Lifestream » 2011

Spanien: Wir werden viele Puertas del Sol sehen

Der spanische Philosophieprofessor Carlos Fernández Liria (geb. 1959 in Zaragoza), Philosoph, Schriftsteller, Drehbuchautor und Essayist bezieht Stellung zu den Gründen der spanischen Revolution. Er sieht sie als eine der Folgen des Katastrophen-Kapitalismus, die überall auftauchen…

Ich bin der Meinung, dass die gegenwärtige Krise Teil einer anderen, weiterreichenden Krise ist. Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Kapitalismus immer wieder nach Wegen gesucht, um die Sackgasse seines Wirtschaftssystems zu durchbrechen, ein System, das gezwungen ist zu wachsen und anzuhäufen – und dies auf einem begrenzten Planeten, auf dem sich Energieressourcen und Rohstoffe immer mehr erschöpfen. Der Kapitalismus kann seine Gewinne nicht mehr aufrecht erhalten, ohne den Wirtschaftsprozess zu beschleunigen. Aus diesem Grund begann er in den 80er Jahren eine Revolution gegen die ärmsten Klassen des Planeten. Es war jene Zeit, wo der Staat sich von der Wohlfahrt zu verabschieden begann und der Mittelstand proletarisiert wurde. Danach ergriff das Finanzkapital die Flucht nach vorne, und es begann das, was Naomi Klein den Katastrophen-Kapitalismus nannte. Der Kapitalismus kann nicht mehr nur keinen Wohlfahrtsstaat mehr hinnehmen, sondern nicht einmal mehr eine Gesellschaft, die diesen Namen verdient. Er funktioniert besser unter den Bedingungen verbreiteter sozialer Verwüstungen, wie zum Beispiel im Irak. Was Galbraight die Revolution der Reichen gegen die Armen genannt hat, führt zu einem verwüsteten Planeten, und zwar sowohl in sozialer wie in ökologischer Hinsicht. Wir stehen an einem Abgrund, doch die einzige Lösung des Kapitalismus für die Probleme des Kapitalismus ist mehr Kapitalismus, das heisst, der Vorgang, der uns in eine nie dagewesene menschliche Katastrophe stürzen wird, beschleunigt sich noch. Es wird überdeutlich: Nach einer Million Jahren der Existenz und vierhundert Jahren Kapitalismus steht der Mensch an einem Punkt, wo er den Planeten zerstört. Der Kapitalismus dauerte kaum einen Augenblick, einen Lidschlag, und doch erweist er sich bereits als selbstmörderisch. Letztlich ist, was in Spanien passiert, irgendein Kapitel in diesem Panorama. Wir werden in naher Zukunft viele Puertas del Sol, viele Qasbas und viele Tahir-Plätze sehen. Die Völker werden sich dem Kampf stellen und sich gegen diesen Wahnsinn, diese Schurkerei wehren. Und so schätze ich die „Spanische Revolution“ und die Wahlresultate ein: Alles weist darauf hin, dass sich die Begrifflichkeiten umgedreht haben: Die Systemgegner auf der Puerta del Sol sind in Wahrheit Systembewahrer, unter anderem indem sie den Planeten bewahren wollen. Auch wollen sie den Gemeinsinn bewahren, die Menschenwürde, die Besonnenheit, die Vorsicht. Jene, welche bei den Wahlen massenhaft für die PP [Partido Popular] gestimmt haben, sind hingegen die Verfechter der neoliberalen Revolution, der grausamsten, zerstörerischsten und radikalsten Revolution, die je in der Geschichte stattgefunden hat. Man muss sie aufhalten, diesen Unsinn, diesen Wahnsinn stoppen. Immer mehr Menschen sehen das so. Und deshalb, denke ich, wird man nach diesem Sommer feststellen können, dass die „spanische Revolution“ erst ganz am Anfang steht.


