Heute abend wird in der ZDF-Sendung nachtstudio über das Thema “Information Overkill” gesprochen und darüber wie das Internet unsere Kommunikation und unsere Gesellschaft verändert. Im Grund genommen scheint die von Frank Schirrmacher angestossene Debatte (vgl. sein Buch PayBack) nun auch das Fernsehfeuilleton erreicht zu haben. Das ZDF bietet die Sendung in voller Länge bereits vorab in seiner Mediathek an. Wer reinschauen möchte, bitte hier entlang!
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Internet Manifest - Nachlese
http://feedproxy.google.com/~r/blogpiloten/~3/VcPxzX2xx9s/
Vor gut vier Wochen veröffentlichten einige im Web bekannte Journalisten und ihre Bekannten das Internet Manifest. Sie wandten sich damit vordergründig gegen Zeitungsverleger, die eine Überarbeitung der Gesetze verlangen, damit sie ihr bisheriges Geschäftsmodell bewahren können. Das bestand bis dato darin, dass man Reichweiten (Leser), die durch ein Übergewicht an Agenturtexten aller Art und einigen intern erstellten Artikeln enstanden war, an Anzeigenkunden verkaufte. Aber das war gar nicht das Problem der Unterzeichner.
Denn fälschlicherweise erklärten die Journalisten, dass sie glaubten, der eigentliche Mehrwert zu sein, der das Geld in die Kassen der Verleger brachte. Dabei waren es zumeist Kleinanzeigen und Stellenangebote, die den Gewinn steigen ließen. In Wahrheit lag dieser Wert also in den Lesern selbst. Da jetzt fast alle Stellenanzeigen auf Online–Stellenbörsen oder bei Xing gelandet sind, Kleinanzeigen durch eBay obsolet wurden, sank der Stern der Verlage zunehmend. Gleichzeitig stieg der Anteil an Massenware in den Zeitungen: Mantelredaktionen versorgen heute Dutzende von Zeitungen und der Rest kommt aus den Presseagenturen oder wird mehr oder weniger offensichtlich von PR–Agenturen beigesteuert und erhält in den Redaktionen einen neuen Teasertext (der erste Absatz) und einige marginale Überarbeitungen, damit keiner sofort merkt, wer den Text bezahlt hat.
Die 15 Unterzeichner des Internet Manifests arbeiten fast alle für eben diese Verlage, die so arbeiten. Aber statt sich über die enorme Ausbeutung der freien Autoren zu mokieren oder diesen Verfall an Qualität zu ereifern, pflücken sich die Damen und Herren die letzten Google–Angstschreie der Verleger und ihrer Diener (Burda wird enteignet, Konken mag das Internet nicht) raus und begründen mit ihnen eine seltsame Auffassung eines neuen Begriffs von Journalismus. Da kommt kein Wort von Networked Journalism, kein Civil Journalism und auch keine Beteiligung an dem Projekt Postjournalismus vor. Man kocht eine eigene Suppe, die glücklicherweise auch noch internationale Anerkennung findet und in viel Sprachen übersetzt wird. Da man mit Online–Journalismus (Untertitel: So funktioniert Journalismus heute) kein großes Zielpublikum erreichen kann, setzt man kurzerhand Schlüsselthemen wie Netzsperren (Zensursula) und Netzneutralität (Schäuble, IPv6) in einer trivialen Form mit dazu und fertig ist eine Deklaration der technoliberitären Art, wie wir es schon damals vor über 10 Jahren bei John Perry Barlow erleben durften:
Die Freiheit der Webnutzer geht über alles. Die Freiheit des Netzes selbst ist die Freiheit der Gesellschaft. Und das Netz muss frei bleiben.
Menschen oder Lebensentwürfe ohne Netz kommen nicht vor. Und um es vorsichtig zu bezeichnen, auch die Arbeit von Journalisten kommt dort eigentlich nicht vor. Recherche wird nicht diskutiert. Das Verhältnis zwischen PR und den freien Autoren kommt nicht vor. Und das Einbinden politischer Initiativen der Bürger in die journalistische Arbeit wird nicht einmal angedacht. In Amerika wird seit zwei Jahren um partizipative Modelle gerungen, die in den oben angeführten englischen Fachbgegriffen eine Ausdifferenzierung andeuten – sei es in die Richtung, dass Bürger eingebunden werden in die vierte Macht des Staates oder ein Netzwerk aus freien Journalisten zusammen mit anonymen Hinweisgebern aus der Wirtschaft und Politik eine neue Art der öffentlichen Kontrolle einführen. Auch die neuen Finanzierungsmodelle, wie sie beim National Public Radio in den USA über Mitgliedsgebühren, Spenden à la Knight Foundation und praktische Hilfen der Bürger stattfinden, finden keinen Widerhall im Manifest. Werbung wird dort fokussiert. Und wenn man sich an ein Interview anlässlich des „Kommunikationskongresses“ (PR–Event) erinnert, bei dem die Mitunterzeichnerin Mercedes Bunz erklärte, dass Werbung journalistischer werden müsse, dann wird die Verwunderung über die Ignoranz des Manifests gegenüber der aktuellen globalen Diskussion über das Web und politische Teilhabe sowie Journalismus nicht nachvollziehbarer.
