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Eltern & Web: Fernsehen im Kindergartenalter

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums Fernsehen für Kinder: Sollten Kindergartenkinder schon fernsehen dürfen? Im Kindergarten meiner Tochter gucken fast alle Kinder mindestens das Sandmännchen, viele aber auch deutlich mehr. Bei uns zu Hause ist das nicht erlaubt, obwohl die Kleine (4) quengelt, sie wolle auch gucken – alle dürften schließlich, nur sie nicht. Sollte ich ihr das Fernsehen gestatten?

Kleinkinder unter drei Jahren brauchen kein Fernsehen und sollten tatsächlich auch nicht gucken. Hier sind sich die Fachleute einmal völlig einig. Nun ist ihre Tochter aber schon ein Kindergartenkind. Und wenn dort alle das Sandmännchen gucken und ihre Tochter das auch möchte, frage ich Sie: Warum soll sie nicht? Zum einen steigern rigorose Verbote meist das Begehren, außerdem ist gerade der Sandmann ja aus gutem Grund ein klassisches Erfolgsformat. Ich denke, dass auch Kinder bis zum Vorschulalter sicher kein Fernsehen brauchen. Aber schadet es ihnen, wenn sie mal gucken? Hier heißt es dann wieder: Kommt drauf an, nämlich auf die Auswahl der Sendungen, darauf, wie viel geguckt wird, und darauf, ob die Kinder das Gesehene mit einem Erwachsenen besprechen können. Echte Nachteile hat Ihre Tochter mit vier Jahren wohl kaum zu befürchten, wenn sie nicht das Sandmännchen oder andere für ihr Alter geeignete Sendungen gucken darf. Hilfe bei der Programmauswahl gibt es zum Beispiel bei Flimmo. Der strikte Wunsch, etwas zu tun oder zu haben, nur weil es alle anderen tun oder haben (oder man dies glaubt), kann Eltern in den Wahnsinn treiben. Andererseits ist er nur allzu menschlich und wird Sie in den kommenden Jahren ohnehin begleiten. Wahrscheinlich werden sich die Wünsche auf weitere Objekte und Unternehmungen ausdehnen: Kleidung, Gadgets, Musik – Gruppenzwang eben. Sind die Kinder älter, kann es ihnen in der Tat zum Nachteil gereichen, wenn sie systematisch nie dasselbe tun und haben dürfen wie die anderen. Häufig wird dies zum Ansatzpunkt für Ausgrenzungen. Das soll nun nicht heißen, dass Kindergartenkinder aus Furcht vor Mobbing zum Fernsehen angehalten werden sollten. Aber auch hier hilft es, mit den Kindern zu sprechen. Warum genau möchte ihre Tochter fernsehen? Warum gerade diese Sendung? Auch kleine Kinder können dazu schon recht gut Auskunft geben. Wahrscheinlich ist sie einfach nur neugierig, dem Alter angemessen eben. Wenn Sie befürchten, dass aus dem einmaligen Gucken des Sandmanns schnell ein Vor-dem-Zubettgehen-Terror werden könnte à la „Ohne Sandmann kann ich auf keinen Fall schlafen“, liegt ein Kompromiss nahe: Sie zeichnen einige Folgen auf und diese dürfen geguckt werden, wenn es in Ihren Familienalltag passt? So können Sie steuern, was und wann geguckt wird, Sie entziehen sich der am Audience Flow orientierten Programmstruktur des Fernsehens, die ja nur darauf aus ist, Zuschauer möglichst lange am Bildschirm zu halten, und konfrontieren ihr Kind nicht mit Werbung oder ungeeigneten Inhalten. Wenn Sie dann noch mit dem Kind gemeinsam fernsehen und über das Gesehene sprechen, wird das Sandmännchen ihrer Tochter nichts als Freude bereiten. Und Ihnen hoffentlich auch.

