Nachlese: Bibliothek 2.0 @ Buchmesse Frankfurt

bib20

[Update Anfang] 16.10.2006: Angela Reinhardt, Organistorin des Panels, schreibt in ihrem Blog über die Runde und Patrick Danowski, den ich beim Web 2.0-Workshop bei der diesjährigen Inetbib kennenlernen durfte, weist in diesem Posting seines Blogs zu Bibliothek 2.0 auf wichtige Aspekte hin, die abseits von Technik und Geld entscheidend bei der Weiterentwicklung der Bibliotheken sind. [Update Ende]

Hier hatte ich ja schon in Wort und Bild von der Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse berichtet, an der ich zusammen mit Hardbloggingscientist-Kollege Harald Sack als Medienexperte teilgenommen habe. Und wie ich hier vor meinem Urlaub versprochen habe, reiche ich mit diesem Posting noch mein persönliches Fazit der Diskussionsrunde nach.

Insgesamt war die Veranstaltung durch Abebooks in Person von Angela Reinhardt hervorragend vorbereitet und organisiert. Darüber hinaus war mit Tim Spalding, dem Gründer von LibraryThing, einer der interessanteren neuen Shootingstars am Web 2.0-Himmel mit von der Partie. Optimal wäre gewesen, wenn für Tim noch ein Dolmetscher zur Verfügung gestanden hätte. So konnte er der Diskussion nur bedingt folgen, wurde aber dank auf Englisch gestellter Fragen aus dem Publikum dennoch mit eingebunden.

Nun zum einzigen Manko: Eine Podiumsrunde zu dem Thema “Revolution im Karteikasten: Bibliotheken & Web 2.0″ durchzuführen ohne auf dem Podium auch einen Bibliothekar oder eine Bibliothekarin dabei zu haben ist eigentlich ein ziemliches Wagnis. Kann man aus meiner Sicht eigentlich nicht machen, aber es gab offenbar Gründe, warum es nicht geklappt habt einen Bibliothekar dabei zu haben. Während der Diskussion habe ich durch die Thematisierung dieser Leerstelle und die Einbeziehung des Publikums versucht, das Manko auszugleichen.

Harald und ich haben uns souverän wie immer die Bälle zugespielt und dabei Web 2.0, Social Software, Tagging und Co. gut verständlich (wie ich denke) erklärt. In der Diskussion mit Marcus Polke, dem sympathischen Geschäftsführer von Abebooks Europe, dürften dann für das Publikum noch einige interessante weitere Aspekte im Zusammenhang mit Web 2.0 und der Zukunft Bibliothek angesprochen worden sein.

Einer meiner Standpunkte war, dass im hoch gehypten Web 2.0 die Massenkultur auf die Netzkultur prallt und die erstere versucht, letztere für sich auszubeuten. Gerade hierhin sehe ich die Gefahr, dass durch Inkompetenz, Ignoranz und Geldgier einige Unternehmen noch einmal genauso auf die Nase fallen werden, wie es vor nicht allzu langer Zeit schon einmal passiert ist. Nur dass diesesmal die aktiven und Content generierenden User in noch stärkerem Maße die Leidtragenden sein dürften.

Die Antwort auf meine Frage, wie Abebooks der LibraryThing-Community auch etwas für die dort gratis erarbeiteten Inhalte zurückgeben wird, beantwortete Marcus Polke interessanter Weise damit, dass durch die finanzielle Unterstüzung von Librarything der Fortbestand und Erhalt der Community sichergestellt werde, eine weitergehende Einmischung von Abebooks in die Community aber nicht vorgesehen ist. Ich werde das kritisch im Auge behalten… ;-)

Nachdem sich im Publikum dann tatsächlich Bibliothekarinnen und Bibliothekare sowohl aus wissenschaftlichen als auch aus nicht-wissenschaftlichen Bibliotheken zu Wort gemeldet hatten, ging es dann noch länger darum, wie sich die Bibliotheken nun am besten fit machen für die Herausforderungen aber auch die Möglichkeiten, die sich im Web 2.0 für sie ergeben. Hier ist natürlich die Trägheit gerade im aufgeblähten universitären Verwaltungsapparat von Nachteil, da man im Vergleich zu kommerziellen Unternehmungen nicht so schnell und auch nicht mit der direkt verfügbaren Finanzkraft in neue Bereiche einsteigen kann. Dennoch wurde deutlich, dass in den Bibliotheken – gerade in den wissenschaftlichen – einiges an Innovationskraft und -wille schlummert, die es in den nächsten Jahren systhematisch zu aktivieren gilt. Diverse Initiativen und Förderbestrebungen von Seiten der DFG beispielsweise kamen zur Sprache. Leider habe ich mir nicht alle gemerkt, aber ich habe auf das hervorragende netbib-Blog hingewiesen, dass aus meiner Sicht absolut nah am Puls der Zeit ist und aktuelle Entwicklungen in Bibliotheken weltweit beobachtet, zusammenstellt, kommentiert und für interessierte Fachleute zur Verfügung stellt – und das auch ohne DFG-Förderung. Ich habe beim Lesen des Netbib immer das Gefühl, dass hier ein toller Gradmesser dafür vorliegt, wie der Weg der Bibliotheken in die Zukunft aussehen wird.

Das war ein Lesebefehl!

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