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MeMCA 2010: Medialität und Musik

Vom 19.-20.2.2010 fand an der Universität Köln eine Konferenz zur Medialität der Musikwahrnehmung und Aisthesis statt. Der Begriff Medialität – man könnte vielleicht auch von Vermitteltheit sprechen – weist dabei auf mehrere Aspekte hin. Erstens auf den grundsätzlich McLuhan’schen Gedanken, dass ein Medium eine Umgebung darstellt, die spezifische Effekte produziert. Auch bei der Medialität geht es also immer um etwas speziell Vermittelndes. Wenn man das Medium austauscht, bekommt man andere Effekte, andere Environments. Dass es ohne Medium keine Botschaft gibt, ist die zweite, letztlich ebenso deutliche wie triviale Lesart von ›Mediality‹. Medien – technologische Verbreitungsmedien oder symbolische Kommunikationsmedien – sind essentiell für Konzepte wie Information, Bedeutung oder Intention im Zusammenhang der Musikwahrnehmung. Perzeption von Musik in diesem Sinne bedeutet immer schon Medialität – Understanding Media, mit oder ohne iPod (siehe auch Rolf Großmann, “Konstruktiv(istisch)e Gedanken zur ‘Medienmusik’“.

Es war ausdrücklicher Wunsch der Organisatorin Dr. Jin Hyun Kim und Organisator Prof. Uwe Seifert, transdisziplinäre Ansätze zusammen zu bringen und sich auf diesem Wege Themen wie Musik, Medien, Kognition und Ästhetik zu nähern. Dass sich ein Institut mit deutlichem kognitionswissenschaftlichen Fokus dabei für den Titel der Veranstaltung einen Begriff der Medientheorie ausborgt, beweist, dass hier mit gutem Beispiel voran gegangen wurde. Interdisziplinäre Konferenzen oder Symposien haben in gewisser Weise – auch in Form der modischen Unkonferenzen oder Barcamps – Konjunktur. Das hat nicht nur positive Seiten, wie in der letzten Zeit hier und dort öfter artikuliert wurde, bringt aber grundsätzlich die künstlich getrennt gehaltenen Natur- und Geisteswissenschaften wieder näher zusammen. Auch dafür war die Konferenz ein gutes Beispiel.

In den Beiträgen und Diskussionen der Konferenz schlugen sich die stark unterschiedlichen Medienbegriffe – vom Medium als Apparat oder Gadget bis zur systemtheoretischen Medium/Form Distinktion – deutlich nieder. Man muss diesen Zustand allerdings nicht per se negativ auffassen oder erwarten, dies sei zu irgendeiner Zeit großartig anders gewesen. Welche Strömungen in einer gewissen Zeitperiode entscheidende oder wichtige Rollen gespielt haben, lässt sich meist erst aus einer rückblickenden Beobachterposition erschließen.

Neben rein kognitionswissenschaftlichen Vorträgen, die unter anderem mit einer interessanten Verquickung von „Cat Content“ und Naturwissenschaft dem Tanz als Alleinstellungsmerkmal des Menschen eine Absage erteilten (vgl. auch), kam auch die Frage nach einer zeitgemäßen Betrachtung des Konzepts ›Musikinstrument‹ auf:

Was passiert eigentlich mit der Instrumentenkunde, wenn der Computer als Leitmedium ins Spiel kommt? Die Feststellung, dass Musik immer schon einen starken Technikbezug hatte – Musikinstrumente sind technische Musikmaschinen auf der Höhe der Produktivkraftentwicklung der jeweiligen Gesellschaft (vgl. Michael Harenberg, “Virtuelle Instrumente – Von der Orgel zum Cyber-Instrument“) – führt kaum dazu, dass der Computer als Instrument wahrgenommen wird. Unterricht am Musikinstrument Computer findet nach wie vor zu einem großen Teil an popmusikalisch ausgerichteten Instituten statt, deren Forschungsperspektive – salopp und aus der Sicht eines Musikwissenschaftlers heraus – auf den Button ausgerichtet ist, der den Beat noch fetter macht. An den Musikfachbereichen der meisten Universitäten und Hochschulen ist der Computer als Instrument und erst recht als Gegenstand musikwissenschaftlicher Forschung im Sinne einer zeitgemäßen Instrumentenkunde nahezu unauffindbar. Dabei sind grundsätzliche Fragen hier noch ungeklärt, was sich bisweilen in ontologischen Implikationen niederschlagen kann. Der momentan beobachtbare Trend zurück zur ›analogen‹ Gegenständlichkeit ist angesichts der nach wie vor undurchsichtigen und wenig anwenderfreundlichen Welt von Hardware Controllern folglich nachvollziehbar, führt aber letztlich ins Leere (selbst eine Tastatur ist gegenständlich!). Die Forderung der Herstellung von Authentizität der Medialität von Software-Klangerzeuger und Hardware-Controller verspricht mehr – ein Aspekt, der bei der Frage der Transmedialität von Musikinstrumenten weiter an Bedeutung gewinnen muss.

Autor: Arne Bense promoviert bei Prof. Dr. Bernd Enders (systematische Musikwissenschaft) und ist seit kurzer Zeit Mitglied der Forschungsstelle Musik- und Medientechnologie (FMT) der Universität Osnabrück. 2007 gründete er, zusammen mit Björn Schoepke das Tonstudio und Label Sample Park. Sein Blog ist http://www.therestlessmachine.de Bild: PJH

March 1 2010, 11:30am

DLD Video-Interview: Ben Hammersley – wired.uk

Chefredakteur von wired.uk Ben Hammersley über das Web als Medium im Speziellen sowie die Unterschiede zu Print.

via dctp.tv

February 26 2010, 1:20pm

Soundcloud: “Wir überreden die Labels nicht”

Seit sie online sind, ist soundcloud das Lieblingskind der Musikblogger und -produzenten: Hübsch, einfach und richtig gut auf die Bedürfnisse von Leuten zugeschnitten, die gemeinsam an Musik arbeiten wollen. Wie Kollaboration, gute Musik und schicke Social-Web-Lösungen zusammengehen, dafür interessiert sich natürlich auch die Musikindustrie. Weshalb Soundcloud zur Cebit Sounds anreisen wird – der ersten Veranstaltung, auf der die Computermesse IT und Musiklabels zusammenbringen werden. Blogpiloten.de haben mit Alexander Ljung gesprochen – über seine Weigerung, bei den Musiklabels zu missionieren, die neue Kooperation mit Hypemachine und die Zukunft von mp3.

Auf den ersten Blick sieht Eurer Musikproduzenten-Dienst “Soundcloud” ziemlich nach Special Interest aus – aber derzeit ist er in aller Munde. Wie konnte das passieren?

Alex Ljung: Ich glaube das ist eigentlich ganz einfach. Wir haben uns immer auf Leute konzentriert, die Musik gemacht haben – was natürlich ziemlich special interest ist. Aber wir haben Glück gehabt – denn ziemlich viele interessieren sich für Leute, die Musik machen. Und wir haben uns wirklich Mühe gegeben, ein fantastisches Projekt zu betreiben. Das hört sich jetzt vielleicht naiv an, aber wir sind wirklich richtig engagiert. Und das zahlt sich dann eben am Ende aus.

Ihr bekommt viel positives Feedback, viele Blogger schreiben, ihr hättet endlich mal die Kernprobleme und -bedürfnisse von Musikaustausch im Netz verstanden. Liegt das daran, dass ihr selbst Musik macht?

Ja, klar. Eric [Wahlforss, Mitgründer von Soundcloud] hat als Künstler Musik gemacht, ich habe in einem Studio als Sounddesigner gearbeitet. Wir haben die Probleme selbst erlebt. Und wir hatten Erfahrungen mit anderen Seiten gemacht, damit, wie Leute online sozial miteinander interagieren. Die Kombination aus diesem beiden Dingen hat definitiv geholfen.

Bislang habt ihr oft einen ziemlich stilsicheren Auftritt hingelegt, meist auf ziemlich guten Konferenzen. Und plötzlich fährst Du kommende Woche ausgerechnet zur Cebit, um mit der Musikindustrie zu diskutieren. Warum?

Ich bin von einem coolen Typen gefragt worden. Und ich glaube unser Panel wird auch ganz interessant. Gut, diese Geschichte mit Unterhaltungselektronik ist eigentlich nicht unser Kernbereich – aber für uns ist es andererseits eben auch ganz interessant, mal zu schauen, was sich auf der Konsumentenseite tut. Abgesehen davon haben wir keine besondere Agenda bei der Cebit.

Ihr habt ja aber eigentlich zwei Ansätze, von der die Musikindustrie etwas lernen könnte: Kollaborativ an Musik zu arbeiten – und sie via cloud computing fern der eigenen Pestplatte zu posten…

Das gesamte Ökosystem von kommerzieller Musik ist ziemlich komplex. Es wird viel herumgeschrien, was Rettung oder Verderben der Branche ist. Unserer Ansicht nach müssen die Labels selbst rausfinden, was für sie, für ihre Künstler am Besten funktioniert. Wir kooperieren mit vielen Labels, aber wir überreden sie nicht dazu, sondern warten, bis der Zeitpunkt gekommen ist, ab dem es ihrer Ansicht nach passt. Wenn die mit uns nicht kooperieren wollen, versuchen wir nicht sie zu umgarnen.

Im Ernst?

Klar. Bei Weltmusik zum Beispiel bin ich mir nicht sicher, ob die Künstler stark davon profitieren, wenn viel online veröffentlicht wird. Bei elektronischer Musik dagegen schon. Also, wenn ich zum Beispiel Künstler wäre, würde ich auf jeden Fall sicherstellen, dass meine Musik online auffindbar ist.

Gut, aber gerade bei elektronischer Musik kommt dann doch wieder die vertraute Argumentation: ein DJ hat keinen Star-Status, legt zwar auf, füllt damit allein aber keine Hallen oder verkauft Merchandise-Artikel. Dann kommen kleinere Labels und sagen: Womit soll mein Künstler denn Geld verdienen, wenn er keine Tracks oder Alben verkauft?

Moment: Etwas online verfügbar machen oder es online zu verschenken sind ja aber immer noch zwei unterschiedliche Dinge. Ich würde auf jeden Fall dagegen argumentieren, alle Musik ohne Einschränkungen online verfügbar zu machen. Aber warum nicht so: Ich bringe ein neues Album mit 12 tracks raus. Und verschenke davon zwei oder drei – aus Marketing-Gründen.

Wenn Du sagt, Ihr kobert nicht aktiv bei Labels – wie habt ihr dann Künstler wie Sonic Youth oder Beck dazu gebracht, mit Soundcloud zu arbeiten? Sind die einfach so auf den Dienst gestoßen?

Sagen wir mal so: Wir gehen nicht raus und versuchen, die Leute zu überzeugen, wie toll Soundcloud ist. Aber wir versuchen – und das tun wir übrigens auch bei unbekannten Künstlern – ihnen zu helfen, sie mit dem zu versorgen, was sie brauchen. Zum Beispiel Ideen zu entwickeln, die für sie sinnvoll sind. So wie Remix-Competitions, um stärker mit der Fan-Basis in Verbindung zu treten. Oder Ideen, wie man ein Widget attraktiver gestalten kann.

Neuerdings arbeitet ihr ja eng mit dem Onlineblogaggregator Hypemachine von Anthony Volodkin zusammen: Tracks, die Blogger via Soundcloud-Player einbetten, werden von Hypemachine gefunden und aggregiert werden. Wie kam es dazu – und wem bringt das was?

