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Video: Das Frauenbild in der Werbung

Manche Modells wünschen sich, sie wären wirklich so schön, wie sie in der Werbung erscheinen. Leider richten sich viele weibliche Mitmenschen nach diesen digitalen Idealen und erleben seltsame Auswirkungen der Gefallsucht…

via @annalist

June 10 2011, 9:32am

Ein Krieg gegen Frauen

Wenn ich in der letzten Zeit einen Blick über den großen Teich wage, möchte ich mir kräftig die Augen reiben und hoffen, dass dies alles nur ein schlechter Traum sei: Eine schier unglaubliche Zahl an Ge­setzes­ent­würfen wurde in den letzten Monaten in den USA von überwiegend re­publikanischen Ab­geordneten auf den Weg gebracht, die nur auf eines ab­zielen: das Recht auf kör­perliche Un­versehrt­heit und aus­reichende gesund­heitliche Ver­sorgung von Frauen ein­zu­schrän­ken. Die US-Amerikaner_innen sprechen in diesem Kon­text schon von einem War on Women (“Krieg gegen Frauen”)…

Buttons für Abtreibungsrechte

So ist die teil­weise aus Bundes­mitteln finan­zierte Gesund­heits­organisation Planned Parent­hood, die sich als pro choice versteht und die nicht nur in Fra­gen Ver­hütung, Geschlechts­krank­heiten und Schwanger­schaft berät, son­dern u.a. auch Krebs­vorsorge­unter­suchungen anbietet, in mehreren Bundes­staaten stark unter Be­schuss. Einer der wohl schwer­wiegendsten An­griffe auf re­produktive Rechte ist der im Januar ein­gereichte No Taxpayer Funding for Abortion Act (“Keine Steuergelder für Abtreibungen”), kurz: H.R. 3, der Ab­­trei­bungen enorm erschweren würde – noch mehr, als dies bereits schon der Fall ist. Trotz der Ent­kriminalisierung von Ab­treibungen in den USA Anfang der 1970er wurde die Möglichkeit zum Schwanger­schafts­ab­bruch wenige Jahre später durch eine Zusatzklausel deutlich ein­geschränkt: Bundes­mittel dürfen seit jeher nur für Ab­treibungen verwendet werden, wenn sich eine Frau durch die Schwanger­schaft in Lebens­gefahr befindet, ver­ge­waltigt und/oder Opfer von Inzest wurde. Wer trotz­dem einen Schwanger­schafts­ab­bruch vornehmen lassen möchte, muss tief in die Tasche greifen und möglicher­weise sogar weit reisen, da in vielen Gegenden gar keine Ab­treibungs­kliniken existieren. Frauen, die keinerlei finan­zielle Mittel für einen Abbruch haben, können auf Hilfs­­pro­gramme wie Medicaid zurück­greifen (was allerdings nur in einigen Bundesstaaten überhaupt möglich ist). Mit dem Gesetzesentwurf H.R. 3 bekämen Kranken­ver­sicherungs­gesell­schaften immer mehr Steine in den Weg gelegt, Schwanger­schaftsab­brüche über­haupt abzudecken. Firmen, die Versicherungs­pakete mit Option zur Abtreibung anbieten, würden indirekt dafür bestraft, z.B. durch das Aus­bleiben von Steuer­gutschriften. Auch die über 13 Millionen Frauen, die aktuell durch Programme wie Medicaid versichert sind, bliebe der Zugang zur Ab­treibung verwehrt. Kurz und bündig heißt das: Das Gesetz würde Schwanger­schafts­ab­brüche fast unmöglich machen, ohne diese offiziell zu kriminalisieren. H.R. 3 sah anfangs sogar vor, nur noch jene Ab­treibungen mit Bundes­mitteln zu zahlen, die als sogenannte forcible rape (“gewaltsame Vergewaltigung”) klassifiziert sind. Diese Neu­definition von Ver­gewaltigung hätte eine Hierarchie von sexueller Gewalt zur Folge, die letzt­endlich nur eines aussagt: Es gibt schreckliche Ver­gewaltigungen, und welche, die “nicht so schlimm sind“ – eine abstruse “rape rape” Argumentation, wie wir sie zuletzt von Whoopi Goldberg zum Fall Polanski gehört haben. Die einzig gute Nach­richt: Diese Passage wurde aus dem Ent­wurf gestrichen. Dieser (nun leicht abgewandelte) H.R.3, auch genannt “Super Hyde”, wurde vor zwei Wochen durch das US-amerikanische Repräsentanten­haus bestätigt und nun dem Senat vorgelegt. Sehr wahrscheinlich wird Barack Obama ein Veto einlegen. Auch wenn der Entwurf wohl niemals Gesetz wird, zeigt allein die Tatsache, dass aktuell eine Vielzahl ver­gleich­barer Gesetzes­entwürfe in den einzelnen Bundes­staaten diskutiert werden den großen Erfolg der seit Jahren wachsenden rechts­konservativen Dominanz der Abtreibungs­gegner_innen und Ver­ge­waltigungs­verharmloser_innen. Die Agenda der Konservativen offenbart das implizite Ideal einer Frau als Mutter und Ehefrau, deren eigene Be­dürfnisse und Gesund­heit die der (heterosexuellen) Partner­schaft und dem Nach­wuchs unter­geordnet sind. Der bis dato erfolgreiche Vor­stoß der so­genannten Pro Lifers zeigt, wie sehr reproduktive Rechte in den USA in Gefahr sind und Pro Choice Or­ganisationen zunehmend um Förder­gelder zittern müssen. Und wer ist in besonderem Maße betroffen von diesem “Krieg gegen Frauen”?