May 27 2011, 9:30am

Jetzt ist der Fernseher auch weg

Es war vor ungefähr zwei Jahren: Ich hatte – ohne es aktiv vorgehabt zu haben – einfach den Kauf von Zeitungen und Zeitschriften eingestellt. Das Lesen von Massenmedien in Zügen, in Wartebereichen auf dem Flughafen oder einfach mal in Ruhe am Sonntag morgen war jahrzehntelang Teil meiner Aktivitäten. Wenn man aber jeden Tag beruflich im Internet liest und schreibt, dann verlässt einen offenbar irgendwann das Interesse. Meine journalistische Tätigkeit hatte mit dem Siegeszug des Web Ende der Neunziger Jahre eingesetzt. Jetzt hatte der ständige Fokus auf Buchstaben mein Studium der Printwelt exmatrikuliert. Aber es gab ja immer noch das Fernsehen. Ich muss zugeben, dass ich seit dem Anbiedern der öfffentlich-rechtlichen Sender an das Prekariatsfernsehen auf SAT1, RTL und VOX auch dort kaum noch meine Heimat fand. Aber ich sah eigentlich immer 3SAT, arte und die Dritten Programme. Nach der Welle von Talkshows in den letzten Jahre reduzierte sich auch diese Gewohnheit. Ich vergaß sogar meine hämischen Kommentare über das Fernsehprogramm. Dann kam der verheerende Dreischlag auf Japan: Erdbeben, Tsunami und Atomkraftwerksexplosionen. Die Hilflosigkeit der versammelten Experten auf dem gesamten Globus, sei es auf TV5, CNN, BBC, ARD oder NHK machte mir schlagartig klar, dass die Milliarden Euro, die jedes Jahr in Tausende von Journalisten, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern versenkt werden in keinem Verhältnis zur gesellschaftlichen Praxis von Technologie und kommunikativem Austausch darüber steht… Die Wissenden stehen stolz vor den Journalisten und erklären jahrelang, dass zu keiner Zeit Anlaß zur Gefahr bestand, und dass alle Bedenkenträger im Grunde Idioten sind und den Wohlstand und das Glück von Millionen von Menschen gefährden: Dann kommen die Lebensmittelskandale, dann kommen die vielen Tausenden Toten im Jahr durch Sekundenschlaf der Auto- und LKW-Fahrer, dann kommen die Zehntausende Toten, die sich ins Grab geschlemmt haben, diejenigen, die sich um den Verstande gearbeitet haben – und immer steht ein Experte bereit und hebt die Schultern. Denn solche Entwicklungen sind eigentlich nur vereinzelte Vorkommnisse, die Wissenschaft aber hätte immer das große Ganze im Bild. Die Journalisten nicken. Und die Cutter in den Sendern schneiden Archivmaterial über die Texte, die wir schon Tausende Male gehört haben: Egal zu welchem Thema. Das letzte verbliebene große Massenmedium hat angesichts der Berichterstattung von Japan eines gezeigt: Der Inhalt, der dort transportiert wird, kommt aus dem Nichts und verschwindet dort. Es ist wie eine eingeübte schlechte Angewohnheit, so etwas wie das Rauchen oder das schnelle Fahren mit Motorrädern auf unübersichtlichen Straßen. Der Inhalt ist nur eine Projektionsfläche auf der alle und jeder seine persönliche Exkrementik ablädt. Leider ist es in fast allen Fällen heiße Luft. Seit gestern schaue ich nur noch DVDs über den Kasten. Mir reicht es. Mal sehen, ob mir mein geliebtes Radio noch bleibt.

