Jeff Jarvis ist Journalist und Blogger, er war früher auch TV-Kritiker und berät einige amerikanische Medienhäuser rund um den Medienwandel online. Er ist regelmäßiger Kolumnist beim britischen Guardian und seit 2006 Dozent im Fachbereich Journalismus an der CUNY, New York. Seine Karriere als Blogger begann als direkte Auswirkung der Anschläge auf die Twin Towers, von deren Einsturz er im September 2001 direkt vor Ort berichtete.
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republica10 Video: Jarvis – Kontrolle über Information
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April 23 2010, 10:00am
republica10 Video: Jeff Jarvis on the privacy paradox
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April 22 2010, 10:00am
republica10 Video: Sasaki über digitalen Aktivismus
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David Sasaki, Director of Outreach und Research Director beim Technology for Transparency Network im Video-Interview mit den Netzpiloten über Digitalen Aktivismus und die Emanzipation von Menschen mithilfe des Web. (dt. Untertitel)
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April 20 2010, 10:00am
Livestream re:publica10 Quatsch Comedy Club
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April 16 2010, 2:49pm
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April 16 2010, 10:01am
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April 16 2010, 10:00am
TEDtalks: How to combat modern slavery
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April 15 2010, 12:30pm
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April 15 2010, 10:01am
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April 15 2010, 10:00am
TEDtalks: What adults can learn from kids
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April 14 2010, 12:30pm
Livestream re:publica10 Kalkscheune
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April 14 2010, 10:00am
sbs10: Hacking Behaviours – Firma 2.1
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Bericht vom Social Business Design Summit in London. Dr. Martin Lindner
Der europäische Social Business Design Summit (#sbs2010), der erstmals letzten Donnerstag in London stattfand, ist eine von vielen Veranstaltungen aus einer inzwischen recht langen Reihe, seit der MIT-Professor Andrew McAfee 2006 das “Enterprise 2.0″-Mem in die Welt setzte. Seit damals geht es um den schwierigen Versuch, die neuen Kollaborationsformen des “Web 2.0″, die sich rund um Wikis, Blogs, Feeds und Tags entwickeln, auf die geschlossenen Ökosysteme innerhalb der Firmen-Firewalls zu übertragen.
Inzwischen gibt es die Enterprise 2.0 Konferenzen in Boston und San Francisco (seit 2007), die Office 2.0 Konferenzen (2007/2008), die deutschen “Enterprise 2.0 Summits” (seit 2008) und viele andere Veranstaltungen mit weniger einprägsamem Namen. Ausgangspunkt ist immer die eine Erkenntnis: Mit der Öffnung zum Web ist die herkömmliche Unternehmens-IT dem Untergang geweiht, und damit auch ein Großteil der formalisierten “Geschäftsprozesse”, powered by Microsoft und SAP, die in den letzten 20 Jahren die Informations- und WissensarbeiterInnen in immer engere Korsette einsperrten. Jetzt geht es darum, neue Strukturen aus den Web-Praktiken herauszulesen, zu adaptieren und in mehr oder weniger designte Ökosysteme zu übersetzen. Leichter gesagt als getan.
Dachismo Warum also jetzt noch ein pompös tönender “Social Business Design Summit”? Eigentlich handelt es sich hier um eine weltweite Serie von drei Konferenzen in Austin, London und Sidney, die von der Jeff Dachis Group veranstaltet werden. Und Jeff Dachis war einer der legendären CEOs von razorfish, der Bubble-Exzessfirma par excellence. “Everything that can be digital will be!” war ihr Schlachtruf. Die Mission: “Recontextualize Business”. In diesem langen Wired-Artikel von 2000 kann man die vielen farbigen Einzelheiten nachlesen.
Anfang 2008 ging Dachis dann zusammen mit dem ehemaligen Forrester-Berater und Marketing-Experten Peter Kim in Klausur und kam nach Monaten mit einem relativ komplexen und perfekt gestyleten Konzept wieder zum Vorschein (Präsentation hier). Seitdem ist “Social Business Design” sein Markenzeichen: Die gezielte Neugestaltung aller Aspekte der IT-basierten Information und Kommunikation von Firmen, intern wie extern, mit den Mitteln des Web.
Dachis bekam eine 50 Mio. Dollar-Finanzspritze, um weltweit zu expandieren, und kaufte ausgerechnet die kleine, feine, hochintelligente, ernsthafte und aller Bubble-Idiotien völlig unverdächtige Londoner Firma Headshift, die bereits seit 2002 mit Wikis, Blogs und Web 2.0-Tools die Strukturen und Prozesse in internationalen Rechtsanwalts-Kanzleien, in öffentlichen Institutionen und Non-Profit Organisationen umbaut. Einer der Gründer, Lee Bryant, ist ein Linksintellektueller, der seine ersten Erfahrungen mit Social Software in Bosnien 1996 sammelte, als Berichterstatter und eine Art Medienreferent der bosnischen Regierung. (Seine zahlreichen im Web vorhandenen Interviews und Präsentationen sind durchwegs sehr empfehlenswert.)
Zum “Social Business Summit” in London luden also die Headshift-CEOs Lee Bryant und Livio Hughes zusammen mit Jeff Dachis und der Zürich-basierten Social Media-Firma SOMESSO ein. Sie litten noch unter dem Jetlag vom unmittelbar vorausgegangenenen Gipfeltreffen in Texas, u.a. mit Stowe Boyd und dem Medienwissenschaftler und dem altem Dachis-Freund Douglas Rushkoff (hier ein paar Soundbites). Die Londoner Teilnehmer waren weniger glamourös, wenn man vom brillanten Keynoter JP Rangaswami absieht, der schon 2006 McAfee zum “Enterprise 2.0″-Mem inspirierte und jetzt als “Chief Scientist” bei der British Telecom Open Source und Social Media vorantreibt. Es war eine bunte Mischung: Viele britische Enterprise 2.0-PraktikerInnen, ein paar (aber nicht zuviele) Social Media-Marketingleute und viele eigensinnige Protagonisten der Web 2.0-Kulturrevolution aus ganz Europa.
