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Interview: Alexander Hüsing über deutsche Startups

„Business Angels, Copycat, Venture Capital, Exit“ … die Startup-Landschaft hat eine sehr spezielle Logik. Hier treffen naive Gründerträume auf knallharte Verwertungs-Absichten, Gründer müssen Anträge stellen können und es schaffen, Investoren Dollar-Zeichen in die Augen zu projizieren. Alexander Hüsing beobachtet auf Deutsche-Startups.de seit Jahren die Szene, hat Hypes, Tops und Flops miterlebt. Er gibt Auskunft über Trends und Strukturen des deutschen Startup-Markts.

Als Gründer hat man lange Zeit davon geträumt, ins Silicon Valley zu gehen. Im Moment heißt es immer wieder, dass Berlin international im Kommen ist. Wie schätzt du das ein? Zumindest im europäischen Bereich ist Berlin mittlerweile als Startup-Metropole führend. Da kann selbst London nur noch von unten herauf schauen. Eine Firma wie Soundcloud wurde nicht dort gegründet, wo die Gründer herkamen, sondern in Berlin. Das sagt viel über den Ruf aus, den Berlin mittlerweile hat. Wie kommt das? Berlin bietet immer noch extrem gute Rahmenbedingungen. Es ist vergleichsweise günstig. Es sind viele kreative und internationale Leute in der Stadt. Ein Startup, das nicht nur auf den deutschen Markt ausgerichtet ist, findet in Berlin gut Mitarbeiter. Der Inkubator Rocket Internet ist aus diesen Gründen in Berlin entstanden. Wie sieht die deutsche Startup-Szene im Vergleich mit anderen Ländern aus … ist sie größer, kleiner, innovativer, technischer? Innovativer wahrscheinlich nicht. Das ist ja der große Vorwurf an die deutsche Gründerszene. Vielleicht sind wir Deutschen technischer. Viele Ideen sind technisch anspruchsvoll, aber optisch nicht gut umgesetzt sind. Das können Amerikaner besser. Kannst du thematische Cluster bei deutschen Gründungen erkennen? Es gab in den letzten Jahren zwei große Themen: das erste ist Ecommerce, allen voran Zalando. Das zweite wichtige Thema sind Games. Browser-Games kommen aus Deutschland und wurden von Bigpoint und Gameforge weltweit zum Erfolg geführt. Mittlerweile gibt es deren Spiele rund um den Globus. Mit Wooga ist in Deutschland in den letzten Jahren ein extrem erfolgreiches Social Game-Startup entstanden. Auch wenn nicht jedes Startup ein Erfolg wird, werden die beiden Branchen auch in den nächsten Jahren noch gigantische Wachstumsraten vorweisen. Es gibt den Vorwurf an die deutsche Gründerszene, dass oft einfach US-Konzepte kopiert werden. Was ist da dran? Das ist kein Vorurteil, das ist so. In Deutschland wird viel geklont. Wieso ist das Klonen so verbreitet? Deutsche Investoren finanzieren gerne Konzepte, die woanders schon funktionieren. Das ist ein Problem. Das Wort Risikokapital wird in Deutschland zu wenig beim Namen genommen. Es fällt leichter, etwas zu finanzieren, bei dem man absehen kann, wie es sich entwickeln wird. Es ist halt ein Risiko, in komplett neue Ideen zu investieren. Allerdings steckt immer eine Herausforderung dahinter, ein Copycat in den Markt zu drücken. Es gibt es Sachen, die funktionieren als US-Gründung, aber nicht als deutsche Kopie. Wo sind denn die zwölf Twitter-Klone aus Deutschland, die es mal gab? Die sind alle gescheitert. Fallen dir große deutsche Startups ein, die keine Klone waren? Man kann sich streiten: ist Xing ein Klon von LinkedIn, ist Wooga ein Klon von Zynga? Das sind alles keine 1:1-Kopien. Es gibt immer eine Grundidee, die gleich ist. Die Umsetzung ist dann entscheidend. Ansonsten wäre jedes Auto, das nach dem Benz produziert wurde, ein Copycat. Aber kennst du erfolgreiche Startups, die so eindeutig keine Kopien sind, dass man gar nicht erst eine Copycat-Definition bemühen muss? Erento ist ein gutes Beispiel. Vorher gar es keinen Miet-Marktplatz, der auch nur ansatzweise so erfolgreich war. Und es gibt auch noch Dutzende anderer Beispiele. Mymuesli ist komplett in Deutschland entstanden und wurde mittlerweile auch in den USA kopiert. Es geht also auch anders herum. Wie sieht der idealtypische Lebenslauf eines deutschen Startups aus? Am Anfang steht oft das bekannte “Family, Friends and Fools”-Kapital. Viele Startups durchlaufen eines der verschiedenen Förderprogramme. Irgendwann kommen dann in den meisten Fällen Business Angels und Risiko-Kapitalgeber hinzu. Es gibt also eine bestimmte Startup-Verwertungskette … eigenes Kapital, eventuell Förderung, dann Finanzierung und irgendwann der große Verkauf. Gehen wir die Glieder dieser Kette durch: wie effektiv sind die verschiedenen Förderstrukturen? Es gibt reichlich Förderprogramme in Deutschland. Man kann als Gründer viel an staatlicher Unterstützung mitnehmen. Allerdings sind Förderstrukturen zweischneidig. Man muss viel Papier wälzen, viele Anträge ausfüllen, das bindet unglaublich viel Zeit. Wer aber das Kapital braucht, muss sich die Zeit einfach nehmen. Ein großes Problem sind die Rahmenbedingungen. Man muss das Startup so aufbauen, dass es die Bedingungen der verschiedenen Förderprogramme erfüllt. Bei einigen darf man die Firma noch nicht gegründet haben, bei anderen muss man sie schon gegründet haben. Wie wirkt sich Exist, das bekannteste Förderprogramm, aus … entwickeln sich die geförderten Startups besser als andere? Ich glaube, keines der großen Startups aus Deutschland, das spektakulär verkauft worden ist, war Exist-gefördert. Das waren Firmen, die von Anfang an mit Risiko-Kapital aufgebaut wurden. In den meisten Fällen lassen die sich auf solche Sachen nicht ein. Es gibt eher den umgedrehten Fall: Exist-geförderte Startups durchlaufen alle Förderprogramme, beweisen, dass ihr Konzept funktioniert und nehmen danach noch Kapital auf. An zweiter Stelle der Kette stehen die Investoren: Business Angels und Venture-Capital-Geber (VCs). Welche Rolle spielen die? Business Angels und VCs sind in der Regel selbst Gründer gewesen, die erfolgreich Startups aufgebaut und verkauft haben. Sie bringen nicht nur Kapital ein, sondern im besten Fall auch Wissen. Business Angel-Geld ist das Startkapital für die ersten Wochen oder Monaten, in den meisten Fällen eine niedrige fünfstellige Summe. Venture-Capital-Geber investieren im Anschluss daran sehr viel mehr, oft sechs- oder siebenstellige Summen. Wie sieht das Geschäftsmodell der Investoren aus? Aus einem Großteil von deren Investements wird bekanntlich nichts … Ganz einfach: sie investieren Geld und wollen daraus mehr Geld machen. Und ja, ein Großteil geht pleite. Man kann in etwa sagen: von zehn Startups ist eines der Überflieger, sieben verschwinden, der Rest pendelt zwischen okay und ganz gut. Deswegen brauchen die Investoren immer ein Startup, das mindestens den zehnfachen Einsatz einbringt. Wie kommen Startups und Kapitalgeber miteinander in Kontakt? Meistens funktioniert das auf Zuruf. Wenn ich jemanden kenne, kann ich ihn fragen, ob er mein Startup spannend findet. Wenn er das Team und die Idee gut findet, investiert sie auch. Die wenigsten wollen endlose Präsentationen und einen 300-Seiten-Businessplan lesen. Es gibt genügend Beispiele, bei denen das alles innerhalb weniger Wochen funktioniert hat. Wie groß ist der deutsche Kapitalmarkt für Startups? Die Venture-Capital-Szene in Deutschland ist sehr überschaubar, und es wird weit weniger Kapital investiert als in den USA. Von dort liest man ständig, dass ein Startup 25 Millionen, 70 Millionen oder 100 Millionen bekommt. Hier sind schon Investitionen über 5 Millionen eine Riesennummer. Allerdings sind in den letzten Jahren viele neue Player hinzu gekommen, auch VC-Firmen aus Frankreich, Großbritannien oder der USA, die sich den deutschen Markt anschauen. Wieso ist die Szene so klein? Gibt es zu wenig Startups, die die Branche attraktiv machen, fehlt es an frei verfügbarem Kapital? Geld ist auch in Deutschland da. Es gibt genügend Fonds, die dreistellige Millionenbeträge verteilen könnten. Woran liegt es? Die Risikobereitschaft in den USA ist einfach größer. Wie wirkt sich auf Aufnahme von Kapital auf die Startups aus? Fremdes Kapital bedeutet auch immer Fremdbestimmung. Die entscheidende Frage als Gründer ist: will ich mich darauf einlassen? Dann muss ich das Spiel mitspielen. Der einen Finanzierungsrunde folgt dann die nächste. Gerade bei VC-Kapital ist klar, dass das Unternehmen auf Exit getrimmt wird, also auf Verkauf. Die Kapitalgeber zielen darauf hin, dass Startup irgendwann abzustoßen und das große Geschäft zu machen. Das ist die letzte Stufe der Startup-Verwertungskette. Wer kommt als Käufer infrage? Die Käufer deutscher Startups waren in den letzten Jahren oftmals Medienhäuser. Sie sind immer noch extrem wichtig. Aber auch die großen US-Unternehmen schauen mittlerweile verstärkt nach Deutschland. DailyDeal ist vor kurzem für 150 Millionen Dollar an Google verkauft worden, Brands4friends an Ebay. Die haben verstanden, dass es hier interessante Dinge gibt, die sie kaufen können. Es gibt also im Grunde genommen zwei Gruppen von Käufern: deutsche Medienkonzerne und große US-Online-Unternehmen … Manchmal verkauft man auch direkt an das Unternehmen, das man kopiert hat. So war es beim Verkauf von Citydeal an Groupon, Reden wir über die Gruppe der deutschen Medienkonzerne. Es entsteht leicht der Eindruck, dass sie nicht sonderlich viel Geschick im Umgang mit Startups haben. Als Holtzbrinck den damaligen Überflieger StudiVZ gekauft hatte, ging dessen Erfolgsgeschichte schnell zu Ende. Was läuft da schief? Wenn man als Medienhaus oder Großkonzern einem Startup seine Kultur überstülpt, ist es wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Das kann nicht funktionieren. Was würde funktionieren? Man muss dem Startup seine Kultur und seine Identität lassen. Das müssen die Medienhäuer noch lernen. Am besten es es, die Gründer langfristig zu binden, nicht nur die üblichen drei Jahre. Vielleicht kauft man zu einem früheren Zeitpunkt und schaut, dass man dem Startup seine Freiheit lässt. Man kann den Medienhäusern in Deutschland immer wieder vorwerfen, dass sie nicht selbst erfolgreiche Startups gründen, aber Konzerne mit mehreren Unternehmen haben nicht mehr die Strukturen, wie ein Startup zu denken. Das Problem ist also weniger, dass es sich bei den Käufern um Medienkonzerne im speziellen handelt, die Konzernstruktur als solche ist verantwortlich … Ja. Konzerne können nicht wie ein Startup denken. Deswegen müssen sie kaufen. Auch etablierte Internet-Unternehmen sind nicht zwangsläufig erfolgreich. Da passen einfach die Strukturen nicht mehr. Web.de hat vor ein paar Jahren versucht, mit “Unddu” ein Social Network aufzubauen – und ist gescheitert. Was müsste sich insgesamt ändern, damit deutsche Startups bessere Rahmenbedingungen haben? Die deutsche Szene braucht mehr Gründer, die erfolgreich waren und dann selbst investieren. Das gilt für deren Geld genau so wie für das Wissens-Kapital, das sie weitergeben. Klar, der Xing-Gründer Lars Hinrich investiert mittlerweile. Es gibt auch andere erfolgreiche Gründer, die das machen. Aber von denen brauchen wir noch viel, viel mehr. Was würdest du neuen Startups mit auf den Weg geben? Ein Gründer sollte Leidenschaft mitbringen. Wenn das Bauchgefühl bei der Idee, beim Design oder der Umsetzung Nein sagt, sollte man es lieber nicht machen. Das gilt auch für den Umgang mit Business Angels und VCs. Ansonsten müssen wir in Deutschland lernen, nicht so lange über Ideen und Konzepte nachdenken, sondern einfach mal auszuprobieren. Oftmals ergeben sich daraus ganz andere Sachen, das haben uns amerikanische Gründer immer noch voraus. Flickr war am Anfang keine Foto-Tauschbörse. Die Gründer haben dann aber gemerkt, dass die Nutzer am liebsten Fotos darüber tauschen. Du meinst, die deutschen Gründer wollen erst ein perfektes Konzept basteln … Richtig. Darin sind wir gut: uns hinter verschlossenen Türen aufzuhalten und monatelang oder jahrelang am Konzept zu feilen. Ich kenne alle Bedenken, man will nicht mit anderen über die Idee reden, damit die keiner klaut. Aber wenn man nicht über seine Idee redet, schmort man im eigenen Saft. Man muss einfach raus. Das beste Feedback bekommt man vom Markt.

