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8bitpeoples: Wiederhören mit der Videospielkindheit

Nach unserer Vorstellung von Series Media wird es Zeit für das nächste Netlabel, das auf Hörer wartet. Bei der Musik auf 8bitpeoples bleibt es elektronisch, doch mit einem sehr speziellen Ansatz.

Chiptunes: Musik aus 8 Bits Wie der Name des 1999 gegründeten Netlabels vermuten lässt, hat sich das Label der 8-Bit-Ästhetik verschrieben. Seit den späten 70er Jahren hielten Heimcomputer und Spielkonsolen zunehmend Einzug in amerikanische und europäische Haushalte und brannten sich mit ihren digitalen Klängen fest in die Gedächtnisse der ersten Generation von Digital Natives ein. Und dringen nun durch Chiptunes von Musikern aus eben jener Generation in die Gehörgänge der nachfolgenden. Der Begriff Chiptunes kann sich – in einer sehr engen Definition – auf Musik beziehen, die mit Hilfe von Mikrochips in frühen Heimcomputern und Spielkonsolen enstanden ist – oft als Game-Soundtrack. Doch sollte der Begriff heute weiter gesehen werden, denn es gibt es eine große internationale Musikszene, die auf diese typischen Klängen setzt. Stilistisch sind Sounds aus einfachen Wellenformen wie Sinus oder Sägezahn kennzeichnend, meist mit Percussion-Geräuschen aus Rauschen kombiniert. Eine sehr lesenswerte Geschichte des Genres haben Kevin Driscoll und Joshua Diaz unter dem Titel „Endless loop: A brief history of chiptunes“ verfasst, komplett mit technologischen Hintergründen und Hörbeispielen.

Bild: Minusbaby entlockt den Soundchips vertraute Klänge und verwebt sie zu Songs (Foto: „Minusbaby“ von Lucius Kwok, CC BY SA) Minusbaby und Coleco Music: Zwei Beispiele aus dem Labelfundus Im Programm von 8bitpeoples kann man stundenlang nach Musik stöbern – alle Veröffentlichungen sind frei verfügbar, einige sogar in physikalischer Reinkarnation im Shop. Im Programm finden sich Stücke, die die Möglichkeiten des Genres und der verwendeten Geräte ausreizen, wie etwa die sechs Songs auf der EP „Derecha“ von Minusbaby, bei denen Chipklänge so lange übereinander geschichtet werden, bis tanzbare Stücke dabei herauskommen – weit entfernt von den typischen Videospielklängen. Dass die Veröffentlichungen auf 8bitpeoples stilistisch jedoch durchaus auch über die klassischen Chiptunes hinausgehen, beweisen sie zum Beispiel mit der Veröffentlichung von „Confession in a Chatroom“ der argentinischen Gruppe Coleco Music – von Rhythmus und Stilistik her typischer Synthiepop aus fiepsigen 8-Bit-Klängen und mit aus dem Internetalltag inspirierten Lyrics unterlegt – vom fröhlich-beschwingten „:)“ bis zum abschließenden „She Appears To Be Offline“ mit seinem unbeantworteten Telefonklingeln, gewidmet „all the people I’ve been chatting with“. Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

March 9 2011, 9:45am

Series-Netlabel: Elektro-Klänge aus Lateinamerika

In den Weiten des Webs tummeln sich eine Unmenge von Netlabels, die spannende Musik veröffentlichen. Eines davon stelle ich euch heute vor: Series Media, das sich auf elektronische Musik aus Lateinamerika spezialisiert hat. Series ist ein Netlabel aus Medellín im Nordwesten Kolumbiens, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Künstlern ohne Plattenvertrag ein Forum zu bieten – meist elektronische Musik, stilistisch im Bereich von Minimal und Ambient verordnet. Wie für Netlabels typisch, stehen alle Werke auf Series Media unter einer Creative-Commons-Lizenz – in ihrem Fall die BY-NC-ND. Alle Veröffentlichungen kommen mit eigenem Artwork und ordentlichen id3-Tags. Bild: Die beiden letzten Plattencover von Series – links die Compilation „Series Volume 2“, rechts die farbenfrohe EP von Panorama Als Einstieg in das musikalische Label-Programm empfiehlt sich eine der Compilations, etwa „Series Vol. 2“ aus dem November letzten Jahres: voller ausgefeilter Rhythmen, teils elektronisch, teils in Bandbesetzung eingespielt, oft Latin-geschult. Künstler wie Label-Urgestein Emc², der in seinem Musiker-Porträt einen kleinen Ausflug in die Physik unternimmt – dabei müsste sich seine cluberprobte Musik keineswegs hinter seinem Pseudonym verstecken. Oder der Track von Savan, der mit feinem Fiepen und Pluckern über Shakern in die Beine geht. Den Weg, den eine Gruppe gehen kann, erlebt man bei Panorama – auf „Series Vol. 2“ noch mit einem tighten Beat aus der Drum-Machine unterlegt, aber schon klassische Songstrukturen zeigend, bewegen sie sich auf ihrer vor wenigen Tagen veröffentlichten EP „Tapete rojo“ vollends in die klassische Bandbesetzung – und bringen leicht-beschwingte, überraschend poppige Stücke zu Gehör, visualisiert durch rot-blaue Rauchschwaden. Insgesamt ist das Label-Programm seit 2005 auf 33 Veröffentlichungen angewachsen – alle stehen zum freien Download bereit. Zusätzlich gibt es ein paar DJ-Sets. Zum direkten Einstieg hier noch ein Video von Rodrigo Planella alias BAGUAL: das bedrohlich wabernde „No Place To Go“, bei dem ich irgendwie an eine fortschrittskritische Version von Kraftwerk denken muss.

Bildnachweis: Logo von Series Media, Plattencover von Felipe Cuartas (links) und Cabizbaja (rechts), CC BY NC ND

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January 31 2011, 10:00am

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