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Erste ROLLING STONE-App startet in Deutschland

Eines der bekanntesten Musikmagazine feiert sein Debüt auf dem iPad – das ROLLING STONE Magazin! Seit 1967 versorgt es Musikfans mit den neuesten News und Trends rundum die Musikbranche und hat schon Stars wie Brian Warner (Marylin Manson), Janet Jackson, Jay-Z und Kurt Cobain auf dem Titel gehabt. Seit 1994 ist das Magazin auch in Deutschland erhältlich. Vergleichsweise spät! Umso interessanter, dass nun gerade die deutsche Version, die erste weltweit ist, die digitale Wege geht. Da will wohl jemand etwas gut machen denkt man sich? Nein – tatsächlich hat der First-Time-Release wohl eher damit was zu tun, dass der deutsche Musikmarkt der drittgrößte Markt der Welt ist. Davor rangieren nur noch die USA auf Platz 1 und Japan auf Platz 2. Wie auch immer. Wir freuen uns darüber und hoffen, dass das Magazin in Form einer App genauso erfolgreich wird. Einen ersten Einblick, wollen auch wir Netzpiloten euch nicht verwehren.

Welche Highlights krönen die erste Ausgabe? Das besondere an einer digitalen Auflage ist natürlich immer der multimediale Mehrwert mit dem man eine solche App füttern kann. Und damit hat der ROLLING STONE nicht gegeizt. Somit kann man sich in der aktuellen Ausgabe über eine Pink-Floyd Kurzdoku freuen, die innerhalb von 18 Minuten die Bandgeschichte aufarbeitet. Ob das wohl reicht? Immerhin existiert die Band bereits seit 1964, da darf es doch ein wenig länger dauern oder? Keine Sorge, der ROLLING STONE ist bekannt für seine unbestechlich gute Berichterstattung und wird euch nicht enttäuschen mit der Kurzdoku. Ich habe sie gesehen und fand sie super – so viel sei schon einmal gesagt.

Ein weiteres Highlight, welches man in einer Printausgabe womöglich nie finden würde, ist eine O-Ton Aufnahmen von Noel Gallagher. Er selbst steht hier Rede und Antwort und kommentiert fünf Klischees über seine Person, die ihm die Redaktion vorgelegt hat. Dabei kommt es zu einigen Überraschungen für den Fan. Weitere tolle Highlights sind die Video-Sessions mit Breaking Artists wie Julia Marcell, den Secret Sisters und The Pierces. In gewohnter Manier wird man außerdem mit Interviews versorgt, die hier aber in Form von Videointerviews vorgeführt werden – cool!

Abschließend werdet Ihr in der App immer mit aktuellen Hörproben versorgt. Aktuell sind es insgesamt 30 Proben, der brandheißesten Tonträger auf dem Markt. Somit sind Musikfans mehr denn je mit den Breaking-News versorgt! Alles in allem.. .. wird euch die App einfach umhauen glaube ich. Neben den oben genannten Highlights habt Ihr natürlich Zugriff auf alle Printinhalte und könnt über den Content auch offline verfügen um Ladezeiten zu sparen. Damit ist eine uneingeschränkte Nutzung gegeben. Was der Spaß kostet? Die erste Ausgabe gibt es ab sofort im iTunes Store zum Einführungspreis von 2,99 Euro statt späteren 4,99 Euro. Natürlich gibt es auch die gwohnten Abo-Preis-Modelle, die euch einige Euros sparen. Das 6-Monats-Abo kostet zum Bespiel 17,99 Euro (statt 29,99 Euro) und das Jahresabo gibt es für 35,99 Euro (statt 59,99 Euro). Wer jetzt noch skeptisch ist, dem kann ich nur noch das Promovideo ans Herz legen, dass euch ebenfalls schon einmal ein paar Einblicke gestattet. Viel Spaß damit!

Rolling Stone iPad App Trailer from Rolling Stone on Vimeo.

October 6 2011, 9:30am

Real Scenes: Documentary about Techno in Berlin

Bunte Bilder und pulsierende Sounds begleiten die Macher von Real Scenes Berlin, die sich in dem 18-minütigem Video durch die Geschichte Berlins der 90er Jahre, bis in die heutige Gegenwart bewegen. Die Dokumenation ist der dritte Teil der Real Scenes-Reihe von Resident Advisor und thematisiert die Entwicklung und die Kommerzialisierung der Musik und ihrer Bewegung seit dem Mauerfall.

Real Scenes: Berlin from Resident Advisor on Vimeo.

September 7 2011, 10:00am

Video: Foo Fighters Garage Tour (Doku)

Das neue Album der Foo Fighters “Wasting Light” wurde komplett in der Garage des Leadsängers Dave Grohl eingespielt. Eine Selbstvertändlichkeit, dass man dann auch ein paar Konzerte in den Garagen der Fans spielt. Die gerade frisch erschienene Dokumentation “Garage Tour” zeigt einige Auftritte in den verschiedenen Garagen. Es wurde laut, es wurde rockig, es wurde typisch Foo Fighters. Aus einem riesigen Fundus an Material wurde am Schluß diese sehenswerte 40-minütige Doku zusammen geschnitten. Viel Spaß beim Gucken!

August 1 2011, 9:45am

Musikvideo 2.0 – Interaktive Begegnungen!

Es hieß lange Zeit, das Ende des Musikfernsehens sei auch das Ende des Musikvideos. Eine These, die bestritten und meines Erachtens auch widerlegt wurde. Wer sich die Geschichte und die Gegenwart des Musikvideos anschaut, erkennt unschwer, dass diese Unterhaltungs- und Kunstform nicht unbedingt auf das Musikfernsehen angewiesen ist…..

Die ersten kommerziell gedrehten Musikvideos entstanden bereits in den 60igern. Promovideos der Künstler, wie das 1967 erschienende „Penny Lane“ von den Beatles oder das Promovideo zu „Dead End Street“ von den Kinks (indem erstmalig der Inhalt des Textes inszeniert wurde) gelten heute als die Vorreiter der kommerziellen Musikvideos. Mit Punk, New Wave und dem Elektropop feierten die Clips ihren großen Durchbruch in den 1970er und 1980ern. Und in dieser Zeit entstand auch erst das Musikfernsehen. 1981 ging MTV in den USA auf Sendung und damit wurden Musikvideos in breiten Kreisen populär. Obgleich es als Kunstform schon lange Beachtung gefunden hatte! Von da an passierte eigentlich nur eines – die Produktion dieser Stücke wurde finanziell total aufgebläht. Natürlich brachte das auch Vorteile mit sich. Klassiker wie „Thriller“ von Michael Jackson entstanden – mit für die damaligen Möglichkeiten spektakulären Special Effects. Die Animationsbranche profitierte ungemein von den Werbebudgets und auch die klassische Filmindustrie kopierte die Standards. Und doch erlebte die Branche zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen empfindlichen Dämpfer! Schuld daran war das frei zugängliche Internet. Die millionenschweren Werbebudgets, die die Musikindustrie in die Videos ihrer Stars steckten, wurden vaporisiert. Kaum einer kaufte mehr Platten bzw. sah Musikfernsehen, denn Social Media Portale wie YouTube boten rund um die Uhr von jedem Ort der Welt, die Videos und Songs ohne Rahmenprogramm und ohne Kosten an. Während VIVA und MTV reagierten und sich mit Klingeltonwerbung und „Little Sweet Sixteen“ über Wasser hielten, versuchten Künstler und Regisseure neue Wege zu bestreiten. Sie machten sich das Internet nicht zum Feind – wie das Musikfernsehen – sondern zum Freund! Der Trend geht zum interaktiven Video, welches ohne das Internet gar nicht funktionieren würde. Ein berühmtes Beispiel ist „We Used To Wait“ von Arcade Fire. Durch die Eingabe seiner Adresse zu Beginn des Clips, erlebt man als Jogger im Video, eine Tour durch seine Nachbarschaft. Möglich wird das durch die Einblendung von Google Street View Aufnahmen und vorgefertigten Sequenzen. Ein weiteres Beispiel ist das Video „The Never-Ending Why“ von Placebo, indem ein drachenähnliches Wesen durch den Clip gesteuert wird. Doch auch deutsche Künstler haben sich dem Trend zugewandt. So hat K.I.Z mit „Neuruppin“ ebenfalls ein interaktives Video herausgebracht, welches auf Grund des Jugendschutzes nur von 23 – 6 Uhr vollständig gesehen werden kann und von mir an dieser Stelle auch nicht weiter detailliert wird – aber es ist klasse, so viel sei gesagt! Nun mögen kritische Zungen behaupten, die Videos wären billig gemacht und würden an die Qualität und den Unterhaltungswert der gängigen Musikvideos nicht herankommen. Doch hier sei nochmals gesagt es ist ein Trend der in den Kinderschuhen steckt und großes Potenzial inne hält. Der Schritt von „Penny Lane“ zu „Thriller“ hat immerhin auch 16 Jahre gedauert! Ich denke man darf gespannt sein, wie sich dieses neue Genre in den nächsten Jahren entwickelt und was uns so erwartet. So kann man vermutlich auch von ausgehen, dass andere technische Aspekte Bedeutung finden werden. Womöglich wird man demnächst interaktive 3D Videos finden oder mit Freunden gemeinsam in Videos interagieren können. Womöglich werden neue Portale entstehen, die solche Videos a la YouTube ausstrahlen und anbieten werden. Im Moment kann man kaum eine innovativere und kreativere Entwicklung verfolgen, als die Entwicklung der Musikvideos – auch und gerade im und durch das Web!