Wir lieben einfach Hypemachine! Die Motivation ist ziemlich einfach: Wir hosten tracks, um es für Blogger einfacher zu machen, sie zu bloggen. Und Hypemachine profitiert davon, dass auf diesem Wege mehr Musik an die Oberfläche gespült wird. Im Endeffekt sitzen wir einfach zwischen den Labels bzw. Künstlern und Hypemachine – und schauen, dass alles gut funktioniert.

Gerade für die Labels ist das ja ziemlich attraktiv: Wird ein Track bei Hypemachine gehört, fließt das in die Soundcloud-Statistik über diesen Song ein.

Ja. Ich meine, es ist toll, wenn man seine Musik kostenlos weggibt. Aber man sollte doch ein paar Informationen dafür bekommen. Wir aggregieren diverse Infos, die für die Labels interessant sein könnten – etwa, um sich darauf vorzubereiten, wo man auf Tour halt macht, demografische Daten und so weiter.

Ich habe mehrfach gelesen, dass Eure Arbeit mit der von Myspace ins Verhältnis gesetzt werden soll. Das hat mich gewundert: Eigentlich seid ihr ja eine Seite für Produzenten – zielt ihr jetzt verstärkt auf die Ansprache von Fans, von Konsumenten ab?

Nein. Myspace ist eine Konsumenten-Seite – dort gibt es Musik für Leute, die selbst keine machen. Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Produzenten. Man könnte unsere Arbeit eher mit flickr vergleichen: Fotografen treffen sich dort auf der Seite, tauschen sich sozial aus – und das ist teils auch für Konsumenten sichtbar. So ist das bei uns auch. Wir sind eine Seite für Produzenten – haben aber in zweiter Linie auch Musikkonsumenten etwas anzubieten.

Wie finanziert ihr das eigentlich? Werbung gibt es ja keine auf der Seite, ihr hattet ein Startkapital von 2,5 Millionen Euro – und jetzt finanziert ihr Euch einzig über Premium-Accounts?

Ja, das ist die einzige Einnahmequelle. Wir versuchen, das Geschäftsmodell so einfach wie möglich zu halten. Für uns ganz logisch: Wir haben ein Tool geschaffen, von dem wir hoffen, dass es für zahlende Kunden nützlich ist. Und wir konzentrieren uns darauf, dieses Produkt so wertvoll wie möglich zu gestalten.

Und wie hoch ist dann der Anteil derer, die einen kostenpflichtigen Account haben? Zehn Prozent?

Wir veröffentlichen keine Zahlen, aber die Premium-Accounts bewegen sich eindeutig noch im einstelligen Bereich. Aber wir wachsen ja auch noch kräftig – insgesamt haben wir jetzt schon 630.000 registrierte Nutzer.

Dein Kollege Eric hat sich in der Vergangenheit kritisch darüber geäußert, mp3-Verkauf als Zukunftsmodell zu sehen. Siehst Du das auch so?

Für uns ist das Kaufen von mp3-Dateien nicht besonders interessant. Wir finden es spannender, Musik online verfügbar zu haben, wo auch immer du bist. Streaming also. Wenn man in der Zeit weit genug in die Zukunft schaut, glaube ich auch, dass mp3 nicht gerade die Zukunft gehören wird. In zehn Jahren oder so.

Wenn wir schon über die Zukunft sprechen – wer wird es eher schaffen, sich auf die Herausforderungen des digitalen Musikzeitalters einzustellen: Indie- oder Majorlabels?

Das kommt wirklich drauf an. Labels sind Organisationen, die die Künstler unterstützen. Und gerade die Rolle von Major-Labels verändert sich gerade immens. Für sie wird es schwieriger sein, sich an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Und auch wenn sie sich anpassen, werden sie Verluste hinnehmen müssen.

Biografie: Alexander Ljung ist Gründer von soundcloud, einem der heißesten Startups der Hauptstadt. In Großbritannien geboren und in Schweden aufgewachsen lebt er heute in Berlin. Foto: screenshot soundcloud.com

February 24 2010, 9:45am

TEDx 2009: Kevin Kelly über Technologie

Auf der TEDx in Amsterdam im November 2009 erklärte Kevin Kelly (WIRED Magazine) seine Sicht auf Technologie rund um uns in Bezug auf Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Menschen und die Kultur. Was also ist Technologie und wie entstand das, was wir so nennen?

February 23 2010, 2:00pm

Livestream Free Culture X Conference

Students for Free Culture is convening the international free culture community for two days of networking, learning and acting. Free Culture X, the 2010 conference of SFC, will take place on February 13th and 14th at George Washington University in Washington, D.C.

See the Schedule: YOU NEED a browser that supports Ogg THEORA codec like Firefox. If it doesn’t work well here try it there in Washington.

Tune in here on February 12, 9:30 GMT for live streaming of the Free Culture X conference. We’re streaming in 100% open source and royalty-free Theora video, so we recommend using Firefox or making sure your browser is properly equipped for Theora.

February 13 2010, 6:51pm

Open Source Filme: Freie Werke fürs Auge

Das Netz ändert unser Leben, und es ändert auch unsere Kunst. Ein Beispiel dafür ist der Open Source Film, der den Ansatz der Open Source Software auf die Herstellung und Distribution von Filmen überträgt. Open Source Filme stehen unter einer freien Lizenz, etwa unter Creative Commons. Die Rohmaterialien der Filme können von jedem heruntergeladen werden. Die Dateien müssen dabei in einem Format zur Verfügung gestellt werden, das eine Bearbeitung mit freier Software erlaubt. Somit wird es möglich, dass jeder die Werke bearbeiten und neue Versionen zur Verfügung stellen kann. Die bisher erschienenen Filme kann man IMHO in drei Kategorien einteilen.

Alternative Plattform für junge Filmemacher

Zunächst einmal sind Open Source Filme ein Mittel, um sich in der Filmbranche zu etablieren oder eine alternative Filmbranche aufzubauen. Das ambitionierte Projekt Valkaama von Tim Baumann beispielsweise wurde vor ein paar Tagen in einer Version mit musikalischer Begleitung von Michael Georgi veröffentlicht. Valkaama ist einer der wenigen Open-Source-Filme in Spielfilmlänge. Das Drama spielt im Norden Finnlands und erzählt von der gemeinsamen Reise zweier ungleicher Protagonisten – dem lebensdurstigen Dichter Lasse und  dem düsteren Magnus, der Anderen beim Suizid hilft. Gemeinsam suchen sie nach Valkaama, einer idealen Gemeinde fern ab der Zivilisation. Der poetische Film wartet mit einer plötzlichen Wende auf, als sich das Schicksal der beiden erfüllt. Baumann hat den Film unter die sehr freie Creative Commons BY-SA Licence gestellt. Valkaama gibt’s als Torrent und als normalen Download.

Auf eine andere Ästhetik setzt das Projekt Route 66. Stilistisch lässt sich der Film als Road-Movie im Gonzo-Ansatz beschreiben. Die Schnitte und stilistischen Elemente geben dem Werk eine gewisse Fieberhaftigkeit, die gut zum Thema einer rastlosen (und etwas chaotischen) Reise passt. Auch Route 66 kann frei von der Homepage heruntergeladen werden.

Animierte Filme Häufig sind animierte Kurzfilme, meist auf Basis der Open-Source-Software Blender. Ein Beispiel ist der Kurzfilm “Elephants Dream“, der eine skurrile Geschichte von zwei Figuren in einer eigenartigen Maschine erzählt und dabei mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

Wer eher auf pelzige (teils freundliche, teils garstige) Tierchen steht, dürfte an “Bick Buck Bunny” mehr Spaß haben.

Open Source als Quell der Kreativität Open Source Filme finden sich weiterhin in einer Reihe von Kunstprojekten. Hier soll der Ansatz die Kreativität anregen. Ein Beispiel ist Stray Cinema. Jedes Jahr werden Rohmaterialien zur Verfügung gestellt, die von der Community zu 2-minütigen Kurzfilmen geschnitten werden. Jeder Regisseur wählt dabei einen anderen Ansatz und gibt dem Material eine persönliche Note. Die Community stimmt außerdem ab, welche der Einreichungen beim jährlichen Screening gezeigt werden sollen. Der große Traum: 2011 soll David Lynch das Rohmaterial liefern. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Mehr Filme Die bisher beste Übersicht über Open Source Filme habe ich bei der englischen Wikipedia entdeckt, die in ihrer Liste von Open Content Filmen eine Reihe von Open Source-Filmen neben anderen offenen Werken listet. Wenn ihr eine andere Sammlung kennt, ab damit in die Kommentare!

February 12 2010, 9:45am

Adhocratie: Professionelle Planlosigkeit

Dr. Henry Mintzberg sitzt im Raum 544 in Montreals McGill-University und setzt ein verschmitztes Lächeln auf. Seit über 40 Jahren gilt er als Querkopf und ist stolz darauf. 1975 hat er im Harvard Business Review einen Artikel verfasst über die Tätigkeiten, mit denen sich Manager so abgeben. Und diese Gewohnheiten haben sich offenbar kaum geändert in den letzten Jahren. Eine Tätigkeit, die länger als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, kommt bei dem größten Teil der Manager nur alle zwei Tage vor. Die gemeine Handlung umfasst 10 Minuten und besteht zumeist im Sprechen oder Zuhören.

Manager aus den höheren Rängen verbringen mit diesen zwei Tätigkeiten mehr als 75% ihrer Zeit. Es ist also müßig, sie von Internet, Web oder Social Software zu überzeugen. Sie hätten gar keine Zeit, sie zu nutzen, da sie ohnehin nur mündlich kommunizieren. In absehbarer Zeit werden wir sie wohl sowieso nicht mehr sehen. Denn eigentlich werden sie in analytischen Fähigkeiten ausgebildet, dabei bräuchte man sie, um zusammenzuführen (Synthese). Die MBA-Ausbildung wird daher von Mintzberg als Dinosaurier bezeichnet, der keinerlei Relevanz mehr aufweist angesichts der postmodernen Anforderungen. Und dabei schaut Mintzberg wieder aus seinem Fenster und lächelt, denn er ist bei INSEAD und der London School of Econmics Professor gewesen und INSEAD noch immer verbunden. Er weiß, dass sehr gute Analysten von Harvard, Stanford, Oxford und eben den beiden oben genannten Kaderschmieden exzellente Anlysten sind, aber sehr selten gute Führungskräfte.

Im economist wurden seine neue Thesen zu den fünf Organisationsformen von Firmen vorgestellt:

• Die einfache Struktur. Kommandostruktur bevor der Firmengründer oder ein Familienmitglied die Zügel lockern muss (wegen neuer Partner oder aktivem Management). Mintzberg meint, diese Struktur sei besonders durch die Gesundheit des Patriarchen gefährdet.

• Die maschinelle Bürokratie. Eine Firma mit Unmengen an Organisationsschichten und -ebenen und ebensovielen Prozessen. Die Gefahr dieser Organisationsform liegt in der Lähmung und im Perfektionismus.

• Die professionelle Bürokratie. Eine Organisation, die um besondere Expertise aufgebaut ist wie Krankenhäuser oder Beratungsunternehmen. Potenziell findet man hier am meisten demokratische Ansätze, aber auch nur dann, wenn es eine offene und echte Partnerschaftsform ist. Fällt die Expertise mit dem Weggang wichtiger Personen weg, kann die Struktur auseinanderfallen.

• Die gegliederte Form. Dies ist eine Struktur mit wenig zentraler Authorität, da alles weitgehend klar definiert und den jeweiligen Firmenelementen zugeordnet wird – oft bei multinationalen Firmen zu finden. Die Gefahr liegt in einem kristallinen Firmenkörper, der wenig Anpassungsfähigkeit aufweist.

