ihrer Krebserkrankung auseinandersetzen können, z.B. in einen Egoshooter. Zur Unterstützung der Ärztearbeit gibt es die Medpedia, in der Fachbegriffe nachgeschlagen werden können. Der Rechtsvortrag von Wolf Constantin Bartha und Harald Zwingelberg befasste sich mit Fragen des Datenschutzes und gab Einblicke in das Heilmittelwerbegesetz. Dieses Gesetz regelt die Datenfreigabe sowie das Fernbehandlungsverbot für Ärzte. Die bei Unternehmen sonst so beliebten Danksagungen ihrer Kunden, die gerne auf den Webseiten zitiert werden, sind für Ärzte verboten, ebenso wie Schmähungen der Ärzte untereinander. Im Schlusspanel diskutierten Tobias Neisecke, Clemens Lerche und Peter Tinnemann über die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Herr Timmemann gab zu Bedenken, dass Patienten oftmals unqualifiziert ins Netz reinschreiben. Da müsse der Staat dann „…eingreifen, und regulieren wenn Patienten ihren E-Müll ins Netz stellen“. Darüber kann man ja geteilter Meinung sein. Diskutiert wurde natürlich auch über die Schattenseiten der Patientenkommunikation. So wurde ins Feld geführt, dass durch falsche Hinweise aus einem der Medizinforen ein Patient seine Medikation verändert habe und nun dauerhaft krank sei. Fazit: eine gelungene und informative Veranstaltung über ein Thema, welches in Zukunft wohl sehr stark an Bedeutung gewinnen wird. Ich, für meinen Teil, hätte mich über noch mehr Zuschauer und Teilnehmer gefreut.

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April 7 2009, 10:03am

Shift Happens @re:publica

Shift Happens ist das Motto der diesjährigen re:publica - frei übersetzt: Veränderung findet statt. Im Klartext-Video erklärt re:publica-Organisator Markus Beckedahl, was damit gemeint ist.

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April 2 2009, 7:25pm

Klartext: Was ist ein Poken?

Der heiße Scheiß auf der diesjährigen re:publica sind Pokens. Die kleinen Schlüsselanhänger helfen, Ordnung zu wahren im Konferenzrausch. Anstatt Visitenkarten zu tauschen und sich später online auf all den diversen Onlinenetzwerken zu verbinden, genügt es jetzt, die kleinen Pokens aneinander zu reiben und der Rest geschieht von selbst. Aber lange Rede, kurzer Sinn: Florian “dotdean” Krakau erklärt das viel besser selbst im Klartext-Video.

Klartext: Poken from Blogpiloten on Vimeo.

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April 1 2009, 4:26pm

Sprich Klartext! Heute @re:publica 09

Während ich das hier schreibe, ist unser Blogpiloten-Bus bereits auf dem Weg zum Friedrichstadtpalast, wo heute die re:publica losgeht. Und so sieht er aus:

Wir nehmen dort heute vor allem Klartext-Videos auf, in denen Begriffe aus der Web 2.0-Welt erklärt werden - kurz, knapp und einfach verständlich. Und: von euch. “No Tech Arrogance” ist das inoffizielle Motto, das uns dabei antreibt, wir wollen auch Einsteigern helfen, ihren Weg ins Web zu finden. Und die re:publica ist dafür genau der richtige Ort, denn bei keiner anderen Konferenz in Deutschland kommen sie alle in dieser Mischung zusammen: die Blogger, die Hacker, die Journalisten und die einfach nur Interessierten. Würde mich freuen, wenn du bei mir am Blogpiloten-Bus vorbeischaust und ebenfalls einen Begriff erläutern könntest - es dauert knapp 5 Minuten. Und der Bus ist tatsächlich sehenswert ;)

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April 1 2009, 7:39am

Blogpiloten-Bus @ re:publica 09

Die re:publica steht vor der Tür, am Mittwoch geht’s los. Damit versammelt sich auch die deutsche (und diesmal auch verstärkt internationale) Bloggerszene in Berlin. Die Blogpiloten sind natürlich wieder dabei. Und diesmal haben wir ein besonderes Gadget dabei: Keine besonders kleine Kamera und keinen nagelneuen Laptop, sondern - einen Bus. Und nicht irgend einen Bus, sondern ein mobiles Fernsehstudio. In diesem Bus werden wir den gesamten ersten Tag der re:publica Klartext-Videos und Interviews aufzeichnen. Am Nachmittag gibt es dazu nach Möglichkeit eine Sondersendung mit den Jungs & Mädels von Pl0g und Berlinblase. Haltet Ausschau nach einem großen schwarzen Van direkt vor dem Eingang. Der Bus sieht zwar nicht ganz so aus wie der des A-Team hier im Bild, aber ihr findet uns leicht. Und kommt vorbei, um uns zu helfen, weitere Fachbegriffe zu erklären in kurzen, knackigen Videostatements. Damit niemand außen vorbleiben muss, wenn wir über das Web diskutieren. Wir freuen uns!

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March 30 2009, 12:53pm

Re:Publica 2009: Der Trailer zum Mitträllern

February 18 2009, 7:59am

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