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Medien für Einsteiger

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihre Kinder den Anschluss an ihre Freunde verlieren, wenn sie Medien ignorieren. Frage: Unser Sohn (5) interessiert sich weder für Fernsehen noch für digitale Spiele, sei es am PC oder auf den Gameboys seiner Freunde. Selbst mein iPhone ist ihm egal. Müssen wir uns langsam Sorgen machen, dass er den Anschluss verpasst, wenn er nun im Sommer in die Schule kommt? Wir möchten ihn davor bewahren, dort zum Außenseiter zu werden.

Antwort: Nein, bitte machen Sie sich keine Sorgen! Freuen Sie sich, dass Ihr Kind andere Interessen pflegt und diese offenbar auch selbstbewusst seinen Freunden gegenüber zu vertreten versteht. Spätestens in der Schule, da haben sie recht, werden die Kinder an digitale Medien herangeführt. Lesemotivationsprogramme wie Antolin oder Mathematik-Trainer wie Mathe-Tiger gehören in fast allen Schulen zum Standard. Auch erlernen Kinder erste handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit dem Rechner, zum Beispiel mit Textverarbeitungsprogrammen. Hier wird auch ihr Sohn sicher nicht den Anschluss verpassen. Auch was sein soziales Umfeld außerhalb der Familie angeht, besteht keine Gefahr. Spätestens wenn es ihren Sohn nervt, dass die anderen ihm im Umgang mit Gameboy und ähnlichen Fertigkeiten voraus sind, wird er seine persönliche Aufholjagd starten. Sie als Eltern sind seine vorrangigen Ansprechpartner. So lange Sie weiter für ihn da sind, wird er nicht auf der falschen Seite des „digitalen Grabens” landen. Ein künstliches, gar forciertes Heranführen an digitale Medien halte ich für genauso abwegig wie ein komplettes Fernhalten. Vielleicht wird sich das bei ihrem Sohn eines Tages ändern, vorübergehend oder dauerhaft – lassen Sie ihm einfach Zeit und das Recht auf seinen eigenen Weg. Es gibt eben Erwachsene – ebenso wie Kinder –, die sich nicht für Bildschirme interessieren. So lange ihr Sohn überhaupt spielt, ist alles in Ordnung. Er hat Freunde, er hat Freude – möge es so bleiben.

March 16 2012, 9:30am

Immer Ärger um den PC: Kinder finden kein Ende

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Kinder, die es einfach nicht schaffen, den Computer auch mal auszuschalten. Frage: Meine Tochter (12) darf unseren Computer täglich eine Stunde benutzen, auch allein. Meist spielt sie Sims oder ist mit ihren Freundinnen auf Skype oder bei Youtube. Leider hält sie sich nie an das abgesprochene Zeitlimit. Jeden Tag überzieht sie, ich muss sie ans Ausschalten erinnern – natürlich gibt es Ärger. Ich habe große Lust, ihr den Rechner ganz zu verbieten, zumindest für eine Weile. Oder gibt es einen anderen Weg?

Antwort: Besser als ein Verbot ist es, das Kind zu mehr Selbstverantwortung zu motivieren. Und besser als ein striktes Zeitlimit, dessen Einhaltung Sie kontrollieren müssen, sind Absprachen, die im Konsens getroffen wurden – im Gegensatz also zu Anordnungen, die Eltern verkünden und von den Kindern befolgt werden sollen. Soweit die Theorie. Eltern sollten bedenken, dass der Umgang mit Medien nur eine „Baustelle“ unter vielen in der Erziehung ist. Wie sie damit umgehen, wenn Kinder die Absprachen in diesem Bereich nicht einhalten, sollte zu den üblichen Regeln in der Familie passen. Was tun Sie sonst, wenn Absprachen nicht eingehalten werden, zum Beispiel, was Uhrzeiten zum Nachhausekommen oder Zimmer-Aufräumen angeht? Gerade Heranwachsende werden immer wieder ausprobieren, wie weit sie von Eltern gesteckte Grenzen ausdehnen und auch überschreiten können, bis sie eine Reaktion erleben – und wie diese dann aussieht: Kommt die Reaktion zuverlässig? Ist sie immer gleich? Treten angekündigte Konsequenzen ein? Immer? Anders ausgedrückt: Ärger gibt es sowieso mit Teenagern, und dieser ist ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens. Und ja, es ist immer auch eine Kraftprobe. Dabei sollte Eltern klar sein, dass sie Vorbilder sind, auch in der Mediennutzung. Wie sieht es denn bei Ihnen selbst aus mit dem Abschalten von PC, TV und Handy? Was konkret können Eltern tun, wenn Kinder einfach kein Ende finden beim Spielen, Surfen oder Chatten? Ich empfehle, dass Sie mit Ihrer Tochter Alternativen besprechen. Statt täglich zu streiten, könnten Sie mit einer 12-Jährigen schon eine Zeit pro Woche festlegen, die sich Ihre Tochter selbst einteilt. Richten Sie ihr ein Benutzerkonto am PC ein und sprechen Sie vorab darüber, wie die PC-Zeit für Hausaufgaben berechnet werden könnte. Die wöchentliche Zeit können Sie dann durch eine geeignete Software messen lassen (Hinweise dazu finden sich hier, hier oder hier), so dass das Konto nach Ablauf der Zeit gesperrt wird. Ihre Tochter sollte das aber auf jeden Fall vorher wissen. Wichtiger als mit der Stoppuhr die Nutzung zu regeln, finde ich, dass Sie wissen, was Ihre Tochter am PC tut. Denn bedenken Sie, dass sie mittelfristig ihre Nutzung zu Freundinnen, die dann auffällig regelmäßig besucht werden, verlegen könnte. Vielleicht lässt Ihre Tochter Sie ab und zu mitspielen, mitgucken oder mitskypen, wenn dies dann nicht von ihrer eigenen Zeit abgeht, sondern von Ihrer.

March 2 2012, 9:30am

Einfach unbegreiflich: Die TV-Vorlieben der Jüngsten

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um SpongeBob und andere Lieblingsfiguren im Fernsehen. Meine Söhne (6 und 8 Jahre) dürfen sich ihr Fernsehprogramm selbst zusammenstellen, so lange sie sich ans Kinderprogramm halten. Ich schlage immer wieder Sendungen vor, die mir gefallen, aber am Ende gucken wir doch meist SpongeBob. Ich begreife dieses Entzücken einfach nicht und würde gern auch mal etwas anderes schauen. Sollte ich – als geschmacksbildende Maßnahme – auch mal eine Sendung durchsetzen?

Antwort: Es ist vorbildlich, dass Sie mit den Kindern gemeinsam fernsehen, obwohl Ihnen das gewählte Programm noch nicht einmal gefällt. Und auch dass Sie darauf achten, dass die Kinder nur für ihr Alter geeignete Sendungen schauen, verdient höchstes Lob. Bevor Sie nun aber den Kindern ihren Spaß verderben, indem sie mit zusammengebissenen Zähnen SpongeBob ertragen oder sich sogar mit abfälligen Bemerkungen mal Luft machen müssen, überlegen Sie, warum ausgerechnet SpongeBob Ihren Söhnen so viel Spaß macht – und ja nicht nur denen: Schon seit zehn Jahren ist der gelbe Schwamm in Unterhosen bei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die beliebteste TV-Figur (hier geht’s zu den Ergebnissen der im Februar 2012 veröffentlichten Untersuchung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen über die beliebtesten Fernsehfiguren), auch gestandene Feuilletonistinnen lieben ihn. Medienforscher haben Kinder dazu befragt und herausgefunden, dass SpongeBob gerade bei Jungen so beliebt ist, weil er sich nur an einem einzigen Ziel orientiert: Durchkommen, egal wie peinlich es wird. Er agiert, ohne viel nachzudenken, er bleibt immer humorvoll, auch in schwierigen Situationen, die er meist noch nicht einmal als solche erkennt. Er beansprucht ein Recht auf Spaß, bricht Regeln mit großer Freude und kommt so ganz gut durchs Leben. Klar, dass Kinder dieses Kontrastprogramm – nicht zuletzt zu elterlichen Ansprüchen – ganz herrlich finden. Um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich finde nicht, dass sie andere Sendungen durchsetzen sollten. Wenn Ihnen SpongeBob keinen Spaß (mehr) macht, sollten Sie mit Ihren Kindern in Ruhe darüber reden, möglichst nicht gerade vor dem Fernseher. Schlagen Sie doch ein Rotationsmodell vor: An jedem Tag, an dem ferngesehen wird, darf einer von ihnen dreien die Sendung aussuchen – so wären Sie immerhin jedes dritte Mal an der Reihe. Oder es gibt einmal im Monat einen Spielfilmnachmittag, für den einer – am besten wieder reihum – den Film aussucht. So könnten die gewohnten TV-Freuden der Kinder bestehen bleiben, aber Sie ihnen auch mal etwas zeigen, das Ihnen gefällt.

February 17 2012, 9:30am

SAFER INTERNET DAY

Morgen findet weltweit der neunte „Safer Internet Day“ statt, der sich unter dem diesjährigen Credo „Mehr Verantwortung im Netz“ präsentiert. Anhand einiger Panels und Veranstaltungen soll der Tag seinen Teil dazu beitragen, das Bewusstsein um das digitale Medium „Internet“ zu stärken. Initiiert wird der Thementag von der Europäischen Kommission. Umso beachtlicher ist daraufhin der Umstand, dass die Initiative nicht nur innerhalb der europäischen Grenzen stattfindet, sondern auf allen fünf Kontinenten und in insgesamt 59 Staaten ihre Toren öffnet. In Deutschland wird der Tag ebenfalls zelebriert und lädt zu über 60 Veranstaltungen bundesweit ein.

