Crossmediatraining für Belarus
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

Belarussische Journalisten haben die gleichen Fragen zur Zukunft des Journalismus wie ihre deutschen Kollegen. Zu kämpfen haben Sie aber nicht mit Vorratsdatenseicherung und Bundestrojaner a la Stasi 2.0. Nein, in Weißrussland ist man schon bei der 3.0er Version. Denn Präsident Aljaksandr Lukaschenka bringt gerade Gesetze auf den Weg, die es einer freien Onlinepresse künftig schwer machen werden.
Radio und Fernsehen stehen unter staatlicher Kontrolle, nur das Internet machte bisher noch “Sorgen”. Denn auch der Markt an unabhängigen Zeitungen ist recht überschaubar. Nun hat das Parlament Weißrusslands einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der es möglich macht unabhängige journalistische Angebote im Internet durch Lizenziseurngsauflagen unter Kontrolle zu bringen. Mehr dazu gibt es bei Belarusnews (btw: Glückwunsch zum 10ten!).
EU-Förderprogramm für unabhängige Medien
Über ein von der EU gefördertes Projekt der Konrad Adenauer Stiftung hatte ich vergangene Woche die Gelgenheit einer kleinen Gruppe unabhängiger Print- und Onlinejournalisten aus Belarus einen Einblick in aktuelle Trends der Medienlandschaft und in das crossmediale Arbeiten zu geben. Der Kurs fand an der European Humanities University in Vilnius statt, also im Nachbarland Litauen.
Sprachenwirrwar und Journalism 2.0
Das Training stand unter dem Label Journalism 2.0 (Im Bild zu sehen ist die Seminarankündigung). Auf dem Programm standen u.a. “Texten fürs Web”, “Multimedia”, “Mashups” , “Communitymanagement”, “Crossmedia-Workflows”, “Qualitätsstandards im Onlinejournalismus” und die “Zukunft der Tageszeitung” (allgemein und in Berlaus). Die drei Tage waren sehr intensiv und insbesondere interkulturell eine einzigartige Erfahrung. Mit Hilfe eines lokalen Experten, der Weißrussisch und Russisch sprach und mit Unterstützung eines Übersetzers trafen mein Englisch, das Litauisch der Gastgeber, sowie das Weißrussisch und Russisch der Teilnehmer aufeinander. Trotz des Sprachenwirrwars klappte die Verständigung dennoch erstaunlich gut. Denn alle waren und sind mit Herzblut Journalisten. Das war für die drei Tage der gemeinsame Code, der die Sprachbarrieren zur Nebensache werden ließ.

Zum Abschluss gab es für jeden Teilehmer auch ein Zertifikat (siehe Bild oben). Doch wie in Deutschland wird auch bei den weißrussischen Kollegen die Herausforderung darin bestehen das Gelernte in der Heimatredaktion in die tat umzusetzen und auch die Kollegen auf den aktuellen Stand zu bringen. Bei der abschließenden Feedbackrunde wurde ich dann auch zunächst mal darauf hingewiesen, dass das ja in Belarus nicht so einfach sei, da kein geld und kein Personal zur Verfügung steht. Auf meine Entgegnung, dass das in Deutschland kaum anders aussieht wurde mit Erstaunen reagiert… und vielleicht auch ein bisschen mit trauriger Erleichterung, dass es “im Westen” auch nicht besser ist (zumindest, wenn es um die Ressourcenaustattung der Redaktionen geht).
P.s. Urlaub auf der kurischen Nehrung
Nach Abschluß des Workshops haben wir noch ein paar Tage Urlaub im Westen Litauens in Klaipeda und auf der kurischen Nehrung angeschlossen.

Dazu kann ich nur sagen: Traumhaft! Reisetipp! Geheimtipp! Machen!