October 14 2011, 10:00am

2 Stunden mit J. Assange & S. Zizek

Information Is Power: Der Philosoph Slavoj Žižek und Julian Assange in einem jetzt schon legendären zweistündigen Gespräch mit der journalistin Amy Goodman von Democracy Now vom 2. Juli 2011:

Watch live streaming video from democracynow at livestream.com

July 4 2011, 10:13am

INTERVIEW: Constanze Kurz zu Datenschutz

Auf der re:publica11 hat Constanze Kurz vom CCC den Netzpiloten und dem SAE-Team ein Interview zum Thema persönliche Daten, deren Schutz bzw. Transparenz der Speicherung gegeben.

May 20 2011, 10:15am

Interview Björn Waide: Das neue Xing

Anläßlich des baldigen Auftritts von Xing im neuen Gewand haben wir Björn Waide, den Senior Product Manager bei Xing befragt, was alles in Zukunft anders wird.

Björn, als Senior Product Manager bei Xing, was macht man da eigentlich? Welche Produkte betreust Du?

Als Produktmanager für das neue XING sorge ich dafür, dass vom Konzept bis zum Design ein Produkt entsteht, das unseren Mitgliedern wirklich etwas bringt und unseren Ansprüchen gerecht wird. Neben diesem ganzheitlich orientierten Anliegen verantworte ich mit meinem Team speziell noch die Startseite und das XING-Profil, also wesentliche Bestandteile unserer Plattform. Im Einzelnen zählt es zum Aufgabenbereich der Product Manager bei XING unter dem Dach langfristiger strategischer Überlegungen konkrete Ideen und Vorschläge (zum Beispiel in Kundengesprächen, durch Supportanfragen oder ein klassisches Brainstorming im Team) zu katalogisieren und zu priorisieren, und daraus ein kohärentes Produkt zu entwickeln. Gemeinsam mit den Designern werden die anliegenden Features entsprechend spezifiziert und in unserer User-Experience-Abteilung mit Nutzern getestet, ehe man sie im engen Kontakt mit den Entwicklern das Licht der XING-Welt erblicken lässt. Alle arbeiten dabei auf diesen Punkt hin. Wie sind die Zugriffs- und Nutzerzahlen bei Xing. Seid Ihr zufrieden? Wir sind gegenwärtig sehr zufrieden – wie bei unseren Quartalszahlen Q1/2011 gezeigt: So stieg die Zahl der Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 215.000 auf rund 4,7 Mio. – das stärkste Mitgliederwachstum seit acht Quartalen. LinkedIn gewinnt aktuell weltweit viele neue Nutzer hinzu, nach langer Stagnation. Ist das Euer direkter Konkurrent oder positioniert Ihr Euch eher an Facebook? Unsere Positionierung ist glasklar: Wir sind ein berufliches Netzwerk und spielen damit auf einem anderen Feld als private Netzwerke. Die Trennung zwischen einer beruflichen und einer privaten Existenz im Netz ist klar im Interesse unserer Zielgruppe. Unser Kernmarkt ist der deutschsprachige Raum. Hier sind wir mit deutlichem Abstand Marktführer und wachsen weiterhin schneller als alle anderen beruflichen Netzwerke. Sicher werden jetzt alle sagen, dass Euer Design sich an Facebook orientiert, weil ihr oben die Mitteilungsfunktion positioniert habt, genau wie dort. Auch einige andere grundlegende Strukturelemente erinnern an Facebook. Das ist seltsam, wo doch gerade Facebook selbst als schlechtes Beispiel für Benutzerfreundlichkeit gilt… Grundsätzlich bleiben wir auch beim neuen XING in der großen Interaktions- und Informationsarchitektur komplett eigenständig und folgen dem “mentalen Modell” der Nutzer, wie wir es in zahlreichen Interviews und Nutzertests. Das Layout ist aufgeräumt und trennt in seinem klaren Aufbau persönliche Inhalte (XING-Leiste) von der allgemeinen Seitenstruktur. Wir haben bei der Entwicklung Prinzipien des mobile Designs verwendet: Jede Seite hat /einen/ zentralen Inhalt, mögliche weiterführende Aktionen sind in einem dedizierten Bereich abgelegt. Darüber hinaus haben in letzter Zeit schlicht state-of-the-Art-Funktionen, welche die Nutzer in social media gewohnt sind, auch auf das berufliche Netzwerken in XING übertragen. Ist das Design eine Vorstufe zu HTML5 oder zu einem einheitlichen Design, sodass man keine App mehr braucht, sondern der Inhalt, der links und rechts neben dem Hauptinhalt ist, der wandert bei kleineren Screens auf dem iPad oder Smartphones einfach automatisch nach unten? Oder werdet Ihr weiterhin parallele Apps entwickeln. HTML 5 und CSS 3 stellen ja ein ganzes Konvolut an verschiedenen Features und Techniken, von denen wir einige schon derzeit einsetzen. Selbstverständlich stehen wir als Business-Netzwerk mit einer breiten Zielgruppe auch vor der Herausforderung, dass unsere Infrastruktur auf möglichst vielen Browsern mit unterschiedlichen Standards funktional sein und bleiben muss. Für Smartphones haben wir wahlweise native Apps (Android, iOS) oder eine plattformübergreifende Lösung auf jquery-mobile-Basis (touch.xing.com). All diese Lösungen werden von einem dedizierten Team stetig weiterentwickelt. Mit unserem Plattform-agnostischen Ansatz liefern wir für jene Dienste, die unsere Mitglieder nutzen, ohne uns in eine Richtung zu verbeißen. Eine der Grundideen für das neue XING war es, die Benutzung auch auf touch-basierten Geräten zu vereinfachen, indem zum Beispiel eine Breite von 1024 Pixeln (iPad-Format) genügt und Mouseover-Effekte weniger dominant zum Einsatz kommen. Diese skizzierten Wege werden wir auch künftig weiter einschlagen: Ein sinnvoller Einsatz moderner Technologie, der möglichst viele unserer Mitglieder erreicht und jeweils das bestmögliche Erlebnis für die jeweilige Plattform erzielt. Habt Ihr besondere Aktivitäten oder Produkte in der Pipeline, die das mobile Web adressieren. Ich denke dabei auch an die ganzen Location-Based-Services zum Beispiel beim Unterstützen von Events wie Messen etc. In dem Bereich gibt es sicher viele sinnvolle Anwendungen – wir haben mit unserem HTML5-basierten mobile Handshake im September 2010 schon eine solche auf den Weg gebracht, die plattformübergreifend mobile Vernetzung ermöglicht. Gerade in diese Richtung werden wir sicher weiter gehen. Aber: Konkrete Produkte kündigen wir erst an, wenn es so weit ist. Wie siehst Du die Entwicklung sozialer Netzwerke im Allgemeinen? Neben der Diskussion rund um Privacy und Urheberrechten wird das Netz ja immer mehr zur Plattform für Kommunikation UND Information. Kann das auch das Zusammenleben beeinflussen oder ist es einfach “nur” ein Zusammenwachsen vorher getrennter Kanäle? Der Boom sozialer Netzwerke ist weiter ungebrochen und setzt sich quer durch die Gesellschaft fort, und es gibt verschiedene Anwendungsszenarien und -bereiche, auch bei XING. Siehst Du ein next big thing? Vor allem in Bezug auf enterprise 2.0… Was genau ‘das nächste große Ding’ sein wird, kann ich mangels Kristallkugel gerade nicht sagen. Wir richten uns darauf aus, die kurzfristigen wie langfristigen Trends in der social media Welt und ihre Relevanz für unsere Kunden zu erkennen. Wir sehen, dass Menschen Ihr berufliches Profil dort pflegen und nutzen wollen, wo sie es beruflich benötigen – also zum Beispiel mobil oder im Outlook-Postfach. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, Kunden oder Mitarbeiter dort zu erreichen, wo sie sind. Das ist unser Umfeld, hier bauen wir unser Angebot auch künftig weiter konsequent aus.

