Morgen findet weltweit der neunte „Safer Internet Day“ statt, der sich unter dem diesjährigen Credo „Mehr Verantwortung im Netz“ präsentiert. Anhand einiger Panels und Veranstaltungen soll der Tag seinen Teil dazu beitragen, das Bewusstsein um das digitale Medium „Internet“ zu stärken. Initiiert wird der Thementag von der Europäischen Kommission. Umso beachtlicher ist daraufhin der Umstand, dass die Initiative nicht nur innerhalb der europäischen Grenzen stattfindet, sondern auf allen fünf Kontinenten und in insgesamt 59 Staaten ihre Toren öffnet. In Deutschland wird der Tag ebenfalls zelebriert und lädt zu über 60 Veranstaltungen bundesweit ein.
SID 2012 als Initiative der EU und klicksafe.de…
Hinter der Planung steckt ferner das Team um klicksafe.de. Klicksafe ist ebenfalls ein Projekt der europäischen Kommission und soll die Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und den sogenannten neuen Medien fördern. Hintergrund beider Sensibilisierungskampagnen, ist ein Aktionsplan, den die EU 1999 erstellt hat, um Verbraucher vor unerwünschten Inhalten im Web zu schützen und die sichere Nutzung moderner Kommunikationsmittel zu fördern.
Das Safer Internet Programme legte seinen Schwerpunkte seitdem u.a. stark auf die Bekämpfung von illegalen, unerwünschten oder schädlichen Inhalten. Laut Website beinhaltet das aber auch, die Bevölkerung dahingehend aufzuklären und die Zusammenarbeit zwischen betreffenden Gruppen und Einrichtungen zu stärken. Entstanden, ist daraus aber nicht nur der Thementag, um den es sich heute dreht, sondern vielmehr auch ganze Zentren, die sich als Meldestelle für kritische Inhalte und als Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer verdient machen sollen. Diese „Safer Internet Centren“ gibt es inzwischen in 26 europäischen Ländern.
Zum Thema Medienkompetenz…
Die Bemühungen um die Medienkompetenz ist ein Thema, welches gerade auch Pädagogen nicht zuletzt durch die steigende Kommerzialisierung des Webs umtreibt. Beinhalten tut dieser Begriff vier Säulen. Man spricht in dem Zusammenhang von der Medienkritik und der Medienkunde, die sich stark mit der Art und Weise beschäftigen, wie Medien vermittelt werden. Mit der Mediennutzung und der Mediengestaltung wird zusätzlich nach zielorientierten Antworten geforscht. Laut Wikipedia bedeutet der Begriff allerdings ganz einfach, die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen.
Gerade in Bezug auf die digitalen oder neuen Medien wird dabei aber oftmals auch nach einem Konsens gesucht, wie viel Medienkonsum gut für uns ist und wie stark man auch User schützen muss, deren Kompetenz erst noch entwickelt werden muss oder die per se eher weniger fähig sind eine Art Kompetenz zu entwickeln.
Konservative Stimmen neigen in dem Zusammenhang oft zu der Meinung Medien reglementieren und ein Stück weit zensieren zu müssen z.B. durch bestimmte Schutzprogramme wie JusProg, während liberale Meinungen genau das Gegenteil wollen und eher dafür einstehen, dass gerade Kindern und Jugendlichen dahingehend schon in der Schule beigebracht werden soll, was ein verantwortungsvolles Handeln und ein sicheres Auftreten im Web ausmacht. Die Reglementierung von Inhalten sei nur in besonders heftigen Situationen wünschenswert, wie zum Beispiel bei pornografischen Inhalten.
Wir Netzpiloten haben dahingehend vor einiger Zeit, Birgit Kimmel, die als pädagogische Leiterin von klicksafe.de, in unserem erschienenen Report „Wir ohne Grenzen“ einmal interviewt. Auf die Frage hin wie man denn das Internet für Kinder sicher machen könne, lautete ihre Antwort:
„Mit Blick auf die Risiken, die Kindern und Jugendlichen im Internet begegnen können, gilt es, sie vorzubereiten, zu stärken und – ihrem Alter entsprechend – ihre Medienkompetenz zu fördern. Während bei Grundschulkindern Risikovermeidung im Vordergrund steht, wird später die Risikoreduzierung wichtiger. Eltern und Pädagogen sollten darauf achten, dass sich Jüngere in kindergeeigneten, sicheren Surf- und Kommunikationsräumen bewegen. Parallel sollte bereits dem Alter angemessen Medienkompetenz vermittelt werden. Bei älteren Kindern und Jugendlichen steht dies dann an erster Stelle: Sie sollten lernen, Risiken zu erkennen und zu vermeiden. Technische Schutzprogramme verlieren dann an Bedeutung, denn mit Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse können Ältere diese umgehen“.
