Die Briten haben es gut. Sie haben journalisted.com. Diese Seite ermöglicht es der Öffentlichkeit, alle Beiträge eines britischen Journalisten, die im öffentlich-rechtlichen Sender BBC oder den britischen Tageszeitungen erschienen, anzusehen. Man kann auch den Kontext betrachten, den diese Artikel in der Blogwelt auslösten. Oder der Besucher der Website verschafft sich einen Überblick über ein bestimmtes Thema und liest alle Artikel dazu und kann auf diese Weise gut erkennen, welcher Journalist sich von der Masse der “veröffentlichten Meinung” durch neue Perspektiven oder Zusatzinformationen abhebt. Das einfache Suchen nach weiteren Infos zu einem besonderen Journalisten geht natürlich auch. Warum das Ganze? Nun, seit David Weinbergers Verdikt “Transparenz ist die neue Objektivität” fehlte ein bißchen die praktische Umsetzung für diejenigen, die sich selbst als die besseren Informierer bezeichnen, diejenigen, denen Verleger gerne Qualitätsjournalismus unterstellen. Gäbe es so etwas wie journalisted.com in Deutschland, könnten wir uns einen Lehrstuhl für Qualitätsjournalismus sparen. dann kann jeder selbst erkennen, ob Journalisten einfach nur die kontrollierten Bahnen einer Verlegerwirklichkeit nacherzählen oder eigene Stories auf eigene Weise erzählen können und dürfen. Wir könnten dann nachvollziehen, dass bestimmte Themen in allen Blättern eines Medienimperiums auf dieselbe Weise erzählt werden. Wir könnten auch erkennen, wer eigene Wege geht und tatsächlich neue Erkenntnisse an die Oberfläche bringt – und wer solches nur vorgibt… Dank an @blogschau für den Hinweis!
Lifestream » journalismus
Transparenz: journaLISTED.com
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February 17 2011, 10:05am
Der Öffentlichkeit verpflichtet
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Gestern habe ich beim Presserat eine Beschwerde über die Zeitschrift „Der Spiegel“ eingereicht. Dabei geht es darum, dass „Der Spiegel“ in enger Kooperation mit Wikileaks über die Depeschen des US-Außenministeriums berichtet. Im Fall der Irakakten fand ich das noch nachvollziehbar. In diesem Fall jedoch finde ich das Vorgehen problematisch. Es ist die schiere Masse an Information, die das „Cablegate“ so besonders und so schwierig macht: Noch nie hat ein Whistleblower so viele als vertraulich eingestuften Dokumente an die Öffentlichkeit weitergegeben. Noch nie wurde eine staatliche Organisation mit einer so schwerwiegenden und so offenkundigen IT-Sicherheitslücke konfrontiert. Noch nie hat eine Whistleblower-Plattform so viele Dokumente bearbeiten müssen – und wurde mit derart harten Sanktionen bedroht. Noch nie mussten Redaktionen mit einer solchen Masse vertraulich umgehen können und sich dabei abstimmen. Die Masse verlangt ganz klar einen neuen Umgang mit den Informationen – von allen Beteiligten… Bislang scheint der Erfolg der gewählten Methode Recht zu geben. Wikileaks macht seit zwei Wochen permanent Schlagzeilen. Doch nach dem ersten Veröffentlichungsschwung werden nun täglich so wenige Depeschen veröffentlicht, dass bislang erst 0,5 Prozent des Gesamtkonvoluts veröffentlicht wurde. Dass die geleakten Dokumente nun nur von einer Handvoll von Redaktionen voraussichtlich über Monate hinweg ausgewertet werden soll, scheint wenig angemessen zu sein. Dadurch können nämlich Journalisten und Politikwissenschaftler ihre speziellen Fragestellungen nicht verfolgen, die neue Bezüge, neue Themen jenseits des Masseninteresses erschließen könnten. Sie sind hingegen in ihrer Recherche immer an die Vorauswahl von Wikileaks bzw. den Redaktionen gebunden. Vermutlich war diese Vorgehensweise die Konsequenz aus den Afghanistan-Dokumenten, als kritisiert wurde, dass Informanten nur unzureichend geschützt wurden sowie aus der Irak-Datenbank, die bei Journalisten wenig Anklang fand. Die „lessons learned“ aus den Cablegate sollte jedoch sein, dass keine Exklusivvereinbarungen über einen derart langen Zeitraum mit einer Handvoll Redaktionen getroffen werden sollten. „Al Jazeera“ etwa hätte sicherlich kompetente Journalisten für die Themen des Nahen und Mittleren Ostens, doch auch sie sind von einer Auswertung ausgeschlossen. Im Prinzip will Wikileaks Öffentlichkeit herstellen, doch das sollte Wikileaks ähnlich wie John Young mit seiner Website Cryptome für alle tun. Ein guter Kompromiss hätte darin bestehen können, die besten Geschichten in ein, zwei Veröffentlichungen zu bringen, um dann alle Dokumente sukzessive rasch frei zugeben. Das hätte vermutlich zwar die Vorbereitungszeit um einige Monate verlängert, da man die Dokumente ja hinsichtlich der Hinweise auf Informanten hätte bereinigen müssen. Damit hätten der Spiegel und die anderen beteiligten Redaktionen aber gegenüber allen eine – hinsichtlich des Informantenschutzes und vermutlich auch hinsichtlich eines strafbaren Landesverrats – vertretbare Transparenz hergestellt. Letztlich sind Journalisten nämlich der Öffentlichkeit verpflichtet – und einem Optimum an Transparenz.