• Die Adhocratie. Dieser Typus ist von Mintzberg geschaffen worden, um die bürokratielose Organisationsform vieler Softwarefirmen darstellen zu können. Man fände sie auch In Hollywood bei der Filmproduktion, erklärt er. Immer dann, wenn flexible Gruppen spezifische Projekte bearbeiten und sich nur zu diesem Zweck zusammenfinden, spricht Mintzberg von diesem Typus. Er bezeichnet ihn als den einzigen Organisationstypus, der die Zukunft der meisten Firmen bestimmen wird. Der Name ist unschwer auf den begriff adhoc (wörtlich: hierfür, an dieses übertragen: aus dem Moment heraus) zurückzuführen.

Mintzberg erfasst einige Faktoren, die die Organisation beinflussen und formen:

  1. Das Alter und die Größe einer Organisation

  2. Die zugrundeliegende und anzuwendende Technologie, um Produkte und Dienstleistungen zu erstellen

  3. Die Umwelt und ihre stabilisierenden oder störenden Einflüsse

  4. Die Kontroll- und Machtmechanismen

Die Adhocratie hat nun einige Besonderheiten gegenüber den anderen uns bekannten Organisationsformen. Es ist die einzige Form, die völlig dezentral und ohne offene oder versteckte Machtebene auskommt. Da man sie als Gruppen von Experten auffasst, kommt sie der professionellen Bürokratie nahe. Es gibt aber kein Gefälle zwischen dem Hilfsstab und den Experten, so ist auch keine große Spreizung in der Binnendifferenzierung der Kommunikation nötig. Der Respekt scheint daher eingeboren – zumindest wenn die passenden Experten ausgewählt wurden. Wer aber wählt aus? Wenn das Gremium also die Projektgruppe sich ihre Mitglieder selbst aussucht, dann gibt es eine historische Selektion, die Macht beinhalten kann und nach außen als organisches Wachstum kommuniziert wird. Ist das Ganz glaubwürdig und nachvollziehbar, kann auf diese Weise jeder zur Referenz werden, wenn er oder sie lange genug da bleibt. Die Flukutuation begünstigt dann die stabilen Kräfte. Die Werkzeuge des Soical Web sind in dieser Organisationsform essenziell, da sie das Thematische, das Faktisch-Aktuelle sowie alle Gruppenprozesse direkt abbilden. Der Hauptgrund, warum Adhocratien die Zukunft bestimmen werden, liegt darin, dass bereits in vielen Firmen ausgelagerte Bereiche auf genau diese Weise arbeiten und mit ihrer hohen Effizienz ein Modell für Organisationsformen vorgeben, das bald in die Standardwerke der Betriebswirtschaftslehre einwirken wird. Die Werkzeuge des Social Web sind dann nur noch die Hilfsmittel und Vehikel, um den Gruppenwillen zu identifizieren, zu profilieren und das Alltagsgeschäft des Austauschs, den früher Manager übernahmen, selbst zu realisieren. Insofern ist offenbar, dass es keine Unterstützung von diesen Werkzeugen aus der Managementseite geben wird, da genau diese Ebene mit social software weitgehend überflüssig wird. Bildnachweise: Bild 1: flickr, Bild 2 :flickr

February 10 2010, 4:21pm

Digitale Seuche: Plaque im Netz

Plaque bedeutet Schild. Es ist bekannt als Belag aus Speiseresten und unseren ganz persönlichen Bakterien. Genau dasselbe Zeug finden wir auf jeder Website im Netz. Reste aus erlerntem Wissen und unser persönlicher Senf oben drauf. Wer in der letzten Zeit die Diskussionen rund um Chancen und Gefahren der digitalen Speisen im Netz verfolgte, wunderte sich nicht selten. Allen Ernstes diskutierten Wissenschaftler und Experten den inhaltlichen Kontext von menschlicher Sinnbildung und Mustererkennungsprozessen beim Durchforsten von Tabellenzellen in Datenbanken.

Um die Verwirrung noch zu steigern, wurde ein Wort aus der Informatik, das nebenläufige Berechnungsprozesse beschreibt (multitasking), auf den Menschen transponiert, wobei allerdings Sinn und Bedeutung des Begriffs flöten gingen. Nicht genug, dass man früher glaubte, aufgrund des immer noch sehr vagen Verständnisses der Informationsverarbeitung im Gehirn, Computer programmieren zu können; setzt man sich nun hin und übernimmt aus der Computerwissenschaft Begriffe, um den Menschen zu beschreiben. Dieser Diskussion das Etikett Kategorienfehler anzukleben, erscheint so langsam fahrlässig verharmlosend.

Der Mensch und seine Algorithmen Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind, zu tun, was wir nicht tun wollen… So lautet der Untertitel des Schirrmacher-Buches. Es geht also um einen Zwang. Man reitet im Namen der Freiheit. Dort werden Adaptionshandlungen des Menschen in Bezug auf elektrisch dargestellte Buchstaben und Bilder beschrieben. Wer keine Kindheit ohne das Web hat, hat keinen Vergleich und daher keine Wahl mehr. Aha. Und das Netz ist erobert worden durch die Werbung. Offenbar ist es beim Netz schlechter wenn es Werbemillionen abwirft als bei Printmedien oder dem Fernsehen. Früher wurden Zielgruppen per Sinusmillieus (Konsumentenkategorien) organisiert. Heute tun sie dieses nun ganz von selbst über ihre Onlineeinkäufe und ihre Kontakte in sozialen Netzwerken. Dieselbe Entwicklung des Auslagerns von Leistungen an den Kunden kennen wir auch von Banken (Überweisungs-/Geldautomaten). In Amerika ist das schon seit Jahrzehnten der Drive-In. Anders als bei den Rabattkarten, die jede Kassiererin mal eben durch den Leser zieht sei dieses im Netz schlimm und verwerfliche Mikroarbeit der Nutzer. Und was machen die Kreditkartenfirmen mit den Profildaten ihrer Kunden, die sie teuer bezahlen, damit sie ihre persönlichen Daten sammeln? Ob da nicht vielleicht auch kleine Programme durch die Datenberge sausen und 1 + 4 zusammenzählen? Der böse und allmächtige Algorithmus? Der Journalist Frank Schirrmacher sieht das Organisieren von Inhalten von Algorithmen beherrscht, wie sie beispielsweise die Suchmaschine Google einsetzt. Aber auch sie blieben im linearen Abarbeiten von einzelnen Schritten stecken. Es gibt noch Schleifen, die Zwischenergebnisse zu bestimmten Inhalten bewerten können. Aber alles bleibt in einer sehr elementaren mathematischen Struktur. Diese Verfahren verarbeiten die Daten von Menschen zu Mustern, die dann zu bestimmten Aussagen gedeutet werden. Die Verfahren und die Qualität dieser Deutungen der Muster wird leider nicht hinterfragt. Denn die semantische Ebene auf der Basis dieser Muster ist das eigentliche Problem. Denn sie wird von den Firmen vorgegeben. Gelernt wurde das schon vor den Rabattkarten auf der Basis von Daten der Marktforscher. Google tut nichts anderes als das Nutzen dieser bekannten Deutungsmethoden. Aber so entsteht weder Bedeutung noch Wissen. Denn die besagten Algorithmen (präziser müsste man von Text-Mining bzw. Data Mining sprechen) sortieren Daten anhand bestimmter Bedingungen. Sie analysieren also vorhandene Texte bzw. Datenbanken. Das maschinelle Synthetisieren, also das Erstellen neuer Information auf dieser Basis, hat bisher noch keinen Reifegrad erreicht, denn man als Information oder gar Wissen bezeichnen könnte.

Zweiter Gedankenfaden Schirrmachers ist die Überlastung des Menschen durch ein Zuviel und Zuschnell an Daten und Dokumenten. Das Verhältnis von Inhalten die Nutzer zuordnen und denen, die dem Nutzer direkt auf seine Geräte geschoben werden (E-Mail, twitter, Statusmeldungen etc.) ist ein ungesundes in Bezug auf das, was der Mensch verarbeiten kann. Beleg für dieses Wissen über die Kategorie Mensch ist nicht eine Studie der Marsianer sondern sind zwielichtige Papiere von kaum bekannten Wissenschaftlern, die in keiner Weise epidemiologisch verifiziert wurden. Er zieht tatsächlich die Analogie zum Zeitalter der Industrialisierung, wenn er sagt, dass sich im Webzeitalter das Gehirn an die Menge der Inhalt im Netz adaptiert in der Art, wie sich die Muskeln damals an die Industriearbeit anpassen mussten (Leider geht Schirrmacher nicht auf das Dreischichtsystem und die Wissenschaft der Ergonomie ein). Auch der Begriff der Plastizität wird ähnlich trivialisiert wie wir das schon im Umfeld der Bücher über die digital natives erleben mussten. Da Computer über Multitasking verfügen (was nicht stimmt, da auch die Prozessoren alle nur seriell ihre Register abarbeiten), müsste sich das Gehirn an diese Parallelablaäfe anpassen, sei aber nur zu serieller Verarbeitung von Symbolen fähig. Insgesamt erscheint das Buch eine Aneinanderreihung von Gemeinplätzen, die selten einer profunden Bewertung standhält. Aber der größte Marktplatz der Welt und der gigantischste Stammtisch des Universums ist und bleibt Anlaß einer bisher “kaum” diskutierten Erörterung: Was ist eigentlich Qualität und wie kann man das feststellen, was Qualität ist und wer tut das auf welche Weise? Es geht also um Herrschaftswissen.

Social Media: Von der Volksnähe geküsst zu werden Und schon machen sich die Adepten der Geisteswelt oder der Weltmechanik auf und versuchen auf dem Rücken dieser herbeigestolperten Diskussion ihre Pfründe zu sichern. “Information ist entfremdete Erfahrung.” tönt es aus dem Mund von Jaron Lanier in der FAZ. Dieser Satz hat in etwa soviel klärende Potenz wie der Satz “Energie ist das, was nie verschwindet”. Und dann rettet Lanier die kalte Information mit der menschlichen Erfahrung. Er erkennt in dem Glauben an den Text, der seit der Thora, der Bibel und dem Koran die monotheistischen Religionen die Offenbarung Gottes darstellt, nicht ein menschliches Verlangen nach Überschreitung des Hier und Jetzt – ganz so wie die Höhlenmaler der Vorzeit. Er will Erfahrung. Aber nicht zuviel. Deshalb moniert er auch, dass die Menschen im Web zum Mob werden, wie er in den Kommentaren feststellt, die er liest. Diese Meinungsexkrementik mißfällt ihm zutiefst. Diese Art von Erfahrung schmeckt im nicht. Denn diese Art von Erfahrung hat er weder an der Uni, noch in den Klubs in denen er verkehrt noch in seinem Viertel gehabt. Noch weitaus schlimmer sei die Werbung als Trampelpfad des Geldes, dass alles wie ein negativer Midas in seinen Bann der Vernutzung zieht und nichts als die ökonomischer Auswertung übriglässt.