SID 2012 als Initiative der EU und klicksafe.de… Hinter der Planung steckt ferner das Team um klicksafe.de. Klicksafe ist ebenfalls ein Projekt der europäischen Kommission und soll die Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und den sogenannten neuen Medien fördern. Hintergrund beider Sensibilisierungskampagnen, ist ein Aktionsplan, den die EU 1999 erstellt hat, um Verbraucher vor unerwünschten Inhalten im Web zu schützen und die sichere Nutzung moderner Kommunikationsmittel zu fördern. Das Safer Internet Programme legte seinen Schwerpunkte seitdem u.a. stark auf die Bekämpfung von illegalen, unerwünschten oder schädlichen Inhalten. Laut Website beinhaltet das aber auch, die Bevölkerung dahingehend aufzuklären und die Zusammenarbeit zwischen betreffenden Gruppen und Einrichtungen zu stärken. Entstanden, ist daraus aber nicht nur der Thementag, um den es sich heute dreht, sondern vielmehr auch ganze Zentren, die sich als Meldestelle für kritische Inhalte und als Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer verdient machen sollen. Diese „Safer Internet Centren“ gibt es inzwischen in 26 europäischen Ländern. Zum Thema Medienkompetenz… Die Bemühungen um die Medienkompetenz ist ein Thema, welches gerade auch Pädagogen nicht zuletzt durch die steigende Kommerzialisierung des Webs umtreibt. Beinhalten tut dieser Begriff vier Säulen. Man spricht in dem Zusammenhang von der Medienkritik und der Medienkunde, die sich stark mit der Art und Weise beschäftigen, wie Medien vermittelt werden. Mit der Mediennutzung und der Mediengestaltung wird zusätzlich nach zielorientierten Antworten geforscht. Laut Wikipedia bedeutet der Begriff allerdings ganz einfach, die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen. Gerade in Bezug auf die digitalen oder neuen Medien wird dabei aber oftmals auch nach einem Konsens gesucht, wie viel Medienkonsum gut für uns ist und wie stark man auch User schützen muss, deren Kompetenz erst noch entwickelt werden muss oder die per se eher weniger fähig sind eine Art Kompetenz zu entwickeln. Konservative Stimmen neigen in dem Zusammenhang oft zu der Meinung Medien reglementieren und ein Stück weit zensieren zu müssen z.B. durch bestimmte Schutzprogramme wie JusProg, während liberale Meinungen genau das Gegenteil wollen und eher dafür einstehen, dass gerade Kindern und Jugendlichen dahingehend schon in der Schule beigebracht werden soll, was ein verantwortungsvolles Handeln und ein sicheres Auftreten im Web ausmacht. Die Reglementierung von Inhalten sei nur in besonders heftigen Situationen wünschenswert, wie zum Beispiel bei pornografischen Inhalten. Wir Netzpiloten haben dahingehend vor einiger Zeit, Birgit Kimmel, die als pädagogische Leiterin von klicksafe.de, in unserem erschienenen Report „Wir ohne Grenzen“ einmal interviewt. Auf die Frage hin wie man denn das Internet für Kinder sicher machen könne, lautete ihre Antwort:

„Mit Blick auf die Risiken, die Kindern und Jugendlichen im Internet begegnen können, gilt es, sie vorzubereiten, zu stärken und – ihrem Alter entsprechend – ihre Medienkompetenz zu fördern. Während bei Grundschulkindern Risikovermeidung im Vordergrund steht, wird später die Risikoreduzierung wichtiger. Eltern und Pädagogen sollten darauf achten, dass sich Jüngere in kindergeeigneten, sicheren Surf- und Kommunikationsräumen bewegen. Parallel sollte bereits dem Alter angemessen Medienkompetenz vermittelt werden. Bei älteren Kindern und Jugendlichen steht dies dann an erster Stelle: Sie sollten lernen, Risiken zu erkennen und zu vermeiden. Technische Schutzprogramme verlieren dann an Bedeutung, denn mit Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse können Ältere diese umgehen“.

Frau Kimmel positionierte sich zu der Zeit klar zur Aufklärung, allerdings ist sie Schutzprogrammen nicht gänzlich abgeneigt. Zumindest im sehr jungen Alter, wie es scheint. Damit bewegt Sie sich im Bereich zwischen Konservatismus und Liberalismus. Ein kurzer Blick in die Veranstaltungsliste… Einen neutralen Blick und das Augenmerk auf beide Richtungen sollen nun auch die Veranstaltungen des SID 2012 aufzeigen. Schaut man sich die Veranstaltungsliste einmal an, so wird klar, dass hier jeder gemäß seiner Vorstellung auf lohnenswerte Panels und Workshops stoßen wird. Da die Veranstaltungen dezentral in der gesamten Bundesrepublik ablaufen, wird es allerdings schwierig werden, an jedem mehr oder weniger interessanten Panel teilzunehmen. Drei dieser Veranstaltungen, die wie ich glaube lohnenswert sein könnten, möchte ich euch dennoch einmal vorankündigen. Angefangen wird z.B. mit einer Pressekonferenz im Bilingualen Gymnasium Phorms in Berlin. Hier treffen sich u.a. die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, der TV-Moderator Jörg Pilawa (!), der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen Dr. Jürgen Brautmeier und die bereits oben erwähnte Birgit Kimmel, die außerdem als Mitarbeiterin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), mit ihren Gesprächspartner ersten Fragen Rede und Antwort stehen wird. Es bleibt zu hoffen, dass diese auch kritischen Naturen sein dürfen. Interessant wäre zum Beispiel die Frage, warum Deutschland mit einer starken Neigung zur Zensur von Inhalten im Web (die gerne unter dem Deckmantel des Jugendschutzes vollführt werden), jegliche Bildung von Medienkompetenz einengt und den Nutzern die Möglichkeit nimmt, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu sammeln. Diese exemplarische Frage, könnte sicherlich der ein oder andere Experte – zum Beispiel Frau Schröder – in dieser Runde beantworten. Freunde von Statistiken und Daten, könnten außerdem in München auf interessante Erkenntnisse stoßen. Denn hier wird zur Präsentation einer Studie geladen, die vom Institut für Medienpädagogik (JFF) geführt wurde. Das Thema lautet „Konflikte in Sozialen Netzwerkdiensten“ und tritt mit dem schonungslosen Titel „Wo der Spaß aufhört …“ an. Das JFF-Institut hat für diese Teilstudie (mehr Informationen hier) insgesamt 61 Schüler befragt, wie sie dem Thema Cybermobbing und Persönlichkeitsrechtsverletzungen gegenüber stehen und welche Konflikterfahrungen sie bisher selber gemacht haben. Es wird interessant sein zu erfahren, ob die Jugendlichen, den leider auch oft unverhältnismäßigen Ängsten der Eltern und Pädagogen recht geben oder ob sie einige Vorurteile der Erwachsenen zerstreuen können. Besonders lohnenswert dürfte zudem der eher kleine Beitrag des Cafes „ABdate“ in Aschaffenburg sein, welches Kindern, Jugendlichen, Eltern und Pädagogen Vorort zeigen wird, wie man u.a. sein Facebook-Profil gemäß der höchstmöglichen Privacy- und Datenschutzbedingungen einstellen kann. Leider findet sich nämlich nicht jeder in dem Gewirr aus Richtlinien und versteckten Opt-ins des sozialen Netzwerkes zu Recht. Diese Veranstaltung empfinde ich als Pflichtevent für jeden, der sich im Umkreis des Städtchen aufhält und dessen Kind Mitglied auf Facebook ist. Es gibt natürlich noch weitere Veranstaltungen, die vielleicht interessanter erscheinen, als die von mir präsentierten. Wer diese Veranstaltungen, Panels und Workshops erfahren möchte und wissen will, ob es auch Termine in der eigenen Stadt gibt, der ist hier im Schedule-Bereich des Safer Internet Days gut aufgehoben.

February 6 2012, 10:10am

Jugendliche wollen Musik

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums Musikhören und -beschaffen.

Wenn es um Filme und Musik aus dem Netz geht, sind mir meine Kinder (14 und 16 Jahre) weit voraus. Sie wissen, was es wo zu streamen, runterzuladen und zu tauschen gibt. Was davon legal oder illegal ist, interessiert sie nicht. Ich gestehe, dass es mich zwar interessiert, dass ich aber schlicht nicht mehr Bescheid weiß. Immerhin frage ich mich noch, ob sich die Kinder strafbar machen. Muss, kann, sollte ich verhindern, dass sie sich ihre Lieblingsstücke aus dem Internet holen?