Dass sich hier keineswegs ein neuer Schwarm von Bubble-Haifischen versammelte, sieht man allein schon daran, dass die kleine deutsche Delegation aus Martin Koser, Joachim Niemeier und mir selbst bestand. Als Dachis noch 1998 in New York auf den rauschenden Razorfish-Penthouse-Parties nach ihm selbst benannte Wodka-Cocktails (“Dachismo”) leerte, reichte ich in der Gutenberg Galaxis gerade meine Habilitation ein, für das Fach Neuere deutsche Literaturgeschichte. Vom Internet hatte ich null Ahnung. Ins Web ging ich erst ein paar Monate später, mit dem iMac und AOL. Das erste, was ich dort dann sah, waren Amazon und Google. Zur gleichen Zeit platzte die Bubble und die Blogosphäre entstand.
Als ich 9 Jahre später Jeff Dachis die Hand schüttelte, wusste ich gar nichts über ihn. Irgendein aalglatter, knallharter US-Entrepreneur, dachte ich. Ich fand ihn überraschend sympathisch. Ein kleiner, eher schüchtern wirkender Mann, der bei seiner Keynote vor Nervosität mehrfach stecken blieb, anscheinend, weil ihn die von Lee Bryant geladene europäische Web-Intelligenzija verunsicherte. Und er meinte offenkundig ernst, was er sagte: Dass er den Geist von 1995 wieder spürt, weil die neuen sozio-semantischen Web-Medien jetzt ein reales Fundament abgeben für die Erfüllung der leeren Versprechen der Blasenzeit. Ich glaube, er hat damit Recht. (Dass er damit nochmals märchenhaft viel Geld scheffelt, glaube ich eher nicht.)
106 Piccadilly Der Social Business Design Summit fand direkt am Green Park statt, schräg gegenüber vom Buckingham Palast. Gastgeber war die Limkokwing University, ein malaysischer Multimedia-Campus, der hier in London seine Niederlassung hat. Das denkmalgeschützte Haus beherbergte über 100 Jahre lang den exklusiven St. James Gentlemen’s Club, in dem Diplomaten und Autoren die britische Weltherrschaft debattierten. Auch jetzt waren Frauen in der absoluten Minderzahl (1:15, schätze ich), was seltsam ist: Immerhin ging es um Social Media, und technikverliebte Kindereisenbahn-Diskussionen waren ausdrücklich verpönt. Insgesamt waren es vielleicht hundert Leute und die Stimmung war ausgesprochen locker und entspannt. Ein seltsames Missverhältnis: Einerseits versammelten sich hier Pioniere aus ganz Europa, die sich eins wissen mit dem digitalen Weltgeist. Andererseits ist es erstaunlich, dass sich das immer noch so winzig und pionierhaft anfühlt. Immer noch dienen solche Veranstaltungen vornehmlich der Selbstversicherung von Gleichgesinnten. Wenn es aber wirklich um eine globale Kulturrevolution geht, die die “Nature of the Firm” von Grund auf verändert, wie es Rangaswami in seiner ebenso lockeren wie exzellenten Keynote beschrieb: Dann ist es allmählich Zeit, die ungemütlichen Themen zu besprechen. Es reicht nicht, sich nur noch einmal zu bestätigen, dass es “die Anderen” einfach immer noch nicht checken. Übrigens scheint es generell, als sei die innere Dynamik der Web 2.0-Events, Unkonferenzen und Barcamps ins Stocken geraten. Seit mindestens einem Jahr wiederholen wir uns nur noch. Die Grundlagen sind gelegt, aber wir kommen nicht mehr recht weiter. Auf der einen Seite ist es Preaching to the Converted, die immer neue Selbstfeier derjenigen, die es schnallen. Und auf der anderen Seite (nicht beim #sbs2010) drängen viele dazu, die die Radikalität des anstehenden Umschwungs nicht recht begreifen, ob Marketingleute, Consultants oder Politiker, und die im Prinzip einfach so weiter machen wollen wie gehabt, nur eben jetzt mit ein bisschen Wikis, Facebook und Microblogging.