Autor:Carlos Fernández Liria (geb. 1959, Zaragoza), Philosoph, Schriftsteller, Drehbuchautor, Essayist und Philosophieprofessor. Titularprofessor am Departement für Metaphysik und Erkenntnistheorie der Philosophischen Fakultät der Universidad Complutense in Madrid. Während der 80er Jahre arbeitete er als Drehbuchautor beim Fernsehen. Neben seiner Lehrtätigkeit als Philosophieprofessor hat er verschiedene Bücher zu Sachgebieten wie Philosophie, Anthropologie und Politik veröffentlicht. Sie werden sowohl in Spanien wie in Lateinamerika gelesen. Ferner ist er Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften und digitaler Medien wie Gara, Público, die Zeitschrift Archipiélago und anderen. Der Originaltext kann auf dem Blog La pupila insomne eingesehen werden. Besten Dank an Iroel Sánchez Espinosa!

Crospost von walbei

June 6 2011, 10:00am

eG8: Keynote Lawrence Lessig

In Paris hat Lawrence Lessig letzte Woche die Keynote gehalten für den seltsamen Event rund um Sarkozy und das “demokratische” Web. Hier der Vortrag in der gewohnten Lessig-Art, also Slides der Präsentation plus seinen Vortrag aus dem off.

June 1 2011, 9:30am

Check-In: Realität oder Syndrom?

Weitgehend unter Ausschluß europäischer Wahrnehmung gab es vor 10 Tagen eine Konferenz zum Themenfeld Socialmedia und Location-Based-Services namens socialloco (loco ist übrigens das spanische Wort für verrückt, den eingeweihten Lesern aus dem Kunstwort cocoloco bekannt). Social-Loco will dive into social and mobile web convergence, and what that means for SMB, big brands and consumers. Anläßlich dieser Konferenz kam es zur Publikation folgender übersichtlicher Rieseninfografik zum Themenkomplex, das ihr erst zweimal anklicken solltet, damit es in voller Pracht erscheint…
Quelle: beyond (bynd.com)

May 17 2011, 10:25am

Statistik: Social Media in Deutschland 20100

Lange hat es gedauert, bis mal wieder ein amtliche Infografik für all Statistiker verfügbar war zum Thema Social Media im Jahr 2011. Es mussten ja auch ein paar Tage ins Land gehen. Nun aber ist es soweit:

Quelle: cocomore

May 11 2011, 9:50am

Prof. M. Haase über Freies Wissen & Wikipedia

Auf der re:publica11 hat uns Prof. Martin Haase seine Ansichten zu Wikipedia und freiem Wissen im Netz erklärt.

April 18 2011, 10:15am

re:publica11: Digital Gesellen schaffen

Auf der re:publica in Berlin geht es immer um das Ganze: den Menschen, am besten in Gruppen, in großen Gruppen – die größte Gruppe ist die Gesellschaft, zumindest dort wo es keine nationalen Grenzen gibt, im Internet. Was die Gesellschaft ist, das ist keinem so ganz klar. Es sind zumindest deutlich mehr als nur mehrere Menschen…

