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Google und FB: Hört auf mit Eurer Friss-oder-stirb-Geschäftspolitik

Ich bin ja kein Freund der Kindermädchen-Ideologie unserer staatlichen Datenschützer, die mich ohne meine Zustimmung vor dem Datenausverkauf retten wollen und sich heldenhaft gegen Google, Facebook und Co. positionieren. Das ist die eine Seite der Medaille. Was ich aber vorgestern schon über die Vorteile eines sanften Paternalismus geschrieben habe, sollten sich auch die amerikanischen Internet-Größen an die Nase kleben. Es muss zumindest eine Opt out-Funktion geben. Wenn ich einer Sache widerspreche, muss das vom Anbieter respektiert werden und nicht mit Löschung oder Ignoranz bestraft werden. Friss oder stirb – so kann man mit den Nutzern nicht umgehen. Diese Mentalität spielt den Datenschützern in die Karten, mit härteren Interventionen zu reagieren. Besser wäre es, Abweichungen vom Standardprogramm einzuräumen. Das gilt beispielsweise für die neue Datenschutz-Erklärung von Google: “Die neue Erklärung tritt am 1. März in Kraft. Ohne ihr zuzustimmen, wird man anmeldepflichtige Google-Dienste nicht mehr nutzen können. Die einzige Alternative ist, sie abzulehnen und sein Google-Konto zu löschen. Tritt ein oder geh, mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Google legt damit seine gut 60 derzeitigen Datenschutzerklärungen zusammen und macht eine daraus. Lediglich der Browser Chrome, das Betriebssystem Chrome OS, Google Wallet und Google Books sind nicht davon betroffen. Google lobt die Vorteile des Ganzen, Kritiker monieren, Google sei böse geworden, jetzt ganz offiziell”, berichtet Basic Thinking.

Genauso idiotisch ist das Vorgehen von Facebook bei der Zwangseinführung von Timeline: “In den kommenden Wochen wird die umstrittene Profilfunktion Timeline weltweit für alle Facebook-Nutzer bereitgestellt. Darauf weist Facebook nun in einem unauffälligen Update im Firmen-Blog hin. Danach bleiben den Betroffenen sieben Tage um zu verhindern, dass ungewollt alte Inhalte wieder ans Tageslicht gezerrt werden”, schreibt das Handelsblatt. “Bei der Vorstellung des Services in 2011 hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bereits angedeutet, dass es einen Zwang zu Timeline geben werde: ‘Irgendwann wird es einen Zeitpunkt geben, an dem es sich nicht mehr lohnt, zwei verschiedene Profilseiten weiterzuentwickeln’, erklärte er auf der Entwicklerkonferenz f8 in San Francisco. Der frühe Zeitpunkt überrascht allerdings”, führt das Handelsblatt weiter aus. So gebärden sich eben nur Monopolisten, die auf ihre Kunden schei…! Jetzt werde ich wieder Reaktionen ernten, dass es ja sowieso klar sei, dass Facebook und Google mich nicht wie einen Kunden behandeln, da wir ja nur das willige und dumme Beiwerk für die Werbemaschinerie sind. Und in der Tat kann dieser Eindruck entstehen, obwohl ich mich nicht den Datenschutz-Alarmisten anschließen möchte. Aber Freunde der amerikanischen Internet-Imperien, Eure Ignoranz wird sich irgendwann rächen, wenn die Nutzer mit den Füßen abstimmen und Konkurrenten auf den Markt kommen, die diesen Mist nicht praktizieren und vielleicht sogar leistungsfähiger sind. Es sind schon einige Kometen am digitalen Himmel verglüht. Nichts ist für die Ewigkeit. Vor ein paar Monaten schrieb ich: “Wir fluchen in der normalen Geschäftswelt über Servicebürokratie, über das Wanninger-Syndrom von Hotlines, über unkulantes Verhalten von Dienstleistern, nervige Werbeanrufe, unseriöse Vertriebspraktiken, ignorantes Verhalten von Konzernen und bejubeln die Ökonomie der Beteiligung, die neue Macht der Kunden in der Social Media-Welt und lassen uns aber von den Internet-Giganten wie Leibeigene behandeln. Da sollten wir dann mit gleicher Elle messen. Auch die Services von Google, Facebook und Co. sollten kritisch beleuchtet werden”. Siehe auch meine Kolumne: Internet-Konzerne dürfen nicht Staat spielen Crosspost von Gunnar Sohn