E-Mail: Das Soziale Web des Kleinen Mannes Das wichtigste und ungemütlichste Thema ist nicht die “externe Kommunikation” (alias Marketing), und es ist auch nicht so sehr die hybride Kollaboration, d.h. die Auflösung der alten festen Außengrenzen der Beton-und-Glas-Organisation in den neuartigen digitalen Projekt-Strukturen aus Partnern, Kunden und verstreuten Experten. Für beides gab es beim #sbs2010 je eine eigene Arbeitsgruppe. Das eigentliche Problem ist aber die Veränderung der internen Strukturen, mit denen sich die dritte und größte Gruppe beschäftigte: die täglichen Arbeitsprozesse, das Multitasking, der SAP-getriebene Planungswahn, das defensive Abblockverhalten der latent überforderten Mitarbeiter. Dabei ist es ja gar nicht wahr, dass das alte Business zu wenig sozial ist. Es wird ja eher zuviel als zuwenig geredet in den Gängen und Kaffeeküchen. Das Problem ist, dass es die falsche Sozialität ist: das punktlose, destruktive, sich selbst bestätigende Ich/Wir-habe/n-Recht-und-die-anderen-sind-Idioten-Gerede. Dieses kollektiv egozentrische Sozialverhalten kulminiert in der eMail-Inbox, dem Sozialen Medium des Kleinen Mannes (und der Kleinen Missis). Alles ist hier eine “Botschaft” mit Absender und Adressat, die immer schon verdeckt Auskunft gibt über den Status. Und jede Mail verlangt die ungeteilte Aufmerksamkeit, und zwar immer länger als man glaubt. Durchschnittliche IBM-MitarbeiterInnen verbringen jeden Tag zwei bis drei Stunden in ihrer Inbox. Und “E-Mail is not Work”, sagte der Workshop-Leiter Luis Suares, Web-Evangelist bei IBM, der seit zwei Jahren ein Leben ohne e-Mail öffentlich vorlebt. E-Mail ersetzt im Alltag alle die Nuancen und Zwischenformen, für die die “kambrische Explosion” des Web 2.0 diesen enormen Reichtum von Applikationen und Praktiken hervorgebracht hat. Der Fehler ist die Trennung: Hier die Arbeit, dort das Soziale. Hier geht es um die Sache, dort geht es ums Standing. “Social Media” bedeutet eben nicht “Just Another Social Network”, die Facebookisierung des Enterprise, sondern “Object Centered Sociality“: Soziale Strukturen kristallisieren sich um (digitale) Objekte herum aus, die ausgetauscht und gemeinsam genutzt werden. In einer Organisation, in der sich die alten, fest verdrahteten und in Büro-Architektur übersetzten “Workflows” sich auflösen, ist alles sozial, weil alles ein Impuls ist. Jeder Arbeitsschritt, sogar jeder Gedanke, sobald er sich von der UrheberIn ablöst und greifbar wird. Genau das leisten die digitalen Mikromedien: Was früher nur neblig in der Luft lag, kristallisiert sich jetzt aus, kann nachvollziehbare Kettenreaktionen auslösen und mit vielen anderen winzigen Bausteinen (“Microcontent“) neuartige, flexiblere Strukturen bilden.
Das S-Wort Das alles war vielen Anwesenden klar, aber nichts davon wurde so gesagt. Es wurden unverbundene Gedanken geäußert, oft etwas hilflos ausgedrückt im sterilen Vokabular der vielen Management-Dialekte, die selbst Teil des Problems sind und nicht Teil der Lösung. (Ein ausführlicher kritischer Kommentar von Ton Zijlstra dazu findet sich hier.) Wir fanden in der treibsandigen Diskussion keine Anhaltspunkte, weil es immer noch keine geteilte Analyse und keine gemeinsame, hinreichend scharfe Termonologie gibt. Es gibt ja noch nicht einmal eine verbindliche Analyse, die zeigt, welche vielfältigen, auch ‘irrationalen’ Funktionen e-Mail in der Praxis erfüllt, und warum sie für viele so mit der eigenen Identität verschmilzt, dass sie nicht darauf verzichten können und wollen. Vielleicht ist ja wirklich das S-Wort das Problem. Kürzlich gab es eine hitzige Insider-Diskussion darüber, ob man “Enterprise 2.0″ überhaupt als “sozial” verkaufen soll. Hartgesottene Manager entsichern ihren Revolver, wenn sie nur das Wort “sozial” hören, wurde argumentiert. “Sozial” klänge immer schon nach dem Gewäsch von Marketing-Scharlatanen. Da müsse man schon mit ROI und Produktivitätsgewinn und überhaupt mit zahlengespickten Tortengrafiken kommen. Lee Bryant und Stowe Boyd hielten mit guten Argumenten dagegen: Im Gegenteil, es gelte die falsche Gleichung “sozial = wischiwaschi” zu widerlegen, mit penibler Analyse der bereits vorhandenen sozialen Tools und Strukturen und mit genauem User Experience Design. (Und da geht es letztlich dann doch wieder um Technologie, nur eben nicht im Sinne der alten IT.) Trotzdem ist “sozial” manchmal kein gutes Wort, um sich zu verständigen, weil es auch bei den Richtigdenkenden zu viele verschwommene Assoziationen auslöst. “Sozial” heißt ja alles und nichts. Wir sollten uns eher um das Design von Arbeitsumgebungen kümmern, um die Zirkulation von kleinen Informations- und Wissensstücken, wie Lars Plougmann von Headshift einmal sinngemäß sagte. Ton Zijlstra hat in seiner kritischen Rekapitulation des Summit eine sehr komplexe Liste von Fragen vorgelegt, die es weiter diskutieren gilt. Er hat Recht, wenn er sagt, dass damit in London noch nicht einmal begonnen wurde. So viele brillante Leute auf einem Haufen hätten eigentlich mehr neue, greifbare Ideen zustande bringen sollen, meint Ton. Ich sehe das etwas milder: Offenbar sind wir immer noch nicht so weit, wie wir glauben. Offenbar braucht es immer noch das exklusive Treffen der Eingeweihten im (hoffentlich bald gender-neutralen) Gentlemen’s Club. Und die vielen Zwischendurch-Gespräche auf dem #sbs2010 haben mir sehr viel Freude gemacht. Aber wahr ist, dass es keinen Grund gibt, sich damit zufrieden zu geben. “Do not change organisations, let’s hack behaviours”, fasste Luis Suarez sein Ergebnis des Workshops zusammen. Das ist auch deshalb ein guter Slogan, weil “Enterprise 2.0″-Diskussionen viel zu oft vom imaginären Grünen Tisch des Spitzenmanagements von Großorganisationen aus geführt werden. Tatsächlich haben die realen Prozesse, um die es in projekt-getriebenen Organisationen künftig gehen wird, viel eher Ähnlichkeit mit den flexiblen Strukturen von Kleinunternehmen. Lee Bryant nennt das in seinem Rückblick: “That is why we are happy to spend a lot of time in the trenches, digging away alongside people who are trying to change their companies from the inside, encouraged by the many small ways in which we can demonstrate progress towards the goal of socially calibrated organisations. A bit like Wikipedia or Twitter, the most interesting ideas and phenomena will be those that arise from practice.” Wir brauchen also die pragmatische Schützengraben-Perspektive ebenso wie die strategische Grundsatzdiskussion. Sie müssen sich wechselseitig korrigieren. Schlecht ist es nur in der Mitte hängenzubleiben, im rhetorischen Niemandsland. Ich bin seit langem ein Fan von Headshift, weil es die einzige mir bekannte europäische Firma ist, die solches “Behaviour Hacking” wirklich professionell über lange Jahre verfolgt. Und wenn die Partnerschaft mit Jeff Dachis diesen eigentlich eher subversiven Ansatz in einen ehrgeizigen, weltweiten Maßstab übersetzt, dann bin ich wirklich gespannt, was in den nächsten Jahren dabei herauskommt.
