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Gewerkschaft 2.0? – Gewerkschaftliche Onlinestrategien

by Steffen Büffel. Average Reading Time: almost 3 minutes.

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Wie könnte ein Online-Engagement der Gewerkschaften in Zeiten von Web 2.0 aussehen? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung “Gewerkschaftliche Onlinestrategien“, der vergangenen Donnerstag und Freitag in Hannover von den vier Gewerkschaften IG-Metall, IG BCE, DGB, ver.di durchgeführt wurde.

organisatoren.jpg Die Vertreter der vier Gewerkschaften

Da ich tags zuvor noch einen anderen Termin wahrnehmen musste, konnte ich leider am Eröffnungstag der Veranstaltung noch nicht dabei sein. Dennoch konnte ich einige neue Ideen und Eindrücke aus Hannover mitnehmen. Christoph Dowe von Politik Digital und ich waren für den Freitag als externe Referenten eingeladen. Unter dem Slogan “Web 2.0: Zwischen Betschwestern und Buzzwordbingospielern” haben wir unsere beiden Vorträge kurzerhand zu einer gemeinsamen Performance zusammen gelegt und uns die Bälle zugespielt. Im ersten Teil, der unter dem Titel “Unwort Web 2.0 – Zwischen Hype und Medien-(R)Evolution” stand, habe ich zunächst schlaglichtartig die medienhistorischen und gesellschaftsdynamischen Hintergründe von Web 2.0 erläutert.

cd.jpg Christoph Dowe zu Arbeitswelt 2.0

Unter der Federführung von Christoph Dower ging es anschließend um “Web-Campaigning: Erfolgsfaktoren für Onlinekampagnen“. Entlang von Beispielen aus den Bereichen Medien 2.0 und Arbeitswelt 2.0 hat Christoph aufgezeigt, wie das Netz derzeit tickt und welche Konsequenzen sich daraus für gewerkschaftliche Onlinestrategien ableiten lassen. In dem Zusammenhang hat Christoph ein nettes Zitat aus “Wir nennen es Arbeit” herausgesucht. Nämlich dieses:

“Unklar ist hingegen, ob die Gewerkschaften Teil des Problems oder Teil der Lösung sind, und welche Rolle sie, allen voran Ver.di, in Zukunft fürt die digitale Bohème spielen könnten. Bislang eher keine, wiel die meisten Gewerkschaften sich allzu lang auf ihre Klientelpolitik konzentriert haben und die Festanstellung bis zur Rente nach wie vor als anzustrebendes Gesellschaftsziel ansehen. Obwohl wir Schutz der Schwächeren im Kapitalismus für unverzichtbar halten, erscheint uns das als unvollständiges Verständnis von Arbeit im 21. Jahrhundert. Wenn Ver.di allerdings, wie angeblich geplant, Service- und Beratungsstellen auch für Freiberufler in innerstädtischen Ladenlokalen eröffnen sollte, würden wir sicher einmal vorbeischauen” (Quelle Friebe/ Lobo: Wir nennen es Arbeit, Heyne 2006, S.279.)

Die Diskussion – nicht nur zu diesem Zitat – brachte für mich einige sehr interessante Einblicke in die aktuellen Online-Strategien und künftigen Pläne der Gewerkschaften. Ohne in die Details gehen zu wollen kann ich folgende drei Punkte festhalten:

  • (Auch) die Gewerkschaften kommen nicht umhin, sich (auch) online den Veränderungen der Netzwerkgesellschaft zu stellen. Sie haben nicht die Wahl, sondern stehen wie so viele anderen gesellschaftlichen Bereiche auch unter Zugzwang. Dabei ist der Zug noch längst nicht abgefahren, aber er rollt. Wann und mit welcher Strategie man aufspringt, ist aber gut zu überlegen.
  • Schnellschüsse a la “Ab ins Second Life!” wären der falsche Weg. Die bestehende Community aus Millionen von Gewerkschaftsmitgliedern auch im Netz abzubilden, ist dagegen ein richtiger, wichtiger und meiner Ansicht nach unumgänglicher Weg. Diesen Weg einzuschlagen, ihn ernst zu nehmen und vor allem auch sich unter den Gewerkschaften zu koordinieren ohne dabei die Profile der Gewerkschaften zu verwischen, ist dabei die große Herausforderung.
  • Gewerkschaft 2.0 ist crossmedial, interaktiv und verzahnt Offline und Online. Nicht zu vernachlässigen sind Aspekte der regionalen und lokalen Verankerung. Diese sind neben der berufsgruppenspezifischen Ausrichtung der Gewerkschaften wichtige identitätsstiftende Faktoren für bestehende und potentielle Mitglieder. Mehrwerte online ergeben sich also neben der Vernetzung der Mitglieder nach gemeinsamen Themen auch im Zusammenhang mit der Regionalität.
  • p.s. Eine Dokumentation der Veranstaltung wird auf dieser Seite bald zu finden sein.