Antwort: Nein, verhindern können Sie das nicht und – je nach Quelle – müssen Sie das auch nicht. Tatsächlich sind die Debatten ums Downloaden und Streamen recht komplex und langwierig. Auch die Begriffe „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“ werden diskutiert, wobei die generelle Gültigkeit des letztgenannten– soweit folgen halbwegs interessierte Eltern oft noch dem aktuellen Geschehen – inzwischen stark angezweifelt wird. Aber was bedeutet das konkret für den Umgang mit Musik und Filmen zu Hause? Ich empfehle, dass Sie mit den Kindern immer wieder darüber sprechen, was es für Künstler bedeutet, wenn sie mit ihrer Arbeit, ihren Werken nichts verdienen. Überlegen Sie, welche Geschäftsmodelle möglich wären, damit Künstler von ihrer Arbeit leben können. Bis es andere Lösungen gibt, sollten auch Ihre Kinder die zahlreichen kostenlosen und legalen Angebote nutzen (eine aktuelle Liste von Webseiten, Gebühren und Leistungen findet sich hier). Mittlerweile gibt es so viele Angebote im Netz, dass diese „Beschränkung“ sicher nicht das Ende des Musikhörens und Filmeguckens bedeuten würde. Vielleicht könnten Sie auch gemeinsam ein Konto mit Flatrate einrichten? Das gibt es für weniger als 5 Euro im Monat. Reden Sie auch darüber, dass viele dieser Beschaffungsdienste Abzocke-Angebote sind, dass Abmahnungen der Nutzung folgen können. Schärfen Sie den Kindern ein, diese Schreiben nicht zu ignorieren und holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung bei Ihrer Verbraucherzentrale. Je nach Alter der Kinder, der Menge der illegal beschafften Inhalte und der Frequenz der Downloads haften die Kinder unter Umständen selbst. Die Eltern als Inhaber des Anschlusses sind sowieso mit dran. Zum einen sollten Sie also die Konsequenzen der illegalen Nutzung aufzeigen und immer wieder über das Thema reden, auch wenn Sie selbst kein Urheberrechts-Spezialist sind. Vielleicht wird es Jugendliche nicht davon abhalten, weiter zu streamen und runterzuladen. Dennoch verstehe ich es als Aufgabe der Eltern, mindestens ein gewisses Unrechtsbewusstsein herzustellen und an die Selbstverantwortung zu appellieren. Zum anderen: Geben Sie ein gutes Beispiel und nutzen Sie selbst nie CDs, DVDs, Programme und Dateien aus zweifelhaften Quellen.

February 3 2012, 9:30am

Dschungelcamp für Kinder

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums RTL “Dschungelcamp” für Kinder und Jugendliche.

In der Klasse meines Sohnes (13) gucken viele regelmäßig die RTL Show “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus”. Auch er möchte das gern mal sehen, und ich verstehe das: Schließlich schaue ich die Sendung selbst gern und alle reden darüber. Seine Lehrerin ist jedoch entsetzt und möchte, dass diese Sendung von den Schülerinnen und Schülern auf keinen Fall geguckt wird. Was meinen Sie?

Antwort: Zunächst einmal werden Lehrerinnen und Lehrer im Allgemeinen die Verantwortung für das, was zu Hause passiert, auch zu Hause belassen. Wenn sie das nicht tun, werden sie sicher gute Gründe dafür haben. Haben Sie sie einmal gefragt? Ohne Ihrem Sohn bösen Willen unterstellen zu wollen, könnte es doch vielleicht sein, dass ein wichtiges Detail aus dem Schulleben noch nicht bis zu Ihnen vorgedrungen ist, das jedoch die Forderung der Lehrerin in einem anderen Licht erscheinen lässt? Erkundigen Sie sich doch auch einmal ganz gezielt bei Ihrem Sohn, worüber genau im Zusammenhang mit der Show in der Schule gesprochen wird. Ist es Schadenfreude? Sind es die peinlichen, gefährlichen und ekelhaften Aspekte? Oder ist das Zwischenmenschliche: Das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe, das Mobben gegen Einzelne oder die Liebesbeziehungen? Die Tatsache, dass – in diesem Fall per kostenpflichtigem Tele-Voting – jemand aus der Gruppe für etwas besonders Ekliges herausgepickt werden kann? Womöglich wurden in der Schule einzelne Aktionen, Schimpfwörter oder Verhaltensweisen übernommen und dies war der Grund für die Bitte der Lehrerin. Auch wenn uns dies nur selten bewusst ist, so lernen wir beim Fernsehen stets etwas, so ganz nebenbei und zwar über lange Zeiträume hinweg. Damit meine ich kein Faktenwissen, sondern etwas über Rollenbilder und Verhaltensweisen im Allgemeinen und hier im Speziellen über Respekt und Anstand. Was dazu im Dschungelcamp gezeigt wird, möchten Sie Ihrem Sohn als Rollenmodell und Verhaltensvorbild wohl nicht zumuten. Einem gesunden 13-Jährigen wird es wahrscheinlich nicht nachhaltig schaden, wenn er – in Gesellschaft seiner Eltern – einmal die Sendung sieht, und sei es nur, damit er eben mitreden kann, zum Beispiel am Wochenende. Nutzen Sie das gemeinsame Schauen, um über den Konflikt zwischen Würde und Respekt auf der einen Seite und Sensationslust und Einschaltquote auf der anderen Seite zu sprechen. Überlegen Sie dabei auch noch einmal gemeinsam, was die Lehrerin bewogen haben könnte, die Sendung zu verbieten zu wollen. Auch wenn Sie selbst gern in den Dschungel sehen, sollte klar sein, dass dies kein Format für Kinder und Jugendliche ist: Schon allein der Ausstrahlungstermin nach 22 Uhr (siehe hier bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen) ist ein darauf sicherer Hinweis.

January 20 2012, 10:00am

Mobbing im Internet

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Diesmal geht es ums Ausgrenzen per Internet. Frage: Meine Tochter (13) hat schon seit fast einem Jahr ein Konto bei einem Sozialen Netzwerk. Hauptsächlich trifft sie sich dort zum Chatten mit Freundinnen aus der Schule. Nun erzählte sie mir, dass sich seit ein paar Tagen der Chat schlagartig leert, sobald sie sich anmeldet: Die Teilnehmerinnen kommunizieren dann offenbar über andere Kanäle ohne sie weiter. Nun ist sie enttäuscht und ich mache mir Sorgen, welche Formen die Ausgrenzung noch annehmen wird. Was kann ich tun, um meiner Tochter zu helfen? Ich habe schon überlegt, ihr den Zugang zum Sozialen Netzwerk ganz zu sperren.

Antwort: Ich rate zur Entspannung – soweit das möglich ist. Natürlich machen Sie sich Sorgen, aber zunächst sollten Sie als Gesprächspartner für Ihre Tochter da sein, ganz so wie Ihr Teenager das ja bereits eingefordert hat. Den Zugang jetzt zu sperren, halte ich für den falschen Weg. Sie können sich gratulieren, dass Ihre Tochter mit dieser sensiblen Information überhaupt zu Ihnen gekommen ist. Wie viel schwerer fällt es Eltern, die Ursache für schlechte Laune und Enttäuschung herauszufinden, wenn sie nicht eingeweiht werden in die Feinheiten des jugendlichen Kommunikationsverhaltens! Über Mobbing im Internet – also üble Nachrede und Ausgrenzung zum Beispiel in Sozialen Netzwerken – oder Mobbing per Internet – also zum Beispiel durch anonyme Mails – gibt es hier und hier einiges nachzulesen, eine gute Zusammenfassung über Mobbing, das nicht oder nicht nur im Internet stattfindet, steht hier. Ich schlage vor, dass Sie, in Absprache mit Ihrer Tochter, ihre Eintragungen im Sozialen Netzwerk durchgehen und private Informationen und Bilder, auf denen sie zu erkennen ist, entfernen und/oder durch verfremdete Bilder ersetzten – nur für den Fall, dass jemand Unfug damit treiben wollte. Wichtig ist, dass Sie das Selbstbewusstsein ihres Kindes stärken und Verbündete suchen. Niemand ist schuld daran, wenn er Opfer von Mobbing oder Cyber-Mobbing wird – es kann jeden treffen. Sprechen Sie mit Ihrer Tochter darüber, wie sie sich außerhalb ihres digitalen Netzwerks aufgehoben fühlt. Gibt es eine oder mehrere beste Freundinnen, auf die sie zählen kann oder bisher zählen konnte? Vielleicht könnten sie mit Ihrer Tochter ein klärendes Gespräch mit diesen Freundinnen im Rollenspiel üben? Wenn die Probleme schlimmer werden oder Ihre Tochter schlimmer belasten, lassen Sie sich individuell und anonym beraten, bevor sie einem Impuls folgend aktiv werden – zum Beispiel bei den auf Websorgen spezialisierten Pädagogen der Nummer gegen Kummer. Manchmal fühlen sich Teenager ausgegrenzt, manchmal werden sie tatsächlich ausgegrenzt – beides fühlt sich mies an, beides geht mit und im Internet genau wie ohne digitale Werkzeuge. Dann kann es helfen, wenn im Gespräch Maßstäbe gerade gerückt werden: Niemand kann immer bei allen beliebt sein. Vielleicht schaffen Sie es, Ihrer Tochter auch weiterhin das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht allein ist: Sicher machen nicht alle Gleichaltrigen mit – und Sie sind ja auch noch da.