Wieso der Club der Anonymen Enthüllungskommentatoren seine Triebabfuhr über unflätige und persönliche beleidigende Kommentare regelt? Vielleicht haben diese garstigen Wichte gar kein Auto, mit dem sie jemandem die Vorfahrt nehmen können. Einfach mal wild mit der Lichthupe den Frust vom Berufsalltag loswerden, oder schlicht die Frau oder die Kinder zusammenmöbeln, sagt ihnen nicht zu. Zugegeben, es sind zumeist wenig wertvolle Beiträge, oft entlarven sie sogar eine unterdurchschnittliche Fähigkeit im Umgang mit widersprüchlichen Informationen. Dass anonyme Kommentare aber weniger Ausdruck von tumbem Mob ist sondern eher Darstellung von Angst in der Berufswelt, ist anscheinend eine Denkunmöglichkeit. Die einen schreiben muitg alle Texte unter Klarnamen und andere haben schlicht Angst, weil viele Menschen Teile ihrer Person nicht im Netz zeigen dürfen, weil sie in der Berufswelt ein Avatarleben führen müssen. Würden Sie ihre wirkliche Meinung im Web unter ihrem Namen darlegen, müssten sie im Berufsleben unangenehme Folgen befürchten. Es ist also bestes Recht des Knechts, anonym zu bleiben. Der Verweis auf die Algorithmen und Scanprogramm der Geheimdienste, Polizei und Marktforscher erscheint da eher Rationalisierung als wahre Ursache. Es liegt an der Angst vor eigener Persönlichkeit im Berufsleben, die gab es schon früher und sie wurde nur im ewigen Archiv des Web offenbar. Und die Herren der ersten Stunde rund um John Perry Barlow haben das Erstellen von Avataren und digitalen Personae nicht als Schutz der beruflichen Laufbahn verstanden sondern als Weg, die etablierten Mächte zu unterminieren. Diese Kamingesprächs-Revoluzzer, die mit der Rolex am Arm und dem Oldtimer in der Garage etwas vom anderen Leben faseln, verstehen das Web als Ort des Gesprächs gar nicht. Sie leben noch im Zeitalter des Dokuments. Dieser dokumentenzentrierte Ansatz der Emanzipation zeigt sich noch heute in öffentlichen Verlautbarungen wie etwa Manifesten, ähnlich wie das öffentliche Vorlesen in royaler Vorzeit von den Reichsverwesern und Erklärbären. Die Herrschaft spricht, das Gesinde schweigt.

All das Gehabe des Achtung-Wir-veröffentlichen-etwas-mit-Belang sieht man ja nicht in einem Web, das den Stammtisch oder den Dorfplatz ersetzt hat. Könnte es vielleicht sein, dass wir im Web immer mehr die Seiten einer Gesellschaft erkennen, die vorher für uns verborgen waren? Die Mediokren begegnen den ziselierten Gedanken der bombastischen Rationalisierer. Und die Experten erleben den Instinkt der Straße. Oder um es krasser zu formulieren: Das Web ist ein Agens, das die Verdrängung und Sublimierung Hundertausender sozial und mental prekärer Lebensentwürfe verunmöglicht. Nicht umsonst hat Danah Boyd vor über 2 Jahren gezeigt, dass es durchaus Sinn macht, die Nutzungsarten des Web mit der sozialen Herkunft und Ausbildung zu korrelieren. Das hat durchaus mehr als zwei Seiten, wenn man bedenkt, dass in anderen Ländern eben die bisher verfemten Seiten ein Segen sind. In muslimischen Ländern artikulieren sich die Frauen im Web, in Russland – einer lupenreinen Demokratie – wird das Web zur einzig verläßlichen Quellen für Nachrichten aller Art. Hier müssen die Damen und Herren Intellektuellen auf der einen Seite Volkes Stimme und auf der anderen Seite Volkes Halsband namens Konsumismus ertragen.

Schreiben ist das Endprodukt der Weltverdauung Und die Algorithmen? Analog zum Albumin, das den Druck im Körper regelt, ist der Algorithmus nichts anderes als ein Verfahren, das eine Homöostase (Gleichgewicht) zum Ziel hat. Das, was die Einen ins das Netz werfen um sich zu artikulieren, wollen die Anderen in einen Kontext stellen, der nicht demjenigen des Autors/Kommentators entspricht. Warum?

Betrachten wir nochmal das Bild der Assimilation, das oben in dem Begriff Meinungsexkrementik zum Ausdruck kommt. Der geschriebene Inhalt, dessen ein Mensch sich entledigt, soll für den anderen Nahrung sein. Diese Wiederverwertung gekauter Nahrung (verdautes Welterlebnis als Text ), die oft nichts anderes als ein Versuch des Verstehens der alltäglichen Geschehnisse ist, soll ökonomisch sinnvoll ablaufen. Deshalb wird mit viel mathematischem Brimborium ein Mehrwert in diese Exkremente einsuggeriert. Man könnte sagen, dass in der Algorithmusküche, Sätze und Daten solange zerkocht werden, bis aus dem vorherverdauten Brei wieder ganze Stücke werden. Man kann aber aus einem zerkauten Essensbrei auch mit den aufwendigsten Algorithmen nicht wieder einen Apfel oder ein Hühnchen zaubern.

Die pessimistische Lamentiererei sogenannter Experten und Intellektueller fällt also noch hinter die allzu optimistischen Wünsche der Bedeutungsingenieure zurück und lädt sie nur unnötig mit Macht auf. Man könnte denken, dass es sich um einen Versuch handelt, an dem Glorienschein teilzuhaben, den die bobos, Neurophysiologen und Teilchenbeschleuniger in langen Jahrzehnten gezüchtet haben – und zwar unter tatkräftiger Mithilfe der Journalistengarde auf der Suche nach dem allerneusten Neu. Dabei ist neu im Grunde nichts anders als das Indifferenteste, was wir kennen. Vielleicht lassen uns deshalb all diese wortgewaltigen Predigten für und wider das Netz so unbeteiligt zurück.

Mit was für einer Dreistigkeit die Welt auf der anderen Seite des Bildschirms sich in selbigem widerspiegelt mag für einige ein kritischer Schock sein – für andere ist er sehr heilsam. Denn wer alle Gespräche eines Tages in einem gewöhnlichen Restaurant oder Café aufzeichnen uns auswerten wollte, würde als irre abgestempelt. Im Web soll das also normal und sogar gefährlich sein? Es ist schlicht Unsinn und Ausdruck eines grassierenden Irrtums: Text ist nicht gleich Kontext.

Und wie geht man nun mit den Problemen des Ablenkens um? Es ist eine Disziplin der persönlichen Reife, Achtsamkeit, awareness, Konzentration und Gerichtetheit der Aufmerksamkeit zu erlernen. Sensuelle Deprivation gehört allerdings nicht zu den Trainingseinheiten. Oder um es in einen Witz verkleiden: ” Ich konnte gestern den ganzen Nachmittag nicht meditieren!” “Wieso denn nicht?” “Dauernd klingelte das Telefon.”

Und behüte mich vor meinen Fans… Dr. Christian Stöcker von Spiegle Online nun kommt von einer anderen Seite. Er möchte die neutrale und wertfremde, also technoliberale Seite des Web als sympathisches Bild der digitalen Kommunikation darstellen. Am 08.02.2009 hat er stellvertretend für viele folgende Thesen dargelegt. Die sieben Thesen lauten: 1. Das Internet ist dumm und das ist auch gut so. Tja, nun müsste man zunächst erklären, ob eine Maschine oder ein Programm überhaupt wissend sein kann. Ob eine Armada von Maschinen, die miteinander interagieren nun wissender oder dümmer würden, wäre eine theoretische Frage. Denn das Netz enthält lauter gespeicherte Symbole, die Menschen oder Prozessoren Anreize für Aktionen oder Unterlassungen liefern. Das Internet ist also genauso dumm oder schlau wie eine Armada von Heizungsventilen. Der wesentliche Anteil an Schläue wäre die Negentropie, also die gerichtete Organisation der Elemente und Strukturen. Denn Entropie ist im Grunde die Summer der erreichbaren Zustände. Angesichts der großen Menge an Elementen und Strukturen im Internet ist es also sinnvoll, diese potenziellen Zustände einzuschränken, um sinnvoll Gebrauch von der Technologie zu machen. Netzkünstler treiben dieses Vorhaben an das andere Ende zu treiben. Die Kategorie “dumm” im Kontext mit der Dimension Netz ist also ähnlich ertragreich wie die Kategorie “virtuos” mit der Dimension Musikinstrument. 2. An vielem, was das Netz gefährlich macht, sind die Nutzer selbst schuld. Vor allem die Nutzer, die mit den Fingern auf andere zeigen. Aber ach… Schuld. Also die Schuld. Das ist eine religiöse Kategorie. Aus dem Unbill der Naturgewalten extrahierten die Kulturen einen Bändigungszauber namens Religion. Nach Einführung des Individuums und der abgeleiteten göttlichen Macht auf den Menschen blieb nur noch die Schuld als abgeschwächte Form des wütenden Schöpfergottes übrig. Was der im Netz zu suchen hat, überlasse ich dem geneigten Leser. Aber man kann schon feststellen, dass Stöcker erkannt hat, dass dieser Schöpfergott namens Nutzer einigen Einfluß auf die Technologie hat, die er nutzt. Ein Beispiel: Man kann einen Hammer als Flaschenöffner, Werkzeug oder Tatwaffe einsetzen. Aber, das ist eigentlich ein Gemeinplatz und kann getrost als überflüssige Aussage disqualifiziert werden. 3. Die Staaten dieser Welt werden sich nicht darüber einigen, wie das Netz sein sollte. Aber ein Minimalkonsens in Sachen Verbrechensbelämpfung lässt sich herstellen. Das ist keine steile These, wenn man bedenkt wie Entscheidungsprozesse in den multinationalen Gremien funktionieren, zumal bei der ICANN, der Internet-Regierung. Ob und was ein Verbrechen ist, läßt sich kaum ernsthaft staatenübergreifend diskutieren wie man am Beispiel Steuerhinterziehung in der Schweiz und in Deutschland erkennen kann. Übereinstimmung wird nie erreicht, also erfindet man etwas Ähnliches: Konsens ist an dieser Stelle nichts Anderes als das alte Bild von Lyotard, der den Diskurs von Habermas als Akt der Aggression bezeichnete. Denn Konsens ist das Erzwingen einer gemeinsamen Erklärung zum Wohle aller Teilnehmer. Allzuoft nehmen aber die Betroffenen an diesen Diskursen gar nicht teil… 4. Wir sollten aufhören, vermeintlichen Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen ins Wohnzimmer starren. Wir brauchen eine neue Definition von Öffentlichkeit. Nein. Was wir brauchen ist eine Einsicht in die Tatsache, dass im netz genau dieselben Menschen agieren wie außerhalb des Netzes. Dort herrscht allerdings das Primat des Vergessens und der Vergänglichkeit. Das Netz ist eine Gefriertruhe der Worte. Jeder Satz wird schockgefrostet. Jeder Mensch hat sich schon mal vor Zeugen zum Narren gemacht. Es ist allerdings früher nie aufgezeichnet worden. Es bedarf also einer genauen historischen und ethnologischen Betrachtung dieses Kühlraums der Symbole. Auch eine ethische Risikofolgenabschätzung steht noch aus. Leider auch aufgrund der naiven Netzkritik, die sich im sogenannten bürgerlichen Lager formiert. Grundsätzlich wäre zu verweisen auf das Thema Identitätsmanagement angesichts des neuen Personalausweises und ELENA. Aber Herr Stöcker hält es für angemessen, lustige Anekdoten über die Holländer und ihre Gardinenlosigkeit als Metapher anzubieten. 5. Jugendschutz ist wichtig, aber nicht wichtiger als alles andere. Mit Providern als Zensor wäre das Ende des freien Netzes gekommen. Das Netz ist nicht frei und wird es nie sein. Freiheit, gleich ob negative oder positive, ist ein Wert, den es gilt anzustreben im Handeln der Menschen. Es gibt keine Manifestation der Freiheit in der Mechanik der Nullen und Einsen. Es gibt höchstens eine Freiheit im Zugang, im Gebrauch und in der Selbtsbestimmung über die eigenen Exkremente im Netz wie Kommentare, Artikel und Bilder… 6. Urheberrechte sind wichtig, aber nicht wichtiger als Bürgerrechte. Warum müssen immer die Rechte des Dreiecks, Nutzer, Autor und Werkmittler gegeneinander ausgespielt werden? Hat es Sinn, wenn unterschiedliche Kategorien von Rechten aus dem Immaterialrecht und den “kleinen” Menschenrechten namens Bürgerrecht? Nein, denn Autos unterliegen auch anderen Regulierungen als Flugzeuge. Was soll eigentlich so besonders sein am elektrischen Versand von beweglichen Lettern? Richtig, es ist der Zugang zu dem Sinn, der damit gestiftet wird. Wer den beschränken will, soll das mit seinen eigenen Inhalten tun können – aber nicht im Auftrag Dritter. 7. Die Vorteile des freien Internets überwiegen seine Nachteile. Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein. Siehe Kommentar zu These 5. Es wäre schön, wenn die Menschen selbst entscheiden dürfen, was, wo und warum ein Vorteil oder ein Nachteil des Web ist.

