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Update: WordPress 3.2 (Gershwin) steht bereit!

Das freut die Blogger-Szene: WordPress 3.2 ist fertig und steht zum Download bereit. Eine ganze Menge Neuerungen haben sich die Entwickler einfallen lassen, die größenteils auf eine schlankere und schnellere Einstellung des Contents abzielen. Die Bearbeitungsoberfläche wurde überarbeitet und soll stark vereinfacht, unnötige Ablenkungen ausblenden. Es gibt auch einige neue Plugins und Themes, die euern Internetauftritt noch professioneller wirken lassen werden. Noch eine gute Nachricht: WordPress 3.2 ist weiterhin kostenlos! Den Entwicklern war es außerdem wichtig, dass das Blog-Content Managment System weiterhin einfach zu installieren und beliebig erweiterbar ist. Es basiert auf PHP und nutzt MySQL zur Datenhaltung. Die deutsche Version gibt es wie immer hier Für weitere Informationen schaut euch das Promovideo an oder geht auf die Funktions-Seite von “Gershwin”.

July 6 2011, 10:15am

One-Post-Wonder

WordPress und die fehlende Qualitätskontrolle Wie viele Blogs gibt es auf der Welt? Genau kann das keiner sagen, denn sie lassen sich kaum zählen. Jens Schröder hat es eine Weile lang versucht, doch dann damit aufgehört. Blogpulse ermittelt mehr als 160 Milionen Blogs weltweit. Die Illusion der vielen Blogger Eine Gruppe von Menschen, die doppelt so groß wie die Bevölkerung Deutschlands ist, scheint also ihre eigenen Medien zu haben, über die sie frei verfügen, bei denen Sie Verleger, Chefredakteur und Layouter zugleich sind… Das ist leider zu schön um wahr zu sein. Ein großer Teil dieser Blogs sind tot bzw. sie haben nie angefangen zu leben. Es gibt nur eine Domain, auf der sich teilweise seit Jahren kein einziger Blogpost gezeigt hat. Das Problem Vor allem WordPress als wichtigster Bloghoster hat damit zu kämpfen. Wenn man sich einen generischen Begriff auf WordPress.com sichern will, merkt man bald: die wichtisten Domains sind schon vergeben. Es hat sie jedoch nicht etwa ein ambitionierter Blogger gesichert, der einfach schneller war. Nein, sie stehen einfach leer, seit Monaten, teilweise seit Jahren, viele schon seit 2005. Der einzige Text, der sich, meistens auf dem hellblauen Standard-Layout, findet, ist der automatische Eintrag: „Hello World! Welcome to WordPress.com. This is your first post. Edit or delete it and start blogging!“ Die meistens dieser Subdomains beziehen sich auf Begriffe, die im Internet hart umkämpft sind: Arzt (http://arzt.wordpress.com/), Kredit (http://kredit.wordpress.com/), Partnersuche (http://partnersuche.wordpress.com/) etc. Für jemanden, der im Internet diese Produkte oder Dienstleistungen verkauft, kommen oft die meisten Besucher über Google. Die Frage, bei welchen Suchbegriffen man auf welchem Platz bei der Google-Suche aufgelistet wird, ist erfolgskritisch.

Da die Suchmaschinen-Algorithmen prominent berücksichtigen, welche Begriffe in den URLs enthalten sind, gibt es in allen Branchen einen Kampf um die knappen Domains. Sei es, um dort seinen Shop aufzusetzen oder ein Satellitenblog einzurichten, das auf den Shop verlinkt und dessen Google-Positionierung erhöht. Subdomains von Bloghostern bieten da eine Alternative, zudem noch eine, die meist kostenlos ist. Für die, die einen WordPress.com-Blog gesichert haben, entstehen also keine Kosten, dafür besteht zumindest die Möglichkeit eines späteren Gewinns. Vielleicht könnte das Blog doch einmal noch genutzt werden, oder vielleicht fragt jemand an, ob er die Domain nicht gegen ein Entgelt übernehmen dürfte. Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand einen Blog kommerziell nutzt. Einen Blog einfach nur zu halten, weil man die Domain parken will, ist hingegen eine Plage. Was tun? Wordpress.com als wichtigsten Bloghoster sollte diese Sache beschäftigen. Die ungenutzten One-Post-Wonder verstopfen die Blogosphäre. Doch eine Qualitätssicherung ist nicht sichtbar. Weder mithilfe von Algorithmen noch über die Mitarbeit von Freiwilligen tut WordPress etwas dagegen, nicht einmal in Ansätzen. Dass in einem Blog seit sechs Jahren kein einziger Artikel erschien, dürfte von einem Algorithmus nicht schwer zu erkennen sein. Ergänzt werden könnte das durch menschliche Intelligenz, indem sich über Crowdsourcing freiwillige Mitglieder der WordPress-Community infrage kommende Blogs anschauen und gegebenenfalls eine Löschung beantragen oder durchsetzen. Solche kostenlosen Mitarbeiter zu finden, dürfte für WordPress aufgrund des sehr weit reichenden und nutzerfreundlichen Freemium-Modells nicht sonderlich schwierig sein. Die Community und die Blogosphäre insgesamt würde davon sehr profitieren – und den Zahlen über Blogs könnte man wieder mehr trauen.

June 30 2011, 10:00am

Preferred Blog: wunder/schön

Sowas gibt’s nur im Netz. Vorhin einen schönen tweet als RT gesehen. Dann die Autorin gefunden. Hat ein Blog. Habe ich gelesen. Fast zwei Stunden lang. Sehr selten. Einige Texte habe ich zweimal gelesen. Sowas gab es noch nie. Diese Frau ist eine Wucht. Ich kenne sie nicht, aber ich beneide ihren Freund. Denn wer solche Texte schreibt, der trägt die Flügel nach innen. Und nur so kann man wirklich fliegen. Lest das. Sofort und später. Und nächste Woche auch noch! Liebe Honig, schreib ein Buch. Probe: Zu spät bemerke ich die nahende Bedrohung, die Abteilung für Obst und Gemüse. Ich bin ein Kind der Generation Cheeseburger, nach dem Krieg gab es ja sonst nichts, und wer braucht schon Vitamine, die machen nur albern. Doch in diesem Augenblick geschieht, was ich nie für möglich hielt. Ich habe in dieser Abteilung einen Seelenverwandten gefunden. Es ist: eine Avocado. Avocado Hass.

