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Etsy vs. DaWanda: Kampf der Titanen

Etsy und DaWanda – die beiden Anbieter stehen für Social Commerce: Während andere nur hier und da Elemente in ihre Shops einfügen, setzen sie voll auf die Kraft des sozialen Kaufens und Verkaufens. Das Konzept ist schnell erklärt: DaWanda und Etsy wollen dem Handwerker oder der Bastlerin von nebenan ihren eigenen Shop geben. Zugelassen sind ausschließlich selbstgemachte Produkte, Materialien oder Dinge aus der guten alten Zeit. Finanzieren tut sich dieser Service zum einen durch die Einstellgebühr: Jeder Verkäufer muss pro eingestelltem Artikel einen Betrag bezahlen. Etsy verlangt derzeit 20 (US-)Cents, DaWanda setzt auf ein abgestuftes System zwischen 10 und 30 (Euro-)Cents. Zum anderen gibt es eine Verkaufsprovision: 3,5 % des Verkaufspreises gehen an Etsy, DaWanda verlangt 5 %. Wer sein Produkt gerne auf der Startseite anpreisen möchte, findet dafür verschiedene weitere Preismodelle. Social Commerce als Nutzer: Shopping wie auf dem Bastelmarkt Beide Anbieter haben verfügen über sinnvolle Suchmöglichkeiten, z.B. über Farben. Etsy setzt dabei auf eine Flash-Anwendung, die zwar schick aussieht, aber wesentlich unpraktischer ist als DaWandas einfache Farb-Suchoption. DaWandas Geschenkefinder bietet über Schlagworte schnellen Zugriff auf beliebte Geschenkekategorien, und eine redaktionelle Auswahl (z.B. zur Fußball-WM) pusht entsprechende Produkte zusätzlich. Eingeloggte Nutzer können sich Produkte merken, ihre Wertschätzung über Herze ausdrücken oder Kommentare dazu abgeben. Apropos eingeloggt: Sowohl Etsy als auch DaWanda sind erfreulich datensparsam und begnügen sich mit Name, E-Mail und Passwort – die Adresse wird erst verlangt, wenn sie notwendig wird. Nach einem Kauf können einige Produkte durch Absprache mit dem Verkäufer noch individualisiert werden – zum Beispiel, um einen passenden Rahmen zu wählen oder den eigenen Namen auf die Tasche sticken zu lassen.

Produktseite von DaWanda: Kommunizieren trifft auf Kaufen Social Commerce bedeutet, den Nutzer zu Wort kommen zu lassen, und folgerichtig setzen Etsy und DaWanda auf eine Reihe von Social-Web-Elemente: Etsy bittet die Community an die Wahlurne, welches Geschenk wohl am besten für Muttertag geeignet sei; DaWanda lässt die Community als Geschenkeberater fundieren – wobei die Vorschläge naturgemäß nicht selten aus dem eigenen Warenangebot stammen. Social Commerce als Verkäufer: Mit dem Hobby das Sparschwein auffüllen Bisher habe ich vor allem die Features behandelt, die den Nutzer erwarten – aber Social Commerce ist keine Einbahnstraße, sondern erlaubt, sich einen eigenen kleinen Online-Shop zu erstellen. Dafür benötigt man zunächst einen Account, der dann in einem zweiten Schritt zum Verkäufer-Account umgemodelt werden kann. DaWanda merkt man an dieser Stelle an, dass sie auf den deutschen Markt spezialisiert sind: Es gibt eigene Felder für AGBs, Impressum und Widerrufsbelehrung, zudem wird zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern unterschieden. Die Bezahlung der Gebühren läuft über Lastschrift (für deutsche Verkäufer) oder über PayPal bzw. Überweisung (für Verkäufer außerhalb Deutschlands). Etsy sieht man seine amerikanische Herkunft an – angefangen mit der Tatsache, dass für die Abwicklung der Gebühren zwingend eine Kreditkarte notwendig ist. Optisch lässt sich der Shop über ein Banner anpassen, weitere Gestaltungsmöglichkeiten gibt es jedoch nicht.

Einzelne Shops werden ausführlich vorgestellt, hier Etsy Die AGBs entsprechen weitgehend den Erwartungen. Eine Quelle von Missverständnissen ist, dass beide Anbieter es nicht erlauben, Gebühren zu umgehen – was strenggenommen bedeuten würde, dass die Produkte ausschließlich über die eine Plattform verkauft werden dürfen. Auf Nachfrage bestätigten jedoch beide Anbieter, dass damit lediglich gemeint sei, keine Links zu einem externen Online-Shop zu posten, bei dem keine Gebühren fällig werden würden – man darf seine Produkte also durchaus auf mehreren Wegen verkaufen. An wen richten sich Etsy und DaWanda? Die Zielgruppe von Etsy und DaWanda lässt sich am besten über typische Anwendungsszenarien erläutern. Eine Künstlerin, die ihre Gemälde oder Fotografiedrucke unter die Leute bringen möchte. Ein Handwerker, der nach Feierabend Schmuck oder sonstige schöne Dinge herstellt. Oder eine Bastlerin, die aus Filz Broschen und Taschen herstellt. Wer sich in solchen oder ähnlichen Beschreibungen wiederfindet, für den dürften Etsy und DaWanda die erste Adresse sein, um seine Werke einfach unters Volk zu bringen. Netzpiloten-Fazit Featuremäßig geben sich Etsy und DaWanda nicht viel – beide sind weit vorne, was Features für Nutzer und Verkäufer angeht. Wünschenswert wäre es, wenn es weitere Möglichkeiten gäbe, den eigenen Shop anzupassen – beispielsweise über eine eigene CSS-Datei. Wegen der einfachen Bedienung und der Anpassung an deutsche Gesetze hat DaWanda naturgemäß die Nase vorne. Etsy lohnt sich vor allem für Verkäufer, die explizit auf den englischsprachigen bzw. internationalen Markt drängen möchten.