January 6 2012, 9:30am

Suchen und finden: Schularbeiten mit Internet

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Diesmal geht es ums Suchen im Internet für die Schule. Mein Sohn (12) geht in die sechste Klasse. Ganz selbstverständlich geht die Schule davon aus, dass er für Hausaufgaben, Referate und Präsentationen geeignete Inhalte aus dem Internet zusammenträgt. Fertigkeiten für das Erstellen von Powerpoints werden im Unterricht vermittelt, mit der Informationsmasse aus dem Internet werden die Schüler jedoch völlig alleingelassen: Er kennt nur Google und Wikipedia, er weiß nicht, wie man die Relevanz oder Glaubwürdigkeit einer Quelle beurteilt. Sollte statt Software-Anwendung in der Schule nicht besser dies unterrichtet werden? Antwort:

Die Diskussion um den Lernstoff rund um Computer und Internet ist in vollem Gange und ein Ende nicht abzusehen. Viele Eltern erwarten, dass Ihre Kinder in der Schule „fit” gemacht werden für Anwendungen im Internet und methodische Informationsbeschaffung. Dass ihnen zudem Grundwissen zu Datenschutz und Rechtefragen vermittelt werden, wird als selbstverständlich angenommen. Doch selbst wenn es erste Ansätze gibt, in den Schulen verschiedene IT-Fertigkeiten zu lehren, selbst wenn Medienpädagogik hier und da in den Lehrplänen vorkommt: Die Verantwortung für die Medienerziehung – und dazu gehört eben auch genau das, was Sie ansprechen – liegt bei den Eltern (Überlegungen dazu finden sich hier. Um Ihrem Sohn ein Basiswissen zu vermitteln, ist es sinnvoll, sich zunächst selbst vorzubereiten. Ich empfehle Ihnen, die Fragen, die sich ergeben, so genau wie möglich zu formulieren: Geht es um die Beurteilung von Quellen? Oder um Suchmöglichkeiten jenseits von Google und Wikipedia? Danach könnten Sie die nächste Hausaufgabe, für die recherchiert werden muss, gemeinsam angehen. Für den Start empfiehlt sich eine altersgerechte, redaktionell betreute Seite (eine Auswahl finden Sie hier) oder ein redaktionell betreutes Lexikon wie zum Beispiel http://www.schuelerlexikon.de. Die Suchergebnisse könnten Sie mit denen aus Wikipedia vergleichen und bewerten. Dabei sollten Sie auch über den Unterschied zwischen der Ergebnisliste einer Suchmaschine und einem Lexikoneintrag sprechen: Wo gibt es Qualitätsstandards, wo nicht? Was sind Qualitätsstandards überhaupt? Weitere Tipps zur Internetrecherche für Schülerinnen und Schüler gibt es hier. So praktisch und angenehm es ist, das Internet als Informationsquelle zur Hand zu haben: Sprechen Sie mit Ihrem Sohn auch über Alternativen! Auch in den Schulbüchern, die zu Hause stehen, lassen sich viele der benötigten Informationen finden. Ein Besuch in der Schul- und Stadtbibliothek gibt Ihrem Sohn die Möglichkeit, die tollen Nachschlagewerke – wie den Brockhaus – einmal in die Hand zu nehmen oder sich in einen Atlas zu vertiefen: Das Wissen um Möglichkeiten jenseits des Internets gehört ebenfalls zur Medienkompetenz. Auch hier ist das Gespräch mit Ihrem Kind ein zentraler Punkt. Aus der Vielfalt der verfügbaren Quellen können Kinder unmöglich allein die jeweils geeignete auswählen. All das, das Suchen und Vergleichen, braucht Zeit und macht Mühe. Aber es lohnt sich.

December 21 2011, 9:30am

Reingefallen: Kind legt Rechner lahm

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Spam per Kettenbrief und andere üble Scherze. Frage: Meine Tochter (11) erhielt eine Mail, in der sie von „Sicherheitsexperten” aufgefordert wurde, eine bestimmte Datei von unserem Rechner zu entfernen, da sonst ein überall kursierendes Computervirus alle unsere Daten auslesen würde. Aus lauter Sorge, dass unsere Bankdaten verschwinden könnten, tat sie, was gefordert war und entfernte offenbar eine Systemdatei – prompt mussten wir das Betriebssystem neu installieren. Gibt es eigentlich gar keinen Schutz gegen diesen Quatsch?

Leider nicht. Außer natürlich mit Ihrer Tochter über all den Unsinn zu reden, der per Spam ins Haus kommt. So ärgerlich es ist, wenn man seinen Rechner neu aufsetzen muss, ist der Schaden doch überschaubar – solange man seine Daten gesichert hat. Wie viel mehr Schaden hätte es angerichtet, wenn Ihre Tochter einen echten verseuchten Anhang geöffnet hätte! Viren, Würmer, Trojaner und was da noch alles an Malware herumschwirrt, das ganze Zeug wäre auf Ihrem Rechner gelandet – und Sie hätten es womöglich nicht einmal gleich bemerkt. In Ihrem Fall handelte es sich beim Absender offenbar „nur“ um einen fehlgeleiteten Clown, der nicht an Profit auf Ihre Kosten interessiert war. Ich empfehle Ihnen, mit Ihrer Tochter über Spam im Allgemeinen und böse Scherze durch Falschmeldungen (Hoaxes) zu sprechen. Es kursieren viele Varianten, die zum Beispiel der Hoax-Info-Service der TU Berlin beschreibt: Ob es nun ums angebliche Spendensammeln für einen guten Zweck geht, um esoterische Themen, Glücksbriefe oder Gewinnspiele: Wichtig ist, dass diese Mails sofort gelöscht werden- und eben nicht weiterverbreitet. Wirklich relevante Informationen zum Beispiel von Mobilfunk-, Bezahlsystem- oder anderen Diensteanbietern werden niemals per Kettenbrief kommuniziert. Immer wenn Ihre Tochter von unbekannten Absendern aufgefordert wird, etwas an möglichst viele Leute weiterzuleiten, ist Vorsicht geboten: Auf keinen Fall sollte sie dann Anhänge öffnen, niemals Geld überweisen, und niemals, wirklich niemals persönliche Daten angeben. Informationen und Tipps zum Thema bietet das Portal Checked4You, ein Service für Jugendliche der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und falls Ihre Tochter die Unglücksmail von einer Freundin oder einem Freund weitergeleitet bekommen hat, dann laden Sie – in Absprache mit dessen Eltern – das Kind doch auch gleich mit ein zu dem Gespräch. Bedarf scheint ja vorhanden.

November 11 2011, 10:00am

Ein Fernseher im Kinderzimmer?

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, ab wann Eltern einen Fernseher im Kinderzimmer erlauben sollen. Meine Tochter ist 9 Jahre alt und möchte gern einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer haben. Ich kann das verstehen, denn es gibt immer wieder Ärger: mit uns wegen der erlaubten Nutzungszeit, mit den jüngeren Brüdern wegen der Programmauswahl. Wir wollen eigentlich schon länger einen neuen Flachbildschirm anschaffen. Das wäre für uns eine Gelegenheit, ihr das alte Gerät zu schenken. Aber ist ein eigener Fernseher im Kinderzimmer sinnvoll? Antwort: Es ist bei 9-Jährigen auf jeden Fall richtig, die Zeit zu begrenzen, die sie mit digitalen Medien verbringen. Denn ganz gleich, was sie nutzen, es ist immer Zeit, die für andere Freizeitaktivitäten nicht zur Verfügung steht. Dass ein 9-jähriges Mädchen in der ihr erlaubten Zeit andere Programme bevorzugt, als ihre jüngeren Brüder, ist wenig erstaunlich, Ärger also absehbar. Einem Kind den ausgedienten Familienfernseher zu schenken, um im Wohnzimmer endlich seine Ruhe zu haben, ist ein verständlicher Impuls. Ich kann aber nur abraten, diesen Frieden mit einem Fernseher im Kinderzimmer zu „erkaufen“. Schon bald wüssten Sie kaum noch, was Ihre Tochter anschaut, und wieviel. Dabei geht es mir nicht so sehr darum, dass Sie die Programmauswahl Ihrer Tochter kontrollieren sollen. Problematisch ist aber, dass Sie dann keine Chance mehr haben, mit ihr über das Gesehene zu sprechen, vor allem ergibt sich dieses Gespräch nicht mehr so ganz nebenbei. Häufig bieten gerade Fernsehsendungen einen guten Anlass, über verschiedene Ereignisse oder Verhaltensweisen zu reden – und das spielerisch, ungezwungen. So kann man am Beispiel von Fernsehfiguren über den ersten Kuss sprechen oder die Frage erörtern, ob man lügen darf, um einem Freund zu helfen – Jugendserien wie “Schloss Einstein” (KIKA) deklinieren diese Themen sehr erfolgreich immer wieder durch. Zusätzlich sollten Sie bedenken, dass Ihre Tochter mit 9 Jahren wohl beim besten Willen nicht in der Lage ist, ihren Fernsehkonsum ganz eigenständig zu gestalten und zu begrenzen. Studien zeigen, dass Kinder ihre Sehzeit ungefähr verdoppeln, sobald sie ein eigenes Gerät besitzen , (S. 192) Wenn aus dem Kinderzimmer ein Jugendzimmer geworden ist, sieht die Sache anders aus. Dann könnte nochmals über ein eigenes TV-Gerät diskutiert werden. Wann genau das sinnvoll ist, müssen Eltern für jedes Kind selbst beurteilen – an einem bestimmten Geburtstag ist dies sicher nicht festzumachen. Sie werden selbst wissen, wann Ihre Teenager-Tochter in der Lage ist, auch den Ausschaltknopf zu finden und Medienprodukte so kritisch zu betrachten, dass sie keinen Schaden anrichten.

