Die REvolution der WELT

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Aus Welt.de wird Welt-Online. Auf Einladung von Peter Schink wurde einer kleinen Runde von (Medien-)Bloggern am vergangenen Dienstag ein erster Einblick in die Neuerungen des künftigen Onlineangebots der WELT geboten.

Die anwesenden Thomas Gigold [Medienrauschen], Alexander Svensson [Wortfeld] und Falk Lüke [Blogruf] haben ihre Eindrücke von der “neuen Welt” bereits gepostet. Des weiteren waren Don Dahlmann und Daniel Fiene vor Ort, die künftig bei Welt.de als Blogger bzw. Podcaster unter Vertrag stehen. Beides gute “Einkäufe” wie ich finde, nachdem man mit der Verpflichtung von Thomas Wanhoff bereits ein sehr gutes Händchen bei der Personalpolitik bewiesen hat.

Multimedia

Welt-Online wird multimedialer sein als das bisherige Angebot. Der konsequente Ausbau der Onlinepräsenz mit Video- und Audioinhalten macht Sinn und mag als Testfeld für die bereits absehbare IP-TV-Zukunft fungieren. Strategisch die richtige Entscheidung. Ich wünsche den Springer-Leuten aber auch das nötige Durchhaltevermögen, die neuen Formate kontinuierlich zu optimieren und auch langfristig zu etablieren. Den schnellen Erfolg wird es meiner Ansicht nach nicht geben, die Produktionskosten muss man sich auch längerfristig leisten können (wollen). Werbe- und Marketingflächen sollten meiner Ansicht nach von Beginn an fester Bestandteil der Audio- und Video(pod)casts sein. Den User erst an werbefreie Formate zu gewöhnen und dann hinterher mit Werbeeinblendungen zu kommen halte ich für kontraproduktiv. Durch das Mehr an Multimedialität die direkte Konkurrenz zu Fernseh- und Radiosendern zu suchen ist aus meiner Sicht die richtige Entscheidung. Bisher machen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (abgesehen von zahlreichen Zweitverwertungen ihres Contents in Form von Podcasts oder Projekten wie bei DLF und Deutsche Welle) zu wenig aus ihrem schier unerschöpflichen audiovisuellen Content-Schatz. Dass das an der Organisationsstruktur, rechtlichen Vorgaben und der Finanzsituation liegt gereicht privat-kommerziellen Anbietern hier zum Vorteil. Die Frage ist, ob die Verlage diese Chance 1. sehen und 2. zu nutzen wissen. Jedenfalls bin ich der Überzeugung, dass die Grenzen der Onlineangebote von Print- und Rundfunkanbeitern im Internet zusehends verschwinden wird. Zähen werden dann starke Onlinemarken, die das volle multimediale Spektrum mit der vom Nutzer erwarteten Qualität liefern. Die Welt will dazugehören, wird es aber nur, wenn sie den jetzt vorbereiteten Weg auch konsequent zu gehen bereit ist.

Crossmedia

“Online first!” ist ein markiger Spruch, der die alte Tradition der Printler-Denke auf den Kopf stellt. Was Döpfner vordenkt, müssen gestandene Redakteure aber erst einmal nachleben und für sich selbst die Überzeugung entdecken, dass die intelligente crossmediale Verzahnung von Print und online für die langfristige Zukunft der Zeitung entscheidend ist. Allein mit dem Relaunch einer Website ist das lange nicht bewerkstelligt. Hier bedarf es geduldiger Überzeugungsarbeit nicht nur von oben, sondern insbesondere auch aus den Redaktion selbst heraus. Dass die Online-Redakteure der Welt künftig eigene Geschichten für Online und Print schreiben werden und natürlich auch die Printler eine Onlinedenke verpasst bekommen müssen ist hier entscheidend. Die Welt scheint mit das erkannt zu haben, aber ich bin mir sicher, dass der dahinter stehende Plan sinnvoll nur in kleinen Schritten umgesetzt werden kann. Hauruckaktionen sind hier fehl am Platz. Insofern ist auch hier für mich der anstehende Relaunch zwar ein Meilenstein, aber erst der Anfang einer langfristigen Entwicklung. Peter Schink lebt dies vor, die anderen müssen aber nachziehen.