January 26 2012, 9:45am

Facebook und der Vorwurf der Zensur

Dass soziale Netzwerke im Zuge der arabischen Revolution als wertvolles Instrument der Demokratie gelobt wurden, ist bekannt und gerechtfertigt. Blogger und Aktivisten haben über Facebook und Twitter die Massen organisiert und so eine beispiellose Revolution losgetreten, die dem schlechten Image – gerade vom Zuckerberg-Imperium – lange Zeit einen Heiligenschein aus fremden Federn gesichert hatte. Neuerdings zeichnet sich aber ein anderes Bild ab: Über Facebook wurden einige Stimmen in den letzten Wochen immer lauter, die erklärten, dass bestimmte politische Inhalte zensiert werden. Facebook jedoch dementiert das: „Facebook hat kein Interesse daran, die Veröffentlichungen bestimmter Inhalte zu kontrollieren“, entgegnet Facebooks deutsche PR-Stimme Tina Kulow auf kritische Stimmen… Facebook vs. Occupy? Facebook ist und bleibt also in aller Munde und wird mal wieder kräftig unter Beschuss genommen. Neben der langatmigen und kaum noch nachvollziehbaren Diskussion, um das Privatsphäre- und Datenschutz-Dilemma und dem Für und Wider des Frictionless Sharing, kommt nun auch noch der Vorwurf der Zensur. Die Unterstellung, dass Grafiken, die einem Post zusätzliche Aufmerksamkeit sichern sollen, nicht ausgegeben werden, gilt hier noch als Bagatelle. Viel extremer ist es in den Augen einiger Nutzer, dass Facebook, das Teilen bestimmter Inhalte unterbindet und sogar ganze Pages löscht. Ein heftiger Vorwurf, der durchaus gerechtfertigt ist, jedoch einen Beweis schuldig bleibt, ob es sich dabei wirklich um Zensur handelt oder ob es vielmehr nur technischen Problemen oder gar den Ambitionen bestimmter Nutzer geschuldet ist – oder eben den Terms Of Use. Das entgegnet nämlich Tina Kulow, die Pressesprecherin von Facebook Deutschland, den Kritikern. Ihrer Meinung nach liegen die Gründe für die augenscheinliche Zensur darin, dass anstößige Inhalte, die von anderen Nutzern gemeldet werden, von Facebook im Zweifel gelöscht werden dürfen. Entsprechend den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Jedoch, sagt sie auch, dass vorher immer der Einzelfall von einem Team geprüft werde. Ebenfalls gebe es einen automatischen Spam-Mechanismus, der den Administrator der Page benachrichtigt, sobald das System einen Post als Spam identifiziert hat. Die Löschung obliegt dann aber dem Admin selber. Nun ist das alles schön und gut. Doch erklären tut das die im Raum stehenden Vorwürfe nicht gänzlich. Zumindest nicht die folgenden Beispiele, die alle einen Occupy-Hintergrund gemeinsam haben. Stefan Urbach vom Hackernetzwerk Telecomix zum Beispiel stellt fest, dass private Nachrichten von Occupy-Aktivisten oft nicht zugestellt werden. Auch der Betreiber einer Occupy-Eventseite, Carlo von Loesch, bemängelt, dass von ihm eingestellte Events, wie die große Occupy-Demo vor dem Bundestag, nach einigen Monaten kommentarlos gelöscht wurde, während alte Partys, die von Loesch besucht hat, noch drei Jahre später zu sehen sind. Was hat es auf sich mit diesen merkwürdigen Fehltritten? Die Aussagen von Tina Kulow und die der Kritiker widersprechen sich jedenfalls. Administratoren werden scheinbar weder benachrichtigt, noch kann man von Spambenachrichtigungen durch Nutzer sprechen. Oder gibt es einen Weg, als Dritter in die persönlichen Nachrichten anderer reinzuschauen und dort einen Spam-Button zu betätigen? Mir ist solch eine Möglichkeit nicht bekannt. Der Vorwurf ist nicht neu… Dass Facebook sich gerne mal in politisches Terrain begibt und mit angeblich technischen Problemen, Kampagnen und Aktivisten blockiert, ist ein alter Hut. Schon im Oktober 2010 berichtete die TAZ darüber, dass Castor-Gegner dem sozialen Netzwerk ebenfalls Zensur vorwarfen. Laut einem Administrator der Facebook-Page „Castor Schottern“ hat Facebook damals die Passwörter der Administratoren für zwei Tage gesperrt und ferner auf der Page dafür gesorgt, dass einige Beiträge gelöscht wurden. Auch wieder ohne Benachrichtigung der Verantwortlichen und scheinbar völlig grundlos. Auf Anfrage der TAZ zur damaligen Zeit, reagierte Facebook aber zunächst nicht. Vielmehr erschien der Eindruck, dass durch den daraus entstanden öffentlichen Blick auf die Causa, Facebook die „Fehler“ behob und sich im Nachhinein, genauso wie momentan, mit anscheinenden technischen Problemen aus der Affäre gestohlen habe. Technische Probleme kann man natürlich nie ausschließen. Heute klappt alles wunderbar und morgen fliegt einem eine Codezeile um die Ohren oder ein Update zerschießt eine Funktion, die eigentlich gar nicht mehr im Visier der Programmierer lag. Tatsächlich aber kann man die Art und Weise der Aufklärung beanstanden. Denn, um welche technischen Probleme es sich bei „Castor-Schottern“ oder auch bei den aktuellen Occupy-Anlässen handle, wurde bisher nicht wirklich geklärt, was natürlich für jede Menge Spekulationen sorgt. Zu Recht fragt man sich, warum es keine offenen Protokolle gibt? Warum lässt die Transparenz hier auf sich warten? Vertrauen wird so jedenfalls abgebaut. Facebook zensiert nicht, auch wenn es angebracht wäre… Dass die mediale Berichterstattung um das Thema derzeit, bei vielen eher für große Fragezeichen sorgt, ist verständlich. Setzt sich Facebook momentan doch mit großer Leidenschaft gegen die Zensur ein. Zum einen geht der Internet-Riese massiv gegen den, in den USA eingebrachten Gesetzesentwurf SOPA (Stop Online Piracy Act) vor und zum anderen stellt er sich in Indien auch gegen die Folgen eines Gesetzes, das Webseitenbetreiber in die Pflicht nimmt, anstößige Inhalte vorab zu filtern und per se zu blockieren. Schaut man sich die Schlagzeilen dieser Tage an, fragt man sich ebenfalls zu Recht, wo genau denn nun Facebooks Grundsatz liegt? Inhalte blockieren oder getreu der freien Meinungsäußerung Informationen offen transportieren? In den öffentlich zugänglichen Facebook-Grundsätzen wird jedenfalls von Offenheit und Transparenz geschwärmt, die das Portal, für die Community festlegt. In den AGBs schränkt man diese Grundsätze berechtigter Weise ein Stück weit ein und führt einige grobe Verstöße auf, die man sich als Nutzer verbieten sollte. So distanziert sich Facebook u.a. von pornografischen oder gewaltverherrlichenden Beiträgen sowie von Hassbotschaften. Ein mögliches Fehlverhalten beim Erstellen von Inhalten, die einer politischen Ansicht entsprechen, findet sich hier allerdings nicht. Facebook macht deutlich, dass sich alles teilen lässt, solange es mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den AGBs im Einklang ist. So ist zum Beispiel eine Fanseite, der NPD auf dem sozialen Netzwerk, den Verantwortlichen kein Dorn im Auge. Auch wenn die hier geteilten Inhalte, wie z.B. ein Musikvideo der „patriotischen Rapperin“ Dee Ex (der man deutliche Avancen in extremistische Kreise nachsagt) demokratisch mehr als zweifelhaft gelten dürften. Die Stichworte „Volkshetze“ (gesetzlicher Verstoß) und „Hassbotschaften“ (AGBs) scheinen diesbezüglich für Facebook dehnbar zu sein. Tatsächlich wäre hier Zensur angebracht. Schon aus eigenem Rechtsempfinden heraus. Verstehen Sie Spaß? Nicht wirklich… Bei einer Aktion, die innerhalb der freien Meinungsäußerung schlichtweg möglich sein sollte, verstand Facebook im November 2010 allerdings keinen Spaß. Vielen wird noch die Satire-Seite Lamebook bekannt sein. Hier hatte sich Facebook ziemlich deutlich zur Zensur bekannt. Lamebook ist ein Blog, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, lustige Statusmeldungen und Bilder, die innerhalb des sozialen Netzwerkes geteilt werden, herauszupicken und auf der eigenen Domain anonymisiert zu veröffentlichen. Ganz zum Spaß, der Besucher. Die Betreiber hatten unter anderem auch eine Page auf Facebook betrieben, die hohe Wellen schlug. Von der Resonanz, um die Parodie Facebooks getrieben, reichte das Unternehmen damals eine Klage wegen Markenrechtsverletzung ein und – in diesem Kontext viel wichtiger – löschte die Page von Lamebook. Außerdem wurde der Begriff „Lamebook“ innerhalb des Habitats gesperrt und konnte weder in Statusmeldungen, noch Nachrichten benutzt werden. Selbst das Verlinken zum Blog wurde unterbunden. Ferner hat sich Facebook sogar in die Kommentarfunktion von Usern eingemischt und sie vor der Verwendung des Begriffs gewarnt. Diese Handlungen wurden nicht gerne gesehen. Einerseits sorgten sie für weitere Witzeleien gegen das Netzwerk („Klopf, klopf!“ … „Wer ist da?“ … „LAME…“ … „LAME Wer?“ ) und anderseits bekam Facebook es auch mit ganz schlechter PR zu tun. Das Eingreifen in die Kommunikation und die unangebrachte Löschung dieser Elemente nahmen sich die Medien gerne vor und zerrissen Facebook dafür förmlich in der Luft. Der Druck wurde dann sogar so groß, dass Facebook einknickte, jegliche Blockaden revidierte und sich schlussendlich öffentlich für die Aktion entschuldigte. Immerhin. Facebook als Meinungsmedium… Dass diese Zensuren, woran auch immer sie liegen mögen, zu einem Problem werden können, liegt auf der Hand. 800 Millionen User weltweit konzentrieren sich bei Ihrem täglichen Streifzug durch das Netz und der damit verbundenen Suche nach Informationen, wesentlich auf den Information-Flow der sozialen Netzwerke. Man kann sagen, sie verlassen sich auf die Nachrichten und Inhalte, die dort erscheinen. Wer liest denn schon noch regelmäßig Zeitungen? Unter der Generation, der „Digital Natives“ jedenfalls kaum einer. Die Pages der Qualitätsmedien und Meinungsmacher transportieren Nachrichten genauso gut. Doch neben diesen, auch die Pages der Blogs, Satire-Seiten, Diskussionsgruppen oder eben auch der Aktivisten. Facebook ist somit ebenfalls schon lange zum Meinungsmedium geworden und bündelt übergeordnet die Macht der Content-Lieferer. Es ist essentiell wichtig, dass die kritischen und konstruktiven Meinungen weiterhin eine unvoreingenommene Plattform vorfinden. Ist dem nicht mehr so, wird das „Über-den-Tellerrand-blicken“ schwierig werden. Die Konsequenz daraus ist entweder eine schöngefärbte Realität oder ein Rückzug aus dem Portal. Beides sollte nicht im Interesse Facebooks liegen. Der Vorwurf der Zensur wiegt schwer. Auch wenn er sich bisher noch nicht zugespitzt hat. Dass sich so etwas schnell ändern kann, beweisen Shitstorms und laute Blogger weltweit, sobald das Interesse einmal geweckt ist. Davon können nicht nur Politiker wie Wulfferine ein Liedchen singen, sondern auch gestandene Unternehmen, Staaten und Institutionen. Insofern sollte Facebook die Vorwürfe ernst nehmen und alles tun, um die Flammen nicht entfachen zu lassen. Einerseits durch die Distanzierung von Aktionen, wie die Lamebook-Causa und anderseits, durch die Offenlegung der Fehlerprotokolle. Authentizität und Transparenz sind die Motoren des Vertrauens. Leider haben beide Merkmale auf Facebook zu oft Kratzer abbekommen.

January 25 2012, 9:45am

Animation: Transformer 3.1

In Indonesion entstand dieses Kleinod der Animationskunst. Hoffentlich wird/werden der/die Macher, es handelt sich offenbar um ein Mini-Studio im Hinterhof, jetzt berühmt und erfolgreich. Verdient hat er oder sie es. Denn das Animationsstudio hat bisher leider nur rund 250 Fans auf der Facebook-Page. Seht Euch unbedingt den vierminütigen Film an:

December 9 2011, 2:39pm

Die Revolution der freien Informationen

Das Internet umfasst derzeit mehr als eine Billion Seiten. Sich hier zurecht zu finden, geht nur über Suchmaschinen. Sie sind unser Zugang zum Web und all seinen Informationen. Laut Alexa, dem Analyseanbieter für Fragen rund um Webseitenaufrufe, sind die Hälfte der meistbesuchten Seiten im Netz Suchmaschinen. Allen voran Google, Yahoo und der chinesische Suchmaschinen-Riese Baidu.com. Diese Seiten leisten einen großen Anteil in Bezug auf Wissensvermittlung und auch der Meinungsbildung. Werden Wissenslücken doch zunehmend über Suchmaschinenanfragen geschlossen. Umso mehr stellen sich in dem Zusammenhang auch die Fragen: Wie viel Macht darf eine solche Suchmaschine im Netz eigentlich haben und ist es schlau, dass diese Macht zentral in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen gebündelt wird? Gerade auch im Bezug darauf, dass diese Unternehmen auch staatlicher Kontrolle unterliegen, sollten vorherrschende Strukturen überdacht und Alternativen geschaffen werden. Für die Antwort dieser Fragen gibt es Licht am Ende des Tunnels. Erstmalig…