May 20 2011, 9:45am

Interview: Cyberwar – Sandro Gaycken

Auf der re:publica11 haben die Netzpiloten zusammen mit dem SAE Institute ein Interview zum Thema Cyberwar geführt:

May 17 2011, 10:00am

Inside Job – The Official Trailer!

How Wall Street Bankers corrupted the system, and escape prosecution. Yesterday i watched the documentary film “Inside Job”. I haven’t seen a better film of the shocking truth behind the economic crisis of 2008, until now. Watch it!

April 19 2011, 12:00pm

Stefan Schultz über Fragen der Energiewende

Der Spiegel-Redakteur Stefan Schultz erklärte auf der re:publica11 seine Sicht auf die Energiewende, Smart Grids sowie Smart Metering (also das Verbinden von Web und Stromverbrauchsmessung):

April 19 2011, 10:32am

Prof. M. Haase über Freies Wissen & Wikipedia

Auf der re:publica11 hat uns Prof. Martin Haase seine Ansichten zu Wikipedia und freiem Wissen im Netz erklärt.

April 18 2011, 10:15am

Interview on Web: Society & Technology

Video-Interview mit Nishant Shah vom Center for Internet and Society in Bangalore, Indien. Themen sind der Kontext von Webtechnologien und dem alltäglichen Leben der Menschen überall auf der Welt – vor allem bezogen auf den Begriff digital natives, den Shah eher kritisch neu interpretiert:

Untitled from Netzpiloten on Vimeo.

March 16 2011, 10:00am

Netzpiloten-Interview: Monika Horten

Die britische Wissenschaftlerin Monika Horten beschäftigt sich mit den Gesetzen der EU rund um das Thema Urheberrecht und die möglichen Sanktionen der Staaten gegenüber Filesharern und Raubkopierern, also der Themenbereich “Three Strikes” aus europäischer Sicht: Wie setzen Lobbys via öffentlicher Gesetzgebung ihre Wünsche durch beim Urheberrecht.

January 20 2011, 9:30am

Xmas-Interview : David Frost meets Julian Assange

See and hear for yourself how and why Julian Assange is engaged in disclosing information (22.12.2010): embed src="http://www.youtube.com/v/U6mcSXge4Qo?fs=1&hl=de_DE&rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="290">

December 23 2010, 2:56pm

How to be a Social Media Change Agent

Josh Bernoff ist Vizepräsident und Principal Analyst bei der Unternehmensberatung und Marktforschung Forrester Research (bekannt durch die Autoren des Buches Groundswell). In einem 10minütigen Video-Interview erklärt er seine Auffassung vom Kontext zwischen Social Media und Change Management….

December 6 2010, 2:41pm

Der Longtail von Blogs ist schon vorhanden

Im März 2007 verkündet Frank Westphal, dass auch die deutsche Blogosphäre von nun an einen eigenen Meme-Tracker hat, vergleichbar mit dem US-Vorbild Techmeme. Aus den vielen täglichen Tausenden Blog-Posts filtert er die heraus, die zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten diskuttiert werde – Rivva geht an den Start.  Ähnlich wie bei Jens Schröder habe ich aus einem Experten-Interview für meine Magisterarbeit zur Ökonomie von Blogs ein publizistisches Interview gebastelt. Im ersten Teil redet Frank Westphal über die verschiedenen Rivva-Quellen und den  den Leitmedien-Index sowie über die aktuellen Entwicklungen des Meme-Trackers sowie über sein Roh- und Arbeitsmaterial Blog- und Twitter-Links. Was ist Rivva? Rivva ist eine Aggregationsseite, die versucht, herauszufinden, was tagesaktuell in Blogs und in den Twitterstreams diskutiert wird. In welchem Verhältnis stehen die Seiten, die du bei Rivva beobachtest, zur Gesamtblogosphäre? Ich beobachte im Moment ungefähr 7.000 Blogs, davon sind vielleicht 6.000 deutschsprachig und 1.000 englischsprachig. Das ist im Verhältnis zur Gesamtblogosphäre ein marginaler Teil…

Wie viele deiner Quellen sind überhaupt Blogs? Zumindest im Rivva-Leitmedien-Index finden sich sehr viele Online-Auftritte klassischer Medien. Natürlich gibt es im Leitmedien-Index Top-Quellen wie Spiegelonline oder taz.de, die dominieren, „etabliert-publizistische Angebote“, wie sie Jan Schmidt in seiner Analyse genannt hat. Der Long Tail von Blogs ist bei Rivva aber schon vorhanden, wenn auch nur schwach. Das ist das Prinzip eines Meme-Trackers, der schaut, wer am meisten Links und am meisten Aufmerksamkeit erhält.

Was sagt der Leitmedien-Index aus? Der Index war letztendlich ein Abfallprodukt, das statistisch zusammenfassen sollte, welche Quellen den besten Stand auf der Titelseite von Rivva haben. Er sagt aus, welche Seiten in den letzten hundert Tagen mit welcher Präsenz auf der Rivva-Titelseite standen. “Am Anfang hab ich Nachrichten-Seiten wie Spiegelonline draußen gelassen und nur reine Blogs berücksichtigt. Gewisse relevante Stories sind dann aber rausgefallen. Deswegen habe ich gesagt, okay, ich ich nehme die großen Medienseiten mit ins Angebot.” (Ins Original-Interview hineinhören)

Wie entsteht er? Um dort eine hohe Position zu erlangen, muss man erst einmal auf die Rivva-Titelseite kommen. Diese Hürde ist je nach Ressort größer oder kleiner. Darüber hinaus wird aggregiert, wie oft die Quelle mit Beiträgen auf der Titelseite stand. Wenn Spiegelonline eine Präsenz von 5% hat, heißt das, dass in den letzten hundert Tagen jede zwanzigste Story von Spiegelonline gekommen ist – vereinfacht gesagt. Es fließt auch noch die „Fläche“ der jeweiligen Stories ein. Wenn eine Geschichte viele Reaktionen bekommt, nimmt sie deswegen sie auch viel Raum auf der Titelseite ein. Bei Rivva sind mit der Zeit verschiedene Arten von Quellen hinzugekommen. Wie hat sich das entwickelt? Am Anfang hab ich Nachrichten-Seiten wie Spiegelonline draußen gelassen und nur reine Blogs berücksichtigt. Gewisse relevante Stories sind dann aber rausgefallen. Deswegen habe ich gesagt, okay, ich nehme die großen Medienseiten mit ins Angebot. Dann gab es Stories, die ebenfalls relevant waren, bei denen die deutschen Blogger allerdings direkt auf die englische Originalquelle verlinkt haben, also habe ich auch diese Quellen mit aufgenommen. Und schon sehr früh war abzusehen, dass auch Twitter mit in den Algorithmus hinein muss. Zuerst habe ich nur bestimmte Twitterer als weiteres Signal aufgenommen und schließlich einen eigenen Twitter-Bot gebaut. Wenn man sich die Reihenfolge der deutschen Blogs im Rivva-Leitmedien-Index anschaut und sie mit dem Ranking der Deutschen Blogcharts anschaut, zeigen sich, bis auf die gemeinsame Nummer Eins Netzpolitik, sehr starke Abweichungen. Wie kommt das? Das einzige, was im Leitmedien-Index gerankt wird, sind Top-Stories. Da ist Zeit ein wichtiger Faktor. Eine Story, die erst nach drei, vier Tagen Links aggregiert oder erst nach 60 Tagen bekannt wird, ist für Rivva schon völlig uninteressant geworden. Bei den Blogcharts von Jens Schröder ist das egal, sieht man von der 26-Wochen-Grenze ab, nach der Backlinks verfallen. Deswegen ist der Index schwer mit den Deutschen Blogcharts vergleichbar.

