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Wissenschaft meets Journalismus meets Blogs meets Netzeitung

von Steffen Büffel. durchschnittliche Verweildauer: almost 2 minutes.

Wie ich gerade via Netzpolitik.org gesehen habe, hat sich bei der Netzeitung jemand an der Lektüre zweier wissenschaftlicher Publikationen versucht, bei der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin. Es handelt sich dabei um den diesen Doppelband:

Allein schon der Einstieg der Autorin in Ihre Rezension zeigt an, wohin die restliche Reise des Beitrags gehen wird:

Zwei neue Bände der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung vergleichen die deutschsprachige Blogosphäre mit der US-amerikanischen und kommen zu erschreckenden Ergebnissen.

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Das Muster ist immer das gleiche: Journalisten wissen nicht, wie sie wissenschaftliche Texte richtig zu lesen und kritisch zu hinterfragen haben. Das kann ich deswegen so kess behaupten, weil ich seit mehr als zehn Jahren wissenschaftlich arbeite (zu Onlinejournalismus und Social Media), seit 2000 blogge und seit geraumer Zeit auch journalistisch tätig bin. Viele Journalisten (die meisten) tendieren dazu, Wissenschaft für drei Zwecke zu missbrauchen:

  • 1. Sie übernehmen sie unkritisch. Denn wo Prof. Dr. oder Studie drauf steht, ist die Seriosität des dort Geschriebenen ja quasi garantiert.
  • <li>2. Sie verteufeln wissenschaftliche Erkenntnisse genau dann, wenn Sie denken, es selbst besser zu wissen. Zum Beispiel wenn eine Studie dazu kommt, dass Blogs eben doch Einfluss haben. Oder aber</li>
    
    <li>3. Sie lesen Studien so selektiv, dass die vorabjustierte Position zum Thema nur noch bestätigt wird (so wie es im vorliegenden Fall rüberkommt).</li>
    

    Ich kennen einen Großteil der Studien, teils auch die Autoren. Ich bin selbst einer der Autoren in dem Band und kann deshalb mit Fug und Recht behaupten, dass die Schlüsse, zu der die Autorin kommt, ein ziemlich schlecht zusammen gequirltes Mashup dessen ist, was in den beiden Bänden (vermeintlich) drinsteht.

    Unabhängig davon noch eine generelle Anmerkung: Wann hören endlich diese vollkommen schwachsinnigen Schablonenvergleiche zwischen USA und Deutschland auf?! Die machen einerseits zwar durchaus Sinn, aber doch Bitteschön nur mit dem Hinweis, dass in den USA eine vollkommen andere Kultur der öffentlichen Kommunikation herrscht. Es geht hier nicht um Burger, die überall gleich schmecken, sondern um tradierte Formen der Kommunikation in einem Kulturraum. Diesen Appell richte ich sowohl an Wissenschaftler, Journalisten und Blogger und meine mich in allen drei „Berufsgruppen“ mit. Amen! Schönes Wochenende! :-)

    p.s. Bei Robert, Mjayplanet, Wissenswerkstatt, Kilroy gibts auch was zum Thema zu lesen.