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Generation Moderat

In unseren bildungsbürgerlichen Realität wird die öffentliche Auslebung exzessiver Charakterzüge nur bei Kleinkindern und einem enggezirkelten Künstler- und Intellektuellenkreis tatsächlich und vollständig toleriert. Denn es dämmert dem Heranwachsenden schnell, dass jeder deutlich publizierte Gefühlsausdruck in den wenigsten Fällen mit Wohlwollen bewertet wird. Schreien, Fluchen und Trotz führen zu ersten unangenehmen Sanktionen, verzwirbelte Verrücktheiten zu sorgenschweren Mienen und ein zu schnell reifendes Selbstbewusstsein zu hinterhältigen Unterdrückungsritualen. Das hat zur Folge, dass wir allesamt und moderat weichgespült durch die Strassen wandern. Man hat so viel im Kopf und kann es doch nicht ausdrücken. Man hat so viel im Herzen und kann es doch nicht zeigen. Man hat so viel zu tun und weiss nicht, wie es anzufangen ist… Und wenn die Unruhe in unserer Birne fast hyperventiliert, dann drängt es förmlich aus einem heraus und sprudelt aus den Ohren und es passiert das Unvermeidliche. Totaler Kontrollverlust in der Zentrale. Exzesse jetzt, sofort und überall. Wer eine Knarre zur Hand hat, wird um sich schiessen, wer eine Tablette zur Hand hat, wird sie schmeissen und wer auf einer Brücke steht, der springt. Und wer Platz hat, der wird schreien: „WAS WOLLT IHR DENN ALLE VON MIR? IHR PENNER. KÜMMERT EUCH DOCH UM EUREN EIGENEN KRAM,VERDAMMT. IMMER SOLL ICH MÜSSEN, WOLLEN, WISSEN, FÜHLEN UND ES PASSIERT SOWIESO NIX ODER ALLES. ENTWEDER, ODER. ALLES EIN DÄMLICHES WÜRFELSPIEL. MACHT DOCH MEINETWEGEN EINFACH ALLE NUR LIEBE UND TUT DAS,WORAUF IHR LUST HABT. DEN REST DER WELT INTERESSIERT ES SOWIESO EINEN PUPS UND DANN HAT MAN EINE WEILE WENIGSTENS WIRKLICH WIRKLICH WAS GEHABT VOM TAG.“ Keine Sorge, dank unserer allgemeinen und weitreichenden moderaten Erziehung sind wir in ein paar Tagen wieder back to basic. Aber man ist zwischendurch mal so richtig schön ausgeflippt. Man sollte lernen, diese ausgeflippte, wahnsinnige Energie zu kanalisieren, zu trichtern und in absolut Produktives und Positives umzuwandeln. Eine Stilberatung für den persönlichen Hulk sozusagen: „Nein, dieses verkniffene, verklemmte Grün steht ihnen wirklich nicht zu Gesicht, verehrter Herr Hulk.“ Wie gut wäre das denn…

October 20 2010, 9:55am

Murphys Murmel

Ja, jeder von uns ist schon mal in Murphys Chaoskugel hilflos durch die Gegend gekullert. Wie eine farbensprühende, wahnsinnige Murmel auf LSD. Nun, von aussen betrachtet, sozusagen aus dem fallsicheren Kinderstuhl mit selbsthaftendem Besteck, da lässt es sich leicht gefällig mit dem Kopf wippen und sagen.“Jaja, Murphy‘s Law, das kennt man ja. Whatever can go wrong, will go wrong. Muss so.“. Und dann streichelt man sich das Bäuchlein und blickt mitleidig auf das arme Würstchen, das sich da mit stumpfer Machete durch seinen persönlichen Desasterdschungel schlägt… Bis man selbst mal der Esel vor Murphy‘s Karren ist. Und das Einspannen, nein, das muss nicht notwendigerweise in Sekunden vonstatten gehen, das kann sich über Monate ziehen. Fängt mit Schimmel in der Bude an und hört mit akademisch bedingtem Berufsexil auf. Nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge. Und man läuft und schuftet und prustet und raucht zwischendurch eine, ein geistig verklapperter, keuchender Esel. Murphy wusste es und nun weiss man es auch: Früher oder später wird die schlimmstmögliche Verkettung von Umständen auftreten. Es ist alles eine Frage der Zeit. Und der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Was hilft? Packen. Gesicht waschen. Den elenden Karren bis in die Garage ziehen. Es hilft nämlich eben nichts. Man muss das Chaos zu Ende denken und leben. Wenn man schon die Gründe nicht erkennt, nicht erschließen kann, warum alles in einer so immensen Welle den Bach heruntergerauscht ist, dann sollte man wenigstens in würdevoller Perfektion seinen temporären Niedergang abschreiten und zwischendurch ruhig mal in den Spiegel blinzeln. Man sieht doch noch erstaunlich gut aus, auch wenn man sich kaum wiedererkennt. Vielleicht sieht man nach dieser Besichtigung extremer persönlicher Verzweiflung sogar manche Dinge anders. Das wieso, weshalb, warum, diese ganze verflixte, schlechtgenähte Selbstbezogenheit steht einem einfach nicht zu Gesicht. Und wenn’s mal wieder länger abwärts ging, finanziell, sexuell, existenziell und selbstreferenziell, dann ist geradeaus mal wieder eine echte Alternative. Nach einer Weile natürlich wieder mit der angemessenen Portion Exzess, Leichtsinn und Überheblichkeit. Oh du lieber Augustin. Nein. Murphy. Nein. Esel.

September 29 2010, 11:02am

Vortrag: Streamtelling and transmedia characters

Marcus Brown on Streamtelling and transmedia characters. Interesting speech during the “Narrative and Innovation” Conference at Karlshochschule International University. Das einstündige Video gibt es nach dem Klick…

September 23 2010, 11:20am

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