October 14 2011, 9:49am

Böse Überraschung: Abzocke am Handy

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um böse Überraschungen, die drohen, wenn Kinder und Jugendliche auf Handyabzocke hereinfallen. Mein Sohn ist 13 Jahre alt und besitzt schon seit einigen Jahren ein Handy. Alles lief bestens, die Rechnungsbeträge überstiegen das gemeinsam vereinbarte Limit von 15 Euro pro Monat nicht. Jetzt tauchten jedoch plötzlich teure 0900er-Nummern auf der Rechnung auf. Mein Sohn beteuert, nie Klingeltöne oder Spiele bestellt zu haben. Woher kommen diese Nummern und wie können wir verhindern, dass wir so etwas wieder bezahlen müssen? Antwort: Lassen Sie sich zunächst dafür loben, dass Sie Ihren Sohn mit seinem Handy und den damit zusammenhängenden Fragen nicht allein lassen. Das Vereinbaren eines Kostenlimits ist auf jeden Fall eine gute Idee, ebenso wie vorab zu klären, ob das Kind einen Teil der Kosten vom Taschengeld zahlt oder ob die Eltern die Rechnung komplett übernehmen. Auch dass Sie offenbar die monatliche Rechnung prüfen, ist vorbildlich. Je nach Alter des Kindes könnten Eltern überlegen, ob und wann sie diese Aufgabe an den eigentlichen Nutzer abgeben. Ältere Jugendliche möchten vielleicht nicht mehr jede Nummer auf dem Einzelverbindungsnachweis rechtfertigen müssen. Handys können schnell zu Kostenfallen werden, wenn man nicht Bescheid weiß. Ihr Sohn hat das ganz richtig erkannt: Klingeltöne und Spiele sind für Kinder interessant, werden aber schnell zu teuren Abzocke-Abonnements. Wenn nun zum ersten Mal Nummern auftauchen, die Ihr Sohn nicht kennt und zu denen die Verbindung sehr teuer war, ist er wahrscheinlich das Opfer geworden von Lockanrufen, auch bekannt als Ping-Anrufe. Meist ist es dabei so, dass das Handy nur ganz kurz klingelt, so dass man es nicht schafft, zu antworten. Dann wird die Nachricht „Anruf in Abwesenheit“ angezeigt. Wer dann die Rückruftaste am Handy nutzt, ohne vorher zu prüfen, welche Nummer da anzurufen versucht hat, muss das oft teuer bezahlen. Man muss noch nicht einmal mit jemandem am anderen Ende gesprochen haben. Es genügt, dass eine Verbindung zu diesen „Mehrwertdiensten“, deren Nummern zum Beispiel mit 0900, 0137 oder 0180 beginnen, hergestellt wurde – schon wird die Gebühr von bis zu 3 Euro fällig, in Einzelfällen auch noch mehr.
Wenn Sie oder Ihr Sohn noch einmal einen solchen Lockanruf erhalten, sollten Sie die Nummer umgehend an die Bundesnetzagentur melden, damit der Anschluss gesperrt wird. Ich empfehle, mit Ihrem Kind gemeinsam darüber nachzudenken, ob Sie diese Sonderrufnummern direkt bei Ihrem Tarifanbieter sperren lassen. Dazu genügt in der Regel Ihr Anruf beim Service des Anbieters – sogar für Prepaid-Handys.

September 30 2011, 10:15am

Unangenehm: Mit Kindern über Pornos reden

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, wie Eltern ihre Kinder vor unangemessenen Darstellungen und Informationen schützen können. Frage: Meine 12-jährige Tochter beginnt, sich für Sex zu interessieren. Auch auf unserem gemeinsamen Computer fand ich nun Spuren dieser Neugierde: Offenbar hat sie sich Pornos angesehen, als sie allein zu Hause war. Ich war sehr wütend und enttäuscht, dass sie unser Vertrauen so missbraucht. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, streitet sie alles ab und weigert sich, darüber zu sprechen. Sollte ich jetzt mit einem Kinderschutzprogramm alle Sex-Seiten sperren, um dem Problem künftig aus dem Weg zu gehen? Wie hält man Kinder und Jugendliche davon ab, etwas zu tun, was sie tun könnten? Eine uralte Frage der Pädagogik. In der Regel gelingt dies allerdings nicht dadurch, dass man wütend aus der Haut fährt und das unerwünschte Verhalten kurzerhand verbietet. Ich finde, es ist richtig, das Pornogucken Ihrer Tochter nicht zu ignorieren oder zu tolerieren. Auf jeden Fall sollten Sie mit ihr sprechen. Wenn Sie in dem Moment, in dem Sie das versucht haben, sehr aufgebracht waren, ist es kein Wunder, dass Ihre Tochter das Gespräch verweigert. Erwischt zu werden ist ohnehin peinlich genug. Mein Rat lautet: Wenn Sie einmal geguckt hat, war sie lediglich neugierig, eine schlimme Störung wird sie davon kaum zurückbehalten. Vielleicht hat sie dabei Abstoßendes gesehen, aber wenn Sie nicht mit Ihnen darüber reden will, oder zumindest jetzt nicht, können Sie sie nicht zwingen. Machen Sie dennoch deutlich, dass Sie Pornos ablehnen und nennen Sie Ihre Gründe. Betonen Sie dabei ruhig auch, dass das Gesehene inszeniert war und keine Darstellung von „echtem” Sex. Wenn sich alle wieder beruhigt haben, sollten Sie eine Bestandsaufnahme machen. Was glauben Sie, was Ihre Tochter über Sex weiß? Und was könnte sie darüber hinaus interessieren? Es ist ganz normal, dass das Ihr heranwachsendes Kind die leicht zugängliche und relativ anonyme „Auskunftei Internet“ nutzt, um sich zu informieren, statt Sie zu fragen. Wichtig ist jetzt, dass Sie mit Ihr über den Unterschied sprechen zwischen Aufklärungsseiten zum Thema Sex (wie zum Beispiel den Sex´n´tipps) und Pornoseiten (Informationen für Erwachsene dazu gibt’s zum Beispiel hier) Ein zentrales Element sollte dabei sein, dass Pornos keine Orientierung bieten, wenn es um die wichtigen Fragen geht: Bin ich attraktiv? Bin ich normal? Wie geht das eigentlich konkret, Sex? Und wie fühlt sich das an? Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich zunächst noch einmal selbst in aller Gelassenheit mit dem Thema Sexualität und Erwachsenwerden beschäftigen. Als Einstieg für Erwachsene empfehle ich diesen Elternratgeber “Sexualität und Internet” und als Einstieg für Jugendliche bietet sich dieser Quiz an, den Kinder und Jugendliche auch gemeinsam ansehen können, ohne rot zu werden. Meine Haltung zu Kinderschutzsoftware ist gespalten (siehe auch Eltern & Web hier ). Einerseits kann sie als unterstützende Maßnahme für jüngere Kinder nützlich sein, andererseits ersetzt sie niemals die persönliche Begleitung oder das Gespräch über das Surfverhalten ihres Kindes. Abgesehen davon funktionieren die meisten Programme nicht besonders gut, wie im Zusammenhang mit der Einführung des Jugendschutzprogramms JusProg auf netzpiloten.de diskutiert wurde. Falls Sie sich für ein solches Programm entscheiden, sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Tochter dennoch weiter die guten Beratungsangebote wie zum Beispiel die von pro familia besuchen kann – manchmal werden nämlich alle Seiten, auf denen die einschlägigen Keywords vorkommen, gesperrt.

