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Netzneutralität und das Smart Grid

Auf der einen Seite stehen die Internetaktivisten, auf der anderen Seite Wirtschaftsvertreter: Das Thema Netzneutralität ist eines der Hauptthemen in der Internet-Enquete Kommission des Bundestages. Die Frage, ob alle Daten gleichberechtigt übertragen werden sollten, bekommt durch die Energiewende eine weitere Dimension: Denn das Energienetz der Zukunft („Smart Grid”) wird voraussichtlich über das Internet gesteuert. Einen Stromausfall, weil zu viele Youtube-Videos die Netze verstopfen, will kein Mensch. Einen Zwei-Klassen-Zugang allerdings auch nicht. Das berichtet NeueNachricht in einer Vorabmeldung. „Bei der Netzneutralität geht es letztlich um Freiheit: Jeder Bürger hat das Recht, Informationen zu konsumieren und zu veröffentlichen. Aus politischer Sicht muss die Netzneutralität also erhalten bleiben. Es stellt sich aber auch die Frage, wie dies technisch möglich ist, wenn das Internet in Zukunft auch ein Smart Grid enthält”, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkausrüster Nash Technologies mit Sitz in Stuttgart und Nürnberg… Das Smart Grid muss stabil laufen – so, wie es auch Cyber-Attacken stand halten muss. Denn am „intelligenten” Energienetz hängen zukünftig mit Solarenergie und Windkraft schwankende Energieträger. Das Netz muss in Sekundenschnelle reguliert werden, auch weil auf der anderen Seite die Verbraucher ihren Strom per Smart-Meter-Geräte steuern oder per Elektro-Auto massenhaft neuen Strom benötigen. Im Gegensatz zum Youtube-Video dürfen die Energienetze nicht ruckeln – sonst gehen etwa im Krankenhaus die Lichter aus. „Das Prinzip Best Effort – vereinfacht gesagt: wir versuchen es so gut wie wir können – reicht für das Smart Grid definitiv nicht aus”, sagt Stahl. Auch Smart Meter – die intelligenten Stromzähler, die in Zukunft mit dem Smart Grid verbunden werden sollen – sind kein Vergleich. Sie senden in der Regel alle 15 Minuten Verbrauchsdaten und müssen nicht in Echtzeit ein riesiges Netz von Energie-Erzeugern und -Verbrauchern steuern. „Wir müssen wie Einstein denken: Mach es einfach” Für den Netzwerk-Experten gibt es letztlich zwei technische Lösungsmöglichkeiten: Entweder bekommt das Smart Grid ein komplett eigenes Kontrollnetz, das neben dem Internet läuft. Oder das bestehende Internet wird weiterentwickelt – was praktisch auf ein partielles Re-Design hinauslaufen kann. Willkommen im „Future Internet”. „Im aktuellen IP-Netz werden Daten in Pakete aufgeteilt und wie eine Postsendung durch die Leitung geschickt. Ursprünglich gab es keine garantierten Ressourcen. Nachträglich eingebaut führt das zu einem erheblichen Anstieg der Komplexität. Einfacher und effektiver wäre es, wenn die Internet-Schicht bereits von Anfang an diese Features enthalten würde”, erläutert Stahl. „Das Internet leidet auf technischer Ebene also unter einer Komplexitätsblase. Es ist vom Ursprung her als offenes Netz gedacht, über das Universitäten kommunizieren konnten und nicht als ein multifunktionales Beförderungssystem für alle Arten der Kommunikation. Für eine Lösung müssen wir wie Einstein denken: Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen.” Peering-System als Lösung? Wenn man davon ausgeht, dass das klassische Internet und das Smart Grid in einer einzigen Netz-Technologie verschmelzen, dann könnte Peering die Lösung sein, um die Zusammenarbeit der einzelnen Netze effektiv, sicher und fair zu regeln, so Stahl. Beim Voice Peering im klassischen Telefonnetz und im NGN (Next Generation Network) haben sich die Netzbetreiber geeinigt, wie zwischen ihren Netzen abgerechnet wird und wie im Gegenzug die Ressourcen garantiert werden. Denn das Telefonnetz ist wie das Internet im Grunde ein Flickenteppich aus zahlreichen Netzen. „Vergleichbare Mechanismen brauchen wir auch für das Smart Grid”, sagt Stahl. Die Befürchtung, dass die Betreiber Profitmaximierung im Sinne haben, sei nicht von der Hand zu weisen. „Aber Peering hat im Zuge der Netzliberalisierung der letzten 15 Jahre auch zu einem drastischen Preisverfall der internationalen Ferngespräche geführt.” Ob die Netzneutralität gewahrt wird, oder nicht: Letztlich könne ein Staat immer die Leitungen drosseln oder lahmlegen – so wie es in Tunesien oder Ägypten geschehen ist. „Jede Gesellschaft braucht deswegen Menschen, die für Ihre Rechte aufstehen und für ihre Freiheit kämpfen”, resümiert Stahl.

