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Facebook mit Sicherheitslücke

Werbepartner konnten über eine alte API die Nutzerdaten der über 500 Millionen Mitglieder auslesen, erklärte Symantec. Aber nicht nur auf Fotos und andere Inhalte konnte zugegriffen werden, selbst Nachrichten hätten im Namen von Nutzern darüber verschickt werden können.

Laut Symantec ließen Iframe-Applikationen in einigen Sessions Zugangstokens offen, auf die Facebook-Partner wie Werbekunden oder spezielle Analyseanbieter Zugriff hatten. Die IT-Sicherheitsfirma geht davon aus, dass Ende April 2011 ungefähr 100.000 Applikationen solche Tokens hinterließen. Mit denen können Applikationen auf Nutzerdaten zugreifen, je nach Zustimmunsggrad des Nutzers, welche Rechte der jeweiligen Applikation bei deren Installation eingeräumt wurde. Das ganze basiert auf einer alten Authentifizierungs-API, die mit dem neuen Verfahren OAuth 2.0 abgelöst wurde. Werden bei den alten APIs spezifische Parameter gesetzt, dann schickt das Soziale Netzwerk das passende Zugangstoken mit jeder Anfrage, wodurch in der Folge Dritte darauf Zugriff erhalten. Facebook hat den Fehler bestätigt und in Zusammenarbeit mit Symantec mittlerweile korrigiert. Es sollen keine Daten unbefugt an Dritte übermittelt worden sein. Facebook kündigte an, die alten APIs zu deaktivieren und ab 1. September 2011 nur noch eine Authentifizierung per OAuth 2.0 zuzulassen.

May 11 2011, 10:53am

NO LOGIN

Vor einer Woche wurde offenbar, was viele bereits ahnten: geolocation und location based services verbindet die Sammelwut der Webdienste mit dem realen, physischen Leben der Nutzer. Ich habe mich bisher immer vor dem Begriff user gesträubt, weil ich aus der der Generation komme, die aufgewachsen ist mit Heroinabhägigen, die als user bezeichnet wurden. Ich empfand das Nutzen des Internet bisher nicht als Ausdruck einer Drogenkarriere. Ein lustiger Mitmensch hat mir einmal gesagt, dass diese Jungs und Mädels damals deswegen Heroin spritzen mussten, weil sie sonst die extrem engen Hosen nicht ohne heftige Schmerzen tragen konnten. Wenn man die rasende Geschwindigkeit betrachtet mit der Daten aller Art in den Orkus geschleudert werden, dann hat man den Eindruck, dass es entweder nie sensible Daten gegeben hat oder schlicht keine Zeit für solche Fisematenten ist, weil man gerade Geschichte macht. Ersteres beschreibt die Welt der zwanghaft Transparenten und letzteres die Welt der Apple-Nutzer. Das Lachen bleibt einem im Hals stecken…

Es gibt nicht erst seit letztem Jahr Software, die speicherresident im RAM von Datenbankservern liegt und seltsame Zugrifsmustter abfängt. So ein Zugriffsmuster wird unabhängig vom Status des Benutzers überprüft. Wer also einfach mal eine gesamte Kundentabelle mit allen Daten auslesen will, bekommt einfach ein Stoppschild. Der Hinweis auf Administratorrechte ist dabei hinfällig, weil Superuser fast immer zu heftigen Attacken genutzt werden. So eine bezahlbare Software können sich aber Weltfirmen wie Sony oder einige deutsche DAX-Unternehmen offenbar nicht leisten. Das “Feature” von iOS, einfach mal alle Positionsdaten als Klartext in einer consolidated.db zu speichern, kann sich eigentlich nur leisten, wer im Auftrag des Herrn unterwegs ist. Und wir wissen alle, dass alle amerikanischen Firmen bei Anfrage eines der vielen Geheimdienste der USA bereitwillig die Hose öffnen und runterlassen. Man braucht also gar keine Verschwörungstheorie, um zu verstehen, warum besonders amerikanische Firmen darauf bestehen, dass man gefälligst besser weiß, wie man wann und wo mit den gesammelten Daten der weltweiten Nutzer umgeht. Insofern ist die Tatsache, dass Android ähnliche Daten sammelt wie die 3G-Geräte iPhone und iPad, gar kein Wunder. Für ein Web ohne Login Angesichts der lächerlichen Handlungen der japanischen Regierung und nicht zuletzt auch von TEPCO angesichts der Katastrophe in und um Fukushima ist auch offenbar, warum bei Sony die strenge Hierachisierung von Verantwortung in keiner Weise zur Verbesserung der Infrastruktur beiträgt. Grundlegender wäre zu fragen, warum überhaupt Webseiten in einzelne Apps verwandelt werden müssen? Früher in der Zeit vor dem mobile web gab es Millionen von Websites und Funktionen im Netz. Dann gab es dieselben Funktionen und Websites aufgeteilt in einzelne Apps bei Google und Apple. Zu jeder trivialen Funktion gibt es seither quasi oder real einen Login per Smartphone. Damit umgeht man das blöde Monitoring per Analyse-Tool, weil diese Statistiken haben nun die beiden Vertreiber mobile Betriebssysteme ganz allein für sich und geben Teile der Daten an die Hersteller der Apps heraus. Dreiecksgeschäfte sind ja immer dann besonders gut, wenn man von beiden Seiten die Gelder einsacken kann. Das haben die Verleger mit den Anzeigekunden und den Lesern schön vorgemacht. Dass heutzutage facebook und Konsorten noch bessere Datensammler wurden, weil sie die Offenbarungsplattform von Krethi und Plethi sind macht keinen Unterschied – außer dem, dass nun jeder Geheimdienst mit guten Kontakten zur NSA Dossiers bekommen kann, die Zielpersonen selbst erstellt haben inklusive einer detaillierten Karte des individuellen persönlichen Netzwerks. Man könnte das so beschreiben: Früher musste man zur Bank. Die freundliche Dame hat den Überweisungsträger ausgefüllt und dann musste man zur Kasse und Geld einzahlen. Heute schreibt man das Ganze selbst per online-banking und zahlt für diese Einsparung aufseiten der Bank höhere jährliche Beiträge für die Bankadministration, da allen klar ist, dass der Würgegriff der Softwarefirmen auf die Banken deutlich schlimmer ist als Mieten und Gehälter. Analog muss heute auch kein Agent mehr Dutzende Archive und Menschen befragen, um ein Dossier zu einer beliebigen Person zu erstellen. Das tun heute alle Menschen via VZ, facebook und twitter selbst. Aber die enormen Kosten für die Datenhaltung und die Retrievalsoftware, die müssen die Steuerzahler tragen. Wer sich also irgendwo einloggt, sei es bei einer Firma, einer Bank oder einem Netzwerk, der kann sicher sein, dass der Tausende Arbeitsplätze auf dem Gewissen hat, aber die Lizenzkosten für eben diese Firmen, Banken und öffentlichen Verwaltungen in schwindelerregende Höhen treibt. Und wenn IBM das will, dann werden auch noch die letzten “dummen Berater” mit ihren Monitoren in den Verkaufsräumen entlassen. Denn dann haben noch mehr Firmen die Illusion, durch Entlassung Geld gespart zu haben – zumindest bis zum nächsten Upgrade der Datenbanken, Archivsysteme und Prozessautomationssoftware. Der nächste Schritt soll das Check-In sein, also das Zusammenbringen von Namen, realen Ortsdaten und mit digitalen Prozessdaten. Denn dann kann man den Firmen, Banken und Verwaltungen endlich neue Datenbanken verkaufen und viele schöne Analysetools. Es ist herrliche, diese Freiheit im Netz. So schön. Und ganz ohne blöde Bildschirmrückseitenberater, die nur dummes Geld verdienen wollen ohne besser zu sein als das schlaue Internet. Oh, wie wird das herrlich, wenn man endlich keinen mehr hat, der einem real helfen kann sondern nur noch schöne Kontaktformen wie: Wenn Sie Produkt kaufen wollen, drücken sie die EINS, wenn sie eine Adressänderungen mitteilen wollen, drücken Sie die ZWEI, in allen anderen Fällen nutzen sie bitte das Kontaktformular auf der Website.