December 14 2010, 9:27am
Wikileaks 2.1: P2P-Journalismus
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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte sich in den letzten Jahren im Kreis von Medienjournalisten und Webexperten eine Diskussion um die Vierte Gewalt im Staat verselbstständigt. In einer frühen Phasen entwickelten sich einige Fachblogs zu Quellen aus denen sich seriöse Journalisten gerne und fast immer ohne Angabe von Quellen bedienten. Als die Leserschaft diese Aktionen bemerkte, schwenkte die Wertung gegenüber Blogs um. Die Reichweitenbeschaffer alias Leser, die Verlage an ihre Anzeigenkunden verkaufen, schauten nun immer öfter selber nach, was fefes blog, Don Alphonso, netzpolitik.org oder Bildblog sich ausdachten oder recherchierten bzw. zugetragen bekamen. Das war schmerzlich, weil die Verlage eine Deutungshoheit beanspruchen, die sie mit dem Begriff Qualitätsjournalismus gegenüber diesen Emporkömmlingen abgrenzen wollten und wollen. Das größte Problem waren die Diskussionen im Web rund um Artikel, die nicht selten lawinenartig neue Artikel auslösten. Neben der Deutungshoheit verloren die klassischen Medien also auch noch ihre Funktion des Agendasettings, die sie gekonnt im Umgang mit Politikern und PR-Agenturen einzusetzen gewöhnt sind. Einige Verlage haben sich schon verdächtig nahe an die PR-Ausbildung herangerobbt wie die FAZ mit dem FAZ Institut beweist oder arbeiten auf halbseidenen Wegen mit Detektiven, um Fakten, Fakten und Fakten zu schaffen, wo vorher keine waren oder die Privatsphäre einen Schirm aufspannte. Der Begriff Qualitätsjournalismus ist also eher ein Potemkinsches Dorf hinter dem man gegenüber Politikern einen enormen Aufwand (trotz radikaler Entlassungen) als Medienapparat im Dienste der Demokratie verkaufen kann. Im Grunde geht es dabei um ein Ringen nach Subventionen, oder präziser einem Beamtenstatus für alles, was man selbst so qualifiziert. Was nicht Qualitätsjournalismus ist (und das definieren immer die Verlagsvertreter!) – zum Beispiel die Blogger und selbsternannten Journalisten im Web – muss nicht staatlich geschützt werden, weil es keine zwölfstöckigen Denkmäler für die Vierte Gewalt erbaut und außerdem auch noch die hoheitliche Aufgabe der Qualitätsjournalisten vermissen lässt: Man entwertet diese Onlineschreiberlinge mit dem Hinweis darauf, dass sie nicht Agenturmeldungen filtern und umschreiben, dass sie kein Fact-Checking betreiben (wie viele deutsche Verlage auch) und dass sie ja immer nur Meinungen verbreiten… Und dann kam wikileaks. Weiterlesen beim Click auf MEHR…
Vor einigen Jahren war es der Anlass für viele Leser überhaupt die Existenz des Begriffs whistleblower zur Kenntnis zu nehmen. Es gab also noch eine andere Welt als die Agenturen. Investigativer Journalismus kann ohne sie gar nicht existieren. Anders als viele glaubten, haben die Mitarbeiter von “Report” oder “Monitor” gar nicht wie der selige Wallraff falsche Bärte angeklebt und recherchierten als verdeckte P-Männer und -Frauen (V-Mann=Verfassungsschutz-Mann und P-Mann=Presse-Mann). Und nun kommen so ein paar Irre Hacker daher (wer kennt den Unterschied zwischen Hacker und Cracker?) und ermöglichen whistleblowern das Publizieren ihrer heimlich entwendeten Dokumente über die Scheinheiligkeit von Politikern, multinationalen Konzernen und die bösartigen Greueltaten zu denen Menschen Menschen treiben. Und nun? Jetzt überschlagen sich plötzlich alle in der Ansicht, dass ein neues Zeitalter angefangen hätte? Die Masse der Daten, die ins Web gekippt werden sollen nun über den Grad der Freiheit der Menschen entscheiden. Wie immer glauben die Adepten aus dem Lager der Webexperten, dass Quantität (Speicherplatz, Bandbreite, Userzahlen etc) über Freiheit, Erfolg und Demokratie entscheiden. Sie sind damit sehr nahe an den klassischen Verlagen: Reichweite=Leserschaft=Relevanz für Demokratie. Und in der anschließenden Diskussion purzeln die Begriffe nur so durcheinander. Sind Verleger (Veröffentlicher) wie wikileaks nicht eigentlich die neuen Journalisten? Sind Staaten wie die USA oder Frankreich, die Schwächere schon immer gern via Währungsfonds und Weltbank drangsaliert haben und mit economic hitman Weltgeschichte schreiben, sind solche Staaten eigentlich genauso schlimm wie China, die so ein Verhalten ganz offen und schroff zeigen? Nun die Antworten liegen im WIE. Denn es gibt große Unterschiede, nicht nur wenn man ins Detail guckt. Anders als es Reporter ohne Grenzen mit ihrem Vergleich zwischen USA und China Glauben machen wollen, sind die USA ein Land mit weitgehender bürgerlicher Freiheit und sehr pingelig, wenn es um ihre nationale Souveränität geht. China ist in allem mit einer extremen Art von Kontrollzwang. Aber Details interessieren viele gar nicht, die mal wieder den Teufel am Werk sehen? Es ist verständlich, wenn sie Assange in Schutz nehmen wollen, obwohl ich nicht weiß, ob er wirklich die Lichtgestalt ist, die man aus ihm gemacht hat und an die er jetzt offenbar sogar selber glaubt. Eigentlich wäre es schlau aus den Daten und Informationen Erkenntnisse zu gewinnen. Aber das setzt Wissen voraus und nicht jedes Urteil ist Ausdruck oder Folge von Wissen. Wissen entsteht nur auf dem Hintergrund dessen, was jeder schon vorher kannte. Angesichts so eines Datentsunamis wie bei wikileaks liest jeder – auch und gerade die Qualitätsjournalisten - nur das heraus, was ihm oder ihr als fehlendes Puzzle zum vorhandenen Hintergrundwissen passend erscheint. Es macht also Sinn, das alte Modell des Filesharings namens peer-to-peer heraus zuholen. Ein Peer ist eine Bekannter oder Freund. In den Peer-to-Peer oder P2P-Netzwerken sind Daten immer auf allen angeschlossenen Rechnern gemeinsam gespeichert. Keiner weiß wo eine Datei wirklich liegt und wie oft ihre Kopie bei anderen vorhanden ist. Wie sollten dieses Modell für wikileaks nutzen um dieses tolle Werkzeug nicht in persönlichen Ränkespielen Einzelner zu trivialisieren. Ich kenne Assange nicht, aber das Werkzeug wikileaks sollte aus seinen Händen genommen werden, um ihn und uns zu entlasten. Wie? Es gibt ein tolle Projekt namens dot-p2p dazu, dass wir alle unterstützen sollten: URLs, die auf .p2p enden werden in dieser P2P-Cloud von uns allen gehostet und können nicht mehr von einzelnen Providern abgeschaltet werden. Dies ist erst der Anfang der wahren Diskussion um Netzneutralität, denn es geht um den Ort der Daten: Sie müssen da sein, wo auch das Wissen ist – bei uns allen.
