Kategorie „Medien“

Zeitungen Online 2009 Schweiz

13. August 2009

Für die Trendtagung Online 2009 des Schweizer Medieninstituts habe ich analog zur Erhebung “Zeitungen online” für den deutschen Markt ausgewertet, welche Onlineableger von Schweizer Zeitungen welche interaktiven, multimedialen und Social Web-Features nutzen. In die Untersuchung sind 58 Titel eingeflossen, die ich als Datenbasis aus dem Verzeichnis des Schweizer Medieninstituts zur Verfügung gestellt bekommen habe.

— Schweizer Printmedienlandschaft

Die Medienlandschaft der Schweiz weist zahlreiche Besonderheiten im Vergleich zu Deutschland auf:

  • Mehrsprachigkeit: Deutsch, Französisch, Italienisch
  • Periodizität: viele lokale und sublokale Blätter erscheinen nicht täglich, sondern z.B. nur zweimal wöchentlich.
  • Gratiskultur: Pendlerzeitungen und ein umkämpfter Gratiszeitungsmarkt in den großen Städten
  • Format: mehr Tabloids als in Deutschland

— Eckdaten zur Erhebung

Untersuchungszeitraum waren zwei Wochen Ende Februar/ Anfang März 2009. Nach der Zusammenstellung der zu betrachtenden Gesamtliste an Onlinetiteln wurden alle Seiten auf folgende Elemente hin untersucht: RSS, Video, Artikelkommentare, “häufig gelesen”, Chat, Forum, Registrierungspflicht, Redaktionsblogs, Blogroll, User generated Content, Social Networks, mobile Ausgabe, Social Bookmarking, Geokodierung, Tagging, Twitter, Podcasts (Audio).

Es handelt sich um eine rein quantitative Auszählung dieser Elemente. Das heisst, die im folgenden Schaubild dargestellten Ergebnisse sagen nichts darüber aus, ob die Onlineableger der Zeitungen in der Schweiz die genutzten Elemente schon in die redaktionellen Prozesse integriert haben und die Themen Interaktivität, Multimedialität und Social Media auch wirklich strategisch angehen oder ob man nur “experimentiert” und damit ohne Ziel und Plan ein bisschen twittert, ein bisschen bloggt oder ein bisschen Video macht. Nach diesen Vorbemerkungen hier nun also die Zahlen.

— Quantitative Ergebnisse

Zeitungen Online 2009 - Studienergebnisse

Unterstellt man, dass es erstebenswert ist, möglichst viele dieser Features im Web anzubieten zeigt sich im Vergleich zu Deutschland, dass die Schweizer Onlineangebote von Tageszeitungen hier noch hinterherhinken. Derzeit arbeite ich noch an einer besseren Vergleichbarkeit, da ich für den deutschen Markt zunächst nur die 100 auflagenstärksten Titel mit aufgenommen und ausgewertet habe. Was sich aber u.a. herauslesen lässt: Die Interaktion mit dem Online-Leser wird auch in der Schweiz offenbar mehrheitlich über Artikelkommentare realisiet, Forum und Chat spielen eine kleine bis verschwindend geringe Rolle. Immerhin twittern bereits 12 Prozent der betrachteten Schweizer Zeitungen (die Zahl dürfte sich seit Datenerhebung noch deutlich gesteigert haben), Videos sind offenbar auch für Schweizer Onlinepublizisten im Vergleich zu Audio(-Podcasts) das präferierte Format, um die Websites multimedial und audiovisuell anzureichern. Interessant ist noch, dass es zwar bei 14 Prozent der Onlineausgaben redaktionelle Blogs gibt, die auch alle mit einer Kommentarfunktion laufen, allerdings bieten nur 3 Prozent der bloggenden Häuser eine Blogroll und damit Links auf externe Angebote an. Hier sind die deutschen Onlineangebote inzwischen einen guten Schritt weiter, das Verlinken auf andere Seiten ist hier schon salonfähiger.

Fragen, Beobachungen und Anmerkungen gerne in die Kommentare oder via Kontaktformular.

Zeitungen sterben nicht, aber …

2. März 2009

<em>aus dem Titelblatt der letzten Ausgabe der Rocky Mountain News</em>

aus dem Titelblatt der letzten Ausgabe der Rocky Mountain News

Traurig aber wahr: Die Rocky Mountain News wurden im 150-sten Jahr ihres Bestehens eingestellt. Traurig aber genau so wahr: Es sind nicht Zeitungen die sterben, sondern Menschen in Zeitungshäusern, die versagen. Leidtragende: Andere Menschen, die mit Herzblut Journalisten sind und dafür Sorge getragen haben, dass für die Menschen in der Zeitung Interessantes und Relevantes zu lesen ist. Es muss für die eigentlichen “Macher” der Zeitung wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, als die Entscheidung bekannt gegeben wurde, dass das Blatt eingestellt wird.

So auch in der folgenden Doku von Matthews Roberts [via Thomas Knüwer] zu hören:


Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.