May 17 2011, 10:36am

Klickhungrig – im Inneren der Blogwelt

Seit gut einem Jahr verbringe ich viel Zeit im Blog-All – oft genug mehr, als mir lieb ist. Es drängt mich deshalb, hier ein paar Bemerkungen zu meinen Erfahrungen und Beobachtungen als Astronaut im Universum der Bloggerinnen und Blogger zu äussern. Und ich bin gespannt, von MitastronautInnen zu erfahren, ob nur ich diese Welt so erlebe oder ob auch andere solche und ähnliche Beobachtungen machen. Ergänzungen sind willkommen. Wenn ich von Blog-All und Universum schreibe, so soll damit zunächst die überwältigende Vielfalt der Blogosphäre zum Ausdruck kommen. Kaum ein Thema, das nicht aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und – meist pointiert – kommentiert wird: Aquarien, Hartz IV, Neuerscheinungen von Büchern, Finanzkrise, Katzenpflege, Indien und, und, und … Es würde mich nicht wundern, wenn es auch Blogs zur Herstellung von Schraubenmuttern, zur Überwindung von Trennungsschmerz oder zu Rezepturen von medizinischen Einläufen gäbe. Dann kommen ja noch die persönlichen Tagebücher hinzu, also die nicht themenzentrierten Blogs. Es gibt sodann Kunstblogs, Blogs zur Mobilisierung für politische, religiöse oder antireligiöse Anliegen. Es gibt Unternehmensblogs, Schnäppchenblogs, Wissenschaftsblogs und Watchblogs, die einzelne Unternehmen, Organisationen oder Medien kritisch begleiten. Und bei all dieser Vielfalt ist oft genug himmelschreiender Unsinn nur ein paar Klicks von hervorragenden Texten entfernt. Die Vielfalt und die schiere Menge an Anregungen und Informationen kann einen glatt überfordern und zu einer Art Info-Infarkt führen. Man verliert sich im Web-All – und plötzlich ist man leer, vor lauter Fülle ausgelaugt, irgendwie seiner selbst beraubt, und wünscht sich nichts sehnlicher als eine einfache Klause im Wald – natürlich ohne Internet-Anschluss – und ein schlichtes Leben, reduziert auf das Wesentliche.

Die Blogwelt ist furchtbar laut. Das ist ein Gezeter und Gekreische, ein Rufen und Plappern, ein Feilschen und Beschwören. Und dabei hört man, jetzt mal von Audio- und Videoblogs abgesehen, keinen einzigen Ton … Der Eindruck rührt wohl daher, dass die BloggerInnen um alles in der Welt Aufmerksamkeit erregen wollen – ja, müssen. Denn sonst werden sie nicht wahrgenommen, gehen unter im Meer des digitalen Grundrauschens. Es kommt mir manchmal vor wie an einer Demo, an der jeder für sein eigenes Anliegen demonstriert, mit den Armen herumfuchtelt, wild hüpft und laut ruft. Und jeder trägt ein grosses Plakat vor sich hin mit der Aufschrift: „Klick mich!“, „Klick mich!„, „KLICK MICH!“ Darunter leidet zuweilen der differenzierte Gedanke, das Subtile. Es wird holzschnittartig die eigene Meinung hinausposaunt, möglichst dezidiert, möglichst laut eben. Vielleicht sind deshalb Verschwörungstheorien und andere abenteuerliche Spekulationen im Blog-All weit verbreitet. Empörung und Verachtung von Andersdenkenden sind ebenfalls ein wichtiger Motor in dieser Welt, nicht nur in den Beiträgen selbst, sondern auch in den Kommentaren. Das Extreme, Sensationelle bringt Klicks. Und steigende Klickzahlen sind das höchste der Gefühle für den Blogger. Ich beobachte ja auch an mir selbst, wie ich immer wieder auf die Zugriffszahlen schiele. Viele Blogs unterscheiden sich punkto Voyeurismus gar nicht so sehr von den anderen, ebenfalls sensationshungrigen Medien. Der Boulevard ist allgegenwärtig. Auch auffällig: Rechte bis rechtsextreme Blogs zählen zu den meistbesuchten Seiten, kursieren regelmässig bei den Top-Blogs zuoberst, zum Beispiel bei wordpress.com. Woran das liegen mag? Frage ich mal so ganz naiv. Das Blog-All ist voller Sternschnuppen, die hell leuchten (wollen) und schnell verglühen. Wer die Klickzahlen erhalten oder steigern will, muss seinen Besucherinnen und Besuchern immer wieder neues Futter anbieten. Natürlich liegt das auch am Charakter des Mediums. Es ist niederschwellig. Ein Post ist mit ein paar schlichten Klicks veröffentlicht – was man ihnen zuweilen anmerkt … Es herrscht eben Quantität vor Qualität. So ist sie nun mal, die Blogwelt – zumindest nehme ich sie so wahr. Trotzdem möchte ich sie nicht mehr missen. Dies sei angemerkt, wenn mich nun womöglich meine Mit-AstronautInnen im Blog-All ob meiner kritischen Bemerkungen am liebsten in der Luft zerreissen würden. Die wilde Flut der Blogs und Posts umspült wunderbare Inseln der Erkenntnis und der Horizonterweiterung, des Gesprächs und des Sichfindens. Wenn es nicht auch das Feinsinnige gäbe, das Kundige, das Poetische und die gemächlichen, ausgereiften Texte – ich hätte den Blogs längst den Rücken gekehrt. Denn Blogs sind nicht zuletzt auch eine potente Zeitvernichtungsmaschine.

Zusammenstellung der Web 2.0-Logos: liako via flickr (CC-Lizenz)

Crosspost von walbei

April 21 2011, 9:45am

Preferred Blog: le bohémien

Es gibt eine Unmenge an guten politischen Texten im Internet – bloss sind sie schwer zu finden … Die Bezeichnung „gute politische Texte“ ist natürlich verfänglich und heisst zweierlei: Zum einen sind das Texte – ich gebe es zu –, die meinem eigenen politischen Verständnis nicht grundsätzlich widersprechen – ein ziemlich subjektiver Anspruch also. Doch die Qualität eines (politischen) Textes lässt sich durchaus auch objektiv feststellen. Dazu gehört etwa eine gewisse intellektuelle Redlichkeit oder zumindest das Streben danach. Dazu gehören Sorgfalt, fundiertes Wissen und die Abwesenheit von Dogma und Polemik. Auf dem Blog le bohémien sind ausgesprochen viele „gute politische Texte“ unterschiedlichster Autoren versammelt. Als roter Faden gilt die Kritik am neoliberalen Gesellschaftsentwurf. Die Themen sind trotzdem durchaus vielfältig. So wird etwa die Entwicklung der Medien, insbesondere der Presse, laufend kritisch durchleuchtet, und zwar von der Theorie her wie anlässlich der Verzerrungen in der Medienlandschaft. Da darf natürlich Noam Chomsky, der grosse amerikanische Intellektuelle und Sprachwissenschaftler, mit einem Text in deutscher Übersetzung – Der Mythos der freien Presse – nicht fehlen. Weitere wichtige Themen sind der Lobbyismus und der (Neo)Kolonialismus – neben der kritischen Beleuchtung, zugegeben aus linker Sicht, der Hintergründe und Zusammenhänge aktueller politischer Ereignisse in Deutschland und der restlichen Welt, und zwar in dieser Reihenfolge. Besonders erwähnenswert hier: der auf Europe bezogene Krisenticker, der regelmässig Hintergrundartikel anderer Medien zur Entwicklung und Bewältigung der Finanzkrise in Europa verlinkt. Das Selbstverständnis des Gemeinschaftsblogs le bohémien wird im folgenden Satz wohl treffend charakterisiert: „Ziel des bohémienist nicht, dogmatische Positionen einzunehmen, sondern im Gegenteil, diese durch den Diskurs und die mögliche Konfrontation verschiedener Stellungnahmen bzw. Perspektiven aufzubrechen.“ Das macht ihn sympathisch und lesenswert.