Bildnachweis: deanjenkins

February 10 2010, 9:30am

Flickr Commons: Auf Spurensuche in der Geschichte

Dass man bei Flickr gute Fotografien unter einer Creative-Commons-Lizenz finden kann, dürfte mittlerweile so ziemlich jeder wissen. Etwas anders sieht es leider immer noch mit den Commons aus: Obwohl bereits seit einer gefühlten Ewigkeit online, finden sie in der Blogosphäre nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen gebühren würde. Grund genug, ein paar besonders feine Sammlungen hervorzuheben.

Doch zunächst einmal zu einer ganz grundsätzlichen Frage: Was sind eigentlich die Flickr Commons? Flickr arbeitet hier mit einer Reihe von Museen und Institutionen zusammen, die Fotografien einstellen, die keinem Urheberrecht mehr unterliegen. Wer sich also für historische Fotografien interessiert, kann bei den Commons eine ganze Reihe von Kleinoden aus renommierten Einrichtungen finden. Gesucht werden können die Werke nicht nur über die Tags, sondern auch über Alben in den Profilen der Museen. Auf der Einstiegsseite werden die Institutionen vorgestellt, und im Flickr-Blog finden sich regelmäßig Hinweise auf einzelne Themengebiete.

Aus der Sammlung des George Eastman House stammen eine Reihe von Daguerreotypien von Southworth und Hawes. Die Daguerreotypie war 1839 als eines der beiden frühen fotografischen Verfahren erfunden worden und arbeitet mit einer Silberplatte als Trägermaterial. Zum Einsatz kam sie vorrangig für Portrait-Aufnahmen als kultisches Andenken an verstorbene oder weit entfernte Menschen. Southworth und Hawes, ein in Boston ansässiges Fotografen-Duo, haben diese Kunst perfektioniert und mit unterschiedlichen Stilmitteln wie Gesichtsausdrücken und Gegenständen den Charakter einer Person zum Ausdruck gebracht.

Eine umfangreiche Sammlung von Aufnahmen aus der amerikanischen Geschichte gibt es bei der Library of Congress. Mit dabei: Aufnahmen aus der Farm Security Administration (FSA). Im Rahmen von Roosevelts New Deal sollte mit diesem Hilfsprogramm den durch die Weltwirtschaftskrise gebeutelten kleinen Farmern geholfen werden. Nebenbei erlaubte man sich eine Gruppe Fotografen, die das Leben der Bevölkerung dokumentieren sollten und entscheidend die Ästhetik beeinflusste, die wir heute als dokumentarisch betrachten.

Einer fürs heutige Gemüt eigenartigen Blüte widmet sich ein Album des National Media Museum: der Spirit Photography. Diese Geisterjäger wollten mit der Kamera die Existenz von Geistern nachweisen und die Verbundenheit der Toten mit ihren lebenden Verwandten zum Ausdruck bringen. Gearbeitet wurde jedoch meist mit ganz ordinären Doppelbelichtungen und anderen Tricks in der Dunkelkammer.

Bei Interesse nach einer Fortsetzung des Post: ihr wisst ja, just drop me a line. Und wenn Sammlungen fehlen sollten, die euch gefallen: ab in die Kommentare damit.

Bildnachweis: flickr.com/commons

February 9 2010, 10:00am

Piraterie reicht nicht als Erklärung für Preisdruck

Bei Techdirt ist vor ein paar Tagen ein interessanter Beitrag erschienen, der sich mit der Frage auseinander setzt, ob die Major-Labels im Musikmarkt ihren Bedeutungsverlust hätten verhindern können, wenn sie das iTunes-Modell früher angewandt hätten: Did The Recording Industry Really Miss The Opportunity To ‘Monetize’ Online Music?

Besonders treffend finde ich die Betonung, dass der durch die Verfügbarkeit quasi kostenloser digitaler Inhaltekopien ausgelöste Preisdruck im Musikmarkt unabhängig von Piraterie entsteht:

“Tim Lee, who pointed us to this piece in the first place, tacks on the point that “the economic argument for free music is unrelated to ‘piracy.’” This is, indeed, a key point and one we’ve tried to make in the past, but one that sometimes gets lost in the shuffle. The basic economics of music suggest that it was going to face downward pricing pressure all along. That has little to do with unauthorized access to music or whether or not the major record labels sucked it up and did licensing deals with Napster. It was just where the market was going to head one way or the other — because, over time, more and more people would begin to realize that free music was an excellent promotional tool for other things, and that would drive more business to those other areas. That, in turn, would lead more and more musicians and their business partners to recognize the benefit as well. In fact, we’re seeing that happen today. The fact that unauthorized access to files online may have helped push that realization forward doesn’t change the fact that those pressures were going to come one way or the other.”

Das ist in der Argumentationsform auch auf den Buchmarkt übertragbar, wo häufig Debatten geführt werden, die von diesem Gesichtspunkt ablenken. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Buchbranche noch mehr Zeit zum Handeln hat/hätte als die Musikindustrie. Immerhin gibt es aber inzwischen schon einige innovative Plattformen wie PaperC. Ich halte es jedenfalls mit Gerd Leonhard, der sehr zu Recht sagt: ‘protection’ is in the business model not the technology

Crosspost: leanderwattig.de Bildquelle: artemuestra (CC-Lizenz)

February 8 2010, 1:45pm

Brille auf: Kunst statt Werbung

Was für eine Vorstellung: Ein persönlicher Ad-Blocker für die Innenstadt! Eine Vision, die die Macher von „The Advertiser“ wahr werden lassen: Sie scannen Plakate und Logos von Calvin Klein bis Budweiser ein, blenden die Werbung dort aus und ersetzen sie mit Kunstinstallationen. Natürlich nicht wirklich, sondern nur für den Nutzer ihrer Ferngläser, Kunst auf Werbeflächen einblenden.

Julian Oliver ist einer der Initiatoren des Projekts. “Die Stadt ist ein Raum der verdichteten Reize”, sagt er. Er wolle sich nicht damit zufrieden geben, dass die Bewohner Städte nur Lesen und nicht schreibend neu gestalten können – anders als Unternehmen, die sich optische Beeinflussung ihrer Städte mit Geld erkaufen können. Bürgern hingegen bleibt der Zugang verweigert. Darum setzte er und seine Mitstreiter sich daran, Computern das Widererkennen von Werbeflächen beizubringen.

So werden teils Werbemotive gehackt, indem aus „Dunkin’ Donuts“ „Fucking Donuts“ wird – oder aber es werden kontextfreie Animationen oder Frisurenhelme auf die ursprüngliche Werbung projeziert. Und es gibt ein magenta-farbenes Plakat der „The Artvertiser“-Gruppe, in der sie in schönster MoMa-Optik für „your art here“ werben.

Für Olivers Mitstreiter Damian Stewart bedeutet das Projekt auch noch etwas anderes – nämlich Hirnfrieden. Forschung hat ergeben, dass die Hirnaktivität beim Konsum einer Google-Seite wesentlich aktiver ist als beim Lesen eines Buches – weil ständig neue Entscheidungen getroffen, neue Reize auftauchen. Das sei nicht gut für das Hirn, ziehe zu viel Energie, sagt XY – eine andere Begründung dafür, Werbung zu blocken, eine Art Hirnurlaub also.

Die Arbeit der „Artvertisers“ war Teil der Camera Obscura-Ausstellung zur Transmediale zu sehen – und darüber hinaus auf theartvertiser.com.

Foto: screenshot theartvertiser.com

February 8 2010, 12:50pm

Feudalherren, Irokesen und kein Gespräch

Körpersprache, die Bände spricht: Sascha Lobo (v.l.n.r.) verkrampft, Tiziana Terranova im verzweifelten Versuch, Dialog herzustellen, Steve Lambert beleidigt und Matteo Pasquinelli unterfordert bis genervt. (Foto: Anja Krieger)

Drei Männer, drei Themen und keines davon war tatsächlich Liquid Democracies – auch wenn das ursprünglich im Programm gestanden hatte. So diskutierten am Sonntag abend Matteo Pasquinelli, Steve Lambert und Sascha Lobo an einander vorbei.

Steve Lambert präsentierte, dass jeder deutsche Powerpointuser blass vor Neid werden muss: Kurzweilig, bilderstark und witzig stellt der Amerikaner sein Konzept von “utopian fiction” vor: Statt herumzuunken, wie die Zukunft aussehen könnte, kann man sich einfach eine Zukunft ausdenken und sie öffentlich machen, dann kommt die öffentliche Debatte darüber von ganz allein, meint Lambert. Und er weiss, wovon er spricht – immerhin war er unter den Menschen, die in einer gefakteten New York Times-Ausgabe aus der Zukunft das Ende des Irakkriegs verkündeten. “Wir haben das gemacht, weil wir es wollten”, sagt er. Es geht Lambert darum, die Gesellschaft wiederzubeleben, um Demokratie zu stärken. Demonstrationen funktionierten heute nicht mehr, statt dessen müsse man versuchen, die Leute mit fiktionalen Utopien zum Lachen und Nachdenken zu bringen. Statt Kunst zu machen, solle man die Leute dort abholen, wo sie sind, in einer Sprache, die sie verstehen: Wie würden sie den US-Haushalt gestalten? Wie fänden sie Bars in der U-Bahn? Was halten sie vom Irakkrieg? “Wir brauchen keine neuen Ideen, sondern die Visionen und Motivation dafür, die guten Ideen da draußen umzusetzen”, sagt er. Und endet mit einem dicken “Do something!!

Auf eine derart schmissige Darbietung will sich sein Nachredner Matteo Pasquinelli nicht einlassen. Er nimmt in seiner ökonomiehistorischen Rede dafür auf eine interessante Art und Weise die digitale Kreativindustrie unter Beschuss. Anders als vor zehn Jahren, als man mit dem Auftauchen von Indymedia glaubte, das Internet würde partizipativer, diversifizierter, freier werden, sieht man heute, dass es vor allem der Monopolbildung Vorschub leistet. “Statt über liquid democracies sollten wir über digitalen Neo-Feudalismus im Netz sprechen”, sagt Pasquinelli. Wenige Großfirmen etablierten sich immer weiter, der Mittelstand bröckelt weg, und diejenigen, die das Netz als Tempel der kognitiven Intelligenz feiern, vermeiden in Wahrheit nur die Frage, wie sie sich in den ökonomischen Prozess mit einbringen wollen. Zahlen also eine Art Rente an die großen ökonomischen Feudalherren des digitalen Zeitalters. Pasquinelli kritisiert die free culture-Bewegung dafür, sich parallel zur Wirtschaft vor sich hin zu existieren, Interaktionen mit der Wirtschaft zu vermeiden und sich so von den großen Firmen ausbeuten zu lassen. Er zeigt sich von Lamberts Vortrag wenig beeindruckt: Aktivismus sei für ihn, den Wissenschaftler mit der Linksaktivisten-Vergangenheit, eine alte Geschichte. Aktivismus wie Lambert ihn vertrete, habe in den vergangenen zehn Jahren nichts bewirkt. “Ich würde jetzt einfach gerne mal Politik machen. Taktiken entwerfen. Da passiert heute nicht genug”, mahnt er.