Zensur ist Alltag, man glaubt es nur kaum Dass wohl schärfste Beispiel für den Missbrauch des Vertrauens in Suchmaschinen und der Zensur durch staatliche Instanzen ist wohl Baidu.com. Im Zuge des sogenannten Golden Shield Projects, das die Mechanismen der Internetzensur, durch die chinesische Regierung beschreibt, ist Baidu.com zu einem oft kritisierten Suchmaschinen-Anbieter weltweit geworden. Baidu.com gehört zu den ca. 40 chinesischen Unternehmen aus der Internet- und Telekommunikationsbranche, die sich der Unterstützung des Golden Shield Projects verschrieben haben. Offenkundig geht es dabei um die Bekämpfung von Betrügereien, der Eindämmung von Falschinformationen und Gerüchten sowie dem, anscheinend nicht nur in Deutschland beliebten K.O.-Kriterium, der Internet-Pornografie. Alles in allem eigentlich eine sinnvolle und zum Wohle der Öffentlichkeit durchaus nachvollziehbare Richtlinie. Doch werden diese drei Gebote gelegentlich auch im Sinne der Kommunistischen Partei der Volksrepublik anders ausgelegt und für einige – auch in China verfassungswidrige – Handlungen ausgehöhlt. Im mindesten Fall handelt es sich um die innere Zensur als vorauseilenden Gehorsam. So haben nicht zuletzt die Reporter ohne Grenzen massive Kritik an Baidu.com in den vergangenen Wochen geübt. Ein Beispiel findet sich anhand einer Demonstration in der chinesischen Stadt Zhili, wo im Oktober gegen die Erhöhung von Steuergeldern protestiert wurde. Schnell ist der Protest zu einer Revolte geworden. Durch Zusammenstöße der Demonstranten mit Polizisten ergaben sich Unruhen, die natürlich auch im Netz heftig diskutiert worden und in deren Debatten sich der Konsens gegen ein Fehlverhalten der Demonstranten gebildet hatte. Kurzerhand reagierte die KP und ließ sämtliche Seiten zu dem Thema sowie alle Suchanfragen zu den Schlüsselwörtern „Zhili“, „Steuern“ und „Protest“ sperren. Ein Vorgehen welches keinesfalls als Ausnahme zu handeln ist. Und ein Unding, wenn man außerdem bedenkt, dass die Anzahl der chinesischen Internetnutzer in etwa die 500-Millionen-Marke erreicht hat und sämtliche möglichen Anfragen auf Baidu.com zu dem Thema ins Leere geleitet werden. Als ob dieser Protest nie existiert hätte. Wer nun aber glaubt, dass so etwas im offenen und toleranten Westen nicht passiert, der irrt gewaltig. Unterliegen doch auch Google und Yahoo solchen regionalen Zensur-Befehlen. Google macht daraus auch keinen Hehl mehr und veröffentlicht in Form seines – nicht ganz kritikfreien – Transparency Reports jährlich die Anzahl der Zensurmaßnahmen durch Staaten. Viele Anfragen müssen dennoch außen vorgelassen werden, da sie unter anderem aus sicherheitspolitischen Gründen gar nicht veröffentlicht werden dürfen. Angeblich. Privatwirtschaftliche Unternehmen unterliegen nun mal dem Gesetz der Staaten, die sich nebenbei gesagt, gerne aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen, um ihre eigenen Interessen zu decken. Die Dunkelziffer solcher Zensurmaßnahmen ist also um ein vielfaches höher. Hinzu kommt das Unternehmen wie Google und Yahoo sich in der Vergangenheit oft haben kaufen lassen. Um z.B. den Markt in China zu erobern, haben sich die beiden Giganten dazu hinreißen lassen, ebenfalls den Richtlinien des Golden Shield Projects folge zuleisten. Zum einen erfuhren die Nutzer also konkrete Google- und Yahoo-Zensur in China, zum anderen gibt es aber auch ähnliche Fälle in Europa und den USA. Das Vertrauen in die Suche zum Thema Internet-Piraterie wird zum Beispiel hierzulande, in Deutschland, aktuell völlig fehlgeleitet. Einige Begriffe die in dem Zusammenhang stehen, wurden aus den Autocomplete- und Instantservices von Google bereits seit Januar 2011 ausgeschlossen. Momentan werden diese Suchbegriffe wieder erweitert. Betroffen sind vor allem Filesharing-Plattformen wie The Pirate Bay oder Torrentfreak, die aber gar nicht in Deutschland sitzen und somit auch nicht unter deutsches Recht fallen. Unter dem Deckmantel des Urheberrechts muss der Konzern agieren. Ob er will oder nicht. Doch dieses Verhalten ist dennoch grundsätzlich nicht zu tolerieren. Ist das Netz, und alles was sich darin befindet, doch im Grunde frei und gehört weder Deutschland, noch China, geschweige denn Google oder Yahoo. Es gehört den Nutzern. Freilich gibt es auch Thematiken im Netz, deren Zensur augenscheinlich Sinn macht. Das möchte ich gar nicht bestreiten, doch ist die Meinung darüber doch oftmals sehr subjektiv und völlig dehnbar. Unter dem Schutze des § 130 Strafgesetzbuches wird zum Beispiel Volksverhetzung geahndet. Was berechtigterweise zur Löschung von rechts- und linksradikalen Seiten führt. Doch wie steht es eigentlich um Themen, die die Politik für sich beansprucht und darum gerne im Netz veröffentlicht sehen will? Stefan Niggemeier beispielsweise hat in seinem Blogpost: “Blomige Worte über Volksverhetzung“, die BILD und den Chefredakteur Nikolaus Blome aufgrund seiner hetzerischen Artikel gegen das griechische Volk kräftig unter Beschuss genommen. Und er hat Recht mit dem was er sagt. Der BILD und Herrn Blome könnte man eine Volksverhetzung gegen die Griechen vorwerfen, wenn man sich Niggemeiers Argumente anschaut. Wieso ist die BILD eigentlich noch online? Und warum sperrt man dahingehende Suchbegriffe nicht einfach aus? Yet another Cyberspace! Die Thematik ist also nicht so einfach. Oder ist sie einfacher als wir denken? Eine Suchmaschine, die staatlichen Paradigmen und dem Zutun privatwirtschaftlicher Interessen entgegensteht, muss her. Eine Suchmaschine, die die Meinungsvielfalt bejaht und die sich dabei höchstens den freiheitlichen Grundgesetzen unterwirft. Es wird Licht am Ende des Tunnels, denn einen Schritt in die richtige Richtung unternimmt jetzt das YaCy-Projekt mit deren Suchmaschinen-Software. YaCy steht für „Yet another Cyberspace“ und kann sich jeder installieren, der sich selber ein Suchportal aufbauen will. Die besondere Fähigkeit des Projektes laut den Entwicklern ist aber, die Vernetzung in ein Peer-to-Peer Suchmaschinennetzwerk. YaCy besteht aus momentan 600 unabhängigen Knoten und verzichtet komplett auf einen zentralen Server. Die Benutzer sind Teil des Netzwerkes und transportieren die Suchergebnisse von Computer zu Computer weiter. Jeder Nutzer kann auf YaCy suchen, aber auch gleichzeitig den Index erweitern. Das geschieht durch einen sogenannten Webcrawler den man losschicken kann oder durch die Verwendung des YaCy-Proxis auf den besuchten Webseiten. Der Proxy arbeitet dabei wie jede andere Kommunikationsschnittstelle, die die Anfragen entgegennimmt und sie auf andere Seiten weiterleitet. YaCy ist sehr sinnvoll, wenn man sich die oben beschriebenen Verhältnisse um den freiheitlichen Informationsfluss anschaut. Die Motivation für das Projekt geht aber noch tiefer. “Suche ist eine Grundfunktion für das meiste von dem, was wir im Internet tun. Für eine derart grundlegende Funktion können wir uns nicht auf einige wenige große Firmen verlassen und dabei unsere Privatsphäre riskieren”, sagt der Projektleiter Michael Christen. Privatsphäre ist nämlich das andere große Angstthema, welches dem Vertrauen der Nutzer, auf den Magen schlägt. Google und Co. sind bekannt für deren Datenhunger und der gleichzeitigen Vermarktung dieser Informationen zum Zwecke der Werbung. YaCy schlägt auch hier den herkömmlichen Anbietern ein Schnippchen. Suchanfragen werden verschlüsselt, bevor sie den Computer des Nutzers verlassen und werden somit für andere im Peer-to-Peer-Netzwerk unkenntlich gemacht. Laut Golem.de wird außerdem die Reihenfolge, in der die Suchergebnisse ausgegeben werden, vom Rechner des Nutzers selber erstellt. Somit gibt es keinen Sichtbarkeitskampf mehr unter den Webmastern. SEO-Maßnahmen betreibt der Nutzer selber, indem ihm mit der Zeit die Seiten angezeigt werden, die seinen Interessen und Bedürfnissen entsprechen. Somit haben wir ein freies Suchmaschinennetzwerk, welches sich dem Terror durch Cookies, der Profilbildung und der Kommerzialisierung der Suche völlig entzieht. YaCy hat das Zeug dazu eine Revolution loszutreten, die so mancher Machtinstanz, sei sie staatlicher oder privatwirtschaftlicher Natur, das Damoklesschwert über den Köpfen kreisen lassen kann. Im Moment verfügt das Projekt über vergleichsweise weniger Inhalte als bei Google oder Yahoo, was an der geringen Anzahl der Peers, also der Nutzer liegt. Das ist das große Manko von YaCy. Doch wie so oft bei Revolutionen, beginnt der Protest im Kleinen, ja fast im Verborgenen und kann durch winzige Flügelschläge am anderen Ende der Welt zu massiven Stürmen führen, die schon so manche alte Eiche entwurzelt haben.