Wie in den Blogcharts dominieren auch bei Rivva selbstreferenzielle Blogs zu Medien und Internet. Wie kommen diese strukturellen Effekte? Letztendlich geht das auf die Keimzelle von Rivva zurück. Ursprünglich waren sieben Urgestein-Blogs dabei, Spreeblick, Lumma, Blogbar, Basic Thinking, Wirres und so weiter. Davon ausgehend hat der Rivva-Bot nach dem Peer-to-Peer-Prinzip weitere hinzugenommen, so dass der Pool über die Zeit organisch gewachsen ist. Wenn ein Blog im Index andere Blogs verlinkt, kann er die damit empfehlen, quasi nominieren. Der Grund, wieso andere thematische Sphären kaum vertreten sind, ist einfach, weil es keine Vernetzung zu denen gibt. Es gibt allerdings ein paar Hubs, die verschiedene Sphären miteinander verbinden. Ganz spannend ist in dem Zusammenhang Les Mads. Das Mode-Blog … Das ist ein Bindeglied, der die Mode-Blog-Welt mit der anderen „großen“ Blogosphäre verbindet. Die Mode-Blogs selbst funktionieren nach anderen Regeln. Was machen sie anders? Zum Beispiel unterscheidet sich die Verlinkungsstruktur. Die meisten Mädchen und Frauen, die ein Mode-Blog schreiben, verlinken nicht auf Artikel-Ebene, sondern auf die Startseite. Das funktioniert, weil die Blogs offensichtlich sehr schnell gelesen werden, und das aktuelle Blogposting dann noch oben steht. Ein anderes Beispiel ist, dass sehr viele Mode-Blogs bei Blogspot gehostet sind. Ich hab einen eigenen Mode-Kanal aufgemacht, weil ich mehr darüber herausfinden wollte. Das ist eine der spannendsten Entwicklungen in der ansonsten eher eingeschossenen Blogwelt. Aber solche Hubs wie Les Mads gibt es in anderen Bereichen nicht, etwa bei Strickblogs und anderen Hobby-Blogs. Vor kurzem hast du wegen ausbleibender Einnahmen die Zahl deiner Server reduziert und angekündigt, dass du einige Funktionen abschalten wirst. Wieso ist es so schwierig, Rivva zu monetarisieren? Rivva befindet sich in einer blöden Grauzone.  Weil ich keine eigenen Inhalte produziere und der Vermittlerrolle zu wenig Wert beigemessen wird, ist mein Spielraum eingeengt, Stichwort Leistungsschutzrecht. Hinzu kommt, dass Nachrichten als solches im Netz als Massenware gehandelt werden.  Die News, die jeder hat, ist aus informations-theoretischer Sicht nichts mehr wert.  Davor schützen auch keine Paywalls.  Nachrichten sind wie Wasser – sie suchen sich ihren Weg. Würdest du Rivva gerne monetarisieren? Wünschenswert wäre es, weil ich so noch weiter an dem Projekt arbeiten könnte. Aber da kommt mir eine Passage aus Lord of the Rings in den Kopf, als Elrond zu Arwen sagt: “That future is almost gone.” Von Doc Searls habe ich mal gelernt, dass man nicht unbedingt MIT einer Sache Geld verdienen muss, man kann es auch WEGEN ihr.  Rivva ist ja im Grunde nur eine Technologie-Blaupause, auf deren Basis man auch noch andere Anwendungsfälle hätte entwickeln können.  Lange Zeit hatte ich gehofft, White-Label-Lizenzen könnten die Weiterentwicklung retten, aber die dafür nötige Experimentierfreude war nirgendwo vorhanden. Wie war die Resonanz bei den Sponsorposts? Großartig.  Die ersten vier Monate waren schwupps ausgebucht. Doch nach dem Traumstart fiel das Interesse genauso schnell auf Null.  Da war für mich klar, okay, das waren die 20 Unterstützer, die du und dein Projekt haben.  Und das war es. Was ist mit anderen Optionen? Also: klassische Werbung oder ein Freemium-Modell für Nutzer? So Werbebannerzeug passt einfach nicht zu Rivva, es passt eigentlich nirgendwo.  Die Sponsoren-Artikel dagegen passten zu 100% ins Konzept.  Wer es nicht auf organische Weise auf die Seite schafft, schaltet eben gegen einen kleinen Obolus Werbung. Zur Nutzerfinanzierung: Ich wollte nie, dass die Rivva-Leser für den Dienst aufkommen, sondern jene, die von deren Aufmerksamkeit am meisten profitieren. Wie hoch ist dein Aufwand für Rivva? Ich hab die letzten drei Jahre ziemlich viel Zeit hineingesteckt, ich hab letzten Endes nichts anderes gemacht. In Stunden kann ich das nicht genau ausdrücken. Wie ist das Verhältnis von Algorithmus und manuellen Eingriffen bei Rivva? Das lässt sich schwer abschätzen. Die ersten drei Jahre habe ich alle Strukturen, nach denen Entscheidungen getroffen werden, in den Algorithmus gegossen. Doch das hat wahnsinnig viel Zeit gekostet, die ich lieber in andere Sachen stecken wollte. Mittlerweile automatisiere ich nicht mehr alles. Vor ein paar Monaten hab ich zum ersten Mal gesagt, da ist eine Story, die es zwar vom Algorithmus nicht auf die Titelseite schafft, von der ich aber glaube, dass Rivva die Story führen sollte. In solchen Fällen drücke ich einfach auf den Publish-Knopf. Du greifst also durchaus auch aktiv ein. Ich hab eine redaktionelle Rolle, ja. Während die Blogcharts ausschließlich Backlinks von Blogs betrachten, kommen bei Rivva noch Empfehlungen von Twitter und Nachrichten-Seiten hinzu. Auf Grundlage des Rivva-Algorithmus entsteht so eine permanent aktualisierte „Zeitung der Blogosphäre“. Im zweiten Teil des Interviews  macht sich Frank Westphal, wie zuvor Jens Schröder, Gedanken über den spezifischen Wert von Links sowie über Faktoren und Strategien für deren Aggregation. Rivva betrachtet Tweets und Empfehlungen von Blogs. Wie unterscheiden sich Twitter- und Bloglinks? Was die Schnelligkeit angeht, sind Twitter-Links deutlich überlegen. Twitter geht aber gleichzeitig sehr in die Breite, es wird viel Boulevard-Zeug angespült. Man merkt, dass der Twitterer ein bisschen mainstreamiger ist als der Blogger vorher. Twitter hat eine andere Gruppe von Leuten angesprochen, sich in die partizipativen Medien einzumischen. Was ist mit Facebook-Links? Facebook ist bis jetzt noch nicht spannend genug. Es ist zu mainstreamig, es kommt zu viel Senf nach oben, also Dinge, die meiner Meinung nach nicht zu Rivva passen. Ich sehe im Moment nicht, was das an Mehrwert gegenüber Twitter hätte. Worin siehst du den Wert von Links? Es geht um die bloße Aufmerksamkeit, würde ich sagen. Natürlich liegt es dann aber am entsprechenden Anbieter, mit der Aufmerksamkeit etwas zu machen. Es ist halt die Frage, wie kann man das ummünzen. Und wie münzt man es um? Bei vielen Techblogs und Medienblogs, bei Thomas Knüwer und anderen, ist es vielleicht so, dass die Blogger als Berater arbeiten und darüber ihr Geld verdienen. Das Blog dient quasi als Werbung für sich selbst. Ähnlich ist es auch bei anderen Selbständigen, bei Lawbloggern etc.. Die haben durchs Bloggen einen großen Vorteil: wenn jemand von den Lesern Bedarf nach Beratung hat, ist die Chance relativ groß, dass der sich an jemanden wendet, den er schon lange liest. Anders ist es bei einem Schulblogger, der 18 Jahre alt ist und sein Tagebuchblog mit Fundstücken aus dem Netz führt. Der kann das nicht so einfach ummünzen. “Auch die Tugend der ,Via’-Links ist zurückgegangen— dass man seine Quellen wirklich nennt, wenn man etwas von einem anderen Blog übernimmt.”

Seit einiger Zeit gehen die Verlinkungen innerhalb der Blogosphäre zurück. Jens Schröder erklärt sich das Phänomen größtenteils mit Twitter. Wie siehst du das? Ähnlich. Die Leute streuen ihre Aufmerksamkeit immer breiter, gemäß dem „Law of Raspberry Jam“: „The wider any culture is spread, the thinner it gets.“ Mittlerweile buhlen diverse web2.o-ige Dienste um deine Aufmerksamkeit … Xing, Facebook, Twitter und so weiter, da hat man weniger Zeit für das eigene Blog. Viele Dinge, die vorher in einem Blogpost gelandet sind, landen heute bei Twitter. Das hat teilweise dazu geführt, dass die Qualität auf Blogs wieder zugenommen hat, weil das witzige Youtube-Video eben bei Twitter landet und nicht im Blog. Ein weiterer Grund ist, dass die schöne Vernetzungs-Kultur insgesamt ein bisschen verloren gegangen ist. Vernetzungskultur? Vor ein paar Jahren war es Tugend, eine Blog-Suchmaschine anzuschmeißen, bevor man einen Blogpost geschrieben hat. Man hat geschaut, wer schon darüber geschrieben hat, und man hat sich mit dem vernetzt. Das passiert heute weniger, was vielleicht auch am Zustand der Blog-Suchmaschinen liegt. Technorati ist quasi tot, Icerocket funktioniert, aber der Index ist relativ langsam. Auch die Tugend der „Via“-Links ist zurückgegangen— dass man seine Quellen wirklich nennt, wenn man etwas von einem anderen Blog übernimmt. Wenn du dir die verschiedenen Artikel anschaust, die aufgrund der  angesammelten Blog- und Twitter-Links auf den vorderen Plätzen landen, was macht deiner Meinung nach Beiträge erfolgreicher als andere? Die Artikel, die es auf die Rivva-Startseite schaffen, behandeln zum einen oft gut geschriebene und anspruchsvolle Themen. Zum anderen sind es Stories, die eine große Aufregung erzeugen. Klar, ein Abmahnthema ist immer groß. Teilweise haben die Artikel auch Reißer-Titelzeilen, die den gleichen Reflexen erliegen wie bei einem Boulevard-Medium, bei dem die Überschrift nicht vom Text eingelöst wird. Kannst du aktive Strategien beobachten, die Blogger betreiben, um Links zu bekommen? Eine Zeitlang waren Listen-Postings extrem populär, „47 Tricks für dies und das“ oder „30 CSS-Links dazu“. Die kommen nach wie vor gut an. Link-Baits sind ganz klar auch polarisierende Geschichten wie das Dossier über Blogger, das die FAZ zu Beginn der Re:publica gemacht hat. Wenn man Leute gegen sich aufbringt, kriegt man dementsprechend viele Links, aber das ist natürlich auch mit einer ganzen Menge an negativem Karma verbunden. Sanktionierst du auch Links, etwa solche, die durch Vernetzungsaktionen oder Verlosungen zustandekommen? Du meinst Stöckchen-Aktionen, bei denen im Kreis verlinkt wird, oder Aktionen wie Ein-Herz-für-Blogs? Es kommt immer darauf an.  Die blödesten Aktionen versuche ich herauszufiltern. Und wie filterst du sie raus? Algorithmisch, so gut wie es geht. Stöckchen-Spiele zum Beispiel bilden in den meisten Fällen Link-Ringe, zirkuläre Graphen, bei denen A auf B verlinkt, B auf C und C wieder auf A. Das sind dann eindeutig Blogeinträge, die nachträglich erweitert werden, um zu zeigen, dass jemand an der Aktion teilgenommen hat. Solche Aktionen haben für die Allgemeinheit keine große Relevanz. Das gilt auch für Gewinnaktionen, die stark bei Twitter zu beobachten sind, Blogparaden sind das gleiche Beispiel.(*) Blogparaden, Stöckchenspiel, das wird alles rausgeworfen, weil ich denke, dass es der Seite nicht zugute kommt. “Eine Zeitlang waren Listen-Postings extrem populär, „47 Tricks für dies und das“ oder „30 CSS-Links“. Die kommen nach wie vor gut an. Link-Baits sind ganz klar auch polarisierende Geschichten.” (Ins Original-Interview reinhören)

Der naheliegendste Faktor für Links ist die Qualität der Texte. Wie würdest du Qualität bei Blogs definieren? Es gibt nicht DIE Qualität. Die beste Definition stammt von Gerald Weinberg: “Quality is value to some person”. Was für den einen Trash ist, ist für den anderen das Beste der Welt. Die Hauptschwäche von Rivva ist gerade, dass da der größte gemeinsame Nenner definiert wird. Welchen Einfluss hat die Frage, wie viele Beiträge ein Blog veröffentlicht? Schwierige Frage. Bei Rivva gibt es eine ganze Menge Blogs, die weit oben stehen und trotzdem relativ selten publizieren. Was ich auf der anderen Seite sehe, ist, dass sich viele Blogger am Täglich-was-raushauen-müssen verbrannt haben. Das ist etwas, was man alleine nicht aufrecht erhalten kann. Insgesamt glaube ich, dass es eher ein wichtiges Kriterium ist, von wie vielen Leuten das Blog geführt wird, sprich wie viel Manpower da hineingeht. Du sprichst Mehr-Autoren-Blogs an … Ja, bei vielen der Blogs, die eine Schar von Autoren für sich gewonnen haben, sieht man, dass Kooperation ganz klar ein Erfolgsfaktor ist. Neben der reinen Quantität an Artikeln bereichert es ein Blog auch, wenn nicht das gleiche noch und nöcher aufgetischt wird, sondern unterschiedliche Autoren unterschiedliche Facetten und Meinungen in die Diskussion einbringen. Das macht ein Blog interessanter und steigert damit auch die Chance, dass es von anderen Bloggern für gut befunden und verlinkt wird. (Interview: Stefan Mey) * Die Linkbaits Stöckenspiel und Blogparade werden als „Wege zu mehr Backlinks“ bei Konstantin Eggert gut erklärt.