ers
December 10 2010, 10:04am
Livestream: Speedlab Journalism in Berlin
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Eine spannende Konferenz zum Thema Journalismus – Gegenwart und Zukunft, wurde von DRadio Wissen, in persona Jana Wuttke ins Leben gerufen und findet jetzt im betahaus berlin statt und carta überträgt alles live und in Farbe:
Watch live streaming video from cartalive at livestream.com
Das Programm gibt es nach dem Click PROGRAMM: BEGRÜSSUNG / KEYNOTES 09.00 Uhr Empfang Speaker / Gäste Kaffee und Croissants im Café Betahaus 10.00 Uhr Begrüßung Dietmar Timm, Leiter DRadio Wissen 10.05 Uhr Keynote I Joshua Benton, Direktor Nieman Journalism Lab, Harvard University 10.25 Uhr Keynote II Phil Fearnley, General Manager News, Technology & Media Future, BBC 10.45 Uhr Interview Joshua Benton und Phil Fearnley im Gespräch mit Christoph Dowe (ZEIT ONLINE) + Publikumsfragen SPEEDLABS 11.30 – 13.00 Uhr SpeedLabs / Teil 1 (3 Runden) SpeedLab 1 Thema: Future of News – Aggregatoren & Social News. Wer macht die Nachrichten der Zukunft? Speaker u.a. Gerd Kamp (Leiter dpa-Newslab), Steffen Konrath (Liquid Newsroom) SpeedLab 2 Thema: Zentral oder Denzentral (Programm oder Plattform) – Zeitungen, Radiostation und Co. als Contentmarken in Zeiten digitaler und mobiler Distributionswege? Speaker: Sebastian Schürmanns (MyTweetMag), Jana Wuttke (Breitband, Deutschlandradio Kultur) SpeedLab 3 Thema: Kampf um die Kohle – Crowdfunding, Spenden, GEZ, Flattr etc. Wie sehen die Geschäftsmodelle im Journalismus der Zukunft aus? Speaker: u.a. Anna Theil (Startnext.de), Marcel Weiß (NeuNetz.com), Robin Meyer-Lucht (Carta) SpeedLab 4 Thema: New Jobs – Blogger, Communitymanager und investigative Programmierer. Wie sich das Berufsbild Journalist verändert. Speaker: u.a. Daniel Dietrich (Open Data Network), Lorenz Matzat (Datenjournalist), Matthias Spielkamp (irights, immateriblog) SpeedLab 5 Kuratierter Journalismus: Social Journalism, Crowdsourcing, Prozessjournalismus, Social Network Analysis, Aganda Setting, Monitoring. Wer weiß wann was? Speaker: u.a. Ulrike Langer (Medial Digital), Sebastian Horn (ZEIT ONLINE) 13.00 bis 13.45 Uhr PauseLab Catering im Café Betahaus; Musik kuratiert vom Breitband-Netzmusik-Team 13.45 – 14.45 Uhr SpeedLabs / Teil 2 (2 Runden) Programm siehe oben PODIUM 15.00 bis 16.00 Uhr MainLab Wir bauen uns einen neuen Journalismus! – Öffentlichkeiten im digitalen Zeitalter - Jochen Wegner (Ex-Focus Online Chefredakteur, jetzt Gründer Publishing Mag10) - Christoph Dowe (stellv. Chefredakteur ZEIT ONLINE) - Stefan Münker (Autor „Emergenz digitaler Öffentlichkeiten“ Suhrkamp und langjähriger ZDF Redakteur) Moderation: Ralf Müller Schmid (DRadio Wissen) ab 16.15 Uhr Snacks und Getränke im Café Betahaus ab 21.00 Uhr SauseLab Luxus Bar, Berlin Prenzlauer Berg
December 1 2010, 10:18am
The European mit Schwabenfeindlichkeit
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Jetzt ist es passiert. Endlich hat sich einer der promovierten Qualitäts-Journalisten (ex-Cicero) aufgemacht und den Schwaben – nicht den Stuttgartern (sic) – mal die fundierte Meinung um die Ohren gehauen:”Die Schwaben nerven einfach nur noch.” Er zitiert sogar eine ungenannte Quelle, die sich möglicherweise als kleiner Mann oder gar Brummen im Ohr herausstellen kann: “Das müsse jetzt sein, denn Stuttgart 21 ist ein Projekt der herrschenden Klasse.”
Er erklärt das Phänomen #s21 oder präziser #k21 (ich fürchte auch das kennt er nicht) mit dem Neid der Schwaben auf die Posten der Entscheider bzw. willfährigen Beamten, die bei den Planfeststellungsverfahren ihr redliche Brot verdienten. Aber es kommt noch viel profunder und noch besser recherchiert: “Als man ein Mandat hätte erwerben können (kann in Deutschland jeder), da haben sie sich in die Büsche geschlagen. Man steht nämlich schnell allein da im Wahlkampf, als Mandatsträger. Man muss zeigen, was man kann. Es wird schnell offenbar, wenn man nichts kann.” Da hat er recht, es ist praktisch nie jemand anwesend, der eine politisches Amt, eine Parteimitgliedschaft oder gar ein ehrenamtliche Tätigkeit vorweisen kann. Wieso auch. Das wäre ja noch schöner, wenn sich der von Berufspolitikern vertretene Souverän zu einer eigenen Meinung aufschwingen würde. Da gehen gerade die Pferde mit mir durch: Es ist ja nur der Neid auf die tollen Posten in der Verwaltung: “Jetzt stehen die Gscheitles vor dem Gelände des Stuttgarter Hauptbahnhofs und erklären die Welt. Da sind sie, die schon immer die besseren Politiker, Planfeststellungsmenschen, Geologen, Schaffner und weiß Gott was alles gewesen wären. Sie nutzen die fiese demagogische Kraft der Masse, um sich an denen abzuarbeiten, die auf den Posten sitzen, auf denen sie sich gern wähnten.”…
Lieber Herr Dr. Dr. Görlach, ein kurzes Proseminar: Demagogen waren ursprünglich angesehene Redner und Führer des Volkes, also Einzelpersonen. Erst im 17. Jahrhundert wurde dieser ehemalige Ehrentitel von absolutistischen Herrschern für Personen genutzt, die das Volk in positiver Weise über die englische Revolution aufklärten. Später jedoch wurde wieder die ursprüngliche Wertschätzung eines Redners mit diesem Begriff assoziiert bis dann im 20. Jahrhundert der uns geläufige Gebrauch des Begriff als Ideologisierung der Massen durch den Einsatz der Massenmedien ins Stammbuch der Postmoderne geschrieben wurde. Es ist gelinde gesagt verwunderlich, einer Masse eine demagogische Kraft zuzuschreiben.
“Die Bevölkerung des Bundeslands, das sich stets mit den benachbarten Bayern um die besten Werte bei Wohlstand, Sicherheit und Bildungsstandards kabbelt, kann echt vieles behaupten, aber nicht, dass sie schlecht regiert wird. Also: Was wollt ihr eigentlich? Ich möchte wirklich eine Antwort auf diese Frage! Was ist der Plan? Was passiert, wenn Stuttgart 21 nicht kommt, die Landesregierung abgewählt wird? Was ist die Agenda, gegen was seid ihr dann? Beziehungsweise: Für was steht ihr dann ein? Mit Basisopposition ist kein Staat zu machen. Mit Basisdemokratie, das sieht man jetzt ganz deutlich, auch nicht.”
Lieber Herr Redaktionschef des European, so von einem Online-Magazin zum anderen: Meine kollegiale Achtung würde sicher steigen, wenn ich den Eindruck bekäme, dass Sie sich mit den Themen Transparenz gegenüber der Politik und den Bürgern, gegenüber dem Thema Kosten, gegenüber dem Thema Stadtentwicklung und Grundstücksverkäufe, gegenüber dem Thema Nutzen für überregionale und regionale Verkehrskonzepte zumindest soweit befasst hätten, dass Ihre Schwabenbeschimpfung wenigstens in Ansätzen Substanzielles enthielte. Man kann sicher vielen Beteiligten vieles vorwerfen, aber den Schwaben die Demos in die Schuhe zu schieben, halte ich für ähnlich sinnvoll wie den Muslimen die 20jährige Radikalkur bei den Sozialausgaben unterzujubeln. Aber vielleicht irre ich mich. Vielleicht war es ja nur noch mal ein Schnelles “Das-Thema-nehmen-wir-jetzt-auch-noch-schnell-mit”. Dann sei der jungen Redaktion die heiße Nadel ohne Zeit für Recherche verziehen. Oder ich bin drauf reingefallen, und alles war nur eine Parodie ab dem Zeitpunkt wo einer die mangelnde Recherche anprangert?
Eben ein echter Quantitätsjournalist. Bildnachweis: cymaphore
October 13 2010, 2:35pm
Brüder Grimm oder Blogger vs. Journalisten?