Autor: Dr. Martin Lindner befasst sich als selbständiger Forscher und Berater mit Wissensarbeit, Informationsflüssen und Lernprozessen in der Google-Galaxis. Bildnachweis: jade
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March 24 2010, 10:45am
Lawrence Lessig auf der webciety?
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Letzten Samstag hatte mich das deutschlandradio Kultur zur webciety auf der CeBIT interviewt. Ich hatte 6 Minuten Zeit, zu erklären, was mir alles nicht an dieser Konferenz gefällt und was man anders machen könnte. Es gibt viele Gründe für fehlende Relevanz. Der geneigte Leser könnte es auf die Organisatoren schieben, die eigene Kongresse zu vielen wichtigen Themen organisieren und sicher keinen Kannibalismus des eigenen Geschäfts betreiben. Man könnte es auch auf die mangelnde Unterstützung schieben, die die Messeleitung dem darkroom der CeBIT angedeihen lässt. Warum die dort während der CeBIT noch immer keine barcamps einladen oder selbst organisieren, weiß wohl nur bärtige Herr über uns. Aber eines ist der Hauptgrund, warum die Leute nicht in Scharen strömen und begeistert lauschen: Die Sprecher und Panelists erklären ihre Ansichten nicht in Form einer nachvollziehbaren Story. Diese Krankheit schiebt sich durch SEHR viele Konferenzen und Tagungen in Deutschland. Wie es anders geht, zeigte Lawrence Lessig vor ein paar Tagen anläßlich der TEDxNYED zum Thema Free Culture Movement und die Erz-Konservativen, die sich bei uns die Bürgerlichen nennen. Denn von dieser stigmatisierten Bevölkerungsgruppen könnte die Remix-Bewegung eine Menge lernen. Zweifel? Gucken und Hören! So klappt’s auch mit den Zuschauern…
March 9 2010, 9:45am
Livestream TEDxNYED Conference
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TEDxNYED, an all-day conference examining the role of new media and technology in shaping the future of education, will take place in New York City on Saturday, March 6, 2010.
Watch live streaming video from tedxnyed at livestream.com
March 6 2010, 6:51pm
TED: Was wir von Autismus lernen können
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Die berühmte Dozentin für Tierwissenschaften Temple Grandin (sie humanisierte in den USA den Umgang mit Schlachttieren) erklärt als Autistin, wie ihre Welt funktioniert und was wir davon lernen können. (Achtung Südstaatler!)
March 3 2010, 9:37am
TED: Kahnemann – Erfahrung und Gedächtnis
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Sehr toller Vortrag von Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann über Glück, Erfahrung und Gedächtnis. Eigentlich ein Muss für alle Schirrmacher/Gelernter-Jünger. Hilft bestimmt:
March 2 2010, 10:00am
TEDx 2009: Kevin Kelly über Technologie
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Auf der TEDx in Amsterdam im November 2009 erklärte Kevin Kelly (WIRED Magazine) seine Sicht auf Technologie rund um uns in Bezug auf Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Menschen und die Kultur. Was also ist Technologie und wie entstand das, was wir so nennen?
February 23 2010, 2:00pm
Brille auf: Kunst statt Werbung
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Was für eine Vorstellung: Ein persönlicher Ad-Blocker für die Innenstadt! Eine Vision, die die Macher von „The Advertiser“ wahr werden lassen: Sie scannen Plakate und Logos von Calvin Klein bis Budweiser ein, blenden die Werbung dort aus und ersetzen sie mit Kunstinstallationen. Natürlich nicht wirklich, sondern nur für den Nutzer ihrer Ferngläser, Kunst auf Werbeflächen einblenden.
Julian Oliver ist einer der Initiatoren des Projekts. “Die Stadt ist ein Raum der verdichteten Reize”, sagt er. Er wolle sich nicht damit zufrieden geben, dass die Bewohner Städte nur Lesen und nicht schreibend neu gestalten können – anders als Unternehmen, die sich optische Beeinflussung ihrer Städte mit Geld erkaufen können. Bürgern hingegen bleibt der Zugang verweigert. Darum setzte er und seine Mitstreiter sich daran, Computern das Widererkennen von Werbeflächen beizubringen.
So werden teils Werbemotive gehackt, indem aus „Dunkin’ Donuts“ „Fucking Donuts“ wird – oder aber es werden kontextfreie Animationen oder Frisurenhelme auf die ursprüngliche Werbung projeziert. Und es gibt ein magenta-farbenes Plakat der „The Artvertiser“-Gruppe, in der sie in schönster MoMa-Optik für „your art here“ werben.