Crosspost von Walter Beutlers Blog

February 28 2011, 9:45am

Preferred Blog: Vorspeisenplatte

Wie soll ich anfangen? Die Vorspeisenplatte lese ich seit Anfang an, glaube ich irgendwann 2006 oder so. Dies ist ein ein echtes Blog. Nicht so ein Ding wo einer Selbstmarketing betreibt, um dann in vier Monaten ein Buch über Kommunikation im Web oder Social Marketing zu inflationieren, bzw. nach einem Buch die Leser für Volume 2 bei der Stange zu halten. Die Kaltmamsell schreibt immer wie ihr der Schnabel gewachsen ist – für sich und über sich. Sehr persönlich. Genau so soll ein Blog sein. Wer es mit echten Menschen zu tun haben will, sollte sich bei ihr umsehen. Ich kenne sie nicht in der Realität, aber ihr Blog, und insofern würde ich die Autorin übermorgen ungesehen heiraten. Für Neugierige ist es zumindest ein Reise wert. Die Beiträge sind sehr unterschiedlich, sehr tendenziell und sehr aufrichtig. Und es gibt dort tatsächlich auch sehr tolle Rezepte, also ist es ein Medium mit Mehrwert, viel mehr Wert als viele LifeStyle-Magazine die von professionellen Medienplanern immer hübsch haarscharf am Leser vorbei aber direkt auf die Anzeigenkunden geschneidert werden.

February 22 2011, 10:04am

Preferred Blog: Hyggelig

Allen die Geschmack haben, deren Wohnung, aber aus Ermangelung an Geld, guten Ideen oder einfach Zeit trotzdem etwas lieblos daher kommt – schließe ich mich mit ein –, möchte ich den Blog Hyggelig empfehlen. Die sympathische Catherin Hug stellt dort seit April 2010 einen wunderbaren Fundus an Einrichtungs-, Deko- und Design-Ideen zusammen. Am besten gefällt mir Ihre DIY-Kategorie: Die Stücke sind manchmal zwar etwas aufwendiger zum Nachmachen als gedacht, aber man muss ja auch nicht gleich mit einem Holzmöbel-Projekt beginnen.

February 4 2011, 10:40am

Preferred Blog: in|ad|ae|qu|at: Das Blog als Literaturzeitschrift 2.0

Nicht alle Blogs sind Journale, in denen die Persönlichkeit der Autorin, des Autors im Mittelpunkt steht. Es gibt auch solche, die verstehen sich als Plattform, wo sich die Werke anderer und ihre Schöpfer bestmöglich entfalten sollen. in|ad|ae|qu|at ist ein Beispiel dafür. Nicht die Selbstverwirklichung, sondern die Ermöglichung steht hier im Zentrum. Vielleicht deshalb gestaltet sich der Zugang zu in|ad|ae|qu|at zunächst etwas sperrig: Man sucht – als Blogger fast schon gewohnheitsmässig – nach dem vermeintlich kantigen Blog-Ich, nach der Persönlichkeit, die hinter dem Weblog steckt – und findet stattdessen Texte, Bilder und Töne unterschiedlichster Herkunft, ein Sammelsurium zunächst, dessen Ordnung erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird – ebenso wie der dahinterliegende Gestaltungswille. Freier Publikationsraum Christiane Zintzen, die Betreiberin von in|ad|ae|qu|at, ist keine Unbekannte im Raum der deutschsprachigen Netzliteratur, ebenso wenig wie in der „Echtwelt“, wo sie als freie Kulturpublizistin tätig ist. Zusammen mit Hartmut Abendschein gibt sie seit 2008 Litblogs.net heraus, ein Netzwerk literarischer Blogs, das ich an anderer Stelle kurz besprochen habe. Ihre akademische Herkunft kann sie zwar nicht verleugnen – diese kommt zum Teil auch in ihrer Sprache zum Ausdruck –, trotzdem agiert sie mit in|ad|ae|qu|at nicht innerhalb eines institutionellen Rahmens, also der Uni, eines Verlags oder anderer Literaturinstitutionen, sondern versteht ihr Blog als freien Publikationsraum für zeitgenössische (Netz-)Literatur, zudem als Galerie, als akkustisches Theater und als Ort der Reflexion. in|ad|ae|qu|at ist also nichts weniger als eine veritable Literaturzeitschrift, allerdings in der Version 2.0, erweitert um die multimedialen Möglichkeiten des Webs (Video, Audio, Fotografie und Grafik) und bereichert um den unmittelbaren Austausch via Kommentar. Unterschiedliche Gefässe Trotzdem steht die Schreibe im Zentrum von in|ad|ae|qu|at, also die Literatur und ihr Betrieb, und zwar in Form der Medienbeobachtung und -empfehlung und – sehr wichtig – indem im „Salon Littéraire“ auf Einladung regelmässig Gasttexte publiziert werden, unkommentiert und für sich dastehend. Ein weiteres Gefäss ist die Rubrik „Tableau de Texte“, wo Neuerscheinungen in kommentierten „Vorabdrucken“ präsentiert werden. Ebenso findet auf in|ad|ae|qu|at Essayistisches Platz. So entstehen vielfältige Text- und Mediensammlungen, die auf Autorenseiten zusammengeführt werden, ergänzt mit biografischen und bibliografischen Angaben zu den Autoren und mit Links, was nichts anderes als ein kleines, aber gediegenes und immer wieder aktualisiertes Lexikon zeitgenössischer Literatur darstellt. Netzliteratur als eigenständige Kunstgattung Und dabei wird Netzliteratur durchaus als eigenständige Kunstgattung verstanden. Ihre Möglichkeiten werden ausgelotet, die Voraussetzungen ihrer Verbreitung erforscht. So ist es zum Beispiel grundlegend, dass die Texte sorgfältig verschlagwortet werden, damit sie im Netz überhaupt sinnvoll aufgefunden werden können. in|ad|ae|qu|at ist insgesamt ein literarischer Tummelplatz für Anspruchsvolle, zugleich ein Ort des Forschens. Erstaunlich, was man mit einem Blog so alles anstellen kann!

