EduCamp2008 II: Resümee

Helen Barrett via Skype Video und Google Presentations per Live-Schalte aus Nordamerika sprach über ePortfolios – mit mir als Kamerakind. Unten Links zu sehen das Saalbild

Und jetzt ein paar resümierende Gedanken von mir

Veranstaltung 1.0 – oder sagen wir 1.5

Am vergangenen Wochenende hat in Berlin, auf dem Campus der HU Berlin in Adlershof, das zweite EduCamp stattgefunden. Kick-Off war am Freitag beim Social Learning Summit, einem gemeinsamen Event von scoyo und der BerlinMediaProfessionals School im Deutschen Technikmuseum. Es war interessant zu sehen und mit den Beteiligten spannend im Nachhinein darüber zu diskutieren, wie bei den beiden Events “Veranstaltung 1.0″ auf “Veranstaltung 2.0″ prallte.

SLS08: Der Summit selbst war das Social Learning

Beim SLS08 habe ich dabei wahnsinnig viel Lernen können. Dabei waren Schulkinder aus Berlin, die eingeladen waren scoyo zu testen. Keine Berührungsängtse, höflich, witzig, neugierig waren die Kids. Lernen durch Zuhören und Beobachten bei den Erwachsenen! Was die zumindest beim ersten Panel des sich anschließenden Brain.Floor’s allerdings so von sich gaben war dann doch wieder der alte, sehr hohe und dicke Elfenbeinturm. Lichtblick war da für mich eigentlich nur die vorangestelte Keynote von Dr. Benjamin Jörissen.

Marc Prensky, Mr. Digital Native und game-based Learning-Brain, hielt anschließend die eröffnende Keynote für das zweite Panel. Die aktuelle Diskussion um Digital Natives ist Deutschland scheint mir ziemlich aufgeblasen und schwarz/ weiß malerisch zu sein. Gleichzeitig wird die Kritik unter anderem an Prensky selbst festgemacht, was ich bei meinen Recherchen im Vorfeld des Interviews, das ich mit Prensky am Freitag führen konnte, aber keineswegs bestätigten. Wer seinen Text [PDF] zu Digital Natives liest, erkennt, dass da wesentlich mehr Reflektion und Substanz drin ist, als in den Online- und Offline-Diskussionen rund um seine Texte. So zumindest mein Eindruck, den einige Anwesende, die ebenfalls mit Prensky sprachen und im Anschluss seiner Keynote lauschten, durchaus bestätigten. Das zweite Panel war hochinteressant, Moderatoren und Panelisten haben einen klasse Job gemacht. Kompliment an die Veranstalter für diese kluge Zusammenstellung der Teilnehmer.

Was ist “social learning”?

Während das erste Panel die Frage aus dem Publikum, was denn nun eigentlich unter “social learning” verstanden werde beim SLS08, noch mit einer unsouveränen und verschwurbelten Überleitung in die Kaffeepause unbeantwortet lies, wurde zumindest im zweiten Panel und der anschließenden Diskussion ansatzweise beantwortet – wenn auch nicht wirklich zufriedenstellend für die meisten, wie mir schien.

Das war aber sogar irgendwie gut, denn beim chilligen Ausklang (Kompliment an den DJ) gab es ausreichend Gelegenheit in Gesprächen mit Experten aus der Corporate-, der Scientific- und der Education-2.0-Welt darüber zu diskutieren, Meinungen und Ansichten auszutauschen. “Social Learning” als “Collaborative Learning” war mir am Ende die Buzzword-Formel. Lerner-Communities, voneinander Lernen, Metalernen, informelles Lernen waren weitere assoziierte Schlagwörter, die im Laufe der Gespräche immer wieder fielen. Somit war der Summit selbst am Ende das eigentliche Beispiel für Social Learning. Die Podien waren da mehr der Rahmen als umgekehrt. ;-)

EduCamp meets OpenSpace

Tags drauf ging es dann im Schrödinger-Zentrum in Berlin-Aldershof auf dem dortigen Campus der HU mit dem EduCamp los. An dieser Stelle dann erst eimal ein dickes Lob an die Organisatoren vor Ort. Johannes Bruns und Melanie Unbekannt, die zusammen mit den zuständigen Personen der HU nicht nur eine tolle und top ausgestattete Location ausgesucht haben, sondern zusammen mit dem Caterer ein sehr angenehme (auch kulinarische,) BarCamp-Athomsphäre hinbekommen haben. Mein Dank gilt auch den weiteren Mitstreitern, Thomas Bernhardt und Marcel Kirchner, die aus der “Ferne”(Ilmenau) und vor Ort ebenfalls wieder dazu beigetragen haben, dass das zweite EduCamp nicht nur eine gelungene, sondern auch inspirierende und motvierende Veranstaltung war. Dank aber vor allem an euch alle, die ihr durch eure Teilnahme das EduCamp inhaltlich zu einer einzigartigen Veranstaltung gemacht habt. Den Sponsoren an dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung!