Und dann ist da noch Sascha Lobo auf dem Podium. Sein Auftritt ist von einigen Konferenzteilnehmern mit Spannung erwartet worden. Mal sehen, wie er sich gegenüber dem italienischen Linken schlägt, hat einer gesagt. Ich persönlich habe gehofft, dass er vielleicht auf seine speziellen Freunde von der Piratenpartei eingehen wird. Doch nichts davon: Noch kurz vor Start der Veranstaltung bastelt Lobo an seiner Slideshow, begründet auf der Bühne wortreich, warum er auf Deutsch vortragen wird (höhö, will ja nicht den Oettinger machen – ich wäre interessiert an der Übersetzung dieses Gags gewesen) – und hält dann einen typisch-generischen Sascha Lobo-Vortrag über das Spannungsfeld zwischen sozialen und klassischen Medien. Kurz: Er macht im Vergleich zu den anderen beiden Panel-Teilnehmern keine besonders gute Figur.

Schrecklich wird es allerdings erst, als alle drei mit ihrer Moderatorin Tiziana Terranova auf Sofas sitzen, möglichst weit von einander entfernt, und jeder in seinem ganz eigenen Film monologisiert. Lobo hat sich an der Idee festgebissen, dass sein Englisch zu schlecht sei für diese Veranstaltung und krampft sich daraufhin von Statement zu Statement – völlig ohne das Selbstbewusstsein, mit dem er sonst so häufig auftritt. Pasquinellis Körper- und Mundsprache lassen wenig Zweifel daran, wie intellektuell unterkomplex ihm diese Diskussion vorkommt und wiederholt seine Thesen wieder und wieder – allerdings ohne eine interessante Debatte provozieren zu können. Denn auch der eben noch so lockere Lambert macht einen ziemlich verkrampften Eindruck, nachdem Pasquinelli seine utopischen Aktivismus-Ideen so böse hat auflaufen lassen.

So wurde es doch ein ziemlich anderer Nachmittag, als ich es mir im Vorfeld gedacht hatte. Eigentlich hatte ich erwartet, endlich einmal eine interessante, nicht nur im deutschen Saft schmorende Debatte über liquid democracies zu hören – und diese Ideen einmal mit der gelebten politischen Wirklichkeit innerhalb der deutschen Piratenpartei abzugleichen. Was aber nicht weiter schlimm ist: Zumindest die geschichtsökonomischen Betrachtungen von Matteo Pasquinelli haben für diesen Mangel klar entschädigt. Hoffentlich erscheint das Video heute hier im Medienarchive der transmediale. Bildnachweis: Anja Krieger

February 8 2010, 9:45am

Langsamkeit, Duchamps und jede Menge Jetzt: Futurity Long Conversation auf der Transmediale

Neun Stunden Zeit, um über Zukünftigkeit zu sprechen – eigentlich nicht übermäßig viel angesichts dieses Themas. Die allerdings ziemlich lang werden kann, wenn man im dämmrigen Auditorium des Hauses der Kulturen der Welt sitzt. Gegen 20 Uhr fragt Andy Cameron, der Chef des Benetton-Kommunikationsforschungscenters “Fabrica”, wie viele Menschen eigentlich schon von Beginn an im Saal sitzen. Es heben sich etwa fünf Hände. “You have my admiration”, sagt er.

22 Künstler, Designer, Theoretiker und Journalisten diffundieren auf und von der Bühne. 22 Minuten haben sie je Paarung Zeit, ein Gespräch zu führen, bis per Gong einer die Bühne verlassen muss und ein neuer Diskussionspartner die Bühne betritt. Das kann spannend sein – oder aber auch sehr langwierig, ganz nach Paarung auf der Bühne. Um kurz vor 17 Uhr konstatiert der indonesische Künstler und Kurator Gustaff Harrimann Iskandar aus Indonesien er könne mit dieser ganzen Diskussion hier kaum etwas anfangen: Wegen der wechselvollen Geschichte in Indonesien seien immer wieder neue Zukunftsvisionen von der niederländischen Kolonialmacht bis zum Suharto-Regime aufgetaucht. Zu viele, meint Harrimann Iskander: “Die Zukunft ist bedeutungslos für uns, man muss erst einmal die Gegenwart verstehen. Man muss seinen Körper auf die Gegenwart einstellen, denn Veränderung kann jederzeit stattfinden.”

Zuvor hatte der niederländische Softwareprogrammierer Jaromil sich – ganz Linux-Verfechter – für mehr Kooperationen in der Zukunft ausgesprochen und beklagt, wie monopolisiert viele Entscheidungsprozesse noch heute sind. Er sei stolz, Dinge zu tun, mit denen andere etwas anfangen können, zu dem sie etwas beitragen können. Auch wenn das nicht immer der schnellste Weg sei. “Das Feiern von Hast und Geschwindigkeit sind die Probleme des futuristischen Ansatzes”, sagt er. “Ich mag es, nicht der Erste zu sein.” und die Wiederentdeckung der Langsamkeit angeregt. Und beschämt den einen oder anderen Zuschauer ein wenig, wenn er mit Harrimann Iskander beginnen will, ein Gespräch über die grandiose DIY-Kultur in Indonesien anstößt – denn das hat bekanntlich wenig mit Bastel-Schick zu tun als vielmehr mit der blanken Notwendigkeit.

Es gibt auch Längen in der Diskussion. Etwa, wenn sich die britischen Professoren Steve Benford und Gabriella Giannachi über Myspace-Selbstmorde, Datamining bei Amazon und das 10 Jahre alte Google-Maps-Bild von Giannachis Haus austauschten. Was daran liegen mag, dass sie beide gemeinsam am Horizon-Projekt der Universität Nottingham mitarbeiten. Giannachi fragt sich, ob archivierte Dokumente des Alltagslebens einen Wert haben – besonders vor dem Hintergrund, dass ihre siebenjährige Tochter einer Generation angehört, deren Leben komplett digital eingefangen und gespeichert wird.

Die großen Minuten hat die Long Futurity Conversation allerdings dann, wenn sich auf der Bühne mal ein wenig gezofft wird. Etwa, als der bärtige und bemützte Künstler Warren Neidich sich mit der zarten Professorin Denisa Kera anlegt. Neidich, der Kunstwerke schafft, die vor dem geistigen Auge seiner Zuschauer stattfinden (indem er auf ihre Vorstellungskraft abzielt), koffert Kera an, als sie mit ihm darüber diskutieren möchte, ob die Zukunft noch das Individuum brauchen wird – oder über soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen. Er beschimpft sie wie sich selbst als romantisch. Während Kera über das eigentliche Thema der Veranstaltung, Zukünftigkeit sprechen will, versteigt sich Neidich in einen nicht uninteressanten, aber doch ganz eigenen Gedanken – über den Effekt, den Kultur und Architektur auf unsere Entwicklung als Individuum haben, über Duchamps Pissoir, die Musik von Cage. Kera fürchtet um den Erhalt des Individuums, denkt darüber nach, ob man es künftig mit seinem ganzen geistigen Potential noch benötigt werden wird – oder ob nicht eine versklavte Masse ausreicht. Woraufhin Neidich beginnt, die Kraft der Kunst zu preisen: “Wissenschaftler suchen Konstanz, reproduzierbare Ergebnisse. Aber ein Künstler wie Andy Warhol kann alles verändern.” Und beide sich darin versteigen, was für eine Gattung Barcodes sind, die doch in Supermärkten immer miteinander sprechen. Er wisse nicht, ob er mit denen leben wolle, sagt Neidlich. Kommt drauf an, ob man das interessant gestalten kann, meint Kera.

Wirkliches Highlight der langen Unterhaltung (wahrscheinlich neben den Beiträgen von MIT-Professor Sharpio, die ich leider verpasst habe), ist allerdings das aufeinandertreffen von Designer Jimmy Loizeau mit Bloggerin Regine Debatty. Loizeau, der auf der Transmediale seine fleischfressenden Hausroboter in Möbeloptik präsentiert, hält ein Plädoyer für Design, das nicht nur hübsch ausschaut, sondern Fragen aufwirft. Und Debatty, angetan mit einem hübschen französischen Akzent und einem rosa Smiley-Pullover, verkündet, dass sie keine Lust mehr ihr Blog hat – und wie langweilig sie Design eigentlich findet. Und auch auf Bücher will sie nicht schreiben: “Ich mag es nicht, meinen Text gedruckt zu sehen, ich fühle mich einfach nicht wohl damit, wenn man ihn nicht mehr verändern kann, es nicht mehr “work in progress” ist.” Loizeaus Sachen aber nicht – von denen weiss sie nicht wirklich, was sie davon halten soll. Geräte, die Mäuse und Fliegen, vielleicht irgendwann auch Menschen essen können? Für die Tierversuchsgegnerin und Veganer-Freundin Debatty schwierig. Loizeau sagt, er wolle ganz im Gegenteil wieder sensibilisieren – nachdem wir im Mikrokosmos unseres Zuhauses ja sonst auch ganz locker differenzieren, wer, von der Fruchtfliege bis zur Katze, leben darf und wer zu sterben hat. Und nachdem (gähn), uns das Fernsehen für den Tod desensibilisiert hat. Einziges Problem an diesem munteren Geplauder: Mit Zukunftsvisionen hat das Gespräch auf der Bühne auf einmal nicht mehr viel zu tun – höchstens dort, wo es um die Entwicklung von Biotech-Künstlern ging. Und die diskutierte Debatty auch gleich mit ihrer nächsten Gesprächspartnerin, der studierten Physikerin und Künstlerin Nicola Triscott, weiter, die sich für die Schnittstelle und Kooperation von Wissenschaft und Kunst interessiert.

Flacher wird die Diskussion, als die humorvolle Triscott auf den etwas steifen Benetton-Kommunikationsforscher Andy Cameron trifft – und er darüber plaudert, wie Benetton mit einer Social Media-Kampagne die neuen Models für die nächste Werbekampagne finden will – ausgewählt von der Masse. Und wie er die “Zukunft von Shops” gestalten will. Triscott versucht, darüber zu diskutieren, warum unsere Zeit so risikofrei geworden ist. Von Experimenten aus ihrer Schulzeit habe sie noch immer Narben an den Beinen. Heute wäre so etwas undenkbar, der Jugend werde beigebracht, sich Regeln zu fügen, es richtig zu machen. “Leuten das Scheitern erlauben – das sagt uns etwas über die Zukunft”, sagt Triscott. Lobt die Darwin-Awards. Sagt, die Leute müssten anfangen, “Expertise”, die ihnen vor die Nase gesetzt wird, zu hinterfragen. Oder zumindest die Personen, die sie präsentieren. Gedanken, auf die Cameron leider kaum einsteigt.

Und so plätschert die Long Conversation weiter vor sich hin. Mal schlauer, mal weniger Visionär. Über Fahrräder als Autos der Zukunft, Kunst statt Werbung und Konferenzen ohne Teilnehmer. Mal sehen, wie es dann tatsächlich wird. Später in der Zukünftigkeit.