Die ist ein Crosspost von walbei

October 21 2010, 10:03am

Preferred Blogs: deus ex machina

ἀπὸ μηχανῆς Θεός – apò mēchanḗs theós – heißt der Urspruch, um der Historie die Ehre zu gereichen. Denn da kommt tatsächlich eine Gottheit mithilfe einer Maschine auf die Bühne. Zumindest möchte man mit solch antikem Tand die Fassade des Humanismus exhumieren. Und so bemüht man sich ganz bildungsbürgerlich das Netz und seine Pestbeulen, Eiterpickel und wohlgeratenen Rundungen und Kurven larmoyant zu kommentieren – und das unter dem Dach der FAZ. Dass ich das noch erleben darf. Jetzt, wo das Bildungsbürgertum sozusagen zum neuen Proletariat verkommen ist – im Zeitalter der Vernutzung, die man früher gemeinhin noch als Pragmatismus brandmarken wollte. Aber seit Hilmar Koppers Bürovorsteher Nummer Eins Helmut Schröder die Kreditversicherungen ermöglicht und gewerbesteuerbefreit hatte und noch viele andere herrliche Wohltaten über die privaten Banken ausschüttete, damit sie in ihrem Wahn die öffentlichen Banken aber mal so richtig über den Tisch ziehen konnten, da wurde es im Frankfurter Pförtnerdienst des Marktliberalismus verdächtig laut. Nun, seit die FAZ bemerken konnte, dass sie sich zu Claqueuren der ewig selben Handvoll Familien mit Einfluß gemacht hatte, entdeckt sie, dass man doch nur mit mehr als 2000 Lesern überleben kann. Und so geriert man sich nun zum postmodernen Erasmus von Frankfurt und spricht täglich das bürgerlich-humanistische Credo. Tja, und einige Geisteswissenschaftler dürfen nun sogar bloggen. Mal sehen, ob die es ohne Antiquitäten und Wochenendtrips nach Meran schaffen, im Haifischbecken der allseits nachlassenden Aufmerksamkeit für das Web zu überleben. Einfach mal hinsurfen und rumlesen. Langatmig, oft mit Halbwissen protzend und immer einen halben Schritt zu hastig, aber gerade deshalb lesenswert. deus ex machina.

August 30 2010, 10:05am

Lifestyle Lektüre vom 25. August 2010

  1. Riechen wie die Sex Pistols, das ist mal was Neues. Viele Stars und Sternchen haben ja bereits ihre eigenen Parfums, meist mädchenhaft und floral. Von einer englischen Punk Band erwarte ich etwas Exotischeres. Vorauf wir uns gefasst machen sollten, sagt uns Refinery 29.
  2. König Karl bei der Arbeit über die Schulter schauen? Chanel News macht es möglich und hat Lagerfeld beim aktuellen Shooting zur Herbst/Winterkollektion 2010/11 begleitet.
  3. Seit neuestem sind Socken nicht mehr nur dazu da Füsse zu wärmen, jetzt sind sie das Trend-Accessoire. Fröhliche Füsse in bunten Modellen zeigt uns Backyard Bill. Nachmachen empfohlen.

  4. Vogue schwelgt in Vorfreude auf Fashion’s Night Out in Berlin und zeigt uns schon mal, welche Zuckerstückchen uns am 10.9.2010 erwarten. Auf das internationale Shopping Event zur späten Stunde können sich alle schlaflosen Fashionistas freuen.

  5. Das ist doch mal was für den gestressten Geschäftmann in der BusinessLounge internationaler Flüge: Schnell und bequem Luxusmode per ipad bestellen. Herrenausstatter macht es mit einer neuen app möglich.

  6. Und hier gleich noch eine app, diemal für den guten, alten ipod. Diesmal für umweltbewusste Konsumenten. Als Virtual Waters bezeichnet man die Wassermengen, die bei der Herstellung von Produkten verbraucht werden. Bewusstseinserweiterung der anderen Art bei Design made in Germany.
  7. Und damit zum letzen Product mit dem kleinen i: Eine schöne Idee und die Vereinigung von zwei Designklassikenr ist das Little Black Book. Ein iphone Etui der nostalgischen Art im Stil eines Notizbuchs. Gefunden auf Pad and Quill.
  8. Was kam zuerst? Mad Men oder der Petticoat? Auf jeden Fall kommt der 50ties Style mit voller Kraft zurück. Schöne Einblicke ins Original bietet uns A Blog Curated By mit wunderschönen Fotografien von Olivier Theyskens.
  9. Kunst an der Küche zeigt uns Design Boom. Interior Designer Burkhard Schäller hat die wohl praktischste Mini Küche entwickelt. Stylish, klappbar, Augenschmaus. Damit wird der Kochplatz auch im kleinsten Apartment zum Hingucker.
  10. Und zum Ende noch etwas schlechter Geschmack. Bad Yearbook Photos zeigt uns, warum man im Alter von 15 bis 18 Kameras meiden sollte. Ein Glück, das Yearbooks in Deutschland selten sind.

(Fotos: http://www.refinery29.com, http://chanel-news.chanel.com, http://www.herrenausstatter.de, http://www.backyardbill.com/, http://www.designmadeingermany.de)

August 25 2010, 11:20am

Brüder Grimm oder Blogger vs. Journalisten?

