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Die Social Blase im Web

Es kursieren enorme Zahlen durch die Welt der Medien, wenn es um den bevorstehenden Börsengang (IPO) von facebook geht. Allerorten tauchen dann Experten auf, die von solchen Wetten an der Börse abraten. Ältere Semester verweisen auf das bereits erlebte Platzen der ersten Web-Blase vor 10 Jahren. Aber vor 10 Jahren waren noch nicht solche Summen im Markt. Denn seit der Finanzkrise investieren Banken nicht mehr, indem sie Firmen und Staaten mit Schulden überhäufen. Es gibt daher Fantastilliarden freien Kapitals, und das muss einer Vernichtung zugeführt werden, sonst platzt das System. Die Motive liegen etwas weiter zurück…

Diese Vernichtung des Kapitals sind die besagten Blasen als Gegenentwurf zum Krieg, in dem Milliardengewinne auf Kosten von vernichteten Menschenleben eingefahren werden. Im Normalfall wird all das akkumulierte Geld der privaten Anleger fein säuberlich auf viele Risiken verteilt. Da es aber viele Banken und viele Anleger sind, kommen so eben auch Unsummen zusammen auf Punkten wo viel Geld schon gereicht hätte. Auf diese Weise machen viele Anleger aus 100.000 EUR in wenigen Jahren 70.000 EUR oder weniger (siehe Telekom etc.). Da sie jedoch aufgrund der Streuung ihrer Kapitalberater auch in weniger riskanten Geschäften ihr Geld anlegten, kommen sie insgesamt mit einem leichten Plus aus jeder Dekade. Die Tatsache, dass Microsoft 8,5 Milliarden Dollar für Skype hinlegt, um sein Windows Phone 7 an den Mann zu bringen, ist zumindest eine humorige Managerentscheidung, die ein deutliches Zeichen für die Verzweiflung ist, die in Redmond herrscht angesichts der Angriffe aus der cloud. Einige Kapitalgeber haben aber durch diesen Deal wieder soviel Geld verdient, dass sie das neue Kapital schnell wieder in startups und Beteiligungen investieren müssen. Neben all den frei flottierenden Geldern, die gerade nicht in die Industrie, den Mittelstand und die Forschung fließen, machen die Milliarden der Venture Capitalists und Business Angels aber nur einen kleinen Teil aus. Die Idee hinter dem Run auf Zukunftstechnologien wie Windkraft, Photovoltaik oder eben Internet ist aber nicht Kalkül sondern ein Mißverständnis: Man verwechselt Zivilisation mit Sicherheit. Dazu Alfred North Whitehead (Science and the Modern World, S. 207): “Die wohlhabende Mittelklasse, die das 19 Jahrhundert regierte, legte einen übertriebenen Wert auf die Gesichertheit der Existenz [...] {Wir sehen das heute wieder in den Begriffen “gesunde Ernährung” und “Nachhaltigkeit”}. Der Mittelklassepessimismus, die Zukunft der Welt betreffend, entstammt der Verwechslung von Zivilisation und Sicherheit. In der unmittelbaren Zukunft wird es weniger Sicherheit als in der unmittelbaren Vergangenheit geben, auch weniger Stabilität. Auch muss man zugeben, dass es einen Grad der Unsicherheit gibt, der sich mit Zivilisation nicht verträgt. Doch im ganzen gesehen, waren die großen Zeitalter unsichere Zeiten.“

Es ist also gut möglich, dass sowohl die Investoren als auch die Skeptiker an derselben Brust saugen: Dem Unvermögen, unsicheren Zeiten gelassener entgegen zu sehen.