April 26 2011, 10:00am

8bitpeoples: Wiederhören mit der Videospielkindheit

Nach unserer Vorstellung von Series Media wird es Zeit für das nächste Netlabel, das auf Hörer wartet. Bei der Musik auf 8bitpeoples bleibt es elektronisch, doch mit einem sehr speziellen Ansatz.

Chiptunes: Musik aus 8 Bits Wie der Name des 1999 gegründeten Netlabels vermuten lässt, hat sich das Label der 8-Bit-Ästhetik verschrieben. Seit den späten 70er Jahren hielten Heimcomputer und Spielkonsolen zunehmend Einzug in amerikanische und europäische Haushalte und brannten sich mit ihren digitalen Klängen fest in die Gedächtnisse der ersten Generation von Digital Natives ein. Und dringen nun durch Chiptunes von Musikern aus eben jener Generation in die Gehörgänge der nachfolgenden. Der Begriff Chiptunes kann sich – in einer sehr engen Definition – auf Musik beziehen, die mit Hilfe von Mikrochips in frühen Heimcomputern und Spielkonsolen enstanden ist – oft als Game-Soundtrack. Doch sollte der Begriff heute weiter gesehen werden, denn es gibt es eine große internationale Musikszene, die auf diese typischen Klängen setzt. Stilistisch sind Sounds aus einfachen Wellenformen wie Sinus oder Sägezahn kennzeichnend, meist mit Percussion-Geräuschen aus Rauschen kombiniert. Eine sehr lesenswerte Geschichte des Genres haben Kevin Driscoll und Joshua Diaz unter dem Titel „Endless loop: A brief history of chiptunes“ verfasst, komplett mit technologischen Hintergründen und Hörbeispielen.

Bild: Minusbaby entlockt den Soundchips vertraute Klänge und verwebt sie zu Songs (Foto: „Minusbaby“ von Lucius Kwok, CC BY SA) Minusbaby und Coleco Music: Zwei Beispiele aus dem Labelfundus Im Programm von 8bitpeoples kann man stundenlang nach Musik stöbern – alle Veröffentlichungen sind frei verfügbar, einige sogar in physikalischer Reinkarnation im Shop. Im Programm finden sich Stücke, die die Möglichkeiten des Genres und der verwendeten Geräte ausreizen, wie etwa die sechs Songs auf der EP „Derecha“ von Minusbaby, bei denen Chipklänge so lange übereinander geschichtet werden, bis tanzbare Stücke dabei herauskommen – weit entfernt von den typischen Videospielklängen. Dass die Veröffentlichungen auf 8bitpeoples stilistisch jedoch durchaus auch über die klassischen Chiptunes hinausgehen, beweisen sie zum Beispiel mit der Veröffentlichung von „Confession in a Chatroom“ der argentinischen Gruppe Coleco Music – von Rhythmus und Stilistik her typischer Synthiepop aus fiepsigen 8-Bit-Klängen und mit aus dem Internetalltag inspirierten Lyrics unterlegt – vom fröhlich-beschwingten „:)“ bis zum abschließenden „She Appears To Be Offline“ mit seinem unbeantworteten Telefonklingeln, gewidmet „all the people I’ve been chatting with“. Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

March 9 2011, 9:45am

Phantom of the Floppera

Necessity may be the mother of invention, but the internet has demonstrated time and again that boredom is the mother of incredible. And who needs instruments when you’ve got an old computer and time on your hands? And there’s no better example than setting Bach’s Tocatta and Fugue for the floppy drive, with amazing results. Check out the video after the click.

February 15 2011, 12:00pm

transmediale11: Radio Tactics – Radio Magics

RESPONSE:ABILITY lautete die kryptische Metapher der diesjährigen transmediale.11, die am Wochenende in Berlin zu Ende gegangen ist. Gemeint war damit das Zurechtfinden der Menschen innerhalb der digitalen Welt, in der wir uns ununterbrochen einer digitalen Stimulation ausgesetzt sehen. Über 200 Künstler, Kreative und Wissenschaftler stellten hierzu im Haus der Kulturen der Welt sowie über die ganze Stadt verteilt verschiedenste Performances, Installationen, Videoarbeiten und Konferenzen vor. Dabei wurde auch ein alter Staubfänger wiederentdeckt: das Radio! Das Netz als Echtzeit-Lebensraum und der Mensch mittendrin: die digitale Kultur hat unser Leben nicht nur technisch, sondern auch sozial radikal verändert. Mittlerweile sind wir gleichzeitig on- und offline, erstellen eine Vielzahl an virtuellen Identitäten und schaffen es so scheinbar mühelos, zur selben Zeit überall zu sein. Was aber bedeutet dieser permanente Zustand der Digitalen Liveness für uns Menschen in unseren Identitätskonzepten und sozialen Beziehungen? Welche politischen Fragestellungen ergeben sich daraus? Und überhaupt: trägt in diesem Gewusel eigentlich irgend jemand die Verantwortung? Auf dem diesjährigen Festival für Kunst und digitale Kultur transmediale wurden eine Vielzahl an Arbeiten vorgestellt, die den Menschen in diesen Entwicklungen positionieren…

Unter dem Motto „Das Netz ist hier und jetzt, es ist live. Andere haben es für uns gebaut – gestalten müssen wir es jetzt selbst“ erschien es zunächst etwas erstaunlich, dass ausgerechnet dem Radio als Medium gleich am zweiten Festivaltag eine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Zwar gehört Radio auch heutzutage neben Internet noch immer zu den meistgenutzten Live-Medien weltweit. Als ältestes Massenkommunikationsmedium kommt ihm dabei aber die bemerkenswerte Rolle des Reliktes zu, dass als reines Audioformat in einer primär visuell ausgerichteten digitalen Welt mehr oder weniger standhaft überlebt zu haben scheint. Mit einer eigenen „Unter-Konferenz“ namens ´Test Signals´ rückte man dem Radio auf der transmediale.11 zu Leibe und versuchte in zwei Gesprächsrunden zu ergründen, wie sich das Radio in der digitalen Zukunft positionieren kann bzw. welches gesellschaftliche und politische Potential ihm zukünftig als freie Plattform zukommen könnte. Geraldine de Bastion, Projektmanagerin bei newthinking communications, hatte in der ersten Gesprächsrunde ´Radio Tactics´ klare Antworten: „Radio kann (mehr oder weniger als einziges Medium) die letzten noch unerschlossenen ländlichen und abgeschiedenen Gegenden an das globale Informationsnetz anschließen!“ Radio schlägt also die Brücke von der alten in die neue Welt der Kommunikationsmedien. Um technisch mitzuhalten muss es sich aber unbedingt den neuen Technologien gegenüber öffnen, so fuhr de Bastion fort, und das heißt: die Verwendung von “open source technologies“, “crowd sourcing“ und “cross media“! Was das im einzelnen bedeutet, wurde von den drei weiteren Rednern aufgegriffen. Douglas Arellanas von http://www.sourcefabric.com und Mitorganisator der ´Test Signals´-Reihe entwickelt eben jene open source Technologien für Radiomacher. Gerade für Journalisten und Radioprogrammierer ist eine frei verfügbare Software wichtig, da sie ihnen für ihre oft unter oder gar nicht finanzierten Projekte Unabhängigkeit und Qualität verspricht – egal ob terrestrisch oder online. Dass die Möglichkeiten des Rundfunks besonders in politischen Krisengebieten wie zur Zeit im arabischen Raum eine enorme Bedeutung erfährt, betonte Arellanas fast nebenbei: „radio still works when internet shuts down!“ Innovation und Eigensinn waren für Diana McCarthy, der zweiten Rednerin, Schlagworte ihres Radiosenders. Als Mitbegründerin der freien Berliner Radiosender Herbstradio und seinem Nachfolger Reboot FM steht sie für ein freies, unabhängiges Radioprogramm, dass – im Gegensatz zum Trend der Zusammenfassung von Hörerschichten bei kommerziellen Radiostationen – den speziellen Geschmack kleinerer Hörerschichten anvisiert, und das heißt: „crowd sourcing“. Als ein junges Berliner Nischenradio mit Fokus auf aktueller, experimenteller Musik setzt Reboot FM einen Hörer mit i-Pod-Gewohnheiten voraus, der bereits über ein großes Kontingent an aktueller Musik verfügt. Etwas Neues spielen, das auch Grenzen überschreitet und Interessant ist: für Diana McCarthy heißt die Zukunft Crossover innerhalb einer bestimmten Nische, der man sich voll und ganz verschreibt. Wie die Zukunft des Radios technisch nun konkret aussieht, wusste schließlich der letzte Redner Jonathan Marks: hybrid! Ein Zwitter namens “Cross Media“ wird sich entwickeln, indem sich Audio, Visuals und Text auf eine „relevante“ Art und Weise miteinander verbinden. Im Mittelpunkt des Ganzen steht natürlich der Empfänger bzw. Konsument: „Radioproduzenten werden lernen müssen, nicht für, sondern mit einem Publikum Radio zu machen!“ Denn frei nach dem Motto „if i want to harm you, i isolate you“ wird die soziale Vernetzung auch beim Radio zukünftig eine stärkere Bedeutung haben. Also Teilen statt reine Beschallung – doch wie soll das aussehen? Denn Radio „beschallt“ nicht nur oder donnert gar auf den unwilligen Hörer herab, sondern kommuniziert und – fasziniert! Diesem Aspekt widmete sich der zweite Teil der Gesprächsrunde mit dem schönen Titel ´Radio Magic´. Die eingeladenen Radiokünstler Sarah Washington, Knut Aufermann, Alejo Duque, Alejandra Perez Nuñez sowie die Gründerin des Wiener Radiosenders KUNSTRADIO-RADIOKUNST Heidi Grundmann zeigten hier, inwiefern die Faszination am Radioklang als künstlerisches Potential genutzt werden kann. Zusammen versuchte man zunächst in persönlichen Rückblicken den „Radiozauber“ sprachlich zu erfassen, aber bedauerlicherweise Weise begann hier die Diskussion zu verwässern und ins Plauderhafte abzudriften. Als später die Sound-Arbeiten der Künstler vorgestellt und angespielt wurden, wurde schnell klar, warum: Radio-Magie liegt wortwörtlich in der Luft! Das Magische ist das Ungewisse: wer sitzt hinter den Stimmen, Geräuschen und Klängen? Und wer kann sie alles hören? Und als schließlich Alejo Duque auch noch zu einer verbogenen Antenne griff und demonstrierte, wie zufällig vorbeifliegende Radiowellen in einem Auditorium klingen können, kroch die Faszination auch in die letzte Reihe des Publikums. Da irritierte dann auch das etwas fahrige Schlußplädoyer von Knut Aufermann nicht mehr, man möge nach der Veranstaltung einfach selber weiter nach Experimenteller Radiokunst suchen. Man macht es einfach. http://reboot.fm/ http://www.kunstradio.at/ http://resonancefm.com/ Fotos: Transmediale, Beate Stender