May 31 2010, 10:00am

Von ebay zu Dawanda: Was ist Social Commerce?

Denken wir einmal zurück. Wer sich noch an die Zeiten des Tante-Emma-Ladens erinnern kann – oder jemanden kennt, der das tut – kennt seine Rolle: Nicht nur Versorgung mit wichtigen Lebensmitteln war seine Aufgabe, sondern auch und gerade Treffpunkt und Kommunikationsgelegenheit. Produkte wurden empfohlen oder bekamen ihr Fett ab. Tante Emma durfte dabei ruhig zuhören, um zukünftig bessere Brötchen backen zu können.

Dann kamen die großen Kaufstadts, und alles wurde anders. Rückfragen beschränkten sich auf ein schnödes „War der Einkauf okay?“ beim Bezahlen. Und Gespräche über Produkte verlagerten sich nach außen, weg vom Laden selbst. Mit dem Siegeszug des weltweiten Netzes war das nicht anders. E-Commerce war das große Thema, ein großes Warenangebot war gefragt. Doch schon früh waren da auch andere Elemente: Ebay, Darling des frühen Internets, war in aller Munde – jeder kann verkaufen, Basis für Vertrauen sind die Empfehlungen anderer Käufer. Große E-Commerce-Seiten wie Amazon setzten auf ein ähnliches Pferd und ließen Kunden munter ihre Einkäufe versternen. Steve Rubel erkannte schon Ende 2005 den neuen Trend: Social Commerce, das solche frühen Ansätze noch konsequenter vorantreiben sollte.

Einmal vorspulen, Mai 2010. Es gab eine ganze Reihe von interessanten Entwicklungen. Allen gemeinsam: Social Commerce setzt auf das, was das Netz schon immer ausgemacht hat – es löst Grenzen auf. Diesmal die zwischen Kunde und Verkäufer. Wie das konkret aussehen kann, sollen einige Beispiele zeigen.

Gemeinsam einkaufen – wider das “I’m all lost in the supermarket” Über Wisdom of the Crowds habe ich hier schon ausführlich geschrieben – die Kurzversion: Viele zusammen können sehr intelligente Vorschläge liefern. Einige Social-Commerce-Ansätze machen sich das zunutze. Bei Crowdstorm beispielsweise werden Empfehlungen und Reviews von Produkten in Kategorien gesammelt. So erhalten Interessierte ein Bild über gerade beliebte Kameras – und können direkt Fragen an die Menge stellen.

Persönlicher angelegt ist beispielsweise Edellight: Hier legen Nutzerinnen und Nutzer Listen ihrer Lieblingsteile an. Alle Listen können von Anderen angeschaut und abonniert werden. Ich bin der Shop – oder der Nachbar ist jetzt überall

Wenn Podcasts, YouTube und Hobnox uns zum Sender machen – Social Commerce macht uns zu Verkäufern. Das Versprechen: Ein Shop für jedermann. Manchmal noch sehr simpel wie bei Zlio oder Amazon aStore, bei denen sich Nutzer Produkte anderer Hersteller aussuchen können, den Shop auf ihrer eigenen Seite verbreiten und für jeden Einkauf Provision kassieren. Oft aber auch sehr individualisiert. T-Shirts sind hier das Paradebeispiel, Spreadshirt heißt der Vorreiter – und mit ihm eine Vielzahl individueller T-Shirt-Designer mit eigenen Shops.

Und natürlich dürfen die Paradebeispiele nicht fehlen: Etsy und Dawanda spielen auf der ganzen Klaviatur des Social Commerce, bieten diverse Features für die Suche von Produkten, lassen ihre Nutzer Produkte herzen, empfehlen und kommentieren, und nicht selten handelt es sich um Unikate oder individualisierbare Teile. Fazit: Zurück zu den Wurzeln

So ist Social Commerce nicht zuletzt auch die Reaktion auf ein verändertes Verhalten: Der Kunde will nicht mehr nur einfach einkaufen. Er will sich beteiligen, wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Es gibt keine Meinungshoheit über Produkte mehr. Wer glaubt, steuern zu können, was andere über seine Produkte denken (und sagen), liegt falsch.

Wo aber liegt die große Innovation dabei? Das Neue an Social Commerce ist nicht, dass es grundsätzlich anders ist. Es liegt eher in den Details, die in einen Shop eingebaut werden können und die dem Kunden das Gefühl geben, eine besondere Rolle zu spielen. Social Commerce ist damit nichts weiter als eine Weiterentwicklung des E-Commerce – nicht das große Oder, dem man ein Entweder entgegen stellt.

Ein paar nette Zahlen finden sich in dieser Präsentation von Hediye Evsan: Trends im Social Commerce (Social Shopping am Beispiel von H&M) View more presentations from Hediye Evsan.

Bildnachweis: unbekannter Fotograf (1938, Sammlung State Library of Queensland, Flickr Commons ohne Urheberrechte), Thomas Mues (gari.baldi, Flickr Creative Commons BY-NC-SA)

May 19 2010, 10:00am

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