May 4 2011, 10:30am

100 Kommentare: geprüfte Ware, Herkunftsnachweis

AOL macht sich in den Staaten zunehmend unbeliebt. Zunächst war die Übernahme der HuffPost ein Sargnagel für die Blogger-Community. Sie hatte zwar ihren Zenith allein deshalb überschritten, weil mehr als 70% des Inhalts Beiträge zweiter und dritter Ordnung waren, also Artikel über Artikel. Aber dennoch wurde die Gemeinschaft der Autoren von Arianna Huffington verschaukelt. AOL hatte auch keine besonders gute Figur gemacht. Nun werden neue Stimmen laut über den anderen Coup von “Silly AOL”: Denn bei techcrunch, einer Website über die Gerüchteküche im Silicon Valley hat man die universale Kommentarfunktion von disqus, die auch viele hiesige Blogger verwenden, damit man sich mit einem beliebigen Account eines Sozialen Netzwerks oder eben per Mailadresse registrieren kann, einfach mit der neuen facebook-Kommentarfunktion ersetzt. Alternativen? Ja klar, ein Yahoo-Account, aber wer hat sowas heutzutage? Jetzt diskutiert Martin Weigert auf netzwertig.com, ob und wie das klappen kann, mit dem neuen Datenkraken Facebook. Und unweigerlich kommt es wieder zu der unseligen Diskussion über anonyme Kommentare, die ja mit einem Facebook-Login gar nicht möglich wären. Jedenfalls ist seit Neueinführung der FB-Kommentare der Einbruch der Kommentarmenge dramatisch. Doch die Redaktion bei techcrunch kommuniziert diesen Einbruch als gewollte und sinnvolle Aktion gegen Trolle. Kein Wunder, wenn man ein Website mit Tausenden Kommentaren am Tag hat, dann ist die Pflege und das Aussortieren von Trollkommentaren eine Sisyphos-Arbeit. Insofern soll also der Mist (“bullshit“), der sich dort ansammelte, nun verschwinden, weil Facebook nur reale Klarnamen ermöglicht, zumindest sollte das so sein, aber das könnte sich ja ändern. Es wäre also möglich, dass Facebook bald einen enormen Zuwachs an neuen aktiven Nutzern hat, die in einem zweiten Browser mit einer zweiten FB-Identität endlich wieder rumprollen können…Außerdem werden dies all diejenigen tun, die ihren FB-Account nur privat nutzen wollen. Und die ganzen Firmen auf facebook könnten mit ihren Accounts die Kommentarfelder aller großen Websites die dies einsetzen vollspammen und haben so tolle backlinks auf ihre Fanpage… Aber das eigentliche Problem liegt natürlich tiefer: Man kann endlich gutes Profiling via Kommentaren machen. Schirrmachers Lieblinge, die Algorithmen, können dann bei Facebook viel erkennen über das Herumsurfen auf fremden Websites und die Meinungen aggregieren, die dort verbreitet werden. Dabei werden natürlich die Themen als besonders hilfreich für die Werbeindustrie sein. Denn wer zu etwas eine Meinung schreibt, der ist in diesem Thema engagiert. Und so kommt zusammen, was aus der Sicht einiger immer zusammen sollte, was Google aber als Tyrannosaurus Rex der Datenkraken nie schaffte: Das Sammeln von Persönlichen Daten, Fotos, aktuellen Lokaldaten und Kaufverhalten zusammen mit Meinungen, Webprofilen und ganzen Klickhistorien via Like-Button. Dagegen ist Google besagter Dinosaurier kurz vor dem Einschlag des Meteoriten. Da ist mir das Problem mit den anonymen Kommentaren – gelinde gesagt – …egal. Der Like-Button 2.0, eine Evolution des Datenmagneten. Wenn das so weiter geht, dann werde ich noch zum radikalen Datenschützer.

March 8 2011, 11:05am

Der Like-Button, die Abmahnung & die Lösung

Gestern geisterte die erste Abmahnung wegen eines Like-Buttons von facebook durch den Blätter- und Blogwald, die durch die Händlerbund Management AG ausgelöst wurde und natürlich auch Spiegel Online aufpoppte. Viele schlaue und unschlaue Meinungen wurden in Artikeln und Kommentaren dazu verbreitet. Leider haben die Mannen vom Händlerbund auch noch dazu ermuntert, es einfach bei einer erweiterten Datenschutzerklärung der Seiten zu belassen. Da nach herrschender Meinung allerdings die IP-Adresse als persönliches Datum angesehen wird, könnte man durch diese erweiterte Erklärung auch unterstellen, dass der Websitenbetreiber wieder besseres Wissen facebook erlaubt, persönliche Daten über seine Website abzugreifen, was als Mitstörer gewertet werden kann, da wider besseres Wissen keine persönliche Einwilligung vom Nutzer eingeholt wurde und facebook trotzdem per iframe die persönlichen Daten über die Webseite abgreifen kann. Wenn man darauf auch noch expressivs verbis in der Datenschutzerklärung irgendwo im Impressum oder sonstwo hingewiesen hätte, dann würde man eher vorsätzlich dem gesetzeswidrigen Verhalten von facebook Vorschub leisten (Mitstörer wegen des Sammelns persönlicher Daten zum Zweck der Werbung). Ein coole Idee hatte Jens Ferner, der als Diplom-Jurist schnell zwei WordPress-Plugin gebastelt hat, die zwar noch nicht ganz elegant sind, aber rechtlich den Blogbetreiber weitgehend auf die sichere Seite bringen. Hier lest Ihr mehr dazu und könnt die Plugins auch gleich runterladen…

February 9 2011, 11:18am

Review: Der maschinenlesbare Mensch

Der maschinenlesbare Mensch wird immer mehr zur Tatsache. Dass dabei die Einwilligung der Betroffenen zunehmend überflüssig wird, zeigt ein Artikel in der deutschsprachigen Ausgabe von LE MONDE diplomatique. Eine Leseempfehlung. In ihrem Text „Big Brother war gestern“ lenkt die Diplominformatikerin Constanze Kurz die Aufmerksamkeit der Leserin, des Lesers auf ein Thema, das noch wenig bekannt ist und der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung zusätzliche Brisanz verleiht. Denn der Mensch ist heute nicht mehr nur in seinen körperlichen Merkmalen vermessbar (Biometrie), auch sein Verhalten – etwa sein charakteristischer Gang oder seine Stimme – kann automatisiert erfasst und analysiert werden…

Biometrie Mit dem biometrischen Reisepass trat die Biometrie erstmals ins Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise. Zwar ist die Skepsis einem solchen Pass gegenüber immer noch gross, doch unter dem Label Sicherheit lässt sich heute Vieles verkaufen, was noch bis vor kurzem undenkbar gewesen wäre. Beim biometrischen Pass wird mindestens ein Fingerabdruck in elektronischer Form auf einem Chip hinterlegt, so dass bei einer Passkontrolle dieser gespeicherte Fingerabdruck mit dem effektiven Fingerabdruck des Passbesitzers vor Ort abgeglichen werden kann und so eine eindeutige Identifizierung möglich ist. Auch kommerzielle Anwendungen der automatisierten Biometrie sind bereits im Einsatz. In einigen Einkaufszentren kann inzwischen per Fingerabdruck bezahlt werden: Nach seiner Registrierung lässt der Kunde an der Kasse einfach die Kuppe seines Fingers scannen, und schon können die Kosten des Einkaufs automatisiert seinem Konto belastet werden. So weit, so praktisch und bequem! Softwaregestützte Analyse des Verhaltens Doch nicht nur der Fingerabdruck, auch die Form des Gesichts und der Gestalt, ja sogar der Klang der Sprache, der menschliche Gang oder etwa die Art und Weise der Bedienung einer Tastatur können heute weitgehend eindeutig und automatisiert einer Person zugeordnet werden, sofern vorgängig entsprechende Daten gesammelt wurden. Längst existieren Computerprogramme, die eine solche Analyse in kürzester Zeit vornehmen – und diese kommen auch zum Einsatz. So ist es zum Beispiel möglich, dass eine Person im Aufnahmebereich einer Überwachungskamera – sagen wir in einem öffentlichen Parkhaus – über eine benachbarte Kamera weiter hinten automatisch aufgrund ihrer Gestalt und der Kleider wiedererkannt wird. Dies geschieht wie gesagt automatisch, softwaregesteuert und nicht durch die Aufmerksamkeit eines Menschen, der sich die Bilder anschaut. Bewältigung der Bilderflut Denn ein Mensch – oder auch ein ganzes Team – ist durch die Bilderflut, die täglich durch eine oder mehrere Überwachungskameras anfällt, heillos überfordert. Noch bis vor kurzem hatte das etwas Tröstliches: Mögen die sammeln, was sie wollen! Sie können die Sintflut an Daten ja doch nicht umfassend auswerten. Doch inzwischen ist das anders. Die Auswertung geschieht heute softwaregestützt. Die Überwacher werden duch die Software auf Auffälligkeiten aufmerksam gemacht. So wird etwa angezeigt, wenn ein Mann im Bereich einer Überwachungskamera – zum Beispiel in einer U-Bahn-Station – lange stehen bleibt oder atypische Laufmuster zeigt. Und im Gegensatz zum Menschen, der an der Kasse per Fingerabdruck zahlt, wird hier nicht nach dessen Einwilligung gefragt. Man weiss nie, ob die Bilder einer Überwachungskamera bloss einen Wachmann langweilen oder nach Strich und Faden ausgewertet werden. Was können wir tun? Wichtige Voraussetzung für die softwaregestützte Auswertung von Aufzeichnungen ist ihre Vernetzung, also die Umstellung der Überwachungskameras auf Internetprotokolle. Die Videosignale können dadurch zur Auswertung an einem beliebigen Ort zusammengeführt werden. Wichtige Voraussetzung ist auch, dass Speicherkapazitäten immer billiger zu haben sind. Der Mensch ist auch in seinem Verhalten maschinenlesbar geworden. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden und werden perfektioniert, nicht zuletzt auch indem die verschiedenen Analysemethoden kombiniert werden. Ob kommerziell oder im Interesse der Überwachung – die Instrumente zur umfassenden Durchleuchtung des Menschen und seines Verhaltens stehen bereit und werden nur durch gesetzliche Bestimmungen und soziale Normen beschränkt. Hier besteht inzwischen die einzige Möglichkeit unserer Einflussnahme. Weiterführender Link: Chaos Computer Club