YaCy-Screenshot – zum Vergrößern klicken

November 30 2011, 9:45am

DOKU: ON THE BRINK

Diese 20minütige Dokumentation diskutiert Auswirkungen der vernetzten Gesellschaft auf eine spannende Weise: In On The Brink we discuss the past, present and future of connectivity with a mix of people including David Rowan, chief editor of Wired UK; Caterina Fake, founder of Flickr; and Eric Wahlforss, the co-founder of Soundcloud. Each of the interviewees discusses the emerging opportunities being enabled by technology as we enter the Networked Society. Concepts such as borderless opportunities and creativity, new open business models, and today’s ‘dumb society’ are brought up and discussed…

November 7 2011, 9:30am

Die Welt erklärt in drei Strichen

…ist der Titel des Buches von Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler, das am 29. September im Kein&Aber Verlag seine Premiere feiert. Schon allein der Titel ließ mich über die Vereinfachung vielschichtiger Verhältnisse nachdenken. Das Internet wurde in den letzten Jahren von einfachen, meist bildlichen Darstellungen komplexer Sachverhalte geradezu überschwemmt. Meist sind es sogenannte “Infographics” die Euphorie und Frust zugleich auslösen. Die informativen Bilder, die Text und Zeichnung vereinen, sind regelrecht zu Spam avanciert…

Fotoquelle (Ausschnitt): Krogerus&Tschäppeler (2011): Die Welt erklärt in drei Strichen, Zürich: Kein&Aber, S. 16f. © Kein&Aber Verlag In dem Buch von Krogerus und Tschäppeler visualisieren die Autoren 50 praktische Modelle – einfache Strichzeichnungen, die unsere Welt erklären. Zum Beispiel: Warum Justin Bieber der neue Michael Jackson ist? Der King of Pop ist wiederum durch einen Pfeil mit Jesus verknüpft. Man beachte: In der Mathematik symbolisiert der Pfeil kausale Zusammenhänge. Auf anschauliche Weise erklären sich die grundlegenden Umwälzungen der letzten Jahrzehnte in dem Buch. Um den Leser nicht zu langweilen und dem Zweifel vorzubeugen, dass die Welt nicht mit ein paar Pfeilen zu erklären ist, sind die kausalen Begriffsketten etwas unübersichtlich auf eine Seite gedrängt. Sie ergeben ein feinmaschiges Netz, das den Eindruck einer handfesten, aber komplexen Theorie erzeugt. Frage ich mich also: Wie einfach darf die Vereinfachung sein? Einfacher geht’s nicht Genis Carreras aus London macht es sich extrem einfach. Mit ein paar prägnant reduzierten Symbolen veranschaulicht er die Bedeutung ganzer philosophischer Konzepte. Auf die Frage, die über Jahrtausende, seit dem Sündenfall in der Bibel, Menschen beschäftigt: “Was ist der Freie Wille?”, antwortet Carreras mit kleinen blauen und weißen Dreiecken.

Bildquelle: http://www.geniscarreras.com/philosophy.html © Genis Carreras

Bildquelle: http://www.geniscarreras.com/philosophy.html © Genis Carreras

Bildquelle: http://www.geniscarreras.com/philosophy.html © Genis Carreras Mir drängt sich die naive Kinderfrage auf, die meist nicht Dinge vereinfacht, sondern eine nicht enden wollende Lawine von weiteren Fragen auslöst: “Warum?” Die Ideologie der Reduktion “Just for fun”, würde vielleicht der junge Katalanische Grafiker sagen, der mit seinen geometrischen Figuren den Stock Taylor Benson Graphic Design Award 2011 gewann. Als im Klassenkampf noch kein Gedanke an eine Spaßgesellschaft verloren wurde, stellte Gerd Arntz in seinem Holzdruck “Arbeitslose” schwarzweiss die Dekadenz des Großbürgertums wartenden Arbeitslosen gegenüber. Eine Reduzierung der Welt auf Proletarier und Großbürgerliche ganz im Sinne des sozialistischen Zeichners. Dass der damaligen Gesellschaft auch andere Bevölkerungsschichten angehörten, lässt sich nur vermuten. Die Reduktion der Wirklichkeit geht also Hand in Hand mit einem Zwecke oder einer Ideologie. Während bestimmte Dinge weggelassen werden, finden andere in den Zeichnungen besondere Aufmerksamkeit. Dass geometrische Figuren uns die Welt erklären, ist so alt wie die Höhlenmalerei der Chauvet-Höhle in den französischen Alpen. Im Internetzeitalter scheinen sie aber eine neue Bedeutung zu bekommen. Infographics erleben einen Boom wie nie zuvor. Man beachte, dass auch auf netzpiloten.de die interessantesten Infographics präsentiert werden. Ist das eine Antwort auf die wachsende Komplexität im Netz? Die Komplexität des Internets Die Komplexität unserer Realität hält Einzug ins Internet. Die Zeiten, in denen eine Suchmaschine eine Suchmaschine ist, sind vorbei. Google Plus, Facebook & Co. integrieren jede erdenkliche Funktionalität, um die Nutzer zu binden. Sie bilden Systeme, um einen Begriff von Niklas Luhmann zu verwenden, in denen ich mich wie im Alltag routiniert zurecht finden kann. Sie reduzieren das Wirrwarr im Internet auf ein Maß, mit dem ich zurecht komme. Ich habe gelernt, Nachrichten zu verschicken, Kommentare zu schreiben und zu zeigen, dass mir etwas gefällt. Schon vor Jahren zeigten Online Studien, dass die Internet-Nutzung in hohem Maße habitualisiert ist. Es werden gezielt einzelne Adressen aufgerufen. Um die Komplexität des Internets zu reduzieren, legen sich Nutzer ihr individuelles “Koordinatensystem” für das Netz zurecht. Dennoch finde ich, die Politik mal ausgenommen, nirgendwo so viele Vereinfachungen für komplizierte Sachverhalte wie im Internet. Google-Fetisch

Bildquelle: http://firstfloorunder.com/2011/02/typodesign_strips-michael-jackson/ © H-57 Ob ebooks über das schnelle Geld oder Infografics, die mit wenigen Strichen die Biographie berühmter Persönlichkeiten nachzeichnen, im Internet hat sich ein weiterer, einzigartiger Nutzen der Komplexitätsreduzierung entwickelt. Sogenannter Spam sammelt sich in virtuellen Bergen an. Der Internetmüll hat nur einen Zweck: Backlinks, die bei Google zu einer lukrativen Positionierung führen. Durch das Teilen und Verteilen von Infographics im Web wird mit jeder Grafik ein Link gesetzt. Wie bei einem Fetisch im Sinne von Karl Marx verlieren Infographics ihren eigentlich Sinn. Ihr Zweck, komplexe Themen überzeugend zu visualisieren, wird allein auf den Tauschwert reduziert, der mit der “Google-Währung” Backlinks gemessen wird. Die Frage, wer profitiert von einer Komplexitätsreduktion bezieht sich also nicht mehr auf den Inhalt, sondern auf die Infographic als Objekt an sich. Fazit Es bleibt, der Mensch versucht, sich zurecht zu finden. In der Realität wie im Internet verringern Systeme Komplexität. Wichtig bleibt die Frage: Wer zieht daraus den größten Nutzen? Vereinfachte Darstellungen komplexer Sachverhalte sind schön und gut, doch zu fragen bleibt, zu welchem Zweck sie erstellt worden sind – sowie, was die Bilder weglassen und was sie betonen.

September 23 2011, 10:00am

Mini-Doku: Visual Culture Online

Hier seht Ihr eine Mini-Doku zum Thema Internet-Meme vom US-Sender PBS. Der Non-Profit Sender schreibt dazu: “For decades now, people have joined together online to communicate and collaborate around interesting imagery. In recent years, the pace and intensity of this activity has reached a fever pitch. With countless communities engaging in a constant exchange, building on each others’ work, and producing a prodigious flow of material, we may be experiencing the early stages of a new type of artistic and cultural collaboration. In this episode of Off Book, we’ll speak with a number of Internet experts and artists who’ll give us an introductory look into this intriguing new world.”

September 12 2011, 9:30am

Open Learn: Studieren für jedermann

Die Open University – 2005 von britischen Studenten auf Platz 1 im Universitätsranking gehievt – bietet seit Oktober 2006 auf “OpenLearn” freien Zugang zu über 570 Kursen für Jedermann egal ob mit oder ohne Abitur. Damit ist “OpenLearn” ein sinnvoller Einstieg auf dem Weg zum Studium. Angefixt von der hohen Qualität der Kurse, können dann an der “Open University” die meisten Kurse auch ohne jegliche vorherige Qualifikation einschließlich Gratifikation durchlaufen werden. Ein weiteres spannendes Projekt innerhalb “OpenLearn” ist der “LabSpace” . Höher gratifizierte Studenten können hier nach einer Anmeldeprozedur Lehrmaterialien herunterladen, diese modifizieren und wieder hochladen, um sie im Ausstausch mit anderen Studenten stetig zu verbessern und an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Auf “LabSpace” finden sich auch noch weitere Instrumente wie “FlashVlog“, eine Anwendung , die es erlaubt nahezu live Video-Tagebücher anzulegen oder das “Knowledge Mapping” , ein Softwaretool für die visuelle Aufbereitung von Wissen. Bleibt nur noch die Frage, wann darf mit einer copycat in deutscher Sprache gerechnet werden?

August 23 2011, 9:45am

Jugendschutz: JusProg soll Kinder im Web schützen!

Erstmalig hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ein Jugendschutzprogramm als „positiv“ bewertet. Die Rede ist von der Software JusProg, die grundsätzlich den Anforderungen des § 11 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) entspricht. Laut dem KJM Vorsitzenden Prof. Ring ist damit ein wichtiger Schritt getan, um den altersdifferenzierten Zugang zum Internet zu verbessern und Eltern bei der Medienerziehung zu unterstützen. Kritik gibt es allerdings dennoch von Seiten einiger Netzaktivisten, die der Meinung sind, dass der Jugendschutz im Internet eine falsche Richtung nimmt.