February 11 2011, 9:47am

#CTM11: Live ist tot, es lebe die Liveness!?

Das mit der Transmediale (#TM11) verschwesterte und zeitgleich statt findende Festival Club Transmediale (#CTM11, 1. – 6.2.2011) in Berlin ist in diesem Jahr der Frage der “liveness” nachgegangen, vor allem mit einem zweitägigen Symposium zu Beginn des Festivals (1. – 2.2.) im HAU1, am Donnerstag dann mit Vorlesungen und einer Diskussion im Haus der Kulturen der Welt, gemeinsam mit der Transmediale. Die Frage, was eigentlich “live” ist, gehört zu den wichtigsten Fragen der “digital culture” (imho), entsprechend vielfältig und kontrovers ist der Begriff dann auch diskutiert worden. Während etwa für Wolfgang Ernst, Professor für Medientheorien an der Berliner HU und Eröffnungsredner des Symposiums, “live” mit den digitalen Medien endet, stellte gleich die erste anschließende Diskussionsrunde eine Renaissance des “live”, gerade durch die Verbreitung digitaler Medientechnologie, fest. Dieser Text wird sich hauptsächlich mit der Frage der Live-Musik und auditiver Medienkultur befassen, da mich einerseits die Frage der Laptop-Konzertsituation und des Computers als Musikinstrument persönlich beschäftigt und andererseits ein Blogeintrag über ein einwöchiges Festival eine gewisse Reduktion vorschreibt, wenn nicht einfach nur aus jedem Dorf ein Hund präsentiert werden soll. Verweise auf andere, artverwandte Live-Kontexte können jedoch immer leicht gezogen werden… Der Begriff “live” ist aus mehreren Perspektiven heraus schwierig. Einerseits ist eine direkte Übersetzung in die deutsche Sprache nicht möglich, andererseits gibt es auch keinen eindeutigen Begriff für sein Gegenteil. Auf der CTM tauchte unter anderem der Vorschlag “prerecorded” auf, damit scheint man sich unter anderem mit dem Werbetext für das neue Beatsteaks-Album einig zu sein, der in Berliner U-Bahnen zur Zeit über die Bildschirme flimmert. Dort wird verkündet, der größte Teil des Albums sei “live” eingespielt worden, was bedeutet, die Aufnahme der Instrumente erfolgte hauptsächlich zeitgleich, quasi in einer Performance der ganzen Band, nur einige “Overdubs” sind später hinzugefügt worden. Interessant ist hier, dass das Album ja als Studio-Album (nicht als Live-Album) verkauft wird,innerhalb dessen dann offenbar eine live/nicht-live Unterscheidung getroffen werden kann. Die Form live/nicht-live tritt dann, systemtheoretisch formuliert, auf der nicht-live-Seite wieder in die Form ein. Das kann natürlich auch auf der live-Seite passieren, wenn bei einem Konzert einige Spuren per Sequenzer eingespielt werden und so das Live-Konzert dann wieder nicht-live Elemente bekommt, oder wenn sich plötzlich herausstellt, dass der Sänger gar nicht “live” singt. Hier zeigt sich schon, dass eine rein medientechnische Definition problematisch ist. Die Laptopkonzerte, die ich ab und zu spiele, wären danach jedenfalls ziemlich unlive, und dies dürfte für den größten Teil elektronischer oder elektroakustischer Musikgeschichte gelten, in der “abgespielte” Elemente einer “halbfertigen Musik” (Loops, Grooves, Arpeggiatoren) immer schon eine große Rolle spielten. Der Zusatz “live” hinter den Acts der Lineups derzeitiger Clubkultur deutet dabei da diese Unterscheidung statt, wo ist der Unterschied, der einen Unterschied macht? Wenn man heute die Setups von DJs und Live-Musikern auf den Konzertbühnen vergleicht, scheint eine Trennung – wenn man sie überhaupt akzeptiert – anhand von Software, Hardware, Instrumenten oder Tools, schlicht unmöglich. Was genau soll der Begriff live eigentlich aussagen? Mit jeder Beobachtung oder Unterscheidung möchte man etwas bestimmtes beobachten und von etwas anderem unterscheiden. Jede Unterscheidung, die man bildet, um etwas zu untersuchen, verdeckt aber immer auch etwas, beobachtet etwas nicht. Und zwar wird dabei eine ganze Menge mehr nicht beobachtet, als beobachtet wird. Das gilt auch für den Begriff des “live”. Er suggeriert ja möglicherweise einen Verweis aus den allgegenwärtigen (und in Medien diskutierten) Medien heraus. Doch es geht nicht um die Unterscheidung medial/nicht-medial. In seinem Vortrag gleich zu Beginn des CTM-Symposiums zur Frage “What is live?” hat Wolfgang Ernst in diesem Sinne die wichtige Feststellung gemacht, dass “live” mit Blick auf elektronische Medien bezogen entstanden ist, auch Philip Auslander stellte das später fest. Die Unterscheidung live/ nicht-live verweist also auf keiner Seite aus den Medien heraus, sondern wird benutzt, um unterschiedliche mediale Settings voneinander zu unterscheiden. Kurz: ohne Medien bräuchte man den Begriff gar nicht (letztlich eine triviale Feststellung). Dabei erzeugen nach Ernst elektronische auditive Medien immer eine Form akustisch realer und gegenwärtiger Präsenz – der Moment des Erklingens ist immer live. Diese Präsenzerzeugung elektronischer Medien ist im Gegensatz zur mit Symbolen arbeitenden Schrift Teil einer radikal vergegenwärtigenden Technologie. Unsere Sinne, immer auf den aktuellen Moment bezogen, lassen sich dabei gewissermaßen täuschen, die Vergangenheitsverneinung der Medien, die im Vortrag leider bisweilen sogar noch ontologischer als Todesverneinung in Erscheinung trat, wird hier als Betrugsversuch verstanden. Das aktuelle, perzeptuell immer gegenwärtige Medienerlebnis kann und muss also im Nachhinein mit der Unterscheidung live/nicht-live behandelt werden. Digitale Übertragungen erfolgen bekanntlich leicht zeitverzögert (hier wird gerne das Beispiel der Übertragung eines Fußballspiels bemüht, bei der der analoge Nachbar schon jubelt, während man selbst erst den zuvor digitalisierten Pass auf den freistehenden Stürmer sieht). Solche Zwischenspeicherungen gibt es bei Medien wie dem Radio nicht. Ernst stellt in Folge die steile These auf, digitale Medien verlören durch diese Zwischenspeicherung das Attribut “live”: durch die zwischenzeitliche binäre Codierung endet dieses Konzept gewissermaßen. Da sich jedoch auch beim digitalen live-stream ein Live-Effekt einstellt – das kann kaum bestritten werden – bleibt ihnen die phänomenologische “liveness”. Die digitalen Medien zeigen uns also dankenswerterweise – so würde ich zusammenfassend formulieren, um aus diesem Dilemma noch irgendwie halbwegs unbeschadet herauszukommen und etwas Verwertbares abseits neuer sperriger Begriffe mitzunehmen – dass “live” als medientechnisches Konzept der scheinbar unmittelbaren Übertragung gestorben ist. Wenn wir das festgestellt haben, können wir zu den wirklich spannenden Fragen der liveness-Debatte übergehen. In der ersten Session des Symposiums wurde dann, durchaus konträr zum Vortrag von Wolfgang Ernst kurz zuvor, eine Renaissance des “live” diskutiert, etwa die momentan boomende Konzertkultur angesichts der andauernden Krise der Tonträgerindustrie, oder die strukturell im Web2.0 verwurzelte Feststellung, dass im Zeitalter von Skype, Ustream und auch Twitter jeder ein Sender, jeder also “live” sein kann – so jedenfalls die Perspektive von Andreas Bogk vom Chaos Computer Club. Hier ist man dann schnell bei der aktuellen und wichtigen Debatte zur Netzneutralität – “live” wird zum Politikum. Philip Auslander beschrieb in seinem Vortrag am Mittwoch, dass der Begriff “live” nicht mit Aufkommen der Möglichkeit der Tonaufnahme, dem Phonographen oder Grammophon, sondern vielmehr mit der Verbreitung des Radios notwendig wurde (in Kombination mit Aufnahmemedien, müsste man hinzufügen). Denn die Hörer konnten nicht feststellen, ob es sich bei den Klängen um eine Schallplattenaufnahme handelte, oder ob nicht eben doch das Runfunkorchester “live” zu hören war. Anstatt eine rein übertragungstechnische und so letztlich problematisch bleibende Definition zu entwickeln, stellt Auslander eher das Verhältnis von Künstler oder Sender und Publikum in den Blickpunkt des Interesses. “Live” haftet einer Aufführung, einem Objekt oder der bloßen Ansammlung von Menschen nicht ontologisch an, sondern wird immer durch die Akzeptanz der liveness einer Aufführung durch ein Publikum hergestellt. Liveness wird zur Beziehung zwischen Künstler und Publikum, eine Methode der Synchronisation zwischen Sender und Empfänger, die eben nicht nur zeitlich zu verstehen ist, aber natürlich bestimmte Bedingungen hat. In dieser Beziehung ist mir der Einwurf von Malcom Le Grice deutlich im Gedächtnis geblieben, der die Idee einstreute, dass in einer Live-Situationeine ausgeführte Entscheidung nicht zurückgenommen werden kann, es also kein “undo”, kein strg/cmd-z gibt.

