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“Interaktive Crossmediademokratie”

by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 2 minutes.

Roland Gramling umreißt in diesem Posting auf PR-Fundsachen – und wohl auch ausführlicher in seiner Diplomarbeit zur politischen Kommunikation im Internet – den Begriff einer so genannten “Multimediademokratie“. Wenngleich der Begriffsvorschlag meiner Meinung nach zwar einen Teilaspekt der durch das Internet eröffneten Potentiale abdeckt, geht er mir nicht weit genug. Ich werfe mal einen weiteren Begriff in den Raum und zwar den der “interaktiven Crossmediademokratie“.

Interaktiv deswegen, weil das Internet echte Interaktivität ermöglicht. Jeder (vorausgesetzt man befindet sich auf der “richtigen” Seite des digitalen Grabens) kann prinzipiell seine Meinung, seine Ansichten und politischen Positionen im Internet publiziere und zur Diskussion stellen. In Teilen können so Gegenöffentlichkeiten entstehen, sowohl im sublokalen als auch im globalen Maßstab. Dennoch liegen die Potentiale im Vergleich zur tatsächlichen maßenhaften Nutzung durch die Bürgerinnen und Bürger brach. Ein derzeit (und wohl auch in Zukunft) kleiner Zirkel schöpft die interaktiven und publizistischen Möglichkeiten tatsächlich aus. Dennoch ist die Onlinekommunikation in zunehmendem Maßen nicht mehr zu vernachlässigen. In den USA sind die politischen Blogs bereits fester Bestandteil der öffentlichen politischen Kommunikationslandschaft geworden.

Crossmedia deswegen, weil von Seiten der klassischen politischen Akteure niemand mehr darauf verzichtet bzw. verzichten kann alle massenmedialen Ausspielkanäle plus das Internet für die Verbreitung der eigenen Botschaften zu nutzen. Die intelligente Verzahnung von Kommunikationsstrategien über Printmedien (Zeitungen, Magazine, Plakate etc.), TV, Hörfunk und dem Web hat schon längst zu einer Multimedialisierung und Crossmedialisierung der politischen Kommunikation geführt. Crossmedia – klassisch gedacht – ist aber in weiten Teilen lediglich die auf unterschiedliche mediale Ausspielkanäle verteilte Distribution von Inhalten.

Erst die interaktiven Möglichkeiten und die im “Mitmachmedium” Web(2.0) zunehmend zu beobachtende stärkere Nutzung dieser Möglichkeiten, lassen die Hoffnungen und Visionen echter Deliberation wieder auferstehen.

Die “interaktive Crossmediademokratie” ist aktuell dadurch gekennzeichnet, dass die politischen Eliten bzw. ihre Kommunikationsstrategen mit den neu enrstehenden Onlineöffentlichkeiten nicht umzugehen wissen, das eigentlich auf echte Interaktivität ausgelegte Medium rein zu Distribution oder – wenn überhaupt – zur kontrollierten Diskussion nutzen. Der Übertrag massenmedialer Kommunikationsstartegien auf das Internet funkitioniert nur sehr bedingt. Zudem haben auch die klassischen massenmedialen Anbieter das Web in weiten Teilen immer noch nicht verstanden. Zu sehr scheint die Logik der Politik und die Logik der Medien, auf klassische Massenkommunikation eingeschliffen zu sein. Demgegenüber steht eine bereits (kleine) kritische Masse an “Menschen mit Meinung”, die diese in ihren Blogs, Podcasts, Wikis, selbstorganisierten Grasswurzel-Meetups offline und online, authentisch vertreten und die Diskussion mit gleich und anders gesinnten suchen. Hier prallen die Logik der Medien und die Logik der Politik mit der Logik der Netzkultur aufeinander, die derzeit noch mit einigen Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen hat.

Aber vielleicht sind es genau diese Kompatibilitätsprobleme, die zumindest Reibungsfläche dafür bieten, dass man sich über genau diese unterschiedlichen Logiken mal unterhält. Soviel mal von mir auf die Schnelle…