Die Kritik war global und umfassend und entzündete sich zumeist an den Personen, die das Manifest unterzeichneten. Die anfängliche Kritik daran, dass im Web 2.0 gemeinsame Meinungsbildung stattfindet, führte für einige Tage dazu, dass schnell im Nachhinein ein Wiki für die Web–Community eröffnet wurde, bei dem jeder seine Meinung posten konnte. Als ein Foto auftauchte, das einige Unterzeichner in wenig schmeichelhafter Pose zeigte, wurde es wieder geschlossen. Das Ganze erinnert sehr an die missglückte Pressekonferenz im Sommer, bei der ein Telekommunikationsunternehmen, das sich ausgerechnet zwei deutsche Webpromis wie Nico Lumma und Sascha Lobo als Berater und Testimonial ausgesucht hatte, keine Ruhmestaten vollbrachte. Dort wurde auf dieselbe Weise Frontaltheater betrieben, das in seiner höchsten Form der Demokratie eine Zustimmung oder Ablehnung herausforderte und den Gedanken des neuen Journalismus’ oder einer Demokratisierung per Web, die in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt sehr erfolgreich und vielversprechend realisiert ist, auf schlimme Weise konterkariert.
Diejenigen, die bei den arrivierten Verlagen und Sendern Geld damit verdienen, als Sprachrohre einer neuen Plattform der gesellschaftlichen Kommunikation zu fungieren, erklären im besten manipulativen Gebrauch der Sprache, die einem Werbetexter zur Verfügung steht, eine fiktive Welt zur Realität, die sowohl im Web wie auch außerhalb bedeutend vielschichtiger ist. Aber diese Schichten sind nicht Teil des Manifests, wie alle Unterzeichner nicht müde werden zu erklären. Man wollte eine Diskussion anstoßen.
Jetzt, fünf Wochen später, ist die Spurenlese nach der Diskussion zu einem Fall für Nick Knatterton verkommen, der mit seiner Lupe Indizien für einen Diskurs finden muss. Leider ist da nichts mehr. Dieselben Themen, die das Manifest für seine Poularität nutzte, sind noch immer frei vom Thema Online–Journalismus, Burda hat es Google nachgemacht und einen eigenen News–Aggregator in das Nirvana der digitalen Welt geschossen ohne besondere Relevanz oder Können attestiert zu bekommen und die Manifestierer schreiben und drehen weiterhin als bezahlte Kritiker derjenigen, die sie kritisieren (sollen) wollten. Einen Interessenkonflikt können sie weiterhin nicht erkennen. Sie haben uns sehr gut den Unterschied zwischen Reichweite und Relevanz erklärt. In den Lehrbüchern des Online–Marketings kann dies als Lehrstück dafür gelten, dass enorme Reichweite eine enorme Tendenz dazu hat, sich „zu versenden“. Der „Impact“, also die Wirkung, kann in homöopathischen Verdünnungen nachgewiesen werden. Es hat eben keinen Sinn, mit einem Minigolfschläger auf einem Golfplatz aufzutauchen und alle Hinweise auf einen Driver beim Abschlag mit einem wissenden Lächeln abzutun – auch dann nicht, wenn man Minigolfweltmeister ist. Das musste auch Vodafone schmerzlich lernen. Zum Glück hatten die ein Bauernopfer namens Schnutinger. Das Bauernopfer der nicht geführten Debatte um partizipative Modelle des Journalismus’ steht noch staunend an der Schaufensterscheibe des Internets. Ob es je erfahren wird, dass es mit dem Internet Manifest ein Chance gehabt hätte, an der vierten Macht teilzunehmen? So wird es also auch weiterhin von einer intelligenten Presse im Web mit intelligenter Werbung an intelligente Werbekunden verhökert – und es weiß noch immer nicht, dass nicht Bürger, sondern Reichweite genannt wird.