August 26 2010, 10:04am

Interview: Frank Rieger über Privatsphäre

Während der diesjährigen re:publica haben die Netzpiloten ein Gespräch zum Thema Privatsphäre und verantwortlicher Konsum mit dem Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) Frank Rieger geführt, der im Hauptberuf Geschäftsführer einer Firma für Kommunikationssicherheit ist.

June 4 2010, 10:00am

Google-Suche im stealth-mode

Wer nicht möchte, dass andere (Firma, Ehepartner etc.) wissen, was er oder sie bei Google sucht, der benutzt ab jetzt einfach die Version https://www.google.com und schon werden die Begriffe verschlüsselt. (Natürlich kann Google noch weiterhin alle Suchanfragen archivieren.) Achja, und wer will, der kann übrigens mit einem Google Chrome AddIn bei sich bei Google Analytics (Google Analytics Opt-Out) abmelden und keine Website, die man besucht wird ihn oder sie per Google Analytics tracken.

May 27 2010, 10:15am

Facebook: Neue Privacy-Einstellungen – Was ist anders?

Facebook gelobte Besserung hinsichtlich der Bedienung seiner Einstellungen für die Privatsphäre. Was hat sich nun seit Mittwoch Abend geändert? Bei CNET konnte man es live verfolgen, was CEO Mark Zuckerberg aufgrund vieler Hinweise von Nutzern und Gesetzgebern ändern musste: Eine übersichtlichere Oberfläche zum Einstellen der Zugriffsmöglichkeiten Dritter auf persönliche Inhalte.

Man glaubt es kaum: Alle Einstellungen sollen konsistent auf einer einzigen Seite zusammengeführt werden.

Man kann jetzt verschieden Inhaltstypen genauso einstellen, wie man es möchte in bezug auf den Kreis derjenigen, die drauf zugreifen dürfen. Facebook liefert verschiedene Vorschläge, die man übernehmen kann, aber man kann auch alles haarklein selbst bestimmen. Es sieht dann ein bißchen aus wie eine Access Control List (ACL), wie sie aus diversen CMS bekannt ist, um Inhalte und Benutzergruppen in sinnvolle Relationen zu setzen. Die Einstellungen beziehen sich auch rückwirkend auf alles, was man schon hochgeladen hat. Kurz: Man kann jeden Inhaltstype einer der folgenden Gruppen zuordnen: Freunde, Freunde der Freunde, Alle. Man braucht nicht mehr die Freundeslisten, Pages und das was einem gefällt, öffentlich allen Bekannten zu zeigen. Der Aspekt mit den Interessen ist für Gemeinschaftsseiten von Belang. Das Ausblenden kann man nun anpassen, also nur für Applikationen oder Suchdienste. Es erfolgt eine Überprüfung nach der Änderung von Einstellungen der Privatsphäre. Man kann sich per Opt-Out vollkommen vor der Facebook Plattform (Anwendungen von Drittanbietern) abschirmen, in dem man keine Daten mehr an Dritte weitergibt und auch über die eigenen Freunde nichts mehr an diese Drittfirmen gelangt. Das hat aber auch Einschränkungen zur Folge, weil man eben bestimmte Dienste und Anwendungen nicht mehr (gemeinsam) nutzen kann. Oder man wartet auf den nächsten Monat, dann werden Drittfirmen und Applikationen dazu verdonnert, dass sie den Nutzer direkt all die Informationen abfragen, die die Firmen bzw. ihre Apps brauchen und der Facebook-User ist dann in der Lage von Fall zu Fall zu enstscheiden, welche Daten er welchen Applikation weitergibt. Es gibt ein Manual (Anleitung) für die Einstellungen. Hier publizierte Zuckerberg gestern um kurz vor 20 Uhr europäischer Zeit im facebook-blog, was, wie warum geändert wurde.

May 27 2010, 8:00am

Google stoppt vorerst Street View

Google reagiert auf die Kritik rund um Street View. Der Werberiese hat weltweit die Rundfahrten seiner Kameraautos vorerst gestoppt. Ein Google-Sprecher Kay Oberbeck räumte gegenüber den “Stuttgarter Nachrichten” ein, man habe Fehler gemacht und wolle jetzt erstmal das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen. “Wir haben bereits in unserem Blog verkündet, die Street-View-Fahrten zu unterbrechen. Nicht nur in Bayern, sondern weltweit.” Offenbar ist das Aufzeichnen von Sekundenbruchteilen aus Netzwerktraffic-Frames, um die WLAN Kenndaten zu analysieren der Grund für diesen Schritt gewesen. Denn nicht nur in Deutschland hat es deswegen irritierte Reaktionen gegeben. Eines hat Google unfreiwillig erreicht: Die Sensibiltät für die geobasierten Dienste, die auf diese WLAN-Daten zugreifen sollten, ist geweckt worden. Denn andere Dienstleister haben so ein sniffing nach WLAN schon länger praktiziert. Mal sehen, was die von Google eingesetzte Prüffirma ISEC Partners nun herausfindet. Es könnte schwer werden, einfach die Frames mitzuschneiden und die nötigen WLAN-Daten zu analysieren, ohne so einen Sekundenbruchteil eines Datenstreams abzuspeichern. Es bleibt spannend rund um das Thema Datenschutz. Neulich hat Google zum ersten Mal seinen Anteil an AdSense veröffentlicht und damit ein wichtige Forderung nach mehr Transparenz im Online-Werbemarkt erfüllt. Und Facebook will heute auf den extremen Druck reagieren und sein Modell der Datenfreigabe und des Schutzes privater Daten vereinfachen.

May 26 2010, 10:45am

Innenminister: Domain-Registrierung verstaatlichen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will die Registrierung von Adressen im Internet unter staatliche Obhut stellen. Diese Bombe ließ er nach Informationen von Spiegel-Online nach Gesprächen in Washington platzen. Er begründete dies mit dem Umstand, dass die derzeitigen privaten Institutionen keine Zukunftssicherheit böten. In Deutschland ist eine eingetragene Genossenschaft, die DENIC zuständig, deren Mitglieder sich aus diversen Firmen zusammensetzt und nach dem Prinzip “first come, first serve” verfährt, was nicht besonders verdächtig erscheint. Aber angesichts der seltsamen Vergaben der zweistelligen Domainnamen im letzten Jahr immerhin für Verstimmung gesorgt hatte, da nicht jeder die Chance hatte, Erster zu sein. Aber ob das den inneren Frieden stören könnte? Was also könnte der tiefere Sinn sein? Würde die Domainvergabe in staatliche Hände kommen, hätten die Behörden leichtes Spiel, Domains und IP-Adressen schnell abzuschalten oder besondere Bedingungen an Vergabe und Verlängerung zu knüpfen.