In der Dokumentation sagt Jeff Logwold, Sportredakteur bei den Rocky Mountain News:

“They don’t have to do this. Everybody knows the arithmetic. We get the annual reports. Several parts of their company are doing very well. The Rocky had a tough year. They decided to walk away. Basically my feeling is: They quit on us! They quit on everybody in the newsroom.”

Es ist ein mieser argumentativer Trick das “Sterben” einer Zeitung allein mit den äußeren Faktoren der Wirtschafts- und Finanzkrise zu begründen. Am Ende (und wohl auch am Anfang) geht es den Verlagsmanagern hier nicht um die Zeitung als Kulturgut mit seinen wichtigen Funktionen für die Gesellschaft, sondern um die Rentabilität der Zeitung als Wirtschaftsunternehmen. Klar, beides gehört zum Wesen einer Zeitung, aber die Gewichtung kippt doch allzu oft zu Gunsten der ökonomischen Funktion.

Ohne den ganz tiefen Einblick in die Geschichte der Rocky Mountain News zu haben, scheint es mir dennoch kurios, eine Zeitung mit einer Auflage von über 200 000 Exemplaren einzustellen. Mag sein, dass der Rocky wie es im Interview zu hören war ein hartes Jahr hinter sich hat. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es das erste harte Jahr in den fast 150 Jahren seines Bestehens war. Denver ist nun eine “Einzeitungsstadt”, die Denver Post bestellt nun das papierene Tageszeitungsgeschäft alleine. Wobei es da auch noch die Denver Daily News gibt, eine kostenlose Tageszeitung mit einer Auflage von nur knapp über 10 000 Exemplaren.

Im Gegensatz zu den Managern kämpft die Redaktion der Rocky Mountain News um ihren Rocky. Im Blog “I want my Rocky!” geben die Autoren Updates zum Stand der Dinge. Man liest aber auch, dass Teile der Belegschaft bereits zur Denver Post gewechselt sind. Vielleicht startet die ehemalige Redaktion ja bald eine online-only Ausgabe.

Studienergebnisse: Zeitungen Online 2008

25. Januar 2009

In diesem Beitrag stellen wir (Steffen Büffel und Sebastian Spang) Ihnen die Ergebnisse unserer Studie “Zeitungen online 2008″ vor. Sie setzt die Reihe der “Zeitungsstudien” fort, die 2006 und 2007 von Alexander Svensson, Falk Lüke, Igor Schwarzmann und mir angefertigt wurden. (weiterlesen…)

Video: History of the Internet

5. Januar 2009


History of the Internet from PICOL on Vimeo.

[via netzpolitik]

“Was mit Medien”: Finanzkrise meets Zeitungskrise

8. November 2008

[Quelle: pixelio, Rainer Sturm] Verspätete shameless self promotion: Ist schon eine Weile her, dass ich Daniel Fiene von “Was mit Medien” ein kleines Interview gegeben habe. Aufhänger und Thema war: Was passiert mit den Zeitungen in Zeiten der Finanzkrise. Das Interview gibt es hier zum nachhören:

Die vollständige Episode des WMM-Podcasts gibt es hier.

Die Schwachmaschinen-suchsinn-optimierung

18. September 2008

googleads02.png Zeit und DerWesten bewerben Hurrikan Ike

Der SEO- und SEM-Wahn treibt ja schon lange welke Blüten. Man denke nur an die Befreiphoneaktion oder anderen Schmonz um Gott Google gändig zu stimmen. Dass insbesondere Anbieter von Nachrichtensites inzwischen lieber Geld in SEM als in gute Texter stecken zeigte sich mir jüngst bei der Suche nach aktuellen Texten zu “Hurrikan Ike” bzw. “Hurricane Ike” bei Google. Suchmaschinenoptimierte Links hier, bezahlte Anzeigen auf das eigene Angebot dort. Oder noch besser: Doppelt gemoppelt wie bei der Zeit (siehe Screenshots). (weiterlesen…)

Kai Diekmann wird selbst ge-leser-reportert

Nette Geschichte: Bei der OMD in Düsseldorf hat Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD, erneut die Idee vorgestellt, künftig Leserreporter mit Videocams auszustatten. Gesagt getan, die Kollegen vom BILDBlog haben die Idee direkt mal auf Kai Diekmann selbst angewendet. Hier der Videozusammenschnitt:

Link: BILDblog trifft Kai Diekmann

Diekmann scheint zwar auch genervt, aber erklärt ja beharrlich nochmal, warum die Idee keine Verwerfliche ist, sondern eine zukunftsträchtige und journalistisch sinnvolle. Nunja…

Jeff Jarvis über Videos auf Zeitungswebsites

18. August 2008

Schon ein bisschen älter, aber Jeff Jarvis redet ja eh immer über die Dinge, die so manche Leute in der Branche immer und immer wieder hören müssen, bis sie es kapieren. ;-)

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