Die Journalisten der sogenannten klassischen Medien scheinen der Grabenkämpfe mit den Bloggern müde geworden. Lange Zeit stritten die zwei Lager hartnäckig gegeneinander, jedes überzeugt von der Dominanz seiner Sicht. Die klassischen Medien fühlten sich bedroht und irritiert durch die wachsende Zahl der Konkurrenten im Internet und ihrer Art, Informationen zu sammeln, zu verbreiten und vor allem meinungsstark und persönlich zu kommentieren. Blogger waren für sie eitle Möchtegerns ohne Reichweite und Geschäftsmodell, krankhafte Egos auf der Suche nach Anerkennung oder einfach nur irrelevant. Auf der anderen Seite standen die digitalen Publizisten, die den Kollegen aus dem althergebrachten Journalismus vorwarfen, sie würden das Netz in keinster Weise begreifen, der neuen Form der Kommunikation nicht annähernd gerecht werden und deshalb in nicht allzuferner Zeit arbeitslos sein. Der Witz am Rande: Gerade die kritischsten Blogger und Netzpublizisten sind oder waren selbst Journalisten oder professionelle Kommunikatoren…

Jetzt scheint zumindest die eine Seite den Schulterschluss zu suchen. Rhein-Zeitung, Welt Kompakt und Süddeutsche stimmen plötzlich ein Loblied auf die bislang so gefürchtete Zunft der Blogger an. Kannst Du den Feind nicht besiegen, verbünde Dich mit ihm – eine uralte Weisheit, die eben nie ihren Reiz verliert. So wird ein Paradiesvogel des digitalen Zeitalters, Sascha Lobo, für einen Tag Chefredakteur der Rheinischen ZeitungWelt Kompakt wagt sich unter der Anleitung von 25 Bloggern an eine Scroll Edition. Man wird in den Redaktionen nicht müde zu betonen, wie nahe die Blogger den klassischen Journalisten doch sind – zumindest was die Arbeitsweise und die Liebe zum sprachlichen Ausdruck betrifft. Die Welt stellt gar erleichtert fest, „Blogger sind auch nur Menschen“ und kehrt nach dem gewagten Experiment zufrieden zur gewohnten Routine zurück. Die Süddeutsche erklärt zum guten Schluss, der Journalismus löse sich zum Glück nicht auf, sondern verändere nur seinen Aggregatzustand zu einer Form, in der Blogger und Journalisten Seite an Seite bestehen dürfen. Werden die anfangs tiefen Gräben zwischen beiden Publikationsformen nun zugeschüttet? Vielleicht sogar mit Honoraren für Blogger von klassischen Medien? Was sagt eigentlich die andere Seite zum Friedensangebot einiger Medien? Sind die digitalen Publizisten ebenfalls bereit zum Schulterschluss? Und die Betroffenen? Meinungen aus berufenem Munde: Tanja Gabler, http://tanjagabler.blogspot.com/

Die Grabenkämpfe zwischen Onlinejournalisten und Bloggern habe ich nie verstanden. Ich sehe beide Seiten als Kollegen, die mit unterschiedlichen Stilmitteln beziehungsweise mit anderen Textformen arbeiten. Viele Journalisten betreiben eigene Blogs – und viele Blogger werden längst in den klassischen Medien zitiert. Das liegt einerseits daran, dass die Qualität der Blogbeiträge gestiegen ist, und andererseits daran, dass viele (Online-)Medien ihr Misstrauen gegenüber dieser Gattung verloren haben. Einen Schulterschluss zwischen Bloggern und klassischen Medien kann ich dennoch nicht erkennen. Dazu gehört weit mehr, als Sascha Lobo für einen Tag zum Chefredakteur zu ernennen oder eine sogenannte “Scroll Edition” der Welt zu drucken. Wenn die linke tageszeitung Kai Diekmann für einen Tag ihre Redaktion leiten lässt, bedeutet das auch noch lange keine gemeinsame Linie zwischen Bild und taz.“ Thomas Knüwer, http://www.indiskretionehrensache.de/

August 23 2010, 10:00am

Blogvorstellung: ScienceBlogs PLANETEN

http://www.scienceblogs.de/PLANETEN

Wie heißt du? Ludmila Carone Seit wann bloggst du? Seit Anfang 2007 und seit November 2007 bei den scienceblogs.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen? Weil die meisten Leute nur vage und meist eher Hollywood-Klischee- Vorstellungen davon haben, was ein Wissenschaftler so den lieben langen Tag macht. Ach und weil ich zeigen wollte, dass Wissenschaftler nicht nur alte humorlose Männer in weißen Kitteln sein müssen. Ich hab noch nie in meinem Leben einen Kittel getragen…

Worüber schreibst du? Im Grunde über alles, was ich interessant oder besonders doof finde. Vor allem versuche ich zu vermitteln, dass Wissenschaft mehr als eine Ansammlung von Wissen ist. Das Wesen der Wissenschaft ist: Faszination für das Neue und schonungslose Ehrlichkeit auch und gerade sich selbst gegenüber. Und sie stellt für manche Menschen einen Wert an sich dar: Freude an der Schönheit von Sternen und Galaxien. Verwunderung über die wunderbare und geradezu verrückte Welt der Quantenmechanik. Das erhebende Gefühl ein Rätsel gelöst zu zu haben, was vor einem vielleicht noch nicht mal einer gesehen hat. Wer das alles unter dem Diktat von “Wozu soll das gut sein?” sieht, schießt sich letztendlich selbst ins Knie. Anwendungen wurden in der Vergangenheit fast immer aus den Möglichkeiten gewonnen und nicht aus der Notwendigkeit heraus. Max Planck hat z.B. niemals einen Computer im Sinn gehabt, als er die Wärmestrahlung erforschte. Benjamin Franklin hat nicht an Stromkraftwerke gedacht, als er seine Drachen steigen ließ, um Blitze zu erforschen. Dennoch könnte ich diesen Text hier ohne diese beiden Ereignisse nicht schreiben und veröffentlichen. Am Anfang jedes wissenschaftlichen Fortschritts stand eher die Frage: “Hmm, was passiert wohl, wenn ich das und das mache?” Und weniger: “Ich mache das jetzt, um xyz zu erreichen.” Und selbst wenn man mit einem festgesetzten Ziel antritt, muss man sich immer auf Überraschungen gefasst machen. Ach ja und oft versuche ich zu vermitteln, dass ich keinen Grund sehe, warum Frauen da nicht genauso gut sein sollten wie ihre männlichen Mitstreiter. Eine Frauenquote von 5-10% im Physikstudium ist ja wohl steigerungsfähig. Was dir ohne Internet nicht passiert wäre: Spontan von einem Film-Team angerufen und interviewt zu werden, damit ich für die Sendung „Taff” auf Pro7 meinen Senf über ein angebliches Alien in Südamerika zugeben soll, das die BLÖD gefunden haben will. Wurde meines Wissens allerdings nie gesendet. War wohl zu skeptisch und aufklärerisch. Kann auch einfach sein, dass ich schlicht scheiße aussah. Wer rechnet auch damit, dass da gleich ein Film-Team reingestürmt kommt? Einer der Vorteile des Wissenschaftler-Daseins ist, dass ich hier mit Schlabber-T-Shirt, nackten Füßen und kurzer Hose am Schreibtisch sitzen kann. Natürlich ungeschminkt. Immerhin gab es ein nettes Gespräch mit den Medienleuten. Vielleicht haben die auch was gelernt. Bild’ ich mir zumindest ein. Ach und die Story von dem älteren Herrn, der mich im Büro anrief, um sich von mir versichern zu lassen, dass der neue Teilchenbeschleuniger am CERN wirklich, wirklich nicht die Welt untergehen lassen wird. Obwohl er das in der PM gelesen hat. Hat mich ne halbe Stunde meines Lebens gekostet, aber ich glaub’, der war hinterher wirklich ruhiger. Wovon braucht das Internet mehr: Mehr Frauen, die sich für Wissenschaft interessieren und sich nicht schämen, es auch zu zeigen. Frauen im Web sind… unterrepräsentiert. Die meisten meiner Kommentatoren sind eindeutig Männer. Es kann doch nicht sein, dass sich fast nur die trauen, ihren Senf dazuzugeben? Oder was zu fragen? Kopf kratz Deine tägliche Web-Lektüre: Natürlich die Scienceblogs und die Scilogs. Ansonsten ein buntes Sammelsurium an Jobblogs, politischen Blogs, feministischen Blogs etc. Eine der besten: Isis, the Scientist – Wissenschaftlerin, Mutter, Latina und nimmt kein Blatt vor den Mund. Dies ist ein Crossposting von http://www.maedchenmannschaft.net von der Autorin Helga Hansen. Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.

