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Open Source Filme: Freie Werke fürs Auge

Das Netz ändert unser Leben, und es ändert auch unsere Kunst. Ein Beispiel dafür ist der Open Source Film, der den Ansatz der Open Source Software auf die Herstellung und Distribution von Filmen überträgt. Open Source Filme stehen unter einer freien Lizenz, etwa unter Creative Commons. Die Rohmaterialien der Filme können von jedem heruntergeladen werden. Die Dateien müssen dabei in einem Format zur Verfügung gestellt werden, das eine Bearbeitung mit freier Software erlaubt. Somit wird es möglich, dass jeder die Werke bearbeiten und neue Versionen zur Verfügung stellen kann. Die bisher erschienenen Filme kann man IMHO in drei Kategorien einteilen.

Alternative Plattform für junge Filmemacher

Zunächst einmal sind Open Source Filme ein Mittel, um sich in der Filmbranche zu etablieren oder eine alternative Filmbranche aufzubauen. Das ambitionierte Projekt Valkaama von Tim Baumann beispielsweise wurde vor ein paar Tagen in einer Version mit musikalischer Begleitung von Michael Georgi veröffentlicht. Valkaama ist einer der wenigen Open-Source-Filme in Spielfilmlänge. Das Drama spielt im Norden Finnlands und erzählt von der gemeinsamen Reise zweier ungleicher Protagonisten – dem lebensdurstigen Dichter Lasse und  dem düsteren Magnus, der Anderen beim Suizid hilft. Gemeinsam suchen sie nach Valkaama, einer idealen Gemeinde fern ab der Zivilisation. Der poetische Film wartet mit einer plötzlichen Wende auf, als sich das Schicksal der beiden erfüllt. Baumann hat den Film unter die sehr freie Creative Commons BY-SA Licence gestellt. Valkaama gibt’s als Torrent und als normalen Download.

Auf eine andere Ästhetik setzt das Projekt Route 66. Stilistisch lässt sich der Film als Road-Movie im Gonzo-Ansatz beschreiben. Die Schnitte und stilistischen Elemente geben dem Werk eine gewisse Fieberhaftigkeit, die gut zum Thema einer rastlosen (und etwas chaotischen) Reise passt. Auch Route 66 kann frei von der Homepage heruntergeladen werden.

Animierte Filme Häufig sind animierte Kurzfilme, meist auf Basis der Open-Source-Software Blender. Ein Beispiel ist der Kurzfilm “Elephants Dream“, der eine skurrile Geschichte von zwei Figuren in einer eigenartigen Maschine erzählt und dabei mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

Wer eher auf pelzige (teils freundliche, teils garstige) Tierchen steht, dürfte an “Bick Buck Bunny” mehr Spaß haben.

Open Source als Quell der Kreativität Open Source Filme finden sich weiterhin in einer Reihe von Kunstprojekten. Hier soll der Ansatz die Kreativität anregen. Ein Beispiel ist Stray Cinema. Jedes Jahr werden Rohmaterialien zur Verfügung gestellt, die von der Community zu 2-minütigen Kurzfilmen geschnitten werden. Jeder Regisseur wählt dabei einen anderen Ansatz und gibt dem Material eine persönliche Note. Die Community stimmt außerdem ab, welche der Einreichungen beim jährlichen Screening gezeigt werden sollen. Der große Traum: 2011 soll David Lynch das Rohmaterial liefern. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Mehr Filme Die bisher beste Übersicht über Open Source Filme habe ich bei der englischen Wikipedia entdeckt, die in ihrer Liste von Open Content Filmen eine Reihe von Open Source-Filmen neben anderen offenen Werken listet. Wenn ihr eine andere Sammlung kennt, ab damit in die Kommentare!