Vom Ich zum Wir? Heutzutage ist es offenbar wichtig, dass man sich in Gesellschaftstechnik auskennt. Mein man es ernst, man macht auf Gruppenhydraulik oder Systemtheorie. Ewiggestrige – vornehmlich aus Frankfurt – finden “det janze Jetue mit die andern” vor allem entfremdend. Eines Tages hatte das nabelschausüchtige Ich, das sich schon im 19 Jahrhundert aus dem Kokon der Selbstsucht durch die Liebe befreien wollte, keinen anderen Ausweg mehr gefunden als in den Anderen bzw. die Andere: Bei Rilke waren es noch die Liebenden, die seitenweise zum Zentrum der Welt wurden. Dann wurde dem geneigten Modernisten klar, dass er sich die Welt nur aneignen kann, wenn dort vieles vorstellbar ist. Heute nennt man as gerne das Ganze. Also am besten gleich alles, was nicht die Physik mit ihren Gesetzen durchlöchert. Dann kam das Internet und nun haben wir den Salat. Denn der Mensch hat – anders als andere Tiere – gleich den gesamten Globus bevölkert. Dann kam der Markt. Beides zusammen markiert der Begriff Globalisierung. Das aber ist vielen zu groß. Also geht man einen Schritt zurück in die Kategorie der Funktionen. Schrift: Die Wir-Funktion Die besondere menschliche Adaptationsfähigkeit in alle Regionen der Welt zu leben, könnte eigentlich reichen als unique selling point (USP) der humanoiden Primaten. Aber nein. Seit einigen Jahrzehnten muss nun die Sprache als das Kulturwerkzeug schlechthin herhalten. Weder die Axt, noch Rad oder gar die Dampfmaschine haben einen derart hohen Stellenwert behaupten können über die Jahrhunderte. Die Sprache selbst gehört aber seit den Tagen des Pergaments – also der Speicherung als Schrift – den langweiligen Geisteswissenschaftler, nun hat man sie einfach in Wissenspakte gebündelt und stapelt sie auf Servern. So ist die Sprache eingefroren worden und in großen Blöcken ins Tiefkühlfach namens Internet für spätere Untersuchung zwischengelagert. Dort kann man sie in Textform herrlich als Ware umetikettieren. Und wie verbindet man die Text und die Menschen sinnvoll? Der Geniestreich, aus verstreuten Bibliotheken eine weltweite Zentralbibliothek mit Lichtgeschwindigkeit zu machen, veranlasst vermeintlich rührig auftretende Mathematiker (Gunter Durck) auf der Web-Konferenz re:publica dazu, diesen Speicherort als (System- oder gar Funktions)-Grundlage für etwas zu betrachten, das nach all den Jahren der bahnbrechenden Erfindungen noch immer nicht erschöpfend erklärt werden kann: die Gesellschaft. Aus Sicht seines Arbeitgebers IBM wäre das ein tolle Sache. Was aber ist dieses Gesellschaftsdings? Ein Ganzes? Eine Schnittmenge? Ein allumfassendes wie Nation? Oder einfach eine Senke in die die Texte aus den Quellen absinken, wenn die Herren der Server und Leitungen dies erlauben (siehe Gas- und Stromnetze)? Diese Gesellschaft sollen wohl einfach wir alle sein. Plus ein paar Migranten, die nett sind und eine brauchbare Ausbildung haben, ein paar Irre, die in Krankenhäusern wohnen, Millionen von grillenden und mampfenden Arbeitern, die gerne nichts mit dem Web zu tun haben, weil das null entspannend ist nach der Schicht und eben noch all diejenigen, die außer mal eine Mail zu schreiben oder ein Buch zu bestellen keinen Mehrwert im Web sehen. Ach so, dann habe ich noch die vergessen, die ihr Leben in St. Moritz, in Johannesburg oder auf den Malediven genießen, weil andere für sie arbeiten oder gearbeitet haben. Dann wären da noch all diejenigen, die über das Internet lachen, weil da nur Deppen rummachen, die keine Frau abkriegen und diejenigen, die Kinder bekochen, baden und anziehen oder umher fahren. Die meisten von denen, die man auch zur Gesellschaft rechnen kann, die nutzen das Web genauso oft wie ein normaler