Das Guttmacher Institute erläutert die Zahlen zu Schwanger­schafts­ab­brüchen in den USA: Rund 40% aller US-amerikanischen Frauen, die eine Schwanger­schaft beenden, leben unter der Armuts­grenze. Davon sind überproportional Women of Color betroffen. Zurück­zuführen ist dies auf die sich stetig verschär­fenden sozialen Un­gleichheiten in ge­sell­schaft­lichen Be­reichen wie Gesundheit (Zugang zu Verhütungs­mitteln und bezahlbarer Krankenversicherung), Bildung (z.B. Sexual­auf­klärung) und dis­kriminierenden Struk­turen in der Erwerbs­arbeit. Die vor einigen Monaten stark diskutierten rassistischen Anti-Ab­treibungs­werbetafeln mit der Aufschrift “Der gefährlichste Ort für ein afro­amerikanisches Kind ist der Mutterleib”, die erst nach massivem Protest wieder ab­genommen wurden, sind nur ein Beispiel für die vermehrten Attacken der vergan­genen Monate. Viele Aktivist_innen be­fürchten, dass die an­haltenden Vor­­stöße gegen Ab­treibungs­­rechte und die immer wieder auf­­kom­menden Dis­­kussionen zur (Re-) Definition von Ver­­gewaltigung nur der An­­fang eines langen Kampfes gegen eine stetig wachsende rechts­konservative Kraft ist.

Autorin: Magda Albrecht wurde 1986 geboren und ist im Osten Berlins aufgewachsen. 2003 ging sie zum ersten Mal in die USA und besuchte eine High School in South Carolina. 2006 folgte ein BA-Studium der Nord­amerika­studien und Publizistik an der FU Berlin, im Rahmen dessen sie ein Auslands­jahr in den USA (Portland, OR) absolvierte und sich der US-amerikanischen Politik und Soziologie widmete. Zur Zeit studiert Magda an der HU Berlin Amerikanistik. In ihrer Freizeit ist sie pro­fessionelle Kaffee­trinkerin und Sängerin bei Totally Stressed, einer ArtRock Band aus Berlin.

Crosspost von maedchenmannschaft.net

May 23 2011, 10:00am

Geschenke für die Frau

Nachdem wir vor einigen Tagen schon die schönsten Geschenke für unsere lieben Kleinen vorgestellt haben, wollen wir uns heute damit beschäftigen die passenden Geschenke für die Mütter zu finden. Und Tanten, Großmütter, Freundinnen und Schwestern.  Von luxuriös bis elegant ist für jeden Geschmack etwas dabei in unserer kleinen Auswahl. Weitere Ideen gibt es natürlich auch in den zehn Online-Shops, die uns inspiriert haben.

