Quo vadis Onlinejournalismus? Blogruf fragt, ich antworte
Falk Lüke vom ZEIT-Blogruf fragt per E-Mail zum Thema Onlinejournalismus. Hier meine Antworten, die ich auf die Schnelle in die Tasten gehackt habe. Da Falk offenbar noch einige weitere Leutchen befragt hat, wird es dazu sicher bald ein umfangreicheres Posting in seinem Blog geben. Den Link reiche ich dann natürlich noch nach.
- Was ist für Euch derzeit das herausragendste onlinejournalistische Angebot – und warum?
In Deutschland weiterhin Spiegel-Online. Warum: 1. aus Gewohnheit 2. weil schnell und aktuell, 3. weil zusätzlich gute Geschichten und gute Schreibe. International: Washington Post. Medienjournalistisch kaum zu schlagen: Elektrischer Reporter und Stefan Niggemeier – meine eigentlichen Favoriten.
- Was haltet ihr für die größte derzeitige Fehlentwicklung im Onlinejournalismus?
Fünf Punkte: 1. Boulevardisierung aufgrund von Klick-Geilheit! 2. Content-Marketing zum Nachteil redaktioneller Inhalte, die für Qualität und journalistische Grundprinzipien stehen 3. Entprofessionalisierung durch Freiluftexperimente mit selbst produzierten Audio- und Videoinhalten. 4. Kein freier Zugang zu Archiven, was ein alter Hut ist, aber die meisten haben es immer noch nicht kapiert. 5. Online-First als oberste Prämisse ist falsch.
- Mit welchem sonstigen Medium konkurriert für Euch das Multimedium Internet/Web am stärksten?
Ganz eindeutig Radio*. Zumindest, wenn es um journalistische Inhalte geht.
- Ist Onlinejournalismus derzeit eher über- oder unterbewertet?
Kommt drauf an von wem! Allgemein gesprochen: Auf kurze Sicht über- auf lange Sicht unterbewertet. Die Erkenntnis wird kommen, dass wir einen vertrauenswürdigen und professionellen (Online-)Journalismus brauchen. Paradox dabei: Von der Breite der Medienhäuser wird OJ aktuell immer noch erschreckend unterbewertet, was meiner Meinung nach an dem mangelnden Verständnis über das Medium, der fehlenden Bereitschaft zu Innovation und der mangelnden Schulung der Mitarbeiter leigt. Hinzu kommt das blinde Festhalten am Trägermedium Papier und der Illusion, damit in Zukunft wieder mehr Reichweite zu erzielen, ohne andere Verbreitungskanäle zu bedienen.
- gemeint ist öffentlich-rechtliches Radio a la DLF.
