Library 2.0 auf der InetBib 2006
by Steffen Büffel. Average Reading Time: about 3 minutes.
Schön wars auf der InetBib2006 in Münster, auch wenn ich nur bei den Pre-Conference Workshops dabei war und das auch für mich als Medienwissenschaftler durchaus interessante Tagungsprogramm nicht weiter verfolgen konnte.

Zusammen mit Harald Sack habe ich einen Workshop zu “Web 2.0-Technologien: Zukunft der Bibliothek – Bibliothek der Zukunft” abgehalten. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bibliotheken aus ganz Deutschland waren mit von der Partyie. Auch der ein oder andere Vertreter von Softwarefirmen hatte sich angemeldet.
Besonders gefreut habe ich mich auf die Zusammenarbeit mit Harald, die auch ganz vorzüglich funktioniert hat. Das Konzept hatte ich mir überlegt, den inhaltlichen Teil des Vortrags haben wir nach Kompetenzen verteilt: Als promovierter und derzeit habilitierender Informatiker war Harald prädestiniert dafür, die technischen Grundlagen zu erläutern. Ich habe den soziologischen und kommunikationswissenschaftlen Part übernommen. Ich würde mal sagen, dass wir uns bei unserer Vortragspremiere die Bälle schon ziemlich gut und sicher zugespielt haben. :-) Der Workshop hat jedenfalls sehr viel Spass gemacht, nicht zuletzt auch deswegen, weil das Konzept aufgegangen ist und die TeilnehmerInnen prima mitgearbeitet haben.
Thesen zur Zukunft der Bibliothek
Zur Einstimmung haben wir EPIC2015 gezeigt und davon ausgehend die aktuellen Probleme und Herausforderungen für Bibliotheken mit den Anwesenden diskutiert. Um die Diskussion in Ganz zu bringen hatte ich im Vorfeld mit ein paar Bilbiothekaren gesprochen um Thesen über die Zukunft der Bibliothek aus Expertensicht zu sammeln. Folgende fünf Statements kamen dabei zustande:
„Die Bibliotheken müssen sich vom Informationsbewahrer zum Informationsvermittler wandeln!“
„Open Access ist trotz Verlagsmonopolen und strengen Urheberechtsregelungen nicht aufzuhalten. Nur der hat dann noch eine Berufsberechtigung, der sich mit den Techniken auskennt und den Weg zeigen kann!“
„Der Aufwand für das klassische Verschlagworten steht in keinem guten Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung der Schlagwortsuche. Es wird durch automatisierte Verfahren ersetzt werden!“
„Das Berufsbild des Bibliothekars steht unter Wandlungsdruck. Ein Großteil des Personals ist aber nicht für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft ausgebildet!“
„Im Wissenschaftsbetrieb können Bibliotheken, Rechenzentren, Medien- und E-Learning-Zentren in Zukunft nicht länger getrennt voneinander agieren. Sie müssen sich stärker vernetzen und werden zusammenwachsen.“
Meinungen, Standpunkte, Ansichten
Während eher Skepsis gegenüber dem Siegeszug von Open Access im Plenum herrschte, konnten die anderen Statements in weiten Teilen so bestätigt werden. Darüber hinaus kamen aber weitere sehr interessante Aspekte zur Sprache. Unter anderem wurde deutlich, dass von einigen offenbar eine große Diskrepanz zwischen notwendigem Innovationen (und dem damit verbundenen Handlungsbedarf) und den Vorstellungen von Verantwortlichen und Entscheidern im wissenschaftlichen Bilbiotheksbetrieb wahrgenommen wird.
Ausserdem wurde in der kurzen Eröffnungsdiskussion klar, dass einige Bibliotheken bereits tiefgreifende Veränderungen vollzogen haben, während an anderen Bibliotheken eher zögerlich agiert wird. Dass dies in der Regel nicht an den Mitarbeitern liegt, sondern an den personellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschulen, somit also politische Faktoren offenbar mehr Gewicht haben, als aufgrund der Sachlage angemessende Entscheidungen, konnte man ebenso herauslesen.
Web2.0 und was wirklich dahinter steckt
Im mittleren Teil des Workshops haben Harald und ich dann zunächst die technischen, medialen, kommunikativen und soziologischen Grundzüge von Web 2.0 und Social Software einführend behandelt. Ins Zentrum haben wir den Vernetzungsaspekt gestellt, der sich auf allen Ebenen in je spezifischer Ausprägung zeigt. Dabei wollten wie deutlich machen, dass jenseits des Marketinghypes um Web2.0 und Co. tatsächlich ein qualitativer Wandel im Web und seiner Wahrnehmung zu konstatieren ist, der nachhaltige Auswirkungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen nach sich zieht.
Webzweinullige Anwendungen, deren technische Hintergründe und Einsatzfelder im Bibliothekswesen bildeten dann den Kern unserer Präsentation. Auf AJAX, RSS, Weblogs, Wikis, Podcasting und natrlich Social Bookmarks und Tagging sind wir dabei eingegangen. Insbesondere Tagging und Social Bookmarking lassen sich ganz hervorragend vor dem Hintergrund des traditionellen Berufsbildes eines Bibliothekars diskutieren. Dementsprechend führten unsere Erläuterungen dann auch abschließend in eine Diskussion über die Zukunft der Bibliothek.
Bibliothek + Web2.0 = Bibliothek 2.0?
Was denkt der geneigte Leser dieser Zeilen über dieses Thema? Kommentare sind sowohl hier mehr als willkommen als auch im extra für den Workshop eingerichteten Wiki, das unter http://www.bib-wiki.de zu finden ist. Dort gibt es die Vortragsfolien, weitere Links zu EPIC2015 und (hoffentlich bald) auch einen MP3-Mitschnitt des Workshops.