Beschreibungen findet Ihre /finden Sie nach dem Click…

Für süße Mädchen: Über diese romantische Etagere von Urban Outfitters freuen sich verträumte Frauen und Naschkatzen. Inspiriert von nostalgischen Tellern, zeigen sich Eclairs und Co. besonders verführerisch auf diesem dreistöckigen Präsentierteller . Für Frostbeulen: Kalte Füße stilvoll wärmen kann man bzw. frau mit dieser schönen umstrickten Wärmflasche von Liesbeth Dahl. Der kuschelige Bettgenosse ist aus 100% Baumwolle und erhältlich bei Mousse Shop. Für Grazien: Dieses Set aus Duschgel und Bodylotion erfreut alle Frauen, die sich gerne mit verführerischem Duft umgeben. Das 3-in1 Duschgel wäscht Haut und Haar und macht sich auch als Badezusatz gut. Die Bodylotion pflegt die Haut mit Milchproteinen Die beliebten Produkte aus den Staaten gibt es hierzulane bei QVC. Für Puristinnen: Natürliche Eleganz verströmt diese japanische Holzdose von Muji. Darüber freuen sich Sammlerinnen mit Stil, schließlich hat jede Frau kostbare Kleinigkeiten, die stilvoll verstaut werden wollen. Jede Dose ist handgefertigt und geschnitzt, so gleicht keine der anderen. Für Tierfreundinnen: Über diesen kuscheligen Chihuahua freuen sich Hundeliebhaberinnen. Die dekorativen Kissen aus Bio-Baumwolle von Cloud 7 gibt es mit 13 verschiedenen Motiven. Und für Katzenliebhaberinnen gibt es natürlich auch ein Motiv mit Samtpfote. Für Designliebhaberinnen: Dass diese Keramik-Uhr auch die Zeit mit Quarzwerk anzeigt, ist fast nur ein Nebeneffekt zu der ausgefallen schönen Form. Die geometrisch-organische Skulptur wurde Anfang der 50er Jahre entworfen, allerdings damals nicht produziert. Jetzt hat das Vitra Museum sie erstmals auf den Markt gebracht. Für Geniesserinnen: Dieser runde Porzellanteller ist einer von vier märchenhaften Dekoren aus der Table Stories Teller Serie. Die floralen und animalen Motive stammen vom holländischen Designer Toord Boontje, der mit seinen Entwürfen immer Romantik verbreitet. Alle vier Modelle gibt es bei Authentics. Für Weltenbummlerinnen: In diesem umfangreichen Bildband hat Taschen die schönsten Restaurants, Läden und Hotels fotografisch zusammengetragen. Zum Träumen vom grossen Trip nach New York, Paris, Berlin oder London. Oder als Erinnerung an eine schöne Reise. Für Reiselustige: Wenn gerade eine große Reise ansteht, oder die zu Beschenkende oft beruflich unterwegs ist, bringt diese Kosmetiktasche blumige Freude in den Koffer. Das berühmte Blumendesign Unikko  aus dem  finnischen Designhaus Marrimekko ist schon seit Jahrzehnten ein Klassiker und nach wie vor beliebt. Erhältlich bei Scandinavian Liefestyle. Für Rockerinnen: Dieser Armreif aus Silber ist eine Interpretation des klassischen Nietenarmbands unserer liebsten Rockbands. Verantwortlich für das Update ist Burberry Prosum, zu kaufen ist der Armschmuck bei Net a Porter.  Passt nicht nur zu Lederklamotten, sondern auch zum Spitzen-Kleid!

December 10 2010, 9:30am

Vertrauen ist gut, Quote ist besser

In dieser Kolumne betrachtet Barbara Steidl die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch, da es sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Schon mal was vom “Corporate Governance Kodex” gehört? Diese Erklärung existiert seit knapp zehn Jahren und ist der neue alte Weg in eine Zukunft voller Chancengleichheit. Der Kodex verlangt nämlich, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung transparent zu machen. Damit das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaft gestärkt wird. Damit nationale und internationale Investoren ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihr Geld in deutsche Unternehmen stecken. Das Bundesjustizministerium hat diesen Kodex im Februar 2002 verabschiedet und hängt immer noch daran… Denn nach diesem Vertrauen in die Unternehmen spricht sich Thomas Fischer, der Mann für den Bereich Chancengleichheit im Bundesfamilienministierium, neuerdings aus, so etwa auf einer Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbunds. Das heißt aber auch, dass künftig nur mehr der Wunsch nach Vertrauen, nach Offenheit, nach Transparenz, der beruflichen Gleichberechtigung helfen soll. Und keine Quote, die etwa von den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen aus die Chancen von oben nach unten ohne Geschlechter-Benachteiligung verteilt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 war noch von einem “Stufenplan” die Rede, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden. Dazu wird ein Stufenplan, insbesondere zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vorgelegt. Der Stufenplan setzt in einer ersten Stufe auf verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen.

