Lifestream » paidcontent

Was nicht an flattr liegt, aber trotzdem schlimm ist

Ich habe einen Artikel von Sascha Lobo gelesen und nicht nach wenige Sätzen weiter geklickt. Mindestens einer von beiden muss sich verändert haben. Es geht um das Thema flattr, das mich seit einigen Monaten umkreist. Zugegeben, spätestens seit der FOCAS-Konferenz im Sommer letzten Jahres, wo Frau Typaldos ihr Kachingle vorgestellt hat und dem seltsamen Siegeszug von Huffington Post, hat die öffentliche paidcontent-Debatte das embryonale Stadium verlassen. Ich weiß wohl, dass das Leistungsschutzrecht, also die öffentliche Unterstützung darbender Milliardäre ein Gegengewicht gegen Muttis Präsentkorb für Anleger und Banker darstellen soll.

Mit flattr konnte ich mich bisher nicht wirklich anfreunden. Es mag an dem Xten like-Button liegen, der zusätzlich zu den twitter, digg, MisterWong und sonstwas Icons dazugekommen ist. Ich glaube, dass das Bekleben von Kofferraumhauben, Laptops und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs noch nie zu meinen bevorzugten Anischten der Welt gehörte. Die unzähligen Buttons im Web machen es mir nicht leichter. Sicher, sie lassen sich rückstandsfrei entfernen ohne Cilit Bang oder einen Heißluftfön. Aber unter dem Lobo-Artikel, in dem er erklärt, warum er flattr nicht so feitert, stand ein unscheinbarer Kommentar, der es in sich hatte:

Was mich auch wundert und skeptisch macht: Dass gerade bei den mittelgroßen bis großen Blogs auch “fremde” Inhalte geflattert werden. Wer sind diese Menschen, die ein Fettes-Brot-Video auf Spreeblick flattern? [...]

Ja, genau das ist es, was mir schon öfter aufgefallen war. Nicht unbedingt die Tatsache, dass kleine Blogger die großen Blogger “reich” machen, ist bedenklich. Jeder ist ja frei, zu tun, was ihm oder ihr beliebt mit dem erarbeiteten oder ererbten Geld. Aber das Entlohnen fremder Leistungen geht doch dann wirklich und entschieden zu weit, oder? Da wäre es gut, eine ethische Komponente einzubauen. Vielleicht sollte man Mißbrauch per “flag setzen” melden. Ob Sunde allerdings derjenige ist, der sich einer Ethik öffnen würde, kann bezweifelt werden.

July 6 2010, 10:03am

Ein Herz für Erzeuger

Viele Leute in der Medienbranche können sich nicht vorstellen, dass Nutzer bei kommerziellen Inhalte-Angeboten in großem Stil anfangen, freiwillig zu zahlen. Letztlich wird es die Zeit zeigen und so langsam haben wir ja auch mit Kachingle, Flattr & Co. immer besser geeignete Möglichkeiten, um solche Modelle zu erproben. Und wenn man irgendwann mal bei Facebook ein “Like” mit einem kleinen Geldbetrag verknüpfen kann, dann wird richtig Bewegung in die Sache kommen.

Fakt aber ist, dass die Idee des freiwilligen Bezahlens gar nicht so neu ist, wie häufig getan wird. Beispiele dafür gibt es viele. Beispielsweise gibt es von Netto seit August 2008 die Aktion Ein Herz für Erzeuger. Ich kenne das vom Einkaufen bei Plus (gehört zu Netto), dass dort die gleiche Milch in 2 Varianten angeboten wird. Der einzige Unterschied ist, dass die eine Variante 10 Cent mehr kostet, die an die Erzeuger gehen sollen. Wer diese unterstützen möchte, kann freiwillig 10 Cent mehr zahlen. Die günstigere Milch gleicher Art steht gleich daneben, sodass man wirklich von einer Freiwilligkeit sprechen kann.

Ich weiß nicht, wie erfolgreich diese Aktion ist, aber ganz erfolglos kann sie nicht sein: Unter der Dachmarke “Ein Herz für Erzeuger” bietet Netto Marken-Discount seit August 2008 fair gehandelte fettarme H-Milch an. Der Umsatzanteil der “Ein Herz für Erzeuger”-Milch liegt aktuell bei gut zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Netto- Trinkmilch. “Das Angebot wird von unseren Kunden sehr gut angenommen”, bestätigt Franz Pröls, Sprecher der Geschäftsleitung von Netto Marken-Discount. Aufgrund der positiven Kundenresonanz hat Netto bereits im vergangenen Jahr das Sortiment von “Ein Herz für Erzeuger” um Kartoffeln, Schinken und um Mozzarella ergänzt. Seit April 2009 können Netto-Kunden zudem Eier im Sortiment dieser Dachmarke finden und mit dem Aufpreis von zehn Cent je Packung deutsche Landwirte unterstützen.

Natürlich weiß ich auch nicht, wie viel von den 10 Cent tatsächlich bei den Erzeugern ankommen. Aber das ist in diesem Zusammenhang auch nicht entscheidend. Wichtig an dem Beispiel ist, dass es zeigt: Viele Leute sind bereit, freiwillig ein Mehr an Geld zu bezahlen, wenn sie hinter einer Sache stehen und sie förderungswürdig finden. Warum also sollten die Leute nicht auch ein Herz für Inhalte-Erzeuger haben? Crosspost von leanderwattig.de

June 18 2010, 10:30am

Seite 1