November 16 2010, 11:54am

Interview mit Jens Schröder (deutscheblogcharts.de)

Seit 2006 stellt Jens Schröder wöchentlich die Blogcharts auf. Er ordnet deutschsprachige Blogs nach der Zahl der Backlinks und bringt so etwas Übersichtlichkeit in den Weiten der Blogosphäre. Deswegen war er neben Frank Westphal von Rivva einer der zwei Experten zur Bedeutung von Links, die ich für meine Magisterarbeit zur Ökonomie von Blogs befragt habe. Die Experteninterviews habe ich sukzessive zu klassischen journalistischen Interviews ausgearbeitet. Im ersten Teil des Interviews spricht Jens Schröder über Strukturen und Auffälligkeiten der Deutschen Blogcharts und über seine Definition eines Blogs.

Was sagen die Deutschen Blogcharts aus? Die deutschen Blogcharts zeigen, welche 100 deutschsprachigen Blogs innerhalb der Blogszene am populärsten oder, wenn man so will, einflussreichsten sind. Wie legst du fest, was ein Blog ist und was nicht? Das ist immer schwierig. Es muss irgendwie aussehen wie ein Blog, es sollte eine normale Blogsoftware verwendet werden, es schadet nicht, wenn man kommentieren kann, und auch die umgekehrt chronologische Reihenfolge der Einträge ist ein wichtiger Punkt. Viele sagen, das Bildblog ist kein Blog, weil man nicht kommentieren kann. Aber für mich gibt es kein endgültiges Ausschluss-Kriterium, ich entscheide das von Fall zu Fall. “Die meisten Blogs in den Top 100 sind Fachblogs oder journalistische Blogs und eben nicht die kleinen Tagebuchblogs von Leuten, die das hauptsächlich als ihr Privatvergnügen ansehen.”

Welche thematischen Gruppen erkennst du in den Top 100? Der mit Abstand größte Komplex besteht aus Blogs, die ich unter Web und Technik zusammenfassen würde. Alles was mit dem Internet zu tun hat, von Mac-Blogs über Gadgetblogs bis hin zu Blogs, die die neuesten Tools im Internet vorstellen. Dahinter gibt es keinen richtig großen Trend. Im letzten Jahr vor der Bundestagswahl waren etwas mehr Politikblogs als vorher drin, doch die sind teilweise wieder aus den Charts verschwunden. Ansonsten sind es hauptsächlich Einzelphänomene, Blogs zu verschiedenen Themen, die besonders gelungen sind. Wie würdest du das Verhältnis der Blogcharts zur restlichen Blogosphäre beschreiben? Sie sind natürlich nicht repräsentativ. Die meisten Blogs in den Top 100 sind Fachblogs oder journalistische Blogs und eben nicht die kleinen Tagebuchblogs von Leuten, die das hauptsächlich als ihr Privatvergnügen ansehen. Du sprichst diesen starken Widerspruch zwischen Blogcharts und Blogosphäre an: trotz starker Präsenz von Tagebuchblogs in der Blogosphäre, sind sie in den Charts nur sehr schwach (*) vertreten. Wie erklärst du dir das? Ich kann es mir nur so erklären, dass die Tagebuchblogger einen viel kleineren potenziellen Leserkreis haben. Wenn jemand bloggt, was er so erlebt oder was er im Fernsehen gesehen hat, interessiert das vielleicht seine Freunde, Verwandten und ein paar Außenstehende, aber nicht so viele wie beispielsweise bei einem Blog über das Iphone. Und wie erklärst du die ungleiche (**) Geschlechterverteilung? Meine Hauptthese ist, dass Frauen bei journalistischen oder halb-journalistischen Fachblogs sehr unterrepräsentiert sind, während sie bei den subjektiveren Tagebuchblogs überrepräsentiert sind. Aber die Fachblogs sind die, die am ehesten verlinken und verlinkt werden. Du meinst, Frauen betreiben einfach eine andere Art von Blogs. Ja. Ich halte nichts von Verschwörungstheorien, dass Männer nur Blogs von Männern verlinken würden. Wie entstehen die Deutschen Blogcharts? Sie basieren auf der Gesamtzahl der unterschiedlichen Verlinkungen in Blogs innerhalb der letzten 26 Wochen. Die Zahlen errechne ich einmal pro Woche mithilfe der Blog-Suchmaschine Icerocket. Ich habe eine interne Liste von etwa 400 deutschsprachigen Blogs, die alle eine bestimmte Anzahl an Verlinkungen überschreiten. Wie geht die Quelle Icerocket vor? Icerocket checkt Hunderttausende oder Millionen Blogs, die veröffentlichen da keine genauen Zahlen. Soweit ich weiß geschieht das über RSS-Feeds, die Blogs teilen der Suchmaschine automatisch mit, dass es etwas Neues gibt. Gibt es Verzerrungen? Icerocket ist im Normalfall recht aktuell, aber es kann immer mal passieren, dass es ein paar Stunden dauert, bis Inhalte ankommen. Verzerrungen kann es bei verkürzten RSS-Feeds geben. Wenn dort nicht alle Links auftauchen, sondern erst im kompletten Blogeintrag, kann es sein, dass sie von der Suchmaschine nicht gefunden werden. Du hast lange Zeit die Suchmaschine Technorati verwendet und bist dann mit der Aussage „Technorati ist tot“ plötzlich auf Icerocket umgestiegen. Was war los? Die Macher von Technorati hatten immer Probleme, ihre Suchmaschine zu monetarisieren. Irgendwann sind sie auf die Idee gekommen, dass sie keine Suchmaschine mehr sein wollen, sondern lieber ein Vermarkter von Blogs. Sie haben ihr System so verkrüppelt, dass das Ding gerade für nicht-englischsprachige Blogs völlig unbrauchbar geworden ist. Deswegen musste ich mich nach Alternativen umschauen, und Icerocket hat sich als die beste Lösung herausgestellt. Allerdings ist die Arbeit dadurch schwieriger geworden. Wieso? Technorati hat einen Authority-Wert für alle Blogs ausgespuckt, also eine Toplist der Blogs nach der Zahl ihrer Links. Den gibt es bei Icerocket nicht, ich muss die Blogs manuell zusammensuchen und ordnen. Ich muss ständig schauen, dass mir keine Blogs durch die Lappen gehen. Dementsprechend kann ich nicht garantieren, dass die Top 100 zu 100% vollständig sind, aber dafür zu mindestens 98% oder 99% Seit Beginn der Blogcharts haben insgesamt drei Blogs an der Spitze gestanden. Wie erklärst du dir deren Erfolg? Es gab das Bildblog, dann Basic Thinking und dann Netzpolitik, Spreeblick ist immer ganz knapp daran vorbeigeschrammt. Bildblog war lange Zeit dominierend und vielleicht das erste Blog überhaupt, das über die Blogszene hinaus bekannt wurde, weil es ein sehr brisantes Thema hatte. Da kommen ein paar Blogger und kritisieren die Bild-Zeitung. Dann gab es den Basic-Thinking-Hype. Robert Basic wurde die populäre Figur in der Blogszene und zu einem kleinen Medien-Darling. Und bei Netzpolitik war es ganz klar die Entwicklung im letzten Jahr, als durch die Zensursula-Debatte und die verschiedenen Petitionen netzpolitische Themen extrem populär wurden und das Thema dementsprechend logischerweise auf Platz Eins gekommen ist. Blogs sind nach vorherrschener Meinung schwer bis gar nicht zu refinanzieren. Was ist dein Eindruck, wovon die Blogger in den Blogcharts größtenteils leben? Ich würde sagen, Blogger, die ausschließlich davon leben können, gibt es kaum, in den Blogcharts sind es vielleicht zwei, drei. Im Normalfall sind es Leute, die einen Beruf haben, der nicht Blogger lautet. Es gibt sicherlich eine beachtliche Zahl an Freiberuflern, die ihr Blog als Eigen-Promotion-Plattform verstehen und damit Aufträge für ihren eigentlichen Job heranziehen. Wie hoch ist dein eigener Aufwand für die Deutschen Blogcharts? Normalerweise sind es drei bis fünf Stunden pro Woche. Allerdings habe ich ungefähr einmal pro Monat mehr Aufwand. Dann recherchiere ich ausführlich, ob Blogs in meiner erweiterten Liste fehlen, die vielleicht demnächst in die Top 100 einsteigen könnten. An solchen Tagen geht der Aufwand durchaus auf zehn, zwölf Stunden hoch. Gibt es Versuche, auf dich Einfluss zu nehmen? Immerhin ist das, was du machst, für viele Blogger sehr wichtig … Du meinst Bestechungsversuche? Gab’s keinen einzigen bisher. Weder von Unternehmen noch von Bloggern, die mir ein Bier ausgeben wollten.

Screenshot Deutsche Blogcharts Reden wir über Backlinks, das Kriterium der Deutschen Blogcharts. Wieso streben Blogs überhaupt nach Links, was ist deren Wert? Letztlich ist ein Link nichts anderes als eine Empfehlung. Aber es ist ein extrem wichtiges Kriterium, um im Internet wahrgenommen zu werden. Wenn jemand mein Blog empfiehlt, ziehe ich alleine durch diese Empfehlung neue Leser und neue Besucher an. Und je mehr Backlinks ich habe, desto besser werde ich bei Google und anderen Suchmaschinen gerankt. Dementsprechend werden auch da nach und nach meine Zugriffe steigen. “Ich will mich nicht zu sehr einmischen und sagen, das ist ein guter Link, und das ist ein böser Link, den werte ich jetzt nicht.”