September 16 2011, 10:10am

Wir müssen reden…

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute gibt sie Tipps, wie Eltern mit ihren pubertierenden Kindern wieder ins Gespräch kommen können. Immer wieder höre und lese ich, dass das Gespräch mit meinem Sohn (15) das Allerwichtigste in der Medienerziehung ist – und ja nicht nur dort. Ich würde auch sehr gern reden – mein Sohn aber nicht. Er blockt jede Annäherung ab, reagiert entweder gar nicht oder weist mich schroff zurück. Wie schaffe ich es, dass mein maulfauler Teenager wieder mit mir spricht? Antwort: Sie stellen hier die Kernfrage der Teenager-Erziehung: Wie bleibt man im Gespräch mit jemandem, der genau daran kein Interesse hat? Oder der zumindest so tut? Eine Patentlösung gibt es – natürlich – nicht. Aber wenn man genau hinsieht, lassen sich mögliche Ansätze erkennen. Prüfen Sie zunächst die äußeren Gegebenheiten, in denen Sie reden möchten. Sind das Situationen, in denen wirklich Zeit ist für ein Gespräch? Dies könnte zum Beispiel während der gemeinsamen Mahlzeiten sein, die ohne Telefon, Handy und Fernseher stattfinden sollten. Dieser Verzicht auf Störquellen von außen sollte immer und für alle gelten. In ruhiger Atmosphäre könnten zumindest theoretisch alle miteinander reden, obwohl dieser Anlass auch nur ein Angebot sein kann, ohne Gewähr. Bestimmt kennt sich Ihr Sohn mit seinen Lieblingsanwendungen – zum Beispiel mit PC-Spielen, seiner Konsole oder seinem Handy – besser aus als Sie. Wenn Sie seine Expertise anerkennen, ergibt sich die Gelegenheit, ihm Sachfragen zu stellen: Was genau das Ziel eines Spieles ist, das er gern spielt, wie sich die neue Version von der vorherigen unterscheidet, ob er glaubt, das 3D-Spiele auf dem Handy bald der Renner sein werden – verfolgen Sie die aktuellen Themen in der Tagespresse oder auf netzpiloten.de. Wenn es schlecht läuft, ernten Sie bloß ein mitleidiges Grunzen. Aber wenn es gut läuft, haben Sie einen Ansatz, auf den Sie später zurückkommen können. Vielleicht können Sie sich auch vom „Experten in der eigenen Familie“ helfen lassen beim Suchen im Netz, bei der Bildbearbeitung oder beim Backup? Auch das kann für gute oder zumindest bessere Stimmung sorgen. Und Sie können die Leistung und das Wissen Ihres Kindes anerkennen, ohne dass es allzu sehr von oben herab wirkt. Sicher gibt es Tage, an denen nichts geht, an denen Ihr Sohn alles abblockt. Aber das ist wahrscheinlich nicht immer so. Manchmal ergibt sich ein Gespräch, wenn man es am wenigsten erwartet, Drängeln nützt da nichts. Machen Sie Ihre Haltung klar, wenn es um die Begrenzung der Nutzungszeit geht, um das Spielen und Anschauen altersgemäßer Angebote sowie um Datensicherheit und Datensparsamkeit (Tipps dazu gibt’s unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ). Begründen Sie Ihre Ansichten, bleiben Sie dabei, aber lassen Sie in den Bereichen, die Sie für weniger entscheidend halten, mit sich reden. Reden – das bedeutet auch: kein Gemaule, kein Geschrei. Wenn Sie es dazu noch schaffen, die Regeln der Höflichkeit, deren Einhaltung Sie von Ihrem Sohn einfordern, selbst zu befolgen, auch in schwierigen Situationen, in denen Ihr Sohn offensichtlich versucht, Sie zu provozieren, haben Sie es schon fast geschafft. Das Abblocken Ihrer Annäherungsversuche ist ja nicht persönlich gemeint (Trost durch Ergebnisse erziehungswissenschaftlicher Forschung finden sich hier ), sondern Teil seiner Entwicklung. Signalisieren Sie freundlich, dass Sie da sind, dass Sie sich interessieren und zum Gespräch bereit sind – mehr können Sie jetzt nicht tun.

September 2 2011, 9:45am

Aus Internet-Freunden werden echte Bekannte

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, wie Jugendliche ein Treffen mit Freunden, die sie im Internet kennen gelernt haben, vorbereiten sollten. Meine 14-jährige Tochter ist fleißiges Mitglied bei YouTube. Dabei guckt sie nicht nur viel, sie erstellt auch selbst zum Beispiel Stop-Motion-Filme und hat einen eigenen Channel. Ich verstehe nicht so richtig, warum ihr das, bedenkt man den zeitlichen Aufwand, so viel Spaß macht, denn sie ist mit einem Film über viele Stunden beschäftigt. Sie ist aber in der Community recht beliebt und hat viele Abonnenten, meist Mädchen in ihrem Alter. Mit einem dieser Mädchen möchte sie sich nun gern im echten Leben treffen. Worauf sollten wir als Eltern achten, bevor wir sie losziehen lassen?

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer kreativen Tochter! Offenbar nutzt sie die Technik, um ihre Vorstellungen und ihren Humor auszudrücken. Und nun erhält Ihre Tochter Bestätigung von außen durch Menschen, die sie nicht persönlich kennt, indem diese ihren Channel abonnieren und mir ihr chatten. Dass Sie das inhaltlich nicht alles verstehen können, ist völlig normal. Erfreulich ist, dass Sie ihr trotzdem nicht verbieten, diesem Hobby nachzugehen, und mindestens ebenso erfreulich, dass Ihre Tochter Sie daran teilhaben lässt. Nun möchte sie einen der neuen Kontakte auf eine nächste Ebene heben und sich mit einem anderen Mitglied der Community im echten Leben treffen. Das kann ich genauso gut verstehen wie Ihre Sorge, dass dabei etwas schief gehen könnte – mit 14 Jahren ist man eben noch nicht erwachsen und könnte unter anderem die Gefahren des “Cybergrooming“, also der Kontaktaufnahme von Erwachsenen, die mit falschen Identitäten und mit sexuellen Interessen gezielt Kinder ansprechen, womöglich unterschätzen. Ich empfehle, dass Sie zuerst noch einmal mit Ihrer Tochter darüber sprechen, dass sich im Internet nicht alle Menschen als diejenigen präsentieren, die sie wirklich sind. Auch bei YouTube kann schließlich jeder behaupten, ein 14-jähriges Mädchen zu sein. Eine Idee, die neue Bekannte vor dem Treffen etwas besser kennen zu lernen, ist ein Videochat oder zumindest ein Telefonat, vielleicht über Ihre Handynummer geführt? Im Idealfall dürfen Sie sogar dabei sein, dann können Sie mithelfen, besser einzuschätzen, ob da wirklich ein Teenie einen anderen treffen will. Überzeugen Sie Ihre Tochter, sich von Ihnen oder einer anderen erwachsenen Person, der Sie und Ihre Tochter vertrauen, beim ersten Treffen begleiten zu lassen – die Begleitung könnte sich ja diskret im Hintergrund halten. Die ersten Begegnungen sollten grundsätzlich an einem belebten öffentlichen Ort stattfinden, noch besser ein Ort, wo Ihre Tochter persönlich bekannt ist. Ich rate dringend davon ab, sich in einer Privatwohnung, einem Park oder anderswo zu treffen, wo Ihre Tochter keine Übersicht hat und im Notfall Fremde um Hilfe bitten müsste. Schauen Sie zur Vorbereitung doch einmal diesen Film von watch your web an, einem Beratungsportal für sicheres Surfen, das sich speziell an Jugendliche richtet. Ein Handy sollte sie auf jeden Fall dabei haben und während der ersten Treffen zu zweit sollte sie sich zu einer verabredeten Zeit von Ihnen oder einer Freundin anrufen lassen, um kurz zu klären, ob alles in Ordnung ist. Freuen Sie sich, dass Ihr Kind Ihnen von diesem geplanten Treffen berichtet hat und loben Sie sie ausgiebig dafür. Und sich selbst dürfen Sie auch loben. Denn das Vertrauen Ihrer Tochter gab es sicher nicht geschenkt – das haben Sie sich ja wohl verdient.

August 19 2011, 9:45am

Studie: Kinder und Medien

Gestern stellte der Egmont Ehapa Verlage (allen bekannt als Herausgeber von Asterix und Lucky Luke Comics und naheliegenderweise der wöchentlichen Micky Maus) seine Studie zum Konsumverhalten von Kinden mit Medien vor, die KidsVerbraucherAnalyse (KidsVA). Die Zahlen sind ermutigend: 5,9 Millionen (96%) aller befragten Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren geben an, in ihrer Freizeit Zeitschriften anzuschauen und immerhin 5,5 Millionen (91%) schmökern in Büchern. Leise Zweifel kommen auf, wenn ich an die Zeiten meines Sohnes in der Grundschule denke. Da gab es einige Kinder, denen man in der dritten Klasse nicht ersnthaft unterstellen konnte, dass schon mal ein Kinder-Buch wirklich gelesen. Aber reinschauen und durchlesen sind ja auch zwei Paar Schuhe. Und die freundlichen Menschen, die Umfragen machen können den Menschen ja auch nicht hinter die Stirn sehen… Laut Angaben des Verlags ist die KidsVA 2011 mit insgesamt 2.122 Interviews repräsentativ für 7,5 Millionen deutschsprachige Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren. Bei 46 erhobenen Titeln aus der Kinderzeitschriftenwelt werden 72% aller 6- bis 13-Jährigen (4,41 Millionen) regelmäßig erreicht. Dabei ist das wöchentlich erscheinende Micky Maus Magazin aus dem Egmont Ehapa Verlag mit mehr als 700.000 Lesern Spitzenreiter. Es folgen weitere Geschichten aus Entenhausen im “Disney Lustigen Taschenbuch” (682.000 Leser) und 543.000 fußballinteressierte Leser greifen zu “Just Kick-it!” aus dem Panini Verlag. Soweit also zum Thema Lesen. Es geht hier um Comics. Nicht das ich das abqualifizieren will, denn genau so habe auch ich angefangen: mit Asterix und Konsorten, aber mit ungefähr acht Jahren kamen dann Sachen wie Perry Clifton und Geheimagent Lennet dazu, also richtig dicke Schinken, die wirklich spannend waren. Wer mit 12 Jahren noch hauptsächlich Micky Maus liest… naja, lassen wir das. Und der Computer? Bei Schulkindern über 6 Jahren steigen Werte deutlich an: Fast 5 Millionen 6- bis 13-Jährige (81%) haben Computer-erfahrung und 4,5 Millionen (74%) waren bereits Online. 32% dieser User sind sogar täglich im Internet unterwegs. Hier fehlt mir wirklich eine genaue Differenzierung. Wer in der 5. Klasse ist, der wird häufg das Internet aufsuchen, aber ein täglicher Besuch im Internet in den frühen Klassen der Grundschule fänd’ ich eher verwerflich. Da wäre das Spielen und Herumtoben für mich noch deutlich wichtiger im nicht-digitalen Bereich anzusiedeln, auch und gerade unter Einsatz des eigenen Körpers… Dass Kinder in dieser Altergruppe im Schnitt über 25 EUR an Taschengeld verfügen, hat mich fast umgehauen. Da fange ich dann wieder an in DM umzurechnen und kriege echt Plaque….