February 12 2010, 9:45am

Nichts als das Netz - “Der Erfolg ist offensichtlich”

Im Januar 2008, einige Monate nach den ersten Vorboten der Kreditkrise und ein halbes Jahr vor der globalen Finanzkrise, erblickte eine 312-seitige Studie der Bank J.P. Morgan Stanley das Licht der Öffentlichkeit “Nothing but the Net“. Internet Analyst Imran Khan prophezeite einen inflationären Anstieg der Werbeeinnahmen im Web. Schneller als die Verbreitung des Internet wird der virtuelle Werbekuchen anwachsen. Die Zahlen im Search Advertising sind sowohl astronomisch als auch realistisch.

Der globale Markt für das Anbieten von Waren und Dienstleistungen innerhalb von Suchmaschinen wird bis 2010 von 22 Milliarden in 2007 auf über 50 Milliarden Dollar anwachsen. Hier eine Tabelle für die amerikanischen Werbeumsätze.

Die großen Suchanbieter wie Google und Yahoo als Zweiter der Weltrangliste platzieren sich für all die Werbemilliarden, die Zeitungen und Radio gerade verlieren. In ein oder zwei Jahren wird dann auch der Platzhirsch Fernsehwerbung dran glauben müssen. So verwundert es nicht, dass neue Ideen am Markt der Möglichkeiten ausprobiert werden. Microsoft hat seine live.com-Suche aufgehübscht mit übersichtlicher Video- und Bildersuche und Google versucht mit Google squared das scheinbar Unmögliche, nämlich Zusammenhänge zwischen Seiteninhalten im Zusammenhang der Suchanfrage in übersichtlicher Tabellenform darzustellen. Von einer semantischen Suche, wie sie allerorten herbeigeredet wird, ist das aber noch weit entfernt. Noch weiter weg befindet sich ein gepriesener Spezialanbieter namens Stephen Wolfram. Ein Mathematiker, der Teile seiner mathematica-Software und eine circa 10Terabyte großes Datenbank als Spezialsuchmaschine für statistische Fakten und naturwissenschaftliche Zusammenhänge anbietet. Man soll sogar ganze Fragen in natürlicher Sprache stellen können. Klappt leider selten zufriedenstellend. Der ganz große Werbekuchen wird ihm angesichts der sehr speziellen Klientel nicht zulaufen. Wahrscheinlich wird er den selben Weg gehen wie die ehemaligen Googlemitarbeiter, die neulich mit viel Getöse cuil starteten. Ich persönlich mag ja cuil gerne… Seltsam. Wenn man das Lamentieren der vielen Verlage beobachtet und die Marktprognosen für Suchmaschinenwerbung betrachtet, könnten sich einige Verlage gesund stoßen in den nächsten fünf Jahren. Aber die Diskussionen über Paid-Content und Kulturflatrates scheinen Berater und Produktspezialisten in der Medienwelt zu lähmen. So werden wir auch in den nächsten Jahren auf Google schimpfen und mangels Alternative täglich nutzen. So war es auch 15 Jahre lang mit Microsoft bis mit Ubuntu und Knoppix Linuxvarianten auftauchten, die sogar meine Oma bedienen kann. Es wird interessant sein, ob es eine zweite Initiative wie Wikipedia schafft, eine globale Suchmaschine zu installieren. Eigentlich ist mit dem Gedanken einer globalen Open Source Gemeinde, der semantischen Suchmaschine Open Calais und dem Willen, das Monopol zu brechen, alles vorhanden. Nur ein Führungspersönlichkeit à la Linus Torvalds oder Jimbo Wales (Wikipedia) fehlt noch. Die Community wäre innerhalb von wenigen Jahren Milliardär. Vielleicht liegt es daran: Der Erfolg ist offensichtlich. Bildnachweis: User schoenswetter auf Flickr.com

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June 11 2009, 11:31am

Ushahidi: Crisis Mapping in Afrika

In der afrikanischen Blogosphäre gibt es noch vieles zu entdecken. Im Blogpiloten Interview spricht Juliana Rotich von  Globalvoicesonline.org über Social Media in Afrika und Grassroots-Bewegungen in Kenia. Das angesprochene Projekt Ushahidi haben wir uns einmal genauer angeschaut. Nach dem Klick gibt es das Interview und den Blogpiloten-Review. Mit Juliana Rotich haben wir am Rande der diesjährigen LIFT-Conference in Genf gesprochen: Interview: Juliana Rotich (Globalvoicesonline) from Steffen Bueffel on Vimeo.