Sanktionierst du manchmal Links? Laut deinem Blog hast du das zumindest in der Vergangenheit bei einigen Vernetzungsaktionen getan. Vor zwei Jahren waren Blogparaden große Mode, und da gab es welche, bei denen es Zwang war, dass man in seinem Blogeintrag nicht nur das Ursprungsblog, das den Aufruf enthielt, verlinkt, sondern auch alle anderen teilnehmenden Blogs. Aber das war ein Ausnahmefall. In jüngerer Zeit gibt es solche Sanktionen nicht mehr. Das einzige Kriterium ist letztlich, ob die Verlinkung freiwillig geschieht oder nicht. Ich will mich nicht zu sehr einmischen und sagen, das ist ein guter Link, und das ist ein böser Link, den werte ich jetzt nicht. Seit 2007 ist die durchschnittliche Zahl der Verlinkungen stark zurückgegangen. Das zeigt sich etwa an der Mindest-Zahl an Backlinks, die für einen Einstieg in die Blogcharts erforderlich sind, noch stärker ist der Effekt bei der Spitzenposition. In einem Blogeintrag hast du vermutet, dass es vor allem an Twitter liegt. Was macht Twitter? Kleine Empfehlungen sind teilweise aus den Blogs in Richtung Twitter oder auch Facebook abgewandert. Das ist eine viel schnellere und direktere Möglichkeit, einen Blogeintrag, den man gelesen hat und gut findet, zu empfehlen. Man muss nicht extra einen Blogeintrag schreiben, sondern haut einfach seine 140 Zeichen raus: „Lesen! Super Blogeintrag“. Und andere Faktoren? Mein Gefühl sagt mir, dass es weniger Blogs gibt als noch vor ein paar Jahren. Aber das lässt sich nicht mit Zahlen belegen, weil es höchst kompliziert ist, die Zahl der deutschen Blogs zu erheben. Blogs sind unterschiedlich erfolgreich, was das Aggregieren von Links betrifft. Was sind deinem Gefühl nach die wichtigsten Faktoren für Links? Zum einen muss die Thematik passen. Jemand, der über extrem nischige Sachen wie die neuesten Entwicklungen in der Feuerwehrbranche schreibt, hat deutlich geringere Chancen, in die Charts zu kommen, als jemand, der sich mit Mainstreamthemen der Blogger beschäftigt. Deswegen sind so viel Technik- und Gadgetsblogs in den Charts. Zum anderen ist es wichtig, dass regelmäßige Inhalte da sind, dass nicht alle paar Wochen, sondern möglichst täglich gebloggt wird, am besten noch mehrfach täglich. Je mehr Blogeinträge da sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer verlinkt wird. Die reine Quantität der Artikel spielt also eine große Rolle … Es muss nicht wichtig sein, aber es kann. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass auch Blogs mit wenigen Einträgen populär werden können. Die Wahrscheinlichkeit, viel verlinkt zu werden, ist aber durchaus höher, wenn man mehr veröffentlicht – vorausgesetzt, dass diese vielen Blog-Beiträge nicht nur langweiliger, schlecht formulierter Schrott sind. Mein Eindruck ist, dass das ursprüngliche One-Man-One-Blog-Modell in den deutschen Blogcharts nicht mehr so dominant ist, weil mehr Blogger mehr Artikel schreiben können und das mehr oder weniger linear auch zu mehr Links führt. Welche Bedeutung hat Kooperation innerhalb von Blogs? Früher waren die meisten oder fast alle Blogs Ein-Mann-Geschichten, bei denen hinter jedem Blog genau ein Blogger stand. Wenn mehrere Blogger beteiligt sind, bringt das aber große Vorteile. Will man als Einzel-Person zehn Blogeinträge pro Tag produzieren, ist das viel mehr Aufwand als wenn man zehn Leute hat, die jeweils einen schreiben. Wenn man die beruflichen Hintergründe der großen Blogger betrachtet, finden sich überdurchschnittlich viele Journalisten. Da könnte man zu der These kommen, dass ein professioneller journalistischer Hintergrund auch ein guter Faktor für viele Links ist. Das ist durchaus ein Kriterium. Journalisten haben den Vorteil, dass sie seit jeher gelernt haben, sich auszudrücken und dass sie Themen haben, mit denen sie sich sehr gut auskennen. Wenn sie darüber bloggen, ist das ein Vorteil gegenüber Leuten, die einen ganz anderen Job haben und das nur rein in ihrer Freizeit als Hobby betreiben. Dann tauchen in den Blogcharts aber auch immer wieder private Blogs auf, die mit geplanten oder ungeplanten Vernetzungsaktionen sehr viele Links eisammeln, wie etwa das Foto-Projekt 52 von Mondgras oder die wöchentliche Umfrage Freitags-Füller von Scrapbooking Online. Es gibt gerade in der Kreativ-Blog-Szene, bei Bastelblogs und so weiter, enorm viele Blogs, die einmal pro Woche oder pro Monat eine Aktion haben, bei der sie alle teilnehmenden Blogger aufrufen, kreativ zu sein. Das Ergebnis wird dann in beiden Blogs präsentiert und verlinkt. Dadurch gibt es einen hohen Verlinkungs- und Vernetzungsgrad innerhalb dieser Kreativ-Blog-Szene. Gerade diese Vernetzungs-Aktionen und auch Verlosungsaktionen sind im Grunde genommen extrem effizient … Es ist eine einfachere Möglichkeit, populär zu werden als über Jahre hinweg regelmäßig qualitativ hochwertige Inhalte zu liefern. Vor allem für kleine Blogs erscheint das auf den ersten Blick sehr attraktiv. Wie erklärst du dir, dass gerade diese effizienteren Strategien nicht auch von den großen Blogs gewählt werden? Weil es einfach nicht passt. Ich würde eine Blogparade bei Carta oder eine Verlosung bei Netzpolitik sehr seltsam finden. Die Ausrichtung dieser Blogs ist eine ganz andere. Außerdem kann es mit dieser Popularität schnell zu Ende gehen, wie man zum Beispiel am Druckereiblog (***) gesehen hat. Am Ende kommt es dann doch auf kontinuierlich gute Inhalte an. (Crosspost von Stefan Mey)

() Anhand einer Stichprobe ermittelte die Sozialwissenschaftlerin Franka Hesse im Jahr 2006 für Tagebuchblogs einen Anteil von 63% an der Gesamt-Blogosphäre. (s Hesse, S. 7) Eine noch stärkere Dominanz (71%) ermittelte Susan Herring 2003 für US-Blogs. (s. Herring, Abb. 3) () Im Sample des Kommunikationswissenschaftlers Jan Schmidt (2005) wurden 45% der Blogs von Frauen verfasst, bei Einzelblogs in den Blogcharts waren es nur 20% (s. Schmidt, S. 79) In der Stichprobe von Hesse waren sogar 66% weiblich im Gegensatz zu nur 30% in den Top 100 des Blogcharts-Vorgängers Blogstats. (s. Hesse, S. 6) () Das Druckereiblog ist ein Paradebeispiel für die Wirkung von gezielten Verlinkungs-Aktionen: Es hatte in einer „Verlosung“ jedem Teilnehmer für einen Backlink drei Wandkalender als Preis zugesichert, mehrere hundert Blogger haben sich daran beteiligt. Das Blog, der insgesamt weniger als zehn Artikel veröffentlicht hat, war von Dezember 2009 bis bis Juni 2010 in den Deutschen Blogcharts vertreten. Teilweise stand er auf Rang 13, also noch vor großen Blogs wie dem Netzökonomen oder Netbooknews. Doch als nach 26 Wochen die Links verfallen waren, verschwand der Blog innerhalb von zwei Wochen aus den Blogcharts.

November 10 2010, 10:03am

Sokari Ekine über Afrika und Aktivismus im Netz

Sokari Ekine im Netzpiloten-Interview. Sie beschäftigt sich mit mobilem Aktivismus, den Menschenrechten und Bloggen in und über Afrika. Sokari Ekine is interested in seeking out ways to encourage more Africans to blog and creating a community of grassroots African bloggers as a way/space for Africans to exchange ideas and strategies for effecting change in our communities, share experiences and tell our own stories in our own words.

October 1 2010, 1:00pm

Interview: Der Mann, der bei wikileaks Daniel Schmitt war

Markus von netzpolitik.org hat Daniel Schmitt (Domscheit-Berg) interviewt. Sehr hörenswert. Man erfährt viel über seine Motive und die Situation des Projekts sowie die Situation der whistleblower in Deutschland. Wäre auch eine Diskussion für die Verfechter des Qualitätsjournalismus. Bitte hier klicken!

October 1 2010, 12:42pm

Interview: Dr. Christoph Bieber

Am 1. Oktober erscheint Ihr neues Buch “politik digital. Online zum Wähler“. Für Querleser: Wie würden Sie die Kernthese Ihres Buchs in drei Sätzen zusammenfassen? Da genügt beinahe schon ein Satz: “Das Internet verändert unser Handeln, und nicht nur unser Denken.” Die Grundidee dabei ist, dass in den vergangenen Jahren bereits so viele Dinge geschehen sind, die im Netz oder durch das Netz hindurch den Alltag vieler Menschen unmittelbar beeinflusst hat. Die Wahl Barack Obamas, der Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl, die Zensursula-Debatte oder der Aufstieg der Piratenpartei sind dabei die dominieren Themen der letzten beiden Jahre. In Zukunft dürften die “Szenen” und “Milieus” hinter den digitalen Eliten eine wichtige Rolle für die Entwicklung einer “Netzpolitik” spielen, ebenso die wird sich die Organisation der politischen Parteien noch stärker an den Möglichkeiten der Online-Kommunikation orientieren. Und wir werden angesicht der sinkenden Wahlbeteiligung wohl auch wieder Wahlgeräte reden müssen. [Das gesamte Interview folgt nach dem Sprung.]

