Zeitungen Online 2009 Schweiz

Für die Trendtagung Online 2009 des Schweizer Medieninstituts habe ich analog zur Erhebung “Zeitungen online” für den deutschen Markt ausgewertet, welche Onlineableger von Schweizer Zeitungen welche interaktiven, multimedialen und Social Web-Features nutzen. In die Untersuchung sind 58 Titel eingeflossen, die ich als Datenbasis aus dem Verzeichnis des Schweizer Medieninstituts zur Verfügung gestellt bekommen habe.

— Schweizer Printmedienlandschaft

Die Medienlandschaft der Schweiz weist zahlreiche Besonderheiten im Vergleich zu Deutschland auf:

  • Mehrsprachigkeit: Deutsch, Französisch, Italienisch
  • Periodizität: viele lokale und sublokale Blätter erscheinen nicht täglich, sondern z.B. nur zweimal wöchentlich.
  • Gratiskultur: Pendlerzeitungen und ein umkämpfter Gratiszeitungsmarkt in den großen Städten
  • Format: mehr Tabloids als in Deutschland

— Eckdaten zur Erhebung

Untersuchungszeitraum waren zwei Wochen Ende Februar/ Anfang März 2009. Nach der Zusammenstellung der zu betrachtenden Gesamtliste an Onlinetiteln wurden alle Seiten auf folgende Elemente hin untersucht: RSS, Video, Artikelkommentare, “häufig gelesen”, Chat, Forum, Registrierungspflicht, Redaktionsblogs, Blogroll, User generated Content, Social Networks, mobile Ausgabe, Social Bookmarking, Geokodierung, Tagging, Twitter, Podcasts (Audio).

Es handelt sich um eine rein quantitative Auszählung dieser Elemente. Das heisst, die im folgenden Schaubild dargestellten Ergebnisse sagen nichts darüber aus, ob die Onlineableger der Zeitungen in der Schweiz die genutzten Elemente schon in die redaktionellen Prozesse integriert haben und die Themen Interaktivität, Multimedialität und Social Media auch wirklich strategisch angehen oder ob man nur “experimentiert” und damit ohne Ziel und Plan ein bisschen twittert, ein bisschen bloggt oder ein bisschen Video macht. Nach diesen Vorbemerkungen hier nun also die Zahlen.

— Quantitative Ergebnisse

Zeitungen Online 2009 - Studienergebnisse

Unterstellt man, dass es erstebenswert ist, möglichst viele dieser Features im Web anzubieten zeigt sich im Vergleich zu Deutschland, dass die Schweizer Onlineangebote von Tageszeitungen hier noch hinterherhinken. Derzeit arbeite ich noch an einer besseren Vergleichbarkeit, da ich für den deutschen Markt zunächst nur die 100 auflagenstärksten Titel mit aufgenommen und ausgewertet habe. Was sich aber u.a. herauslesen lässt: Die Interaktion mit dem Online-Leser wird auch in der Schweiz offenbar mehrheitlich über Artikelkommentare realisiet, Forum und Chat spielen eine kleine bis verschwindend geringe Rolle. Immerhin twittern bereits 12 Prozent der betrachteten Schweizer Zeitungen (die Zahl dürfte sich seit Datenerhebung noch deutlich gesteigert haben), Videos sind offenbar auch für Schweizer Onlinepublizisten im Vergleich zu Audio(-Podcasts) das präferierte Format, um die Websites multimedial und audiovisuell anzureichern. Interessant ist noch, dass es zwar bei 14 Prozent der Onlineausgaben redaktionelle Blogs gibt, die auch alle mit einer Kommentarfunktion laufen, allerdings bieten nur 3 Prozent der bloggenden Häuser eine Blogroll und damit Links auf externe Angebote an. Hier sind die deutschen Onlineangebote inzwischen einen guten Schritt weiter, das Verlinken auf andere Seiten ist hier schon salonfähiger.

Fragen, Beobachungen und Anmerkungen gerne in die Kommentare oder via Kontaktformular.

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