Expertenumfrage: The Web Society
by Steffen Büffel. Average Reading Time: almost 3 minutes.
Vor ein paar Tagen hat mich Daniel Kömpel angemailt mit der Bitte, an einer Expertenumfrage teilzunehmen. Diese ist wie das zugehörige Blog “The Web Society” teil seiner Diplomarbeit im Fach Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, die er bei meinem Kollegen Thomas Pleil schreibt. Ziel der Arbeit ist es, Entwicklungen der multidirektionalen Kommunikation im Internet aufzuzeigen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft einzuschätzen. Einige Kommentatoren haben schon ihre Antworten gegeben, und zwar auf diese Frage(en):
Welche dieser Tools haben das Potenzial, auch noch in zehn Jahren zu existieren bzw. sich evolutionär mit den technischen Möglichkeiten des Internets weiterzuentwickeln? Welche können gar die Gesellschaft an sich verändern – die Art, wie wir uns politisch einbringen oder unser Berufsleben und unsere Freizeit gestalten?
Im Folgenden meine Antwort(en), die im Originalkontext hier zu finden sind:
1. Tools verändern keine Gesellschaften, Menschen tun das in ihrem sozialen Miteinander, das nicht immer kooperativ sein muss. Veränderung braucht Kolaboration genauso wie Reibungsflächem. durch bestensfalls öffentliche Diskurse, schlechtensfalls Kriege ausgelöst werden. Social Software und ander Webtechnologien sind von Menschen geschaffene Werkzeuge, die soziale Interaktion/ Kommunikation ermöglichen.
2. Den Erfolg des Twittermodells finde ich wenig verwunderlich. Denn es wird leidglich öffentlich sichtbar gemacht, was tagtäglich milliardenfach in Form von SMS-Nachrichten oder Instant Messaging sowie Chats vonstatten geht. Menschen lieben es zu kommunizieren, sei es gehaltvoll in philosophisch tiefgründigen Debatten oder in Form von Gossip Gossip Gossip.
3. In der Auseinandersetzung von zusehends mehr Menschen mit den neuen und alten Webtools und der damit verbundenen sozialen Vernetzung wird ein neues Wir-Bewusstsein in kleinen und froßen fragmentierten Onlinegemeinschaften geschaffen, das losgelöst von Ort und Zeit existiert. Es existiert aber nicht (nur) irgendwo “da draussen bzw. drinnen” im Cyberspace, sondern es existiert in unseren Köpfen und den Projektionen auf den Computerimnterfaces. Insofern lautet meine Antwort auf Deine andere Frage, dass das Tool, das auch noch in zehn Jahren bestand haben wird und mit den technischen Möglichkeiten des Internet co-evolutioniert das menschliche Gehirn! :-) Das Tool als “Ding” wird das Internet an und für sich sein, da ist es (bis vielleicht auf wirtschaftliche INteressen der Macher) egal, ob Twitter nocho dazu gehört, ob SL noch dazu gehört oder ob die Xings, MySpaces und StudiVZ’s dieser Welt noch dazugehören.
4. Wenn ich dann doch noch ein Tool, einen Dienst, eine Anwendung als revolutionär und nachhaltig herausgreifen müsste, dann wäre es definitiv Wikipedia. Wikpedia und die daran angegliederten Projekte (Wiki Species, Wiki Quote etc.) prägen heute das Web und werden das auch in Zukunft tun – und zwar weiterhin unterhalb des Radars der Dollarindustrie. Wikipedia ist das evolutionär aus meiner Sicht am weitesten vorangeschritte Projekt der Netzkultur. Wikipedia ist Netzkultur in Reinform. Die Vision einer solchen Enzyklopädie gibt es schon seit 1945 (vgl. V. Bush’s Aufsatz “As we may think”), Wikipedia und die aufkeimenden Regionwikis werden das Netz und das Leben verändern.
5. Was Klaus Eck angesprochen hat finde ich extrem wichtig: Entscheidend wird es künftig für immer mehr Menschen sein ihr persönliches Informations- und Wissensmanagement schlank und effizient zu organisieren. Metawissen wird wichtiger sein als Wissen, dazu muss man aber Metwawissen-Wissen aufbauen und hier sehe ich die zentrale Herausforderung für das Bildungssystem. Da die Informationsflut durch das Internet und die digitalen Techniken überhaupt erst ausgelöst wurde zeigt sich an dieser Stelle, welche Folgen die Tools und Techniken auch für Gesellschaften haben.
So, nun ist es aber gut. Ich hoffe ich konnte helfen. Viel Erfolg mit Deiner Arbeit.

