Qualität im Journalismus: Ein süßes Geheimnis?
by Steffen Büffel. Average Reading Time: almost 2 minutes.
"Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln."
In der Tat hat Stephan Ruß-Mohl mit dieser pointierten Feststellung recht. Es ist unmöglich die glibberige Süßspeise mit einem Eisenstift an einer vertikalen Oberfläche dauerhaft zu fixieren. Das Resultat wird immer sein, dass der geschmacksverstärkte Zuckermix auf dem wie auch immer beschaffenen Boden der Tatsachen landet. Gleiches gilt für normative Qualitätskriterien an journalistische Produkte. Qualität ist nicht objektivierbar, sie liegt letzten Endes im Auge des Betrachters.

Willi Meier, Prokurist und Firmensprecher der Firma Niederegger, würde wohl eher die Zunge statt das Auge als den Ort der Qualitätsbestimmung begreifen. Denn: Niederegger stellt Marzipanprodukte in allen erdenklichen Variationen her. Das Traditionsunternehmen in Lübeck ist Platzhirsch in Deutschland bei der Herstellung und Vermarktung hochwertiger Marzipanprodukte und auch weltweit gefragter "Luxusmarzipanlieferant". Wie Qualität in Zeiten von "Geiz ist Geil" trotzdem (oder erst recht) möglich ist, hat Meier heute morgen in seinem Vortrag vor 40 Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten beim Modellseminar der BPB versucht darzustellen.
Die simplen Ideen hinter dem – ich nenn es mal – Qualitätsengineering:
- hochwertige Rohstoffe
- möglichst lückenlose Kontrolle über Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe
- gutes "menschelndes" Betriebsklima
- gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter
- konsequente Brand- und Product-Line-Extension
- Tradition und lokale Bindung der Marke als zentrale Werte des Lübecker Familienunternehmens in den Vordergrund stellen.
Davor, während und nach dem Vortrag wurde der Referent ganz und gar seiner eigentlichen Rolle als PR’ler gerecht und hat den anwesenden in anschaulichen Worten das Genußerlebnis "Niederegger-Marzipan" gaumenfreudig geschildert. Und gesundheitsbewusst ist Marzipan dann auch noch. In dem Zusammenhang mein persönlicher Favorit der Werbepräsentation: Die Wellness-Marzipan-Produktlinie…
Die zu erwartenden kritischen Gegenfragen bleiben nicht aus, wurden aber im Keim mit einer kleinen Presse-Präsenttüte voll mit Madelmark-Spezialitäten erstickt. ;-) Nein, im Ernst, ich fand die Präsentation sehr aufschlußreich, den Werbetalk konnte man gut ausbleiben und auf Basis der themenrelevanten Inhalte den Übertrag auf Qualitätsengineering im journalistischen Bereich vornehmen. Kurzum: Tolle Idee Willi Meier einzuladen! Dennoch: Ritter-Sport Marzipan oder Milka-Marzipancreme sind und bleiben meine persönlichen Marzipanfavoriten.
Tags: bpb, travemünde, marzipan, niederegger