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Die Journalisten der sogenannten klassischen Medien scheinen der Grabenkämpfe mit den Bloggern müde geworden. Lange Zeit stritten die zwei Lager hartnäckig gegeneinander, jedes überzeugt von der Dominanz seiner Sicht. Die klassischen Medien fühlten sich bedroht und irritiert durch die wachsende Zahl der Konkurrenten im Internet und ihrer Art, Informationen zu sammeln, zu verbreiten und vor allem meinungsstark und persönlich zu kommentieren. Blogger waren für sie eitle Möchtegerns ohne Reichweite und Geschäftsmodell, krankhafte Egos auf der Suche nach Anerkennung oder einfach nur irrelevant. Auf der anderen Seite standen die digitalen Publizisten, die den Kollegen aus dem althergebrachten Journalismus vorwarfen, sie würden das Netz in keinster Weise begreifen, der neuen Form der Kommunikation nicht annähernd gerecht werden und deshalb in nicht allzuferner Zeit arbeitslos sein. Der Witz am Rande: Gerade die kritischsten Blogger und Netzpublizisten sind oder waren selbst Journalisten oder professionelle Kommunikatoren…
Jetzt scheint zumindest die eine Seite den Schulterschluss zu suchen. Rhein-Zeitung, Welt Kompakt und Süddeutsche stimmen plötzlich ein Loblied auf die bislang so gefürchtete Zunft der Blogger an. Kannst Du den Feind nicht besiegen, verbünde Dich mit ihm – eine uralte Weisheit, die eben nie ihren Reiz verliert. So wird ein Paradiesvogel des digitalen Zeitalters, Sascha Lobo, für einen Tag Chefredakteur der Rheinischen ZeitungWelt Kompakt wagt sich unter der Anleitung von 25 Bloggern an eine Scroll Edition. Man wird in den Redaktionen nicht müde zu betonen, wie nahe die Blogger den klassischen Journalisten doch sind – zumindest was die Arbeitsweise und die Liebe zum sprachlichen Ausdruck betrifft. Die Welt stellt gar erleichtert fest, „Blogger sind auch nur Menschen“ und kehrt nach dem gewagten Experiment zufrieden zur gewohnten Routine zurück. Die Süddeutsche erklärt zum guten Schluss, der Journalismus löse sich zum Glück nicht auf, sondern verändere nur seinen Aggregatzustand zu einer Form, in der Blogger und Journalisten Seite an Seite bestehen dürfen. Werden die anfangs tiefen Gräben zwischen beiden Publikationsformen nun zugeschüttet? Vielleicht sogar mit Honoraren für Blogger von klassischen Medien? Was sagt eigentlich die andere Seite zum Friedensangebot einiger Medien? Sind die digitalen Publizisten ebenfalls bereit zum Schulterschluss? Und die Betroffenen? Meinungen aus berufenem Munde: Tanja Gabler, http://tanjagabler.blogspot.com/
Die Grabenkämpfe zwischen Onlinejournalisten und Bloggern habe ich nie verstanden. Ich sehe beide Seiten als Kollegen, die mit unterschiedlichen Stilmitteln beziehungsweise mit anderen Textformen arbeiten. Viele Journalisten betreiben eigene Blogs – und viele Blogger werden längst in den klassischen Medien zitiert. Das liegt einerseits daran, dass die Qualität der Blogbeiträge gestiegen ist, und andererseits daran, dass viele (Online-)Medien ihr Misstrauen gegenüber dieser Gattung verloren haben. Einen Schulterschluss zwischen Bloggern und klassischen Medien kann ich dennoch nicht erkennen. Dazu gehört weit mehr, als Sascha Lobo für einen Tag zum Chefredakteur zu ernennen oder eine sogenannte “Scroll Edition” der Welt zu drucken. Wenn die linke tageszeitung Kai Diekmann für einen Tag ihre Redaktion leiten lässt, bedeutet das auch noch lange keine gemeinsame Linie zwischen Bild und taz.“ Thomas Knüwer, http://www.indiskretionehrensache.de/
August 23 2010, 10:00am
Creative Commons im Journalismus – ein Plädoyer
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In der feinen, aber oft etwas isolierten Netzgemeinde sind Creative Commons schon gut etabliert. Immer wieder stößt man auf Bilder, Videos und Texte, die zur Weitergabe animieren, statt sie zu verdammen. Verlässt man aber diesen Kreis netzaffiner Menschen, sieht es ganz anders aus. Der Grund ist weniger fehlendes Wissen, sondern Angst. Ein paar Gedanken zur Verbesserung und Überzeugungsarbeit – mit Schwerpunkt auf Journalisten, aber auch für andere Bereiche einsetzbar. Creative Commons: Was ist das? Creative Commons (CC) – ein Name, der für eine Idee steht: Freie Lizenzen, die die Verbreitung und Weiterentwicklung kreativer Werke erlauben, ohne den Urheber zu enteignen. Die Regelung ist einfach und über ein eigenes Tool einzustellen. Alle CC-Lizenzen verlangen, den Urheber beim Namen zu nennen. Abgesehen davon gibt es zwei einfache Fragen, die man sich beantworten muss:
Möchte ich kommerzielle Verwendung meiner Arbeit zulassen? – Antworten sind ja oder nein. Möchte ich Abwandlungen und Weiterentwicklungen meiner Arbeit zulassen? – Antworten sind ja, nein und „ja, aber nur wenn die Abwandlungen auch unter einer CC-Lizenz stehen“.
Über einige Zusatzfelder lassen sich noch einige zusätzliche Angaben einstellen, etwa der Link, unter dem die Arbeit zu finden ist und der als Quellenangabe angegeben werden muss. Creative Commons: Was nützen sie? Diese Wissensaspekte sind meist recht schnell zu vermitteln. Ebenso sieht es mit den Vorteilen aus. Hier sind eine Reihe von Vorteilen, die für CC sprechen: Für den Urheber:
schnellere Verbreitung von Inhalten und dem eigenen Namen zahlreiche Anwender suchen von vorne herein nur nach CC-Werken, um sich die Arbeit der Nachfragerei zu sparen Erzeugung von Links auf eigene Inhalte
Für den Anwender:
schnellere Klärung von Rechten zahlreiche Einsatzszenarien, zum Beispiel schöne Bilder für eigene Texte
Die ganz realen Ängste – und wie man sie beseitigt Am einfachsten auszuräumen ist meist die Angst einiger Journalisten vor Enteignung. Creative Commons enteignen niemanden – weil sie freiwillig sind. Jeder Autor entscheidet selbst, ob er auf CC setzen möchte oder nicht. Und über die wenigen Parameter lässt sich flexibel steuern, unter welchen Umständen man zu einer Fremdverwertung bereit ist. Wählt man „keine kommerzielle Nutzung“, ist ausgeschlossen, dass andere mit den eigenen Inhalten Geld verdienen, ohne den Autor selbst dafür zu entlohnen. Wer Angst davor hat, dass das eigene Werk entstellt wird, setzt auf „keine Bearbeitungen“. Und mit „Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ kann man sicherstellen, dass sich niemand an den eigenen Werken bereichert, ohne selbst etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Bei all dem gilt: Keine Creative-Commons-Lizenz schließt aus, dass ein Urheber Ausnahmen festlegt. Wer generell kommerzielle Nutzung ausschließt, kann sich natürlich trotzdem noch mit bestimmten Anbietern auf eine kommerzielle Nutzung einigen – hier gilt das, was auch bei jedem anderen Werk gilt: Nachfragen bei Unklarheiten.