Nach Informationen der Deutschen Welle setzte er sich dort für ein umfassendes transatlantisches Datenschutzabkommen mit den USA. Primäres Ziel der Reise war es jedoch das äußerst umstrittene Abkommen SWIFT zügig realisiert werden. Beide Länder würden sich rasch aufeinander zu bewegen, fasste de Maizière nach seinen Gesprächen in Washington den Status zusammen. Er traf dort mit US-Finanzminister Timothy Geithner, Heimatschutzministerin Janet Napolitano und Justizminister Eric Holder zusammen, dabei ging es auch um den Kampf gegen Kinderpornografie im Internet. De Maizière kündigte eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt und der US-Bundespolizei FBI an.

May 4 2010, 10:43am

Google: Street View wird vorerst gestoppt

Laut dpa Meldung wird Street View zunächst auf Eis gelegt, bis die Einsprüche der deutschen Bürger gegen den Dienst abgearbeitet und zu Änderungen umgesetzt wurden. Der Internetriese und Verbraucherministerin Ilse Aigner hatten heute bei einem Treffen in Berlin diese Einigung erzielt. Google Street View wird demzufolge erst in Deutschland starten, wenn alle Widersprüche vollständig umgesetzt seien, hieß es. Die betreffenden Wohnungen, Häuser und Gärten werden demnach unkenntlich gemacht. Google wird folgerichtig auch die Sammelwidersprüche einiger Städte und Gemeinden (mit Unterschriftenlisten) akzeptieren. “Privates muss privat bleiben”, wird Ministerin Aigner zitiert.

April 30 2010, 3:52pm

republica10 Video: Jarvis – Kontrolle über Information

Jeff Jarvis ist Journalist und Blogger, er war früher auch TV-Kritiker und berät einige amerikanische Medienhäuser rund um den Medienwandel online. Er ist regelmäßiger Kolumnist beim britischen Guardian und seit 2006 Dozent im Fachbereich Journalismus an der CUNY, New York. Seine Karriere als Blogger begann als direkte Auswirkung der Anschläge auf die Twin Towers, von deren Einsturz er im September 2001 direkt vor Ort berichtete.

April 23 2010, 10:00am

republica10 Video: Jeff Jarvis on the privacy paradox

April 22 2010, 10:00am

ePetition: OpenACTA unterzeichnen

Drüben bei carta ist die Übersetzung der OpenACTA Petitio mit direktem Link zur englischen Petition zum “unterzeichnen”. Bitte Lesen, Nachdenken und dann ggflls. weiterklicken zum Mitmachen oder Weiterleiten. “Bis Dienstag kann die globale Petition “OpenACTA” unterzeichnet werden, die die verhandelnden Staaten u.a. dazu auffordert, ACTA auf die ursprünglichen Ziele zu beschränken und Transparenz und Teilhabe herzustellen.”

April 12 2010, 1:55pm

Post-Privacy oder Hoffen auf die Ignoranz

Christian Heller, online auch bekannt als @plomlompom, hat eine Idee: Warum löst man die gesamte olle Datenschutzdebatte nicht, indem einfach jeder möglichst viele Informationen über sich publiziert und so die althergebrachte Intoleranz gegenüber dem Individuum auflöst? “Die gegenwärtige Daten-Explosion und Erosion des Privaten lässt sich als Bedrohung oder als Chance begreifen”, schreibt er in einem Artikel auf carta.info. Er argumentiert klar für die Chance, bezeichnet die deutsche Datenschutzbewegung als “konservativ”, bescheinigt ihrem Bedürfnis, Informationsflüsse im Netz zu kontrollieren, Gemeinsamkeiten mit Rechteverwertungsindustrie und Zensurstrukturen.

Heller fordert vollkommene Transparenz statt Datenschutz, also Verstecken durch Unsichtbarkeit. Damit löst er zwar den Widerspruch auf, warum einerseits staatlicher Datenschutz gefordert ist, immer mehr Menschen immer eifriger Informationen über sich in sozialen Netzwerke und anderswo im Netz posten. Doch auch wenn er all das mit dem griffigen Label “post-privacy” versieht, löst er damit doch kein einziges Problem, das sich aus den dauerhaft im Netz frei flottierenden Privatdaten ergibt.

Heller schreibt: “Die Daten-Explosion bringt die Gleichgewichte der identitären Einengung ins Wanken. Wer ständig all seine tatsächlichen Fehler, Widersprüche Idiosynkrasien, Persönlichkeitsspaltungen und Inkonsequenzen broadcastet, der kann nicht mehr in eine kohärente Identität gezwungen werden.” Doch das kommt im Endeffekt ganz auf denjenigen an, der diese Masse an Informationen rezipiert. Natürlich mag es Menschen geben, die sich so tiefschürfend für ihr Gegenüber interessieren, dass sie all diese Informationen über eine Person digital aufnehmen und sorgfältig abwägen. Wird eine solche Informationsflut ernsthaft ein Bankinstitut dazu bewegen, ein mieses Scoring aufgrund des schillernden digitalen Profils einer Person hintenüberfallen lassen? Ein Personalchef die gesammelten Jugendsünden auf Facebook ignorieren? Oder wird das einen einzigen Nachbarn in einem Provinznest davon abhalten, sich über einen regen Netznutzer mit abseitigen Hobbys das Maul zu zerreissen? Wohl eher nicht. Nun könnte man darauf hoffen – und vielleicht will Heller sich eher so verstanden sehen, dass das konkrete Onlineprofil des Einzelnen oder eine bestimmte Detailinformation interessiert, wenn alle Informationen über alle offen zugänglich sind. Wenn alle in der U-Bahn nackt fahren, ist es natürlich weniger peinlich. Aber warum sollte man?

Heller macht sich lustig über das ewige Reden von der mangelnden Medienkompetenz der Menschen. Aber ist es wirklich so, dass jeder User in einem bewussten Prozess abwägt, ob sich durch das Preisgeben einer Information online für ihn tatsächlich mehr Nutzen als Risiken ergeben? Steht ihm immer vor Augen, wer Zugriff auf welche Daten haben könnte, was daraus abgeleitet werden könnte, wenn man diese Information mit anderen verknüpft? Der US-österreichische Wissenschaftler Viktor Mayer-Schönberger promotet schon seit einiger Zeit seine Idee, mit dem Phänomen des nicht-vergessenden Netzes, der Datenflut umzugehen, die mir etwas mehr einleuchtet als Hellers Versinken der einzelnen Privatinformation in der allgemeinen Datenflut: die Idee des digitalen Rostens bzw. des Verfallsdatums für Daten im Netz. Auch hier kann man sicherlich an der praktischen Umsetzbarkeit zweifeln – aber zumindest verfolgt sie eine Idee, statt einfach auf das Einsetzen einer gesamtgesellschaftlichen Ignoranz- oder Amnesiebewegung zu hoffen.

Denn Heller fragt am Ende seines Beitrags: “Was heisst die Auflösung von Individuen in verschaltbaren Daten-Wolken die Externalisierung der Person vom menschlichen Körper auf Wälder aus Internet-Profilen, der Kontrollverlust übers “Ich”?” Und impliziert die Antwort: Nicht zwangsläufig etwas Schlimmes. Auch wenn er selbst wenige Absätze zuvor konstatiert, dass die Gefährlichkeit von Daten “abhängig ist von den Machtverhältnissen, in die ihr Fluss gegossen wird.” Nun denn: Verlassen wir uns also darauf, dass auch künftig keine Flußbegradigungen angepeit werden.