Das Programm vom JusProg e.V. soll Kinder von unpassenden Inhalten abschirmen. Das Programm schaltet sich demnach zwischen dem Browser und den Webservern und sperrt Inhalte, die nicht dem Alter gerecht sind. Welches Alter der User besitzt, wird vorher eingestellt. Das Programm arbeitet dabei mit einer Filterliste, die sich aus rund einer Millionen Domains zusammensetzt und in bestimmte Inhalts- und Altersraster einstuft. Sobald der User auf eine Domain geht, wird die Liste entsprechend abgesucht und anhand des voreingestellten Alters entweder ausgegeben oder zensiert. Die Listen wiederum werden von Crawlern erstellt, die anhand einiger Schlüsselwörter (Keywords) Seiten als bedenklich einstufen. Laut JusProg e.V. wird aber jede Seite dann noch einmal einer menschlichen Prüfung unterzogen, um eine ungerechte Zensierung zu vermeiden. Die Zuordnung ist im besten Fall subjektiv (oder fast zufällig?) und kann natürlich somit auch willkürlich vollzogen werden. So wird z.B. laut dem ZDF Blog Hyperland auch Wikipedia als ungeeignet gehandelt und für Kinder unter 12 Jahren geblockt. Dabei kann man wohl kaum von einer erotischen oder gewaltverherrlichenden Seite sprechen. Auf die Frage hin, wie es zu einem Ranking solcher Seiten wie Wikipedia kommt, gibt JusProg e.V. zu, dass die Kriterien nach der die Webseiten erfasst werden umfangreich und noch in der Erprobung sind und weitergehend auch noch Diskussionsstoff bieten. Man möchte aber klarstellen, dass man sich bei dem Ranking ausschließlich auf die Inhalte und der Jugendschutzrelevanz bezieht und dass auf Geschmäcker oder Meinungen keine Rücksicht genommen wird. Im Fall Wikipedia sicherlich kritisch zusehen, dient die Seite doch eigentlich eher der Aufklärung. Und genau da kommt es meiner Meinung nach nämlich wieder zum Eklat. Anstatt Kindern das Internet zu zensieren, sollte man wohl eher Kindern das Internet erklären und ihnen von klein auf eine entsprechende Kompetenz mit dem Medium beibringen. Sicherlich haben pornografische und gewaltverherrlichende Seiten keinerlei bildenden Charakter, aber deshalb kann man die Existenz der beiden Themen im Leben und auch auf Wikipedia doch nicht leugnen und sie in die Zensur packen. Das Kriterium „bildender Charakter“ ist jedenfalls kein schwaches Kriterium und sollte auch im Filterprozess einfließen. Ansonsten wird der Jugendschutz nämlich zur Jugendabschottung und bringt auch keinerlei gesellschaftlichen Nutzen! Wer das anders sieht und die Software gerne nutzen möchte, dem will ich sie allerdings nicht vorenthalten. Ihr könnt sie auf http://www.jugendschutzprogramm.de runterladen. Viel zu sehen gibt’s dann aber nicht mehr im Netz. Soviel kann ich versprechen.

August 18 2011, 9:45am

Wikipedia als Newsflash für die Norwegische Tragödie

Ist Wikipedia eine Enzyklopädie die das Wissen der Menschheit kostenfrei und wahrheitsgemäß zur Verfügung stellen soll oder ist Wikipedia ein Newsflash für Gerüchte? Die Frage beschäftigte am Wochenende viele. Die Tragödie von Norwegen war der Anlass für eine beispiellose Flut an Beiträgen mit unbestätigten Informationen.

Am Freitag gingen zwei Nachrichten um, dich mich in meinen Grundzügen erschaudern ließen. Erst der Anschlag von Oslo und im Anschluss das menschenverachtende Massaker auf der norwegischen Insel Utöya. Schnell stellte sich heraus, das eine einzige Person für beide Geschehnisse verantwortlich ist, was die Nachricht noch unglaublicher und abschäulicher werden ließ. Die Tragödie führte bei vielen zu völliger Sprachlosigkeit, Entsetzen und einem Gefühl von Ohnmacht. Allerdings führte sie bei einigen anderen auch zu einer Sensationsgier beispiellosen Ausmaßes. Man merkte in einigen Blogs und Nachrichtenkanälen das die News sich überschlugen und jeder mehr wissen wollte als der andere, schneller posten wollte als der andere und so haben sich sogar Personen und Medien zu Wort gemeldet, von denen man so eine Manier eigentlich nicht gewohnt ist. So geschehen wurde beispielsweise bereits zwei Stunden nach der Meldung der Explosion in Oslo der Beitrag “2011 Oslo Explosion” auf der englischen Version Wikipedias erstellt und gelistet. Da der Beitrag natürlich offen für neue Ergänzungen war, füllte er sich auch sehr rasch mit neuen Eintragungen – bestätigter und unbestätigter Informationen – einiger Autoren. Kurze Zeit später wurden auch deutsche Beiträge erstellt, die sich zwar was die Maße an Informationen angeht noch deutlich von der englischen Version absetzte, aber bereits ganz klar von den englischsprachigen Beiträgen abstammte. Dieses Vorgehen löste (meiner Meinung nach berechtigter Weise) eine große Diskussion innerhalb der Wikipedia Autoren-Community aus. Darf man Wikipedia – eine freie Enzyklopädie, die auf Fakten basieren sollte – für boulevardartige Spekulationen à la BILD-Zeitung missbrauchen? Viele Angaben gerade zum Tathergang und Motiv des Täters wurden hier ganz offen und ohne jegliche Grundlage, wie in einem Newsfeed gepostet und führten unter Lesern zu großer Verwirrung. Nicht einmal die norwegische Polizei konnte bis dato eine Stellungnahme zu dem Motiv abgeben. Der heutige Zeitgeist verlangt es schon fast das man die Qualität der Nachricht, der Quantität hinten anstellt. Selbst von vielen Qualitätsmedien ist man das bereits gewohnt. In Manier des rasenden Reporters jagt man allen Informationen hinterher und postet, gerade auf Microblogs wie Twitter, erstmal jeden Brotkrumen den man auch nur ansatzweise bestätigt bekommen hat. Um etwaiger Kritik der Falschmeldung aus dem Weg zu gehen, hat Wikipedia vorsorglich alle Artikel am Wochenende mit dem Vermerk “Dieser Eintrag dokumentiert ein aktuelles Ereignis. Die Informationen könnten sich schnell ändern.” versehen. Ich hoffe allerdings, dass diese Art und Weise nur eine ambulante Lösung darstellt und das man das ganze Vorgehen der “Berichterstattung” noch einmal in Frage stellt. Artikel auf Wikipedia sollten, auch wenn sie aktuell sein sollen, einer gründlichen Prüfung voraus gehen und einen bestimmten zeitlichen Abstand zu Ereignissen einhalten. Es kann und darf nicht sein, dass so etwas wertvolles wie Wikipedia zu einem Forum für Gerüchteschreiber wird. Wikipedia ist die größte Enzyklopädie der Menscheit, eine kulturelle Errungenschaft, die komplett non-profit geführt wird und von Menschen für Menschen gemacht ist. Wikipedia ist schützenswert und sollte nicht für die Sensationgier, Profilierungssucht oder sogar der Trollerei einiger Wenigen hinhalten! Momentaufnahmen des Footers zum Artikel “Anschläge in Norwegen 2011“. Hier wird sichtbar in welchen Abständen die Autoren ihre Informationen korrigierten. Zum Vergrößern einmal klicken!

July 25 2011, 11:02am

Zittrain on Leading in a Networked World

Video des Monats: Bestseller-Autor Jonathan Zittrain (Mitgründer des Harvard Berkman Center for Internet & Society) in einem langen Vortrag über das Thema Führung in vernetzten Organisationen. Etwas langatmiger Start aber die Geduld wird mehr als belohnt: <iframe width=”500″ height=”314″ src=”http://www.youtube.com/embed/gKmtmhrfMps” frameborder=”0″ allowfullscreen></iframe>

July 20 2011, 9:30am

Creative Commons: by Elektrischer Reporter!

Creative Commons: heute erklärt vom Elektrischen Reporter! Viel Spaß mit dem Beitrag: “Urheber 2.0 – Was tun, wenn keiner kauft?”

July 15 2011, 6:08pm

Animierte Infografik: State of the Internet 2011

Auf onlineschools.org findet Ihr eine animierte Infografik über die aktuellen Zahlen der Internetnutzung 2011. Hier findet Ihr Angaben und Kommentare zu den Kategorie “Internet Enemies”, “Social Network”, “Quality” und “Backbones”.

July 14 2011, 9:23am

#140conf: Press should be the immune system of democracy

Craig Newmark, Gründer von craigslist.com (die Killerwebsite, die fast alle Kleinanzeigen amerikanischer Zeitungen absaugt). erklärte hier auf der #140conf sein Verständnis von Geben und Nehmen im digitalen Echtzeit-Universum und anderswo… Leider keine tolle Tonqualität…

June 22 2011, 9:55am

kino.to: Anonymous schaltet GVU Website ab!

Der Trubel um die Abschaltung der Website kino.to ist groß. Den Betreibern wirft man “Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen” vor und das obwohl augenscheinlich keine Urheberrechtsverletzung geschah. Die Seite, die eigentlich nur als Suchmaschine für Filme und Videos fungierte und keine Inhalte auf die eigenen Server lud, wurde am Mittwoch einer Großrazzia in insgesamt 20 Städten in Deutschland und im Ausland unterzogen. Laut http://www.heise.de waren daran über 200 Polizisten, Steuerfahnder und Computerspezialisten beteiligt. Ein Aufkommen das ziemlich an Hollywood Filme und der Zersprengung global agierender Drogenringe erinnert. Die Meinungen darüber im Land gehen auseinander und doch ist die Fraktion der Kritiker lauter als die der Befürworter. Am lautesten aber handelte gestern die Hackergruppe “Anonymous”, die mittels DDoS-Attacken die Seite der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen – kurz GVU – überlastete und somit nicht mehr zugänglich machte. Die Anzeige der GVU führte zu den Ermittlungen gegen die Betreiber von kino.to und schließlich zu den Festnahmen der Personen. Eine Stellungnahme folgt prompt..