Anfang des Jahres hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für Frauen in Führungspositionen ausgesprochen. Doch als bekennende Feminismus-Skeptikerin sprach sie sich früher höchstens ein bisschen, inzwischen aber kein bisschen mehr (auf die Quote als “Ultima Ratio” kann verzichtet werden) für Quoten aus. Sie lässt wohl demnach auch keinen “Stufenplan” entwickeln, zumindest keinen, den sie mit der Öffentlichkeit teilt. Stattdessen erhält sie Zustimmung von ihrem Koalitionspartner FDP, dessen Abgeordneter Marco Buschmann die Quote als “Evergreen der Grünen” und als “unterkomplexes Instrument für komplexe Fragestellungen” bezeichnet. Grün, einfach, nein! Nicht alle im Bundestag sind dieser Meinung. Bündnis 90/Die Grünen haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten vorsieht. Auch die SPD will eine Quote, 40 Prozent nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für Vorstände. Das gefällt auch der Linken. Doch die Opposition kann viel wollen, wenn die Regierung nicht will. Kommen wir also wieder zurück zum Vertrauen, dass via Kodex alles gut machen soll. Kürzlich sagte Klaus Peter Müller, Vorsitzender der “Corporate Governance Kodex”-Kommission, dass wir keine Quoten brauchen: Die Unternehmen brauchen keine neuen gesetzlichen Vorschriften. Wir haben im Kodex eine klare und sachgerechte Regel für mehr Frauen in Aufsichtsräten beschlossen, die spätestens bei der nächsten großen Welle der Neuwahlen in knapp drei Jahren wirken wird. Schon gar nicht brauchen wir eine starre Quote, die wie ein Rasenmäher wirkt. Ein Bau- oder Chemieunternehmen hat einen anderen Mitarbeitermix als ein Dienstleister. Das muss sich in den Gremien spiegeln.

Welchen Weg also empfiehlt Kristina Schröder einer Frau, die in der Berufswelt erfolgreich sein möchte? Die dieselben Chancen ergreifen können möchte wie ihre Kollegen, natürlich bei gleicher Qualifikation? Vielleicht in einem Chemieunternehmen, wo sonst nur Männer sind? In dem inzwischen berühmten Spiegel-Interview nennt Schröder eine Quote eine Kapitulation an die Politik. In der Süddeutschen Zeitung sagt sie zu Lisa Ortgies, dass Unternehmen längst erkannt haben, dass sie Frauen an der Spitze brauchen. Deshalb sei eine Quote nicht mehr nötig. Dass die Quoten-Gegnerin ihre einflussreiche, wichtige Position einer Quote verdankt, ist ihr übrigens bewusst. Aber ist ihr bewusst, dass es ihre eigene Politik ist, die die Menschen dazu bringt, Maßnahmen vom Gesetzgeber zu fordern, die ihr Leben ein bisschen chancengleicher machen? Die aktuelle Politik der Bundesregierung möchte, dass die Wirtschaft versteht und weise handelt. Ohne Druck. Ohne gesetzliche Maßnahmen. Diese Form von Good Will ist so was von gestrig, Kristina Schröder! Die Autorin Barbara Steidl schrieb diesen Beitrag für das Blog maedchenmannschaft.net. Es erscheint hier als Crosspost.

December 9 2010, 9:57am

Nahles-Interview: Das Private ist das Politische?