Interessant an Hellers Beitrag, der von vielen Kommentatoren als “klug und provokativ” geadelt wurde, ist, dass er sich kaum mit dem Gedanken aufzuhalten scheint, dass im Netz nicht nur Informationen, die ein User selbst über sich online gepostet hat, verfügbar sind – sondern auch Wissen über ihn kursiert, an dessen Veröffentlichung er nicht beteiligt ist. Lassen wir uns doch einmal auf Hellers Gedankenexperiment ein: Jeder zeichnet ein ausführliches und realistisches Bild seiner Tätigkeiten und Vorlieben online. Zusätzlich müht sich der Staat um die Herstellung von maximaler Transparenz. Und – Achtung, hier überspitze ich – vielleicht schafft man auch die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern ab, so dass niemand mehr dafür eintritt, persönliche Daten zu Steuern, Krankengeschichte oder Strafregistern mehr unter Verschluss gehalten werden. Dann haben wir zwar alle keine Geheimnisse vor einander. Aber ob die Gesellschaft dann mehr auf dne gläsernen Jedermann, den man jederzeit an seinen empfindlichsten Stellen treffen kann, oder auf eine fröhlich-tolerante Gleichgültigkeit zusteuert, ist aus heutiger Perspektive reine Glaubenssache. Ich würde es ungern auf einen Versuch ankommen lassen.

March 29 2010, 11:00am

Was ist eigentlich: Jugenmedienschutz-Staatsvertrag

Die Regelung mit dem sperrigen Namen “Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien” gibt es schon seit April 2003 – aktuell wird die jüngste Novellierung des Vertrags behandelt. Deren Zweck ist es, einen einheitlichen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nicht altersgerechten Angeboten in Rundfunk und Telemedien zu gewähren. Es geht also um Inhalte, “die deren Entwicklung oder Erziehung beeinträchtigen oder gefährden, sowie der Schutz vor solchen Angeboten in elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien, die die Menschenwürde oder sonstige durch das Strafgesetzbuch geschützte Rechtsgüter verletzen”, wie es in §1 des Vertrags heißt. Ob der Vertrag eingehalten wird, überprüfen die Landesmedienanstalten gemeinsam mit der Kommission für Jugendmedienschutz (KMJ) – und darum werden die Neuerungen daran auch auf Länderebene verhandelt.

Was das bedeutet: Bei der Novellierung geht es vornehmlich darum, den Jugenschutz nicht nur im Rundfunk, sondern auch im Internet zu stärken. Laut dem Entwurf des JMStV sollen künftig Webseiten-Betreiber freiwillig kennzeichnen, ob ihre Inhalte für Kinder und Jugendliche ab 6, 12, 16 oder eben 18 Jahren geeignet sind. So ähnlich wie heute schon bei Filmen oder Computerspielen im Rahmen der Freiwiligen Selbstkontrolle (FSK). Außerdem verpflichten sich die Betreiber, auch nutzergenerierte Inhalte dahingehend zu filtern – was besonders Soziale Netzwerke vor eine größere Herausforderung stellen dürfte. Bei falschen Angaben drohen den Seitenbetreibern Geldstrafen. Wer eine Website betreibt, sich hierzu nicht äußert, dessen Seite kann blockiert werden – auch wenn die Eltern über Jugenschutzfilter Inhalte blockieren lassen, die für ihre Kinder nicht altersgemäß sind. (§ 5 Abs. 1 und Abs. 2 JMStV-E). Ob Eltern sich für oder gegen den Einsatz eines entsprechenden Jugendschutzprogramms entscheiden, sei ihnen selbst überlassen, so Martin Stadelmaier, der die Vertragsverhandlungen als Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei federführend leitet. Alternativ könnten Webseiten-Betreiber – etwa die Homepages von TV-Sendern – sich entscheiden, bestimmte Inhalte ähnlich wie im Fernsehen oder Radio erst ab einer bestimmten Uhrzeit zur Verfügung zu stellen – ARD-”Tatorte” nach 20 Uhr, explizitere Gewalt- oder Sexdarstellungen erst ab 23 Uhr. Außerdem steht in dem Gesetzesentwurf: Access-Provider sollen dazu herangezogen werden, “leicht auffindbar” Jugendschutzfilterprogramme anzubieten (§ 11 JMStV-E).

Was bisher geschah: Im Dezember 2009 wurde ein aktualisierter Entwurf des Vertrags vorgestellt. Am 25.Januar 2010 gab es eine öffentliche Anhörung dazu in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, im Vorfeld war aus Netzkreisen Kritik an dem Vorhaben laut geworden. Insbesondere seitens des AK Zensur. Daraufhin wurden einige Details verändert und am 12.März die Version vorgelegt, die am heutigen Donnerstag in den Länderparlamenten zur Abstimmung gestellt werden. Es wird allgemein erwartet, dass dort keine größeren Widerstände gegen das Gesetz laut werden und es verabschiedet wird. Dabei gibt es von recht unerwartbarer Seite durchaus aus Kritik gegen das Gesetz: Auf dem Politcamp 2010 in Berlin kritisierte der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere NRW-Politiker Thomas Jarzombek das “Friss oder Stirb”-Verfahren, mit dem das Gesetz durchgepeitscht worden sei: Es sei hinter verschlossenen Türen von Rundfunkreferenten ausgehandelt worden, das Beteiligungsverfahren sei eine Farce gewesen, Jarzombek sprach von einem “Sieg der Bürokratie über die Parlamente“.

Knackpunkte des Gesetzes:

  • Netzzensur: Auch wenn der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag weniger Aufmerksamkeit bekommt als die Zugangserschwernisgesetze, die die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen im vergangenen Jahr anstrebte, ziehen einige Netzaktivisten einen direkten Vergleich zwischen beiden Gesetzesvorhaben – und erfinden für die Novellierung des JMStV den Spitznamen “Kindernet”. Alvar Freude vom AK Zensur gehört zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens. Er sieht darin einen neuen Versuch zur Netzzensur und fordert: Der Entwurf muss vom Tisch. Freude befürchtet: Sollte die Selbsteinstufung der Webseiten aus Sicht der Jugendschützer nicht den gewünschten Erfolg bringen, werde “die nächste Eskalationsstufe” greifen – also restriktivere Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

    Auch Constanze Kurz vom Chaos Computer Club kritisiert: “Filtersoftware ist aus technischer Sicht ohnehin kein adäquates Mittel”. So schrieb sie in ihrer FAZ-Kolumne: Wir müssen uns angesichts des kontrollwütigen Grundtenors des Vertragswerks aber auch als Gesellschaft Fragen stellen: Können und sollen Anbieter von Internet-Dienstleistungen elterliche Pflichten übernehmen? Ist es nicht ein Armutszeugnis, Aufsichts- und Erziehungspflichten im digitalen Raum an den Staat delegieren zu wollen? (…) Das Netz ist eben kein Babysitter. Wie viele andere fordert auch Kurz, mehr Wert und Engagement auf die Förderung von Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu legen. Die Politiker, die an dem Vertragsentwurf mitgearbeitet haben, fühlen sich von dererlei Zensur-Interpretation missverstanden.

  • Anbieter-Begriff: Auch wenn in diesem Punkt bereits nachgebessert wurde, kritisieren Netzaktivisten, dass der Begriff des Anbieters von Inhalten in dem Vertrag zu “schwammig” sei. Ursprünglich war die Kommission für Medienjugendschutz (KMJ) für eine Ausweitung des Anbieterbegriffes eingetreten. So hieß schrieb sie in einer Stellungnahme vom Januar 2010: “Die KMJ vertritt die Auffassung, dass administrative Ansprechpartner, Suchmaschinenbetreiber, Internetplattformenbetreiber (bspw. von Social Communities), Linksetzer oder Anbieter von fremden Inhalten (…) den Jugendschutz bei den von ihnen verantworteten Angeboten durchsetzen müssen.”

Ein erster Entwurf ließ Interpretationsspielraum auch tatsächlich offen, ob auch Internet-Zugangsanbieter, also Access-Provider, ISPs und Hosting-Provider, also die Anbieter von Webspace, für die Inhalte ihrer Kunden verantwortlich gemacht werden können. In einer Neufassung vom Februar heisst es nun in § 3: Anbieter seien “Rundfunkveranstalter und Anbieter von Telemedien”. Im Klartext: Internetprovider haften im Jugendschutz nicht als Anbieter. (Auch wenn sie weiterhin nach § 59 Rundfunkstaatsvertrag zur Sperrung von Angeboten im Inland gezwungen werden können, sofern sich andere Maßnahmen gegen die Anbieter als wirkungslos erwiesen haben – eine Maßnahme, die laut Carta-Autor Robin Meyer-Lucht jedoch so gut wie nie angewendet werde).

