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Zeitungen sterben nicht, aber …

by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

<em>aus dem Titelblatt der letzten Ausgabe der Rocky Mountain News</em>

aus dem Titelblatt der letzten Ausgabe der Rocky Mountain News

Traurig aber wahr: Die Rocky Mountain News wurden im 150-sten Jahr ihres Bestehens eingestellt. Traurig aber genau so wahr: Es sind nicht Zeitungen die sterben, sondern Menschen in Zeitungshäusern, die versagen. Leidtragende: Andere Menschen, die mit Herzblut Journalisten sind und dafür Sorge getragen haben, dass für die Menschen in der Zeitung Interessantes und Relevantes zu lesen ist. Es muss für die eigentlichen “Macher” der Zeitung wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, als die Entscheidung bekannt gegeben wurde, dass das Blatt eingestellt wird.

So auch in der folgenden Doku von Matthews Roberts [via Thomas Knüwer] zu hören:


Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.

In der Dokumentation sagt Jeff Logwold, Sportredakteur bei den Rocky Mountain News:

“They don’t have to do this. Everybody knows the arithmetic. We get the annual reports. Several parts of their company are doing very well. The Rocky had a tough year. They decided to walk away. Basically my feeling is: They quit on us! They quit on everybody in the newsroom.”

Es ist ein mieser argumentativer Trick das “Sterben” einer Zeitung allein mit den äußeren Faktoren der Wirtschafts- und Finanzkrise zu begründen. Am Ende (und wohl auch am Anfang) geht es den Verlagsmanagern hier nicht um die Zeitung als Kulturgut mit seinen wichtigen Funktionen für die Gesellschaft, sondern um die Rentabilität der Zeitung als Wirtschaftsunternehmen. Klar, beides gehört zum Wesen einer Zeitung, aber die Gewichtung kippt doch allzu oft zu Gunsten der ökonomischen Funktion.

Ohne den ganz tiefen Einblick in die Geschichte der Rocky Mountain News zu haben, scheint es mir dennoch kurios, eine Zeitung mit einer Auflage von über 200 000 Exemplaren einzustellen. Mag sein, dass der Rocky wie es im Interview zu hören war ein hartes Jahr hinter sich hat. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es das erste harte Jahr in den fast 150 Jahren seines Bestehens war. Denver ist nun eine “Einzeitungsstadt”, die Denver Post bestellt nun das papierene Tageszeitungsgeschäft alleine. Wobei es da auch noch die Denver Daily News gibt, eine kostenlose Tageszeitung mit einer Auflage von nur knapp über 10 000 Exemplaren.

Im Gegensatz zu den Managern kämpft die Redaktion der Rocky Mountain News um ihren Rocky. Im Blog “I want my Rocky!” geben die Autoren Updates zum Stand der Dinge. Man liest aber auch, dass Teile der Belegschaft bereits zur Denver Post gewechselt sind. Vielleicht startet die ehemalige Redaktion ja bald eine online-only Ausgabe.