Frau Kimmel positionierte sich zu der Zeit klar zur Aufklärung, allerdings ist sie Schutzprogrammen nicht gänzlich abgeneigt. Zumindest im sehr jungen Alter, wie es scheint. Damit bewegt Sie sich im Bereich zwischen Konservatismus und Liberalismus.
Ein kurzer Blick in die Veranstaltungsliste…
Einen neutralen Blick und das Augenmerk auf beide Richtungen sollen nun auch die Veranstaltungen des SID 2012 aufzeigen. Schaut man sich die Veranstaltungsliste einmal an, so wird klar, dass hier jeder gemäß seiner Vorstellung auf lohnenswerte Panels und Workshops stoßen wird. Da die Veranstaltungen dezentral in der gesamten Bundesrepublik ablaufen, wird es allerdings schwierig werden, an jedem mehr oder weniger interessanten Panel teilzunehmen. Drei dieser Veranstaltungen, die wie ich glaube lohnenswert sein könnten, möchte ich euch dennoch einmal vorankündigen.
Angefangen wird z.B. mit einer Pressekonferenz im Bilingualen Gymnasium Phorms in Berlin. Hier treffen sich u.a. die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, der TV-Moderator Jörg Pilawa (!), der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen Dr. Jürgen Brautmeier und die bereits oben erwähnte Birgit Kimmel, die außerdem als Mitarbeiterin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), mit ihren Gesprächspartner ersten Fragen Rede und Antwort stehen wird. Es bleibt zu hoffen, dass diese auch kritischen Naturen sein dürfen.
Interessant wäre zum Beispiel die Frage, warum Deutschland mit einer starken Neigung zur Zensur von Inhalten im Web (die gerne unter dem Deckmantel des Jugendschutzes vollführt werden), jegliche Bildung von Medienkompetenz einengt und den Nutzern die Möglichkeit nimmt, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu sammeln. Diese exemplarische Frage, könnte sicherlich der ein oder andere Experte – zum Beispiel Frau Schröder – in dieser Runde beantworten.
Freunde von Statistiken und Daten, könnten außerdem in München auf interessante Erkenntnisse stoßen. Denn hier wird zur Präsentation einer Studie geladen, die vom Institut für Medienpädagogik (JFF) geführt wurde. Das Thema lautet „Konflikte in Sozialen Netzwerkdiensten“ und tritt mit dem schonungslosen Titel „Wo der Spaß aufhört …“ an. Das JFF-Institut hat für diese Teilstudie (mehr Informationen hier) insgesamt 61 Schüler befragt, wie sie dem Thema Cybermobbing und Persönlichkeitsrechtsverletzungen gegenüber stehen und welche Konflikterfahrungen sie bisher selber gemacht haben. Es wird interessant sein zu erfahren, ob die Jugendlichen, den leider auch oft unverhältnismäßigen Ängsten der Eltern und Pädagogen recht geben oder ob sie einige Vorurteile der Erwachsenen zerstreuen können.
Besonders lohnenswert dürfte zudem der eher kleine Beitrag des Cafes „ABdate“ in Aschaffenburg sein, welches Kindern, Jugendlichen, Eltern und Pädagogen Vorort zeigen wird, wie man u.a. sein Facebook-Profil gemäß der höchstmöglichen Privacy- und Datenschutzbedingungen einstellen kann. Leider findet sich nämlich nicht jeder in dem Gewirr aus Richtlinien und versteckten Opt-ins des sozialen Netzwerkes zu Recht. Diese Veranstaltung empfinde ich als Pflichtevent für jeden, der sich im Umkreis des Städtchen aufhält und dessen Kind Mitglied auf Facebook ist.
Es gibt natürlich noch weitere Veranstaltungen, die vielleicht interessanter erscheinen, als die von mir präsentierten. Wer diese Veranstaltungen, Panels und Workshops erfahren möchte und wissen will, ob es auch Termine in der eigenen Stadt gibt, der ist hier im Schedule-Bereich des Safer Internet Days gut aufgehoben.