Social Media

Peter kenne ich seit der Entwicklung und dem Start der Readers-Edition. Der Bürger und sein Content sollten dort King sein. Eine Readers-Edition wäre bei der Welt sicherlich fehl am Platz, dennoch sind mehr Interaktivität und mehr Unmittelbarkeit zwischen den Machern und den Lesern vorgesehen. Mutig ist hier die Entscheidung für alle Artikel Kommentare zuzulassen – und das ohne vorherige Registrierung oder Moderation. Zwar bewundere ich diesen Mut zur Offenheit einerseits, ich hege andererseits aber die Befürchtung, dass man die offene Kommentarfunktion nicht lange wird aufrechterhalten können.

Tagclouds sind ein tolles Instrument, mit dem man die Grundprinzipien von “Social Navigation” in die Praxis umsetzen kann. Der Wert von Tags und Tagclouds erschließt sich mir persönlich aber nur dann, wenn die Schlagworte von der Community und nicht nur – wie es Spiegel-Online vor- und die Welt Online nun nachgemacht hat – von Redakteuren kommen. Für die Redaktion mag es nett sein zu sehen, wie sich die Schlagwortwolke für einen Tag, für eine Woche, für einen Monat etc. entwickelt, aber für den Nutzer sehe ich im Vergleich zu anderen Social-Navigation Features zunächst keinen höheren Mehrwert. Hier bin ich weiterhin skeptisch! Die “am meisten gelesenen Artikel” oder die “am meisten kommentierten Artikel” scheinen mir hier intuitivere und vor allem massenfähigere Instrumente zu sein, Nutzern einen alternativen Zugang zum Content anzubieten. Das Feature hat mich beim Spiegel nicht überzeugt und wird mich nach aktuellem Stand auch bei Welt Online nicht überzeugen.

Die Erweiterung des Weblog-Angebots finde ich erfreulich. Neben den bereits genannten externen Bloggern wird auch Christoph Dowe von Politik-Digital die Blogmannschaft ergänzen. Man rückt also insgesamt ein Stückchen näher an und in die Blogosphäre. Die Tentakel der Welt gehen aber weiter, da unter der Rubrik 2. Meinung die RSS-Feeds der Konkurrenz auf das eigene Angebot gezogen werden. Ganz großes Kino! Ich bin auf die (Re-)Aktionen der Konkurrenz gespannt… :-) Aber dieses Features fand ich schon bei der New York Times einfach super!

Design & Layout

Ich muss zugeben, ich bin kein Welt(online)-Leser und werde es wohl auch nicht werden (wobei mich die Podcasts schon sehr neugierig gemacht haben!). Insofern sind Äußerungen zum Design einer Website eher Geschmackssache. Dennoch: Die Haupt-Contentspalte zu splitten und zweispaltig laufen zu lassen finde ich aus Usability-Gesichtspunkten – wie heißt es so schön – suboptimal. Unterschiedliche Lauflängen der Spalten, gedrängter Text, wenig Spielraum bei Überschriftenlänge und Bildschnitt sind aus meiner Sicht die zentralen Nachteile. Die angedachte “Exklusiv-Meldungen-Box” am rechten oberen Bildrand hat ähnliche Schwachstellen. Wenig Raum für Text und zu kleine Bilder. Als Leser erwarte ich hier faktenorientierte Schlagzeilen, die vor allem die angebliche “Exklusivität” der Meldung direkt kenntlich macht. Kritisch sehe ich in diesem Zusammenhang auch die “Nachrichten-in-Bilden”, die kurz unterhalb der Scrollkante positioniert sein wird. Vier nebeneinander stehende Bilder sollen die Nachrichten des Tages visualisieren vermitteln, ohne begleitende Schlagzeile, ohne Bildzeile. Zwar flippen kleine Infoboxen auf, wenn man mit der Maus über die Bilder fährt, aber mir ist das für den angedachten zweck zu verspielt. Für mich gehört zu in journalistischen Kontexten verwendeten Bildern eine BUZ bzw. eine ordentliche textliche Einordnung in einen Zusammenhang.

Fazit

Kurz und knapp: Der anstehende Relaunch und das, was Peter Schink und Co. noch auf der Agenda haben, entwickeln das Onlineangebot der Welt an den richtigen Stellen weiter. Strukturell und layouttechnisch habe ich meine Einwände. Wenn sich der Weitblick von Peter bei der Welt insgesamt verfestigt, man Durchhaltevermögen beweist und Welt online als perpetual peter beta beständig weiter entwickelt, kann das die Marke Welt online nachhaltig stärken und näher an die bisherigen Platzhirsche heranführen. Insgesamt erwarte ich also vom anstehenden Relaunch keine Revolution, ganz sicher aber eine “Evolution” in die richtige Richtung (Boah, klingt das geschwollen! Aber egal, irgendwie musste ja der Bezug zur Überschrift nochmal hergestellt werden).

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