March 15 2011, 9:53am

Kostenlose Videothek im Netz

Die Amerikaner können schon lange im Web Fernsehen. Vor allem Serien und bestimmte Sitcoms oder tägliche Talkshows sind dort beliebt und hulu.com liefert die Plattform dafür – kanalübergreifend. Als in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Angebot im Netz ausweiteten, sahen die privaten Sender die Freiheit des Marktes beschränkt durch die gebührenfinanzierten Angebote. Denn anders als die öffentlich-rechtlichen Mediatheken mussten und müssen sich ihre Sendungsarchive im Netz via Werbung finanzieren. Jetzt schließen sich die RTL-Gruppe und ProSieben.Sat1 zusammen und wollen eine hulu-ähnliche gemeinsame Plattform ins netz bringen, wo man all die verpassten Sendungen und Serien im nachhinien (nochmal) sehen kann. Vordergründig macht das Sinn, denn man muss nicht dieselbe Technologie des Archivierens, des Streamings und der Werbevermarktung mehrmals erfinden und umsetzen. Und sogar die öffentlich-rechtlichen Sender betrachten dieses Entwicklung mit Wohlwollen und schließen nicht grundsätzlich aus, dabei zu sein. Ob allerdings die Kartellwächter der EU dabei mitspielen bleibt fraglich. In England wurde so ein joint venture namens Kangaroo mit der BBC gerade gekippt und auch in den USA steht hulu vor einer kritischen Prüfung der kartellsensiblen Obama-Administration… Die Mediatheken der ARD und des ZDF scheinen es den Privaten offenbar angetan zu haben. Warum nun aber ausgerechnet bei der Distribution via Web die verfeindeten Parteien plötzlich gute Miene zum Spiel der Mehrfachverwertung machen, bleibt sonderbar. Die Werbeumsätze im Netz wachsen zwar in rasendem Ausmaß, sind aber im Vergleich zu den traditionellen Kanälen wie TV, Radio oder Print vergleichsweise gering. Außerdem werden die Werbekuchen online immer mehr über Google, Facebook und Konsorten aufgeteilt. Ob und wie eine derart spazialisierte Plattform mit Pre- oder Postroll-Werbung, also kleinen Werbefilmchen vor und hinter den Sendungen signifikante Umsätze erzielen kann, bleibt solange fraglich wie man mobiles Fernsehen und VideoOnDemand klein halten kann. Der schleppende Ausbau und die Unzuverlässigkeit der Breitbandanbindungen hinsichtlich Bandbreiten oberhalb DSL 16.000 trägt auch nicht unbedingt zum Erfolg bei. Außerdem wir das Netz zunehmend in den Fernseher verlagert werden. Und dann stehen diesen Angeboten die aktuellen TV-Angebote 1:1 gegenüber. Nur wer dann nicht schon zeitversetztes Aufnehmen und Ansehen via Festplatte kann, der könnte Kunde werden. Aber in welchem Fernseher wird im Jahr 2015 keine Festplatte stecken? Bildnachweis: clarita

August 24 2010, 10:16am

BBC Digital Revolution: neuer dokumentarischer Ansatz

Die BBC arbeitet an einer Dokumentation über das Internet. Mit der vierteiligen Produktion “Digital Revolution” scheint sie sich den Herausforderungen stellen zu wollen, die das Netz dem Fernsehen stellt: das Team hat ein Blog eingerichtet, mit dem man in Austausch mit den Nutzern treten möchte. Produzent Russel Barnes dazu: So we have decided to adopt a radical, open-source approach to the production process. We don’t just want to observe bloggers from on high; we want to blog ourselves and get feedback and comment on our ideas. Daher werden im Blog die Nutzer nach ihren Meinungen gefragt und um Themenanregungen gebeten. Zudem wird Material aus der Produktionsphase vorab online zur Verfügung gestellt. Den Anfang macht ein sehr interessantes Statement von WWW-Vater Tim Berners-Lee zum Wesen des Netzes.

[via golem]

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July 16 2009, 1:04pm

ARD Netzrauschen: Online-Wahlkampf im TV

Dass das Netz im Wahlkampf angekommen ist, dürfte nichts Neues sein. Die ARD springt nun auf den Zug auf und hat das neue Format “Netzrauschen” entwickelt. Dort will man in den Wochen vor der Bundestagswahl den Wahlkampf im Internet auf die TV-Bildschirme bringen und dabei auch mit Bloggern diskutieren. Den Piloten gibt’s schon mal vorab: SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel erzählt von der Onlinekampagne der SPD, den Internetsperren und der Piratenpartei. Der Pilot ist gelungen, was auf ein schönes neues Format im TV hoffen lässt, das lange schmerzlich vermisst wurde und den Menschen endlich nahebringen könnte, dass das Internet auch in der Politik ein wichtiges Thema ist.

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July 6 2009, 11:46am

Topliste der Web-TV Angebote: Fernsehen ohne Fernseher

Schmeißt die Fernbedienung weg und greift euch die Maus! Das Fernsehen hat zwar trotz Unkenrufen das Jahr 2008 überlebt und wurde nicht vonm Internet abgelöst, trotzdem gibt es auch im Netz jede Menge Sehenswertes. Wir haben für euch eine Liste der besten Web-TV Angebote zusammengestellt.