Für Olivers Mitstreiter Damian Stewart bedeutet das Projekt auch noch etwas anderes – nämlich Hirnfrieden. Forschung hat ergeben, dass die Hirnaktivität beim Konsum einer Google-Seite wesentlich aktiver ist als beim Lesen eines Buches – weil ständig neue Entscheidungen getroffen, neue Reize auftauchen. Das sei nicht gut für das Hirn, ziehe zu viel Energie, sagt XY – eine andere Begründung dafür, Werbung zu blocken, eine Art Hirnurlaub also.
Die Arbeit der „Artvertisers“ war Teil der Camera Obscura-Ausstellung zur Transmediale zu sehen – und darüber hinaus auf theartvertiser.com.
Foto: screenshot theartvertiser.com
February 8 2010, 12:50pm
Feudalherren, Irokesen und kein Gespräch
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Körpersprache, die Bände spricht: Sascha Lobo (v.l.n.r.) verkrampft, Tiziana Terranova im verzweifelten Versuch, Dialog herzustellen, Steve Lambert beleidigt und Matteo Pasquinelli unterfordert bis genervt. (Foto: Anja Krieger)
Drei Männer, drei Themen und keines davon war tatsächlich Liquid Democracies – auch wenn das ursprünglich im Programm gestanden hatte. So diskutierten am Sonntag abend Matteo Pasquinelli, Steve Lambert und Sascha Lobo an einander vorbei.
Steve Lambert präsentierte, dass jeder deutsche Powerpointuser blass vor Neid werden muss: Kurzweilig, bilderstark und witzig stellt der Amerikaner sein Konzept von “utopian fiction” vor: Statt herumzuunken, wie die Zukunft aussehen könnte, kann man sich einfach eine Zukunft ausdenken und sie öffentlich machen, dann kommt die öffentliche Debatte darüber von ganz allein, meint Lambert. Und er weiss, wovon er spricht – immerhin war er unter den Menschen, die in einer gefakteten New York Times-Ausgabe aus der Zukunft das Ende des Irakkriegs verkündeten. “Wir haben das gemacht, weil wir es wollten”, sagt er. Es geht Lambert darum, die Gesellschaft wiederzubeleben, um Demokratie zu stärken. Demonstrationen funktionierten heute nicht mehr, statt dessen müsse man versuchen, die Leute mit fiktionalen Utopien zum Lachen und Nachdenken zu bringen. Statt Kunst zu machen, solle man die Leute dort abholen, wo sie sind, in einer Sprache, die sie verstehen: Wie würden sie den US-Haushalt gestalten? Wie fänden sie Bars in der U-Bahn? Was halten sie vom Irakkrieg? “Wir brauchen keine neuen Ideen, sondern die Visionen und Motivation dafür, die guten Ideen da draußen umzusetzen”, sagt er. Und endet mit einem dicken “Do something!!
Auf eine derart schmissige Darbietung will sich sein Nachredner Matteo Pasquinelli nicht einlassen. Er nimmt in seiner ökonomiehistorischen Rede dafür auf eine interessante Art und Weise die digitale Kreativindustrie unter Beschuss. Anders als vor zehn Jahren, als man mit dem Auftauchen von Indymedia glaubte, das Internet würde partizipativer, diversifizierter, freier werden, sieht man heute, dass es vor allem der Monopolbildung Vorschub leistet. “Statt über liquid democracies sollten wir über digitalen Neo-Feudalismus im Netz sprechen”, sagt Pasquinelli. Wenige Großfirmen etablierten sich immer weiter, der Mittelstand bröckelt weg, und diejenigen, die das Netz als Tempel der kognitiven Intelligenz feiern, vermeiden in Wahrheit nur die Frage, wie sie sich in den ökonomischen Prozess mit einbringen wollen. Zahlen also eine Art Rente an die großen ökonomischen Feudalherren des digitalen Zeitalters. Pasquinelli kritisiert die free culture-Bewegung dafür, sich parallel zur Wirtschaft vor sich hin zu existieren, Interaktionen mit der Wirtschaft zu vermeiden und sich so von den großen Firmen ausbeuten zu lassen. Er zeigt sich von Lamberts Vortrag wenig beeindruckt: Aktivismus sei für ihn, den Wissenschaftler mit der Linksaktivisten-Vergangenheit, eine alte Geschichte. Aktivismus wie Lambert ihn vertrete, habe in den vergangenen zehn Jahren nichts bewirkt. “Ich würde jetzt einfach gerne mal Politik machen. Taktiken entwerfen. Da passiert heute nicht genug”, mahnt er.
Und dann ist da noch Sascha Lobo auf dem Podium. Sein Auftritt ist von einigen Konferenzteilnehmern mit Spannung erwartet worden. Mal sehen, wie er sich gegenüber dem italienischen Linken schlägt, hat einer gesagt. Ich persönlich habe gehofft, dass er vielleicht auf seine speziellen Freunde von der Piratenpartei eingehen wird. Doch nichts davon: Noch kurz vor Start der Veranstaltung bastelt Lobo an seiner Slideshow, begründet auf der Bühne wortreich, warum er auf Deutsch vortragen wird (höhö, will ja nicht den Oettinger machen – ich wäre interessiert an der Übersetzung dieses Gags gewesen) – und hält dann einen typisch-generischen Sascha Lobo-Vortrag über das Spannungsfeld zwischen sozialen und klassischen Medien. Kurz: Er macht im Vergleich zu den anderen beiden Panel-Teilnehmern keine besonders gute Figur.
