SZ-Strategie: Scheiß Artikel = gute Resonanz?
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.
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Wie pimpt man ein – meinem Geschmack nach – eher sprödes Feuilleton so auf, dass sonst kaum mehr erreichbare Lesergruppen auf die angestaubten Seiten starren wie ein Reh in den Lichtkegel des heranrasendes Autos nachts auf der Straße nach Nirgendo? Richtig: Man packt das Selbstbeweihräucherungsfaß aus, schwinkt es so dolle bis es den Blick und die Sinne vernebelt und schreibt just diesem Zustand einen Artikel über Weblogs. So geschehen (mal wieder) in einem deutschen überregionalen Qualitätsblättchen – diesmal (mal wieder) in der Süddeutschen Zeitung und zwar hier oder auch hier.
Gewohnt wortgewannt schreibt Stefan Niggemeier in seinem gebloggten Leserbrief an den Autor Johannes Boie:
“Sehr geehrter Herr Boie, es ermüdet mich ein wenig, die immer gleichen Zeitungstexte über die angeblich fehlende Relevanz von Blogs in Deutschland zu lesen. Ich weiß nicht, ob Zeitungen sich ihrer eigenen Relevanz dadurch versichern können, dass sie immer wieder ausführlich über etwas berichten, das nach ihrer eigenen Aussage so irrelevant ist. Und ganz bestimmt hilft es der Relevanz von Blogs nicht, sich immer wieder mit irrelevanten Zeitungsartikeln über Blogs zu beschäftigen.” [zum vollständigem Beitrag]
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Eine Passage des Artikels, die mich besonders stutzig und ärgerlich gemacht hat ist der Ausstieg mit einem indirekten Zitat von Jan Schmidt. Im Text heißt es:
“Bis es soweit ist, gilt das Fazit des Kommunikationswissenschaftlers Schmidt. Der umschreibt die Misere höflich. Die Öffentlichkeit von Weblogs bestünde in ihrer technischen Zugänglichkeit für jedermann. Keinesfalls aber besteht sie in ihrer gesellschaftlichen Relevanz.”
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Ich kenne Jan lange und gut genug und habe oft und lange mit ihm über Weblogs, Journalismus, Öffentlichkeit und Co. diskutiert. So, wie seine angebliche Aussage im SZ-Beitrag rüberkommt, habe ich Jan noch nie über Weblogs und Öffentlichkeit reden gehört. Er rückt das verfälschte Bild aus der seriösen Qualitätszeitung Süddeutsche Zeitung in diesem Beitrag zurecht und hat darüber hinaus einen sehr lesenswerten Beitrag über Interviews mit Wissenschaftlern geschrieben.
Mein Verdacht bleibt weiterhin, dass neben Arroganz und Selbstherrlichkeit auch eine Portion Berechnung bei solch schlecht recherchierten und tendenziös geschriebenen Artikeln auch eine Strategie dahinterliegt. Die Strategie, die ach so irrelevante Blogosphäre zu provozieren um sich damit Aufmerksamkeit zu erkaufen. Wie man sieht, hat es auch in meinem Fall blendend funktioniert – Ich starre in den Lichtkegel wie nächtens das Reh auf der Landstraße…