Philip Auslander, Foto: Katrina James, illgetyoumypretty.net Zuvor hatte bereits Rolf Großmann in seinem Vortrag zum Verhältnis von Medien und Musikinstrumenten in struktureller Übereinstimmung mit Positionen von Auslander festgestellt, dass es bei der Frage, ob ein Ding ein Instrument sei, im Grunde um Zuschreibungen und Erwartungen geht, nicht um Ontologie oder Technik eines bestimmten Gegenstandes, der “an sich” ein Instrument, oder vor allem “an sich” kein Instrument ist. Die Frage nach dem Musikinstrument und die Frage nach der Live-Situation im Zeitalter digitaler Virtualität sind aus dieser Perspektive heraus verwandt. Wendet man den Blick jedoch – ähnlich wie mit Auslander oben beschrieben – von Gegenständen oder Übertragungswegen ab, können rote Fäden kultureller Konfiguration der Aufführungspraxis, instrumentenspezifische Schulenbildung oder Phänomene der Virtuosität beobachtet werden, die das Instrument als kulturelles Setting treffender definieren. Medien sind also längst Teil aktueller Instrumentenkultur. Dabei wies Großmann in einem kulturhistorischen Ansatz darauf hin, dass die Grenzen zwischen Instrumenten und Medien nicht jetzt erst, sondern wieder, verschwimmen. Reproduktionsmedien, mechanische Musikautomaten und die ersten analogen Speichermedien (Phonograph, Grammophon) wurden als Instrumente wahrgenommen, waren Teil einer lebhaften Aufführungskultur. Diese “Liveness” des instrumentalen Spiels ist den Reproduktionsmedien in soziokulturellen Transformationsprozessen in der Mitte des letzten Jahrhunderts allerdings abhanden gekommen, die klangliche Vergegenwärtigung, die Präsenzerzeugung im medialen Moment wurde fortan als Verweis auf etwas Vergangenes, nicht als Eigenwert, verstanden. Die Frage, ob Medien Instrumente sind, hat uns (Musikwissenschaftlern) die aktuelle Musikkultur im Grunde abgenommen: Clubs feiern DJs als Interpreten einer klar definierten Aufführungskultur und die Instrumente dieser Aufführungskultur sind Musik(Medien)instrumente. Jede Wissenschaft, die dies vernachlässigt, koppelt sich von aktueller Musikkultur ab und agiert entweder rein historisch, oder entwickelt einen eigenen, normativen Instrumentenbegriff des “do und don’t”, der mit populärer Kultur letztlich nichts zu tun haben will (auch diese Perspektive fand sich auf dem Symposium) und sich wohl zu einem guten Teil aus Ängsten vor Kontrollverlust oder Paradigmenwechsel speist. Natürlich bedeutet dies nicht, dass nicht auch verschiedenste Veränderungen statt finden, die kritisch beleuchtet werden können (so wie es in der aktuellen systematischen Musikwissenschaft bereits geschieht, siehe etwa Harenberg/Weissberg (Hg.): Klang (ohne) Körper. Spuren und Potenziale des Körpers in der elektronischen Musik, Bielefeld: Transcript, 2010). Um beispielhaft noch einmal auf den Kontext der Konzertsituation zurück zu kommen: reinen Lautsprecherkonzerten, wie sie etwa sehr früh schon von Vertretern der musique concrète in Frankreich durchgeführt wurden, fehlte ein Interpret, fehlte die für das Publikum nachvollziehbare, musikalische Geste [steile These: in den heutigen Lautsprecherkonzerten der Clubs und Discos tanzt das Publikum deshalb selbst]. In eine ähnliche Richtung gingen jedenfalls am Donnerstag dann die Ausführungen Eric Kluitenbergs, der in seinem Vortrag über “Digital Liveness” den Kontext von Online-Symposien am Beispiel des 2010er Electrosmog-Festivals aufgegriffen hat. Wenn ein Vortrag per Videochat übertragen wird, blieben die Veranstaltungsräume leer, im Gegensatz zu Vorträgen mit körperlich anwesenden, gestikulierenden und mimenden Sprechern. Das auch auf der TM und CTM wieder angesprochene “Email-Paradigma” (Looking like I’m checking email, I’m not getting any female, Pascal Plantinga) zeigt, dass die Live-Situation im Konzert elektronischer Musik offenbar mehr erfordert, als die bloße Präsenz eines ausführenden Musikers, der mit einem winzigen Tastendruck jeden erdenklichen Klang erzeugen kann. Das funktionierte bei Kraftwerk noch alsgezielte Inszenierung einer kühlen Maschinenästhetik, ist heute aber nur noch ein Treppenwitz der Medienmusikgeschichte. Foto: Cover des Buches von Philip Auslander: Liveness: Performance in a Mediatized Culture. London, New York: Routledge, 1999.

February 10 2011, 9:45am

Jesse Stiles: Zwischen Medien und Elektronik

Bild: Jesse Stiles bei einem Auftritt – Elektronik und Performance-Kunst (Fotograf nicht genannt) Wer sich vor ein paar Wochen „Leaky World: A Playable Theory“ von Molleindustria angeschaut hat, ist schon über die Musik von Jesse Stiles gestolpert. Bei dem amerikanischen Künstler und Musiker (* 1978), der an einer modernen Verbindung verschiedenster Medien arbeitet, gibt es jedoch noch einiges mehr zu entdecken. Stiles’ Musik: Elektronik mit indischen Einflüssen Den musikalischen Jesse Stiles gibt es in zwei Ausführungen zu hören – beide Alben stehen frei zum Anhören auf seiner Webseite. Da wäre zum einen sein Debüt „The Watson Songs“ unter seinem Moniker The Jesse Stiles 3000, auf dem er vorrangig elektronisch-chillig zu Werke geht, stilistisch wohl am ehesten dem IDM-Stil (intelligent dance music) zuzuordnen – wenn ich diesen Begriff auch nicht mag, legt er doch nahe, andere Dance-Musik sei nicht intelligent. „The Watson Songs“ verdankt seinen Namen der Watson Foundation, die Stiles von August 2000 bis August 2001 mit einem Reise-Stipendium ausgezeichnet hat. Einzige Bedingung: Die Stipendiaten dürfen ein Jahr lang nicht mehr zurückkehren. Stiles führte der Weg nach Indien, wo er sich mit indischen Ragas vertraut macht, einem traditionellen Modus mit zwölf Tönen. Stiles kombinierte seine eigenen elektronischen Kreationen mit Samples von Aufnahmen, die er auf seiner ausgedehnten Reise angefertigt hat. Teile seines aktuellen Albums „The Target Museum“ (2010) entstanden ebenfalls in Indien, zusätzlich inspirierte ihn jedoch eine ungewöhnliche Arbeit als forensischer Videofilmer. Mehr kann ich nicht verraten, denn dann hättet ihr keine Lust mehr, das Musikvideo-Spiel zum Song „The Building“ zu spielen, das in Kooperation mit Molleindustria entstand. Gewinnen oder verlieren könnt ihr dabei nicht – das Spiel läuft so lange ihr wollt, mindestens jedoch bis zum Aha-Erlebnis. Einmal mehr versuchen Stiles und Molleindustria hier, neue Wege der Medienkunst zu beschreiten. Bild rechts: Artwork zu „The Target Museum“ (Illustrationen von Isa Esasi) Stiles’ Kunst: Kreative Computer Bild: Die Videoinstallationen waren Teil von Stiles’ Ausstellung „Automatic Speleology“ (Foto von David Brota). Doch wirkt Indien nicht nur als Sample-Lieferant für Stiles’ Musik, sondern auch als kreativer Impulsgeber für seine Kunst. So beginnt er eigene Software zu schreiben, um die improvisierten Ansätze indischer Musik auf seine Arbeit übertragen zu können – und entwickelt daraus seine erste Soloausstellung „Automatic Speleology“ aus dem letzten Jahr, bei der er zufällig generierte Klänge mit ebenso zufällig gezeigten Bildern und Videos kombinierte, unterlegt von einigen Roboter-Schlagzeugern. Doch so ganz zufällig war die Sache doch nicht – Katherine Rushworth spricht im Central New York Magazine (September/Oktober 2010) von einer kontrollierten Zufälligkeit, erzeugt von kreativen Computern. Das erinnert an die großen Vorbilder aus der Fluxus-Bewegung – John Cage und Nam June Paik. Doch ist Stiles mehr an der Performance interessiert, legt Wert auf den ständigen Wechsel von Aufbau und Wieder-Aufbau – ein Ende gibt es in seiner Installation nicht. Heute arbeitet Stiles mit der Merce Cunningham Dance Company, wo er für Music und Sound zuständig ist. Seine Alben sind zu einem Preis eurer Wahl auf Stiles’ Homepage verfügbar. Bild: Wo geht die Reise hin? (Foto: Olivia Robinson) Bildnachweis: Alle Bilder stammen aus dem Pressematerial von Jesse Stiles und sind von der CC-Lizenz ausgenommen.

Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

February 8 2011, 9:51am

New York: Subway als Musikinstrument

Wie kann eine U-bahn Musik machen?

February 1 2011, 10:00am

Series-Netlabel: Elektro-Klänge aus Lateinamerika

In den Weiten des Webs tummeln sich eine Unmenge von Netlabels, die spannende Musik veröffentlichen. Eines davon stelle ich euch heute vor: Series Media, das sich auf elektronische Musik aus Lateinamerika spezialisiert hat. Series ist ein Netlabel aus Medellín im Nordwesten Kolumbiens, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Künstlern ohne Plattenvertrag ein Forum zu bieten – meist elektronische Musik, stilistisch im Bereich von Minimal und Ambient verordnet. Wie für Netlabels typisch, stehen alle Werke auf Series Media unter einer Creative-Commons-Lizenz – in ihrem Fall die BY-NC-ND. Alle Veröffentlichungen kommen mit eigenem Artwork und ordentlichen id3-Tags. Bild: Die beiden letzten Plattencover von Series – links die Compilation „Series Volume 2“, rechts die farbenfrohe EP von Panorama Als Einstieg in das musikalische Label-Programm empfiehlt sich eine der Compilations, etwa „Series Vol. 2“ aus dem November letzten Jahres: voller ausgefeilter Rhythmen, teils elektronisch, teils in Bandbesetzung eingespielt, oft Latin-geschult. Künstler wie Label-Urgestein Emc², der in seinem Musiker-Porträt einen kleinen Ausflug in die Physik unternimmt – dabei müsste sich seine cluberprobte Musik keineswegs hinter seinem Pseudonym verstecken. Oder der Track von Savan, der mit feinem Fiepen und Pluckern über Shakern in die Beine geht. Den Weg, den eine Gruppe gehen kann, erlebt man bei Panorama – auf „Series Vol. 2“ noch mit einem tighten Beat aus der Drum-Machine unterlegt, aber schon klassische Songstrukturen zeigend, bewegen sie sich auf ihrer vor wenigen Tagen veröffentlichten EP „Tapete rojo“ vollends in die klassische Bandbesetzung – und bringen leicht-beschwingte, überraschend poppige Stücke zu Gehör, visualisiert durch rot-blaue Rauchschwaden. Insgesamt ist das Label-Programm seit 2005 auf 33 Veröffentlichungen angewachsen – alle stehen zum freien Download bereit. Zusätzlich gibt es ein paar DJ-Sets. Zum direkten Einstieg hier noch ein Video von Rodrigo Planella alias BAGUAL: das bedrohlich wabernde „No Place To Go“, bei dem ich irgendwie an eine fortschrittskritische Version von Kraftwerk denken muss.

Bildnachweis: Logo von Series Media, Plattencover von Felipe Cuartas (links) und Cabizbaja (rechts), CC BY NC ND

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January 31 2011, 10:00am

Switched-On Tron

Von Beate Stender und Philipp Noltensmeier Daft Punk sind zurück: mit einem Soundtrack für den Disneyblockbuster „Tron Legacy“, der ihre Fans überraschen dürfte! Denn sowenig „Tron Legacy“, der kurz vor Weihnachten in den USA startet, ein bloßes ‘Remake’ des fast dreißig Jahre alten Kultfilms darstellt, sowenig steht der Soundtrack von Daft Punk in direkter musikalischer Folge zu ihren bisherigen Alben. Anstelle von clubbiger Housemusik sind 22 großformatige, orchestral und elektronisch arrangierte Tracks entstanden, die eines deutlich machen: niemand anders als Daft Punk wäre geeigneter für diese Arbeit gewesen!

Man muss kein Sound-Erneuerer zu sein, um Neues zu erschaffen. Zur experimentier-freudigen Clicks & Cuts-Generation gehörten Daft Punk sicherlich nicht, als sie mit ihrem 1997 erschienenen Debütalbum “Homework“ eine kleine Revolution in der Housemusik anzettelten. Neu an Daft Punk war zu dem Zeitpunkt, Funk- und Discomusik zusammen mit Housebeats so auf einem Ghettoblaster abzumischen, wie es bis dahin nur Rockmusiker taten: krachend laut und verzerrt! Mit ihrem zweiten Album ‘Discovery’ präsentierte sich die Band zusätzlich als Roboter maskiert, die seitdem als ihre Alter Egos die Regler drehen und den digitalen Rhythmen tanzbare Lebendigkeit einhauchen – inspiriert durch den groovenden „menschlichen“ Sound von Curtis Mayfield oder den Brothers Johnson. Daft Punk handelten nie von Details, „es geht uns eher um Ganzheit. Es ist sehr physisch, es geht nicht um Subtilitäten, sondern um Offensichtliches”, stellte Thomas Bangalter, einer der beiden Köpfe von Daft Punk, schon 1997 fest. Harder, Better, Faster Stronger – ihr Gesamtkonzept von schwer rockender Housemusik, die von ´digital humans´ erzeugt wird, kann als Kunst der funktionalen Reduktion verstanden werden, welche Daft Punk musikalisch und visuell auf den Punkt gebracht haben – und die für den Regisseur Joseph Kosinski mit Sicherheit ein Grund gewesen sein dürfte, die Franzosen für den Soundtrack von „Tron Legacy“ zu beauftragen.

