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DGPuK: Geschlossene Gesellschaft

by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 3 minutes.

Derzeit jahrestagt die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft im Wohnzimmer von Kollege Jan Schmidt in Bamberg. Leider bin ich dieses Jahr nur aus der Ferne dabei, aber das was ich aus der Ferne mit bekomme reicht mir schon, um mich weiterhin über dieses sperrige Gebilde DGPuK zu ärgern. Sperrig ist die DGPuK nicht nur für Normalsterbliche und wie schon so oft beklagt für Journalisten, sondern sperrig ist die DGPuK meiner Erfahrung nach auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Die jüngste Entscheidung der vor Ort anwesenden Mitglieder belegt dies nachdrücklich. Es stand zur Debatte, ob die Gesellschaft ein eigenes Onlinejournal herausgeben sollte, vielleicht sogar nach dem Open-Access-Model. Dazu wurden die Mitglieder vor Monaten vorab befragt. Als DGPuK-Mitglied habe auch ich an der Befragung teilgenommen. Der Ausgang der Abstimmung ist meiner Meinung nach mehr als ärgerlich. Die Entscheidung ist kontraprodukiv, rückwärtsgewandt, nachwuchsfeindlich und bei aller Tradition und allem Renomee der beiden Printpublikationen der DGPuK (Publizistik und Medien & Kommunikationswissenschaft), so erhöht man die internationale Sichtbarkeit der deutschen Kommunikationswissenschaft nicht. Zum Ergebnis jetzt aber erst mal die treffende Zusammenfassung von meinem Korrespondenten vor Ort, Peter Schumacher:

“Am Vormittag erzählt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales von den Vorteilen frei und online verfügbaren Wissens. Abends entscheidet sich die Mitgliederversammlung dagegen, ein frei verfügbares Onlinejournal zu gründen. Stattdessen sollen die beiden Fachzeitschriften Publizistik und Medien & Kommunikationswissenschaft (Papieredition) dadurch gerettet werden, dass alle Mitglieder über deutlich höhere Mitgliedsbeiträge ein Zwangsabo bekommen. Drumherum wird noch ein bisschen gejammert, dass die deutsche Forschung nicht international wahrgenommen wird. Ob da nicht ein gedrucktes Jahrbuch abhelfen könnte, das die besten Beiträge in Englisch rausbringt? Finanziert sich auch nur über ein Zwangsabo für die Mitglieder, klar.”(zum vollständigen Beitrag)

Nach Außen gibt man sich modern (Jimmy Wales durfte Keynoten), nach Innen konservativ. Hier hätte ich mir viel mehr Innovationsmut und eine zukunftsweisende und nachhaltige Entscheidung pro Online-Journal erhofft. Und vor allem auch die Emanzipation von den Verlagen. Mein Eindruck: Profilschärfe erhofft man sich durch maximale Exklusivität, Geschlossenheit und Hierarchie. Da passt die Idee mit Quasi-Zwangsabo für alle und Festhalten an gedrucktem Papier natürlich bestens.

Kommunikations-, Publikations-, Medienwissenschaft und Journalistik sind weiterhin stark nachgefragte Fächer, der wissenschaftliche Nachwuchs ist breit aufgestellt, der Output stark steigend… Ein Onlinejournal würde hier den Platz, die globale Erreichbarkeit und neue Formate ermöglichen, die dem Publikationsaufkommen gerecht würden, ohne in Beliebigkeit zu münden oder Qualitätseinbußen zu verursachen. Ein solches Onlinejournal könnte eine eigene Nachwuchssektion haben, eine Sparte für englische Beiträge, Raum und Platz für Visualisierungen, das Hinterlegen von Audio- und Videomaterial etc.

Klar hat das Onlinepublizieren auch seine Nachteile, aber andererseits: Es wird die Zukunft sein und ist es in bestimmten Sparten heute schon. Andere Wissenschaftsdisziplinen wie die Informatik machen doch vor, dass Online und OpenAccess in der Scientific Community und darüber hinaus voll akzeptiert sind, ohne dadurch Tradition, Renomee und Qualität einzubüßen… Wer sagt denn, dass diese Werte an das Papierformat und einen hohen Abopreis gekoppelt sein müssen, um Gültigkeit zu haben? Eine Illusion darf ich an der Stelle vielleicht mal nehmen: Der Abopreis kommt im Grunde genommen doch nur den herausgebenden Verlage zu Gute, es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Abopreis in irgend einer Weise etwas mit der Qualität der Beiträge zu tun hat. Es ist rausgeschmissenes Geld. Und um es auch in der von den Verlagen erwarteten Höhe auch künftig in deren Richtung rauszuschmeissen, soll nun die Methode der Weiterberechnung an die Mitglieder per Zwangsabo kommen? Hallo, geht’s noch?

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