June 14 2011, 9:26am

Die Intuitionspumpe “Filter Blase”

Auf der TED Longbeach im März 2011 hat Eli Pariser für Furore gesorgt: Vor versammelter Webprominenz forderte er Sergey Bring und Larry Page von Google auf, die Algorithmen der Ergebnispräsentation ihrer Websuche kontrollierbar zu gestalten. Denn er hatte festgestellt, dass die Personalisierung der Suchergebnisse anhand früherer Klicks zu einer einengenden Weberfahrung führen soll. Denn Webfirmen wie Google und Facebook beobachten sehr genau welche Links man klickt und welche man links liegen liegen lässt. Anhand des eigenen Verhaltens auf diesen Websites ordnen Google und Facebook die Inhalte zukünftig genauso wie es aus Sicht der erkannten Präferenzen für uns am wahrscheinlichsten ist, dass uns Inhalte interessieren könnten. Ein ähnliches Verfahren kennen wir von den Einschaltquoten. Auch dort wird das tatsächliche Sehverhalten der TV-Zuschauer gemessen und dann werden sogenannte Programmschienen etabliert, die die Bedürfnisse der Zuschauer besonders gut erfüllen sollen. Das Ziel ist natürlich ein hohes Ranking bei den Einschaltquoten, zum einen um mehr Werbung zu verkaufen und zum anderen, um den Verantwortlichen Argumente an die Hand zu geben, von Erfolg oder gutem Journalismus zu sprechen. Die Printwelt der Zeitungen und Zeitschriften kennt Ähnliches aus dem Umfeld er Copytests. Im allerdings geschieht all dies ständig und in Echtzeit, sodass eine Änderung des eigenen Klickverhalten auch Auswirkungen auf die zukünftige Präsentation der Inhalte bei Google und Konsorten hat… Eli Pariser nun bastelt aus diesem Umstand eine Diskussion um Relevanz. Anders als das unterkomplexe Gefasel um Algorithmen wie wir es von Fritze Schirrmacher oder Mercedes Bunz erlebt haben, steigt Pariser sofort in Ring: Er beschreibt die “Filter Blase” als ein Informationsuniversum, dass uns das personalisierte Web präsentiert. Anders als Clay Shirkys hohes Lied auf das Filtern der Informationsflut im Web, hebt Pariser damit direkt auf die Idee ab, dass die Entwickler der Personalisierung anhand von mehr als 50 Parametern wie Monitorgröße, Browsertyp, Ort, bisher besuchten Websites und vielem mehr eine Vorstellung von Relevanz in Software gießen, die uns nicht gut tut, weil sie ständig unsere Erwartungen erfüllt und uns nicht mit herausfordernden und neuartigen Ideen in Kontakt bringt. Das Web wird mithilfe der Personalisierung daher aus seiner Sicht zu einem Haufen von Informationen, die sich dauernd selbst bestätigen. Content-Aggregatoren, Suchmaschinen und Soziale Netzwerke verhelfen uns also zu einem autistischen Surferlebnis im weltweiten Netz mit unsichtbaren Grenzen, den eigenen Vorurteilen und Vorlieben. Zum Glück hat auch Eli Pariser erkannt, dass es Ausnahmen gibt, zum Beispiel Wikipedia. Der zweite Teil seiner Idee ist interessant, denn er vergleicht Journalisten, die früher für uns die Inhalte sortierte und angepasst hatten, mit den Algorithmen der Personaliserung. Er bewertet die Journalisten als die bessere Lösung der Filterung, da nur sie eine ethische Bewertung vornähmen. Dass diese ihrerseits durch weltanschauliche Vorgaben der Herausgeber gebunden sind bzw. durch vorauseilenden oder nachgeschaltetem Gehorsam gegenüber Anzeigenkunden, ist bei ihm noch nicht angekommen. Aber eines müssen wir dieser Diskussion entnehmen: In Zukunft kann nur ein Mix aus beiden Welten eine sinnvolle Strategie sein, um Menschen und Inhalte sinnvoll zusammen zu bringen. Insofern verwundert es auch nicht, wenn