Bild: Das Basteln von Daft-Punk-Helmen ist ein beliebtes Hobby unter den Fans – wie dieser Herr zeigt (Foto: „1/2 of Daft Punk“ von William Brawley, CC BY). Dabei ist „Tron“ nicht die erste Filmmusik von Daft Punk. Bereits seit 2002 arbeitete zumindest Thomas Bangalter mit dem Regisseur Gaspar Noé zusammen und komponierte die Musik für dessen Filme “Irreversible“ (2002) und “Enter the Void“ (2010). Beide Soundtracks überraschen mit atmosphärischer Fragilität und klassischen Arrangements von Beethovens siebter und Mahlers neunter Symphonie. Gaspar Noé hingegen ist ein ausgewiesener Kubrick-Fan: über fünfzig Mal hat er sich den Klassiker ’2001′ angesehen, so dass er auch von seinen musikalischen Vorstellungen her stark von der Regielegende beeinflusst worden sein dürfte. Kubrick wiederum spielt eine große Rolle für die Tron-Filmmusik, da seine „Hauskomponistin“ Wendy Carlos nach ‘Clockwork Orange’ und ‘Shining’ 1982 auch die Filmmusik für ´Tron´ komponiert hat. Kein leichtes Erbe für Daft Punk, denn Wendy Carlos schrieb sowohl Film- als auch Musikgeschichte: als eine der ersten Komponistinnen elektronischer Musik wagte sie das Experiment, klassische Werke auf dem gerade erst entwickelten Moog-Synthesizer neu zu interpretieren; ihre Einspielung von Bachwerken auf „Switched-On Bach“ oder Beethovens Neunter in „Clockwork Orange“ verschafften ihr Kultstatus. Und auch bei „Tron“ experimentierte sie mit ihren kühl-naiven Synthesizerklängen, allerdings weniger wild als bei Kubrick. Denn während Kubrick die Musik in seinen Filmen oft als eigenständige Bedeutungsebene einsetzte, sollte in den im Hause Disney produzierten „Tron“-Filmen eher das familienorientierte Erlebnis und damit der eingängige, stimmungsbegleitende Soundtrack im Vordergrund stehen. Wendy Carlos wußte dies geschickt zu meistern, indem sie mit der in der Tron-Welt vorgestellten Mischung aus ‘Humans’ und ‘Digital Humans’ spielte: zusätzlich zum Synthesizer griff sie auch auf orchestrale „menschlich erzeugte” Klänge zurück, die sie sozusagen mit einer Patina von Synthesizern überzog. So erschuf sie einen Soundtrack, der sich die Digitalisierung des Menschen primär als seine digitale Ummantelung vorstellte. Bild: Regler, Knöpfe, Buchsen – Grundstoff so manchen Soundtracks(Foto: „Synthesizer Filter Module B&W“ von Maschinenraum, CC BY ND). Daft Punk haben es geschickt vermieden, ein bloßes musikalisches Remake der Musik von Wendy Carlos zu produzieren. Denn der Cyberspace klingt 2010 natürlich anders: 3-D-Effekte, höhere Bildauflösung und technisch hoch entwickelte Bildeffekte schinden heute mehr Eindruck als die ersten Computereffekte aus dem Jahr 1982. Und so künden bei Daft Punk in der ”Overture“ pompöse Trompetenfanfaren die Erhabenheit des Cyberspace 2.0 an, wird die spannungsvolle und großkinoformatige Erklärung zu ”The Grid“ – dem „Netz“ – von unruhigen Streichern und einem nervösen Beat untermalt. Spätestens in ”Arena“ dürfte das militante Getrommel schließlich auch dem letzten Hörer klar machen: Nein, „Tron Legacy“ ist im Jahr 2010 kein digitaler Spaß mehr, sondern kriegerischer Ernst! Dass der Soundtrack trotzdem nicht in fulminanter Blockbuster Dolby Surround-Ästhetik versumpft, verdanken wir den beiden Franzosen: gewohnt raffinierte Over-the-Top-Pop-Momente wie die typischen Vocodersounds in ”Rinzler“ und ”The Game has changed“ lockern die orchestralen Klanggewalten auf und Housebeats bringen (endlich!) in “End of line“ und “Derezzed“ die Musik auf tanzbaren Trab – im Film sogar zusammen mit Daft Punk als Roboter-DJs! Und auch Wendy Carlos bleibt nicht unerwähnt: mit dem im Bachstil komponierten schmerzvollen “Adagio for Tron” haben Daft Punk eine Antwort auf ihr “Tron Scherzo” aus der 1982er Fassung formuliert und im “Finale” sogar eins zu eins auf das von ihr komponierte Thema aus Kubricks “Shining” zurückgegriffen. Daft Punk haben dem Soundtrack also hier und da ihren Disco-Stempel verpasst, sich aber zugleich nicht von den orchestralen Soundtrack-Konventionen der Traumfabrik abgewendet und sogar Wendy Carlos einen Gruß geschickt. Keine selbstgefällige Auftragsarbeit also, sondern ein handwerklich versierter, emotionaler und euphorisierender Soundtrack, der ihren Weg der Optimierung vorhandenen Materials konsequent fortsetzt. Denn so wie das Duo einst ‘House-Music´ optimierte, so haben sie jetzt einen Soundtrack produziert, der das Beste aus Hollywood-Konventionen mit einer Portion Daft Punk verbindet: nicht unbedingt voller Überraschungen, aber dafür Harder, Better, Faster Stronger: pompös, effekthaschend, berauschend, pathetisch, zwanghaft! Wir dürfen gespannt sein auf das Kino-Ergebnis, wenn der Film hierzulande im Januar startet!

Über den Autor Philipp Noltensmeier ist freier Autor und Sounddesigner in Berlin. Er interessiert sich vor allem für Musik und Filme.

December 22 2010, 10:15am

Musik 2010: Düster, tanzbar und ätherisch

Bild: 2010 drehte sich Musik von Darkstar, Apparat und Glasser auf meinen Plattentellern (Foto: „My Record Player“ von Makohl, CC BY SA) Das Ende eines Jahres ist immer eine gute Gelegenheit, die eigene Musiksammlung zu durchstöbern und die Neuanschaffungen Revue passieren zu lassen. Dabei entdeckt: Drei Alben, die ihr unbedingt in eure Gehörgänge lassen solltet. „North“ von Darkstar: Weg vom Dubstep Das Duo Darkstar (James Young und Aiden Whalley) ist Teil des feinen Musikerkollektivs vom Londoner Hyperdub-Label, das durch die Erfolge Burials und sein fünfjähriges Jubiläum im letzten Jahr einiges an Aufmerksamkeit ergattern konnte. Vergleicht man die diversen Singles, die Darkstar im Vorfeld ihres ersten Longplayers veröffentlicht haben, – allen voran das hier enthaltene 2009er Stück „Aidy’s Girl Is a Computer“ – ist man doch etwas überrascht von der gehörigen Portion Historie, die Darkstar in ihre übrigen Songs mischen. Die Klänge sind geschult an Kraftwerk, statt zerschredderter Vocals gibt’s klassische Songstrukturen, die großen Synthbands aus dem Norden Englands wie OMD und Human League klingen an. „Aidy’s Girl Is a Computer“ bleibt der beste Song des Albums, doch „North“ ist ein düsteres, dennoch zugängliches Synthalbum geworden – mit eigenen Qualitäten, vorausgesetzt, man verzeiht Darkstar, dass sie dem Dubstep den Rücken gekehrt haben. Hier gibt’s das schwermütige „Gold“ zum Hören:

„DJ-KiCKS“ von Apparat: Auf dem Tanzflur mit Thom Yorke

Sascha Ring alias Apparat hat nun also auch seine eigene „DJ-KiCKS“ (!K7 Records) gemacht. Dort mischt er vielfältige elektronische Stücke zusammen und überrascht immer wieder aufs Neue mit seinen Songfolgen. Er stellt sein eigenes Stück „Circles“ an den Anfang seiner Session, knallt uns 69s „Rushed“ und Telefon Tel Avivs „Lenghtening Shadows“ um die Ohren, um dann in einer Folge kurzer Stücke etwas Entspannung aufzubauen. Fast jede Minute erklingt ein neuer Song, die doch vor allem hinzuleiten scheinen auf den großen Moment der Scheibe. Mit „Miniluv“ und Echocity“ beginnt das Grooven, Höhepunkt natürlich: „Welt Am Draht“ von Pantha du Prince. Der Groove endet mit einer Überraschung: Thom Yorkes „Harrowdown Hill“ erklingt, das mit seinem Gesang ein wenig wie ein Fremdkörper im Set wirkt. Den neuen eigenen Song hebt sich Apparat bis kurz vor Ende auf, und „Sayulita“ gerät großartig – in ungemischter Version übrigens hier zum Downloaden. „Ring“ von Glasser: Ätherisch und verspielt Auf dem mit einem kunterbunten Cover verzierten Glasser-Debüt „Ring“ (True Panther Sounds) verbergen sich abstrakte Songs, die sich dennoch in der Hörmuschel festsetzen, mit Cameron Mesirows (alias Glasser) ätherischer Stimme. Ihr Gesang gemahnt etwas an Björk, garniert mit quiekig-perkussiven Ausbrüchen und einem sanften, kristallklaren Summen. Musikalisch unterlegt wird das Ganze mit nicht selten elektronisch entstandenen, aber organisch anmutenden Klängen, mit perkussivem Rhythmus. Einen schönen Eindruck gibt euch das Video zum eröffnenden „Apply“ mit dem ethnologisch anmutenden Beat, schön trippy in Szene gesetzt von Jacinto Astiazarán. Ein urbaner Sommernachtstraum mitten im Winter.

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December 17 2010, 10:31am

Geschenke für den Mann

Die letzte, aber natürlich nicht unwichtigste Gruppe zuletzt: In unserer kleinen Reihe mit Geschenkideen wollen wir heute die schönsten Geschenke für Männer vorstellen. Für technikbegeisterte Väter, sportliche Brüder und musikalische Onkel ist sicher etwas dabei. Natürlich sind alle Geschenke wieder online bestellbar.

Die einzelnen Beschreibungen und Bezugsquellen findet Ihr nach dem Click…

Für Hellseher: Dieser Rahmen macht aus zweidimensionalen Digitalfotos und –filmen ein 3D-Erlebnis. Ohne Brillen oder Folien. Dazu errechnet das auto-stereoskopische TFT-Display zwei Bilder, die einen dreidimensionalen Effekt erzeugen. Zu kaufen bei Proidee. Für Zuhörer:  Dieses formschöne Holzradio  wurde in Indonesien von Singgih Kartono entworfen und in Handarbeit hergestellt. In jedem einzelnen stecken 16 Stunden Handarbeit und das Holz nachwachsender Bäume.  Aus Java direkt in den Online-Shop von Schoener waers wenns schoener waer. Für Rocker: Die Kultmarke Marshall kennt jeder, der einmal auf einem Rockkonzert in der ersten Reihe stand.  Jetzt kann man sich das wahre Rock’n’Roll Gefühl mit diesem formschönen Kopfhörer ins eigene Heim holen – fetten Bass inklusive. Vielfach schon ausverkauft, bei EMP haben wir ihn doch noch gefunden. Für smarte Telefonierer: Freedom of Creation präsentiert uns dieses stilechte iphone-case, das von Gemälden des Künstler Mondrian inspriert wurde. Praktisch: in der raffinierten mehrschichtigen Struktur kann man(n) auch noch seine Kreditkarte sicher unterbringen. Für Standfeste: Wahre Einzelstücke sind diese Buchstützen von Urban Outifitters, die aus recycelten Schallplatten gefertigt werden. So bekommen die alten Vinyls eine neue Aufgabe in Zeiten von MP3 und Co. Für Trittfeste: Dieses hübsche Single-Speed Rad sieht nicht nur gut aus, es ist auch noch streng limitiert, insgesamt gibt es nur 111 Stück.  Auf jeden Fall ein schicker Hingucker mit Sportappeal von Mika Amaro. Für Schlüsselkinder: Endlich ein USB-Key der seinem Namen alle Ehre macht. Dieses ausgesprochen praktische Modell von Lacie ist am Schlüsselbund ein ständiger Begleiter und bei Gravis in verschieden Größen erhältlich. Für Musikliebhaber: Mit diesem tragbaren Lautsprechersystem von JBL  wird das iphone zur Stereoanlage. So kann man auch im Hotelzimmer alle gespeicherten Lieder elegant abspielen. Erhältlich bei Amazon.