Schrecklich wird es allerdings erst, als alle drei mit ihrer Moderatorin Tiziana Terranova auf Sofas sitzen, möglichst weit von einander entfernt, und jeder in seinem ganz eigenen Film monologisiert. Lobo hat sich an der Idee festgebissen, dass sein Englisch zu schlecht sei für diese Veranstaltung und krampft sich daraufhin von Statement zu Statement – völlig ohne das Selbstbewusstsein, mit dem er sonst so häufig auftritt. Pasquinellis Körper- und Mundsprache lassen wenig Zweifel daran, wie intellektuell unterkomplex ihm diese Diskussion vorkommt und wiederholt seine Thesen wieder und wieder – allerdings ohne eine interessante Debatte provozieren zu können. Denn auch der eben noch so lockere Lambert macht einen ziemlich verkrampften Eindruck, nachdem Pasquinelli seine utopischen Aktivismus-Ideen so böse hat auflaufen lassen.
So wurde es doch ein ziemlich anderer Nachmittag, als ich es mir im Vorfeld gedacht hatte. Eigentlich hatte ich erwartet, endlich einmal eine interessante, nicht nur im deutschen Saft schmorende Debatte über liquid democracies zu hören – und diese Ideen einmal mit der gelebten politischen Wirklichkeit innerhalb der deutschen Piratenpartei abzugleichen. Was aber nicht weiter schlimm ist: Zumindest die geschichtsökonomischen Betrachtungen von Matteo Pasquinelli haben für diesen Mangel klar entschädigt. Hoffentlich erscheint das Video heute hier im Medienarchive der transmediale. Bildnachweis: Anja Krieger
February 8 2010, 9:45am
Langsamkeit, Duchamps und jede Menge Jetzt: Futurity Long Conversation auf der Transmediale
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Neun Stunden Zeit, um über Zukünftigkeit zu sprechen – eigentlich nicht übermäßig viel angesichts dieses Themas. Die allerdings ziemlich lang werden kann, wenn man im dämmrigen Auditorium des Hauses der Kulturen der Welt sitzt. Gegen 20 Uhr fragt Andy Cameron, der Chef des Benetton-Kommunikationsforschungscenters “Fabrica”, wie viele Menschen eigentlich schon von Beginn an im Saal sitzen. Es heben sich etwa fünf Hände. “You have my admiration”, sagt er.
22 Künstler, Designer, Theoretiker und Journalisten diffundieren auf und von der Bühne. 22 Minuten haben sie je Paarung Zeit, ein Gespräch zu führen, bis per Gong einer die Bühne verlassen muss und ein neuer Diskussionspartner die Bühne betritt. Das kann spannend sein – oder aber auch sehr langwierig, ganz nach Paarung auf der Bühne. Um kurz vor 17 Uhr konstatiert der indonesische Künstler und Kurator Gustaff Harrimann Iskandar aus Indonesien er könne mit dieser ganzen Diskussion hier kaum etwas anfangen: Wegen der wechselvollen Geschichte in Indonesien seien immer wieder neue Zukunftsvisionen von der niederländischen Kolonialmacht bis zum Suharto-Regime aufgetaucht. Zu viele, meint Harrimann Iskander: “Die Zukunft ist bedeutungslos für uns, man muss erst einmal die Gegenwart verstehen. Man muss seinen Körper auf die Gegenwart einstellen, denn Veränderung kann jederzeit stattfinden.”
Zuvor hatte der niederländische Softwareprogrammierer Jaromil sich – ganz Linux-Verfechter – für mehr Kooperationen in der Zukunft ausgesprochen und beklagt, wie monopolisiert viele Entscheidungsprozesse noch heute sind. Er sei stolz, Dinge zu tun, mit denen andere etwas anfangen können, zu dem sie etwas beitragen können. Auch wenn das nicht immer der schnellste Weg sei. “Das Feiern von Hast und Geschwindigkeit sind die Probleme des futuristischen Ansatzes”, sagt er. “Ich mag es, nicht der Erste zu sein.” und die Wiederentdeckung der Langsamkeit angeregt. Und beschämt den einen oder anderen Zuschauer ein wenig, wenn er mit Harrimann Iskander beginnen will, ein Gespräch über die grandiose DIY-Kultur in Indonesien anstößt – denn das hat bekanntlich wenig mit Bastel-Schick zu tun als vielmehr mit der blanken Notwendigkeit.
Es gibt auch Längen in der Diskussion. Etwa, wenn sich die britischen Professoren Steve Benford und Gabriella Giannachi über Myspace-Selbstmorde, Datamining bei Amazon und das 10 Jahre alte Google-Maps-Bild von Giannachis Haus austauschten. Was daran liegen mag, dass sie beide gemeinsam am Horizon-Projekt der Universität Nottingham mitarbeiten. Giannachi fragt sich, ob archivierte Dokumente des Alltagslebens einen Wert haben – besonders vor dem Hintergrund, dass ihre siebenjährige Tochter einer Generation angehört, deren Leben komplett digital eingefangen und gespeichert wird.
Die großen Minuten hat die Long Futurity Conversation allerdings dann, wenn sich auf der Bühne mal ein wenig gezofft wird. Etwa, als der bärtige und bemützte Künstler Warren Neidich sich mit der zarten Professorin Denisa Kera anlegt. Neidich, der Kunstwerke schafft, die vor dem geistigen Auge seiner Zuschauer stattfinden (indem er auf ihre Vorstellungskraft abzielt), koffert Kera an, als sie mit ihm darüber diskutieren möchte, ob die Zukunft noch das Individuum brauchen wird – oder über soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen. Er beschimpft sie wie sich selbst als romantisch. Während Kera über das eigentliche Thema der Veranstaltung, Zukünftigkeit sprechen will, versteigt sich Neidich in einen nicht uninteressanten, aber doch ganz eigenen Gedanken – über den Effekt, den Kultur und Architektur auf unsere Entwicklung als Individuum haben, über Duchamps Pissoir, die Musik von Cage. Kera fürchtet um den Erhalt des Individuums, denkt darüber nach, ob man es künftig mit seinem ganzen geistigen Potential noch benötigt werden wird – oder ob nicht eine versklavte Masse ausreicht. Woraufhin Neidich beginnt, die Kraft der Kunst zu preisen: “Wissenschaftler suchen Konstanz, reproduzierbare Ergebnisse. Aber ein Künstler wie Andy Warhol kann alles verändern.” Und beide sich darin versteigen, was für eine Gattung Barcodes sind, die doch in Supermärkten immer miteinander sprechen. Er wisse nicht, ob er mit denen leben wolle, sagt Neidlich. Kommt drauf an, ob man das interessant gestalten kann, meint Kera.