Frage: Vergangene Woche ist ein Interview von Ihnen in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen. Dort erzählen Sie von Ihren Plänen, schon zwei Monate nach der Geburt Ihres Kindes wieder zurück ins Amt zu gehen. Sie sagen: “Emotional stelle ich mir das für mich unheimlich schwer vor. Ich weiß, ich werde unser Kind nicht so oft sehen, wie ich es gern hätte.” Eine solche Entscheidung fällt man in der Regel nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf. Und nicht alleine. Wie haben Sie Ihre Lösung gefunden? Andrea Nahles: Ich plane. Um mich ein wenig sicherer zu fühlen. Ob es am Ende so kommt… das hängt von dem Kind ab. Ist es gesund und munter, ja, dann werde ich bald wieder meiner Arbeit nachgehen. Das ist ohne die aktive Unterstützung meines Mannes nicht denkbar: Wir haben das intensiv besprochen. Wir möchten, dass unser Kind von einem Elternteil intensiv betreut wird, und das ist in unserem Fall eben mein Mann. Ich mache mir nix vor, dass wird sicher nicht so leicht – ich freue mich nämlich sehr auf das Zusammenleben mit unserem Kind. Es ist ein spätes Glück.

Frage: Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für jede Frau eine Herausforderung. Besonders in einer Position wie der Ihren, die durch große Verantwortung und einen gefüllten Terminkalender eher familienunfreundlich wirkt, wirft die Geburt eines Kindes viele Fragen auf: Wer betreut das Kind, etwa. Aber auch: Wie gehe ich mit dem Vorwurf der Rabenmutter um? Und: Wie mache ich meinem Umfeld klar, dass ich durch die Geburt nicht zu einem an Stilldemenz leidenden Wesen geworden bin, sondern nach wie vor klar denken kann und sogar neue Kompetenzen und Einsichten erworben habe? Wie gehen Sie mit diesen und anderen Fragen um? Andrea Nahles: Stilldemenz ist wie Rabenmutter ein klassisch deutsches Klischee. Das ist in anderen Ländern so nicht anzutreffen. Ganz offen: Ich habe keine feste Idee, wie ich damit umgehe. Besonders der Rabenmutter-Vorwurf ist wohl unvermeidlich, und wie schaffe ich es, dass mich solche Gedanken nicht anstecken? Gerade mit einem nicht so ganz gewöhnlichen Job wie meinem. Puh. Sicher hilft, dass ich unser Kind in guten Händen weiß, und dennoch piesackt sowas doch sehr, schätze ich. Umgekehrt wird es sicher auch nicht einfach, die Beobachter auszuhalten, die nach Nachlässigkeit oder weniger Engagement wegen des Kindes bei mir fahnden. Am Ende mache ich es wie alle Frauen: Durchziehen. Froh sein mit dem Kind. Wissen, dass man etwas Kostbares erleben darf. Frage: Sie sprechen in der Brigitte auch davon, dass Ihr Amt als Generalsekretärin der SPD Begehrlichkeiten wecke, und das auch innerhalb Ihrer Partei. Viele Medien haben daraufhin geschrieben, Sie hätten Angst um Ihren Job. Und würden deshalb nach der Geburt Ihres Kindes so schnell zurückkommen. Überrascht Sie das mediale Echo? Andrea Nahles: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst um meinen Job. Das war ein Dreh, den die Medien reingebracht haben. Ich habe nur nüchtern beschrieben, wie es für berufstätige Mütter aussieht. Überall. Bei meinen Cousinen, bei vielen Freundinnen. Den Plan bald zurück zu kommen, hatte ich von Anfang an. Ich fühle mich einfach verantwortlich. Es gibt viel zu tun. Frage: Einer der wichtigsten Sätze der Frauenbewegung lautet ja, das Private ist politisch. Nun zeigen Sie, dass ein Kind durchaus auch vom Vater betreut werden kann, wenn die Mutter arbeitet. Doch Sie deuten auch an, dass einer Frau in einer Führungsposition nur eine kurze “Schonfrist” gewährt wird, die sie nach der Geburt ihres Kindes vom Arbeitsplatz fernbleiben darf – anderenfalls kann sie mit Nachteilen rechnen. Ist das so? Immer noch? Und auch in der SPD? Andrea Nahles: Mich hat eine jüngere FDP-Landtagsabgeordnete angeschrieben und mir aufmunternde Worte und Beispiele aus eigenen Erfahrungen gesagt. Das bestätigt meinen Eindruck, dass es nicht nur in meiner Partei ambivalent ist, wenn Frauen in Funktionen Kinder kriegen. Frage: Wenn Sie sich vorstellen, dass Ihre Tochter in 40 Jahren in derselben Situation ist wie Sie jetzt: Welche gesellschaftlichen Umstände wünschen Sie ihr? Andrea Nahles: Ich möchte, dass meine Tochter so leben kann, wie sie es für sich, ihre Kinder, ihre Familie richtig findet. Ob sie Teilzeit macht oder voll arbeitet. Ich traue ihr zu, dass sie für sich das Richtige entscheidet. Und mein größter Wunsch wäre, dass die gesellschaftlichen und politisch gegebenen Rahmenbedingungen das positiv begleiten und es nicht erkauft werden muss durch Karriereknick, niedrigere Bezahlung und innere Zerrissenheit. Ja, in meinen kühnsten Träumen hoffe ich sogar, dass Frauen und Männer dafür beruflich sogar Respekt und Anerkennung bekommen, wenn sie Familie und Beruf gemeinsam erleben.