June 10 2011, 9:16pm

PETITION: Wikipedia muss Weltkulturerbe werden!

Wikipedia, die aktuell größte Enzyklopädie der Menschheit, wird dieses Jahr 10 Jahre alt! Das nahm sich der Verein Wikimedia Deutschland ganz besonders zu Herzen und startete die Initiative “Wikipedia muss Weltkulturerbe werden!” Eine begleitende Petition wurde ebenfalls ins Leben gerufen. In dem folgenden Video erklärt Jimmy Wales, einer der Mitbegründer der freien Online-Enzyklopädie, die Argumente für eine Erhebung Wikipedias in den Status eines UNESCO Weltkulturerbes. Jimmy Wales wortwörtlich: “Viele Menschen sehen Wikipedia als technisches Phänomen oder eine technische Errungenschaft, dabei ist es tatsächlich etwas anderes. Wikipedia bedeutet Kulturwandel, es ist eine kulturelle Errungenschaft.”!

Wenn Ihr diesem Vorhaben zustimmen wollt und diese Initiative für genauso sinnvoll haltet wie ich, dann werdet Teil der Umsetzung und unterzeichnet die Petition.

May 31 2011, 9:45am

Musikvideo 2.0 – Interaktive Begegnungen!

Es hieß lange Zeit, das Ende des Musikfernsehens sei auch das Ende des Musikvideos. Eine These, die bestritten und meines Erachtens auch widerlegt wurde. Wer sich die Geschichte und die Gegenwart des Musikvideos anschaut, erkennt unschwer, dass diese Unterhaltungs- und Kunstform nicht unbedingt auf das Musikfernsehen angewiesen ist…..

Die ersten kommerziell gedrehten Musikvideos entstanden bereits in den 60igern. Promovideos der Künstler, wie das 1967 erschienende „Penny Lane“ von den Beatles oder das Promovideo zu „Dead End Street“ von den Kinks (indem erstmalig der Inhalt des Textes inszeniert wurde) gelten heute als die Vorreiter der kommerziellen Musikvideos. Mit Punk, New Wave und dem Elektropop feierten die Clips ihren großen Durchbruch in den 1970er und 1980ern. Und in dieser Zeit entstand auch erst das Musikfernsehen. 1981 ging MTV in den USA auf Sendung und damit wurden Musikvideos in breiten Kreisen populär. Obgleich es als Kunstform schon lange Beachtung gefunden hatte! Von da an passierte eigentlich nur eines – die Produktion dieser Stücke wurde finanziell total aufgebläht. Natürlich brachte das auch Vorteile mit sich. Klassiker wie „Thriller“ von Michael Jackson entstanden – mit für die damaligen Möglichkeiten spektakulären Special Effects. Die Animationsbranche profitierte ungemein von den Werbebudgets und auch die klassische Filmindustrie kopierte die Standards. Und doch erlebte die Branche zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen empfindlichen Dämpfer! Schuld daran war das frei zugängliche Internet. Die millionenschweren Werbebudgets, die die Musikindustrie in die Videos ihrer Stars steckten, wurden vaporisiert. Kaum einer kaufte mehr Platten bzw. sah Musikfernsehen, denn Social Media Portale wie YouTube boten rund um die Uhr von jedem Ort der Welt, die Videos und Songs ohne Rahmenprogramm und ohne Kosten an. Während VIVA und MTV reagierten und sich mit Klingeltonwerbung und „Little Sweet Sixteen“ über Wasser hielten, versuchten Künstler und Regisseure neue Wege zu bestreiten. Sie machten sich das Internet nicht zum Feind – wie das Musikfernsehen – sondern zum Freund! Der Trend geht zum interaktiven Video, welches ohne das Internet gar nicht funktionieren würde. Ein berühmtes Beispiel ist „We Used To Wait“ von Arcade Fire. Durch die Eingabe seiner Adresse zu Beginn des Clips, erlebt man als Jogger im Video, eine Tour durch seine Nachbarschaft. Möglich wird das durch die Einblendung von Google Street View Aufnahmen und vorgefertigten Sequenzen. Ein weiteres Beispiel ist das Video „The Never-Ending Why“ von Placebo, indem ein drachenähnliches Wesen durch den Clip gesteuert wird. Doch auch deutsche Künstler haben sich dem Trend zugewandt. So hat K.I.Z mit „Neuruppin“ ebenfalls ein interaktives Video herausgebracht, welches auf Grund des Jugendschutzes nur von 23 – 6 Uhr vollständig gesehen werden kann und von mir an dieser Stelle auch nicht weiter detailliert wird – aber es ist klasse, so viel sei gesagt! Nun mögen kritische Zungen behaupten, die Videos wären billig gemacht und würden an die Qualität und den Unterhaltungswert der gängigen Musikvideos nicht herankommen. Doch hier sei nochmals gesagt es ist ein Trend der in den Kinderschuhen steckt und großes Potenzial inne hält. Der Schritt von „Penny Lane“ zu „Thriller“ hat immerhin auch 16 Jahre gedauert! Ich denke man darf gespannt sein, wie sich dieses neue Genre in den nächsten Jahren entwickelt und was uns so erwartet. So kann man vermutlich auch von ausgehen, dass andere technische Aspekte Bedeutung finden werden. Womöglich wird man demnächst interaktive 3D Videos finden oder mit Freunden gemeinsam in Videos interagieren können. Womöglich werden neue Portale entstehen, die solche Videos a la YouTube ausstrahlen und anbieten werden. Im Moment kann man kaum eine innovativere und kreativere Entwicklung verfolgen, als die Entwicklung der Musikvideos – auch und gerade im und durch das Web!

April 26 2011, 10:00am

Die Ägypten-Conncetion

Diese E-Mail eben erhalten. Super. Wer war das. Den nominiere ich für den Deutschen Kleinkunstpreis:

Hallo, ich bin der offizielle Anwalt von Präsident Hosni Mubarak von Ägypten,bitte ich suche Ihre Hilfe, um mir zu helfen 2.5 Millionen Dollar zu sichern, die in Belgien eingefroren wurden.Reagieren Sie auf diese E-Mail:(omar.s@vollcoolemaildomain.es), wenn Sie in der Lage sind, diese Transaktion zu verwalten. Sie werden fuer diesen Service bezahlt.

Mit freundlichen Grüßen, Herr Omar S

Meine Antwort:

Lieber Herr S. Nigeria schreibt man aber anders. Ihr Cala Ratjada

February 15 2011, 10:13am

AG Podcasting: Podcasts als Bildungsmedium

Podcasts sind seit ihrem großen Hype im Jahr 2005 in der Netzlandschaft angekommen. Doch sind es nicht einfach nur Audiosendungen im Internet, sondern nicht selten spielen interessante Konzepte im Hintergrund eine Rolle. Ein Beispiel dafür ist die AG Podcasting, bei der Andreas Auwärter an der Universität Koblenz das Medium in Bildungskontexten einsetzt. Wir waren vor Ort… Bild: Hörstoff über RSS – das Podcast-Logo von Peter Marquardt (Lemotox, CC BY SA) Podcasts als Medium in Bildungskontexten Angefangen hat das Ganze wie so oft mit einer einfachen Idee: 2005 überlegte sich Andreas Auwärter mit einigen Freunden, wie das Medium Podcast in Bildungskontexten eingesetzt werden könnte – zunächst noch in sehr begrenztem Umfang als Begleitung zu einem Seminar, zu dem die Episoden Input bieten sollten. „Das war spannend“, sagt Andreas, „wir hatten zum Beispiel ein Telefoninterview mit Heinz Mandl zum Thema Wissensmanagement, bei dem wir den Telefonhörer auf laut gestellt haben und dann mit einem Diktiergerät aufgezeichnet haben. Wir haben eine Technik verwendet, die ich immer noch genial finde: Die Fragen haben wir auf Visitenkarten geschrieben und – am Telefon kann man das ja machen – dann hinter uns geworfen, wenn sich die Frage im Gespräch schon erledigt hatte. Das macht zum ersten Laune und zum zweiten hat man die Fragen dann wirklich nicht mehr im Blickfeld.“ Allerdings stößt ein Podcast im Seminar-Kontext naturgemäß schnell an seine Grenzen – eben jenen Seminar-Kontext. „Wir haben schnell gemerkt, dass es nicht reicht, einfach nur ein Seminar zu verpodcasten“, erläutert Andreas. „Er ist dann zwar für das Seminar eine Bereicherung, aber alle Leute von außerhalb können wenig damit anfangen. Aus diesen Überlegungen heraus wollten wir die AG Podcasting als studentische Arbeitsgruppe etablieren. No budget, many interests.“ Einige Jahre später hat sich die AG Podcasting mit dem Podcast „Bildung im Dialog“ an der Universität Koblenz etabliert. Vor uns auf dem Tisch liegt ein Whiteboard, das mit Ideen vollgeschrieben ist. „Wir machen jedes Semester eine große Mindmap, in der wir uns Themen überlegen, die wir angehen möchten“, erläutert Andreas. Diese Themen sind die erste Säule der Inhalte – von Einzelthemen bis hin zu kleinen Reihen, etwa zu pädagogischen Grundbegriffen. Die zweite Grundlage ist der stetige Kontakt der AG zu den Lehrenden an der Uni – Studierende können durch Audio-Beiträge Referate und Hausarbeiten ersetzen. „Es gibt Dozenten, die dieses Angebot ihren Studierenden weitergeben, und immer wieder kommt ein Beitrag zu uns, den wir prüfen können. Es gibt da natürlich einige rechtliche Aspekte zu beachten, etwa wenn jemand eine Melodie verwendet – da regen wir zum Beispiel an, eine freie Melodie zu verwenden, etwa von Jamendo oder Podsafe Music Network.“ An dritter Stelle stehen Events. Die AG Podcasting veranstaltet Workshops oder wird zu Events wie etwa dem EduCamp eingeladen. Dabei werden natürlich Gespräche mit den anwesenden Personen geführt, die wieder Stoff für neue Episoden hergeben. Vor Ort: Bildung ohne Frontalunterricht An einem empfindlich kalten Dienstagabend in Koblenz sind wir eine überschaubare Gruppe – zwei Studierende sind gekommen, es ist Semesterendstress, und die AG setzt auf freiwilliges Engagement statt auf Anwesenheitslisten. Das Web-2.0-ige fällt mir schon beim Ablauf der Veranstaltung auf. Andreas fragt seine Studis nach Feedback, wie sie die vergangene Live-Sendung erlebt haben, reflektiert über eigene Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten und gibt Tipps zur Vorbereitung richtiger Fragen. Danach wird die nächste Sendung vorbereitet: Die Studierenden haben einen Interviewpartner rausgesucht und verfassen eine E-Mail, ob er Interesse hat. Danach erlebe ich live mit, wie Bildung 2.0 aussehen kann: Andreas entwickelt gemeinsam mit seinen Studierenden ein Wiki, das wichtiges Wissen an die folgenden Teilnehmer der AG weitergeben soll. Heute wird ein Vorschlag für eine Informationsstruktur diskutiert. Bild: Andreas Auwärter (stehend), Lisa Urmetzer und Willi Wall bei der Arbeit an einer Episode. Willi Wall studiert Erziehungswissenschaften im 2. Semester und ist seit Beginn seines Studiums bei der AG Podcasting dabei. Lisa Urmetzer ist zwar ebenfalls im 2. Semester Erziehungswissenschaften, hat aber erst in diesem Semester zur AG Podcasting gefunden. „Der Name hat’s für mich interessant gemacht“, erzählt Willi. „Wir heißen ja Bildung im Dialog, und Bildung und Erziehung sind die Schwerpunkte der Erziehungswissenschaft.“ Für Lisa war die Einführungsveranstaltung die erste Berührung mit dem Thema Podcast. „Ich habe dann mitbekommen, wie auf dem Campus Aufnahmen gemacht wurden. Ich dachte mir: Das ist sehr hilfreich, weil wir eine kleine Gruppe sind und intensiver arbeiten.“ Eine Schwachstelle bei der AG gibt es: „Es gibt relativ wenig Feedback. Manchmal gibt es Kommentareinträge, wenn wir einen neuen Beitrag veröffentlichen. Aber wenn wir mit dem Aufnahmegerät durch die Uni ziehen, dann werden wir oft gefragt wofür wir das machen und stellen uns vor“, erläutert Willi, der jedoch aus eigener Erfahrung erzählen kann, dass ihm die Podcasts geholfen haben. „Bei den Grundbegriffen gibt es sehr gute Beiträge, etwa Interviews mit Dozenten. Gerade für den Einstieg ins Studium waren die Grundbegriffe eine gute Hilfe.“ Für beide Studierende haben Podcasts jedoch über die AG hinausgehend keine größere Bedeutung. „Im Privaten spielen Podcasts noch keine Rolle, auch als ich das zu Hause erzählt habe, wussten meine Eltern nicht, was Podcasts sind“, erzählt Lisa, und auch für Willi sind Podcasts zunächst „eine weitere Möglichkeit für einen Leistungsnachweis“. Mehr sieht Andreas in der von ihm geleiteten AG: „Vom Konzept her steht die Technik komplett im Hintergrund, weil das bei Pädagogen nicht das Studienfach ist – aber Forschungsmethoden sind immer mit den Podcasts verbunden, z.B. wissenschaftliche Interviews als Erkenntnisinstrumente. Es ist gut, wenn man das in der AG Podcasting schon einmal ausprobiert hat, wenn man es bei seiner Diplomarbeit braucht.“ Und so ändert sich durch die Podcasts auch das Lernen an sich. „Die Art, wie wir in der Gruppe vorgehen, mit Brainstormings und Mindmaps, das ist immer hilfreich wenn man sich in ein neues Thema einarbeiten möchte“, sagt Lisa, und Willi ergänzt, dass man auch lerne, „wie man Ideen von verschiedenen Leuten ordnet und auf einen gemeinsamen Nenner kommt“. Und Andreas erläutert: „Es kommt nicht auf die Antwort an, sondern das Spannende ist die Frage. Das hält Wissenschaft am Leben. Gerade im jungen Podcast-Medium ist es durchaus legitim, Fragen offen zu lassen und Impulse zu setzen.“ Es ist diese Einstellung, die den Podcast zu einem typischen Netzmedium macht – das Impulse setzen und Anregungen für Diskussionen geben möchte, nicht aber auf fertige Antworten aus ist.

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February 14 2011, 9:56am

transmediale11: Radio Tactics – Radio Magics

RESPONSE:ABILITY lautete die kryptische Metapher der diesjährigen transmediale.11, die am Wochenende in Berlin zu Ende gegangen ist. Gemeint war damit das Zurechtfinden der Menschen innerhalb der digitalen Welt, in der wir uns ununterbrochen einer digitalen Stimulation ausgesetzt sehen. Über 200 Künstler, Kreative und Wissenschaftler stellten hierzu im Haus der Kulturen der Welt sowie über die ganze Stadt verteilt verschiedenste Performances, Installationen, Videoarbeiten und Konferenzen vor. Dabei wurde auch ein alter Staubfänger wiederentdeckt: das Radio! Das Netz als Echtzeit-Lebensraum und der Mensch mittendrin: die digitale Kultur hat unser Leben nicht nur technisch, sondern auch sozial radikal verändert. Mittlerweile sind wir gleichzeitig on- und offline, erstellen eine Vielzahl an virtuellen Identitäten und schaffen es so scheinbar mühelos, zur selben Zeit überall zu sein. Was aber bedeutet dieser permanente Zustand der Digitalen Liveness für uns Menschen in unseren Identitätskonzepten und sozialen Beziehungen? Welche politischen Fragestellungen ergeben sich daraus? Und überhaupt: trägt in diesem Gewusel eigentlich irgend jemand die Verantwortung? Auf dem diesjährigen Festival für Kunst und digitale Kultur transmediale wurden eine Vielzahl an Arbeiten vorgestellt, die den Menschen in diesen Entwicklungen positionieren…

