
Die Feierlichkeiten zum zweijährigen Geburtstag von Media-Ocean gehen weiter. Nachdem Thomas Pleil und O. in den vergangenen Wochen den Anfang gemacht haben, kommt heute der von mir u.a. für seine Telepolis-Beiträge geschätzte Kollege Dr. Christoph Bieber vom Zentrum für Medien und Interaktivität an der Uni Giessen zu Wort. Christoph Bieber ist Gründungsvorsitzender von pol-di.net e.V., dem Trägerverein von politik-digital.de. Seine aktuelle Blogheimat ist auf http://internetundpolitik.wordpress.com/ zu finden. Der Name ist auch hier Programm, im Blog begleitet er seine Vorlesung zum Thema – genau – Internet und Politik.
Wissenschaft und Media-Ocean – Ein Erfahrungsbericht aus der Zukunft
von Christoph Bieber
Happy Birthday Media-Ocean! Aus Anlass des zweiten Geburtstags seines Weblogs „media-ocean“ bat mich der „hard bloggin´ scientist“ Steffen Büffel um ein Geburtstagsgeschenk – origineller Weise sollte es ein Beitrag für ebendiesen Blog sein. Angesichts der prominenten Liste von Wunschautoren (clever, dieser Büffel, das muss man schon sagen…) fühlte ich mich geehrt und begann sogleich mit den Vorbereitungen – aber wie das eben so ist mit den originellen Geschenken: sie sind rar gesät und manchmal nur schwer zu bekommen.
Nach erfolglosem Durchforsten meiner Festplatte nach möglichst unverbrauchtem Bildmaterial (ohne oder auch mit Herrn Büffel, der vor einiger Zeit hier in Gießen als Konferenzteilnehmer zu Gast war) weitete ich die Suche auf die analogen Bereiche des Büros aus und wurde tatsächlich fündig. Mit den nachfolgenden – leicht modifizierten – Textstellen will ich versuchen, eine Brücke zwischen Wissenschaft und media-ocean zu bauen. Naja, damit die Metapher passt, müsste es wohl eher ein Steg sein… Jedenfalls sollen die Auszüge zeigen, dass sich Herr Büffel mit seiner aufopferungsvollen Arbeit rund um den wissenschaftlichen Betrieb eines Weblogs an einer überaus wichtigen Front bewegt.
Schalten wir nun kurz um in die Zukunft. Was wird Steffen Büffel wohl machen, wenn sein Weblog erst einmal die Volljährigkeit erreicht hat? Vielleicht schreibt er einen „Erfahrungsbericht“, der so ähnlich klingt wie dieser hier:
„Das Folgende ist ein Stück empirischer Sozialforschung. Es betrifft mich und einen anderen: meinen Weblog. Es ist klar, dass in diesem Falle die üblichen Methoden der empirischen Sozialforschung versagen. Dennoch handelt es sich um Empirie, denn den Fall gibt es wirklich. Und es handelt sich um Forschung, denn man kann, so hoffe ich wenigstens, generalisieren; und dies obwohl einer der Beteiligten, nein: beide Beteiligten, die Generalisierung selbst an sich selbst vollziehen.“
Des weiteren könnte er sich fragen (und die Frage anschließend bejahen), ob für diese schwierige Beziehung überhaupt ein kommunikationstheoretischer Ansatz passend ist:
„Dass Weblogs als Kommunikationspartner empfohlen werden können, hat zunächst einen einfachen Grund in technisch-ökonomischen Problemen wissenschaftlichen Arbeitens. Ohne zu schreiben, kann man nicht denken; jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussfähiger Weise. Irgendwie muß man Differenzen markieren, Disktinktionen entweder explizit oder in Begriffen impliziert festhalten; nur die so gesicherte Konstanz des Schemas, das Informationen erzeugt, garantiert den Zusammenhalt der anschließenden Informationsverarbeitungsprozesse. Wenn man aber sowieso schreiben muss, ist es zweckmäßig, diese Aktivität zugleich auszunutzen, um sich im System der Notizen einen kompetenten Kommunikationspartner zu schaffen.“
Ja, damit kommen wir doch der Arbeit unseres eifrigen Autors (und seines Kommunikationspartners, mit dem zusammen er ein wahrhaft „dynamisches Duo“ darstellt) ganz gut auf die Spur. Und wenn wir die beiden noch eine Weile länger zusammen arbeiten lassen, lesen wir vielleicht dies:
„Als Ergebnis längerer Arbeit mit dieser Technik entsteht ein Art Zweitgedächtnis, ein alter Ego, mit dem man laufend kommunizieren kann. Es weist, darin dem eigenen Gedächtnis ähnlich, keine durchkonstruierte Gesamtordnung auf, auch keine Hierachie und erst recht keine lineare Struktur wie ein Buch. Eben dadurch gewinnt es ein von seinem Autor unabhägiges Eigenleben.“
Ja, ja – und dieses Eigenleben ist mitunter störrisch und widerborstig, aber auch produktiv:
„Die Gesamtheit der Notizen lässt sich nur als Unordnung beschreiben, immerhin aber als Unordnung mit nichtbeliebiger internet Struktur. Manches versickert, manche Notiz wird man nie wieder sehen. Andererseits gibt es bevorzugte Zentren, Klumpenbildungen und Regionen, mit denen man häufiger arbeitet als mit anderen.“
So, und an dieser Stelle lege ich die Goldgrube einmal beiseite, aus der man noch munter weiter zitieren könnte. Womöglich ist ja die Neugier geweckt, sich auf die Suche nach dem Text zu machen, der m.E. ein brillanter Leitfaden für den Blogger mit Anspruch ist. Aber vielleicht ist ja auch längst klar, wer hier zitiert wurde… na, einen Satz hätte ich noch, und der eignet sich auch ganz gut als Wunsch für die nächsten Jahre media-ocean:
„Für Kommunikation ist eine der elementaren Voraussetzungen, dass die Partner sich wechselseitig überraschen können. Nur so ist ein Generieren von Information im jeweils anderen möglich.“
In diesem Sinne: alles Gute zum 2. Geburtstag und noch viel Vergnügen…!