Im journalistischen Umfeld höre ich oft die Befürchtung, Creative Commons könnten den Wert journalistischer Arbeit herabsetzen – nämlich dann, wenn aus journalistischen Texten weitere Werke entstehen, die journalistischen Ansprüchen nicht genügen. Mit dieser Angst ist nicht einfach umzugehen – ein Ansatz könnte sein, die Frage von der anderen Seite anzugehen. Ein Beispiel dazu: Wie viele Bildkritiken gibt es in den Medien zu lesen? Meistens sind es nicht viele. Ich finde das seltsam: Wir beschäftigen uns immer wieder mit tendenziöser Berichterstattung und kritisieren derart unsaubere Arbeit. Doch auch Bilder können tendenziös sein. Sie können über bildliche Gestaltungsmittel eine Deutung nahelegen, die nicht den Tatsachen entspricht. Ebenso nimmt die Auswahl der Bilder und deren Ausschnitt Einfluss auf die Deutung – was gezeigt wird, besonders aber auch was eben nicht gezeigt wird. Ich habe den Eindruck, dass diese Aspekte selten aufgegriffen werden in der journalistischen Arbeit. Und ich glaube, einer der Gründe liegt in der schwierigen Auslegung des Zitatrechts auf Bilder – Udo Vetter hat in seinem Vortrag auf der re:publica darauf hingewiesen, wie schwierig das Zitieren von Bildern ist, obwohl es eigentlich rechtlich zulässig ist, wenn man sich inhaltlich mit Bildern auseinandersetzt. Creative Commons sind also ein Weg, uns die Auseinandersetzung mit den Werken anderer zu vereinfachen und wichtige journalistische Formen zu ermöglichen, die sonst allzu leicht unter den Tisch fallen. Und damit sind die Chancen, die Creative Commons dem Journalismus öffnen, um ein Vielfaches höher als die Risiken. Eine andere Angst hört sich meistens so an: „Warum sollte ich CC verwenden, wenn jeder weiß Gott was mit meiner Arbeit machen darf?“ Die fand ich immer schwer zu beruhigen. Zunächst ist, wie schon erwähnt, über drei Parameter eine bemerkenswert gute Steuerung möglich, in welchem Umfeld Werke eingesetzt werden können. Zudem setzen sich Creative Commons nicht über andere Rechte hinweg: Selbstverständlich darf auch mit einer CC-lizensierten Arbeit niemand verleumdet werden. Außerdem kann ich sowieso nicht kontrollieren, was andere Menschen mit meiner Arbeit anfangen, wenn ich sie veröffentlicht habe. Ob sie meine Ansichten teilen, meine Texte ausdrucken und verbrennen, mein Blog aus dem Feedreader werfen: All das liegt nicht in meiner Hand. Aber ich finde es gut, ihnen die Chance zu geben, sich damit auseinanderzusetzen – denn dann besteht wenigstens die Möglichkeit, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Creative Commons haben also nichts mit Diebstahl zu tun: Weder sind meine Werke von dort verschwunden, wo ich sie eingestellt habe, noch gibt sie irgendjemand anderes als seine eigenen aus. Creative Commons sind vielmehr eine gesellschaftliche (und journalistische) Vision, wie Wissensaustausch geregelt werden kann. Manchmal ist für diese Vision aber auch grundsätzliche Überzeugungsarbeit notwendig. Ideen sind nicht wie Äpfel. Wenn ich einen Apfel habe und du ebenfalls einen Apfel hast, und wir diese Äpfel tauschen, dann hat jeder am Ende einen Apfel – im besten Fall einen vergleichbaren. Leider ist es aber meistens so, dass einer der Äpfel kleiner, weniger lecker oder etwas weniger frisch ist. Ganz anders bei Ideen und Wissen: Wenn ich eine Idee habe und du ebenfalls eine Idee, und wir die Ideen austauschen, dann hat im schlechtesten Fall jeder von uns zwei Ideen. Meistens ist es aber so, dass aus zwei Ideen drei Ideen werden – weil sie sich gegenseitig befruchten. Creative Commons ist der Versuch, diesen Ideenaustausch zu vereinfachen. Bildnachweis: “My CC stickers have arrived!!!” von Laihiu (CC BY), ”Banjo Libre” von andyket (CC BY) Zum Abschluss eine Sache, die klar sein dürfte: This Werk bzw. Inhalt is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License.
August 19 2010, 11:06am
Studie: Paid Content in freier Wildbahn gesichtet
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Fink & Fuchs hat die Oriella Studie Digital Journalism 2010 vorgestellt. Kaum überraschend sind die dort gezeigten Ideen, wie man Content per Bezahlung verteilt.
Die Agentur betont in ihrer Meldung den Verlust der Scheu der Verlage gegenüber Kommunikation im Web via twitter oder Blogs.
Die Studie belegt zudem, wie stark Neue Medien und Social Media, etwa Blogs, audiovisuelle Medien und Twitter Einzug in Redaktionen halten: Weniger als 15 Prozent der befragten Journalisten geben an, keine Inhalte in multimedialer Form oder via Social Media anzubieten – ein schwindender Anteil, denn noch vor zwei Jahren schenkte rund ein Viertel der Befragten bei der Bereitstellung von Inhalten neuen Medienformaten keinerlei Beachtung. Vor allem das Angebot von Blogs und Twitter hat seit 2008 an Bedeutung gewonnen. Rund 49 Prozent der Befragten berichten, dass ihre Verlage selbst redaktionell betreute Blogs betreiben und immerhin 41 Prozent nutzen aktiv Twitter.
Leichte Unterschiede offenbar in den europäischen Nachbarländern…
Bilder: http://www.ffpr.de
July 8 2010, 10:00am
Ein Tag in der digitalen Journalisten-Galaxis
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Von Marx bis youtube Dieser Tage finden bundesweit kostenlose Workshops statt, die die jungen, willigen Surfer der digitalen Medienwelle für einen neuen Studiengang des Medieninstitut School of Audio Engineering (SAE) begeistern sollen. Ab September 2010 soll das Studium des Digital Journalism neue Wort- und Bildjongleure für die Netz-Welt ausbilden. An diesem heissen Donnerstagnachmittag, in einem der wohltemperierten Seminarräume des Hamburger SAE-Instituts, präsentiert Matthias Lange, ehemaliger Printjournalist, inzwischen Blogger, PR-Lemming und „digitaler Nomade“, den „Studiengang 2.0“. Und weil jedem SAE-Studenten bei Studienantritt ein MacBook versprochen wird, hat er an diesem Donnerstag gleich die gesamte Produktpalette des Herrn Jobs mitgebracht und liebevoll dekoriert. Und so applen iPhone, iPad, MacBook und iPod vor ihm auf dem Tisch herum.
Langes’ braune Anzugshose fällt über schwarze Cowboystiefel, die blondgelockten, langen Haare über eine Hornbrille á la Woody Allen. Nach ein paar Minuten ist den knapp 20 anwesenden digitalen Surfern in spe klar: Matthias Lange liebt die digitale Wort- und Bilderwelt. Und Apple.
Nachdem sich einleitend alle erheben, um die netz-verschlossenen Journalisten in einer symbolischen Schweigeminute zu Grabe zu tragen, folgt eine Hommage an iPad, youtube, Twitter und die Macht sozialer Netzwerke in ihrer Gesamtheit.
In den nächsten 90 Minuten geht es um die Entwicklung der Massenmedien im Allgemeinen und die Kanalisierung von Informationsflüssen im Netz, den richtigen Umgang mit digitalen Werkzeugen, Suchmaschinenoptimierung („Wir schreiben für Google“) im Besonderen.