Unter dem Motto „Das Netz ist hier und jetzt, es ist live. Andere haben es für uns gebaut – gestalten müssen wir es jetzt selbst“ erschien es zunächst etwas erstaunlich, dass ausgerechnet dem Radio als Medium gleich am zweiten Festivaltag eine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Zwar gehört Radio auch heutzutage neben Internet noch immer zu den meistgenutzten Live-Medien weltweit. Als ältestes Massenkommunikationsmedium kommt ihm dabei aber die bemerkenswerte Rolle des Reliktes zu, dass als reines Audioformat in einer primär visuell ausgerichteten digitalen Welt mehr oder weniger standhaft überlebt zu haben scheint. Mit einer eigenen „Unter-Konferenz“ namens ´Test Signals´ rückte man dem Radio auf der transmediale.11 zu Leibe und versuchte in zwei Gesprächsrunden zu ergründen, wie sich das Radio in der digitalen Zukunft positionieren kann bzw. welches gesellschaftliche und politische Potential ihm zukünftig als freie Plattform zukommen könnte. Geraldine de Bastion, Projektmanagerin bei newthinking communications, hatte in der ersten Gesprächsrunde ´Radio Tactics´ klare Antworten: „Radio kann (mehr oder weniger als einziges Medium) die letzten noch unerschlossenen ländlichen und abgeschiedenen Gegenden an das globale Informationsnetz anschließen!“ Radio schlägt also die Brücke von der alten in die neue Welt der Kommunikationsmedien. Um technisch mitzuhalten muss es sich aber unbedingt den neuen Technologien gegenüber öffnen, so fuhr de Bastion fort, und das heißt: die Verwendung von “open source technologies“, “crowd sourcing“ und “cross media“! Was das im einzelnen bedeutet, wurde von den drei weiteren Rednern aufgegriffen. Douglas Arellanas von http://www.sourcefabric.com und Mitorganisator der ´Test Signals´-Reihe entwickelt eben jene open source Technologien für Radiomacher. Gerade für Journalisten und Radioprogrammierer ist eine frei verfügbare Software wichtig, da sie ihnen für ihre oft unter oder gar nicht finanzierten Projekte Unabhängigkeit und Qualität verspricht – egal ob terrestrisch oder online. Dass die Möglichkeiten des Rundfunks besonders in politischen Krisengebieten wie zur Zeit im arabischen Raum eine enorme Bedeutung erfährt, betonte Arellanas fast nebenbei: „radio still works when internet shuts down!“ Innovation und Eigensinn waren für Diana McCarthy, der zweiten Rednerin, Schlagworte ihres Radiosenders. Als Mitbegründerin der freien Berliner Radiosender Herbstradio und seinem Nachfolger Reboot FM steht sie für ein freies, unabhängiges Radioprogramm, dass – im Gegensatz zum Trend der Zusammenfassung von Hörerschichten bei kommerziellen Radiostationen – den speziellen Geschmack kleinerer Hörerschichten anvisiert, und das heißt: „crowd sourcing“. Als ein junges Berliner Nischenradio mit Fokus auf aktueller, experimenteller Musik setzt Reboot FM einen Hörer mit i-Pod-Gewohnheiten voraus, der bereits über ein großes Kontingent an aktueller Musik verfügt. Etwas Neues spielen, das auch Grenzen überschreitet und Interessant ist: für Diana McCarthy heißt die Zukunft Crossover innerhalb einer bestimmten Nische, der man sich voll und ganz verschreibt. Wie die Zukunft des Radios technisch nun konkret aussieht, wusste schließlich der letzte Redner Jonathan Marks: hybrid! Ein Zwitter namens “Cross Media“ wird sich entwickeln, indem sich Audio, Visuals und Text auf eine „relevante“ Art und Weise miteinander verbinden. Im Mittelpunkt des Ganzen steht natürlich der Empfänger bzw. Konsument: „Radioproduzenten werden lernen müssen, nicht für, sondern mit einem Publikum Radio zu machen!“ Denn frei nach dem Motto „if i want to harm you, i isolate you“ wird die soziale Vernetzung auch beim Radio zukünftig eine stärkere Bedeutung haben. Also Teilen statt reine Beschallung – doch wie soll das aussehen? Denn Radio „beschallt“ nicht nur oder donnert gar auf den unwilligen Hörer herab, sondern kommuniziert und – fasziniert! Diesem Aspekt widmete sich der zweite Teil der Gesprächsrunde mit dem schönen Titel ´Radio Magic´. Die eingeladenen Radiokünstler Sarah Washington, Knut Aufermann, Alejo Duque, Alejandra Perez Nuñez sowie die Gründerin des Wiener Radiosenders KUNSTRADIO-RADIOKUNST Heidi Grundmann zeigten hier, inwiefern die Faszination am Radioklang als künstlerisches Potential genutzt werden kann. Zusammen versuchte man zunächst in persönlichen Rückblicken den „Radiozauber“ sprachlich zu erfassen, aber bedauerlicherweise Weise begann hier die Diskussion zu verwässern und ins Plauderhafte abzudriften. Als später die Sound-Arbeiten der Künstler vorgestellt und angespielt wurden, wurde schnell klar, warum: Radio-Magie liegt wortwörtlich in der Luft! Das Magische ist das Ungewisse: wer sitzt hinter den Stimmen, Geräuschen und Klängen? Und wer kann sie alles hören? Und als schließlich Alejo Duque auch noch zu einer verbogenen Antenne griff und demonstrierte, wie zufällig vorbeifliegende Radiowellen in einem Auditorium klingen können, kroch die Faszination auch in die letzte Reihe des Publikums. Da irritierte dann auch das etwas fahrige Schlußplädoyer von Knut Aufermann nicht mehr, man möge nach der Veranstaltung einfach selber weiter nach Experimenteller Radiokunst suchen. Man macht es einfach. http://reboot.fm/ http://www.kunstradio.at/ http://resonancefm.com/ Fotos: Transmediale, Beate Stender

February 11 2011, 9:47am

Gezeichneter Vortrag über Bildung

Sehenswert: diese gezeichnete Video, das einen Vortrag von Sir Ken Robinson visualisiert, Experte für Bildung und Kreativität. Aus der Reihe „RSA Animate“, die schon in unserer Good-School-Liste vorgestellt wurde.

January 4 2011, 11:33am

Ein Stück Netzkultur: Automatic Mario

Ein Meme-Klassiker: Wer in den 80ern und frühen 90ern aufwuchs und Klempner cooler findet als Mäuse, dem dürfte bei folgendem Musikvideo aus dem Jahr 2007 das Herz aufgehen. Entstanden durch passend zur japanischen Musik modifizierte Mario-Levels. Gewohnt gute Hintergrundinfos gibt’s übrigens in der Meme-Datenbank von Know Your Meme.

December 21 2010, 2:25pm

Video-Interview: Was ist virtuelle Führung?

Wer dieses interessante Interview sieht und hört, wird an sehr vielen Stellen nicken und sich an Meetings oder Seminare erinnern. Wer von Euch auch als Berater unterwegs ist, wird sich genauso fragen, wie man diese Erkenntnisse in Organisationen umsetzt. Einsicht beginnt ja nicht durch neuen Information. Denn – Hand aufs Herz – dass man im Enterprise 2.0 Kontrolle abgegeben muss, wissen wir nicht erst seit den Diskussionen um ROWE. Ghislaine Caulat (Black Gazelle) rät im Interview, Virtual Leadership als neue Disziplin zu betrachten, da das bisherige Wissen über Führung nicht produktiv in den virtuellen Raum übertragen werden könne. Die Bedeutung der Begriffe „Vertrauen“, „Macht“ und „Hierarchie“ ändert sich im Virtuellen. Intervie anläßlich der Dresden Future Talks 2010.

December 13 2010, 10:00am

Wikibeast

Es dürfte inzwischen jedem mehr oder minder eifrigen Nachrichtenrezipienten nicht entgangen sein, dass das aktuelle Schreckgespenst der US-amerikanischen Aussen- und Informationspolitik einen prominenten Namen trägt: WIKILEAKS. Den einen mag die Plattform als gekonnte Umsetzung des Robin Hood‘schen Prinzips der strategischen Umverteilung machtrelevanter Werkzeuge (früher: Besitz, jetzt: Information) erscheinen. Für die anderen ist es schlicht ein erschreckend unreflektiertes, politisch kurzsichtiges Portal, dass jedem ernstzunehmenden Versuch von investigativem Journalismus die Schamesröte ins Gesicht treiben muss. Seit Tagen nun rauscht Wikileaks also im Dokumentengewand durch die Schlossruine der US-Diplomatie. Und offenbart der Weltöffentlichkeit, was hinter dem aussenpolitischem Verhandlungsgeschick der United States of America tatsächlich verborgen liegt: nämlich dass der nette Onkel USA in seiner politischen Gesamtheit ein hinterhältiger Heuchler ist. Aha…

Die Liste der hehren Ziele, die Wikileaks mit seiner Veröffentlichungsplattform zu verfolgen sucht, liest sich wie ein rebellisches Flugblatt in einer medienzensierten Realität: Die Publikation delikater Informationen von „ethischer, politischer und historischer Bedeutung“ soll den geneigten Leser aus seiner real-politischen Unmündigkeit und Unwissenheit befreien. Oh ha. Dass dies mehr als heiter werden kann, sieht man am aktuellen informationspolitischen Supergau der US-Regierung, kurz „Cablegate“. Und wie das so ist, wenn man den Wald vor lauter Depeschen nicht mehr sehen kann, wird eine der dringlichsten Frage in diesem Zusammenhang immer noch nicht laut und beharrlich genug gestellt: Die Frage nach den zu befürchtenden Konsequenzen für das globalpolitisch unabdingbare Konzept der Diplomatie. Denn konsequenterweise hat Wikileaks nicht nur dem US-Regierungs-Onkel die Hosen runtergezogen, sondern in einem Rutsch auch noch das Notwendigste der Diplomatie gleich mit in die Tonne getreten: die Möglichkeit, durch Verhandlungsgeschick und der Zurückhaltung persönlichen Werturteile und Wesenseinschätzungen delikate Gleichgewichtsverhältnisse aufrechtzuerhalten. Genützt haben die Veröffentlichungen in der öffentlichen Diskussion vor allem einem: Hui-Buh respektive Wikileaks. Denn das Netzwerk um Julian Assange, dessen zweifelhafter Lebenswandel hier nicht zur Debatte steht, hat sich vom medialen „Emporkömmling mit unklarem Antrieb“ zu einem ernstzunehmenden Politikgespenst gemausert. Denn fest steht: die „durch Wikileaks geöffnete Material-Fundgrube (…) wirft Licht auf die Art und Weise, wie innerhalb und zwischen politischen Organisationen und Institutionen kommuniziert worden ist.“ Es bleiben allerdings begründete Zweifel, ob es tatsächlich diese kritische Ausleuchtung politischer Hinterzimmer ist, die Wikileaks im Sinn hat. Denn sowohl die Art der Aufbereitung, als auch die Ankündigung, die delikaten Dokumente schrittweise zu veröffentlichen, sprechen eher für einen öffentlichkeitswirksam zelebrierten Akt des Tratschens, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Und derer bleibt es abzuwarten. Sorgenvoll.

December 3 2010, 10:02am

Crowd Sourcing: Und wo lassen Sie forschen?

Google macht crowd sourcing mit seinem offenen Forschungsprojekt co:llaboratory. Forscher und Juristen können sich dort anmelden und sich an der dritten Ausgabe zum Thema Urheberrecht an dem Studienprojekt beteiligen. In der dritten Initiative des Internet & Gesellschaft Co://aboratory wird der Frage nachgegangen, welche Eigenschaften ein Regelungssystem für immaterielle Güter, also ein Urheberrecht für die Informationsordnung des 21. Jahrhunderts, haben muss. Ein Urheberrecht, das sowohl Kreativität als auch Innovation fördert, neue Geschäftsmodelle ermöglicht und so generell dem Anspruch einer „Magna Charta der Informationsgesellschaft“ gerecht wird. Die Abschlussberichte zu Innovationskultur und Open Government liegen bereits vor.

November 15 2010, 10:58am

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