August 10 2011, 9:45am

Wenn Kinder zuviel spielen

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Jugendliche, die jede freie Minute beim Spielen im Internet verbringen. Mein 15-jähriger Sohn liebt es, sich zu Multiplayer-Spielen zu verabreden. Ich verstehe dieses Hobby nicht, habe aber eingesehen, dass es ihm eben Spaß macht. Seit einigen Wochen tut er aber wirklich nichts anderes mehr in seiner Freizeit als virtuelle Kämpfe auszutragen. Nun bin ich besorgt, dass er nach Computerspielen süchtig sein könnte. Soll ich diese Exzesse dulden, zumindest vorübergehend, oder entschieden dagegen vorgehen? Antwort: Ihr Sohn ist in einem Alter, in dem er wahrscheinlich in allen Lebensbereichen nach einer klaren Abgrenzung von seinen Eltern strebt. Sich einem Hobby zuzuwenden, das Sie nicht recht verstehen, ist in dieser Phase völlig normal. Nun bemerken Sie aber, dass das Hobby seinen Charakter verändert oder dass es gar Ihren Sohn zum Schlechten verändert. Das ist der wichtige Punkt: Hat sich nur die Nutzungszeit verlängert oder geht das pausenlose Spielen auch mit einer Wesensveränderung einher? Mit der Stoppuhr allein kann man einer Computerspielsucht nicht auf die Spur kommen. Sie sollten zunächst besonders darauf achten, ob er seinen üblichen Verpflichtungen wie Schulbesuch und Hausaufgaben noch nachkommt, ob er tatsächlich noch Freude am Spielen hat, ob er unruhig und vernachlässigt wirkt, ob er sich noch duscht und regelmäßig isst, ob er noch Sozialkontakte, aufrecht erhält, die nichts mit der „Spiel-Szene“ zu tun haben. Ob Ihr Kind süchtig ist nach Computerspielen oder auch „nur“ gefährdet ist, eine echte Sucht zu entwickeln, lässt sich von außen nicht beurteilen. Ich empfehle Ihnen, sich im Zweifel persönlich beraten zu lassen. Hier finden Sie Telefonnummern und Adressen in Ihrer Nähe. Ich verstehe Ihre Frage jedoch in erster Linie als Ausdruck Ihrer Besorgnis darüber, dass Ihr Sohn einfach zu viel spielt. Wahrscheinlich leiden Familienleben und Familienfrieden erheblich unter seiner exzessiven Internetnutzung. Ihr Sohn taucht, nehme ich an, oft stundenlang ab, ist nicht ansprechbar, und wenn, dann dreht sich der Großteil der Gespräche mit ihm um die Begrenzung seiner Spielzeit. Wenn dies so ist, sollten Sie diese Exzesse nicht dulden. Grenzen und Regeln sind schwierig durchzusetzen, das ist wahr. Aber ein Familienmitglied, das die Füße auf den Tisch legt und seine Kippen im Essen ausdrückt, würden Sie ja auch nicht tolerieren. Ich halte nichts davon, das Spielen zu verbieten, aber Begrenzung muss sein – und zwar mit Ihrer entschiedenen Hilfe, wenn Ihr Sohn es im Augenblick allein nicht schafft. Wichtig ist aber, dass Sie nicht nur als „Spielverderberin“ auftreten: Interessieren Sie sich für das, was er spielt. Lassen Sie es sich zeigen oder, um den Einstieg in ein Gespräch zu erleichtern, informieren Sie sich vorab im Netz über das Spiel, zum Beispiel indem Sie auf YouTube oder einem anderen Videoportal Spiel-Videos dazu anschauen. Vielleicht lassen Sie Ihren Sohn dann selbst Vorschläge machen, wie die Zeit begrenzt werden könnte. In einigen Spielen ist es wichtig, jeden Tag zumindest kurz „drin“ zu sein – wie kurz könnte also „kurz” sein? Statt eines täglichen Zeitbudgets könnten Sie ein Wochenbudget vereinbaren – so kann dann am Wochenende ausführlicher gespielt werden. Wahrscheinlich befinden Sie sich gerade auf dem Höhepunkt des Exzesses. Studien zeigen, dass die Zeit, die Jugendliche mit Computerspielen verbringen, ab 16 Jahren wieder deutlich weniger wird. Nur ein kleiner Trost, ja, doch immerhin.

August 5 2011, 9:47am

Eltern & Web: Kinder starten im Netz

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um erste Schritte im Internet. Was sollten Eltern beachten, wenn ihre Kinder mit dem Surfen loslegen möchten? Frage: Mein Sohn ist sieben Jahre alt und kann inzwischen leidlich gut lesen und schreiben. Jetzt ist er ganz scharf darauf, im Internet zu surfen und zu spielen. Sollten wir, seine Eltern, ihm schon Zeit allein im Netz zugestehen?

Antwort: Als Schulkind darf Ihr Sohn sicher viele Dinge, die er als Kindergartenkind noch nicht durfte. Das macht Spaß, erweitert den Horizont und fördert seine Selbstständigkeit. Das ist alles gut so – aber egal, ob es um Sicherheit im Straßenverkehr oder den Umgang mit Fremden geht: Sie haben dies mit Ihrem Kind besprochen und geübt. Genauso sollten Sie jetzt das selbstständige Surfen mit Ihrem Sohn besprechen und üben: In kleinen Schritten, ganz nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Konkret könnten Sie damit beginnen, ihm ein eigenes und mit eingeschränkten Rechten ausgerüstetes Benutzerkonto auf dem Familienrechner einzurichten. Ob Sie dies mit der Installation einer Kinderschutzsoftware flankieren möchten, ist Geschmackssache, für ein so junges Kind aber zum Anfangen zu empfehlen. Dort können Sie auch eine zeitliche Begrenzung für die Computer- und Internetnutzung einstellen. Parallel zu den technischen Hilfsmitteln sollte das Erklären kommen. Sprechen Sie mit Ihrem Sohn über die Gründe, warum Sie seine Zugänge begrenzen – dass Sie ihn damit also nicht behindern, sondern beschützen. Dann geht aber das Üben mit dem Kind erst los. Zumindest in den ersten Monaten sollten Sie das Kind recht eng begleiten, bei dem was es tut. Mit anderen Worten: Sie sollten bei jeder Sitzung des Kindes anwesend und ansprechbar sein, und Sie sollten auch ab und zu nachsehen, was es tut. Meist wollen Kinder zu Beginn die Seiten im Netz besuchen, von denen ihre Freunde ihnen berichtet haben, oder solche, von denen sie im Fernsehen gehört haben. Surfen Sie gemeinsam dorthin, prüfen Sie, ob Sie das Angebot für geeignet halten und setzten Sie eventuell ein Lesezeichen. Falls das Kind sich dann einmal vertippt beim Eingeben der URL, landet es nicht sofort auf ungeeigneten Seiten. Ihre Entscheidung sollten Sie auf jeden Fall begründen, ganz gleich, ob Sie die Seite akzeptieren oder ablehnen. Wenn Sie nicht recht wissen, was Sie Ihrem Kind empfehlen sollen, dann lassen Sie sich inspirieren bei Seitenstark, der Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten. Dort finden Sie geeignete Angebote, die den Anforderungen des Jugendschutzes auf jeden Fall entsprechen – und Spaß machen.

July 25 2011, 9:30am

Eltern & Web: Kinder gucken Musik

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums Musikfernsehen. Ist das ein harmloser Spaß oder ein für Kinder und Jugendliche ungeeignetes Programm? Frage: Meine Tochter ist 13 Jahre alt, Musik und Stars bedeuten ihr alles. Am liebsten guckt sie Musikfernsehen. MTV empfangen wir nicht mehr, seitdem dröhnt fast pausenlos VIVA durchs Wohnzimmer. Ist Musikfernsehen ein harmloser Spaß oder sollte ich auch das Gucken von Videos begrenzen?