July 29 2010, 11:07am

Blog goes Book: Wird offline das neue online?

Blogs zum Anfassen scheinen ein neuer Trend zu sein. Immer mehr Blogger machen den Sprung vom Bildschirm auf den Couchtisch und erscheinen im Druckformat. Die Streetstyle Blogs von Stil in Berlin (www.stilinberlin.com) und I like my Style (www.ilikemystyle.net) kommen plötzlich als Magazinformat daher. Scott Schumann von The Satorialist (www.satorialist.com) zeigt seine Streetstyle Aufnahmen bereits seit letztem Jahr als Bildband. Ebenso Ivan Rodic von The Facehunter (www.facehunter.net), der seine bunten Bilder von der Strasse als Catwalk gebunden ins Bücherregal gebracht hat. Während mich die Idee vom Modeblog als Druck noch nicht richtig überzeugt hat, bin ich vom Neuzugang The Selby is in your Place (www.theselby.com) ziemlich angetan… Fotograf Todd Selby porträtiert in seinem Blog mehr oder weniger berühmte kreativer Persönlichkeiten in ihrer persönlichen Umgebung. Und wer wirft nicht gerne mal einen Blick hinter die Kulissen und sieht wie schöpferische Geister privat leben? Oder in welchem Umfeld sie ihre Arbeit vollbringen? Auf 256 Seiten zeigt Selby genau diese Einblicke in Wohnungen, Lofts, Studios und Ateliers und stillt unseren Hunger nach Authentizität. Und nicht nur die Fotos sind ausgesprochen stimmungsvoll, sondern auch sehr inspirierend. Abgerundet wird das Buch, wie der Blog, durch Selbys farbenfrohe Illustration. Erschienen ist der Bildband im Abrams Verlag, der Preis liegt bei 21,95 Euro.

(Fotos: The Selby; Silke Lambers)

July 20 2010, 10:06am

Preferred Blog: Der Ohrenschützer

Wie schön und schonend für die Augen, wenn ich zwischendurch Netzliteratur nicht zu lesen brauche, sondern ihr zuhören kann! Besonders gern höre ich dem Ohrenschützer zu. Da kann man die eigentlichen Ohrenschützer, also die Stöpsel, getrost vergessen. Einfühlsam und mit einer klaren Sprache liest der Ohrenschützer eigene und fremde Texte, die er gerne auch mal mit Musik oder Geräuschen hinterlegt und so zu Hörstücken aufwertet, einer Kurzversion des Hörspiels. Seine Texte sammelt er mehrheitlich in der Szene der deutschsprachigen Literaturforen, und er schreckt auch vor skurrilen und experimentellen Texten nicht zurück. Poetisches und Slapstick, Düsteres und Heiteres, Nachdenkliches und Vordergründiges tanzen auf seinem Podcastblog einen schrill-bunten Reigen. Das gesprochene Wort hat gegenüber dem geschriebenen den Vorteil, dass es noch ein Stück näher an mich heran kommt, mich stärker ergreift. Was wünscht man sich mehr für Literatur und literarische Versuche? Man mache die Probe aufs Exempel:

Ein wunderschöner Schmetterling: Poetische Träumerei an einer Abdankungsfeier, geschrieben von Jens Reimann. Oder ist es mehr als eine Träumerei? Über das Gehen – Betrachtungen eines Rollstuhlfahrers: Ein frecher Text aus meiner eigenen Feder – mit Verlaub. Der Ohrenschützer macht ihn zur schönen Satire, die nachdenklich stimmt. Bilanz von Günther Bach: Knapper und knackiger geht es kaum. Ein Gedicht mit Hang zur Lautmalerei, bestens geeignet für einen Podcast. Und bestens geeignet, um die Bilanz seines eigenen Lebens daran zu messen.

Es liest: Der Ohrenschützer Crosspost von Walter Bs Textereien

July 19 2010, 10:08am

Preferred Blog: litblogs.net

Literarische Blogs gibt es nicht wie Sand am Meer, zumindest nicht wirklich gute. Zugegeben: was ein guter oder weniger guter literarischer Blog ist, bleibt wohl eher der persönlichen Einschätzung überlassen. Das ist nicht wesentlich anders als mit Literatur in gedruckter Form: zwar gibt es sehr wohl objektive Qualitätskriterien, doch das Subjektive bleibt für den Genussleser ein entscheidender Faktor. Denn wenn mir ein Buch nicht gefällt, kann mich in den meisten Fällen auch ein noch so belesener Literaturpapst nicht wirklich vom Gegenteil überzeugen. Umso schöner, dass ich Litblogs.net entdeckt habe. Denn hier sind ein paar richtig gute literarische Blogs versammelt. Und es ist ein Einfaches, mit ihnen in Kontakt zu kommen – und zu bleiben. Litblogs.net ist eine Art Monitor für zurzeit rund zwanzig literarische Blogs. Titel, Herkunft und Alter aller neuen Beiträge werden auf der Hauptseite aufgelistet, wie man sich das von Blogs gewohnt ist: der aktuellste Eintrag zuoberst. Durch einen einfachen Klick kann man den Eintrag ansehen, ohne die Seite verlassen zu müssen, alternativ dazu aber auch, indem man den entsprechenden Blog in einem neuen Fenster öffnet. Selbstverständlich sind die Blogs auf einfache Art zugänglich, auch ohne dass gerade ein aktueller Beitrag aufgelistet ist. Ferner sind Kurzporträts der Blogbetreiber hinterlegt…