February 7 2010, 9:41am

Palestine läutet zur Transmediale

Dienstag, 2.2.2010

Charlemagne Palestine sitzt im Glockenturm des Carillion vor dem Haus der Kulturen der Welt. Draußen fegt ein Schneesturm durch die Dunkelheit. Wir stapfen durch den frischen Pulverschnee, bleiben vor dem Kanzerlinnenamt stehen und schauen rüber zum Carillion, dem Glockenturm vor dem Haus der Kulturen der Welt. Normalerweise stellt ihn die schwangere Auster in den Schatten. Doch heute ist die Nacht des Glockenturms, alle werden sich an ihn erinnern.   Es ist kurz nach Acht, die Performance zur Eröffnung der Transmediale beginnt. Von einem Moment auf den anderen steht ein Regenbogen aus Lasern in der Luft. Eine horizontale Straße vom Raumschiff aus, das das Haus der Kulturen der Welt ist. Charlemagne Palestine fängt an zu spielen. Glocke für Glocke, Ton für Ton webt er langsam repetitive Muster mit minimaler melodischer Variation. Der Schnee tanzt in den Lasern, und wirbelt in Rot, Gelb, Blau, als ob ihn Palestines Musik umherweht. Langsame schwellen die Klänge an, dann wieder ab, kommen zurück in neuen Farben und setzen wieder an, wenn man denkt, es sei schon vorbei. Eine sonderbar-schöne Mischung aus Sonntagsglocken, “Pace!” und Sci-Fi zum Auftakt der Transmediale.10.   Ein Stück der “Tintinnabulations for Tommorrow and Tommorow” kann man bei 12seconds.tv sehen und hören. Charlemagne Palestine spielt außerdem noch einmal am Freitag, den 4.2.2010, im Rahmen der Transmediale im Französischen Dom in Berlin: Spectral Continuum 2010.

February 4 2010, 11:00am

Neue Seuche: Egoshooter Disease ESD

Eine neue Krankheit läßt aufhorchen: ESD . Wenn Schirrmacher das gewußt hätte, würde sein Buch “Paybot” heißen. Was soll nur aus der Jugend werden. Die bürgerlichen Konservativen müssen dem einen Riegel vorschieben und Algorithmen verbieten. Anders wird es nicht gehen!

via Rhein-Onliner und via @Isarnixe

February 2 2010, 9:06pm

Kubus muss weiter: Ein eBay-Objekt verkauft sich selbst

“A Tool to Deceive and Slaughter” heißt der schwarze Würfel, den Caleb Larsen gerade für über sechstausend Dollar über eBay verkauft hat. Dabei hat der schwarze Acryl-Kubus nur eine Funktion: Sich selbst wieder über eBay zu versteigern, sobald ihn der Besitzer ans Netz angeschlossen hat. Letzte Woche stellte Wired Larsens Aktion vor. Jetzt ist der Würfel verkauft und auf dem Weg zum Höchstbietenden. Larsens absurde Kunstauktion experimentiert mit Verlangen, Besitz und Marktwert – und mit sich selbst.   Caleb Larsen, 1979 in Michigan geboren, lebt in Mexiko. Die Materialien für seinen 2008 entworfenen Würfel beschreibt er so: Perpetual online auction, internet connection, custom programming and hardware, acrylic cube. Das Ergebnis ist eine Skulptur, die sich alle zehn Minuten ins Internet einwählt und prüft, ob es auf eBay zum Verkauf steht. Wenn das nicht der Fall ist, stellt sich der Würfel automatisch neu zur Auktion ein. Sobald er ersteigert wurde, muss ihn der alte Besitzer an den Höchstbietenden der Auktion schicken, so lautet die Kaufbedingung. Der schließt ihn wieder ans Netz, und alles geht von vorn los.   Die Höhe des neuen Preises darf der Durchgangseigentümer mitbestimmen, muss aber eBay-Gebühren einkalkulieren und 15 Prozent der Preisdifferenz an den Künstler weiterzureichen. Und so soll der Würfel von Auktion zu Auktion und Ort zu Ort wandern. Sein aktueller Wert und Status sind jederzeit abrufbar unter atooltodeceiveandslaughter.caleblarsen.com.   “Diese Skulptur existiert im ewigen Flux der Transaktion”, erklärt Larsen auf seiner Website. Als Inspiration nennt er Robert Morris’ Box With the Sound of Its Own Making und Baudrillards Schriften über die Kunstauktion.   Es scheint, als sei das Spiel, das Larsen mit den Bietern, mit dem Kunstmarkt, mit dem Markt überhaupt treibt, abzusehen. Wired adelt die Aktion, übers Netz und Medien verbreitet sich die Nachricht, “wie cool!” denken die Leute. Und einige werden verrückt genug sein, den Würfel zu ersteigern. Aus Eitelkeit, um ihn auch mal zu Hause zu haben und den Freunden zu zeigen. Um mit dem Hype Geld zu verdienen. Oder weil sie die absurde Schönheit der Aktion so freut, dass sie Teil davon werden möchten. Die Käufer werden die Bedingungen, die Larsen gestellt hat, akzeptieren, und den Würfel brav ans Netz anschließen, nachdem sie ihn ausgepackt haben. Irgendwann will der Würfel weiter ziehen, und das geht so weiter bis die Blase platzt und der Preis nicht mehr steigt, sondern einbricht.   Reuters-Journalist Felix Salmon deutet Larsens Box als ins absurde übersteigerte Kommerzialität: Many artists have tried to remove their art from the commercial aspects of the art world — by making it free, for instance, or by putting on performances, or creating public installations. This one does it by making an artwork which is so commercial that it can’t be collected. You could buy the piece today, and it might be worth $100,000 in a few years’ time. But you wouldn’t own it in a few years time, and you would have personally gained only a tiny fraction of the increase in the piece’s value, if anything at all.

Aber ist das alles, was Larsens Konzept ausmacht? Und könnte die Vorhersehbarkeit nicht doch schon früher enden, egal, ob der Künstler das vorhergesehen hat, oder nicht? Einmal in die Welt gesetzt, hat ein Kunstwerk sein eigenes Leben. Der Würfel könnte vom Weg, den der Künstler offiziell für ihn vorgesehen hat, abkommen. Damit der Würfel ewig wandert, ist trotz der eingebauten Automatik immer noch die Loyalität der Käufer notwendig. Der Weg des schwarzen Würfels ist selbst eine Black Box, weil das, was er bei Künstler und Käufer auslöst, offen ist.   Und dann ist da noch etwas: Obwohl dies nicht die erste Auktion war, dürfte das “unsammelbare Kunstwerk” erst ein einziges Mal wirklich verkauft worden sein, glaubt Felix Salmon. Und dabei könnte es möglicherweise bleiben, wie bei anderen Kunstwerken auch. Sollte er vorzeitig sesshaft werden, war die Geschichte vom wandernden Würfel am Ende selbst eine Täuschung.   Bildnachweis: de.engadget.com

February 2 2010, 10:00am

Wie die Netzwerkkultur die Gesellschaft verändert

Prof. Dr. Peter Kruse mit einem Vorzrag wie die Netzwerkkultur die Gesellschaft verändert. Gehalten beider Landesmedienanstalt Hessen. Die Slides zum Vortrag gibt es hier, das Video des Vortrags nach dem Klick.

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November 6 2009, 8:20am

Social Media Revolution - schlampig gut gemacht

Zugegeben ein sehr stylisch gemachtes Video auf dem Socialnomic09-Youtube-Channel mit Fat Boy Slim Sound. Den Stil kennt man: Statistiken schick grafisch aufbereitet oder visualisiert in ein Video packen und auf virale Verbreitung hoffen. Ja, es funktioniert aber aber aber: Die Daten sind in Teilen ziemlich dahingeschlampt, weil ohne Belege oder durch die Verkürzung der Aussage schlichtweg falsch. Insofern bitte auch die Comments auf YouTube beachten.

[via Medienmaul.de]

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August 14 2009, 12:33pm

Small World Phänomen ist eine Ente

1967 machte Sozialpsychologe Stanley Milgram ein kleines Experiment. In einem seiner Kurse wurde untersucht, ob kleine Pakete in Reisepassgröße, die an einige hundert Leute in Nebraska und Kansas verteilt wurden in zwei Zielen in der Region um die Stadt Boston erreichen würden, wenn sie nur über persönliche Bekannte übergeben würden, die man per Vornamen kennen musste und die am ehesten jemanden in der Zielregion kennen würden. Die Leute, die die Pakete erhielten, wurden per Zufall ausgesucht. Alle Zwischenstationen sollten sich aus dem Paket eine Postkarte nehmen und sie an ihn schicken, damit er nachvollziehen konnte, wo die Pakete Station machten. Es stellte sich heraus, dass im Durchschnitt sechs Stationen nötig waren, bis das Paket am Ziel ankam. Daher wird heute oft von dem Phänomen gesprochen, dass man nur sechs Leute braucht, um jeden in der Welt erreichen zu können. Das Kleine-Welt-Phänomen. Die Fehler liegen auf der Hand. Denn es erreichten nur drei Pakete das Ziel. Milgram selbst hat der Öffentlichkeit gegenüber niemals irgendeine Zeile zu der Untersuchung erwähnt oder diese Hypothese bestätigt. Judith Kleinfeld hat in einer unveröffentlichten Forschungsarbeit dargelegt, dass das ganze Phänomen eher ein Missverständis ist, das unglücklicherweise noch immer mit Milgrams Namen in Zusammenhang gebracht wird. Sie wies auch auf potentielle Hinderungsgründe für das Weiterleiten hin: soziale Herkunft, Rasse und Bildung. An der Columbia University hat man 2003 in einer großen Studie dasselbe Prinzip mithilfe der E-Mail bei 60.000 Leuten untersucht. Das Ergebnis bestätigt die Zahl von 5 bis 7 Schritten zwischen Start und Endpunkt. Allerdings hängt das sehr stark von den jeweiligen Relationen ab und welche Belohnung winkt. Das Fazit der Studie ist ernüchternd: Netzwerkstrukturen allein sind nicht alles. Bei Licht betrachtet sind sie eben nur die Strukturen, die Elemente verbinden. Das erlaubt noch keine qualitative Erkenntnis über deren Funktion und eventuelle Nutzungsmöglichkeiten. Das die postmoderne Lehre die klassische systemtheoretischen Grundeinheiten von Element und Struktur um die Organisation erweitert, erweist sich auch hier als einzig probates Mittel: Allein die Belohnung bzw. die Motivationsstruktur ermöglicht ein gezieltes Verwenden des Netzwerks zum Zweck der Informationsverteilung. Hört sich an wie alter Wein in neuen Schläuchen. Der Grund, warum ich das hier schreibe liegt darin, dass ich immer häufiger bei den so genannten Social Media Experten den alten Schmuh rund um das Small World Phenomen in diversen Präsentationen lesen muss - seit Neuestem sogar in Diplomarbeiten und letzte Woche in einer Dissertation. Es wäre wünschenswert, wenn nicht nur das Phänomen und seine Grenzen beschrieben würden, sondern auch die aktuellen Untersuchungen (s.o.) dazu benannt wären. Die Psychologin Judith Kleinfeld, der das Privileg der Kritik des ersten Anscheins gebührt, leitet zu einem anderen Aspekt des Themas Kleine Welt über: The results suggest again that, far from living in a small, inter-connected world, we live in a world with racial barriers. Dazu passt ein sehr guter Vortrag, den die exzellente und berühmte Expertin für Soziale Netzwerke Danah Boyd auf dem Personal Democracy Forum neulich hielt. Dort erklärt sie, dass es einige soziale und rassentrennende Besonderheiten bei den sozialen Netzwerken erkennbar sind, die nicht ganz die triviale Idee des globalen Dorfes im Web transportieren. Ihre soziologischen Erkenntnisse rund um den Gebrauch von Facebook, MySpace und Konsorten kann ich nur all denen ans Herz legen, die sich nun Community Manager nennen sowie all denen, die mit Social Media Marketing glauben, den großen Agenturen den Rang abzulaufen. Es ist nicht ganz einfach, das Richtige an der passenden Stelle angepasst und glaubwürdig darzustellen. Wer in diesem Umfeld reüssieren will, sollte sozialwissenschaftliches Rüstzeug vor die Fähigkeiten eines Werbetexters stellen. Denn die einzige Währung die in allen sozialen Schichten und bei jedwedem Bildungsabschluß hilft, ist eine Übereinstimmung von Wort und Tat. Das erscheint altmodisch und gar nicht hip. Aber die Belohnung von der in der Studie Columbia die Rede ist und das was bei Boyd gut erkennbar ist, sind eine klare Motivation für Handeln im Web 2.0: Gewinn an Reputation und Profil. Und Boyds Beobachtung, das digitale Migration eine ähnliche Bewegung ist wie die Flucht der Weißen aus bestimmten Regionen einer Stadt. Den Mainstream zu mißachten, kann enormen Konsequenzen haben. Die politischen Kräfte verstehen solche Bewegungen noch nicht. Das Wegschauen ist dort Prinzip. Aber das die privilegierten digitale natives den Mainstream verlassen kann unerwünschte Folgen haben. Irgendjemand sollte vielleicht den Blick für all das behalten, was dort passiert. Denn es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, der sich online darstellt. Nicht jeder schaut überall hin. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Nutzer von MySpace und Facebook durch Rassen, sozialen Status und Bildung getrennt sind. Auch wenn die Studie die Verhältnisse in den USA reflektiert, sollten wir nicht glauben, das sei hier anders. Eher umgekehrt: Die sozial schwachen Gruppen haben nicht immer so einen direkten Zugang zum Netz wie in den USA. Die Medienkompetenz ist das ein Thema, die soziale und intellektuelle Spaltung ein anderes. Vielleicht sollten wir den Begriff Small World einfach auf unsere Welt hier beziehen und dort sehen, was im Umkreis von sechs Menschen an Hilfe sinnvoll und leistbar ist.