Ushahidi ist das suahelische Wort für Zeugenaussage. Zeugen sucht die Open Source Software für Unruhen und kriegerische Auseinandersetzungen in Afrika. Trauriger Anlass für die Entwicklung der Plattform waren die Unruhen nach den Wahlen in Kenia Anfang 2008. Seitdem wird die Plattform auch für andere Konfliktsituationen genutzt - ganz aktuell bei den Parlamentswahlen in Indien. Wie funktioniert Ushahidi? Ushahidi Nutzer können Ihre Informationen per Telefon, SMS, E-Mail oder über das Internet an die Plattform senden. Im Web gibt es dafür bereits ein Formular, das nach der Art des Konfliktes, Ort und Zeitpunkt fragt. Zudem wird um eine kurze Beschreibung gebeten. Um Informationen zu untermauern, können noch Quellen wie Blogs oder Videos angeben werden. Auch wenn Ushahidi nicht alle Informationen bis ins Detail überprüfen kann, gelten die Angaben als sehr zuverlässig. Grund dafür ist u.a. die intensive Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, die ebenfalls Informationen aus den Krisenregionen liefern. Nicht offiziell bestätigte Informationen werden auf der Plattform als “Nicht verifiziert” gekennzeichnet. Auch andere User können die Glaubwürdigkeit einzelner Beiträge bewerten.

Die gesammelten Vorfälle werden auf einer Karte angezeigt und können dort nach Kategorien sortiert werden. Mit einem Klick kann man sich so anzeigen lassen, wo beispielsweise Enteignungen stattfinden oder herausfinden, wo UN Friedenstruppen stationiert sind.  Alle Einträge können auch in chronologischer Reihenfolge aufgerufen werden. Für wen ist Ushahidi gedacht? Ursprünglich wollte Ushahidi allen Kenianern einen Überblick  zu den Unruhen geben. Das waren nicht nur hilfreiche Informationen und Warnungen für die Bevölkerung, sondern auch unabhängige Auskünfte für Journalisten. Mit der Ausweitung auf andere Gebiete und Konflikte wird das Angebot auch für andere Gruppen und Regionen interessant. In Ländern, in denen es häufig keine unabhängige Presse gibt, ist Ushahidi eine ideale Möglichkeit, auch Informationen zu verbreiten, die nicht direkt von der Regierung kommen. Langfristig plant Ushahidi die Software kostenlos zum Download anzubieten. Eine Alpha-Version kann bereits getestet werden. Die Software kann dann nicht nur für Krisenbeobachtungen eingesetzt werden , sondern auch bei positiven Ereignissen, die für eine breite Masse interessant sind. Insbesondere Hilfsorganisationen und NGOs könnten die Software nutzen. Den Menschen in Afrika möchte Ushahidi darüber hinaus möglichst bald eine kostenlose Hotline anbieten, über die sie von Unruhen berichten können. Denn auch wenn Mobiltelefone auf dem Kontinent weit verbreitet sind, fehlt häufig das Geld für Gespräche. Blogpiloten-Urteil: Ushahidi visualisiert und kartografiert Unruhen und Kriege auf übersichtliche Art und Weise. Interessant wird das Angebot vor allem durch die vielen Quellen und Informationen, die direkt aus den Krisenregionen und von den Betroffenen kommen. Die Plattform ist einfach zu bedienen und die eingehenden Informationen sind schnell abzurufen. Damit erfüllt Ushahidi alle Kriterien, um unvermittel für die Bevölkerung hilfreich zu sein und leistet einen großen Beitrag für die Weiterentwicklung von Social Media in Afrika.

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