Matthias Lange gibt sich digital-dynamisch, lebensnah und junggeblieben. Seine Ausführungen werden von netz-entlehnten Einspielern via MacBook begleitet, die ein wenig zu lapidar, zu willkürlich und unzusammenhängend daherpixeln. So verspottet Rotzlöffel Nelson in einem Ausschnitt einer Simpsons-Folge einen Printjournalisten („Etablierte Medien sind die Verlierer“), da wird die spontane Schlagkraft eines Flashmobs mit einer Konzert-Aktion der Black Eyed Peas verdeutlicht („Masse und Macht“), da wird mit Facebook-Hyperbeln argumentiert und sogar Karl Marx darf mit seiner Forderung zur Demokratisierung der Kommunikationsmittel nicht fehlen.
Die vereinzelt treffenden Beispiele zur Blogger-Macht und dem Informations-Multiplikator Internet (an den Fallbeispielen Horst Köhler und dem Palmöl-Skandal um Nestle) gehen im allgemeinen Geplänkel über Netz-Notwendigkeiten unter.
Matthias Lange sein MacBook endlich schlafen legt, erfährt der geneigte Zuhörer in einer knappen Viertelstunde schließlich die Eckdaten zu der Angelegenheit, für die er ursprünglich eingecheckt hat: der neue Studiengang. Digital Journalism. Stimmt, da war noch was!
Das SAE-Diplom erhält man also nach dem ersten Jahr, mit der Option auf vertiefende Bachelor- und Master-Studiengänge an den verschiedenen SAE-Standorten. Zu absolvieren sind 35 Wochenstunden mit jeweils 10 Theorie- und 25 Praxisstunden. Neben einer allgemeinen Einführung in das journalistische Basiswissen wird man bloggen, twittern und tuben. Einzige Voraussetzungen sind Volljährigkeit, die Mittlere Reife und ein sicherer Umgang mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Die Kosten variieren je nach gewähltem Studienmodell (Teil- oder Vollzeit) zwischen 11.000 Euro und 12.800 EURO. Inklusive MacBook und Software.
Die digitale Avantgarde kann also aufatmen. Es leuchtet kein neuer Stern am Netz-Himmel. Das ist nur ein MacBook der SAE.
June 18 2010, 11:10am
Panel: Zukunft des Journalismus
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1 Stunde und 10 Minuten Video des Panels zum Themenfeld Zukunft des Journalismus mit Birgitta Jonsdottir, Julian Assange, Lowell Bergman, Charles Lewis, Gavin MacFadyen und Jonathan Weber – also die crème de la crème rund um das Thema Moderner Journalismus, Pressefreiheit, Island als journalistischer Freihafen und investigativer Journalismus.
June 9 2010, 12:05pm
Wikileaks läuft wieder im Normalmodus
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Wikileaks hat nach Monaten im Standby-Modus endlich wieder volle Fahrt aufgenommen und die Seite funktioniert wieder im vollen Umfang. Es gab einige Kritik wegen des Iran-Videos, dass die Erschiessung von Journalisten durch US-Streitkräfte zeigte, weil damit Spenden eingeworben werden sollten. Das Ziel wurde aber verfehlt. Eigentlich hatte man sich 600.000 US-Dollar gewünscht, um die Infrastruktur und Gehälter von fünf Mitarbeitern zu bezahlen. Aber mit den gespendeten 245.000 Dollar machen sie jetzt trotzdem wieder weiter und werden wohl die Website weiter anpassen und modernisieren.
May 19 2010, 1:06pm
Eine Religion der Ungläubigen
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In einem lesenswerten Beitrag zur Reihe der Süddeutschen Zeitung Wozu noch Journalismus hat Jakob Augstein von der freitag Stellung genommen. Er hat eine Abhandlung über Gay Talese geschrieben, den amerikanischen Journalisten, der durch solche Sätze polarisiert:
“Wir Journalisten sollten eine Religion der Ungläubigkeit predigen! Ein Heiliger Orden der Ungläubigen, das sollten wir sein. Wir sollten unseren Dienst in Klöstern der Wahrheit tun, über die Schriften gebeugt. Und diese Klöster sollten weit, weit weg sein von den Palästen.”
Klingt super. Auch der Text von Augstein liest sich gut. Allein, mir kommen Zweifel. Es tönt wirklich alles wie die Wiedergänger der Religion der Aufklärung. Ganz vorn klingt mir das gebetsmühlenartig wiederholte Mantra des Qualitätsjournalismus in den Ohren. Dann kommen immer wieder die lustigen Schirrmacherschen Sätze von Aufmerksamkeitsdefizit oder Clay Shirkys Filterdysfunktion wie alte streitende Senioren auf der Parkbank in den Sinn. Und so verwundert es auch nicht, wenn Augstein die Gegnerschaft der Journalisten und der Politiker zu einem ethos oder gar agens der journalistischen Tätigkeit emporhebt. Bei genau Betrachtung wäre dies eine kaum erwähnenswerte Selbstverständlichkeit, lebten wir in einer funktionierenden Demokratie, die noch über alle fünf Sinne verfügt.
Die Ebene der Politiker ist als eine vermittelnde anzusehen. Einflußreiche Gruppen, die durch wirtschaftliche Macht Druck ausüben können, “beraten” die Politiker, die die Aufgabe haben, in Talkshows, bei Parteitagen und in diversen Gremien dieses Wünsche umzusetzen. Da es ein Mehrheitsprinzip gibt, müssen zu diesem Zweck Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, um die Diskurskultur in unwesentliche Scheindebatten zu entladen. Die Volksseele bekommt dann immer wieder dieselben Gründe für die immer schlechter werdende Situation vorgesetzt (Schuldenabbau, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Rentenkosten). Am Schluß kommt man der Volksseele 2cm entgegen in marginalen Posten und besetzt an wesentlichen Stellen das Territorium quadratkilometerweise – wir kennen das schon vom lupenreinen Bundeskanzler Schröder mit dem Derivathandel und den steuerfreien Firmenverkäufen. Auch die FDP wird das Überleben der privaten Krankenversicherungen noch in dieser Legislaturperiode sichern, genau wie die 200 Milliarden für die Lieblingspuppenspieler der ältlichen Puppe aus dem evangelischen Pfarrhaus.
Wenn ein Journalist sich nun als Gegner der Politiker versteht, dann bedient er genau das Muster des Debattenverneblers. Er schreibt dann jahrzehntelang über die oben benannten Themen und die Auf- und Abschwünge ziehen vorbei. Seltsamerweise steigen während dieser Zeit die Einkommen der einflußreichen Gruppen um einige Größenordnungen in Relation zu denen die lauthals krakeelen und Wandel herbeidiskutieren wollen.
Deutlich schlimmer ist jedoch, dass das eigentliche Pflegekind der Politiker das Gemeinwohl ist, dass in unserem Land in vielen oft kommunalen Institutionen organisiert ist. Und so verwundert es nicht, dass die Einen immer mehr Chalets im Tessin besitzen, während die Schule zerbröseln, die Bundeswehr mit 30 Jahre altem Equipment in den kriegsähnlichen Zustand zieht und die Universitäten einer Legebatterie immer ähnlicher werden.
Es sind die Verhältnisse, die die Gegner des Journalisten sein müssen und nicht die Puppen, die uns die einflußreichen Gruppen zum Draufschlagen hinhalten. Denn wenn Journalisten sich von den Vordergrunddebatten über die verdeckten Hintergrundhandlungen täuschen lassen, ist etws faul im Staate Dänemark.