Antwort: Ob MTV, das seit Anfang des Jahres tatsächlich nur noch im Bezahlfernsehen sendet, oder VIVA – das Programm unterscheidet sich nicht wesentlich. Beide Sender gehören – wie übrigens auch Comedy Central Deutschland und Nickelodeon Deutschland – zum großen Viacom Konzern. Manche Sendungen, wie zum Beispiel „SpongeBob“, kann man auf mehreren Viacom-Sendern sehen. Musikvideos, wie Ihre Tochter sie liebt, sind wie jedes andere Medienprodukt eine Darstellung inszenierter Wirklichkeit zu einem bestimmten Zweck. Deshalb kann man den unreflektierten und übermäßigen Konsum auch hier nicht empfehlen. Da Berühmt- und Schönsein im Moment offenbar wichtige Themen für Ihre Tochter sind, sollten Sie die Inszenierungen hinterfragen, am besten mit ihr gemeinsam. Prüfen Sie doch einmal kritisch die Menge von verzerrten Darstellungen der Geschlechterrollen oder jene der unangemessenen Schönheitsideale, die Ihrer Tochter im Fernsehen begegnen. Am wirkungsvollsten wird das, wenn Sie die Lieblingssendungen oder -Videos ihrer Tochter aufzeichnen und immer, wenn Sie eine solche Darstellung sehen, den Film kurz anhalten. Das funktioniert auch bei Zeitschriften: eine Collage, zusammengestellt aus all dem Künstlichen, das dort gezeigt wird – das gibt eine schöne, am Ende aber doch entlarvende, beinahe erschreckende Schnipselei. Das ist jedoch nur ein kritischer Aspekt. Der andere ist, dass im Musikfernsehen neben den Musikvideos auch andere Sendungen im Programm sind, die für Kinder und Jugendliche völlig ungeeignet sind. Sex und Dating stehen häufig im Mittelpunkt, wobei auch hier die Menschen auf ihr Äußeres reduziert werden, zum Beispiel in „Undateable”. Gewalthaltige Sendungen wie die Reality-Action-Trash Sendung „Jackass” laufen ebenso wie Programme, in denen Menschen andere bewusst hintergehen und vorführen wie „Pranked” (zu deutsch: „Reingelegt“) oder „Rude Tube”. Befragungen von Kindern haben ergeben, dass auch Kinder es nicht schätzen, dass diese Programme in „ihrem” Musikfernsehen laufen. Da hilft wirklich nur: Abschalten. Die stark sexualisierten und häufig auch gewalthaltigen Darstellungen in den Musikvideos bleiben ein Problem. Eine Lösung könnte darin bestehen, dass Sie zunächst in Absprache mit Ihrer Tochter die Zeit begrenzen, die sie täglich mit Musikvideos verbringen darf. Zweitens sollten Sie vereinbaren, dass sie beide – zumindest ab und zu – gemeinsam Clips anschauen und darüber reden, was da tatsächlich gezeigt wird. Und als Drittes könnten Sie ein festes Budget vereinbaren, für das Ihre Tochter wöchentlich oder monatlich die aktuellen Hits im Netz einkaufen kann. So kann sie die Musik hören, die sie liebt, ohne den Bildern ausgeliefert zu sein.

July 8 2011, 11:00am

Kinder und das Schmuddelnetz

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Schmuddeliges im Netz: Was tun, wenn ein Kind auf ungeeignete Inhalte stößt?

Frage: Mein zehnjähriger Sohn kennt sich schon ganz gut aus im Internet und darf ab und zu alleine surfen. Meist spielt er dann kleine Browser-Spiele. Manchmal benutzt er aber auch Suchmaschinen. Dabei ist er vor kurzem auf eine Pornoseite gelangt und war geschockt. Dürfen diese Seiten eigentlich frei zugänglich sein? Und wie kann ich verhindern, dass so etwas noch einmal passiert?

Antwort: Kinder sind oft verstört, wenn sie mit Pornos konfrontiert sind. Auch deshalb ist die Verbreitung von Pornografie in Deutschland unter Hinweis auf den Jugendschutz stark eingeschränkt, jedoch nicht verboten . Erwachsenen darf also alles angeboten werden, Kindern und Jugendlichen nicht. Mit anderen Worten: Die deutschen Gesetze haben dafür gesorgt, dass der Schmuddelkram, den Ihr Kind gesehen hat, jedenfalls nicht von einem deutschen Server kam.

Das tröstet und hilft in der Praxis wenig, zeigt aber das Problem auf: Diese pornografischen Darstellungen finden sich ebenso im Netz wie harte Gewaltdarstellungen und sie sind ebenso leicht zu erreichen wie jede andere, harmlose Seite auch. Die Zahl jugendgefährdender Inhalte hat in den letzten Jahren sogar zugenommen , doch die Server stehen häufig im Ausland und unterstehen somit nicht deutschem Recht.

Was können Sie tun, um Ihr Kind zu schützen? Zum Beispiel könnten Sie eine Kinderschutzsoftware installieren, die ungeeignete Seiten blockiert – wenn sie diese denn erkennt . Zusätzlich oder stattdessen könnten Sie alle Seiten, die Ihr Kind gern besucht, als Lesezeichen speichern. Damit verhindern Sie, dass Ihr Kind, wenn es sich nur einmal vertippt, auf eine Seite mit ungeeignetem Inhalt gelangt, oder auch nur auf eine Seite, die zum Beispiel per Werbebanner auf ungeeignete Seiten eweiterleitet. Auch das Nutzen einer Kinder-Suchmaschine hilft. Dort werden die ungeeigneten Seiten gar nicht erst in den Suchergebnissen aufgelistet.

Auf jeden Fall sollten Sie problematische Inhalte bei einer der Meldestellen gegen Missbrauch im Netz anzeigen, zum Beispiel bei der Internet-Beschwerdestelle , die auch ein Formular zum Melden bietet – eine Anzeige dort ist auch anonym möglich.

Letztlich können Sie aber nicht total sicher sein, dass Ihr Kind niemals auf Pornos im Internet stößt. Mit den genannten Schritten können Sie jedoch dafür sorgen, dass Pornos nicht wiederholt einfach so, quasi aus Versehen, auf dem Bildschirm erscheinen.

In jedem Fall sollten Sie darauf achten, wo Ihr Kind surft. Dazu können Sie natürlich daneben sitzen, aber das kommt schon bei unter 10-Jährigen nicht mehr gut an. Außerdem sollen die Kinder ja gerade lernen, selbstständig zu surfen. Ich schlage vor, dass Sie in Absprache mit dem Kind ab und zu die Chronik der besuchten Seiten anschauen. Dann können Sie die Seiten, die Sie für problematische “Türoffner” zu ungeeigneten Seiten halten, gemeinsam prüfen und Ihr Kind gleichzeitig auf Stolperfallen hinweisen.

Mindestens genau so wichtig ist es aber, dem Kind zu signalisieren, dass es zu jeder Zeit und mit jeder Website zu Ihnen kommen kann, um Ihnen zu erzählen, wenn es etwas Seltsames, Verstörendes oder Beängstigendes gesehen hat: Ganz allein damit fertig werden zu müssen, weil man womöglich etwas Verbotenes getan hat, ist einfach zu viel verlangt.

June 24 2011, 10:15am

In Facebook steht, wie es den Kindern geht

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Facebook für Teenager: Dürfen ratlose Eltern die Profile ihrer Kinder ausspionieren? Wie es meiner Tochter (15) wirklich geht, erfahre ich eigentlich nur noch über Facebook, wo sie, glaube ich, vergessen hat, mich von ihrer Freundesliste zu streichen. Natürlich poste ich nie etwas. Ich schleiche hinein, schaue mich um und schleiche wieder hinaus. Mein Gewissen lässt mir allerdings keine Ruhe: Ist das schon Stalken oder ist es als Notlösung für eine gewisse Zeit vertretbar? Wenn Sie tatsächlich ohne das Einverständnis Ihrer Tochter deren Facebook-Existenz stalken, ist das ganz klar ein Vertrauensbruch. Allein der Begriff des Stalkens beinhaltet, dass die derart Verfolgten dabei Schaden nehmen. Aber stalken Sie wirklich? Es geht hier nicht um Haarspalterei bei der Wortwahl, aber ist das, was Sie tun, auch nur ungefähr ein „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung“ zulasten Ihrer Tochter? Wahrscheinlich beobachten Sie, was Ihre Tochter postet, verfolgen ihren Beziehungsstatus, ihre Unternehmungen und die Veränderungen auf ihrer Freundesliste. Wenn Sie dies heimlich tun, ist das zwar ein Vertrauensbruch, aber Stalken ist es nicht. Ihre Frage zielt aber wohl auf etwas anderes: Sie sind mit Ihrer Tochter nur noch auf Facebook „befreundet“, aber im echten Leben ist kein Gespräch darüber möglich, wie es ihrer Tochter geht. Von „Freundschaft“ kann da also keine Rede sein. Wahrscheinlich sind sie seit den ersten Tagen Ihrer Tochter im Netzwerk auf dieser Liste. Vielleicht wollten Sie ihr zu Beginn ein wenig über die Schulter schauen und ihr helfen, ihr Profil benutzen zu lernen? Wenn Ihre 15-jährige Tochter das Netzwerk schon eine Weile nutzt, um Kontakte zu pflegen und ihre Stimmung zu kommunizieren, kann man davon ausgehen, dass sie inzwischen ganz gut Bescheid weiß über die verschiedenen Funktionen. Sicher durchschaut sie, welche Personen welche Informationen ihres Profils einsehen können. Worauf ich hinaus will: Vielleicht hat ihre Tochter gar nicht vergessen, Sie von der Freundesliste zu streichen. Vielleicht stehen sie darauf, damit sie ab und zu mitbekommen können, wie es ihr geht – allerdings zu Bedingungen, die Ihre Tochter bestimmt. Hier ist der medienpädagogische Hinweis nicht genug. Denn ob Sie aus Versehen oder absichtlich noch auf der Liste derer stehen, die sehen dürfen, was sie bewegt, weiß nur Ihre Tochter. Sprechen Sie mit ihr darüber und machen Sie ihr klar, dass es Sie wirklich interessiert, wie es ihr geht. Von Heimlichkeiten rate ich grundsätzlich ab. Auch Ihre Tochter scheint ja den Kontakt zu Ihnen halten zu wollen – sonst wären Sie längst definitiv „draußen“. Mit 15 fällt das Reden mit den Eltern zuweilen schwer – vielleicht ist dieses „Reden ohne Reden“ ein zeitweiliger Kompromiss für Sie beide, bis Sie wieder live miteinander sprechen können.

June 10 2011, 10:00am

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