Wirkliches Highlight der langen Unterhaltung (wahrscheinlich neben den Beiträgen von MIT-Professor Sharpio, die ich leider verpasst habe), ist allerdings das aufeinandertreffen von Designer Jimmy Loizeau mit Bloggerin Regine Debatty. Loizeau, der auf der Transmediale seine fleischfressenden Hausroboter in Möbeloptik präsentiert, hält ein Plädoyer für Design, das nicht nur hübsch ausschaut, sondern Fragen aufwirft. Und Debatty, angetan mit einem hübschen französischen Akzent und einem rosa Smiley-Pullover, verkündet, dass sie keine Lust mehr ihr Blog hat – und wie langweilig sie Design eigentlich findet. Und auch auf Bücher will sie nicht schreiben: “Ich mag es nicht, meinen Text gedruckt zu sehen, ich fühle mich einfach nicht wohl damit, wenn man ihn nicht mehr verändern kann, es nicht mehr “work in progress” ist.” Loizeaus Sachen aber nicht – von denen weiss sie nicht wirklich, was sie davon halten soll. Geräte, die Mäuse und Fliegen, vielleicht irgendwann auch Menschen essen können? Für die Tierversuchsgegnerin und Veganer-Freundin Debatty schwierig. Loizeau sagt, er wolle ganz im Gegenteil wieder sensibilisieren – nachdem wir im Mikrokosmos unseres Zuhauses ja sonst auch ganz locker differenzieren, wer, von der Fruchtfliege bis zur Katze, leben darf und wer zu sterben hat. Und nachdem (gähn), uns das Fernsehen für den Tod desensibilisiert hat. Einziges Problem an diesem munteren Geplauder: Mit Zukunftsvisionen hat das Gespräch auf der Bühne auf einmal nicht mehr viel zu tun – höchstens dort, wo es um die Entwicklung von Biotech-Künstlern ging. Und die diskutierte Debatty auch gleich mit ihrer nächsten Gesprächspartnerin, der studierten Physikerin und Künstlerin Nicola Triscott, weiter, die sich für die Schnittstelle und Kooperation von Wissenschaft und Kunst interessiert.
Flacher wird die Diskussion, als die humorvolle Triscott auf den etwas steifen Benetton-Kommunikationsforscher Andy Cameron trifft – und er darüber plaudert, wie Benetton mit einer Social Media-Kampagne die neuen Models für die nächste Werbekampagne finden will – ausgewählt von der Masse. Und wie er die “Zukunft von Shops” gestalten will. Triscott versucht, darüber zu diskutieren, warum unsere Zeit so risikofrei geworden ist. Von Experimenten aus ihrer Schulzeit habe sie noch immer Narben an den Beinen. Heute wäre so etwas undenkbar, der Jugend werde beigebracht, sich Regeln zu fügen, es richtig zu machen. “Leuten das Scheitern erlauben – das sagt uns etwas über die Zukunft”, sagt Triscott. Lobt die Darwin-Awards. Sagt, die Leute müssten anfangen, “Expertise”, die ihnen vor die Nase gesetzt wird, zu hinterfragen. Oder zumindest die Personen, die sie präsentieren. Gedanken, auf die Cameron leider kaum einsteigt.
Und so plätschert die Long Conversation weiter vor sich hin. Mal schlauer, mal weniger Visionär. Über Fahrräder als Autos der Zukunft, Kunst statt Werbung und Konferenzen ohne Teilnehmer. Mal sehen, wie es dann tatsächlich wird. Später in der Zukünftigkeit.
February 7 2010, 9:41am
Palestine läutet zur Transmediale
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Dienstag, 2.2.2010
Charlemagne Palestine sitzt im Glockenturm des Carillion vor dem Haus der Kulturen der Welt. Draußen fegt ein Schneesturm durch die Dunkelheit. Wir stapfen durch den frischen Pulverschnee, bleiben vor dem Kanzerlinnenamt stehen und schauen rüber zum Carillion, dem Glockenturm vor dem Haus der Kulturen der Welt. Normalerweise stellt ihn die schwangere Auster in den Schatten. Doch heute ist die Nacht des Glockenturms, alle werden sich an ihn erinnern. Es ist kurz nach Acht, die Performance zur Eröffnung der Transmediale beginnt. Von einem Moment auf den anderen steht ein Regenbogen aus Lasern in der Luft. Eine horizontale Straße vom Raumschiff aus, das das Haus der Kulturen der Welt ist. Charlemagne Palestine fängt an zu spielen. Glocke für Glocke, Ton für Ton webt er langsam repetitive Muster mit minimaler melodischer Variation. Der Schnee tanzt in den Lasern, und wirbelt in Rot, Gelb, Blau, als ob ihn Palestines Musik umherweht. Langsame schwellen die Klänge an, dann wieder ab, kommen zurück in neuen Farben und setzen wieder an, wenn man denkt, es sei schon vorbei. Eine sonderbar-schöne Mischung aus Sonntagsglocken, “Pace!” und Sci-Fi zum Auftakt der Transmediale.10. Ein Stück der “Tintinnabulations for Tommorrow and Tommorow” kann man bei 12seconds.tv sehen und hören. Charlemagne Palestine spielt außerdem noch einmal am Freitag, den 4.2.2010, im Rahmen der Transmediale im Französischen Dom in Berlin: Spectral Continuum 2010.