Bildnachweis: Bühnen-Halle
March 18 2010, 9:46am
Jeff Jarvis: Apple, iSlate und Medien
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karrierebibel.de (Jochen Mai) hat ein spannendes Interview mit Jeff Jarvis auf der DLD10 geführt. Es geht um Apple Fanboys, das iPhone und den neue TabletPC namens iSlate sowie deren Tauglichkeit als eReader. Spannend ist Jarvis’ Meinung zur Produktentwicklung bei Apple und Microsoft. Kein tolle Bildqualität, dafür ist der Inhalt umso hörenswerter:
Und der zweite Teil:
January 25 2010, 11:42am
Krise der Printmedien
http://blog.cast.zhdk.ch/?p=191
Auf Zeit-Online ist ein interessantes Dossier von Anita Blasberg und Götz Hamann zur Krise der Printmedien erschienen. In dem Text Zeitungen und Zeitschriften - Deutschland, entblättert wird beschrieben, welche Veränderungen sich in der deutschen Printmedienlandschaft in diesem Jahr ergeben haben und warum das Zeitungssterben nicht nur eine Folge der Wirtschaftskrise ist, sondern strukturell bedingt ist. Dass hier auch die digitale Revolution eine Rolle gewichtige Rolle spielt, wird schnell klar. Fazit: Guter Text zum Überblick mit genügend Tiefe um zu sehen, wie das auch andere Medienmärkte in der Welt treffen wird bzw. heute schon trifft.
December 1 2009, 11:55am
Internet-Manifest Wie Journalismus heute funktioniert
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17 Bhauptungen zum Journalismus und wie dieser in Zeiten des Internets funktioniert hat eine Gruppe von Profi-Journalisten zusammengestellt und als “Internet Manifest” veröffentlicht. Den 17 Thesen gibt es nach dem Klick. 1. Das Internet ist anders. Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein. 2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche. Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt - zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet. 3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet. Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog. 4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar. Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit. 5. Das Internet ist der Sieg der Information. Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor. 6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus. Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten. 7. Das Netz verlangt Vernetzung. Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser. 8. Links lohnen, Zitate zieren. Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert. 9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs. Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus. 10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit. Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus. 11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information. Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen - sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 12. Tradition ist kein Geschäftsmodell. Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren 13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht. Das Urheberrecht ist ein zentraler* Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet. *) Stilblüten-Alarm aufgehoben 14. Das Internet kennt viele Währungen. Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden. 15. Was im Netz ist, bleibt im Netz. Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren. 16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität. Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben. 17. Alle für alle. Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte - und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt. Internet, 07.09.2009
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September 8 2009, 8:47am
Onlinewahlkampf 2009: Die Wahlfahrt
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Ein mobiles Journalistenbüro fährt kreuz und quer durch Deutschland - im Bauwagen - und spricht vor Ort mit den Menschen über Alltagsprobleme, Politik und Wahlkampf: Das ist die Wahlfahrt09. Journalistin Lu Yen Roloff stellt das Projekt im Blogpiloten-Interview vor.
Onlinewahlkampf 09: Wahlfahrt from Blogpiloten on Vimeo. Weitere Wahlkampfinterviews gibt es hier.
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September 3 2009, 9:50am
Google? Wer ist eigentlich Google?
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Ich war in letzter Zeit wieder einmal viel unterwegs in deutsche Verlagslanden, regionale Häuser, überregionale Häuser, Print- und Fernsehmedien. Dass hierbei immer wieder die Sprache auf Google kommt ist klar, aber die Bandbreite dessen, was Journalisten, Medienmacher und Verlagsmanager wissen (wollen) oder eben nicht wissen (wollen) ist wie eine ständige Zeitreise - und das im Jahr 2009. Hier eine Auswahl:
Wieso tut eigentlich keiner was gegen diese Verbrecher? Die sollte man verbieten? Ach die paar Hanseln da in den USA, was wollen die denn schon? Die sind für uns der Tod! Wie schaffe ich es, dass Google mich findet? Wie kann ich Suchmaschinenoptimierung betreiben? Warum verdient Google eigentlich so viel Geld?
Von naiver Unwissenheit über schiere Ignoranz bis hin Angst, dann aber auch Neugier und strategische Klugheit - alles ist dabei. Bisweilen ist es mühselig gebetsmühlenartig Aufklärungsarbeit zu leisten und darauf hinzuweisen, dass es eben nicht nur Google ist, die für einen grundlegenden Wandel in der Medienlandschaft sorgen, sondern eben auch die Mediennutzer selbst. Dass hier klassische Medienmacher in einer anderen (alten) Welt leben oder zumindest Scheuklappen aufhaben, die ihnen den fundierten Blick auf die (neue) Realität der aktuellen Trends der Mediennutzung verwehren ist fatal. Fatal für die Verlage, fatal für den Journalismus und am Ende auch fatal für die Menschen, die professionellen Journalismus von ausgebildeten Redakteuren und Reportern brauchen werden, künftig mehr denn je. Während ein Großteil der aktuellen Journalistengeneration lieber einen Debatierklub darüber betreibt, wie man nun Google ignorieren kann, arbeiten andere fleissig an einer gesamtstrategie, die Google als strategisches Tool mit integriert, nur handelt es sich dabei eben nicht mehr nur um Medienunternehmen, die idealerweise noch guten Journalismus mit als Ziel haben, sondern vom Telekommunikationsriesen, PR-Brigaden, Parteiennn und eine schier unendliche Masse von Privatpersonen, die alleine oder in kleinen Gruppen eigene Onlineportale mit Erfolg auf die Beine stellen. Was in vielen Häusern auch wenig bekannt zu sein scheint: Kleinunternehmer entdecken immer mehr Google-Ads und die Möglichkeiten des Direktmarketings via Web. Während sich die einen also heutzutage fragen: “What would Google do?” fragen sich noch viel zu viele: “Google? Wer ist eigentlich Google?” Wohin die ständige Beschäftigung mit der zweiten Frage führt, kann man sich ausmalen…
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July 9 2009, 12:08pm
Interview: Ich vermisse das Nachhaken im Journalismus