in diesem Kontext der Begriff “curation” auftaucht. Denn genauso wie ein Kurator die Kunstwerke einer Ausstellung unter einem Thema zusammenfasst und den einleitenden Katalogtext schreibt, um seine Wahl zu erklären, könnten auch Magazine und Zeitungen Dossiers erstellen mit Fremdtexten und in der Einführung transparent die Auswahl erklären. Leider erfüllt in Deutschland aktuell keines der großen Qualitätsmedien den humanistischen Auftrag der Objektivität durch Transparenz. Denn weder die FAZ-Stiftung noch die Eigentümer der BILD-Zeitung oder der ZEIT erklären, die Grundlagen auf denen sie offensichtlichen Tendenzen ihre weltanschaulich-volksdidaktischen Tätigkeit als Inhalteverbreiter darlegen. Jeder weiß, dass sie die Produkte ihrer subalternen Schreiberlinge nur dann veröffentlichen, wenn sie Bestimmtes subtil bejubeln und dafür Anderes grandios abstürzen lassen. Die Einflussnahme auf politischer Ebene ist immens. Wenn man bedenkt, dass größte Teil der im Web veröffentlichten Inhalte mit weit über 80% aus Agenturmeldungen besteht, und die Verleger es geschafft haben auf dem Boden dieser Tatsache eine Leistungsschutzrechtdebatte zu etablieren, die die Rechte der Autoren und Verlage im Web sichern soll, dann wird offenbar, warum die Relevanzdebatte nicht nur eine technische Komponente hat, sondern warum Relevanz immer dann in das Reich des Web verschoben wird, wenn die Relevanz für die Lebenswelt echte geldwerte Vorteil bereit hält. Pariser scheint so intensiv auf Google abzuheben, dass man den Eindruck gewinnen kann, auch er schreibt im Rahmen einer Agenda, die Verleger vorgegeben haben. Denn bei allem wissenschaftlichen Anstrich, den er sich gibt (wir hatten diese pseudowissenschaftliche Aneinanderreihung von “harten Fakten” schon bei Schirrmacher erlebt) versagt beim völlig die Klärung des eigentlichen Untersuchungsgegenstandes. Ein kardinaler Fehler für jemanden, der sich wissenschaftlicher Methoden zu bedienen scheint (auch hier wieder eine Parallele zu Schirrmacher). Alfred Schütz hat ein sinnvolle Aufteilung der drei Aspekte der Relevanz geliefert: Die thematische Relevanz ist der Ausschnitt der Welt, dem ich mich zuwende. Auf diese Weise macht der Mensch sich etwas aus der Wirklichkeit zu eigen. Er entwertet auf diese Weise den Rest zum Hintergrund. Dies ist eine Leistung der aktiven Differenzierung, des Hervorhebens. Esoterische Lehren bezeichnen dies als Achtsamkeit und Hinwendung. Die Interpretationsrelevanz ist das aktive Heraussuchen einer Schablone (einer Typisierung) aus meinen Erfahrungen und dem Wissenshintergrund, der sich in meinem Leben gebildet hat. Auf diese Weise kann ich herausfiltern, was vertraut und was fremd ist. Der dritte Aspekt ist der Bereich einer motivationalen Relevanzstruktur. Hier geht es um die Zukunft. Der Mensch entwirft eine Um-Zu-Struktur, die er einen Plan nennt. Damit kann der Mensch seine Selbstbeobachtung mit einer Art Handlungsrahmen zu seiner Perspektive machen. Er tritt aus sich heraus und legt vor sich selbst Rechenschaft ab, dies ist der Teil der Relevanzstruktur, der – aus meiner Sicht – am weitesten vom Selbst entfernt ist. Er findet in einer objektivierenden Sprache statt. Dieser Teil ist es auch, der in vielen psychopathologischen Theorien und Methoden als innere Stimmen oder ähnliches bezeichnet wird und bei den unzähligen Motivationstrainern für sprudelnde Einnahmen sorgt. Denn die Legende geht, dass man dann vorwärts kommt, wenn man seine Motivation aktiv beeinflussen kann. Quelle