Dies dürfte wohl einer der Gründe sein, warum der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), der die “Anbieter”-Regelung, die noch im Januar im Gesetzesentwurf stand, kritisiert hatte, die Novelle in ihrer jetzigen Form einen “Schritt in die richtige Richtung” unterstützt. 1&1-Justiziarin Saskia Franz lobt: Das Zurückrudern der Bundesländer beim Anbieterbegriff “dürfte der vielfältigen und anhaltenden Kritik zu verdanken sein.”

Für Kritik sorgt weiterhin die Verpflichtung der ISPs, Jugendschutzprogramme, oder konkreter: Zugangssysteme “leicht auffindbar” anzubieten. Damit werde die Neutralität der ISP weiter ausgehöhlt, die Internetprovider würden zu “Hilfssheriffs” gemacht, argumentieren die einen. Andere kritisieren daran, dass das Gesetz zwar entsprechende Jugendschutzprogramme fordere, bislang aber kein einziges davon von der zuständigen KMJ anerkannt worden ist.

– Blogger und Soziale Netzwerke: Die Anbieter-Frage beinhaltet jedoch noch ein weiteres Problem: Nicht nur Betreiber professioneller Homepages, auch Blogger sollen für die Inhalte auf ihrer Homepage verantwortlich gemacht werden können – und zwar auch für die Inhalte der Kommentare auf ihrer Seite. Diese sollen “zeitnah” entfernt werden, wenn sie den genannten Standards nicht entsprechen – was nichtkommerziellen Betreibern sowohl zeitlich wie in der inhaltlichen Bewertung (was ab 12, was ab 16 Jahren) schwer fallen dürfte. Auch auf Social Networks könnten schwere Zeiten zukommen: Heise berichtete im Februar, dass es nach wie vor eine Auflagen für Soziale Netzwerke gebe, nachzuweisen, dass “die Einbeziehung oder der Verbleib von Inhalten im Gesamtangebot verhindert wird, die geeignet sind, die Entwicklung von jüngeren Personen zu beeinträchtigen”.

– das White-List-Prinzip: Statt schwarze Schafe unter den Anbietern herauszufiltern, werden Positivlisten, “White Lists”, davon erstellt, welche Inhalte für Jugendliche bestimmter Altersstufen geeignet sind. Das heisst: Websites, die sich selbst nicht mit einer Alterskennzeichnung versehen, wären auf Rechnern mit Filterprogrammen nicht mehr sichtbar – und zwar egal ob sie jugendgefährdende Angebote beinhalten oder nicht. Das dürfte für viele ausländische Seiten gelten, die von der deutschen Regelung keine Notiz nehmen, aber auch für zahlreiche inländische – da es wie bereits erwähnt für nichtkommerzielle Webseiten und Blogs mit jeder Menge Aufwand verbunden ist, zu prüfen, für welche Altersgruppe ihre Inhalte geeignet sind. Insgesamt ergibt sich daraus eine Situation, die Internet-Law-Blogger Thomas Stadler zu der Analyse hinreißt, dass der Entwurf des Staatsvertrags als Beschneidung des Rechts auf Informationsfreiheit (Art. 5 Grundgesetz) für Kinder und Jugendliche interpretiert werden könnte.

  • Sendezeiten-Beschränkung: In der Bewertung der Internet-”Sendezeiten” für bestimmte, potentiell jugendgefährdende Inhalte besteht in Netzkreisen weitgehende Einigkeit: CCC-Frau Constanze Kurz schimpft über diese “Röhrenradio-Weltsicht”: “Es wird versucht, das Internet so zu behandeln wie Radio oder Fernsehen.” Generell wird seitens der Netzgemeinde kritisiert, dass der JMStV versuche, Jugendschutzmaßstäbe aus den alten Medien auf das Netz zu übertragen – was nach Ansicht der Community an vielen Punkten schlicht nicht funktioniere. Sie fordern statt dessen einen neuen Anlauf für die Novellierung des Gesetzes – mit Einbindung von Netzexperten von Anfang an.

- Generelle Wirksamkeit: Der Jurist Thomas Stadler wundert sich in seinem Blog seit Monaten über den Wirbel um das Gesetz: Die Aufregung ist schon insofern etwas überraschend, als der Großteil dessen, was jetzt kritisiert wird, bereits seit Jahren im Gesetz steht. (…) Allein der Umstand, dass die bisherigen Fassungen des Staatsvertrags vielfach gar nicht wahrgenommen worden sind, belegt, dass die Auswirkungen auf das Netz bislang eher marginal waren. Was natürlich nicht zwingend heißt, dass es auch so bleibt.

Carta-Autor Robin Meyer-Lucht sieht das im Grunde ähnlich, warnt aber trotzdem vor dem Vorhaben: “Dieser JMStV-Entwurf ist ein disfunktionales, schlecht gearbeitetes Gesetz, das kaum etwas für den konkreten Online-Jugendschutz nutzt, aber dafür sonst viele Kollateralschäden bringt.”

Denn eines darf man schließlich auch nicht vergessen: Digital Natives unter 18 sind häufig technisch wesentlich fitter als ihre Eltern – und sind gegebenenfalls versiert genug, um die Netzfilter, die ihre Eltern ihnen voll guter Absicht verpasst haben, zu überlisten. Das bestätigten jüngst wieder Mitglieder der “Jungen Piraten” bestätigten auf der Politcamp 2010-Tagung.

Disclaimer: Die gesamte Debatte um den JMStV ist äußerst vertrackt – selbst Politiker und Netzexperten geben freimütig zu, beim Durchkämmen der Versionen ihre Schwierigkeiten gehabt zu haben. Und auch die Diskussion im Netz darüber ist vielschichtig, besonders aufgrund der vielen Entwurfsversionen des JMStV, die in den letzten Monaten kursierten und kommentiert wurden. Sollte dieser Artikel also in einigen Punkten nicht hundertprozentig auf dem aktuellen Stand der Diskussion sein, freuen wir uns über Anmerkungen und Ergänzungen.

March 25 2010, 11:00am

SXSW10: Danah Boyd on privacy & publicity

8 minutes with a gifted mind. Boyd works at Microsoft Research New England and also serves as a Fellow at the Harvard University Berkman Center for Internet and Society. Boyd recently completed her PhD in the School of Information at the University of California-Berkeley.

March 19 2010, 1:15pm

Outernet: Gesichtserkennung per Handy

Nun ist es soweit. Fast. Ein Horrorvideo für die Einen und ein Spaßbrötchen für die Anderen – aber seht selbst:

February 25 2010, 9:30am

Datenschutz vs. Google buzz #2

Das Google mit seiner automatisierten, öffentlichen Followerliste bei buzz kein besonders glückliches Händchen bewiesen hat, dürfte heute hinlänglich bekannt sein. Noch immer gibt es keine opt-in Funktion für neue Benutzer sondern nur ein umständliches Opt-Out, wenn man einmal “drinnen” ist – wie Google in seinem GMail-Blog ausführlich erklärt. Die Kollegen von techcrunch haben aber eine bestehende Lücke entdeckt, die peinlicherweise genau diejenigen E-Mail-accounts veröffentlichen könnte, die die meisten eigentlich als geschützte Kanäle nur wenigen mitteilen. Und das geht so:

Von twitter haben die Googlianer dankenswerterweise das @ als Präfix für den Empfänger übernommen. buzz sucht dann, wenn man das @-Zeichen eintippt automatisch aus der Liste der Kontakte und Chatpartner den zu den folgenden Buchstaben passenden Bekannten raus. Das ist soweit harmlos, wenn man die öffentlichen Kontakte auswählt. Wenn aber einer darunter ist dessen private E-Mail in der eigenen Liste gelandet ist, kann es schnell passieren, dass man statt des bei ihm öffentlichen Gmail-Accounts einfach die peter@domain.de als Zugangskanal auswählt. Dann habe ich aber gegenüber all meinen Followern diesen E-Mail-Account öffentlich gemacht. Wenn mir also einer folgt, der nicht so ganz mein Freund ist sondern nur eine Marketing-Firma und dieser Peter ist zufällig Geschäftsführer eines großen Konzerns, dann haben sie direkt seine persönliche Mail-Adresse und können ihn mindestens zuspammen…

