Das eBook und der Gedanke, es im Web salonfähig zu machen, ist fast so alt wie das konsumorientierte Internet selbst. Schon 1971 hat man mit dem Projekt Gutenberg versucht, kostenlose Bücher, die einer rechtefreien Lizenz unterliegen, in digitaler Ausfertigung anzubieten. Das Projekt gilt als Vorreiter der Bemühungen und ist sogar heute noch als Internet-Bibliothek im Web erreichbar. Doch nicht nur verwaiste Werke oder Bücher, die keinem Urheberrecht unterliegen finden sich dort. Begeistert von der Idee, haben sich auch Autoren bereitwillig in dieses Sammelsurium aufnehmen lassen und haben somit schnell gezeigt, dass das eBook keines Falles nur den Ruf eines schwarzen Schafes verdient, dass das Ende des Prints einläutet, sondern dass es auch im Sinne der Schriftsteller zu einer durchaus gern gesehenen, weiteren Publikationsmöglichkeit herangezogen werden könnte.
Erfolg durch Technik… Das Jahr des eBooks wurde nun schon oft eingeläutet, jedoch haben die, die es bisher am ehesten in der Hand gehabt hätten, einen ertragreichen Branchenzweig daraus zu machen, mutwillig verpasst, ernsthafte Bemühungen vorzunehmen. Was Verlage gerne weit weg geschoben haben, haben sich in den letzten zwei Jahren gerade Technologieunternehmen auf die Fahne geschrieben. Nämlich eine vernünftige Infrastruktur im Web für das eBook anzulegen. Allen voran Apple und Amazon. Den Vorstoß, eBooks, die es wie gesagt schon ewig im Web gibt, standesgemäß lesen zu können, hat Apple mit seinem iPad vollbracht. Denn das iPad hat als erster Tablet-Computer die Entwicklung des elektronischen Buches und wie es heute konsumiert wird, entscheidend geprägt. Zwar ist das iPad kein eBook-Reader im herkömmlichen Sinne, jedoch hat es die Möglichkeiten aufgezeigt und nicht zuletzt auch Amazon darauf hingewiesen, wo die Reise hingeht. Amazon, die Ihre Wurzeln im Onlinebuchhandel haben, ließen es sich nach dem Erscheinen des iPads nicht nehmen einen neuen eBook-Reader zu entwickeln, der das Handling eines Tablets besitzt, jedoch auf jegliches Multimedia-Gedöns verzichtet und somit auch den Nicht-Techie anspricht, der ferner keine Hunderte von Euros für solch ein Lesegerät ausgeben will. Am Ende dieser zweijährigen Entwicklung kann man nun 2012 schon auf einen konkurrenzfähigen und funktionierenden eBook-Reader blicken, welcher das elektronische Buch in diesem Jahr zum Verkaufsschlager werden lassen könnte. Amazon, mit seiner riesigen Auswahl an digitalen Büchern und seinem recht gut entwickelten Kindle, wird 2012 große Schritte machen. Davon kann man ausgehen. Anreize schaffen und überzeugen… Erst einmal ist zu sagen, dass das Kindle Fire beispielsweise in den USA zu Weihnachten unschlagbar oft verkauft wurde. Amazon machte schon am 29. Dezember 2011 deutlich, dass das eigene Ökosystem zukünftig gerade durch die Topseller Kindle Fire, Kindle Touch und Kindle (in der Reihenfolge auf den vordersten Plätzen der Verkäufe) an Fahrt aufnehmen wird. Gleiches gilt für den deutschen Markt. Das einfache Kindle gehörte nämlich auch hier zu den meistverkauften, meistgewünschten und meistverschenkten Produkten bei Amazon.de zur Weihnachtszeit. Die schwierigste Hürde scheint somit eigentlich schon genommen. Nämlich den Verbraucher zu überzeugen. Doch ebenso wichtig ist es auch die Autoren zu überzeugen, die nicht wie die damaligen Project Gutenberg-Verfechter, von Anfang an, an das Konzept eBook glauben. Einen großen Schritt dahin macht Amazon derzeit mit dem größten aller Hauptargumente. Mit Geld. Um Autoren vom ePublishing zu überzeugen, wird der Online-Riese künftig versuchen mit einem Bonussystem die Rechteinhaber in die Verkaufsplattform Kindle Direct Platform (KDP) zu locken. Wer sich verpflichtet, seine Werke mindestens 90 Tage ausschließlich über KDP vermarkten zu lassen, soll in Zukunft mit Bonuszahlungen, die sich an der Anzahl der Verkäufe und dem Erwerb von Leserechten (die nach einiger Zeit wieder erlöschen) richten, belohnt werden. Und das könnte tatsächlich fruchten. Denn, dass eBooks, das Zeug zum Kassenschlager auf Amazon besitzen, zeigt derzeit auch Johny Haeusler mit seinem Werk „I LIVE BY THE RIVER“. Bereits nach kurzer Zeit hat Haeusler auf Amazon 3.000 eBooks verkauft und kletterte binnen weniger Stunden in die Top 10 des Amazon-Shops für Kurzgeschichten und Humor. Der Autor zeigt somit wie es gehen kann und gilt dieser Tage, als erfolgreicher eBook-Schriftsteller, der die Blicke auf sich zieht. Natürlich wurde der Hype auch und gerade wegen Haeuslers Bekanntheit durch Spreeblick in der Internet-Community begründet, aber ebenso zeigt der Erfolg auch, wie sehr dahingehend Chancen und neue Vertriebswege auch durch das Social Web ergründet werden können, wo man PR und Reichweite selber steuern kann und wo das Teilen eines Amazon-Links, binnen weniger Minuten, zu mehr Mundpropaganda führen könnte, als jede Rezension in der FAZ. Das System scheint geebnet… Alles das, was ein erfolgreiches eBook-Jahr 2012 ausmachen könnte, ist also gegeben. Die technischen Voraussetzungen sind erfüllt, die Käufer scheinen überzeugt, die Autoren bekommen Anreize und die Sozialen Netzwerke können für entsprechende Resonanzen sorgen. Kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Oder? Die einzige Unbekannte in dieser Rechnung ist allerdings nach wie vor, das Verhalten der Verlage. Die Rechtverwerter einiger Klassiker, entscheiden noch zu einem großen Teil mit über Vertriebswege und was mit welchem Buch geschieht. Und ganz auf einen Verlag möchte ein Autor auch nicht verzichten. Denn wenn man sich nur auf eBooks verlässt, könnten einem die ganzen anderen Leser, die, die lieber das geschriebene Wort in Papierform in den Händen halten, entgehen. Ein Dilemma also. Ein „Entweder-Oder“, wie es scheint. Eine Lösung muss zwangsweise her. Sonst wird das Jahr 2012 eher das Jahr des Buchmarkt-Krieges werden, indem mittendrinnen der Autor als Spielball steht und der Kunde zukünftig auf zwei Märkten Ausschau halten muss. Es wäre doch schade, wenn eine Erfolgstory zunichte gemacht wird, nur weil zwei Giganten mal wieder keine Einigung erzielen können. Die Zeichen stehen jedenfalls auf “grün” und zu keiner Zeit konnte man am ehesten das eBook-Jahr aussprechen, als zu Beginn 2012. Im Sinne der Leser und der Autoren wagen wir mal einen positiven Blick nach vorne und freuen uns auf einen enormen Entwicklungsschub des salonfähigen digitalen Buches.