Überhaupt besticht Litblogs.net durch seine benutzerInnenfreundliche Technik. So gibt es am Fuss der Seite eine versenkbare Instrumentenleiste, wie ich sie noch nie gesehen habe. Sie erleichtert das Navigieren auf der Seite und stellt Such- und Übersetzungsfunktionen, aber auch Feed-Abos und Schnittstellen zu sozialen Medien zur Verfügung. Doch das wichtigste sind die literarischen Blogs. Hier eine völlig subjektive Auswahl: Aléa Torik: Das Tagebuch einer ehemaligen Studentin der Linguistik- und der Literaturwissenschaft und ambitionierten Schriftstellerin. Poetisch in Form und Inhalt, sorgfältig im Umgang mit der Sprache, berührend in seiner Offenheit. logbuch isla volante: Der Besuch dieses Blogs ist wie ein Abstecher aufs Meer. Täglich wird ein Aquarell eingestellt, das vielfach hauptsächlich Wasser abbildet und trotzdem immer wieder eine Überraschung darstellt. Dazu Kürzesttexte. Ein Genuss in seiner Schlichtheit. Visuelle Poesie: Anatol beeindruckt auf seinem Blog mit visueller Poesie durch die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten im weiten Berührungsfeld von Sprache und bildender Kunst. Particles: Der Blog von Andreas Louis Seyerlein hat etwas Verspieltes und ist nach meinem Empfinden hoch poetisch. Er ist Teil eines literarischen Gesamtkunstwerkes, das weit mehr ist als einfach “nur” Literatur in digitaler Form – statt auf Papier: ein multimediales Erlebnis, bei dem die Möglichkeiten der Netzkunst voll zum Tragen kommen – und das nicht in effekthascherischer Weise, sondern eben hoch poetisch, geradezu erschütternd zuweilen.

July 9 2010, 1:27pm

Preferred Blog: Studio Glumm

“Wir verabschieden uns flüchtig, und als ich durch das Loft gehe, schauen die Mädels mich mit großen Augen an, als wollten sie in meinem Gesicht ablesen, wie es gelaufen ist, aber ich bleib cool. Undurchsichtig bleiben, Mädels. Das A und O in diesem Metier. Als ich endlich draußen stehe, in den Straßen von Köln, bin ich heilfroh. Einerseits. Andererseits verdient man kaum Geld damit, dass man andauernd heilfroh ist, weil es nicht geklappt hat.”

Wer wirklich lesen will. Wer wirklich eine Stimme hören will, der landet früher oder später beim Glumm. Als die Dinosaurier noch herumwankten, hatte er mal einen Literaturpreis gewonnen. Doch irgendwas kam dazwischen. Zwischen ihn und die große Schriftstellerkarriere. Ein Glück. Vielleicht hätte er dann nie seine beiden Blogs 500beine und seit einiger Zeit das Studio Glumm begonnen. So können wir lesen, schmunzeln, uns ertappt fühlen, in schallendes Gelächter ausbrechen und mitleiden. Ach ja, das Thema. Es geht um das Leben an sich – also echte Literatur. Prosa.

Einer der Besten!

June 29 2010, 10:02am

Linkes Auge hinkt

Ja liebe Liebende. Sowas gibt es noch in deutschen Landen. Linkes Auge hinktEine echte Literatur-Perle. Obwohl der Autor mir dieses Wort wahrscheinlich mit Widerhaken bestückt ins rechte Ohr treiben würde. Ein Blog, das keines sein will. Umso besser. (Danke an den Glumm für den Tipp. Achja, wer den nicht kennt, der ist bei mir Blog der Jahre 2004-2008 und Grimmepreisträger des Jahrzehnts statt all der Lobos und Sixtusse, die da waren, sind und sein werden.)

April 29 2010, 12:00pm

Wikio.de: Blog-Buzz im Überblick

Der Fülle der Blogs weltweit helfen so genannte Buzzportale dabei die derzeit am stärksten diskutierten und neue, kommende Themen zu identifizieren. Für deutschsprachige Blogs hilft hier Wikio.de weiter. Es werden aber nicht nur Blogs ausgewertet, sondern auch Nachrichtenquellen und Videos.

November 8 2009, 3:03pm

Blind im Web: Blogs als Chance

In einer kleinen Serie stellt Heiko Kunert vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg das blinde Netz vor. In seinem ersten Beitrag “Blind im Web: Ein Stück Normalität” welche Rolle das Web im Leben blinder Menschen bzw. Menschen mit einer Sehschwäche spielt und wie die Orientierung im Web mit Hilfe eines Screenreaders funktioniert. Heute berichtet er über das Bloggen eines Nischen-Themas. „Gehst Du ins Kino?“, fragten meine Mitschüler. In der Uni hieß es: „Kannst Du die Referatstexte lesen?“ Und heute im Beruf: „Kann ich Ihnen E-Mails schicken?“ Fragen beantworten ist für blinde Menschen Alltag. Und häufig sind die Fragen Auftakt zu einem spannenden Erfahrungsaustausch. Für mich als PR-Fachmann sind Dialog und Schreiben alltäglich. Warum nicht das Medium Blog nutzen, um bemerkenswerte Ereignisse aus meinem Beruf und meiner Freizeit zu berichten? Seit Februar 2008 schreibe ich bei Blind-PR. Nachdem ich mich in die Blogger-Seite eingearbeitet und die Layout- und Veröffentlichungsbarrieren überwunden hatte, konnte es mit einigen HTML-Grundkenntnissen losgehen. Ich schreibe und verlinke. Die für Blogs häufig zentralen Fotos fallen aber weg. Selbst wenn ich geeignete Bilder für meine Artikel hätte, könnte ich kaum beurteilen, ob sie optisch passend eingebunden sind. Die Besucherzahlen steigen. Nachfragen zu Artikeln erreichen mich per Mail. Einige treue Leser kommentieren hin und wieder. Dennoch – das gilt in der Presse, im Radio, im TV und im Internet – die Themen Blindheit und Sehbehinderung sind Nischen-Themen. Zum Glück ist in der Blogosphäre Platz für jede Nische.