Das Interview führte Barbara Steidl. Dies ist ein Crosspost von maedchenmannschaft.net Bildnachweis: SPD/ Florian Jaenicke

November 24 2010, 9:31am

Dialog der Kulturen

Am 23.11. startet die in New York Fotografie studierende gebürtige Saudi-Araberin Amira Al Sharif ein wie mir scheint wundervolles Projekt. Sie möchte das Leben junger amerikanischer Frauen dokumentieren und die so entstandenen Fotografien mit Bildern ihrer “Schwestern” aus Jemen, wo sie aufgewachsen ist, kontrastieren. Wie kleiden sie sich, wie sehen ihre Beziehungen zu Familie, Kollegen und “boyfriends” aus. Wo ähneln sie sich und womit unterscheiden sie sich voneinander? Sharif möchte dazu beitragen Vorurteile und Missverständnisse zwischen den Kulturen abzubauen…

October 13 2010, 12:43pm

Im Namen der Freiheit: 9 Jahre Afghanistan-Krieg

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte “Krieg gegen den Terror” und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom (“Operation andauernde Freiheit”) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber “es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren”, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation “Kinderhilfe Afghanistan”, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten…

In unzähligen Interviews aus der Dokumentation Rethink Afghanistan (Teil 5: The Women of Afghanistan) wird deutlich, wie es um die Mehrzahl der afghanischen Frauen im Jahre 2010 steht: Die Frauenquote im Parlament von 25% ist zwar von der Verfassung vorgeschrieben, verhindert allerdings nicht, dass Kandidatinnen, die sich um ein politisches Amt bemühen, mit teils gewalttätigem Widerstand rechnen müssen. Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse. Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte. Selbstmordattentate waren noch vor der amerikanischen Invasion gänzlich unbekannt. Die Mehrzahl der Ehen wird erzwungen; Vergewaltigungen bleiben ungeahndet oder enden mit der Bestrafung des Opfers; häusliche Gewalt hat zugenommen und die Kindersterblichkeit ist unverändert hoch. Einige, wie Reinhard Erös, sprechen von einer Verschlechterung der humanitären Situation seit 2001. Der Human Rights Watch Bericht (2009) zum Thema Frauenrechte in Afghanistan skizziert ein trauriges Bild in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in Bildung und Rechtssprechung. Die Situation der afghanischen Bevölkerung in dem nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA findet weltweit Aufmerksamkeit: Auf dem August-Titel des US-Magazins Time prangte das Bild einer afghanischen Frau ohne Nase. Daneben war zu lesen: “Was passiert, wenn wir abziehen.” Die 19jährige Bibi Aisha, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und der zur Strafe Nase und Ohren abgeschnitten wurden, gab diesem Krieg ein erschreckendes Gesicht. Die Überschrift ist angesichts der Realitäten in Afghanistan der reinste Hohn. Aishas Geschichte ereignete sich zu einer Zeit, in der amerikanische und auch deutsche Truppen schon jahrelang in Afghanistan stationiert waren. Weder die Militärpräsenz noch die unzähligen Hilfsorganisationen konnten die Lage der afghanischen Bevölkerung radikal verändern. Operation Enduring Freedom? Die Tatsachen sprechen dagegen. Autorin: Magda Albrecht, Crosspost von maedchenmannschaft.net Bildnachweis: isafmedia

September 10 2010, 9:57am

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