Mensch eben das Radio oder ein Telefon benutzt. Nebenbei mal. Oder um was jemandem mitzuteilen. Die lernen nicht im Web. Die beteiligen sich auch nicht im Web am Staat. Die müssen nämlich einfach mal ihre Leben auf die Reihe bekommen, was zwischen Kinder abholen, arbeiten, kochen, Männer oder Frauen aufreißen und nach Hause fahren nicht eben viel zeit übrig lässt. Leider hilft ihnen das Internet exakt null bei 95% der täglichen Handlungen. Warum man dann das Ganze als Betriebssystem ausbauen soll, ist mir schleierhaft. Der CTO von IBM Gunter Dueck hält es für sinnvoll. Deshalb teilt er einfach die Menschen in zwei Arbeitskategorien ein. Weil nämlich die Soziologen sich beim B Begriff Gesellschaft nicht wirklich einigen konnten, kann man ja mal beim Begriff arbeitender Menschen ein paar Kategorien einziehen. Also gibt es welche die sich verwirklichen, so ganz im Stil des 18. Jahrhunderts mit romantischer Verinnerlichung und dem Veräußerlichen dieser Empfindungen als Individuation. Dann gibt es da noch die moderne Variante des Menschen als Cyborg, der als verlängerte Maschine einfach die Dampfmaschinen bedienen muss und nur numerisch gilt als Einheit im Effizienzmodell der Tayloristen des 19. Jahrhunderts. Die politische Kaste sei angesichts dieser beiden Modelle und des fehlenden Betriebssystems ganz lächerlich geworden, weil sie ja nur in Marktbedingungen den Menschen sehen kann, nämlich als Besitzenden von Arbeit und Nachfragenden von Arbeit. Außerdem haben diese Politiker eh keine Ahnung von der digitalen Revolution. Aber Rettung naht. Denn mit dem Verein der Digitalen Gesellschaftkann nun erstmals quasi eine postmoderne Initiative Neue Soziale Medienmodernisten (INSM) als Ansprechpartner der Politiker dienen. Ob sie allerdings wie die Investmentbanker die Gesetze, die sie kontrollieren sollten, auch selbst schreiben dürfen, darf bezweifelt werden. Das Problem an der Vereinsmeierei in Zeiten des Web ist das Problem des Dezentralen. Denn Kern des Internet ist ja, dass es keiner Sterntopologie folgt sondern idealerweise alles mit allem verbunden ist. Nun stöhnt ) aber die Netzgemeinde, dass sie mit diesem Verein gar nicht verbunden ist. Wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt, wenn man den Herrn Prokrustes anruft, auf dass er alle gemein mache und zu einem Maß zurechtschnitze. Ob nun ein Verein gar das richtige Mittel ist? Denn Hierarchien wachsen entweder von allein oder werden per ordre mufti erlassen. Im Internet Mufti zu spielen, kann ganz lustig sein. Aber das eine Problem ist, dass zumeist semiprofessionelle Schauspieler diesen Mufti spielen und ihnen nach erreichter Profilgröße nicht selten die Lust abgeht. Das andere Problem ist, dass man im Netz gern Augenhöhe propagiert. Wenn es dann aber um konkrete Ausgestaltung von Ideen und Vorhaben geht, die crowd sich gerne wegduckt und auf den Mufti verweist. Das kann den Mufti sehr schnell ermüden, er lahmt, strauchelt und fällt der Länge nach ins Nest des Marktes, wo er durch allerlei goldene Krücken wieder in die Vertikale gebracht wird. Das aber ist sicher nicht im Sinn der Gesellschaft, weder der digitalen noch der analogen. Nebenbei bemerkt. Ich glaube, dass es keine diskreten Werte in der Gesellschaftstechnik gibt. Sodass eine digitale Gesellschaft in etwa denselben inhaltlichen Rahmen beschreibt wie eine physiologische Fuge oder eine hydraulische Zärtlichkeit. Kurz gesagt: Weder IBM noch anerkannte Berliner Netzexperten werden mithilfe des Netzes eine Gesellschaft modernisieren, die mit unbändiger Beharrlichkeit dem Gott des Kosten/Nutzen-Verhältnisses huldigt. Offenbar brauchen beide eine kleine Lektion Evolution oder spirituelle Nachhilfe…