Achja, wer dachte, dass ich zu Bodo Hombachs Artikel zum Internet Manifest Stellung nehme, dem kann ich nur sagen, dass Bodo Homach kein Journalist ist, nie als Journalist gearbeitet hat und in der Folge keine sachgerechte Einschätzung zum Thema abgegeben kann, wie er selbst eindrucksvoll dargelegt hat.
Mehr dazu hier und hier und hier und hier.
Photo: alviman
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October 26 2009, 5:17am
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http://feedproxy.google.com/~r/blogpiloten/~3/7ScIJVS8s54/
Vor gut 4 Wochen veröffentlichten einige im Web bekannte Journalisten und ihre Bekannten das Internet Manifest. Sie wandten sich damit vordergründig gegen Zeitungsverleger, die eine Überarbeitung der Gesetze verlangen, damit sie ihr bisheriges Geschäftsmodell bewahren können. Das bestand bis dato darin, dass man Reichweiten (Leser), die durch ein Übergewicht an Agenturtexten aller Art und einigen intern erstellten Artikeln enstanden war an Anzeigenkunden verkaufte. Aber das war gar nicht das Problem der Unterzeichner.
Denn fälschlicherweise erklärten die Journalisten, dass sie glaubten, der eigentliche Mehrwert zu sein, der das Geld in die Kassen der Verleger brachte. Dabei waren es zumeist Kleinanzeigen und Stellenangebote, die den Gewinn steigen ließen. In Wahrheit lag dieser Wert also in den Lesern selbst. Da jetzt fast alle Stellenanzeigen auf Online-Stellenbörsen oder bei Xing gelandet sind, Kleinanzeigen durch ebay obsolet wurden, sank der Stern der Verlage zunehmend. Gleichzeitig stieg der Anteil an Massenware in den Zeitungen: Mantelredaktionen versorgen heute Dutzende von Zeitungen und der Rest kommt aus den Presseagenturen oder wird mehr oder weniger offensichtlich von PR-Agenturen beigesteuert und erhält in den Redaktionen einen neuen Teasertext (der erste Absatz) und einige marginale Überarbeitungen, damit keiner sofort merkt wer den Text bezahlt hat.
Die 15 Unterzeichner des Internet Manifests arbeiten fast alle für eben diese Verlage, die so arbeiten. Aber statt sich über die enorme Ausbeutung der freien Autoren zu mokieren oder diesen Verfall an Qualität zu ereifern, pflücken sich die Damen und Herren die letzten Google-Angstschreie der Verleger und ihrer Diener (Burda wird enteignet, Konken mag das Internet nicht) raus und begründen mit ihnen eine seltsame Auffassung eines neuen Begriffs von Journalismus. Da kommt keine Wort von networked journalism, kein civil journalism und auch keine Beteiligung an dem Projekt Postjournalismus vor. Man kocht eine eigene Suppe, die glücklicherweise auch noch internationale Anerkennung findet und in viel Sprachen übersetzt wird. Da man mit Online-Journalismus (Untertitel: So funktioniert Journalismus heute) kein großes Zielpublikum erreichen kann, setzt man kurzerhand Schlüsselthemen wie Netzsperren (Zensursula) und Netzneutralität (Schäuble, IPv6) in einer trivialen Form mit dazu und fertig ist eine Deklaration der technolobertären Art, wie wir es schon damals vor über 10 Jahren bei John Perry Barlow erleben durften:
Die Freiheit der Webnutzer geht über alles. Die Freiheit des Netzes selbst ist die Freiheit der Gesellschaft. Und das Netz muss frei bleiben.
Menschen oder Lebensetwürfe ohne Netz kommen nicht vor. Und um es vorsichtig zu bezeichnen, auch die Arbeit von Journalisten kommt dort eigentlich nicht vor. Recherche wird nicht diskutiert. Das Verhältnis zwischen PR und den freien Autoren kommt nicht vor. Und das Einbinden politischer Initiativen der Bürger in die journalistische Arbeit wird nicht einmal angedacht. In Amerika wird seit 2 Jahren um partizipative Modelle gerungen, die in den oben angeführten englischen Fachbgegriffen eine Ausdifferenzierung andeuten - sei es in die Richtung, das Bürger eingebunden werden in die vierte Macht des Staates oder ein Netzwerk aus freien Journalisten zusammen mit anonymen Hinweisgebern aus der Wirtschaft und Politik eine neue Art der öffentlichen Kontrolle einführen. Auch die neuen Finanzierungsmodelle wie sie beim National Public Radio in den USA über Mitgliedsgebühren, Spenden à la Knight Foundation und praktische Hilfen der Bürger stattfinden, finden keinen Widerhall im Manifest. Werbung wird dort fokussiert. Und wenn man sich an ein Interview anläßlich des Kommunikationskongress (PR-Event) erinnert, bei dem die Mitunterzeichnerin Mercedes Bunz erklärte, dass Werbung journalistischer werden müsse, dann wird die Verwunderung über die Ignoranz des Manifest gegenüber der aktuellen globalen Diskussion über das Web und politische Teilhabe sowie Journalismus nicht nachvollziehbarer.