Sie haben untersucht, wie sich die zwei Welten “Politik” und “Netz” zueinander verhalten. Was haben Sie entdeckt? Die gerade genannten Beispiele bieten auch beim zweiten oder dritten Hinsehen viel spannendes – vor allem zeigt sich, dass das was sich seit 2008 entwickelt hat, keineswegs nur eine Reaktion auf die US-Präsidentschaftswahl ist. Sicher, es gibt einen “Obama-Effekt”, doch bringen nationale Strukturen und Diskussionen immer wieder Besonderheiten hervor, die anderswo nicht ohne weiteres replizierbar sind. So wirken die Parteien in Deutschland bisher eher als Hemmschuh bei der politischen Entwicklung, begünstigen dadurch aber zum Beispiel das Aufkommen Piratenpartei – die wiederum sind ganz und gar nicht als “transnationale” Organisation zu begreifen, sondern als ein nur sehr lose über eine “Dachmarke” zusammengehaltenes Sammelsurium politischer Aktivisten. Ein zentrales Moment scheint also der Dialog zwischen dem Zustand des politischen Offline-Systems und einer mehr oder weniger diskussions- und aktionsfreudigen Online-Öffentlichkeit zu sein. Gab es besonders überraschende Befunde? Mich hat vor allem die große Bandbreite der Positionen zum Umgang mit Wahlgeräten überrascht. In Deutschland und den Niederlanden scheint das Thema ja längst erledigt zu sein, doch anderswo gibt es aus ganz unterschiedlichen Motivationen eine teilweise sehr konsequente “Medialisierung des Wählens”. Schauen sie nur nach Brasilien, wo am 3. Oktober gewählt wird. Dort werden bereits seit dem Jahr 2000 Wahlcomputer eingesetzt, bei gut 135 Millionen Wahlberechtigten. Und dabei handelt es sich hier bestenfalls um ein “Medienschwellenland”, in dem das Fernsehen noch eine massive Rolle spielt und das Internet erst allmählich an Bedeutung gewinnt – wobei allerdings schon 75 Millionen Menschen online sind. Eine zweite Überraschung sind die Entwicklungen in den USA: dort streiten sich gerade “Online-Linke” und “Online-Rechte” um die Vorherrschaft im Netz – man erlebt dort eine Renaissance großer Mitgliederorganisationen, die in ihrer Struktur den großen Mitgliederparteien europäischer Prägung nicht unähnlich sind. Diesseits des Atlantiks gilt genau dieses Modell aber fast schon als “bedrohte politische Lebensart”. Wäre ein Internetministerium die Lösung für die Netzprobleme der Politik? Aus meiner Sicht ist das keine funktionsfähige Lösung. Einerseits ist schon auf Bundesebene der Konkurrenzdruck zwischen den Ressorts recht hoch, wenn es um Internet-Themen geht und dann kommt immer auch noch die föderale Ebene hinzu. Trotzdem hielte ich es für sinnvoll, wenn stärker mit neuen Organisationsstrukturen experimentiert werden würde. Das muss ja nicht gleich ein Ministerium sein, auch kleinere Einheiten mit besonderen Befugnissen wären ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings brauchen sie Entscheidungsspielräume und eine entsprechende Kompetenz. Was erwarten Sie von der laufenden Enquêtekommission “Internet und Digitale Gesellschaft”? Die Enquête-Kommission ist zwar hilfreich, kann aber als Gremium zur parlamentarischen Weiterbildung allerdings nur indirekte Wirkungen entfalten. Vor allen Dingen wird sie dazu beitragen, das neue Politikfeld “Netzpolitik” dauerhaft in der öffentlichen Diskussion zu verankern. Und die Idee der Einbindung der Online-Öffentlichkeit als “18. Sachverständigen” zielt schon auf einen “partizipativen Regierungsstil”, wie er auch bei der Aufstellung der Obama-Administration nach der Wahl Ende 2008 zu beobachten war. Was sich davon allerdings innerhalb einer Legislaturperiode umsetzen lässt, muss sich erst noch zeigen – in den USA genauso wie in Deutschland. Ein Blick in die Kristallkugel: Wie wird sich das Verhältnis von Internet und Politik in den nächsten 5 Jahren verändern? Vor allem werden die Präsenzen politischer Akteure professioneller daher kommen – was wohl auch daran liegt, dass immer mehr professionell ausgebildete Journalisten in den Politikbetrieb eingebunden werden. Ein Vorgeschmack lieferte der “candidate journalism” im Obama-Wahlkampf – die klassischen Kanäle der politischen Öffentlichkeit werden umgangen, da sich Amtsinhaber oder Kandidaten immer besser direkt an die Bevölkerung wenden können. Überhaupt befindet sich das Feld der öffentlichen Kommunikation und der Status der so genannten “vierten Gewalt” in einem raschen Wandel. Die Debatte um Wikileaks ist dabei ein weiterer Ausdruck dieses Prozesses – die Begleitung, Beobachtung und die Kritik politischer Prozesse ist nicht mehr automatisch eine Domäne der traditionellen Medien. Die “watchdogs” gewinnen an Bedeutung, ganz gleich ob als technische Plattform oder inhaltlich ausgerichteter Spezialanbieter. Ein Ratschlag in Richtung Politikbetrieb? Selbstbewusst sein. Nicht so sehr auf das Urteil der alten Medien hören. In Deutschland hat man es als innovationsfreudiger Politiker schwer – man kann sicher sein, dass es Kritik hagelt, wenn man sich frühzeitig mit neuen Diensten und Plattformen befasst. Twitter ist ein schönes Beispiel dafür, die Debatte dazu ist noch längst nicht abgeschlossen. Ein Ratschlag für die Netzcommunity? Selbstbewusst sein. Nicht so sehr auf das Urteil der alten Medien hören. Einzelne Bürger können sich durchaus wirksam in politische Prozesse einklinken und inzwischen auch einiges bewegen, selbst wenn sie sich “nur” im Netz politisch betätigen. Ich freue mich schon auf Germany’s next Franziska Heine. Vielen Dank für das Gespräch! Dr. Christoph Bieber ist Politikwissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität, befasst sich seit Mitte der 1990er Jahre mit den politischen Folgen der Online-Kommunikation, bloggt auf “Internet und Politik” und twittert als @drbieber. Gelegentlich war er schon als Gastautor bei den Netzpiloten tätig. Seit Sommer vergangenen Jahres ist er in Elternzeit, hat aber dennoch Zeit gefunden, ein Buch zu schreiben, das sich nicht mit Kindern, Erziehung oder Medienkompetenz befasst. Am 1. Oktober erscheint “politik digital. Online zum Wähler” (Amazon). Das Buch greift im Titel die Online-Plattform http://www.politik-digital.de auf, das ist kein Zufall: Bieber ist seit dem Jahr 2000 Mitglied im Vorstand des Trägervereins pol-di.net e.V.

September 30 2010, 10:00am

Jarvis: Privatsphäre und Öffentlichkeit (Video)

Dieses Interview wurde vor der re:publica10 gemacht. Hätte ich es vorher gesehen, wäre es mir dort deutlich einfacher gefallen ihn richtig zu verstehen bei unserem Interview, das Meike Laaff damals mit ihm führte. So kann ich nur dringend bitten, hier genau zuzuhören, denn am Ende wird es wirklich interessant.

July 6 2010, 9:32am

Interview: Frank Rieger über Privatsphäre

Während der diesjährigen re:publica haben die Netzpiloten ein Gespräch zum Thema Privatsphäre und verantwortlicher Konsum mit dem Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) Frank Rieger geführt, der im Hauptberuf Geschäftsführer einer Firma für Kommunikationssicherheit ist.

June 4 2010, 10:00am

Interview: Michelle Thorne, Creative Commons

Im Netzpiloten-Interview erklärt Michelle Thorne von Creative Commons International, warum Lizenzen vom Typ “einige Rechte vorbehalten” so wichtig sind und warum es sich auch für Urheber lohnt, über Lizenzen nachzudenken.

Ich bin Michelle Thorne und arbeite bei Creative Commons International, dem Creative Commons Ableger für internationale Portierungen. Frage: Was macht Creative Commons? Das ist eine US Non-Profit Gesellschaft, die darauf hinarbeitet, alternative Urheberrechtslizenzen bereitzustellen. Bisher ist die übliche Copyrightlizenz das Konzept “Alle Rechte vorbehalten”. Das andere Ende des Spektrums ist lizenzfrei, die sogenannte Public Domain. Creative Commons will einen Weg anbieten, sich zwischen diesen beiden Extremen zu bewegen und es Urhebern und Nutzern zu ermöglichen, genau zu entscheiden, wie ihre kreativen Werke benutzt und lizensiert werden. Deshalb bieten wir Lizenzen vom Typ “Einige Rechte vorbehalten” an. Warum braucht die Welt Creative Commons? Es gibt einen internen Konflikt zwischen dem ursprünglichen, traditionellen Sinn von Urheberrecht und unserem digitalen Zeitalter, in dem das Kopieren selbst Kern der Internetkommunikation und aller Medienkommunikation ist. Wir müssen überdenken, was es bedeutet, kreative Werke zu nutzen, auf sie zu verlinken, sie zu bearbeiten und zu teilen. Deshalb denke ich, es ist sehr wichtig, dass die Menschen sich der Gesetze bewusst sind und was die Alternativen zu diesen Gesetzen sind. Es ist ein sicherer und legaler Weg, der Öffentlichkeit genau zu sagen, wie deine Werke weiterverwendet werden sollen. Wie kann man seine Arbeit unter eine Creative Commons-Lizenz stellen? Der beste Weg ist, auf CreativeCommons.org zu gehen, oben in der Ecke gibt es einen Knopf “Lizenz”. Wenn man den anklickt wird man zu einer schönen Maske weitergeleitet, in der man die Sprache einstellen kann, die man bevorzugt. Man wird gefragt, was für Rechte man gerne anwenden möchte: Ob man die Weiterbearbeitung der Werke erlauben möchte, ob man kommerzielle Nutzung erlauben möchte. Man klickt einfach die entsprechenden Blöcke an und es wird eine Lizenz generiert, die den festgelegten Bedingungen und der jeweiligen Rechtsprechung entspricht. Das ist sehr wichtig, weil die Lizenzen auf nationales Recht zugeschnitten sind. Weil Urheberrecht grundlegend auf nationalem Recht basiert, ist es wichtig, dass es zu den Bedingungen des jeweiligen Landes passt. Woran arbeiten die Menschen bei Creative Commons? Das letzte großen Projekte war, dass wir Version 3.0 rausgebracht haben. Zuerst als nicht-portierte Lizenz, das heißt sie wurde nicht auf nationales Recht angepasst, und jetzt haben mittlerweile fast alle Länder eine Version 3.0. Das ist ein großer Schritt, weil diese neue Version sich auf einige Schwierigkeiten mit moralischen Rechten konzentriert, was ein großes Thema ist beim Europäisches Recht und anderen Rechtsprechungen außerhalb des amerikanischen Gewohnheitsrechts. Zudem werden Verwertungsgesellschaften in Zukunft eine große Rolle spielen. Es gibt ein Pilotprogramm mit den Niederlanden und der Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra, bei dem Musiker, die mit einer Verwertungsgesellschaft arbeiten, Creative Commons Lizenzen innerhalb der Niederlande nutzen können. Warum sollte jemand eine Creative Commons Lizenz wählen? Ein wichtiger Punkt ist, dass es der Community und einem größeren Publikum signalisiert, dass man sie dazu einlädt, die eigenen Werke zu verwenden, sie anzusehen, sich damit zu beschäftigen. Es inspiriert mehr Menschen dazu, sich zu engagieren. Im Endeffekt denke ich, dass es einen sehr positiven EFfekt hat, das hat sich immer wieder gezeigt. [Science Fiction Autor] Cory Doctorow zum Beispiel hat sein Buch unter online einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht während es gleichzeitig in Druck ging. Beide Versionen wurden am gleichen Tag veröffentlicht und es ist wahrscheinlich, dass die Verkaufszahlen seines gedruckten Buchs sich durch die Onlineverbreitung sogar gestiegen sind.

June 3 2010, 1:20pm

Video-Interview: Feminismus und Netzkultur

Ein Interview mit Svenja Schröder vom maedchenblog zum Themenfeld (Queer)Feminismus, Bloggen und Netzkultur – anläßlich der re:publica10.

April 29 2010, 10:00am

Interview: Digitales Publizieren für Autoren

Ulrike Langer hat Leander Wattig zum Thema Digitales Publizieren für neue und alte Autoren befragt.

Leander Wattig über die Chancen des digitalen Publizierens from Ulrike Langer on Vimeo.

