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Eine Religion der Ungläubigen

In einem lesenswerten Beitrag zur Reihe der Süddeutschen Zeitung Wozu noch Journalismus hat Jakob Augstein von der freitag Stellung genommen. Er hat eine Abhandlung über Gay Talese geschrieben, den amerikanischen Journalisten, der durch solche Sätze polarisiert:

“Wir Journalisten sollten eine Religion der Ungläubigkeit predigen! Ein Heiliger Orden der Ungläubigen, das sollten wir sein. Wir sollten unseren Dienst in Klöstern der Wahrheit tun, über die Schriften gebeugt. Und diese Klöster sollten weit, weit weg sein von den Palästen.”

Klingt super. Auch der Text von Augstein liest sich gut. Allein, mir kommen Zweifel. Es tönt wirklich alles wie die Wiedergänger der Religion der Aufklärung. Ganz vorn klingt mir das gebetsmühlenartig wiederholte Mantra des Qualitätsjournalismus in den Ohren. Dann kommen immer wieder die lustigen Schirrmacherschen Sätze von Aufmerksamkeitsdefizit oder Clay Shirkys Filterdysfunktion wie alte streitende Senioren auf der Parkbank in den Sinn. Und so verwundert es auch nicht, wenn Augstein die Gegnerschaft der Journalisten und der Politiker zu einem ethos oder gar agens der journalistischen Tätigkeit emporhebt. Bei genau Betrachtung wäre dies eine kaum erwähnenswerte Selbstverständlichkeit, lebten wir in einer funktionierenden Demokratie, die noch über alle fünf Sinne verfügt.

Die Ebene der Politiker ist als eine vermittelnde anzusehen. Einflußreiche Gruppen, die durch wirtschaftliche Macht Druck ausüben können, “beraten” die Politiker, die die Aufgabe haben, in Talkshows, bei Parteitagen und in diversen Gremien dieses Wünsche umzusetzen. Da es ein Mehrheitsprinzip gibt, müssen zu diesem Zweck Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, um die Diskurskultur in unwesentliche Scheindebatten zu entladen. Die Volksseele bekommt dann immer wieder dieselben Gründe für die immer schlechter werdende Situation vorgesetzt (Schuldenabbau, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Rentenkosten). Am Schluß kommt man der Volksseele 2cm entgegen in marginalen Posten und besetzt an wesentlichen Stellen das Territorium quadratkilometerweise – wir kennen das schon vom lupenreinen Bundeskanzler Schröder mit dem Derivathandel und den steuerfreien Firmenverkäufen. Auch die FDP wird das Überleben der privaten Krankenversicherungen noch in dieser Legislaturperiode sichern, genau wie die 200 Milliarden für die Lieblingspuppenspieler der ältlichen Puppe aus dem evangelischen Pfarrhaus.

Wenn ein Journalist sich nun als Gegner der Politiker versteht, dann bedient er genau das Muster des Debattenverneblers. Er schreibt dann jahrzehntelang über die oben benannten Themen und die Auf- und Abschwünge ziehen vorbei. Seltsamerweise steigen während dieser Zeit die Einkommen der einflußreichen Gruppen um einige Größenordnungen in Relation zu denen die lauthals krakeelen und Wandel herbeidiskutieren wollen.

Deutlich schlimmer ist jedoch, dass das eigentliche Pflegekind der Politiker das Gemeinwohl ist, dass in unserem Land in vielen oft kommunalen Institutionen organisiert ist. Und so verwundert es nicht, dass die Einen immer mehr Chalets im Tessin besitzen, während die Schule zerbröseln, die Bundeswehr mit 30 Jahre altem Equipment in den kriegsähnlichen Zustand zieht und die Universitäten einer Legebatterie immer ähnlicher werden.

Es sind die Verhältnisse, die die Gegner des Journalisten sein müssen und nicht die Puppen, die uns die einflußreichen Gruppen zum Draufschlagen hinhalten. Denn wenn Journalisten sich von den Vordergrunddebatten über die verdeckten Hintergrundhandlungen täuschen lassen, ist etws faul im Staate Dänemark.

Bildnachweis: Bühnen-Halle

March 18 2010, 9:46am

Kurz erklärt: Was bedeutet eigentlich “Beta”?

Jens Braun von betabuzz.de erklärt in dieser Kartext-Folge wasw “beta” bedeutet. Klartext: Was ist beta? from Blogpiloten on Vimeo.

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Social Media: Definitions(ver)suche!

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February 16 2009, 10:12am

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