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Christiane Schulzki-Haddouti ist freie Journalistin und führt das Blog Kooptech. Im Blogpiloten-Interview spricht sie über die Wandel der Medienbranche, die Misere im (Online-)Journalismus und ihre Studie zu “Kooperativen Technologien”. Christiane, auf KoopTech bloggst Du über den Wandel in der Mediengesellschaft. Wie hast Du die Veränderungen und den Wandel in den letzten Jahren in Deinem eigenen Leben und Arbeiten wahrgenommen? Ich bin seit 13 Jahren Online-Journalistin - die Veränderungen waren für mich erstmals mit der Wirtschaftskrise nach 2001 deutlich zu spüren, doch jetzt nehmen sie dramatische Ausmaße an. Um zu begreifen, was passiert und wie man den Veränderungen pragmatisch begegnen kann, habe ich mich daher mit den Hintergründen des Wandels in einer Analyse namens “Kooperative Technologien” auseinandergesetzt, die bald erscheinen wird. Kannst Du schon ein paar Kernergebnisse verraten? Schwierig, das in kurzen Worten zu fassen. Letztlich zeigt die Analyse, dass Kooperation und Kommunikation von Anfang an in der Entwicklung des Internet eine zentrale Rolle gespielt haben und wie sich entsprechend verschiedene Dienste und Techniken in den letzten Jahren evolutionär entwickelt haben. Sie analysiert über 1000 Anwendungen kooperativer Technologien nach ihren Hauptfunktionialitäten, entwirft ein Benchmarking und destilliert hieraus sieben Akzeptanz- und Erfolgsfaktoren, die in einem Modell sinnhaft dargestellt werden. Außerdem zeigt sie in fünf Szenarien (Online-Redaktion, Wissensmanagement in Unternehmen, Forschungsgruppen, Betriebliche Weiterbildung, Nicht-Regierungsorganisationen), dass diese je nach Anwendungsbereich unterschiedlich sind. Dabei stellt sie fest, dass kooperative Technologien in allen beschriebenen Bereichen als dynamische, sich rasch weiterentwickelnde Werkzeuge fungieren, die viele Lebensbereiche beeinflussen, indem sie die Art und Weise der Kommunikation und Koordination, das Planen und Managen, das Teilen und das Entstehen neuer Erkenntnisse sowie die Kollaboration kontinuierlich verändern. Damit verändern sich auch Verhaltensweisen rund um das individuelle Identitäts-, Reputations- und Beziehungsmanagement. Mit Deinem Themenfokus bist Du sehr nah an technischen, medialen und gesellschaftlichen Entwicklungen dran, die in der breiten Masse noch nicht angekommen sind. Und auch unter Journalisten scheinen diese Themen noch nicht sehr populär zu sein. Oder? Irgendwie mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die Themen, die ich im Moment sehr spannend finde, erst Jahre später im Mainstream landen - wenn überhaupt. Was das journalistische Arbeiten im Online-Bereich anbelangt konnte ich etwa vor zehn Jahren im Zuge der Recherche zur Kryptografie-Debatte und den so genannten Enfopol-Papieren, die der Vorläufer der Vorratsdatenspeicherung waren, eine grenzüberschreitende kollegiale Zusammenarbeit von freien Journalisten erleben, die jetzt im digitalen Mainstream zu spüren ist. Ich glaube, dass Journalisten sich nicht entlang von Marken, sondern entlang von Interessen besser untereinander vernetzen und damit auch wirksamer unterstützen könnten. Wichtig dafür ist natürlich auch ein vertrauensvoller Umgang. Natürlich gibt es heute neue Tools, aber wir haben noch immer kein umfassendes journalistisches Online-Modell entwickelt, das den kompletten Workflow von der Recherche bis zur Produktion sowie zum Feedback umfasst. Wir setzen daher diese Tools noch nicht bewusst genug ein. Was sind nach Deiner Erfahrung im Privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur “funktioniert?” Es gibt verschiedene Reaktionen, die ich in Summe nicht sehr ermutigend finde. Die eine typische Reaktion ist, alles als Hype zu verschreien, aber nicht genau hinzugucken, was genau passiert. Die andere besteht in purem Desinteresse. Beidem kann man nur durch einfache, pragmatische Erklärungen begegnen. Zum Beispiel? Im journalistischen Umfeld gibt es hier das Beispiel Twitter. Am Anfang hat man diejenigen belächelt oder sogar hart kritisiert, die das Tool einfach nur einmal ausprobiert haben. Jetzt ist der Umgang durch die alltägliche Praxis schon etwas souveräner. Bei welchen wichtigen gesellschaftlichen Themen im Zusammenhang mit medialen Veränderungen versagt der Journalismus aktuell? Hier gibt es unterschiedliche Ebenen - zum einen die thematische, zum anderen die methodisch-praktische. Bei den Themen vermisse ich das Nachhaken. Vieles wird nur vermeldet, aber man bleibt dann nicht mehr wirklich am Ball. Entsprechend gefallen mir natürlich Formate wie “Was macht eigentlich xy?” oder “Nachgehakt”. Ich vermisse auch im politischen Raum eine Vorfeldberichterstattung. Oft habe ich schon gehört, dass man das Thema erst machen möchte, “wenn es aktuell ist” bzw. wenn die Entscheidung kurz bevorsteht. Aber dann ist der Entscheidungsprozess ja schon so gut wie abgeschlossen. Die Medien können so nicht wirklich einen öffentlichen Diskurs gestalten. Was den Umgang mit digitalen Medien anbelangt, finde ich manches Verhalten in sozialen Netzwerken verantwortungslos. Wenn hier nach Katastrophen wie etwa dem Amoklauf von Winnenden die Bilder von minderjährigen Opfern einfach verwendet werden, ist das eine Art von digitalem Witwenschütteln, die nicht mehr akzeptabel ist. Warum glaubst Du ist der Qualiätsjournalismus bedroht? Ein Grundthema, das ich immer wieder in meinen Arbeiten finde, sind die digitalen Bürgerrechte sowie Partizipationsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich die Demokratie als etwas eher zerbrechliches empfinde, das nur durch mündige Bürger lebendig gehalten werden kann. Mündigkeit speist sich aus Wissen und umfassender Partizipation. Wenn das Lernen und die Teilhabe auf irgendeine Weise behindert werden, dann finde ich das alarmierend. Im Moment beispielsweise erlebe ich, dass Zeitungen aufgrund der schlechten Anzeigensituation nur sehr wenig Platz haben und viele Themen, die mir wichtig sind, nicht berücksichtigen können. Auch Online-Medien haben wenig Platz, weil sie ihren Honorartopf am Anzeigenvolumen orientieren. Diese Entwicklung bedroht nicht nur jetzt schon die Existenzgrundlage vieler freier Journalisten, sondern mittelfristig auch die Medienvielfalt, die für unsere Demokratie so wichtig ist. Hoffentlich können die Blogs und Social Networks sich so weiter entwickeln, dass sie einen Teil des so entstehenden Informationsdefizits wieder auffangen. Welche Potentiale und Einsatzfelder siehst Du für den (Online-)Journalismus in den Social Media Tools? Die Anwendungen werden sich so weiter entwickeln, dass jeder bzw. jede Gruppe oder jedes Unternehmen sich seine persönliche Öffentlichkeit, sein informationelles Ökosystem schaffen und optimieren kann. Insofern werden auch neue Player in der Medienöffentlichkeit auftauchen. Nicht nur Leute oder Dienste, die Aggregationen auf vielfältigste Weise vornehmen, sondern auch Menschen, Gruppen und Unternehmen, die aufgrund ihrer Glaubwürdigkeit das Vertrauen ihrer Öffentlichkeit gewonnen haben und so als wichtige Netzwerkknoten ein eigenes Agenda-Setting betreiben können. Um diese Knoten herum werden sich neue ökonomische Verwertungsmöglichkeiten entwickeln. Schon heute spielen Werbung und Sponsoring eine Rolle, vorstellbar sind beispielsweise auch Spin-Off-Produkte wie etwa eine gezielte Zusammenstellung von Informationen in ausdruckbaren Handbüchern oder Magazinen oder die Organisation exklusiver Konferenzen, die beispielsweise nur für Premium-Mitglieder stattfinden. Was das journalistische Arbeiten anbelangt, kann ich mir vorstellen, dass Journalisten gezielt für aufwändige und anspruchsvolle Recherchen engagiert werden. Neue Aufgaben gibt es sicherlich auch im Bereich technisch unterstützter Aggregationsdienstleistungen oder eines Communitymanagements, das mit einer Art Crowd Reporting umgehen muss. All dies wird sich vermutlich zunächst in thematischen Nischen abspielen und über eine Kombination von crossmedialem Verlagsengagement, Sponsoring und Werbung finanzieren. Aber all diese Veränderungen werden wir nicht von einem auf den anderen Tag erleben, sondern nur in einem eher schleppenden, teilweise auch mühsamen Prozess, der sicherlich auch zahlreiche Umbrüche mit sich bringen wird. Verwandte Artikel
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