Google findet das Ganze nicht so schlimm, weil techcrunch in dem Problem ja nur Fälle beschreibt, wenn man nicht die öffentliche Google Buzz Adresse des Empfängers kennt oder aber wenn diese einem selbst gar nicht bei buzz folgen bzw. noch nie mit einem gechattet haben. Außerdem, so Google, wäre es im Moment des Abschickens offensichtlich, dass man auf diese Weise den Mailaccount öffentlich machen würde, da er ja in der timeline erscheinen würde… In this case, a person attempts to type an @reply using a contact’s email address, types out the email address, and then after posting sees the email address plainly displayed in the post. It is expected that after this, most people would understand that the email address will be visible to the viewers of the post. The user can edit or delete the post. Offenbar hat Google noch gar nicht das Problem verstanden. Denn fast alle Kontakte, die man per buzz anschreiben kann haben ja mehrere Mailaccounts, unter denen ich sie anschreiben kann. Und wenn ich @peter auswähle, kommen eben all diese Accounts zum Vorschein – ich kann aber nicht erkennen, welchen dieser Mailaccounts Peter öffentlich geschaltet hat und welche lieber geschützt bleiben sollten. Ein Designfehler direkt in der Anwendung, und Google kann nicht nachvollziehen, dass eben nur die Mailaccounts zur Auswahl gebracht werden dürfen, die auch ausdrücklich durch den Nutzer öffentlich geschaltet sind. Das ist schlicht lächerlich.

February 12 2010, 12:22pm

Privacy: Fehler in Google Buzz – mit Update

Wie der Silicon Alley Insider gestern berichtete, ist eine große Schwachstelle in Google buzz. Wer buzz einrichtet, bekommt zunächst die Follower automatisiert zugeordnet anhand seiner Chatpartner und derjenigen, mit denen er oder sie am häufigsten E-Mails austauscht. Soweit, so gut. Das Problem besteht allerdings darin, dass per Voreinstellung alle diese Listen öffentlich im Profil einsehbar sind. Man könnte sich also genau ansehen, wer einem folgt und wem derjenige folgt. Man kann also sehen, mit wem Ihr am meisten chattet und mit wem ihr Euch am meisten E-Mails per Gmail schreibt.

Wer seine erste Nachricht in buzz schreibt, bekommt eine Dialogbox zu sehen, in der folgendes erklärt wird: “Before participating in Buzz, you need a public profile with your name and photo.” Und im Kleingedruckten steht dann noch “Your profile includes your name, photo, people you follow, and people who follow you.” Es ist also tunlichst die Voreinstellung, dass andere diese Liste einsehen dürfen, in den Settings abzuändern. Aber wer weiß das vorher? Und wer will überhaupt, dass ein Algorithmus die Leute in eine öffentlich einsehbare Liste packt?. (OK, 10 € ins Schirrmacher-Schwein für den Begriff Algorithmus). Aber mal im Ernst: Silicon Alley weist auf ein grundsätzliches Problem mit Webservices hin, dass Schule machen sollte: Alle Informationen, die man teilen will (Sharing) müssen per default (Voreinstellung) einer Zustimmung unterliegen. Das bedeutet, dass jemand, der nicht extra in die Settings geht – weil er/sie den Dienst vielleicht erst mal probieren will – alle Informationen privat hält und zum Sharing bestimmte Inhalte erst freischalten muss (opt-in).Der Pressesprecher von Google erklärte gegenüber dem Silicon Alley Insider, dass der Sinn der öffentlichen Listen darin bestehe, dass man sofort eine Menge von Freunden und Bekannten zur Verfügung hätte, und daher sofort mit seinen Kontakten loslegen können und sich nicht mühsam erst seine Follower zusammen suchen müsse. Klingt nicht besonders überzeugend. Aber so sind sie die Algorithmen, sie lösen Probleme, die manche Menschen lieber selber lösen möchten. Wir kennen das ja schon von anderen Firmen und Branchen, dass uns geholfen wird, wo wir es ehrlich gesagt weder brauchen noch wünschen…

UPDATE: Wie Matt unten im Kommentar schreibt, hat Google schnell reagiert und das Ausfüllen der Follower-Liste per Algorithmus gestoppt und nutzt nun eine opt-in Funktion. Schnell. Löblich. Danke für den Hinweis!

February 11 2010, 12:51pm

Privacy: Fehler in Google Buzz

Wie der Silicon Alley Insider gestern berichtete, ist eine große Schwachstelle in Google buzz. Wer buzz einrichtet, bekommt zunächst die Follower automatisiert zugeordnet anhand seiner Chatpartner und derjenigen, mit denen er oder sie am häufigsten E-Mails austauscht. Soweit, so gut. Das Problem besteht allerdings darin, dass per Voreinstellung alle diese Listen öffentlich im Profil einsehbar sind. Man könnte sich also genau ansehen, wer einem folgt und wem derjenige folgt. Man kann also sehen, mit wem Ihr am meisten chattet und mit wem ihr Euch am meisten E-Mails per Gmail schreibt.

Wer seine erste Nachricht in buzz schreibt, bekommt eine Dialogbox zu sehen, in der folgendes erklärt wird: “Before participating in Buzz, you need a public profile with your name and photo.” Und im Kleingedruckten steht dann noch “Your profile includes your name, photo, people you follow, and people who follow you.” Es ist also tunlichst die Voreinstellung, dass andere diese Liste einsehen dürfen, in den Settings abzuändern. Aber wer weiß das vorher? Und wer will überhaupt, dass ein Algorithmus die Leute in eine öffentlich einsehbare Liste packt?. (OK, 10 € ins Schirrmacher-Schwein für den Begriff Algorithmus). Aber mal im Ernst: Silicon Alley weist auf ein grundsätzliches Problem mit Webservices hin, dass Schule machen sollte: Alle Informationen, die man teilen will (Sharing) müssen per default (Voreinstellung) einer Zustimmung unterliegen. Das bedeutet, dass jemand, der nicht extra in die Settings geht – weil er/sie den Dienst vielleicht erst mal probieren will – alle Informationen privat hält und zum Sharing bestimmte Inhalte erst freischalten muss (opt-in).Der Pressesprecher von Google erklärte gegenüber dem Silicon Alley Insider, dass der Sinn der öffentlichen Listen darin bestehe, dass man sofort eine Menge von Freunden und Bekannten zur Verfügung hätte, und daher sofort mit seinen Kontakten loslegen können und sich nicht mühsam erst seine Follower zusammen suchen müsse. Klingt nicht besonders überzeugend. Aber so sind sie die Algorithmen, sie lösen Probleme, die manche Menschen lieber selber lösen möchten. Wir kennen das ja schon von anderen Firmen und Branchen, dass uns geholfen wird, wo wir es ehrlich gesagt weder brauchen noch wünschen…

February 11 2010, 9:21am

Auf der Flucht: US–Autor lässt sich jagen

Untertauchen und sich dann von einer riesigen Meute suchen lassen – das ist ein Stoff, den man eigentlich nur aus Filmen kennt. Wie es sich wohl anfühlen mag, überlegte Evan Ratcliff - Autor beim US–Magazin Wired - und beschloss, es einfach einmal auszuprobieren. Am 14.Oktober verkündete er auf der Webseite des Magazins: I’m going missing. I’m leaving behind friends, family, and everything familiar, and I’m challenging you to find me. If you do, you’ll win $5,000 and get your picture in Wired. Starting August 15, I will try to stay hidden for 30 days. Not even my closest friends or my editors will know where I am. I’ll remain in the US and will be online regularly. I will continue to use social networking sites like Facebook and Twitter, and I’ll make cell phone calls. I’ll generally stay in the kind of social environment I like to live in (no hiding in a cabin in Montana), and I’ll keep track of my pursuers, searching constantly for news about myself. Dazu gab es Fotos von Ratcliff, Angaben über sein Aussehen, seine Vorlieben. Und los ging es – auf Flucht. Bei Wired ist jetzt ein recht ausführlicher und ziemlich spannender Bericht erschienen – über Ratcliffs Flucht und die Strategien seiner Häscher. Und das waren nicht wenige: Bis zu 600 Twitter–Nachrichten pro Tag gab es zu Ratcliffs Jagd, Privatdetektive und Hacker hefteten sich an seine tatsächlichen und digitalen Fersen. Ratcliff beschreibt, wie er sich Prepaidhandys kauft, mit falschen Namen hantiert, beim Anblick von Helikoptern nervös wird. Seine Jäger verfolgen seine FedEx–Pakete, durchwühlen das Netz nach jeder noch so kleinen Information über ihn. Sie bastelten Facebook–Applications, um ihn zu fangen, wussten, wohin er geflogen war, noch bevor er den Flughafen verlassen hatte, verfolgten die IP–Adressen, von denen aus er sich ins Netz einwählte. Ohne das Ende schon verraten zu wollen – eine absolut spannende Geschichte. Und nicht unpolitisch – erwähnt Ratcliff doch immer wieder, wie schwierig es seit 9/11 geworden sei, sich anonym zu bewegen. Immer und überall, so schreibt er, würde ihm die Frage gestellt, ob er sich bitte ausweisen könne. Und dokumentiert mit seinem Experiment auch darüber hinaus auf schockierende Art und Weise, wie schwer es ist, im digitalen Zeitalter zu verschwinden – wenn eben genügend Leute nach einem suchen. Die Tatsache, dass Ratcliff sich einen neuen Twitter– und Facebookaccount zugelegt, ja, überhaupt das Netz genutzt hat, hat die Suche nach ihm vereinfacht. Ratcliffs Kollege Nicolas Thompson erklärt dazu aber auf wired.com noch einmal, warum Ratcliff während seines Verschwindens nicht digital abstinent war – weil er es im echten Leben eben auch gerne tut. Und natürlich, um es spannender zu machen.