Fazit: Es ist weder besonders schlau, die Menschen anhand ihres Arbeitstils zu schubladisieren noch ist es hilfreich, einen Verein für Gesellschaft zu gründen. Denn zum einen ist der Mensch des 3. Jahrtausends exakt in diesem Moment dabei sich mittels des Internet und der Globalisierung selbst zu begegnen hinter all den Traditionen und fremden Kulturen und zum anderen ist in diesem Internet im besten Fall eine Plattform greifbar, die die sklerotischen Strukturen eines Vereines überflüssig macht. Einzig die archäologischen Artefakte des 19. Jahrhunderts, die wir als Parteien oder Verbände kennen, wären ein Grund, ähnliche Hierarchien aufzubauen. Aber ähnlich wie der Ruf nach einem (!) Betriebssystem für eine extrem heterogene Gesellschaft (wie technokratisch die Technoliberalen zuweilen sind, ist zuweilen ermüdend) ist auch das Aufbauen einer archaischen Gestalt wie einem Verein nichts anderes als die Hilflosigkeit der alten Welt gegenüber einer tabula rasa. Die Chancen, die im Web liegen sind manigfaltig. Es wäre schön, wenn wir endlich verstehen würden, dass evolutionäre Strategien, die viele Wege gleichberechtigt nebeneinander erlauben, der einzige Weg sind, Heterarchien, Mehrdeutigkeiten, vermeintlich Nutzloses und für den Betrieb bisher Unbrauchbares so lange existieren zu lassen, bis es Anderem Platz macht, dass alte Lösungen, Modelle und Ideen zu Übergreifendem zusammenzufasst. Einsteins Theorien haben nicht einfach alte Fakten neu bewertet. Sie haben ganz neue Perspektiven auf Bestehendes ermöglicht. Insofern geht es nicht um einen Paradigmenwechsel, der durch neue Betriebssysteme und Vereine eingeleitet wird: Es geht darum Syntagmata zuzulassen. Denn erst die mathematischen Hilfestellungen von Einsteins Frau haben seine Theorien in breiten Kreisen verständlich und überprüfbar gemacht. Es kann also sein, dass uns das Internet, bei behutsamem Einsatz und geduldiger Betrachtung der anderen Menschen weltweit neue Perspektiven auf Macht und Nationen verleiht. Das kann unser einengendes Modell des Systems oder der Demokratie vollständig in Luft auflösen und eine übergeordnete Einsicht verleihen – auf den Menschen und sein Zusammenleben. Doch der Anfang dazu ist die Öffnung und nicht die Zähmung und Strukturierung der neuen Chancen.