December 15 2010, 10:06am

CD des Winters: Yello by Yello

Alle fanden Kraftwerk toll. Habe ich nie verstanden, das, was Moebius, Tangerine Dream und Rother gemacht haben war mir immer näher – auch und gerade, weil es die andere Linie neben Brian Eno und Harold Budd war. Außerhalb der Konkurrenz war schon damals Yello. Dies war die erste und lange Zeit einzige Band, die Elektrosounds mit Synthesizern (auch noch per Sequencer maschinisiert) extrem tanzbar machte. Bostiche wird mir immer im Gedächtnis sein, so wie Stewart Copeland für mich Police musikalisch weiter entwickelte und NICHT Sting, so entwickelte Yello die Welt der Klangbastler weiter zu Charthits die noch heute sehr frisch klingen. Und Boris Blank und Dieter Meier können es noch heute, wie ihre neue CD-Box Yello by Yello beweist. Es gibt die Singles Collection und die Anthology mit 3 neuen Stücken von Boris Blank, der es noch immer kann – sogar fast besser geworden ist. Ach ja und eine DVD ist auch an Bord. Weihnachtstipp! Hier ein kleines Interview dazu:

November 25 2010, 10:05am

50 Cent Joins Internet Lip Sync

Chalk this one up to “Friday Fun.” Lip sync videos are one of the more bizarre segments of the world of YouTube. A regular person stands in front of a camera, usually in a bedroom or basement, and just lip syncs a song. That’s it. Somehow a syncer named Keenan Cahill’s videos have gotten so popular he’s become something of a celebrity for it, and in his most recent video, the rapper 50 Cent appears to sync along to his own verse in a hit single. He doesn’t show up for almost a minute and a half, so you can really get a feel for how odd the video is without him. (And then when he does show up, how odd the video is with him.) Watch the video after the click.

November 12 2010, 12:00pm

Video: “Bed Intruder” live

It’s always a little strange when characters from the internet–especially the accidental heroes of viral videos–mingle in the real world. Some, like the Star Wars Kid, reject the attention, while others seem to lap it up. For an example of the latter, see Antoine Dodson performing the “Bed Intruder Song,” live at the BET awards. See the video after the click!

October 14 2010, 12:00pm

Video: Americanarama

Did we somehow end up in the MTV era again? It seems like for bands these days, a catchy music video is as important as a catchy tune. Fortunately for Hollerado, their new track “Americanarama” has both, and the “human 8-bit” video has been going viral as a result. Watch the video after the click.

October 12 2010, 12:00pm

Video: Nikon D7000 music video

The internet and services like YouTube have been great levelers in terms of distribution: even home videos of your children can be seen hundreds of millions of times. We’re still waiting for the playing field to be leveled at the production stage, but the HD video capabilities of new digital SLR cameras are bringing us closer to that reality. Fenchel & Janisch Filmproduktion, based in Frankfurt, have made in important step by releasing this week the first HD music video shot fully on one of these cameras, and it looks great. See the music video in full HD after the click!

October 8 2010, 12:00pm

Picnic10 – ein Videorückblick

Letzte Woche fand in Amsterdam das Picnic-Festival statt. Von Mittwoch bis Freitag traf ein sehr internationales Publikum zusammen um auf kreativen Wegen über Business, Gesellschaft und Technologie zu diskutieren. Picnic nennt sich bewusst nicht Konferenz, sondern Festival, man will damit den spielerischen Ansatz der Veranstaltung betonen. Auf möglichst vielen Wegen soll auch das Publikum in Kontakt zu einander gebracht werden, durch Architektur, Design und natürlich Programmgestaltung. Ich habe während der drei Tage mit dem iPhone Szenen gefilmt und sie relativ locker aneinander geschnitten, ich hoffe man spürt die Kreativität und den Unternehmergeist dieser Veranstaltung. Die Videos folgen nach dem Sprung.

Ich hatte eine sehr schöne Zeit auf der Picnic, was natürlich wie immer maßgeblich mit den Menschen zu tun hatte, die man dort treffen konnte. Der Einstieg in die Gespräche fiel fast immer leicht und vor allem in den kleineren Workshops konnte man prima Leute kennen lernen und auch die eine oder andere Vision von Städten der Zukunft oder dem Umgang mit Daten erfahren. Datenschutz war im Übrigen kein besonders herausgehobenes Thema. Digitale Öffentlichkeit aber auch nicht. Und hier noch das Interview mit dem Kreativdirektor Marcel Kampmann in voller Länge.

September 28 2010, 10:00am

Video: Everything is a Remix

In the popular first installment of his new web series Everything is a Remix, New York filmmaker Kirby Ferguson looks at culture as remix, focusing particularly on music and Led Zeppelin as remixers. This episode is only about 6 minutes of video, and the next one should come out around the end of the year. See the video after the click.

Everything is a Remix from Kirby Ferguson on Vimeo.

September 24 2010, 12:00pm

Musiksuche der gehobenen Art

“the sixty one” ist wieder einmal ein (zum Teil) neue und wie ich den Eindruck habe sinnvolle Herangehensweise Musik auffindbar zu machen, bzw. sie an den Mann/an die Frau zu bringen. Musiker und Labels können hier ihre Musik einstellen, Hörer bekommen ein leicht Bedienbares Internet-Radio, dass sie mit teilweise ungewöhnlicher, zumeist aber sehr schöner Independentmusik versorgt. Unbedingt mal vorbeischauen und stöbern und (!) bewerten.

September 21 2010, 3:04pm

Neue CDs: anbb | Greie Gut Fraktion

Alva Noto ist das Pseudonym von Carsten Nicolai, Musiker, Labelgründer, Installations- und Video-Künstler. Er betreibt verschiedene musikalische Projekte, u.a. mit Peter Greenaways ehemaligem Komponisten Michael Nyman und Ryuichi Sakamoto (früher Mitglied beim ‘Yellow Magic Orchestra’). Seit 2007 experimentiert Nicolai unter dem Namen ‘anbb’ zum ersten Mal mit einem Sänger, und zwar keinem geringerem als der ‘Einstürzende Neubauten’-Kultfigur Blixa Bargeld. Zwei passionierte Schwarzträger die immer wieder an den unterschiedlichsten Zusammenarbeiten und Konstellationen interessiert sind, regelmäßig Hörgewohnheiten brechen, und ganz selbstverständlich zwischen Hoch- und Popkultur hin und herwandern…

Nun haben anbb eine erste EP namens „Red Marut Handshake“ auf dem Chemnitzer Label Raster-Noton veröffentlicht (Red Marut war ein Pseudonym des anarchistischen Schriftstellers B. Traven). Auf den mürrischen Titeltrack folgt die versöhnliche Harry Nilsson-Coverversion ‘One’. Solche Brüche kennt man bereits von den Neubauten, die schon früh Nancy Sinatra/Lee Hazlewood interpretierten („Sand“), und süßliche Liebeslieder auf infernalischen Lärm folgen ließen. In den besten Momenten schaffte es die Berliner Band in ihrer Musik die durchdachte Eleganz elektronischer Musik mit der spontanen Intensität von Rockmusik und Industrial zu vereinen, was auch Bargeld und Nicolai bei dieser Zusammenarbeit größtenteils geglückt ist. Ein weiteres Highlight der Veröffentlichung ist das Schlußstück “I Wish I Was a Mole In the Ground”, eine Coverversion eines amerikanischen Folksongs. Ein Longplayer des Duos namens ‘Mimikry’ soll am 4.Oktober erscheinen. Das Album wird 10 Tracks, sowie ein Poster und ein 16seitiges Booklet mit Texten von Blixa Bargeld enthalten. Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens der Neubauten hat der vielbeschäftigte Frontmann außerdem noch Zeit gefunden eine weitere Werkschau namens „Strategies against Architecture IV“ zu kompilieren, die bei Mute/Emi erscheinen soll. Ein weiteres Gründungsmitglied der Neubauten hat ebenfalls ein neues Projekt: Gudrun Gut. Zusammen mit der Künstlerin Antye Greie-Fuchs (AGF), die in den Neunzigern mit der Band ‘Laub’ bekannt wurde, bildet sie die ‘Greie Gut Fraktion’. Mit der CD ‘Baustelle’ knüpft Gudrun Gut thematisch an ihre Anfänge als Musikerin an, ohne sich dabei zu wiederholen. Basis für die Musik des Duos sind Fieldrecordings von Baustellen in Berlin und Helsinki, wo die gebürtige Berlinerin Antye Greie-Fuchs mittlerweile lebt. Doch Betonmaschinen und Bohrer werden hier nicht zu brachialem Lärm, wie bei den frühen Neubauten, sondern zu meist zerbrechlichen, minimalistischen Elektronik-Stücken verarbeitet. Die Geräusche wirken niemals zwanghaft oder beliebig eingefügt, sondern ergänzen die Musik ganz natürlich. Auch die Coverversion des NDW-Klassikers ‘Wir bauen eine Stadt’ der Hamburger Band Palais Schaumburg klingt frisch und unverbraucht, passt wunderbar auf die atmosphärische CD, und ist zusätzlich als Maxi-Single mit Remixen von Wolfgang Voigt und Alva Noto erschienen.