Eine grandiose Geschichte! Chapeau, Mr. Ratcliff!

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November 27 2009, 12:00pm

Auf der Flucht: US-Autor lässt sich jagen

Untertauchen und sich dann von einer riesigen Meute suchen lassen - das ist ein Stoff, den man eigentlich nur als Filmen kennt. Wie das wohl ist und geht, überlegte Evan Ratcliff, Autor beim US-Magazin Wired - und beschloss, das einfach einmal auszuprobieren. Am 14.Oktober verkündete er auf der Webseite des Magazins:

I’m going missing. I’m leaving behind friends, family, and everything familiar, and I’m challenging you to find me. If you do, you’ll win $5,000 and get your picture in Wired. Starting August 15, I will try to stay hidden for 30 days. Not even my closest friends or my editors will know where I am. I’ll remain in the US and will be online regularly. I will continue to use social networking sites like Facebook and Twitter, and I’ll make cell phone calls. I’ll generally stay in the kind of social environment I like to live in (no hiding in a cabin in Montana), and I’ll keep track of my pursuers, searching constantly for news about myself.

Dazu gab es Fotos von Ratcliff, Angaben über sein Aussehen, seine Vorlieben. Und los ging es - auf Flucht.

Bei Wired ist jetzt einen recht ausführlicher und ziemlich spannender Bericht erschienen - über Ratcliffs Flucht und die Strategien seiner Häscher. Und das waren nicht gerade wenige: Bis zu 600 Twitter-Nachrichten pro Tag gab es zu Ratcliffs Jagd, Privatdetektive und Hacker hefteten sich an seine tatsächlichen und digitalen Fersen. veröffentlicht. Ratcliff beschreibt, wie er sich Prepaidhandys kauft, mit falschen Namen hantiert, beim Anblick von Helikoptern nervös wird. Seine Jäger verfolgen seine FedEx-Pakete nach, durchwühlen das Netz nach jeder noch so kleinsten Information über ihn. Sie bastelten Facebook-Applications, um ihn zu fangen, wussten, wohin er geflogen war, noch bevor er den Flughafen verlassen hatte, verfolgten die IP-Adressen, von denen aus er sich ins Netz einwählte. Ohne das Ende schon verraten zu wollen - eine absolut spannende Geschichte.

Und nicht unpolitisch - erwähnt Ratcliff doch immer wieder, wie schwierig es seit 9/11 geworden sei, sich anonym zu bewegen. Immer und überall, so schreibt er, würde ihm die Frage gestellt, ob er sich bitte ausweisen können. Auch die Tatsache, dass Ratcliff sich einen neuen Twitter- und Facebookaccount zugelegt, ja überhaupt das Netz genutzt hat, hat die Suche nach ihm vereinfacht. Ratcliffs Kollege Nicolas Thompson erklärt dazu aber auf wired.com noch einmal , warum Ratcliff während seines Verschwindens nicht digital abstinent war — weil er es im echten Leben eben auch gerne tut. Und natürlich, um es spannender zu machen.

Eine grandiose Geschichte! Chapeau, Mr. Ratcliff!

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November 26 2009, 11:00pm

Skandal um SchülerVZ-Daten - was dahinter steckt?

Inzwischen ist es schon einige Tage her, seitdem das Datenleck bei SchülerVZ aufgetaucht ist. Aber was steckt eigentlich genau dahinter - und welche Konsequenzen zieht der Skandal mit sich? Eine Linkliste.

SchülerVZ gelobt Besserung Nach dem Skandal um die ausgelesenen SchülerVZ-Nutzerdaten kündigt SchülerVZ an, seine Nutzer mit besseren Schutzvorkehrungen besser abzuschirmen. Das meldet Zeit Online. Um es künftig schwerer zu machen, Daten auszulesen, werden Nutzer bei SchülerVZ künftig häufiger Captcha, also Buchstaben- und Zahlenkombinationen eintippen müssen.

Schärferes Zivilrecht gegen Datenleck Im Interview mit netzpolitik.org fordert Hamburgs Justizsenator Till Steffen als Konsequenz aus dem SchülerVZ-Datenleck und spricht sich bei Datenschutzverstößen für Sammelklagen aus. Außerdem zeigt der Grünenpolitiker sich enttäuscht vom Koalitionsvertrag: Die FDP habe nicht entschieden genug für Bürgerrechte gekämpft.

Nicht nur für Freunde: Wie mangelhaft persönliche Angaben bei VZ-Netzwerken geschützt waren Immer noch nicht verstanden, was beim Datencrawlen bei SchülerVZ genau passiert ist? Auch hier bringt netzpolitik.org etwas Licht ins Dunkel — mit Hilfe eines anonymen Informanten, der erklärt, wie schlecht die persönlichen Angaben der Nutzer bei der VZ-Gruppe geschützt waren.

Captcha gegen Crawler - worum es technisch geht n-tv hat nach dem SchülerVZ-Skanal zusammengefasst, was genau das Problem bei den Sicherheitslücken war - allgemein verständlich.

Finanzdienstleister-Infos käuflich Dass solche Datenlecks keine Lapalien sind, zeigt auch die fast schon im allgemeinen Trubel untergegangene Datenpanne beim Finanzdienstleister AWD: 27.000 Kundendatensätze wurden dem NDR zugespielt - neben Namen, Anschrift Telefonnummer, Berufsbezeichnung und Geburtsdatum auch Informationen über Vertragsabschlüsse mit Versicherern.

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October 28 2009, 8:21am

Flickr jetzt mit Gesichtserkennung

Mit Hilfe von PolarRose kann die Foto-Sharing-Plattform Flickr jetzt auch Gesichter erkennen. Noch nicht ganz allein und auch nicht hundertprozentig zuverlässig, aber hier entsteht etwas sehr spannendes. PolarRose, ein schwedisches Startup, arbeitet schon lange an Gesichtserkennungssoftware. Durch die Kopplung an Flickr und Facebook ist der Dienst jetzt erstmals in freier Wildbahn verfügbar. Bislang ist das Ganze noch etwas umständlich: PolarRose gleicht Facebook- und Flickr-Kontakte ab, findet auf Flickr Fotos der Facebook-Freunde und markiert sie mit dem entsprechenden Namen auf Flickr. (Grund hierfür ist offenbar ein Detail in den Nutzungsbedingungen der Facebook-Schnittstelle.) Wir können aber wohl davon ausgehen, dass die Integration beider Dienste schon sehr bald runder laufen wird. Nachdem Google Picasa und Apple iPhoto ist damit schon der dritte Dienst am Start, der Ernst macht mit halbautomatisierter Gesichtserkennung. Und das ist sicherlich erst der Anfang. Persönlich bin ich immer ein wenig hin- und hergerissen zwischen Faszination über die Technik und Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre. Mich würde interessieren, wie ihr das seht - lasst mich wissen, wie ihr dazu steht!    Verwandte Artikel

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April 22 2009, 5:38pm

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