February 4 2010, 11:00am
Jeff Jarvis: Apple, iSlate und Medien
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karrierebibel.de (Jochen Mai) hat ein spannendes Interview mit Jeff Jarvis auf der DLD10 geführt. Es geht um Apple Fanboys, das iPhone und den neue TabletPC namens iSlate sowie deren Tauglichkeit als eReader. Spannend ist Jarvis’ Meinung zur Produktentwicklung bei Apple und Microsoft. Kein tolle Bildqualität, dafür ist der Inhalt umso hörenswerter:
Und der zweite Teil:
January 25 2010, 11:42am
Transmediale.10 – Future Observatory
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Am 05. Februar öffnet die transmediale.10 Konferenz unter dem Dach des transmediale Kulturfestivals unter dem Motto “future observatory” seine Pforten für Ewiggestrige, Heutige und Zukünftige. Gäste sind unter vielen anderen Cyberpunk-Mitbegründer und Science Fiction-Autor Bruce Sterling, Wolfram Alpha- Gründer Conrad Wolfram (Mathematica) sowie der Sozialwissenschaftler, Piratensenderspezialist und Autor von “Imaginary Futures” Richard Barbrook. Wieso galt das 21. Jahrhundert so lange als Projektionsfläche für die Zukunft unserer Gesellschaft? Haben wir unserer Vorstellungen von der Zukunft eingeholt? . Dies sind die beiden Fragen, die dort diskutiert werden sollen.
Fern vom futuristischen Manifest des beginnenden 20. Jahrhunderts haben sich in der zweiten Hälfte nach dem 2. Weltkrieg andere utopische Bewegung formuliert, die ihre ganzen Hoffnungen in das neue Millenium projeziert hatten und doch in den allermeisten Fällen sehr altes, zum Teil antikes Gedankengut neu formulierten. So ist die Gesellschaft jeweils in ihren tradierten Werten und Gewohnheiten befangen aus den sie sich oft mit Gestellen und Technologien befreien will. Noch zu Beginn des Jahrhunderts, war der Gesellschaftstanz zu Jazzmusik ein Affront gegen die kaiserliche Ordnung. Die Verbreitung dieser progressiven und zwanglosen Musik basierte auf dem Siegeszug des Grammophons. Die Überlastung der Arbeiter wurde und wird zumeist durch den Takt der ewig laufenden Maschinen bestimmt. Ein Verteufeln der Technologie und ein Lobpreisen des kulturellen Lebens war und ist zu platt. Denn beides ist sehr oft ineinander verwoben. Allein der Wandel der Medien als Propagandawerkzeug, Wiege der Auflehnung, Hort der Intelligenzija sowie die Verdummung der Massen mit trivialen Lügengeschichten zeigt die ambivalenten Perspektiven ein und derselben Errungenschaft – der Druck mithilfe beweglicher Lettern. Aus der Sicht der Griechen befinden wir uns noch immer in einem explosiven Gemisch aus Jetzt (Kairos) und dem lange andauernden Ablauf (Chronos) der Geschichte oder Lebenszeit. Ob die Zukunft durch Prädestination (Christentum), Sternernpositionen (Astrologie), Karma (Bhuddismus) oder Vorratshaltung (Wirtschaftslehre) bestimmt wird, ist nicht essenziell. Denn die Konferenz fokussiert auf unsere Anschauungsformen der Zukunft, auf unsere imaginierten Bilder und auf unser Verhältnis zur Zeit. Das wird aber nicht nur diskutiert sondern ganz im Sinn des Festivals auch kreativ umgesetzt. Für die Dauer des transmediale.10 Festivals wird das Haus der Kulturen der Welt in einen temporären Echoraum für den Longplayer verwandelt, ein algorithmisches Musikstück, das 1000 Jahre andauert und sich dabei niemals wiederholen wird. Entwickelt und komponiert wurde der Longplayer vom ehemaligen Pogues Mitglied Jem Finer. Es wird Workshops zu einzelnen Themen geben. Wer sich für das gesamte Programm des Kulturfestivals interessiert, findet hier im Programm Anregungen, um die Zeit vom 2.2. bisn zum 7.2. 2010 mit Spannung, Aufregung und Staunen zu verbringen. Bildnachweis: transmediale
January 15 2010, 12:29pm
Als Blogger auf die Medienwoche @ IFA
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Vom 4.-9. September findet im Rahmen der IFA die Medienwoche @ IFA statt. Motto dieses Jahr: “Medienstandort Deutschland zwischen Hype und Krise” Die Mediendebatten der Stunde, die medienübergreifende, internationale Perspektive, der interdisziplinäre Austausch, neue Geräte und Technologien, innovative Inhalte und Geschäftsmodelle - die medienwoche@IFA ist das Veranstaltungsformat für die konvergente Medienwelt. Veranstalter der Medienwoche ist das Medienboard Berlin-Brandenburg. Das Medienboard hat angeboten, auch einige Blogger mit voller Presseakkreditierung zur Medienwoche @ IFA einzuladen. Interessierte Blogger melden sich bitte direkt bei Oliver Passek (o.passek at medienboard.de). Vollen Namen, die URL des eigenen Blogs und einen kurzen Absatz zur Motivation nicht vergessen!
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