re:sümee zur re:publica 2007
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

Drei spannende, interessante, entspannte und inspirierende Tage waren das vergangene Woche bei der re:publica in Berlin. Glückwunsch an Johnny Häusler und Markus Beckedahl (jeweils plus Team) für die tolle Location, das ansprechende Programm und die insgesamt runde Organisation. Das meiste ist schon in Breite und Tiefe in der Blogosphäre und ein paar Massenmedien abgehandelt. Mein unbedeutendes resümierendes Mosaiksteinchen fehlt bisher noch.

Die deutsche Blogosphäre and Friends hat sich drei Tage lang selbst gefeiert. Und das war auch okay so, meinte Johnny beim Resümee im großen Saal. Man muss sich auch mal feiern. Recht hatte Johnny. Damit hat sich eine meiner Erwartungen an die re:publica erfüllt, die Szene lässt die Korken knallen. Es herrschte in sehr weiten Teilen traute Einigkeit, kein Bashing, keine Sau, die man durch die Winkel der Kalkscheune getrieben hätte. Nur auf der trolligen SMS-Beamerwand wurde zwischen sinnentleerten Sex- and Nonsense-Postings immer mal wieder Tacheles geredet.

Mit dem Griff an die eigene Nase hätte ich mir während der gesamten drei Tage vor allem bei den Panels mehr Tacheles auf dem Podest und vor allem von Seiten der ZuhörerInnen gewünscht. Dass anders als die Mehrheitsmeinung der Minderheit auf dem Podium lautende Meinungen in Hülle und Fülle da waren, war nur auf der Beamerwand, auf der ein oder anderen Klowand im Netz und im Flurfunk zu erfahren. Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass die sonst so gern meinungsbetont auftretende A- bis B-List-Blogosphäre auch im Rahmen einer Veranstaltung wie der re:publica eine konstruktiv/ kontroverse Kritik- und Diskussionskultur an den Tag zu legen.

Für die nächste re:publica – die es hoffentlich 2008 an gleicher Stelle geben wird – wünsche ich mir mehr Intervention durch das Publikum – und zwar nicht nur auf der SMS-Beamerwand, sondern live, offline, im hier und jetzt eines Panels, eines Vortrags einer Präsentation. Nachfragen, Anmerkungen, Kritik beleben den Raum, beleben den sozialen Raum des Tagungssettings. Bei Sabine Christiansen inszenieren die selbst- und fremdernannten Meinungsführer auf dem Podium Pseudo-Kontroversen, was bestensfalls noch als schlecht gemachtes Entertainment durchgeht. Wie erfrischend es sein kann, wenn interessierte Zuhörer einfach auch mal zu interessierten Mit- und Gegenrednern werden, einfach so das kommunikative Setting des Bühnenschauspiels durchbrechen, zeigt sich meinem Geschmack nach zu selten. Genau dafür müssten Bloggerinnen und Blogger doch aber prädestiniert sein, oder?
Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, sich neben Panel- und Workshopformaten weitere kommunikative Konfigurationen und Diskussionssettings zu überlegen, die das Überwinden des klassischen Few-to-many-Prinzips bei geeignten Themen und bei Bedarf befördern. Keine leichte Aufgabe, aber ich finde dennoch eine Überlegung wert.