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August 4 2009, 11:55am

Soziale Netzwerke sind digitale Städte

“Twitter und Facebook sind so dermaßen letztes Jahrtausend,” so leitet Anand Ghiridharadas seinen denkwürdigen Artikel der New York Times vom 1. April 2009 ein. Und er hat recht. Im Kern sind sie sogar antik. Warum? In seinem kleinen indischen Dorf lebt niemand in anonymer Stille und Zurückgezogenheit. Jeder bekommt den Streit der anderen mit. Man hat den Eindruck, dass jeder es offenbar darauf angelegt dass alle alles mitbekommen. Das hat einen Grund, denn man hat mehr davon, wenn man Teil des kommunalen Netzwerks der Nachbarn ist, als wenn man in völliger Anonymität lebt. Man hört Meinungen nach denen man nicht gefragt hat, man hört Ratschläge, die man vielleicht gar nicht braucht, aber so erhält man Anerkennung, Gemeinschaftsgefühl und vielleicht sogar das Gefühl, angekommen zu sein und geliebt zu werden. Ursprung der digitalen Städte Diese Werte sind uns eigentlich wohl bekannt. Zugegeben, die meisten kennen sie erst seit dem Geschichtsunterricht, wo die Ursprünge der Zivilisation in Mesopotamien gelehrt werden. Denn die Wurzel der heutigen Städte sind die Sippen. Wenn sich eine Sippe dazu entschlossen hatte, mehrere Aufgaben an einem Ort zu konzentrieren, also das Kümmern um die Alten, das Horten von Vorräten und das Bekochen der Kinder, dann wurden meistens passende geographisch günstige Standorte (Höhlen, Quellen etc.) mit einem organisatorischen Mehrwert aufgeladen, der für die Sippe soviel Nutzen brachte, dass mehr Freizeit entstand. Freizeit schafft Kultur Diese wichtigste Folge der intelligenten Planung von gemeinsamen Aufgaben war Motor und Ursache aller folgender Kulturleistungen, sei es die Erfindung der Werkzeuge oder gar neuer Werkstoffe. Denn man musste satt sein und eine gesicherten Ort in einer liebevoll zugewandten Gemeinschaft erleben, um mit Versuch und Irrtum Neues zu entdecken. Denn anders als viele moderne Experten uns glauben machen wollen, liegt die Quelle der Innovation in einer freien und familiären Atmosphäre mit viel freier Zeit, in der eben auch mal etwas völlig Unsinniges passieren kann. Ein durchorganisierter Zeitplan der auf Effizienz getrimmt ist, stört den alltäglichen Plausch - verhindert dadurch das tägliche Erneuern sozialer Bindungen - was die Unsicherheit gegenüber der direkten Umgebung erhöht und damit die Möglichkeit verhindert, ungestört über Neues und vielleicht Unwichtiges, potenziell aber Bahnbrechendes nachzudenken. Soziale Netzwerke sind der tägliche Tingplatz In der mittelalterlichen Dorfstruktur kristallisierten sich bald besondere Plätze heraus. Es waren meist Kultplätze, die schon lange eine rituelle Bedeutung in den lokalen Glaubenssystemen hatten (später wurden sie meist durch die buchbesitzenden Religionen wie Judentum, Christentum oder Islam zu deren Zwecken mit Prachtbauten in Beschlag genommen). Aber zunächst ist wichtig, dass diese besonderen Plätze durch die Sippen der Umgebung zu bestimmten Zeiten und definierten Anlässen als Treffpunkt aufgesucht wurden. Dort entstanden die ersten Marktplätze, weil reisende Kaufleute diese Termine nutzten, um besonders vielen potenziellen Kunden an einem Ort ihre Waren zu verkaufen. Die eigentliche Ursache ist aber noch eine ganz andere, denn der Thing (altgermanisch für Ding, auch im englischen noch heute gut bekannt) hat seinen Namen aus dem Ort, wo Rechtsdinge entscheiden wurden. Diese Verhandlungen wurden immer in einer Versammlung mehrerer Sippen abgehalten und waren damit sippenübergreifend, also im präfeudalen und pränationalen Sinne waren dies internationale Institutionen wie die UN, allerdings hatten sie im Gegensatz zur UN alle weltliche Macht jener Zeit. An dieser Stelle fehlt den digitalen Städten also sozusagen der Kern einer sozialen Infrastruktur, nämlich eine Rechts- und Sittenüberwachung der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft selbst. Wenn es gelingen würde, die vielen demokratischen Bestrebungen aus allen Teilen der Welt in solchen digitalen Metropolen gemeinschaftlich auf gemeinsam diskutierte und akzeptierte Normen zu stabilisieren, dann wäre das digitale Netz als Medium der Informationsübertragung in Echtzeit eine unendliche Kette aus Menschen rund um unzählige Lagerfeuer, die gemeinsam über ihr Zusammenleben bestimmen und sich täglich über alle möglichen und unmöglichen Nebensächlichkeiten ihre Zugehörigkeit versichern und damit ähnlich wie das Lausen in der Tierwelt einen kulturellen Kontext herstellen, der heilende Wirkungen in der anonymen und entfremdeten Moderne gegenüber vielen pathologischen Erscheinungen entfalten könnte. Bisher haben wir allerdings nur das Lagerfeuer und die reisenden Kaufleute. Die eigentliche Veranlassung der Treffpunkte (die Versammlung zur Entscheidung über die Rechtsdinge der Sippen) ist nicht vorhanden. Schlimmer noch, die meisten Sozialen Netzwerke geben bestimmtes Verhalten in fixierten Kodizes vor und ermöglichen damit keine Kommunenbildung. Der Zusammenhalt allein durch den Austausch täglicher Banalitäten ist jedoch sehr flüchtig, wenn kein gemeinsames Erörtern von Werten und Bewertung stattfindet. Es geht hier nicht um hochtrabende ethische Diskussionen, sondern um öffentliches Diskutieren des Verhaltens Einzelner Mitglieder unter der Maßgabe, ob solches Verhalten die Anderen einschränkt, deren Wahlmöglichkeiten sogar erweitert oder es eben Zeit ist, gemeinsam Konsequenzen durchzusetzen. Explosion der modernen Demokratie Die Folge solcher Diskussionen könnte eine enorme Zunahme an sozialer Kompetenz sein, die auch im realen Leben Platz greift. Denn anders als uns die feudalen und nationalen Herrschaftsstrukturen vorgemacht haben, ist ein Delegieren der moralischen Souveränität an so genannte professionelle Entscheider der springende Punkt der aktuellen Krisen - sei es die Wertediskussion, die Finanzkrise oder gar die vielen lokalen Fehden, die sich oft zu nationalen Kriegen ausweiten. Früher dauerte es Äonen, bis sich eine Gesellschaft aus den feudalen Fangarmen der Herrscher befreit hatten. In der Moderne haben sie auf dem Papier ungeahnte Freiheit. Genau diese aber wird in einem Akt an umfassender Selbstunterschätzung wieder beschränkt, indem die moralischen Entscheidungen an Politiker, Priester und Arbeitgeber abgegeben wird. Wer das tut kann sich nachher nicht beschweren, dass sein Leben entfremdet und fremdbestimmt ist. Er müsste sich seine Souveränität zurückholen. Die digitale Stadt als Staat des 3. Jahrtausends Wie erlangt man die Macht über sein Leben zurück? Das klingt jetzt wie eine Revolution. Aber sie ist gar nicht nötig. Es geht um das Erörtern einer Welt, in der wir gerne leben wollen ohne Anonymität und Schutz gegen pfiffige Glücksritter. Allein geht es nicht. Parteien sind auch keine Lösung, sie sind eher Teil des Problems - vor allem bei ihrer Nähe zum Lobbyismus. Es geht über den Zusammenschluss der Freunde und Bekannten - in sozialen Netzwerken. Dort ist der Ort, wo man - lauthals wie im indischen Dorf - seine Meinung kund tut, seine Befindlichkeit offenbart und Trauer, Krankheit, Glück und Meinungen über neue Schuhe in inflationärer Weise verbreitet. Dann wird den marketers auffallen, dass sie zwar 600 Kleinstädte beheizen können mit dem Strom, der nötig ist, um all diese Daten zu speichern, aber die Menschen adaptieren ihr Verhalten schneller an die Verkaufstricks der Politiker, Verkäufer und Religionsverwalter als deren Machtmaßnahmen Haken schlagen können. Kurz gesagt: Die kritische Masse ist viel zu groß in einer digitalen Metropole. Man nennt dies den Netzwerkfaktor. Je größer die Masse derjenigen ist, die mitmachen, desto stärker ist der Hebel, den sie ansetzen können. Also macht weiter! Entwickelt Eure eigenen digitalen Städte mit sozialen Netzwerken aller Art und reist durch die Anbieter wie sie es mit Euch machen. Immer dahin gehen, wo am meisten zu holen ist. Ich nenne es revers capitalism. Dem Anbieter, Politiker, Religionsverwalter das letzte Hemd ausziehen, damit er einen Ansporn hat für neue Hilfen, Dienste und Produkte, die den Menschen noch besser dienen. Wer nicht dienlich ist, wird einfach geschnitten. Der Käufer des 3. Jahrtausends bestimmt Markt. Der Bürger des 3. Jahrtausends bestimmt die Politik. Und der Mensch des 3. Jahrtausends bestimmt die Moral. Bildnachweis: Foto von User rcastello auf sxc.    Verwandte Artikel

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April 20 2009, 3:00pm

Urheber 2.0

“Der elektrische Reporter” ist einer meiner Lieblings-Video-Podcasts. Mario Sixtus, der das Format inzwischen in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt und dem ZDF produziert widmet sich in seiner aktuellen Folge dem Thema “Urheber 2.0″ und wie durch anachronistische Urheberrechtsgesetze inzwischen nahezu jeder Internetnutzer zum “Verbrecher” wird. Im Video kommen Medienpolitiker, Musik- und Filmindustrie, Netzaktivisten und Künstler gleichermaßen zu Wort.

December 15 2008, 6:14am

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