Wir fangen ganz klassisch an: Auch die großen Fernsehanstalten haben mittlerweile erkannt, dass Fernsehen nicht mehr nur im Fernseher geschaut wird und bieten einen Großteil ihres Programms kostenlos im Internet an – u.a in den Mediatheken von ZDF und ARD. Bei RTL Now und ProSieben Video sind zumindest Teile des Programms frei zu nutzen. In den USA ist man da schon einen Schritt weiter. Hulu bietet eine riesige Online-Bibliothek mit Serien wie “The Simpsons” oder „House“ sowie zahlreiche Spielfilmen an – alles kostenlos! Einziger Nachteil: Das Angebot ist zurzeit nur für Nutzer aus den USA zugänglich. Für Serienfans mit deutscher IP Adresse bleibt der Bildschirm schwarz. Grund dafür sind die fehlenden Lizenzrechte für den europäischen Markt. Eine abgespeckte Version ähnlicher Art, die auch aus Deutschland problemlos zugänglich ist, bietet MSN Movies. Dort findet man über 100 Kinofilme, die kostenlos abgespielt werden können. Diese Filme sind allerdings schon älter und waren bereits im Free-TV zu sehen. Für einen DVD-Abend Web-TV Abend mit Klassikern sind sie aber durchaus geeignet. Kreativ geht es bei Hobnox zu, einem Portal für Kunst und Künstler. In den Musiken Rubrik und Film können Videos eingereicht werden. Die Community stimmt dann ab, welche Beiträge auch in den Hobnox Channels gezeigt werden. Ergänzt wird das Angebot mit redaktionellen Inhalten. Für das Projekt gab es im letzten Jahr bereits einen Grimme Online Award. Auch bei zaplive.tv kann man ein bisschen kreativ werden. Auf der Plattform kann  jeder Nutzer nach einer kurzen Registrierung einen eigenen Web-TV Sender gründen. Notwendig sind nur eine Webcam oder Videokamera und schon kann es losgehen. Auch über Handy können Videos an die Plattform geschickt werden, die dort veröffentlicht und von anderen Nutzern bewertet werden können. Web-TV in grün bietet green.tv. Dahinter steckt ein Projekt der Produktionsfirma greenfilm, das sich auf Videos und Informationen von Umweltorganisationen und grünen Unternehmen wie Greenpeace oder UNEF spezialisiert hat. Themen sind u.a. der Klima- und Meeresschutz. Ein paar Web-TV Schmankerl für zwischendurch gehören auch dazu: Empfehlenswerte Interviews mit zeitgenössischen Köpfen findet man bei FOLGE, der elektrische Reporter geht regelmäßig auf Entdeckungsreise durch die digitale Welt. Heißer her geht es bei seinen Auseinandersetzungen mit Sasha Lobo im Format Sixtus vs. Lobo. Da wird z.B. zum Thema “Ballerspiele - ein unterhaltsamer Zeitvertreib oder für Blöde” diskutiert. Die Multimedia Seite MediaStorm widmet sich der erzählenden Fotografie. Die zahlreichen Slideshows sind mit Kommentaren und Videos unterlegt. Die vielfach ausgezeichnete Seite beschäftigt sich u.a. gerade mit dem Krieg und Vergewaltigungen im Kongo und liefert zu den eindrucksvollen Bildern auch noch Hintergrundinformationen und Links zu Hilfsorganisationen. Die Filmliebhaber von OH! - Das Videomagazin sind auf der Suche nach den Perlen der Filmes, die nicht im Kino oder Fernsehen laufen.  Zweimal im Jahr präsentiert OH! die besten Fundstücke in den Kategorien Videokunst, Kurzfilm, Musikvideo, Animation, Interview und Dokumentation. Die Gewinner können auf der Website bestaunt werden. Eine Art Fernsehzeitung im 21. Jahrhundert ist 3w-tv.com. Die Plattform fasst Internetangebote zusammen und sortiert diese nach Themen. Da gibt es Livestreams und zahlreiche Links zu entsprechenden Angeboten der TV Sender, die mit kurzen Informationen zum Inhalt der Videos versehen sind. Verlinkt wird allerdings auch auf kostenpflichtige Dienste. Ähnlich funktioniert auch Guxa, das aber etwas übersichtlicher und schicker gestaltet ist. Alle gesammelten Web-TV Beiträge können dort nach Kategorien oder Nutzerbewertungen sortiert durchsucht werden.    Verwandte Artikel

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