Als gute Entscheidung erwies sich die Idee, den Sonntag für ein OpenSpace-Format zu nutzen und nicht erneut Sessions festzulegen. So konnten die offenen Fragen und angestoßenen Diskussionen vom Vortag noch vertieft und in konkrete Projektideen überführt werden. Ich persönlich bin froh, dass der Rahmen überschaubar war, mit ich glaube rund 100 Campern. Zwar hatten wir mir aufgrund des Veranstaltungsortes Berlin mit noch mehr Teilnehmern als in Ilmenau gerechnet, aber ich war im Grunde genommen glücklich, dass der Rahmen von Ilmenau nicht gesprengt wurde. Mein Fazit: Alle künftigen EduCamps bewusst unter 200 Teilnehmern halten – dann ist es am effektivsten und kuscheligsten. :-)

Sofatutoren, öffentliche Wissenschaftler und Neurone!

Klasse fand ich die live “Performances” der Sofatutoren, die im und rund um den Schrödinger-Bau mit Bastelmaterial, Auto, Kamera und anderen Requisiten die ein oder andere Aufnahme für ihre Squads abgedreht haben. Super Idee, klasse Umsetzung, Hut ab!

Mir aus dem wissenschaftler Herz sprach Dr. Christian Spannagel, der eine Session zu “öffentlicher Wissenschaft” hielt. Das wissenschaftliche Selbstverständnis, das er an den Tag legt, hat viele Schnittstellen zu meinen eigenen Ansätzen Innovation in Forschung und Lehre zu implementieren. Mehr Transparenz, mehr Raum für Diskussion und Diskurs, mehr konnektiertes Lehren und Lernen, so sieht eine moderne und zukünftsfähige Lehre und Forschung aus. Ja, das kapieren noch nicht viele, aber so muss Wissenschaft, deren Vermittlung und öffentliche Diskussion aussehen – unserer Meinung nach. HardbloggingScientists eben! :-)

Erneutes Highlight war für mich die SkypeVideo-Session mit Stephen Downes, der seine aktuellen Arbeiten zu “Connectivism” vor- und zur Diskussion gestellt hat. Im Grunde genommen liegt er damit fast deckungsgleich auf einer Linie mit dem Neuronen-Modell, das die Gruppe rund um Jean-Pol Martin vertritt und auch bei diesem EduCamp wieder entwickelt hat.

Neue Ideen, neue EduCamps

Mein Eindruck war, dass es allen nicht nur Spass gemacht hat beim EduCamp zu sein, sondern dass jeder mit einer Masse an neuen Ideen, Kontakten und Gedanken nach Hause geht und die Botschaft, die das EduCamp senden will weiter verbreitet. Und weil es so gut läuft, sind die EduCamps III und IV schon in Vorbereitung. Im Frühjahr gibt es wieder ein EduCamp in Ilmenau und kommendes Jahr im Herbst eines in Graz. Wer up to date sein und bleiben will, findet auf der Seite http://www.educamps.de aktuelle Informationen rund um die EduCamp-Reihe. Studierende von Thomas und Marcel an der TU Ilmenau kümmern sich gerade um den Aufbau der Seite. Die Community-Plattform rund um die EduCamps gibt es weiter auf MIXXT.

  • Social Learning ist sicherlich in vielerlei Hinsicht eines der "buzzwords" im Kontext innovativer Lernmodelle im Internet. Da im weitesten Sinne schlicht und einfach interaktives Lernen unter dem Begriff verstanden wird, ist zwischen unterschiedlichen Modellen des Social Learning zu differenzieren . Im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Duisburg-Essen haben wir beispielsweise herausgefunden, dass verschiedene Prozesse vor und während Nachhilfeunterricht zentrale Erfolgsfaktoren für den Lernfortschritt darstellen.
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