Wer das Werk von Alfred Schütz liest, dem wird offenbar, dass wir Menschen ständig in unserem Umfeld dazu neigen andere als Repräsentation bestimmter Typen wahrzunehmen, die wir durch unsere Erfahrungen bilden. Wittgenstein oder Polanyi sprechen in diesem Umfeld vom Hintergrund des Wissens oder dem impliziten Wissen, das uns nicht bewußt zugänglich ist, da es eben durch seine Filterfunktion die aktuellen Gegebenheiten in Hintergrund und Vordergrund trennt. Das was wir schon irgendwie kennen, suchen wir nach Differenzen ab. Das, was wir überhaupt nicht einordnen können, fällt durchs Raster. Was Eli Pariser also am Personalisierten Web kritisiert passiert exakt genauso in uns. Wir sind uns unserer Filter gar nicht bewußt, denn sie sind Ergebnis der jeweils individuellen Geschichte. Genau diesen Vorgang bilden die Algorithmen ab. Es wäre schlau, wenn wir endlich anfangen würden, und Wissen, Erfahrungen und Fakten als das einzuordnen, was sie tatsächlich sind: Es sind Gestelle und Geländer auf freiem Feld. Sie verstellen uns den Zugang zur Welt. Das ist im Web so und im realen Leben. Wenn Pariser fordert, dass wir die Algorithmen bei Google selbst beeinflussen sollen, in dem wir Parameter zum Anklicken bekommen, die unsere Suchergebnisse verändern, dann sollte er eines klar vorraussetzen: Dies klappt nur, wenn Demokraten einen aufmerksamen Umgang mit den Argumenten von Monarchisten und Anarchisten pflegen, wenn Konservative die Argumente von Liberalen oder Sozialisten achten, wenn Reiche die Probleme der Armen ernst nehmen und umgekehrt. Pariser fordert damit einen Respekt vor dem Fremden ein, den wir bewundern können. In Wirklichkeit bedient er sich aber eines Tricks: Er verwendet eine sogenannte Intuitionspumpe: Mit der Beschreibung der Bevormundung des mündigen Webnutzers bedient er sich einer weit verbreitete Ansicht der Leute über Google und Facebook, um eine Nachricht einzupflanzen, die so nicht real ist: Wir haben prinzipiell einen neutralen Zugang zu Informationen. Diese Prämisse ist falsch. Denn wir können auch ohne böses Google und auch ohne tendenziöse Verleger keine Information neutral oder objektiv erfassen, da wir alles immer vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen filtern. Und so verwundert seine Quintessenz auch nicht: Gute Redakteure und Journalisten können uns mit Inhalten füttern, die wir so nicht erwartet haben. Und aktive gewendet rät er uns, ständig unsere Gewohnheitn zu ändern, damit wir im Netz alles vorgesetzt bekommen, was angeboten wird – auch und gerade Unerwünschtes, Herausforderndes und Revoltionäres aus Sicht unseres Selbstverständnisses. Aber ist dieses Fazit nicht im eigentlichen Sinn extrem banal? Wir sind Sklaven unserer Gewohnheiten – und das ist im Netz nicht anders.

