Nachlese Web2.0-Workshop am HBZ-NRW
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 3 minutes.

Ja, Harald Sack, Michael Schaarwächter und ich hatten Spaß beim Web2.0-Workshop in Köln, den wir am Dienstag und Mittwoch für das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen [HBZ-NRW] abgehalten haben. An der Fortbildungsveranstaltung nahmen 18 Bibliothekare und IT-Profis aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Bibliotheken teil.
Am ersten Tag haben wir mit den Teilnehmern zunächst Grundlagen zu Web2.0 und Social Software erarbeitet. Harald Sack hat dabei wieder den technisch orientierten Part übernommen, während ich die medienhistorsichen, sozialen, medialen und kommunikativen Aspekte und Trends von und im “Web2.0″ überblicksartig behandelt habe. Als “Bibliotheksinsider” hat Michael Schaarwächter von der UB-Dortmund zum einen souverän durch den Tag geführt moderiert und durch seine Anmerkungen und Bezüge zur Relevanz der webzweinulligen Entwicklungen für die Bibliotheken unsere “Trias” perfekt ergänzt.
Wie schon in Münster bei der InetBib2006 haben wir zum Warm-up EPIC2015 gezeigt und anschließend fünf mehr oder minder provokante Thesen zur Zukunft der Bibliothek – die übrigens von Bibliothekaren stammten – mit den Teilnehmern diskutiert.
WongIt! hieß es dann am Nachmittag. Nachdem Harald die theoretischen Grundlagen, Potentiale und Probleme von Social Tagging umrissen hatte, ging es ab in den PC-Raum, wo ich den Teilnehmern die Funktionsweise von Mister-Wong vorgestellt. Anschließend ging es dann in Gruppen an verschiedene Webrecherchen, die in Mister-Wong zu dokumentieren, bookmarken und zu taggen waren. Da ich mit dieser Übung bereits gute Erfahrungen mit meinen Studis gesammelt habe, stellte sich auch hier der Effekt ein, dass sich nach einer Stunde “wongen” bereits eine aussagekräftige Tagcloud kristallisiert hatte.
Gelernte Bibliothekare sehen im Tagging im Vergleich zu Verschlagworten, so wie sie es kennen, zunächst mal krasse Unterschiede und Probleme. Dennoch wurde den meisten denke ich klar, wo die Potentiale für das individuelle sowie das kollaborative Informations- und Wissensmanagement liegen.
Michael hat zum Abschluss des Tages dann noch diverse MashUps und AJAX-Anwendungen vorgestellt. Einer der Teilnehmer, Florian Seiffert von der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der deutsche Sporthochschule in Köln, unterstütze ihn dabei. Er berichtete von seinen Erfahrungen mit Librarything.
Noch ganz im Siegestaumel von dem grandiosen Sieg der deutschen Handballer im Viertelfinale war es am morgen des zweiten Workshoptages meine Aufgabe, Hintergründe zu den Themen Blogs, Wikis, Podcasting RSS und Co. zu beleuchten. Da es inzwischen zahlreiche sehr interessante Anwendungen dieser Dienste in und rund um Bibliotheken gibt, konnten wir im Vergleich zur InetBib mit neuen Beispielen aufwarten. Am Beispiel meiner Lehr-/Lernkonzepte, die ich in den letzten Jahren mit Hilfe von Social Software und Web2.0-Anwendungen stark weiter entwickelt habe, habe ich versucht darzulegen, wie eine sinnvolle und zielorientierte Kombinatorik dieser Dienste in konkreten Anwendungsszenarien aussehen kann.
Die technischen Details von und zu AJAX hat Harald im zweiten Block dann erläutert. Spannend war die Frage aus dem Publikum, inwiefern sich AJAX und Accessibility “vertragen”. Harald erklärte, dass es zwar erste Versuche gibt AJAX barrierefrei zu bekommen, wirklich zufriedenstellende Lösungen aktuell aber nicht vorliegen.
Das Themenfeld “Social Engineering, Datenschutz und Privatsphäre” war das letzte inhaltliche Modul des Workshops. Michael Schaarwächter hat an einigen sehr eindrücklichen Beispielen herausgearbeitet, welche Spuren Nutzer im Netz hinterlassen und wie sich diese Problematik durch Social Networking weiter verschärft. Die Kontrolle über die eigene Identität steht im Netz der Netze auf dem Spiel. Bei aller Euphorie um die neuen Möglichkeiten im “neuen Web”, dürfen Sicherheits- und Vertrauensaspekte nicht außer Acht gelassen werden. Das war dann auch der Tenor in der anschließenden Diskussionsrunde.
Mein Fazit: Ein rundum gelungener Workshop mit einer großen Bandbreite an Themen. Es war ein sehr dichtes Programm, das aus einer (hoffentlich) gut ausgewogenen Mischung aus Theorie/ Hintergrund, Technik und Anwendungsbeispielen bestand. Ich persönlich habe in den Diskussion im Plenum und am Mittagstisch sehr viele neue Sichtweisen zu Web2.0 allgemein und den speziellen Verwendungsmöglichkeiten in Bibliotheken dazu gelernt. Insofern bin ich umso mehr auf den Vortrag, die Diskussionen und Gespräche gespannt, die Harald Sack und mich am Montag in Hamburg erwarten. Dort werden wir gemeinsam bei einer Veranstaltung von ExLibris, einem Hersteller von Softwaresystemen für Bibliotheken, referieren. Auch dazu wird es natürlich wieder eine Nachlese geben.
Weitere Infos zum Workshop gibt es im Bib-Wiki!