Photo: click

April 18 2011, 9:51am

#rp11 – worum geht’s?

Heute um 10 ist die re:publica 2011 gestartet. Die einzige deutsche Web-Konferenz mit nennenswerter nationaler Relevanz wächst und wächst. Es kann sein, dass sie den Nerv der Zeit trifft. Es kann aber auch sein, dass die Konferenz immer besser und attraktiver wird. Wahrscheinlich ist beides. Seit einiger Zeit ist der Themenschwerpunkt digitaler Aktivismus zentral. Das hat gute Gründe, denn seit in Afrika das Netz wirklich politisch eingesetzt wird, was seit circa 2008 der Fall ist, haben auch wir ehemaligen Trendsetter der digitalen Welt gemerkt, dass da was geht. Ja, was geht denn da? … Zum einen ist da natürlich die Monitoringfunktion via Web a la ushahidi, die sich letztlich gerade auch in Haiti bewährt hatte. Leider müssen wir feststellen, dass genauso wie beim Tsunami in Südostasien noch mindestens Hunderte Millionen Spendengelder ungenutzt auf den Bankkonten liegen, weil es an der Umsetzung hapert. Es steht zu befürchten, dass Korruption und bürokratische Verschleppung in beiden Fällen den allergrößten Teil der Spendenwilligkeit torpedieren. Damit sind wir beim zweiten Punkt des digitalen Aktivismus: der Partizipation. Hier gibt es nicht nur mit campact sogar nationale Beispiele der funktionalen Verschränkung von online und offline Aktivitäten. Die Partizipation kann sogar durch das einfach Versenden von Informationen bzw. Links ganze Heerscharen aus den unterschiedlichsten sozialen Milieus aufrütteln wie es unlängst in Tunesien und Ägypten geschah. Dann aber kam eine neue, alte Funktion dazu: Das Web als neue Form der Presse. Denn in den diktatorisch geprägten Ländern sind die Massenmedien gleichgeschaltet. Zuverlässige Informationen werden dort als im Netz gesucht. Diese besondere Auffassung der Informationen im Web macht nicht nur den lokalen Regimes Probleme sondern auch den alteingesessenen Medien in den westlichen Ländern zu schaffen. Insofern ist es verständlich, wenn sie nach Subventionen für ihre dahinsiechenden Geschäftsmodelle rufen. Denn sie haben sich an die hohen zweitstelligen Gewinnmargen gewöhnt und bekommen schon Herzattacken, wenn sie sich mit zehn bis zwölf Prozent Margen begnügen müssten. Insofern ist es nur natürlich, dass auf der re:publica auch Finanzierungsmodelle der Medienproduktion diskutiert werden. Denn manche Journalisten merken, dass sie die Verleger eigentlich gar nicht mehr brauchen. Das sehen die Leser und Zuschauer aktuell nur bedingt so. Aber genau dieser Stelle könnte sich in den nächsten Jahren am meisten ändern, wenn das Web in den Fernseher wandert. Denn dann wird das Volk das riesige Angebot wahrnehmen und die Navigatoren werden die Sieger sein. Das Volk kann und soll auch am hiesigen politischen Willensprozess teilnehmen. Leider beobachtet es seit einigen Jahren, dass Gesetze von denen verfasst werden, die es begrenzen soll. Das Volk sieht auch, dass gewählte Politiker lächerliche Auffassungen von allgemeiner Willens- und Meinungsbildung haben und daher nur in kleinen Zirkeln Beschlüsse fassen, die nicht selten sogar an Gremien vorbeiführen. Insofern entwickelt sich der westliche Staatsapparat immer mehr in Richtung Herrschaft der Einfluss(Reichen), also eine Plutokratie. Die Politiker kommen zumeist aus der Mittelschicht und wechseln direkt aus ihren Ämtern in die Spitzen von Verbänden oder gar Industrieunternehmen. Es wäre an der Zeit, das Web zu nutzen, um diese prädemokratischen Prozesse zu diskreditieren. Leider haben wir aber die Transparenzdiskussion bekommen. So hüpfen junge Menschen umeinander und ereifern sich um Privatsphäre und Transparenz der Bürger. Die Politiker, die deutlich höher im öffentlichen Interesse (und in dessen Diensten) stehen sind noch immer besser geschützt als jeder facebook-Nutzer. Leider.

April 13 2011, 10:04am

Facebook: Aktuelle Nutzerzahlen D-A-CH

Thomas Hutter hat dankenswerterweise wichtige Nutzer-Zahlen zusammengetragen aus dem Facebook AdPlanner und visuell aufbereitet:

Quelle: Thomashutter.com (Große Version bitte draufklicken)

April 4 2011, 9:42am

media-ocean – Vortrag beim Fachforum Medien 2011 der Hanns-Seidel-Stiftung

Vortrag beim Fachforum Medien 2011 der Hanns-Seidel-Stiftung: Am Dienstagabend hatte ich das Vergnügen das “Fac... http://bit.ly/dGZGsj

March 20 2011, 9:12pm

transmediale 2011

Wer möchte, kann ab jetzt wieder seine Arbeiten einreichen für den transmediale award. Die Jury steht bereits fest: Marisa Olson (New York), Matteo Pasquinelli (Amsterdam), Brandon Labelle (Berlin), Thomas Macho (Berlin), Defne Ayas (Shanghai). Eingereicht werden können visionäre Arbeiten aus dem gesamten künsterlischen Spektrum, die sich auseinandersetzen mit den schnell wechselnden Herausforderungen, die uns die digitale, technische und netzwerkorientierte Umgebung stellt. Mehr zum transmediale Award / Vilém Flusser Theory Award 2011 hier.

June 8 2010, 9:52am

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