Crosspost von http://www.ne-na.de

May 12 2011, 9:30am

Stefan Schultz über Fragen der Energiewende

Der Spiegel-Redakteur Stefan Schultz erklärte auf der re:publica11 seine Sicht auf die Energiewende, Smart Grids sowie Smart Metering (also das Verbinden von Web und Stromverbrauchsmessung):

April 19 2011, 10:32am

An der Hilfe sollt Ihr sie erkennen…

Die Betreiberfirma des zerborstenen Atomkraftwerks Fukushima TEPCO beweist der Welt einen großen Dienst. Sie zeigt das Gesicht der Industrialisierung: Arbeitslose, Obdachlose und Gastarbeiter werden stundenweise verheizt, um der Welt zu zeigen, dass man irgendetwas tut. Hunderttausende Japaner frieren und hungern. Die Welt schaut gebannt dabei zu und kann sich glücklich schätzen als bessere Hälfte der Welt dazustehen. Man könnte sich also beruhigt hinsetzen, per Click bei iTunes oder den vielen Hilfsorganisationen ein paar EURO platzieren und auf schnelle Besserung wetten. Aber mancher wird sich erinnern, wieviele Milliarden noch übrig sind von den Tsunami-Spenden die vor einigen Jahren in Thailand und Umgebung hätten niederprasseln können. In der Realität liegen diese Schätze noch immer auf diversen Konton der Banken und bringen schöne Zinsen ein. Es wäre also genug Geld da um ganz Japan drei Wochen zu ernähren. Angesichts des organisatorischen Chaos in Japan gewinnt man aber den Eindruck, dass nationaler Stolz weitaus schlimmere Folgen hat als das Ausliefern der Bevölkerung an gewissen- und hilflose Verantwortliche. Aber angesichts des millionenfachen Konsums von apokalyptischen Bildern aus Japan fordert das Über-Ich der medialen Öffentlichkeit eine Teilnahme und Verantwortung… Und so verwundert es auch nicht, dass die ersten Firmen schon anfangen mit Hilfsaktionen Werbung zu betreiben. Die Schweizer wundern sich, dass man überhaupt für das drittreichste Land der Erde spenden soll. Man könnte sich dazu versteigen zu sagen, dass man dem japanischen Volk am besten hilft, in dem man ihm die Möglichkeit eröffnet, den Götzen des Stolzes und des Gehorsams vom Thron zu stoßen und offene Kommunikation, Transparenz und Verläßlichkeit an dessen Stelle zu setzen. Wenn man aber gerade die Länder betrachtet, die solches Verhalten wie eine Monstranz vor sich hertragen, dann bleibt einem das Argument im Halse stecken. Denn genau die Industrialisierung, die Menschen am Rande der Gesellschaft verheizt, ist derselbe Schreihals, der von anderen unbedingte Offenheit fordert und den unbedingten Glauben an die Zahl. Denn die Zahlen und Wahrscheinlichkeiten werden heutzutage benutzt um vermeintliche Wahrheit zu erschaffen: AKWs sind mit hoher Wahrscheinlichkeit sicher. Gentechnik ist fast risikolos, weil es unwahrscheinlich ist, dass sie Risiken beherbergt. All diese Augenwischerei mit der ehemals heiligen Kunst der Mathematik hat eines sicher offenbart: Wir spenden unser Vertrauen, damit Ingenieure glauben können, dass sie unser Leben bereichern mit ihren Ideen. Doch zwischen dem, was man will und dem was man braucht besteht ein existentieller Unterschied. Den müssen die Japaner im Nordosten aktuell am eigenen Leib erfahren. Es ist also nicht nötig, dass die Werbung uns weiterhin einredet, was wir wollen sollen. Denn die Technologiefirmen könnten einfach das, was wir brauchen optimieren. Damit hätten sie ausreichend zu tun. Aber es scheint ja noch immer ein Rätsel zu sein, wie man aus dem Abgas Kohlendioxid einen Rohstoff macht. Zum Glück ist es kein Rätsel für diejenigen, die Meerwasseralgen mit CO2 füttern und daraus dann Biotreibstoffe ernten. Aber wir diskutieren weiterhin über Erdöl, Elektroautos, Solar-, Wind-, und Atomstrom. Denn deren Lobby ist einfach reicher. Also können die Journalisten mehr Informationen darüber im Netz finden. Foto: daveeza

March 18 2011, 9:51am

Auf der Alm da gibt’s viel Wind

Heutzutage reden alle von Offshore-Windparks vor den Küste Europas – vornehmlich rund um Großbritannien, weil dort das Meer so schön flach ist. Und die Alpenländer, was machen die? Die haben auch Wind. Enorme mengen sogar. Allerdings in 2000 Meter Höhe. Also bauen sie dort nun ihre Windparks auf. Bei diesen extrem böigen Standorten braucht man besondere Turbinen. Denn nicht im Bereich Produktionsmenge, sondern mit Extremstandorten setzt die Schweiz Höchstmarken der Windenergienutzung: Das mit 2332 Meter über dem Meer bislang am höchsten gelegene Grosswindrad Europas auf dem Gütsch im Kanton Uri wird zum höchsten Windpark des Kontinents ausgebaut. Zur seit mehreren Jahren bestehenden Windturbine gesellen sich in diesen Tagen zwei etwas grössere und leistungsfähigere Anlagen des Typs Enercon E-44. Die Dimensionen der für stark böige Standorte ausgelegten Windturbinen: 55 m Nabenhöhe, 44 m Rotordurchmesser und je 900 kW Leistung. Die Fundamente der beiden Windturbinen wurden im Juli nach der Schneeschmelze betoniert. Der Anlagentransport erwies sich als Herausforderung: Da der Weg durch die Schöllenenschlucht zu steil und zu eng ist, wurden die Teile durch den Gotthardtunnel gefahren. Via Gotthardpassstrasse gelangten sie nach Andermatt und von da mit dem Spezialtransporter auf der Militärstrasse zum Standort. Klingt aufwändig, aber wer sich mit den Offshore-Windparks, dem Setzen und Aufschütten der Fundamente und den besonderen Turmbelastungen, den heftigen Anforderungen in einer Umgebung mit peitschender Salzwassergischt auseinandersetzen muss, der wird bergiges Terrain mit einem entspannten Lächeln quittieren. Der Fachmann staunt, und der Laie im zugigen Gelände setzt sich einfach eine kleine vertikale Turbine auf sein Haus und freut sich des günstigen Stroms…

October 4 2010, 9:50am

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