April 28 2010, 3:20pm

“Neo-Feudalismus”: Interview mit Matteo Pasquinelli

netzpiloten: Matteo Pasquinelli, Sie vertreten die These vom digitalen Neo-Feudalismus. Was genau meinen Sie damit – und was folgt aus Ihrer Analyse?

Matteo Pasquinelli: Ich wollte dieses Bild des “Neo-Feudalismus” pushen, um auf einen Bruch im vorherrschenden Populismus hinzuweisen (der auch in linkspolitischen Kreisen und sozialen Bewegungen sehr stark ist), der digitale Kooperationen als etwas feiert, das unabhängig von der materiellen Wirtschaft und Marktgesetzen funktioniert. Ich meine damit nicht das Problem der Meinungsfreiheit, sondern die Kapitalkreisläufe, die “digitale Spaltung von Arbeit”, die diese “freie Meinungsäußerung” ausbeutet.

Wie könnten wir ein demokratischeres Internet schaffen? Sie vergleichen die aktuelle Lage mit der der französischen Revolution, sehen die Notwendigkeit, das aktuelle System zu überwinden.

Wenn ich mich auf das Beispiel der digitalen “Französischen Revolution” beziehe, dann nur um klarzumachen, dass ein neuer Kampf gegen neue oligarchische Regime von ökonomischen Renten nötig ist. Und damit meine ich materielle wie immaterielle: Renten für geistiges Eigentum und Netzwerke – und ebenso Renten für urbane Räume und natürliche Ressourcen.

In vielerlei Hinsicht erinnern Ihre Ideen an die Kritik, die Jaron Lanier kürzlich in seinem Buch “You are not a gadget” formuliert hat. Besonders wenn es um das Scheitern von freier Kultur und seine Kritik am digitalen Maoismus geht. Würden Sie dem zustimmen?

Jaron Lanier ist ein guter Computerwissenschaftler, aber ein schlechter politischer Denker. Er behauptet, dass “digitaler Kollektivismus” gefährlich ist, weil die Autorenschaft verloren geht. Ich behaupte das Gegenteil: dass “digitale Intelligenz” nicht gefährlich genug ist. Viele wünschen sich, dass kollektive Intelligenz gefährlich ist – aber ich sehe nicht, dass von ihr heutzutage eine Bedrohung für die traditionelle Politik und wirtschaftliche Institutionen ausgeht.

Warum glauben Sie eigentlich, dass der Free Culture-Ansatz gescheitert ist? Warum ist es nicht möglich, eine nicht-gewinnorientierte digitale Klasse von Kulturarbeitern zu haben?

Wir haben bereits eine gigantisch große digitale Klasse nicht gewinnorientierter Kulturarbeiter. Wir alle sind es! Das ist eine ideologische Frage. Der Unterschied zwischen gewinnorientiert und nicht-gewinnorientiert ist, wenn er auf das Internet angewendet wird, irreführend. Schauen Sie sich all diese Kultur an, die wir “free”, also kostenlos und frei, produzieren. Der Punkt ist, dass diese Kultur sehr leicht intellektuelles Eigentum oder symbolisches Kapital für das Geschäft oder die Hardware von jemand anderem werden kann – etwa, wenn man sich die kulturelle Gentrifizierung anschaut oder neue Geräte wie iPod oder mp3-Player. Free Culture ist eine Methode, um lebendiges Wissen in einem rückversichernden juristischen System für globale Monopole zu vereinnahmen.

Was könnte ein möglicher Weg für die Massen von Freelancern sein, um diesem Renten- bzw. Frondienst-System der Netzbarone zu entkommen? Würden Sie vorschlagen, mehr Monetarisierung von Kulturgütern online anzustreben? Und wie könnte das funktionieren?

Es würde schon ausreichen, wenn wir aufhören würden, die neuen “sozialen Netzwerke” als Form der politischen Organisation zu feiern, die Kreativindustrie als Lösung unsere Städte und Free Culture als Modell für den Kultursektor. Der “destruktive” Teil daran ist die Sabotage der Rentenzahlungen, um das Gemeinschaftliche zu verteidigen. Bis jetzt ist die Sabotage dieser Renten lediglich eine Geste der digitalen Massen. Wir könnten zum Beispiel Pirate Bay und Peer-to-peer-Netzwerke als politische Versuche der Sabotage von Rentenzahlungen für intellektuelles Eigentum betrachten. Und es gibt einen konstruktiven Teil: Dabei geht es um neue sozialstaatliche Politik und Strategien für ein Grundeinkommen. Kultur und Bildung ist von digitalen Netzwerken deterritorialisiert und molekularisiert worden. Jetzt ist es an der Zeit, über eine Rückkehr zu organisierten Formen nachhaltiger Autonomie nachzudenken.

Haben Sie das Gefühl, dass derzeit viele Netztheoretiker, Pioniere und User der ersten Stunde anfangen, den Free Culture-Ansatz anzugreifen?

Wie ich bereits im Februar auf der Berliner Transmediale gesagt habe, als ich über Netzwerkpolitik sprach: Nach einem Jahrzehnt voller Experimente hat sich ein Universum in sich selbst geschlossen. “Es gibt nicht länger ein draußen”, heisst es heute in einer Redensart: Es gibt keine Grenze mehr, von der aus noch expandiert werden kann. Neue Medieninstitutionen sind zu Fabriken geworden, in denen trendig “schwache Gedanken” ohne Realitätscheck und politische Nutzen produziert werden. Netzwerktheorie ist zu oft eine Luftnummer für akademische Bücher und Medienfestivals. Nach einer Dekade, in der die “Sprache der neuen Medien” untersucht wurde, beginnen einige Gruppen nun die flüchtige “Wirtschaft des Immateriellen” zu entdecken – beziehungsweise sie auf eine richtige Basis und Ästhetik zu erden.

Matteo Pasquinelli ist Autor, Kurator und Forscher an der Queen Mary University of London. Er beschäftigt sich unter anderem mit Fragen des Lebens, Arbeitens, Forschens und Kulturschaffens in digitalen Gesellschaften.

Bildnachweis: Anne Helmond

April 28 2010, 10:00am

Klartext: Hyper Personal News Stream

Während der re:publica10 erklärte uns Jeff Jarvis Marissa Mayers (Google) Zukunftsvision der Informationsverbreitung und -organisation.

April 27 2010, 10:00am

Flattr: “Geld verdienen ist kein Recht, sondern eine Möglichkeit”

Früher war Peter Sunde Sprecher der Bittorrent-Tracker-Seite thepiratebay.org. Nach dem spektakulär verlorenen Prozess gegen die Granden der US-Unterhaltungsindustrie zog Sunde sich von dem Projekt zurück und startete nun mit flattr.com einen Micropayment-Dienst für Kulturgüter im Netz. Was ist da los? Ein Gespräch.

Warum hast Du ein Dienst wie flattr.com gestartet?

Peter Sunde: Da gab es immer diese lange Diskussion: “Wie werden wir die Künstler für die Verluste kompensieren, die sie durch das Internet haben?” Nie wurde sich Gedanken darüber gemacht, was die veranschlagen Einbußen sind oder ob sie überhaupt eine Rolle spielen. Wir würden Öl-Konzerne doch auch nicht Abfindungen zahlen, wenn wir eine Methode entwickeln würden, dank der Autos mit Wasser fahren, oder? Ich wollte die gesamte Frage umdrehen: Wie können wir ein System schaffen, dass es den Leuten erlaubt, Geld im Internet zu teilen – auf eine Art und Weise, die dazu passt, wie wir uns im Internet verhalten. Und daraus wurde flattr.

Ein ehemaliger Pirat denkt sich ein System aus, wie online Geld mit Kulturgütern verdient werden kann – heisst dass, dass Du eine Notwendigkeit darin siehst, Geld für kulturelle Dienstleistungen online zu verlangen?

Nein. Geld ist keine Notwendigkeit. Geld ist kein Ziel. Geld ist ein Instrument. Geld ist eine Form der Wertschätzung. Aber die Verteilung des Geldes ist der interessante Teil – da hat es ein Oligopol für die Verteilung von Inhalten gegeben. The Pirate Bay hat das erschüttert. Und ich rüttle jetzt die Dinge an dem Punkt auf, an dem es um die Oligopole geht, darum, welche Parteien das Geld bekommen. Mit dem Internet haben wir viele Fortschritte gemacht, aber nicht, wenn es darum geht, Geld zu verteilen. und das wird gebraucht – um die wirtschaftlichen Muskeln von den Mega-Konzernen zu den Leuten zu verlagern, die Dinge gestalten.

Viele Pioniere scheinen das Konzept von freien Inhalten im Netz derzeit in Frage zu stellen. Würdest Du das als generellen Trend betrachten? Sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir über das Monetarisieren von Kulturgütern im digitalen Zeitalter nachdenken müssen?

Ich stelle das alles nicht in Frage. Manche Informationen müssen kostenlos und frei zugänglich sein. Inhalte zu monetarisieren ist heute nicht wichtiger geworden, aber wir könnten einen Punkt erreichen, ab dem es möglich wird. Das große Problem war immer, wie man das anstelen soll, das ist es, was wir überdenken müssen. Geld verdienen mit Dingen, die man tut, ist kein Recht, es ist eine Möglichkeit.

Viele Micropayment-Dienste scheitern doch nicht an der mangelnden Bereitschaft der Menschen, für Musik, Blogs etc. zu bezahlen, sondern weil man für diese Microbezahlsysteme eine Menge Informationen preisgeben muss, um am Ende 90 Cent zu spenden. Würdest Du das ähnlich sehen? Und wie will flattr dieses Problem angehen?

Die Idee von flattr ist, genau diese Grenze einzureißen. Es macht zu viel Ärger, einen kleinen Betrag zu teilen – von den Kosten ganz zu schweigen. Wenn Du 0,40 Euro über Paypal losschickt, bekommt der Empfänger gar nichts – aufgrund der anfallenden Kosten. Und zehn Euro für eine einzige Sache, die Du mochtest, zu geben, könnte ein bisschen viel sein. Flattr bewegt sich dazwischen – wir nehmen einfach die Idee des Preisschildes weg. Der Preis ist, was auch immer Du entscheidest, monatlich dafür auszugeben – geteilt durch die Dinge, die Du magst. So bekommen mehr Leute Geld, dass sie sonst niemals zu Gesicht bekommen hätten!

Viele Blogger stellen in Frage, ob flattr es schaffen wird, als Netzwerk groß genug zu werden, so dass Künstler in einem wirklich nennenswerten Umfang von den Kleinspenden profitieren. Fürchest Du das auch?

Es ist defintiv nötig, eine “kritische Masse” zu erreichen. Aber so groß ist die erforderliche Zahl gar nicht. Und wenn wir scheitern, dann haben wir es zumindest versucht. Aber wir glauben, dass die Zeit reif ist, um so etwas zu machen.

April 13 2010, 10:00am

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