Greie Gut Fraktion: „Baustelle” ist bei Monika Enterprise erschienen. anbb: „red marut handshake“ ist im raster-noton online shop erhältlich. Bildnachweis: anbb

September 15 2010, 11:03am

Was soll Musik kosten?

Scheiden tut weh. Auch noch nach Jahren, wie auf der diesjährigen Konferenz für Musik- und Kreativwirtschaft Alltogethernow, die am Montag im Rahmen der Berlin Music Week gestartet ist, uneindeutig zu vernehmen ist. So präsentiert sich das Thema Filesharing auch 2010 noch immer als ungelöstes Dilemma in der Musikindustrie und legt damit auf den ersten Blick die Vermutung nahe, dass konservativ denkende Majorlabels nicht das Internet verschlafen, sondern ungeachtet ihrer zerbröckelnden Machtposition bewusst nicht wahrhaben wollen. Doch wer die Debatte als reines Problem einer raffgierigen Majorklientel aburteilt, irrt: denn nicht nur marktwirtschaftliche, sondern auch moralische Fragen begleiten das Thema Internet und ihre Urheberrechte. So ist der Ruf nach einer zur Gänze legalisierten Filesharer-Kultur von digitalen Gütern eben auch der Ruf nach dem Tod des Urhebers des digitalen Guts, der damit Geld verdienen will. So unvereinbar die beiden Positionen „Digital Goods for free“ versus „Copy kills music“ erscheinen, so vehement wurden sie bereits auf den ersten beiden Tagen der Konferenz, dem Alltogethernow Camp, in den verschiedenen Sessions vertreten. Neben hitzigen Diskussionsrunden gab es jedoch auch Lösungsvorschläge, wie der Musiker in Zukunft jenseits von „Zensursula“ vor dem Ruin zu retten ist. Doch festzuhalten gilt: eine Einigung beider Positionen gibt es vorläufig nicht. Warum eigentlich nicht? Ein kleiner Exkurs…

„Mit dem Download hat sich der Musikkonsument zu Wort gemeldet!“ Bereits in der Eröffnungsrede nahm der Vorsitzende des Veranstaltungskomitees der Berlin Music Week Olaf Kretzschmar die Grundkrux vorweg: „Mit dem Download hat sich der Musikkonsument zu Wort gemeldet!“. Und nicht nur das: mit dem Download zeigt der Musikkonsument, was es tatsächlich heißt, ein Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zu sein. Als digitales Gut ist es unendlichmal kopierbar und verliert dadurch an Exklusivität. Mit sinkender Exklusivität sinkt jedoch auch sein Preis und landet schließlich bei Null. Fazit: das digitale Gut darf umsonst konsumiert sprich downgeloadet und weiter verbreitet werden, da es ja marktwirtschaftlich keinen Wert mehr besitzt und aufgrund seines technischem Formats auch nicht besitzen kann. Ergo: der Künstler muss seinen Tonträger umsonst auf den Markt schmeißen – komme, was wolle! Prima, findet der Konsument: denn so kann er sich nicht nur den überteuerten CD-Preisen der Musikindustrie entziehen, sondern er verhilft dem Künstler auch noch zu mehr Popularität, indem er wie früher unter Freunden seinen Tonträger durch weiteres filesharing im Internet verbreitet. “Reclaim the Musicbusiness“ – zufrieden, von der Konsumentenseite her den Markt nun steuern zu dürfen, ist sich der Konsument sicher: berühmt durch filesharing – wer den Markt noch nicht verstanden hat, ist selber schuld! Dass es aber so einfach nicht ist, verrät eine kurze Besinnung auf das, was ein professioneller Musiker seiner Bestimmung nach eigentlich verkaufen sollte. Zunächst: ein digitales Gut auf Null Euro zu setzen, schadet nicht nur der Industrie, sondern natürlich auch dem Künstler, dessen Entlohnung so von wenig auf Null gerutscht ist. Der Streit darüber, ob es sich bei dieser inflationären Verbreitung von digitalen Gütern um ein „Marktversagen“ oder eine „Marktverschiebung“ im ökonomischen Sinne handelt, ist einer der Streitpunkte, die derzeit noch immer hitzig debattiert werden. Doch abgesehen davon drängt sich bei den Kritikern noch eine andere Überlegung auf: wie kommt der Konsument eigentlich dazu, über den Kopf des Künstlers zu entscheiden, ob seine Musik etwas kosten darf oder nicht? Denn auch wenn das digitale Format unendlich kopierbar ist, bleibt der Inhalt hierfür doch derselbe und dessen gibt es einen Urheber, der nicht ersetzbar ist: der Musiker selbst! Und selbst wenn die im besten Falle extrem hohe Verbreitung seiner Musik einen exorbitanten Popularitätsschub nach sich zieht, bleibt offen: wie verdient er denn jetzt Geld, der Künstler, wenn eine seiner zwei Möglichkeiten, seine Musik zu verkaufen, dem Internet zum Opfer gefallen ist? „Es kommt auf das Gesamtpaket an!“ Mit dem Wegfall des Tonträgers als kommerzielle Einnahmequelle bleibt dem Musiker zunächst erstmal nur eines: er muss auf Tour gehen und seine Musik live vergüten. Bei einer hohen Fluktuation an neuen Musikern im Netz könnte sich dieser Konkurrenzkampf jedoch als äußerst zäh erweisen. Also was tun? Die verschiedenen Strategien, die auf dem Alltogethernow Camp vorgestellt wurden, lassen sich leicht auf die beiden Streitposition runterbrechen. So pochen die Verfechter der freien digitalen Güter auf Marketingstrategien, denen zufolge die Musiker um ihre Musik herum rare Güter herstellen und verkaufen sollen wie z.B. limitierte Sondereditionen und Fangebote. So schlug Mitgründer und Managing Director von Proud Music Stefan Peter Roos mit seinem Freemium-Geschäftsmodell (Free + Premium) für digitale Güter vor, die Musik selber kostenlos anzubieten und darüber hinaus “frequent touch points for fans“ einzurichten, die Geld kosten sollen. Als Beispiel nannte er den typischen Fan-Merchandise (beispielsweise der Verkauf von T-Shirts), kostenpflichtige Fanclubs oder sogar die Teilhabe der Fans an neuen Alben gegen Bezahlung – der kreativen Geschäftsader des Künstlers sind hierbei keine Grenzen gesetzt, sollten aber ironischerweise der Maxime folgen: “sell something that cannot be copied“. Und warum kann das nicht der Tonträger sein, der, wenn sich zukünftig einfach alle zusammenreißen würden, wieder gekauft werden würde? Der Appell an die Freiwilligkeit der Leute in einem normativen Kontext ist die argumentative Basis der moralischen Gegenfraktion: Musik ist das Eigentum des Künstlers und demzufolge soll auch der Künstler entscheiden, ob und wenn ja, wieviel für seine Musik bezahlt werden soll. Eine interessante Alternative könnten hier Micropaymentmodelle sein, mit denen Konsumenten per Mausklick einzelne Titel oder Alben direkt beim Anbieter kaufen können. Preise sind hier je nach Software vom Käufer variierbar oder werden vom Verkäufer festgelegt. Interessant war in diesem Zusammenhang die Präsentation von Peter Sunde, Mitbegründer von ThePirateBay, der das schwedische System http://flattr.com/ auf der Alltogethernow als Idee erstmalig auch dem Musikmarkt vorgestellt hat. Überzeugend einfach kann hier ein Konsument, dem ein Text oder ein Musikstück im Internet gefällt, per Mausklick einen Sympathie-Obolus abgeben, der am Monatsende von seinem flattr-Konto abgebucht wird. Momentan feiert flattr erste Erfolge im Online-Journalismus, allerdings gibt es bislang nur eine Testversion für einen eingeschränkten Benutzerkreis. Ab wann flattr für die Allgemeinheit zur Verfügung steht, wusste Peter Sunde leider noch nicht zu sagen. Bleibt also abzuwarten, was nach der all2gethernow 2010 an Ideen noch alles so zu Tage treten mag. Festzuhalten ist, dass beide Seiten sich bemühen. Hoffen wir auch auf das baldige Einsehen, dass ökonomische Strategien ohne ein moralisches Fundament und moralische Strategien ohne ein reales Fundament nur schwer durchzusetzen sind.
Bildnachweis: rollingroscoe

September 14 2010, 10:08am

Video: Sonar

Visuelle Musik, oder?

September 8 2010, 10:19am

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