Die Kritik war global und umfassend und entzündete sich zumeist an den Personen, die das Manifest unterzeichneten. Die anfängliche Kritik daran, dass im Web 2.0 gemeinsame Meinungsbildung stattfindet, führte für einige Tage dazu, dass schnell im nachhinein ein Wiki für die Web-Community eröffnet wurde, bei dem jeder seine Meinung posten konnte. Als ein Photo auftauchte, dass einige Unterzeichner in wenig schmeichelhafter Pose zeigte, wurde es wieder geschlossen. Das Ganze erinnert sehr an die mißglückte Pressekonferenz im Sommer, bei der ein Telekommunikationsunternehmen, dass sich ausgerechnet zwei deutsche Webpromis wie Nico Lumma und Sascha Lobo als Berater und Testimonial ausgesucht hatte. Dort wurde auf dieselbe Weise Frontaltheater betrieben, dass in seiner höchsten Form der Demokratie eine Zustimmung oder Ablehnung herausforderte und den Gedanken des neuen Journalismus oder einer Demokratisierung per Web, die in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt sehr erfolgreich und vielversprechend realisiert ist, auf schlimme Weise konterkariert.
Diejenigen, die bei den arrivierten Verlagen und Sendern Geld damit verdienen, als Sprachrohre einer neuen Plattform der gesellschaftlichen Kommunikation zu fungieren, erklären im besten manipulativen Gebrauch der Sprache, die einem Werbetexter zur Verfügung steht, eine fiktive Welt zur Realität, die sowohl im Web wie auch außerhalb bedeutend vielschichtiger ist. Aber diese Schichten sind nicht Teil des Manifest, wie alle Unterzeichner nicht müde werden zu erklären. Man wollte ein Diskussion anstoßen.
Jetzt 5 Wochen später ist die Spurenlese nach der Diskussion zu einem Fall für Nick Knatterton verkommen, der mit seiner Lupe Indizien für einen Diskurs finden muß. Leider ist da nichts mehr. Dieselben Themen, die das Manifest für seine Poularität nutzte sind noch immer frei vom Thema Online-Journalismus, Burda hat es Google nachgemacht und einen eigenen News-Aggregator in das Nirvana der digitalen Welt geschossen ohne besondere Relevanz oder Können attestoert zu bekommen und die Manifestierer schreiben und drehen weiterhin als bezahlte Kritiker derjenigen, die sie kritisieren (sollen) wollten. Einen Interessenkonflikt können sie weiterhin nicht erkennen. Sie haben uns sehr gut den Unterschied zwischen Reichweite und Relevanz erklärt. In den Lehrbüchern des Online-Marketings kann dies als Lehrstück dafür gelten, dass enorme Reichweite eine enorme Tendenz dazu hat, sich “zu versenden”. Der “impact”, also die Wirkung kann in homoöpathischen Verdünnungen nachgewiesen werden. Es hat eben keinen Sinn, mit einem Minigolfschläger auf einem Golfplatz aufzutauchen und alle Hinweise auf einen Driver beim Abschlag mit einem wissenden Lächeln abzutun - auch dann nicht, wenn man Minigolfweltmeister ist. Das musste auch vodafone schmerzlich lernen. Zum Glück hatten die ein Bauernopfer namens Schnutinger. Das Bauernopfer der nicht geführten Debatte um partizipative Modelle des Journalismus steht noch staunend an der Schaufensterscheibe des Internet. Ob es je erfahren wird, dass es mit dem Internet Manifest ein Chance gehabt hätte, an der vierten Macht teilzunehmen. So wird es also auch weiterhin von einer intelligenten Presse im Web mit intelligenter Werbung an intelligente Werbekunden verhökert - und es weiß noch immer nicht, dass nicht Bürger sondern Reichweite genannt wird.
Achja, wer dachte, dass ich zu Bodo Hombachs Artikel zum Internet Manifest Stellung nehme, dem kann ich nur sagen, dass Bodo Homach kein Journalist ist, nie als Journalist gearbeitet hat und in der Folge keine sachgerechte Einschätzung zum Thema abgegeben kann, wie er selbst eindrucksvoll dargelegt hat.
Mehr dazu hier und hier und hier und hier.
Photo: alviman
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