Ganz unterschiedliche Sehbehinderte und blinde Blogger schreiben im Netz. Da sind der scharfzüngige Professor, der blinde Programmierer und Accessibility-Fachmann, die taubblinde Globetrotterin und die Augen-Community der Blindfisch-Blogger. Und was ist mit den blinden und sehbehinderten Menschen, die spannende Geschichten erleben, aber kein Blog haben? Für sie gibt es die Blogpatenschaften. Die Idee: Soziale Projekte oder Randthemen können mit Hilfe engagierter Blogger eine breitere Öffentlichkeit bekommen, indem sie von schon gewachsenen Vernetzungsstrukturen profitieren. Parallel dazu können sie ihre eigenen Blogs und Twitter-Accounts aufbauen. Mein Fazit: Blogs sind eine Chance, den Austausch zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen im Internet anzustoßen. Nutzen wir sie. Foto: Michael Maier. Über den Autor Heiko Kunert (32) ist Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg. Er ist mit sieben Jahren durch einen Tumor erblindet. In seinem Blind-PR-Blog schreibt er über seine Arbeit als blinder PR’ler und das ganz normale Leben in Hamburg. Im dritten Teil seiner Blogpiloten-Reihe berichtet er über das Web 2.0 in der Arbeit von Blinden- und Sehbehindertenvereinen.

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June 10 2009, 10:26am

Blind im Web: Blogs als Chance

In einer kleinen Serie stellt Heiko Kunert das blinde Netz vor. Im Beitrag “Blind im Web: Ein Stück Normalität” welche Rolle das Web im Leben blinder Menschen bzw. Menschen mit einer Sehschwäche spielt und wie die Orientierung im Web mit Hilfe Screenreader u.a. funktioniert. Heute berichtet er über das Bloggen eines Nischen-Themas. „Gehst Du ins Kino?“, fragten meine Mitschüler. In der Uni hieß es: „Kannst Du die Referatstexte lesen?“ Und heute im Beruf: „Kann ich Ihnen E-Mails schicken?“ Fragen beantworten ist für blinde Menschen Alltag. Und häufig sind die Fragen Auftakt zu einem spannenden Erfahrungsaustausch. Für mich als PR-Fachmann sind Dialog und Schreiben alltäglich. Warum nicht das Medium Blog nutzen, um bemerkenswerte Ereignisse aus meinem Beruf und meiner Freizeit zu berichten? Seit Februar 2008 schreibe ich bei Blind-PR. Nachdem ich mich in die Blogger-Seite eingearbeitet und die Layout- und Veröffentlichungsbarrieren überwunden hatte, konnte es mit einigen HTML-Grundkenntnissen losgehen. Ich schreibe und verlinke. Die für Blogs häufig zentralen Fotos fallen aber weg. Selbst wenn ich geeignete Bilder für meine Artikel hätte, könnte ich kaum beurteilen, ob sie optisch passend eingebunden sind. Die Besucherzahlen steigen. Nachfragen zu Artikeln erreichen mich per Mail. Einige treue Leser kommentieren hin und wieder. Dennoch – das gilt in der Presse, im Radio, im TV und im Internet – die Themen Blindheit und Sehbehinderung sind Nischen-Themen. Zum Glück ist in der Blogosphäre Platz für jede Nische. Ganz unterschiedliche Sehbehinderte und blinde Blogger schreiben im Netz. Da sind der scharfzüngige Professor, der blinde Programmierer und Accessibility-Fachmann, die taubblinde Globetrotterin und die Augen-Community der Blindfisch-Blogger. Und was ist mit den blinden und sehbehinderten Menschen, die spannende Geschichten erleben, aber kein Blog haben? Für sie gibt es die Blogpatenschaften. Die Idee: Soziale Projekte oder Randthemen können mit Hilfe engagierter Blogger eine breitere Öffentlichkeit bekommen, indem sie von schon gewachsenen Vernetzungsstrukturen profitieren. Parallel dazu können sie ihre eigenen Blogs und Twitter-Accounts aufbauen. Mein Fazit: Blogs sind eine Chance, den Austausch zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen im Internet anzustoßen. Nutzen wir sie. Über den Autor Heiko Kunert (32) ist Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg [http://www.bsvh.org]. Er ist mit sieben Jahren durch einen Tumor erblindet. In seinem Blind-PR-Blog [http://blind-pr.blogspot.com] schreibt er über seine Arbeit als blinder PR’ler und das ganz normale Leben in Hamburg. Im dritten Teil seiner Blogpiloten-Reihe berichtet er über das Web 2.0 in der Arbeit von Blinden- und Sehbehindertenvereinen.

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June 5 2009, 10:26am

Klartext: Was ist ein politisches Blog?

Markus Beckedahl (netzpolitik.org) erklärt im Klartext-Video: Was ist ein politisches Blog?

Weitere Erklärvideos gibt’s in der Kategorie Klartext.    Verwandte Artikel

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Sechzig Grad: Blogroman mit Romanblog

Sehr meta, aber durchaus spannend: Sechzig Grad, ein Roman in Blogform, der live im Netz entsteht. Karen Wiborg, sonst PR-Beraterin, legt den Schreibprozess ihres ersten Buchs komplett offen, postet jedes Kapitel direkt nach dem Schreiben, diskutiert mit Lesern. Im Romanblog zum Blogroman teilt sie zudem ihre Erfahrungen beim Schreiben mit. Wie gesagt, sehr meta. Doch entsteht der Roman nicht nur online, Karen ist auch ansonsten sehr umtriebig in der Web 2.0-Szene. Twitter dürfte da eher Pflichtprogramm sein, der Besuch eines (virtuellen) Social Web Breakfasts und der Cebit zeigen echtes Interesse an der Onlinewelt. In der Webciety-Area der Cebit stand uns die Autorin Rede und Antwort.

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March 13 2009, 8:00am

Roccatune jetzt als Musik-Widget

Kostenlos und legal Musik gibt es bei Roccatune schon länger. Bislang war das auf die Website roccatune.com beschränkt. Das ändert sich jetzt: Mit dem neuen Roccatune-Widget können Roccatune-Songs auch auf deinem Blog eingebunden werden. Auch hier gilt natürlich: alles völlig kostenlos und legal. Roccatune sagt: Hier entsteht natürlich ein großer Mehrwert für Eure User, denn jeder Titel kann auch bei Euch in voller Länge abgespielt werden. Mit unseren Content Modulen und unserem Player müsst Ihr keinen Vertrag mit Rechteinhabern (z.B. Labels und Urheber) abschließen. Somit entstehen Euch auch keine Lizenzgebühren, diese übernehmen wir. Konkret bedeutet dies: Wir finanzieren einen Mehrwert für Eure Seiten und Blogs. Das Widget wird im Blog eingebunden, der Player selbst öffnet sich zunächst aus rechtlichen Gründen in einem neuen Fenster. Wie das Ganze dann in der Praxis aussieht, zeigt @sachark, Pressesprecher von Roccatunes in seinem Blog. Feine Sache!

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