May 24 2011, 10:15am

Haque platzt: Social Media Bubble

Seit zwei Tagen glühen in den USA die Drähte. Umair Haque, den geneigten Lesern der blogpiloten bereits bekannt als Direktor und Vordenker des Havas Media Lab und seines Zeichens Großblogger beim Harvard Business Review hat mal wieder seine Lieblingsmetapher (bubblegeneration) an die Projektionsfläche unser aller Lieblingsdiskussion gepinselt. The Social Media Bubble.

In dem Text vergleicht er die Inflation dünner Verbindungen mit allerlei Menschen per Social Media mit der Subprime-Krise und deren unterdurchschnittlichen Krediten. Aus seiner Sicht sind diese Online-Bekanntschaften eher eine Illusion echter menschlicher Bindungen, die auf gemeinschaftlichem Handeln und Erleben beruhen. Die Bindungen im Social Media Land basieren nicht auf gegenseitigem Investment von Zeit, Wissen und Beachtung und sind aus Sicht von Haque somit defiziente Formen menschlicher Bindungen – wenn überhaupt.

Die Gründe für diesen Abgesang auf die Online-Verbindungen sieht er darin, dass trotz oder wegen der Inflation der Verbindungen das Vertrauen kaum gewachsen ist. Die Gesellschaft sieht er durch diese neue Art der Bindungen nicht im Vorteil. Außerdem ist das Netz angetreten, die ehemaligen Türsteher der Macht zu demokratisieren. Aber diese Entmachtung der ehemaligen Gatekeeper ist nicht nachzuweisen. Aus seiner Sicht ist das Vorhaben, die Mittelsmänner und Broker auszuschalten gescheitert. Dies wird erweitert durch eine Einschätzung, die dem Mob-Argument von Jaron Lanier sehr nahe kommt, denn mit Verweis auf die Kommentar-Kultur im Web erklärt er die dort vorherrschende Sprache zu etwas, das einem Schuß im Vorbeifahren näher kommt als einem Angebot zum Dialog. Er erklärt dies durch das menschliche Verhalten des Zusammenrottens Gleichgesinnter, die stetig dieselben Überzeugungen durch ihre gemeinsame Wahrnehmungen bestätigt sehen und damit einen hermetisch geschlossenen Raum der Bedeutung bilden. Und den Abgrund seiner Argumentation bildet Haque mit dem Gedanken, dass man den mangelnden Wert der Online-Beziehungen vor allem darin sehen kann, das eigentlich niemand – vor allem nicht die Werbeindustrie – bereit sind dafür etwas zu bezahlen.

Und offenbar ist das noch nicht genug, denn er überschreitet diesen Abgesang noch mit einer Einschätzung der Online-Relationen: Menschen erkennen seltener, was sie selbst wollen und brauchen, da sie sich auf die Empfehlungen der Bekannten und Online-Freunde verlassen. Menschen investieren Lebenszeit in niederen Content, sodass sie Farmville höher bewerten als den Klassiker Casablance mit Humphey Bogart. Hier sei mir der Einwurf erlaubt, wie man denn gemeinsam an dem Film gestalten könnte, was offenbar der Reiz bei Farmville ist, dass man in Konkurrenz zueinander und auch gemeinsam seinen Hof bewirtschaften kann. Es ist eine Simulation und damit ein Geschehen, das aufgrund der eigenen Aktionen eine Änderung erfährt, was durch den sozialen Charakter des Spiels als Teil des Facebooks-Netzes zum Vergleichen und Kommunizieren über das Erreichte anreizt. Achtung Anerkennun! Wo bitte kann ich mich im Film mit Kollegen über meinen Einfluß auf das Drehbuch oder den Szenenbau auseinandersetzen und Tipps austauschen. Was soll also so ein Vergleich bedeuten? Aber er setzt nocht einen drauf und vergleicht sowohl den Film als auch Farmville mit Kiva, einem beispielhaften philanthropischen Online-Projekt für Mikrokredite wie auch ashoka, die beide als Vorbilder für das hierzulande besser bekannte Nachahmerprojekt betterplace.org diente.

War der Text schon vorher voller einseitiger, man kann fast sagen frustrierter Liebe zum Web, die in Abscheu umzuschlagen droht, wird es an dieser Stelle schlicht dumpfer Quatsch auf dem geistigen Niveau der Schirrmacher-Debatte. Es werden Dinge verglichen, die verschiedenen Kategorien angehören, um ein emotional aufgeladenes Ressentiment eher schlecht als recht zu begründen. Man kann und sollte all diesen Diskussionen rund um die Potenz des Social Media mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen, wie sie jeden nachmittelalterlichen Menschen schmückt. Aber wenn man die einstigen Lobreden auf die demokratische Potenz des Web 2.0 mit einer solchen Vehemenz negiert, dann wir mir mulmig und ich fordere instinktiv die aristotelische Mitte. Er hat schon Recht, wenn er feststellt, dass die Suche (oder Sucht) nach möglichst vielen Online-Kontakten in den Sozialen Netzwerken alle schlechten Eigenschaften eines Schönheitswettbewerbs zur Folge hat, aber schlicht in den Raum zu werfen, es ging nur um Vertrauen, echte Bindung und echte Gemeinschaft, überbietet diese platten Wettbewerbe in keiner Weise intellektuell oder menschlich.

Umair Haque hatte sich in letzte Zeit schon bei der einen oder anderen Veranstaltung mit seinem Konzept des konstruktiven Kapitalismus etwas verrannt – hier ist er aus meiner Sicht an irgendeiner Bushaltestelle zu früh abgebogen und ist dem süßen Duft des Weinbrands der vorschnellen Enttäuschung erlegen. Schade, wieder einer weniger.

March 25 2010, 11:22am

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